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Kundalini - Psychose oder Transzendenz? Startseite

Von Lee Sannella

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
2. Einführung
3. Der indische Guru Meher Baba
4. Die Bedeutung der Wiedergeburt
5. Das Problem der Objektivität
6. Das Kundalinimodell
7. Interkulturelle Aspekte der Kundalini
8. Hitzeerscheinungen in verschiedenen Traditionen
9. Das Ouroboros - der Schwanzfresser
10. Einige klassische Yoga-Ansichten
11. Ein amerikanischer Fall
12. Untersuchte Kundalini-Fälle
Vier Physio-Kundalini-Fälle:
13. Drei Fälle mit Hitzeempfindungen
14. Zwei Heiler
15. Drei Fälle mit Komplikationen
16. Plötzlicher Kundaliniaufstieg
17. Diskussion
18. Zusammenfassung der Zeichen und Symptome
19. Korrelation mit Bentov's Modell
20. Abschließende Bemerkung
21. Kundalini: Klassisch und klinisch
22. Diagnostische Betrachtungen
23. Empfehlungen und weitere Diskussion
24. Kundalini als Therapie
25. Zusammenfassung



1. Vorwort     Top

Dr. Lee Sannella ist Psychiater und Augenarzt. Er studierte Medizin an der Yale University, USA und unterrichtete an der Universität von Kalifornien und weiteren akademischen Institutionen. Mit 60 Jahren begann er mit Körperübungen, Diäten und Fasten zu experimentieren und entdeckte für sich die Verbindung von Körper und Geist. Als Mitbegründer der Kundalini-Klinik in San Francisco 1974 half er vielen Betroffenen von Kundalini-Schüben mit dieser Erfahrung integrierend umzugehen. Nun in seinen siebziger Jahren ist Dr. Sannella weiterhin körperlich aktiv, hält Vorträge und Seminare. Er ist weiterhin neugierig und offen gegenüber den Mysterien des Lebens.

Dieses Buch ist zu einem großen Teil das Produkt einer Gruppenarbeit. Insbesondere möchte sich der Autor bei folgenden Personen bedanken: Keith Borden, Freda Morris, Henry S. Dakin, Gabriel Cousens, Danniel Kientz, Jean Millay, Richard Lowenberg, Elaine Chernoff, Beverly Johnson, George Meek, James Fadiman und Itzhak Bentov für ihre Beratung und Unterstützung bei der Vorbereitung, der Bearbeitung und Überprüfung der Handschrift und Grafiken.

Die Teilnahme von vielen anderen Personen an der Forschung, die hier beschrieben ist, wird dankbar angenommenen, wenn auch, aus medizinischen Gründen, ihre Namen nicht angegeben sind.



2. Einführung     Top

Gewebe ist gerissen, Blutgefäße durchtrennt, Blut verschüttet, viel Flüssigkeit geht verloren, das Herz rast und der Blutdruck steigt. Es gibt Jammern, Weinen und Schreien. Eine schwere Schädigung? Nein, nur eine normale menschliche Geburt. Die Beschreibung klingt pathologisch, weil die Symptome nicht in Bezug zum Ergebnis betrachtet werden: die Geburt eines neuen Menschen.

In einem abgedunkelten Raum sitzt ein Mann allein. Sein Körper wird von muskulären Krämpfen gepeinigt. Unbeschreibliche Empfindungen und starke Schmerzen laufen von den Füßen über seine Beine zu Rücken und Nacken. Sein Schädel fühlt sich an, als würde er platzen. In seinem Kopf hört er tosende Geräusche und ein schrilles Pfeifen. Dann plötzlich überschwemmt ein Sonnenschein sein Wesen. Seine Hände brennen. Er glaubt, sein Körper würde innen zerreißen. Dann lacht er und es überkommt ihn eine Glückseligkeit.

Ein psychotischer Vorfall? Nein, dies ist eine psycho-physiologische Umwandlung, eine Wiedergeburt, so natürlich wie der Prozess der physischen Geburt. Es erscheint pathologisch, weil die Symptome in Bezug auf das Ergebnis nicht verstanden werden: die Geburt eines erleuchteten Menschen.

Wenn diese Entwicklung bis zum Abschluss zugelassen wird, gipfelt dieser Prozess in einer tiefen psychologischen Ausgeglichenheit, Stärke und Reife. Seine Anfangsphase jedoch zeigt oft Formen von Gewalt, Hilflosigkeit und Unausgeglichenheit, die ebenfalls die menschliche Kindheit begleiten.

Seit Tausenden von Jahren, seit den antiken Schriften der indischen Veden (die heiligen Schriften des Brahmaismus/Hinduismus) wird dieser Prozess beschrieben. Bis vor kurzem wurde dieser Prozess nur fernen und begrenzten Kulturen, esoterischen Traditionen und einigen wenigen isolierten Individuen zugeschrieben. Vorfälle dieser Art sind normalerweise im hohen Grade persönlich und von einem vagen Mystizismus und einer mysteriösen Mythologie durchdrungen. Als Folge davon wurden diese Vorfälle nicht ernst genommen, so dass kein systematischer Vergleich der Berichte aus verschiedenen Traditionen möglich war. Viele dieser Traditionen beanspruchten göttliche Offenbarungen und die absolute Wahrheit. Infolgedessen blieben viele medizinische Fachleute verwirrt, skeptisch und misstrauisch.

In letzter Zeit haben zwei Faktoren diese Situation radikal verändert. Erstens gibt es eine deutliche Zunahme der Anzahl von Personen, die intensive spirituelle Erfahrungen innerhalb unserer eigenen Kultur haben (Greeley and McCready, 1975). Zweitens hat der Einfluss der westlichen Wissenschaft einen neuen Schwerpunkt auf das Beschreiben der objektiven Aspekte dieses Prozesses in anderen Gesellschaften als auch in unserer eigenen Gesellschaft gelegt. Daher ist es jetzt möglich, die Erfahrungen verschiedener Traditionen durch einheitliche Normen miteinander zu vergleichen und durch die Anwendung dieser Normen klinische Beobachtungen aus erster Hand zu erhalten.

Wir finden eine ausgeprägte Einheitlichkeit in den Beschreibungen dieser Prozesse in den unterschiedlichen Traditionen. Gopi Krishna (1973), ein yogischer Schriftsteller, sagt, aus den aufgezeichneten Erfahrungen der christlichen Mystiker, Sufi- und Yoga-Meister ist es ersichtlich, dass die grundlegenden Voraussetzungen für diese Erfahrungen die gleichen sind. Eine Studie über diese Vorkommnisse zeigt, wenn sie ausreichend detailliert ist, Symptome und Empfindungen, die ähnlich sind, wie sie von uns gefunden wurden.

Wir glauben, dass diese gemeinsamen Aspekte physiologische Komponenten haben und dass die Aktivierung eines einzigen physiologischen Mechanismus, die Ursache für die breite Vielfalt der Phänomene ist, die wir beobachten. Wenn diese Annahmen richtig sind, kann die Idee der Wiedergeburt oder der spirituellen Erleuchtung nicht länger als ein unübersichtliches Durcheinander von Aberglaube, religiösen Dogmen und wilden Gerüchten betrachtet werden. Spirituelle Wiedergeburt wird stattdessen zu einer wohldefinierten Entität (zu einem eindeutig identifizierbares Objekt). Wir können nun fragen, wie läuft dieser Prozess ab? Zu welchem Zustand führt er? Entwickeln diese Leute wirklich psychische Kräfte? Worin unterscheidet er sich von der Normalität auf der einen Seite und von der Psychose auf der anderen Seite? Ist es nur ein veränderter Zustand des Bewusstseins, den viele Forscher jetzt erforschen oder ist es mehr?

Es ist nicht einfach nur ein veränderter Zustand des Bewusstseins, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der mehrere Monate oder viele Jahre andauern kann, in denen die betroffende Person verschiedene Zustände des Bewusstseins durchläuft. Der Kundalini-Prozess bewegt sich ausserhalb der Normalität und der Psychose, weil eine Person, die diese Transformation durchläuft, Erfahrungen hat, die weit von der Normalität entfernt sind ohne dabei normalerweise so durcheinander zu sein, dass es als psychotisch betrachtet werden könnte. Auch ist der Prozess nicht mit einer psychischen Erkrankung gleichzusetzen, weil Menschen, die nicht dieser Transformation unterzogen sind,  psychisch erkranken können, während andere, die diesen Prozess abgeschlossen haben, es nicht sind. Die Transformation kann zu vielen besonderen Fähigkeiten führen, aber sie ist nicht untrennbar damit verbunden. Tirtha (1962) weist darauf hin, dass ein großer Yogi, der die Kontrolle über seine Herztätigkeit hat, möglicherweise kein aktives Kundalini haben kann, da jemand mit einem aktiven Kundalini diese Fähigkeiten nicht besitzt.

Für einen Menschen, der die Transformation durchmacht, kann die Bedeutung des erleuchteten Zustandes sehr persönlich und subjektiv (voreingenommen) sein. Unser Ziel ist es, den Prozess hinsichtlich der Beobachtungen, die gemacht wurden, zu beschreiben.

In diesem Buch präsentieren wir viele Fälle, einige durch die Erkundung verschiedener Kulturen und spiritueller Traditionen und andere aus unserer eigenen klinischen Erfahrung. Dies liefert uns genügend Daten, um ein Potrait dieses Prozesses zu erhalten.

Normalerweise kann ein Kliniker (Mediziner) seine Fälle mit der Erwartung darstellen, dass sie als Nennwert akzeptiert werden, auch wenn die Schlussfolgerungen in Frage gestellt werden. Aber in diesem Bereich sind wir gezwungen zu zögern. Sollten wir Daten präsentieren, die in den aktuellen Modellen der westlichen Wissenschaft unmöglich erscheinen? Oder sollten wir auf die Veröffentlichung der Beobachtung verzichten, von denen wir annehmen, dass sie korrekt sind, um nicht die Akzeptanz wichtigerer Fragen zu gefährden? Wir sind der Meinung, dass das Zurückhalten der Daten ein Ausweichmanöver ist und langfristig destruktiv für den Geist der Wissenschaft wäre. Wenn die heutigen Modelle beweisen, dass sie unzureichend sind, dann können sie morgen besser sein. Nicht nur die Wissenschaftler und der Schriftsteller, sondern auch der Leser muss hier eine besondere Anstrengungen unternehmen, um Objektivität (Unvoreingenommenheit) zu entwickeln.

Wir glauben, dass die zitierten Autoren (das Buch entstand unter der Mitwirkung von 12 namentlich genannten wissenschaftlichen Mitarbeitern) zuverlässig sind. Unsere untersuchten Fälle sind alle lebend und mit einer Ausnahme, in Kontakt mit dem Autor (Lee Sannella). Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, waren sie zu einem Interview mit einem seriösen Befrager bereit. Forscher, die unsere Daten bestätigt oder ergänzt haben wollen, können diese Menschen durch den Autor kontaktieren. Alle von uns schulden ihnen Dankbarkeit, für ihre großzügige Zusammenarbeit.

Durch die Literaturstudie, die klinischen Studien unserer eigenen Fälle und durch die Laborergebnisse, stellen wir die These auf, dass der Prozess, der meist als "Aufstieg der Kundalini" betrachtet wird, eine Realität ist, die sehr wünschenswert ist und als evolutionärer Prozess, der im menschlichen Nervensystem stattfindet, beschrieben werden kann.

Es ist interessant, zu beobachten, dass unsere These mit den persönlichen Erfahrungen des indischen Yogi Gopi Krishna (1903-1984) in Einklang steht, der seinen persönlichen Kundaliniaufstig in seiner Biografie beschrieben hat. Er sagte:

"Ein neues Zentrum, welches gegenwärtig in der normalen Frau, im normalen Mann, schlummert, wird aktiviert und ein mächtiger Strom psychischer Energie steigt von der Basis der Wirbelsäule in den Kopf, um ein menschliches Bewusstsein zu ermöglichen, welches die normalen Grenzen überschreitet. Dies ist die letzte Phase des gegenwärtigen evolutionären Impulses im Menschen. Das Gehirn-Rückenmark-System des Menschen durchlebt eine radikale Veränderung, die es ermöglicht, dass das Bewusstsein die normalen Grenzen überschreitet. Das Gehirn-Rückenmark-System des Menschen erlebt eine radikale Veränderung, um ein Bewusstsein zu erreichen, das die Grenzen des höchsten Intellekts überschreitet. Hier ergibt sich aufgrund der Intuition eine Offenbarung, die die Schritte der Menschheit zu leiten scheint. Die lebendige Substanz, die für diese ästhetische Form im Gehirn verantwortlich ist, ist völlig außerhalb unserer Kontrolle und dies wird auch für längere Zeit so bleiben."

Wir beginnen unsere Darstellung, indem wir die besondere Bedeutung des Wiedergeburtsprozesses in der heutigen Zeit diskutieren und indem wir über das Problem der Objektivität, in der Beschreibung von spirituellen Zuständen, sprechen. Dann werden wir das Kundalini-Konzept der Yoga-Tradition, als das klassische Wiedergeburtsmodell darstellen, welches leicht für die psychologische Interpretation zugänglich ist. Aber gewisse Unterschiede zwischen dem klassischen Kundalini Konzept und unseren eigenen Fällen, veranlassen uns, eine Variantion, das physiologische Kundalini-Modell, vorzuschlagen, um unsere Beobachtungen zu erklären.

Unsere Daten setzen sich aus veröffentlichten Berichten verschiedener Kulturen und vielen eigenen Fällen zusammen. Daraus werden wir die charakteristischen Zeichen und Symptome des Wiedergeburtsprozesses zusammenfassen, die bezeichnend für den vielschichtigen physiologischen Kundaliniprozess sind. Wir leiten dieses Konzept von einem Modell ab, welches kürzlich von Itzhak Bentov, einem tschechischen Ingenieur mit biomedizinischer Spezialisierung, vorgeschlagen wurde, welches die Auswirkungen der Kundalini erklärt. Sein Modell ist die erste Theorie des Kundalini-Phänomens, welches einer experimentellen Überprüfung unterworfen werden kann. Die Bedeutung der Arbeit Bentov's wird diskutiert. Seine Arbeit ist im Anhang eingefügt.

Wir prüfen, wie unsere Befunde in Beziehung zu den klassischen yogischen Beschreibungen der Kundalini zu bringen sind. Dann, in unserer Diskussion über die Diagnose, zeigen wir, dass es möglich ist, den physiologischen Kundaliniprozess zu erkennen und ihn von der Psychose zu unterscheiden, selbst wenn sich diese beiden Bedingungen vorübergehend in einer bestimmten Person vereinen. Diese Unterscheidung macht es für Klinikärzte möglich, die Fehler zu vermeiden, die oft in der Vergangenheit begangen wurden.

Menschen, die die Wiedergeburt durchmachen, brauchen oft eine besondere Hilfe. Wir werden überlegen, welche Formen der Hilfe ratsam sind und welche nicht. Schließlich schlagen wir eine Anäherung für die Bewältigung der Probleme und Chancen vor, die durch das Wiedergeburtsphänomen in der Gesellschaft entstehen. Hier können wir durch den Präzedenzfall von Meher Baba's1 Arbeit angeleitet werden, der als zweiter Anhang dem Buch hinzugefügt wurde. Warum ist die Wiedergeburt überhaupt möglich? Ein dritter Anhang "Die Empfindlichkeit des menschlichen Organismus" befasst sich mit dieser Frage. Ein vierter Anhang ist für mediziniche Spezialisten und der letzte Anhang für Klinikärzte.

Studien in diesem Bereich sind zeitgemäß, in der Tat sind sie dringend notwendig. Die neue Beschäftigung mit spirituellen und okkulten Praktiken, insbesondere bei der Jugend, beinhaltet sowohl große Versprechen, aber auch große Gefahren. Es ist wichtig, dass wir schnell zu einem tieferen Verständnis in diesem Bereich gelangen.



3. Der indische Guru Meher Baba     Top

1Meher Baba (1894-1969), der als Sohn des zoroastrischen Derwisch (des persichen Sufi) Sheriar und seiner Frau Shireen in Poona (Indien) geboren wurde, begegnete 1913 der islamischen „Heiligen“ Hazrat Babajan (1810?–1931). Eines Abends, als er von der Schule nach Hause radelte, rief ihn die ältere Moslemfrau zu sich. Aber sie sprach nicht mit ihm, sondern umarmte ihn nur und küsste ihn auf die Stirn. Baba ging nun öfter zu ihr, und bei einem der folgenden Besuche verhalf sie ihm zur "blitzartigen Erkenntnis der grenzenlosen Seligkeit der Selbstverwirklichung". Sie küsste ihn auf die Stirn. Das ist der Zeitpunkt, der als seine Erleuchtung angegeben wird. Nach diesem geistigen Durchbruch ging er nur noch wie in Trance umher und schien die Welt um sich herum kaum noch wahrzunehmen. Seine Eltern glaubten, er litte an einer Geisteskrankheit, aber er erklärte ihnen später, dass er sich in einem Zustand höchster Ekstase befunden und dass Babajans Kuss die Schranke zwischen ihm und Gott aufgehoben hätte. In den nächsten Jahren scharte er erste Jünger um sich, die ihn "Meher Baba" (mitfühlender Vater) nannten.

1922 eröffnete Meher Baba in Bombay einen Ashram, in dem er Anhänger aller Glaubensrichtungen und auch Unberührbare willkommen hiess. Während der Dreißigerjahre fuhr er schweigend zu allen geheiligten Stätten der Welt, um dort die göttliche Gegenwart zu meditieren. Er gründete noch weitere Ashrams und unternahm auch Reisen in die USA und nach Europa. Mit seiner charismatischen Ausstrahlung übte er auf viele einen starken Einfluss aus, und noch heute, lange nach seinem Tod, bekennt sich eine grosse Zahl von Anhängern zu ihm.

Er kritisierte, dass Leute sich anschreien: „Je größer die Liebe, desto sanfter die Stimme.“ Letztlich brauche man gar keine Worte mehr. Deshalb schwieg er vom 10. Juli 1925 an die restlichen 44 Jahre seines Lebens, "um die Menschheit von den ungeheuren Kräften des Unwissens zu erretten". In Erinnerung an diesen Tag feiern seine Anhänger auch heute noch den „Tag der Stille“. Um sich mitzuteilen, nutzte er fortan Buchstabentafeln und ab 1954 Handzeichen. Von Meher Baba stammt der Satz: „Die Wahrheit ist von den Weisen des Altertums oft genug formuliert worden. Heute kommt es darauf an, sie zu leben.“ Er bereiste schweigend die Welt und meditierte an vielen heiligen Stätten. Während des Zweiten Weltkrieges kümmerte er sich um psychisch Kranke, die vom gewöhnlichen Gesichtspunkt aus als verrückt bezeichnet werden, doch nicht im normalen Sinne krank sind, sondern die die spirituelle Wiedergeburt zu verwirklichen suchen.

Einer seiner berühmtesten Jünger ist Pete Townshend, Gitarrist und Songwriter von "The Who", der ihm mit dem Lied "Baba O'Riley" ein musikalisches Denkmal setzte. Ein weiteres Lied, das seine Philosophie in Noten setzt, ist der Nummer-Eins-Hit "Don't Worry, Be Happy" (Mach dir keine Sorgen, sei glücklich) von Bobby McFerrin aus dem Jahr 1988. Darin verarbeitete McFerrin die letzten Worte Babas.

Diese synkretistische (Synkretismus bedeutet die Vermischung von religiösen Ideen oder Philosophien zu einem neuen System oder Weltbild.) Weltanschauung Meher Babas hat deutliche Parallelen zum sikhistisch-reformhinduistischen Sant Mat und zum islamischen Sufismus. Die Anhänger Meher Babas, die "Baba Lovers", formierten sich vor allem in den USA in lokalen Gruppen und den zwei Vereinigungen "Sufism Reoriented" und "Society for Avatar Meher Baba". Nach dem Tod Meher Babas soll ein innerer Ring von zwölf Schülern sein Werk übernommen haben, das insbesondere in Sufi-Zirkeln nachwirkt.

Mehr von Meher Baba:
Meher Baba 1 (Deutsch)
Meher Baba 2 (Deutsch)
Meher Baba 3 (Englisch)
Meher Baba 4 (Englisch)

Lust ist das größte Hindernis

Es hat mich natürlich interessiert, was Meher Baba zum Brahmacharya (Zölibat) sagt. Dabei habe ich folgendes gefunden:

Auf dem spirituellen Pfad ist Lust das größte Hindernis. Nicht einmal der Gedanke der Unzucht sollte im Verstand auftauchen. Das ist der Grund, warum ich euch sage: "Haltet das Langoti (gewickelter Lendenschurz) dicht." Das bedeutet, habt keine unzüchtigen Gedanken, führt keine unzüchtigen Handlungen aus und berührt und schaut keine Frauen an. Die Lust ist so stark, dass selbst der Blick nach einer Frau den Mann an Sex denken lassen kann. Und Denken führt zum Handeln.

Betrachte die Liebe zwischen der Mutter und ihrem Kind. Das Kind spielt auf den Armen der Mutter und berührt sie, ohne den Geringsten Gedanken an die Lust. Aber die geringste Berührung zwischen Vater und Mutter, kann lustvolle Gedanken in ihnen erwecken.

Quelle: Lust ist das größte Hindernis

Liebe und Sexlosigkeit

In einem Kommentar über Lust und Zölibat erklärt Meher Baba:

"Ist jemand lustvoll, dann hat er (normalerweise) die Tendenz, seine Lust an mehreren Personen des anderen Geschlechts festzumachen. Das Ideal des Brahmacharya (Zölibat) aber erlaubt es nicht einmal, eine Person des anderen Geschlechts zu berühren. Nun, wenn der Meister, der völlig frei von Lust ist, einer stark lüsternen Person helfen möchte, dann weiß er, dass der Betreffende nicht in der Lage ist, das Brahmacharya zu beachten. Darum erlaubt er ihm eine legale Heirat, aber er bittet ihn, seine Lust nur auf eine Frau zu beschränken. Dann allmählich, wenn die Lust sich vermindert, dann sollte er aufgefordert werden, alle Handlungen der Lust aufzugeben, auch mit seiner verheirateten Frau. Dabei kann er aber seine Ehe fortsetzen. Auf diese Weise wird die Lust schrittweise beseitigt und das Ziel des Brahmacharya wird allmählich erreicht."

Schön und gut. Das Problem ist nur, dass die Lust normalerweise nicht nachlässt und zwar das ganze Leben lang nicht. Selbst bei den Menschen die impotent sind, die also nicht mehr zu einer Errektion fähig sind, hält die Lust noch weiter an. Ich denke, man sollte das Brahmacharya schon etwas zielstrebiger anstreben.

Quelle: Liebe und Sexlosigkeit



4. Die Bedeutung der Wiedergeburt     Top

Gopi Krishna sagte 1971:

"Dieser Mechanismus, auch bekannt als Kundalini ist die wahre Ursache aller echten spitituellen und psychischen Phänomene, die biologische Grundlage der Entwicklung der Evolution und der Persönlichkeit, der geheime Ursprung aller esoterischen und okkulten Lehren, der Schlüssel zu den ungelösten Rätsels der Schöpfung, die unerschöpfliche Quelle der Philosophie, Kunst und Wissenschaft und die Quelle aller Religionen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft."

Vor über vierzig Jahren, stellte der Schweizer Mediziner und Psychologe und der Begründer der Analytischen Psychologie Carl Gustav Jung (1875-1961) und seine Kollegen in einem Seminar über die Kundalini fest, dass das Aufsteigen der Kundalini selten, wenn überhaupt, im Westen beobachtet wurde. Sie deuteten an, dass es tausend Jahre dauern würde, bis die Kundalini durch eine tiefgehende Analyse verstanden werden könne. Obwohl die Möglichkeit des Kundaliniaufstiegs für Jung in weiter Ferne lag, hatte er zweifellos ein Gespür für seine psychologische Bedeutung. Er erzählte von einem mittelalterlichen Mönch, der eine Fantasiereise in einen wilden, unbekannten Wald unternahm, wo er seinen Weg verlor. Bei dem Versuch der Rückkehr, fand er seinen Weg durch einen bösen Drachen versperrt. Jung sagt, dass diese Bestie das Symbol der Kundalini ist, eine psychologische Kraft, die dem Menschen das größte Abenteuer zu bieten hat. Wenn dieses Abenteuer aber schwierig wird, dann wiederruft er: "Oh, verdammt, warum habe ich mich auf solch eine Sache eingelassen", wissend, daß bei der Rückkehr, der Geist des göttlichen Abenteuers im Leben erlischt und das Leben sein Aroma verliert.

Jung sagt: "Wenn es gelingt, die Kundalini zu erwecken, so dass sie ihr Potential entfalten kann, dann eröffnet sich eine Welt, die total anders als unsere Welt ist. Es ist eine Welt der Ewigkeit".

Er fährt fort, darauf hinzuweisen, dass die Kundalini eine unpersönliche Kraft ist. Er sagt, wenn du sie als deine eigene Leistung betrachtest, dann tust du das auf eigene Gefahr. Der Preis ist die Aufblähung des Egos, eine falsch verstandene Überlegenheit, Widerwärtigkeit oder Wahnsinn. Der Kundaliniaufstieg ist ein autonomer Prozess, der aus dem Unbewussten heraus entsteht und dich als Träger  zu verwenden scheint. Obwohl 1932, als Jung darüber schrieb, eine Wiedergeburt selten war, so tritt sie jetzt regelmäßig, mit oder ohne Training, auf, wie die wachsende Zahl der Fälle in den Akten der Kundalini Research Foundation in New York und unsere eigene erhöhte Zahl beglaubigter Fälle, zeigt.

Es besteht jetzt im Westen ein viel größeres Interesse an diesem Thema, wie man durch die rasche Zunahme aller Arten von Geistestraining, neuen Therapien, meditativen Praktiken und psychischen Beschäftigungen sehen kann. Tausende von Menschen befinden sich in solchen Prozessen oder interessieren sich für solche Aktivitäten. Sogar die jüngste Zunahme im Gebrauch halluzinogener (psychoaktiver) Drogen, kann als ein entschlossenes, wenn auch gefährliches und fehlgeleitetes Drängen in geistige Richtung betrachtet werden.

Die deutliche Zunahme der Zahl der Personen, die eine Wiedergeburt erleben, ist das Spiegelbild eines Wandels, der sich auf der soziokulturellen Ebene der Gesellschaft als Ganzes wiederfindet. Jung wies darauf hin, dass eine Zeit der Auflösung, wie sie in der Zeit des Römischen Reiches herrschte, wie sie auch heute wieder anzutreffen ist, gleichzeitig ein Zeitalter von Tod und Wiedergeburt ist: "Wenn ein Prinzip den Höhepunkt ihrer Macht erreicht, dann entsteht eine innere Gegenbewegung, die in ihrer Dunkelheit den Keim neuen Lichts in sich trägt."

Gopi Krishna sagte 1975:

"Es gibt eine Rebellion gegen die bestehende Ordnung, weil das Gehirn einen Zustand der Entwicklung erreicht hat, an dem die Rätsel der Existenz eine größere Rolle spielen, als sie es zuvor taten. Dies ist der Grund, warum Millionen von jungen Männern und Frauen in Europa und Amerika begierig auf der Suche nach Meistern und wirksamen Methoden der Selbsterkenntnis sind. In einem bestimmten kritischen Zustand in der Entwicklung des menschlichen Geistes erreichen die unbeantworteten "Rätsel des Lebens" eine Dringlichkeit, der kein Schatz der Erde entgegenwirkt. Dies ist die Geistesauffassung von Millionen enttäuschten jungen Menschen in der Welt von heute. Die moderne Psychologie ist nicht in der Lage, einen leistungsfähigen Impuls für den psychischen Frieden der Menschen zu liefern, der von Anbeginn der Zivilisation bis zum heutigen Tag von den Menschen herbeigesehnt wird. Wenn man seine Mission vereitelt, kann der Impuls zu sozialen und politischen Unruhen, Drogenkonsum, Promiskuität, zur Gewalt oder zu anderen sozialen Übeln führen"..

Dann zitiert er den amerikanischen Arzt Dr. Treffert, den Direktor eines medizinischen Centers in Wisconsin, der sagt: "Etwa 30 Amerikaner unter 21 Jahren begehen jeden Tag Selbstmord. Dies zeigt eine dreifache Zunahme der Selbstmordrate der amerikanischen Jugend in den letzten 10 Jahren. Auch mehr als die Hälfte der Patienten der psychiatrischen Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten sind junge Menschen. Der Hauptgrund für die Zunahme der Zahl der Selbstmorde und psychischen Erkrankungen unter den Jugendlichen ist die zunehmende Leere und Sinnlosigkeit des Lebens in einer Gesellschaft, die sich nur noch am Profit orientiert."

Der Druck, der durch die Veränderung der Gesellschaft entsteht, entwickelt eine Nachfrage nach religiösen Führern und Bewusstseinsforschern, die für eine zunehmende Zahl von Suchenden, eine Umgebung und Methoden anbieten, die die rasche und sichere Entwicklung der inneren Potentiale ermöglicht.



5. Das Problem der Objektivität     Top

Bei persönlichen Erfahrungen mit dem Kundaliniaufstieg gibt es eine endlose Abfolge von Gefühlen, seltsamen Gedanken und Visionen, aber Beschreibungen der körperlichen Anzeichen oder tatsächlichen Empfindungen sind selten. Anspielungen auf subjektiv wahrgenommene Kraftfelder und Energiezustände sind heute in den Beschreibungen der meditativen Erfahrungen üblich. Jung (1975) verwies auf die Einhaltung der traditionellen Modelle, die als Dogmatismus in einer langen Tradition vom Lehrer an den Schüler weitergegeben wurden. Wir sehen dies häufig in den Beschreibungen der Kundalinierfahrung in den yogischen Schulen.

Während dies nach dem Studium der östlichen Schriften offensichtlich ist, so ist auch wahr, dass wir im Westen die verschiedenen Zustände von Psyche und Soma (Körper), in Bezug auf die transzendentale Erfahrung, nicht geklärt haben. Zum Beispiel hielt der amerikanische Psychologe und Philosoph William James (1842-1910) den großen deutschen mittelalterlichen Mystiker und Dominikanermönch Heinrich Seuse (Suso), für einen leidenden Asketen, der unfähig war, seine Qualen2 in religiöse Ekstase zu verwandeln. James betonte das Ekstatische und Jung  kümmerte sich um die Beziehung zwischen der Individuation (unter der Individuation versteht man die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten, Anlagen und Möglichkeiten) und der Kundalini.

2Bekannt wurde Seuse auch durch die Beschreibung extremer Formen der Selbstkasteiung, die er angeblich jahrelang praktizierte. Ein Zitat aus seiner in der dritten Person verfassten Vita (Biografie): "Die Vielfalt religiöser Erfahrung":

„Eine Zeit lang trug er ein Hemd aus Haaren und eine eiserne Kette, bis das Blut von ihm niederrann, so daß er gezwungen war, sie abzulegen. Er sorgte heimlich dafür, daß ein Untergewand für ihn gemacht wurde, und an dem Untergewand hatte er Lederstreifen befestigt, in die etwa 150 eiserne Nägel, scharf zugespitzt und gefeilt, getrieben waren, und die Spitzen der Nägel waren stets auf das Fleisch gerichtet. Darin pflegte er in der Nacht zu schlafen. Dann ersann er etwas anderes: zwei Lederhandschuhe, und er veranlasste einen Schmied, sie über und über mit scharf gespitzten Stiften auszurüsten, und er pflegte, sie nachts anzulegen, damit, wenn er im Schlafe versuchen sollte, das haarige Untergewand abzulegen oder sich selbst von den Stichen der ekelhaften Insekten zu befreien, die Stifte dann in seinen Körper eindringen sollten.“
Heinrich Seuses deutsche Schriften:
Band 1 (ca. 26 MB)
Band 2 (Ca. 26 MB)

Jedoch machen westliche Wissenschaften jetzt objektive Labormessungen von den Änderungen, die spirituelle Phänomene begleiten und sie ermuntern zu einer offeneren und direkten Berichterstattung der persönlichen Erfahrungen. Vielleicht war dies der Anreiz für den Osten, dies ebenfalls zu tun. Einige neuere Vorfälle sind reich an wertvollen Informationen und wir können in der nahen Zukunft noch viel mehr davon erwarten. Beschreibungen dieser Art überschreiten persönliche und kulturelle Unterschiede. Sie zeigen im Wesentlichen die Gleichheit der Phänomene.

Die Anzeichen und Symptome, die normalerweise beschrieben werden, wie die Veränderungen in den Gefühlen und Gedanken, die Visionen und Stimmen, scheinen größtenteils persönlich bestimmt zu sein. Aber Gefühle wie Juckreiz, Flattern (Augenlider), Kribbeln, Hitze und Kälte, die Wahrnehmung inneren Lichts und Klangs, sowie das Auftreten von Verrenkungen und Spasmen (Krämpfen) scheinen ziemlich universell zu sein. Es ist diese Universalität, die uns veranlasst, zu postulieren, dass alle spirituellen Praktiken den gleichen grundlegenden Prozess aktivieren, dass dieser Prozess eine definitive physiologische Grundlage hat, die diese spezifischen körperlichen Symptome verursachen.

Auf der anderen Seite sind die emotionalen Wechselbeziehungen dieses Prozesses ebenfalls wichtig. Es sind die emotionalen Wechselbeziehungen und das veränderte Denken, die diesen Prozess begleiten, die häufig zu der falschen Annahme führen, dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Es sind diese Aspekte, die letztlich die persönliche Bedeutung der Transformation für die Menschen liefert, die sie erleben.

Wir sind uns bewusst, dass wir nicht all die reichen experimentellen Details anbieten können, das breite Spektrum der persönlichen Erfahrungen, die diese Menschen  erlebt haben, die Komplikationen ihrer Gefühle und Gedanken, ihre Ekstasen und ihre verzweifelten Verwirrungen. Die fesselnden Qualitäten dieser Erfahrungen überschatten die physiologischen Daten, so dass die Person dazu neigt, die subtilen Veränderungen ihres physischen Zustandes zu ignorieren. Sie variieren so weit, dass es scheint, als hätten sie nichts gemeinsam. Deshalb begrenzen wir uns auf einen Fokus der physiologischen Parameter, die wir aus dem Modell Bentovs beziehen.



6. Das Kundalinimodell     Top

Jede spirituelle Tradition, die sich mit der Wiedergeburt beschäftigt, hat ihr eigenes Kundalinimodell. Die meisten von ihnen sind Beschreibungen, die die subjektive Seite, die individuellen Wahrnehmungen, der Erfahrung betonen. Entweder behandeln sie die objektiven Anzeichen, die frei von Gefühlen, Vorurteilen und Wünschen sind, als nebensächlich oder sie ignorieren sie. Daher sind diese Beschreibungen, so berechtigt sie auch sein mögen, nicht hilfreich bei einem objektivem Vergleich der verschiedenen Traditionen. Wenn es um die physiologische Interpretationen geht, haben die meisten dieser Modelle nur wenig Bedeutung. 

Eine Ausnahme ist das Kundalini-Modell des Yoga. Die Kundalini wird als Energie betrachtet, die zumeist schlafend an der Unterseite der Wirbelsäule ruht. Wenn diese Energie geweckt wird, so steigt sie langsam durch den Spinalkanal der Wirbelsäule zur Spitze des Kopfes. Dies könnte der Beginn der Erleuchtung sein.

Der Kundaliniaufstieg erzeugt Stress im zentralen Nervensystem. Diese Stresspunkte (Blockaden) verursachen normalerweise Schmerzen während der Meditation. Wenn die Kundalini diesen Stresspunkten oder Blockierungen begegnet, beginnt sie nach eigenem Willen zu handeln, sich in einem selbstbestimmten und selbstbegrenzten Prozess über das gesamte physiologische und psychologischen System auszubreiten, um die Blockierungen aufzulösen. Sobald eine Blockierung sich aufgelöst hat, fliesst die Kundalini frei durch diesen Punkt und setzt seine Reise nach oben fort, bis sie dem nächsten Stresspunkt, der nächsten Blockade, begegnet. Die Kundalinienergie teilt sich auf diesem Weg auf, so dass sie auf mehreren Ebenen wirken kann, wobei sie verschiedene Blockaden entfernt. Ist dieser Prozess abgeschlossen, dann konzentriert sich die ganze Energie auf die Oberseite des Kopfes. Der Unterschied zwischen dem Anfangszustand und dem Endzustand ist nicht nur, dass die Kundalini sich an einem anderen Platz konzentriert, sondern dass sie in der Zwischenzeit jeden Teil des Organismus durchlaufen hat, um die Blockierungen zu beseitigen und das Bewusstsein zu erwecken. Darum kann der gesamte Kundaliniprozess als ein Reinigungsprozess oder als ein Prozess betrachtet werden, der das natürliche Gleichgewicht wieder herstellt.

Genauso wie ein elektrischer Strom Licht erzeugt, wenn er durch einen dünnen Wolframglühfaden läuft, aber nicht, wenn er durch einen Kupferdraht läuft, weil der Wolframglühfaden einen spürbaren Wiederstand bietet, der Kupderdraht aber nicht. Ebenso verursacht die Kundalini die meisten Empfindungen, wenn sie einen Bereich des Körpers oder Geistes betritt, der blockiert ist. Aber die Hitze, die durch die Reibung der Kundalini gegen diesen Widerstand erzeugt wird, löst die Blockade auf, so dass die quälenden Empfindungen enden. In ähnlicher Weise, wie ein intensiver Fluss von Wasser durch einen kleinen Gummischlauch den Schlauch zu heftigen Schwingungen animiert, während der gleiche Strom durch einen Feuerwehrschlauch kaum festgestellt werden kann, ebenso kann der Kundalinistrom durch versperrte Kanäle, innerhalb von Körper und Geist, die Ursache von Bewegungen in jenen Bereichen sein, bis die Hindernisse durch die Kundalini ausgewaschen und die Kanäle erweitert sind. (Die Begriffe "Kanal", "erweitern", "Blockaden", und so weiter, sollten wir dabei metaphorisch (in einer übertragenen Bedeutung) verstehen. Es müssen keine tatsächlichen physikalischen Strukturen, Abmessungen oder Prozesse vorhanden sein, aber sie sind sinnvolle Analogien, um das Kundalinimodell zu verstehen. Der eigentliche Prozess ist zweifellos viel subtiler und komplexer.)

Die spontanen Bewegungen, wechselnden Körperempfindungen und andere Phänomene, über die in unserer interkulturellen Übersicht und in unseren eigenen Fällen berichtet wird, können leicht als Manifestation der Kundalini interpretiert werden. Darüber hinaus hat Bentov vor kurzem ein physiologisches Modell für die Kundalini vorgeschlagen, das viel von dem erklärt, was wir beobachtet und berichtet haben. Seine Studie wird später mit unseren Resultaten ausgewertet. Wegen der objektiven Orientierung seines Kundalinimodells, seiner universellen Einsetzbarkeit und seiner Empfänglichkeit für physiologische Interpretation, werden wir es als Grundlage für unsere Diskussion nehmen.

Es gibt jedoch Unterschiede zwischen unseren eigenen Beobachtungen und dem klassischen Kundalini-Konzept. Insbesondere haben wir beobachtet und verschiedene Traditionen haben davon berichtet, dass die Energien oder Empfindungen (Gefühle) von den Füßen und Beinen über den Körper, den Rücken und über die Wirbelsäule zum Kopf aufsteigen, dann aber über das Gesicht und durch die Kehle schließlich in den Bauch abwärts fließen. Dies ist vollkommen im Einklang mit den Prognosen von Bentov's Modell, aber etwas im Widerspruch zu den Berichten der Yogis Muktananda und Gopi Krishna und ebenso mit den klassischen Yogaschriften.

Übersetzer: Ist damit also Schluss mit dem "göttlichen" Kronenchakra (Scheitelchakra)?

Daher schlagen wir den Begriff Physio-Kundalini vor, um auf die Aspekte des Kundalini-Erwachens zu verweisen. Sie umfasst physiologische und psychologische Aspekte, die durch einen rein physiologischen Mechanismus erklärt werden können. Wir sollten uns auf einen Physio-Kundalini-Prozess, auf einen Physio-Kundalini-Kreislauf, einen Physio-Kundalini-Mechanismus und einen Physio-Kundalini-Komplex beziehen. Bentov's Modell beschreibt solche physiologische Veränderungen, die keine außergewöhnlichen Kräfte erfordern.

Das langsame Fortschreiten der Energieempfindungen durch den Körper, dann die Kehle hinunter, das von einer Vielzahl von Bewegungen, Empfindungen und psychischen Störungen begleitet wird, das schliesslich seinen Höhepunkt erreicht, wenn die Kundalini den Bauch erreicht, ist so charakteristisch, dass wir es den Physio-Kundalini-Zyklus nennen. Wenn die Energie auf einen Widerstand trifft, dann überwindet und reinigt das System die Blockade. Wir sagen dann, dass der Ort, an dem sich die Blockade befand, sich geöffnet hat. Die Eröffnung der Kehle ist ein typisches Beispiel. Dies gibt uns eine Terminologie im Zusammenhang mit dem Kundalinikonzept, passend zur Ebene unserer Beobachtung, welches uns eine physiologische Interpretationen ermöglicht. Gleichzeitig bewahrt es die volle Übereinstimmung mit der klassischen Bedeutung der Kundalini, ohne uns zu der Überzeugung zu verpflichten, dass dieses mystische Konzept richtig ist oder irgendeiner objektiven Realität entspricht.



7. Interkulturelle Aspekte der Kundalini

7.1 In Afrika     Top

Katz (1973) berichtet von den "!Kung San", Menschen in der Kalahari-Wüste3 im Nordwesten Botswanas in Afrika, die viele Stunden tanzten um sich "aufzuwärmen"  und um den "!kia"-Zustand zu erreichen. Er stellte fest, dass der !kia-Zustand identisch mit dem Kundalini-Zustand ist. !Kia ist ein Zustand der Transzendenz. Die Ausbildung lehrt den Schüler, sich in einen spirituellen Zustand zu versetzen, in dem die Schwelle der Angst überwunden werden und der !kia-Zustand erreicht werden kann. Es wird gesagt, dass sich die Quelle des !kia-Zustandes in der Magengrube befindet. Wird sie aufgewärmt, dann steigt sie von der Basis der Wirbelsäule zum Schädel, wo dann das !kia auftritt. Es ist eine Erfahrung, die weit über das normale Selbst hinausgeht. !Kia ist wie ein Satori (ein Satori ist ein vorübergehendes Erlebnis der Erleuchtung im Zen-Buddhismus), eine Teilnahme an der Ewigkeit.

31652 bis 1830 führten die niederländischen (holländischen) Gouverneure regelmäßig Vernichtungszüge gegen die ca. 200.000 San (!Kung San) der Kap-Region. Die Überlebenden flohen in die Kalahari-Wüste oder wurden auf den Farmen der Europäer versklavt. 1904, im Anschluss an den Krieg gegen die Herero, ging die deutsche Schutztruppe auf dem Gebiet der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (dem heutigen Namibia) ähnlich gegen die San vor.

Ein Stammesangehöriger sagte folgendes dazu:

"Du tanzt, tanzt, tanzt, tanzt. Dann erwacht es in deinem Bauch, steigt den Rücken hinauf und du beginnst zu erschauern. Das !kia lässt dich erzittern, es ist heiß. Deine Augen sind geöffnet, aber du schaust dich nicht um. Sie sind still und schauen nur geradeaus. Wenn du aber in den !kia-Zustand gelangst, dann schaust du dich um, weil du alles siehst, denn du siehst auch das, was andere beunruhigt. Es setzt eine schnelle, flache Atmung ein und das !kia fließt in jeden Teil deines Körpers, von den Zehen bis zu den Haaren."

Ein anderer sagt:

"In deinem Rückgrat glaubst du etwas Spitzes zu fühlen, dass sich aufwärts bewegt. Dann beginnt an der Unterseite der Wirbelsäule ein Kribbeln, Kribbeln, Kribbeln, Kribbeln, Kribbeln, Kribbeln... das die Gedanken in deinem Kopf zur Ruhe kommen lässt."

Das !kia ist ein intensiver emotionaler Zustand. Meister, die das !kia beherrschen, praktizieren außergewöhnliche Aktivitäten, wie die Heilung der Kranken, die Handhabung und das Gehen auf Feuer. Ein Meister hat einen Röntgenstrahlblick und kann über große Entfernungen sehen, aber er bemüht sich nicht, solche Aktivitäten in sein normales Leben zu praktizieren. Ein Meister sagte, wenn er sich im !kia-Zustand befindet, "ist er wieder er selbst", was bedeutet, dass diese ungewöhnlichen Aktivitäten das Grundrecht des Menschen sind.

Nur durch die Transzendenz, durch das Überschreiten der Grenzen des Bewusstseins, ist der Meister in der Lage, Kontakt mit dem übersinnlichen Bereich aufzunehmen und die Geister, die die Krankheiten verursachen, zu bekämpfen. Der Kampf mit den Geistern ist eine Herzensangelegenheit des Meisters, die er mit Kunstfertigkeit, Geschick und Energie verfolgt. Im Moment der Transzendenz ist die Angst vor dem Sterben überwunden, so dass eine Wiedergeburt geschehen kann. Im Moment der Heilung, ist dann der Kampf gegen die Krankheit gewonnen.

Das einzige Kriterium, zu bestimmen, wer ein Meister wird, ist der Prozess selber. Jede Person, die in der Lage ist, !kia zu erfahren, ist automatisch ein Meister. Je emotionaler du bist und um so reicher deine Fantasie, um so geeigneter bist du das !kia zu transzendieren. Mehr als die Hälfte der Stammesmitglieder können diesen Zustand erreichen. Das !kia tritt in manchen Familien besonders häufig auf.

Das !kia wird jedesmal, wenn es auftritt, als schmerzhaft, angstvoll und unberechenbar erlebt. In manchen Guru-Traditionen besteht die Idee, dass der Guru das !kia auf den Schüler überträgt. Der Guru behält also die Kontrolle über den Prozess, so dass keine übermäßige Angst das Auftreten des !kia verhindert. Obwohl das !kia ursprünglich von den Göttern übermittelt wurde, wird es nun von Person zu Person weitergegeben.

Katz weist darauf hin, dass die !kung (Volksstamm) das !kia nicht nur für ihre eigene persönliche Bereicherung suchten, sondern auch, um anderen zu helfen. Aber es wird nicht als langfristiger Zustand betrachtet. Ein Stammesmitglied muss schon bald wieder in den gewöhnlichen Zustand zurückkehren und die üblichen Pflichten erfüllen. Ein längerer !kia-Zustand wird nicht als Gnade, sondern als ein Fehler betrachtet. !Kia ist ein Eintreten in religiöse Dimensionen, um religiöse Nahrung zu erhalten, die man anschliessend zum Zwecke der Heilung verteilt. Danach kehrt man in das normale Leben zurück und lebt diese Wahrheit mit seinen Stammesangehörigen.

Katz sagt, es gibt nur wenige Lehrer im Westen, die anderen Menschen zur Transzendenz verhelfen können, da sie selber noch relativ unvollständig sind. Wir haben den weiteren Nachteil, dass wir kein kulturelles Konzept haben, das die Idee der Transzendenz als Erziehungsziel anstrebt.



7.2 In der christlichen Tradition     Top

Von der Heiligen Therese von Lisieux (1873-1897), einer katholischen Nonne aus dem Karmelitinnen-Orden, wird berichtet, dass sie Leiden hatte, wie jene, die wir beobachtet haben (Rohrback, 1963). Sie entstammt einer Familie der französischen Mittelklasse mit glücklich verheirateten Eltern und vier Schwestern. Als sie zehn Jahre als war, wurde sie Schülerin eines nahegelegenen Karmeliterklosters. Ein paar Monate, nachdem sie eingeschrieben war, bekam sie ständige Kopfschmerzen. Drei Monate später, nachdem sie sich eines Abends bettfertig gemacht hatte, begann sie unkontrolliert zu zittern. Dieser Anfall dauerte eine Woche und war durch keine Behandlung zu beeinflussen. Sie hatte kein Fieber und nachdem das Zittern aufgehört hatte, kehrte es nicht mehr zurück.

Einige Wochen später wurde sie von einer seltsamen Mischung aus Halluzinationen, Krämpfen und Komas ergriffen. Sie schien im Delirium (Fieberwahn) zu sein und schrie gegen unsichtbare und schreckliche Kreaturen. Sie warf sich heftig im Bett hin und her und schlug mit dem Kopf gegen die Bettkante, als ob eine fremde Kraft sie angriff. Diese Krämpfe, die manchmal wie die Übungen einer Turnerin anmuteten, waren gelegentlich so heftig, dass sie dabei aus dem Bett fiel. Es gab drehende und rotierende Bewegungen ihres ganzen Körpers, zu denen sie unfähig war, wenn es ihr gut ging. Zum Beispiel sprang sie von den Knien und stand auf dem Kopf, ohne die Hände zu benutzen.

Später hatte sie während der Messe eine heftige Attacke, der ihr Beten beendete. Insgesamt dauerte diese Erkrankung weniger als zwei Monate. Später traten noch zwei Fälle von Ohnmacht und Muskelstarre auf, die aber nur einige Minuten dauerten. Therese sagte, dass sie bei all dem nie das Bewusstsein verloren hat, auch während der Ohnmacht nicht, aber sie hatte keine Kontrolle über diese Handlungen. Sie wurde regelmäßig von einem kompetenten Arzt besucht, der aber nicht in der Lage war, ihr zu helfen und der unumwunden zugab, durch die Symptome verwirrt zu sein. Er war sehr fest in seiner Ansicht, dass es keine Hysterie war.



7.3 Im Orient     Top

Nachdem jemand es in der chinesich-taoistischen Tradition gelernt hat, Stille in seinem Geist einkehren zu lassen, stellen sich exellente, bisher schlummernde Qualitäten, ein (Luk, 1972). Das lebenswichtige Prana, welches sich ausreichend im unteren Bauch angesammelt hat, bricht plötzlich aus, fließt in die wichtigsten psychischen Kanäle des Körpers und verursacht unwillkürliche Bewegungen. Dabei stellen sich acht körperliche Empfindungen ein: Schmerzen, Juckreiz, Kälte, Wärme, Schwerelosigkeit, Schweregefühl, Rauheit und Sanftheit.

Das Prana ist heiß und breitet seine Wärme nicht nur in den Körperteilen aus, sondern es wird auch hell und für den Meditierenden fühlbar. Bei aussergewöhnlichen Meditierenden bewirkt es die Beleuchtung eines dunklen Raumes, die für andere wahrnehmbar ist. Fließt das Prana in versperrte psychische Zentren, dann wird es sehr unangenehm und verursacht Gefühle der Rauheit, Krämpfe und Schmerzen.

Luk berichtete vom taoistischen Meister Yin Shih Tsu, der 1914 schrieb, dass er Wärme verspürte, die von der Basis der Wirbelsäule bis zur Spitze seines Kopfes aufsteige, dann aber über das Gesicht und den Hals bis zum Magen abwärts fließt. Sein ganzer Körper drehte und verbog sich und er sah eine Reihe von inneren Lichtern. Er hatte Kopfschmerzen und einmal fühlte sich sein Kopf angeschwollen an. Der obere Teil seines Körpers schien sich zu strecken, so dass er sich zehn Fuß groß fühlte. Dies wird in buddhistischen Schriften als der "Große Körper" bezeichnet.

Yin Shih Tsu sagte, dass er nicht alle diese Dinge gleichzeitig fühlt, sondern manche zu verschiedenen Zeiten. Manchmal fühlt sich die zirkulierende Hitze mehr wie eine Vibration an, die dem beschriebenen Pfad folgt. Einmal erlebte er in einem Zeitraum von sechs Monaten allabendlich unfreiwillige yogische Haltungen, die er in einer regelmäßigen Reihenfolge ausführte.

Im koreanischen Zen wird ebenfalls von denselben Fortschreiten dieser Empfindungen berichtet. Seo (1974) sagte, dass die Chi-Energie über den Rücken zur Spitze des Kopfes aufsteigt und schließlich über das Gesicht und die Kehle in den Bauch hinabfließt, um dort zu enden.



8. Hitzeerscheinungen in verschiedenen Traditionen     Top

Hitze ist eine der am leichtesten zu beobachten und zu messenden Erscheinungen, die einen aktiven Kundalinizustand begleiten. Zwei Beispiele aus der Sufitradition sind es wert, erwähnt zu werden (Bhavan, 1971):

Dann kam der Heilige um eine Mahlzeit zu nehmen und das Mädchen goß Wasser über seine Hände. Sie bemerkte, dass das Feuer der Trennung so intensiv in ihm war, dass das Wasser, sobald es auf seine Hände fiel, sich in Dampf verwandelte.

Bei meiner Ehre, als der Arzt versucht, meine Hände zu berühren, brannte seine Hand, es zeigten sich unmittelbar Flecken und Schwellungen auf seiner Hand. Dies ist die Hitze des Feuers der Trennung. Er allein, der solche Schmerzen freudvoll ertrug, kannte meine Leiden.

Tony Agpaoa (1974), ein bekannter philippinischer Chirurg, sagt, dass er als Teil seiner Ausbildung zum Heiler gelernt hat, Feuer durch geistige Mittel zu entzünden. Der indische Yogi Swami Muktananda (1975) sagt, dass diese Fähigkeit ein Teil der Ausbildung in bestimmten yogischen Disziplinen ist. Die weitverbreitete Tradition von Hitzeerscheinungen, lässt unsere eigenen Beobachtungen glaubwürdiger erscheinen.

In der letzten Zeit sind viele Fälle von paranormalen spontanen Verbrennungen gut dokumentiert. Es gibt viele Fälle in der Literatur. Ich möchte einen dieser Fälle erwähnen und von meinen eigenen Erfahrungen berichten. H. Andrade (1975) berichtet, dass viele Brände spontan auftreten. Einen solchen Fall hat er selber untersucht. Einige sind von Polizeibeamten beglaubigt.

Ich habe zwei Jahre einen Poltergeistfall untersucht, bei dem häufig Feuer ausgebrochen ist (Morris, 1974). Die Situation war emotional und religiös kompliziert. Es handelt sich dabei um eine jüdische und eine katholische Familie, die untereinander verheiratet waren. Als der junge jüdische Mann und seine katholische Frau ein Kind bekamen, begann die Poltergeistaktivität rund um das Baby. Bald entschloss sich der junge Mann, zum Katholizismus zu konvertieren. Dies, zusammen mit der Poltergeistaktivität, warf die Familien in große Turbulenzen. Alle Mitglieder der Familie, die aus vier Generationen bestand, und viele andere Menschen, erlebten die Bewegung von Objekten, ihr Verschwinden und spontane Feuer. Das junge Paar hatte das Gefühl, geschlagen, geschüttelt, gekratzt und  gewürgt zu werden. Die Mutter wurde geschlagen und musste eines Tages bewusstlos ins Krankenhaus gebracht werden.

Es gab eine Reihe von spontanen Bränden, die durch Familienmitglieder und verschiedene Ermittlungsbeamte bezeugt wurden. Meine erste Erfahrung hatte ich an einem Abend, als der Großvater in das Schlafzimmer ging, um nach dem Baby zu sehen und die Vorhänge in Flammen standen. Er und ich verbrannten leicht unsere Hände, als wir das Feuer löschten. Ich war anwesend, als mehrere kleinere Feuer ausbrachen.

Dies ist ein mögliches Beispiel, wie aufgestaute Energie sich über eine Entfernung ausdrücken kann. Als der junge Mann zum Katholizismus konvertierte, seine Energie begierig in die Kirche investierte und sich durch Exorxismus schützte, hörten die Phänomene auf.

Anmerkung: Ich weiß nicht so recht, was ich von den geschilderten Beispielen halten soll. Ende Anmerkung.



9. Das Ouroboros - der Schwanzfresser    Top

Das Ouroboros (Bild) ist ein in vielen Kulturen verbreitetes Motiv einer sich in den Schwanz beißenden Schlange (manchmal auch ein oder zwei Drachen). Im alten Ägypten stand dieses Symbol für das ewige Leben und die Wiedergeburt. In den modernen esoterischen Schulen wird das Verschlucken des Schwanzes durch die Schlange Arica, als eine Übung betrachtet, in der durch die Atmung Energie im unteren Bauch erzeugt wird. Beim Einatmen konzentriert man sich auf die perinale Ebene (auf den Damm = Beckenboden), zuerst fühlend, um dann die Energie über die Wirbelsäule zum Kopf hinauf zu leiten. Dann wölbt sie sich entlang des Schädels und mit der Ausatmung beginnt der Abwärtspfad. Die Energie wandert von der Mitte des Schädels zur Stirn, teilt sich über den Augen auf und fliesst auf beiden Seiten an Nase und Mund hinunter, um sich wieder im Kinn zu vereinigen. (Eine ähnliche Aufteilung erfolgt in der koreanischen Zen-Lehre und im altägyptischen Symbol für das Auge des Osiris.) Vom Kinn läuft es dann weiter abwärts über den Hals und das Brustbein, um im Unterleib zu enden. Der Zweck der Übung ist es, ein Licht im Kopf zu sehen.



10. Einige klassische Yoga-Ansichten     Top

Swami Narayanananda (1960) berichtet über die Erfahrungen mit der Kundalini:

Es gibt ein Brennen im Rücken und im ganzen Körper. Die Kundalini tritt mit Schmerzen im Rücken in die Sushumna, den zentralen Rückenmarkkanal, ein. Man fühlt ein schleichendes Gefühl von den Zehen, welches manchmal den ganzen Körper schüttelt. Das aufsteigende Gefühl fühlt sich wie eine Ameise an, die langsam den Körper bis zum Kopf hinaufkriecht. Sein Aufstieg fühlt sich wie das Schlängeln einer Schlange oder wie das Hüpfen eines Vogels an, der von Ort zu Ort hüpft.

Der Übersetzer der Ramakrishna-Biografie, Nikkhilananda, berichtet über die Kundalinierfahrungen in auffallend ähnlichen Worten. In Joseph Campbell's4  Buch "A Mythic Image", lesen wir auf Seite 306:

Im letzten Jahrhundert (1836-1886) gab es in Indien den großen Heiligen Ramakrishna, der in seiner Yogapraxis ein wahrer Virtuose war. "Es gibt", sagte er einmal zu seinen Anhängern, "fünf Arten von Samadhi (Erleuchtung)", fünf Arten, die als spirituelle Verzückung betrachtet werden können. In diesen Samadhis hat man das Gefühl eines spirituellen Stroms, der sich wie die Bewegung einer Ameise, eines Fisches, eines Affen, eines Vogels oder einer Schlange anfühlt.

Manchmal kriecht dieser spirituelle Strom wie eine Ameise durch die Wirbelsäule. Manchmal, im Samadhi, schwimmt die Seele wie ein Fisch freudig in einem göttlichen Ozean der Ekstase. Manchmal, wenn ich mich auf die Seite lege, fühle ich einen spirituellen Strom, der mich wie ein Affe berauscht, der freudig mit mir spielt. Dieser Strom erreicht plötzlich wie ein Affe, mit einem Sprung das Sahasrara (Kronen- oder Scheitel-Chakra). Dies ist der Grund, warum du mich mit einem Sprung aufspringen siehst. Manchmal aber, steigt der spirituelle Strom wie ein Vogel, der von einem Ast zum nächsten hüpft. Der Platz, an dem er ruht, fühlt sich wie Feuer an. Manchmal bewegt sich der spirituelle Strom wie eine Schlange aufwärts. Sie bewegt sich in einer Zick-Zack-Bewegung aufwärts und sobald sie den Kopf erreicht, gehe ich in Samadhi. Das spirituelle Bewusstsein ist nicht erwacht, wenn die Kundalini nicht aufsteigt.

4Joseph Campbell war ein amerikanischer Professor und Autor, bekannt für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Mythologie. Ein Studium der Philosophie, Biologie, aber auch Sanskrit und provenzalische (südfranzösischen) Literatur, ermöglichte ihm, jenseits von Spezialistentum, Zusammenhänge zu sehen, die anderen verborgen blieben.

Anmerkung zu Ramakrishna:

Um den Geist Ramakrishnas zu verstehen, hier einmal einige Auszüge Ramakrishnas aus seinem Buch "Vermächtnis":

Über Familienväter (Seite 61): Für die Familienväter hatte Ramakrishna den harten Weg der Entsagung nicht gedacht. Er wollte, dass sie ihre Verpflichtung gegenüber der Familie erfüllten. Iher Entsagung sollte geistiger Art sein. Ein spirituelles Leben wird nicht dadurch erlangt, dass man vor der Verantwortung flieht. Das Ehepaar sollte nach der Geburt von ein oder zwei Kindern wie Bruder und Schwester zusammen leben und die Zeit mit spirituellen Gesprächen und Kontemplation (Beten, Fasten, Exerzitien, Meditation, Zen) ausfüllen. Er gab den Familienvätern Mut, indem er sagte, daß ihr Leben in einer Weise leichter sei als das der Mönche, da es leichter sei, den Feind aus einer Festung heraus zu bekämpfen als im offenen Feld. Er bestand allerdings darauf, dass sie ab und zu in die Einsamkeit gehen sollten, um durch Gebet, Japa (lautes, leises oder  gedankliches Wiederholen eines Mantras, Gebetes, Gottesnamens, oder Rezitation heiliger Schriften) und Meditation ihre Hingabe und ihren Glauben an Gott zu stärken und empfahl ihnen die Gesellschaft von Sadhus (asketisch lebende Mönche). Er bat sie, mit einer Hand die weltlichen Pflichten zu erfüllen und mit der anderen Gott festzuhalten und ihn zu bitten, ihre Pflichten zu verringern, damit sie sich am Ende mit beiden Händen an ihn klammern könnten. Er warnte die Familienväter wie auch die Mönchsanwärter vor Halbherzigkeit bei ihren spirituellen Bemühungen und wollte nicht, dass sie unterschiedslos dem Ideal des Sich-nicht- Wehrens anhingen, das einen Unbedachten leicht zum Feigling macht.

Über die zukünftigen Mönche (Seite 65): Die jungen Männer, die als Mönche ausersehen waren, lehrte der Meister den steilen Weg der Entsagung, innerlich, wie auch äußerlich. Sie mussten das Gelübte unbedingter Enthaltsamkeit ablegen und alle Gedanken an Gier und Lust vermeiden. Wenn der Strebsame Enthaltsamkeit übt, entwickelt er Kräfte, durch die er das Tiefe Geheimnis Gottes zu verstehen vermag. Selbstbeherrschung ist für ihn absolut unerlässlich. Die Sannyasins (die Entsagenden) sind Lehrer der Menschen und ihr Leben sollte ohne Makel sein. Sie sollten nicht einmal ein Bild betrachten, das ihre niederen Leidenschaften wecken könnte. Der Meister wählte seine zukünftigen Mönche aus einem Kreis junger Männer, die von "Frauen und Gold" noch unberührt waren. Wenn er ihnen den Weg von Entsagung und Unterscheidungsvermögen aufzeigte, duldete er keine Familienväter in seiner Nähe.

Über die Enthaltsamkeit (Seite 243): "Die Welt besteht aus Frauen und Gold. Sie schaffen diese Maya (Illusion). Sie verhindern, dass wir Gott sehen oder an ihn Denken. Nach der Geburt von ein oder zwei Kindern sollten Mann und Frau wie Bruder und Schwester leben und nur über Gott reden. Dann fühlen sich beide zu Gott hingezogen und die Frau wird dem Mann eine Hilfe auf dem spirituellem Weg sein. Niemand kann göttliche Seligkeit genießen, ohne alle niederen Empfindungen aufgegeben zu haben. Ein Suchender sollte Gott bitten, ihm zu helfen, diese Empfindungen loszuwerden. Es muss ein aufrichtiges Gebet sein. Gott ist unser innerer Herrscher. Er wird unser Gebet erhören, wenn es aufrichtig ist."

Da Ramakrishna sehr religiös war, ich würde sogar sagen, schon fast fanatisch religiös, was mich selber eher nachdenklich stimmt, betrachtete er den spirituellen Weg natürlich aus religiöser Sicht. Ich denke aber, dies ist keineswegs erforderlich, da der Weg zur "Erleuchtung" eigentlich ein physiologischer Prozess ist. Ob irgendeine Gottheit daran beteiligt ist, kann niemand sagen. Ich denke auch nicht, dass der Weg der Familienväter, so wie Ramakrishna sagt, einfacher ist, als der Weg der Mönche. Schliesslich verlangt er auch von den Familienvätern nach der Zeugung von ein oder zwei Kindern, dass sie enthaltsam leben. Und sollte sich eines nachts die Leidenschaft wecken und es liegt eine hübsche Frau neben einem im Bett, dann ist Enthaltsamkeit bestimmt nicht einfach.

Ende Anmerkung Ramakrishna

Die großartige Arbeit von Swami Vishnu Tirtha (1962), einem indischen Yogi der Shaktipat-Tradition (das Shaktipat ist eine yogische Initiation, durch die der Guru spirituelle Energie auf seinen Schüler überträgt, um bei ihm die Kundalini zu erwecken) baut eine hervorragende Brücke zwischen der klassischen und modernen Yoga-Tradition. In einem kleinen Buch beschreibt dieser heilige Mann die Anzeichen eines frühen Erwachens auf eine sehr persönliche und anschauliche Weise. Die persönlich gehaltenen Berichte von Gopi Krishna und Muktananda scheinen aber einem erfrischenderen Ansatz zu entspringen.

In der Kundalini Yoga-Tradition hat Swami Muktananda (1974) kürzlich eine Autobiografie veröffentlicht, die reich an Beschreibungen von Gefühlen, unwillkürlichen Bewegungen, vom Fließen der Energie durch den Körper, von ungewöhnlichen Atemmustern, innerem Licht und Klang, übernatürlichen Stimmen und Visionen und von vielen anderen außergewöhnlichen Erfahrungen, ist.

Er sagt: "Mein Körper war aufgeheizt und mein Kopf war schwer und die Basis meiner Wirbelsäule wurde von Schmerzen gepeinigt." Er nahm unfreiwillig yogische Positionen ein und sein Körper wurde steif wie ein Brett. Er roch Parfüms während der Meditation und er schmeckte Nektar. Er hörte die Meeresbrandung, Donner, das Gemurmel eines Baches, das Knistern des Feuers, Trommeln, einen Muschelklang, Glocken und Vogelzwitschern. In seiner Beschreibung nannte er einen wichtigen Prozess: "Meine Augen rollten allmählich nach oben und zentrierten sich. Anstatt getrennt zu sehen, sahen sie wie ein Auge". Die gesamte Entwicklung, die mehrere Jahre dauerte, gipfelte schließlich, sagte er, als alle diese Erfahrungen vorüber waren und er in der absoluten Gleichmut des transzendentalen Zustand verweilte.

Aus klinischer Sicht ist es wichtig zu beachten, dass er in den frühen Phasen seines Kundalinierwachens oft verwirrt und ängstlich war, keine Kontrolle über seine wilden Körperbewegungen hatte, unbequeme Körperhaltungen einnahm und schillerndes Licht in seinem Kopf sah. Zeitweise glaubte er, verrückt zu werden. Man kann sich die Diagnose leicht vorstellen, die er von einem Psychiater statt von einem Guru bekommen hätte. Und jetzt, wo diese Erfahrungen ihn spontan zu einen Zustand verholfen haben, in dem es ihm sehr gut geht, ist er in der Lage, anderen zu helfen, die zu ihm kommen.

Ein anderer Praktizierender des Kundalini Yoga, Gopi Krishna (1971), hat eine Autobiografie mit ähnlichen Beobachtungen veröffentlicht. Dieses Buch enthält einen psychologischen Kommentar von James Hillman, der Gopi Krishna's Kundalini-Erfahrungen mit dem Jung'schen Modell der Psychose vergleicht. Gopi Krishna meditierte viele Jahre weitgehend ohne Lehrer. Er hatte keinerlei religiöse Erfahrungen, bis er 1937 vierunddreißig (34) Jahre alt wurde. Er schrieb über diese Erfahrungen:

"Ich spürte deutlich ein unvergleichlich glückseliges Gefühl in allen meinen Nerven, welches von den Fingerspitzen, den Zehen und anderen Teilen des Rumpfes und der Glieder in Richtung Wirbelsäule strömte, wo es sich konzentrierte und intensivierte. Dann stieg es mit einem stillen und höchst angenehmen Gefühl bis zur oberen Region des Gehirns."5
 
5Nach 18 Jahren der Meditation und einer ansonsten normale Existenz als Familienvater und Angestellter erfuhr Gopi Krishna im Dezember 1937 das, was er als das Erwachen des Kundalinifeuers bezeichnete. Fünfzehn Jahre lang, unter unsäglichen Qualen, dauerte danach sein Reinigungsprozess.

Dieses Gefühl endete, wenn er ihm Aufmerksamkeit schenkte. Aber wenn er es ignorierte, floß es weiter, mit zunehmender Intensität, aufwärts. Plötzlich fühlte er mit einem lauten Getöse, wie ein Strom flüssigen Lichts durch die Wirbelsäule in sein Gehirn eintrat. Sein Körper begann zu taumeln und er war von einem hellen Lichtschleier umgeben. Er fühlte sich eins mit seiner Umgebung und hatte das Gefühl der Glückseligkeit.

Anschliessend hatte er große Angst, fühlte sich schwach und war gleichgültig gegenüber anderen Menschen. Sein Mund schmeckte bitter, er fühlte Terror und ihm war oft sehr heiß. In der Dunkelheit bemerkte er um sich ein rötliches Leuchten. Es war ein Gefühl von heißen Stecknadeln in seinem ganzen Körper, seine Kehle fühlte sich verbrannt an und manchmal hatte er schwere Rückenschmerzen. Er spürte, dass seine Kundalini in einer falschen Art und Weise wirkte und hatte das Gefühl, dass er sterben würde. Einmal hatte er eine große Körpererfahrung: "Ich hatte das Gefühl, als ob ich aus einer größeren Höhe auf die Welt herabblickte, als ich es vorher tat".

Er hatte mystische Erfahrungen in seiner Kindheit6, war aber als junger Mann Agnostiker.  Nichtsdestotrotz praktizierte er Meditation, was letztlich zu seiner Kundalinierfahrung führte. Nach dem Beginn seines Erwachens, war er von der Gnade des Kundaliniprozesses abhängig. es dauerte viele Jahre, bis er den Zustand der Gleichmut erreichte. Dem folgten außerordentliche geistige Geschenke, emotionale Gelassenheit und eine kreative Produktivität. (Er schrieb mehr als 15 Bücher.)

6Im Alter von 8 Jahren hatte Gopi Krishna die erste mystische Erfahrung. Er sagt, als er zu Fuß eine Straße entlang ging, wurde ich plötzlich von der brennenden Frage erfasst "Wer bin ich?" Ein paar Tage später hatte er einen Traum, von dem er denkt, dass es die Antwort auf seine altkluge Frage war. Der Traum handelte von einem paradiesischen Ort, an dem himmlische Wesen lebten,  ein völlig göttlicher und schöner Platz. Danach aber schien der Traum für viele Jahre keine Bedeutung für ihn zu haben.



11. Ein amerikanischer Fall     Top

Das letzte Beispiel in dieser Reihe der veröffentlichten Berichte, ist eine amerikanische Schriftstellerin und Zen-Meditierende, deren "Erleuchtung" durch den berühmten Zen-Meister Yasutani Roshi bestätigt wurde. Ich kenne diese Frau persönlich und füge ihren Fall an dieser Stelle ein, weil ihr Buch sich im Druck befindet.

Flora Courtois (1970) ist eine 59jährige Schriftstellerin, die ihre Suche vor vielen Jahren begann, als sie anfing ihren Lehrer zu fragen, weil sie Zweifel hatte, ob ihr jemand helfen könne. Ihr erster Kontakt mit einer Erfahrung "der tiefsten Wahrheit" kam während eines halbbewussten Zustandes nach einer Vollnarkose. Nach dieser spontanen Erfahrung, in der sie mit der Natur verschmolz, beschäftigte sie sich mit der Frage, wie visuelle Wahrnehmungen auftreten. Als sie ihre komplexen Beobachtungen aufschrieb, dachte ein Lehrer, sie sei psychisch gestört und schickte sie zu einem Psychiater. Dies führte zu einem kurzen Krankenhausaufenthalt, der sie sehr verärgerte. Sie war so deprimiert daüber, missverstanden zu werden, dass sie an Selbstmord dachte. Allerdings endeten ihre Selbstmordgedanken eines Tages, als der Fokus ihrer Sicht sich geändert zu haben schien. Er hatte sich zu einem unendlich kleinem Punkt verschärft und bewegte sich unaufhörlich auf Wegen, die vollkommen frei von den alten bisher gewohnten Wegen waren, als ob er einer neuer Quelle entsprang.

Dann fiel sie für viele Tage in einen ekstatischen Zustand. Obwohl sie in Ekstase versunken war, waren ihre täglichen Aktivitäten davon nicht beeinträchtigt. Seitdem hat sie ein produktives und glückliches Leben.

Dieser Fall ist von besonderem Interesse, da das mangelnde Wissen der medizinischen Autoritäten über religiöse Erfahrungen, vorübergehend zur Einweisung in eine (psychiatrische?) Klinik führte. Es ist von weiterem Interesse, weil Courtois viele Symptome, die wir in anderen Fällen finden, nicht hatte. Ihre Lebenserfahrung führte vermutlich dazu, dass sie manche Schwierigkeiten voraus ahnte und dadurch weniger Kundalini-Symptome entwickelte. Als sie 1967 mit der Zen-Meditation anfing, die bei sensiblen jungen Menschen einige Symptome erwarten lässt, hatte sie nur einige bemerkenswerte Erfahrungen. So saß sie in der Meditationshalle, als sie ein helles Licht sah, dass ihr so real erschien, dass sie glaubte, die elektrischen Lichter seien bereits eingeschaltet. Obwohl sie realisierte, dass sie sich noch in relativer Dunkelheit befand, sah sie weiterhin für einige Minuten diese Helligkeit.

Es mag sein, dass es einige konstitutionelle Unterschiede zwischen Menschen gibt, die eher zu visionären (optischen) Erfahrungen neigen und denjenigen, die eher in Richtung Kundalini-Erfahrungen tendieren. Eine dritte Kategorie umfasst Personen, die weder zu visionären noch zu Kundalini-Erfahrungen neigt, sondern vorwiegend zu psychischen Erfahrungen tendiert. Wir sind der Auffassung, dass Courtois' Erfahrung und die Erfahrungen, die von Bucke (1970) und James (1929) berichtet wurden, visionäre Erfahrungen sind. Kundalini-Erfahrungen dagegen umfassen visionäre und psychische Erfahrungen, die eigene charakteristische Merkmale des Physio-Kundalini-Komplexes haben.

Es kann auch sein, dass die Zen-Methode den Kundaliniaufstieg durch die Meditation mit geöffneten Augen benachteiligt, aber den Meditierenden dabei unterstützt, mit der äußeren und inneren Welt zu verschmelzen. Es könnte auch möglich sein, dass psychische Erfahrungen und ungewöhnliche Empfindungen durchaus auftreten, sich dann aber auf dem Weg zum Satori wieder auflösen.

Der Zen scheint intellektuelle und körperlich orientierte Menschen anzuziehen. Die tibetische und Hindu-Tradition, mit ihren reichen und bunten Symbolen und Ritualen, scheint eher emotionale Menschen anzusprechen. Darüber hinaus hat der Pfad der Hingabe, der beim Yoga so verbreitet ist, ebenfalls für emotionale Menschen eine natürliche Anziehung.

Vielleicht spielen mehrere dieser Faktoren bei den Erfahrungen von Flora Courtois eine Rolle.



12. Untersuchte Kundalini-Fälle     Top

Dieser Abschnitt behandelt 13 Kundalini-Fälle. 11 davon habe ich persönlich interviewt und 2 Fälle wurden durch einen Kollegen interviewt. Einen der beiden Fälle, die von meinem Kollegen untersucht wurden, sah ich vor kurzem. Einige dieser Fälle wurden wegen ihrer physischen und psychischen Probleme oder wegen ihrer Schwierigkeiten bei der Meditation, an mich verwiesen. Andere suchte ich auf, nachdem ich von ihren ungewöhnlichen Erfahrungen gehört hatte. Mit den meisten verbindet mich eine persönliche Freundschaft. Sie haben ihre Erfahrungen in den letzten zwei Jahren in großer Tiefe mit mir geteilt.

Von den ersten vier Fällen, die wir darstellen, glauben wir, dass sie die typischen Muster der Physio-Kundalini zeigen. Die nächsten drei Fälle zeigen die auffallenden Hitzeerscheinungen, die manchmal auftreten. Die beiden Fälle, die dann folgen, sind Heiler, bei denen zuerst die Physio-Kundalini auftrat, was anschließend zu einer höheren Wirksamkeit bei ihrer Arbeit führte. Die nächsten drei Fälle handeln von Menschen, die Probleme haben, innere Widerstände oder neurotische Probleme, die ihre Physio-Kundalini belastete. Der letzte Fall wurde aufgenommen, weil er den plötzlichen Kundaliniaufstieg zeigt, der durch den Kontakt mit einem Guru geschah (Shaktipat).

Künstlerin (48)     Top

Eine 48 Jahre alte Künstlerin praktizierte Transzendentale Meditation. Nach fünf Jahren stellte sich dann gelegentlich ein Kribbeln in den Armen und Wärme in ihren Händen ein. Sie schlief einige Nächte nicht und hatte das Gefühl, dass eine Energie durch ihren ganzen Körper strömte. In ihren Träumen hatte sie das Gefühl, dass sich ihr Bewusstsein vom Körper trennte. In ihrem Kopf hörte sie einen kontinuierlichen lauten Sound. Bald hatte sie Krämpfe in ihren großen Zehen, welches von vibrierenden Gefühlen in den Beinen gefolgt wurde. Über Nacht verdunkelten sich ihre Zehnägel, als ob jemand mit dem Hammer darauf geschlagen hätte. Teilweise waren sie vom Fleisch getrennt. Das Gewebe in den Beinen fühlte sich durch die Vibrationen in den Beinen zerissen an. Die Vibrationen breiteten sich dann auf den unteren Rücken aus und fegten vom unteren Rücken über den Körper zum Kopf. Dort verbreiteten die Vibrationen das Gefühl, als sei knapp über den Augenbrauen ein Band um den Kopf gewickelt.

Dann begann ihr Kopf sich spontan zu bewegen. Später begann ihr Körper sich zu winden und ihre Zunge drückte sich gegen den Oberkiefer. Dann verspürte (hörte?) sie den starken Klang von "OM". Das Kribbeln breitete sich vom Rücken über den Nacken zum Kopf aus und breitete sich dann vom Kopf auf die Stirn und das Gesicht aus. Beide Nasenlöcher wurden stimuliert, was das Gefühl einer Dehnung der Nase bewirkte. Das Kribbeln wanderte dann das Gesicht hinab. Zeitweise schienen sich ihre Augen getrennt zu bewegen  und die Pupillen, die sich wie Löcher anfühlten, die in den Kopf gebohrt waren, trafen sich in der Mitte des Kopfes. Dann spürte sie einen enormen Druck im Kopf und ein brilliantes Licht, welches von Glückseligkeit und Lachen gefolgt war. Das Kribbeln breitete sich dann auf der Oberlippe, dem Mund und dem Kinn aus. In dieser Zeit gab es Träume mit himmlischer Musik. Dann wanderte das Kribbeln über den Hals und die Brust zum Bauch.

Schliesslich hatte sie das Gefühl, als sei der Kreislauf, der die Form eines Eies hatte, an dieser Stelle geschlossen; aufwärts durch die Wirbelsäule, abwärts durch die Vorderseite des Körpers. Wenn die Kundalini sich entwickelt, aktiviert sie bestimmte Chakren auf ihrem Weg. Sie beginnt im unteren Bauch (Basischakra),  wandert dann zum Sakralchakra (Sexualchakra), zum Nabelzentrum (Solarplexus), zum Herz (Herzchakra) und dann zum Zentrum des Kopfes (Scheitelchakra). Als letztes wird das Kehlkopfchakra aktiviert. Danach hat man ständig das Gefühl, als ströme vom Nabelzentrum aus eine Energie durch den Körper. Dieses Gefühl hört auf, sobald der Kreislauf geschlossen ist. Die ganze Erfahrung hatte starke sexuelle Zwischentöne. Der größte Teil dieser Aktivität geschah in einem Zeitraum von einigen Monaten. In den letzten zwei Jahren gab es bei ihr nur gelegentlich Aktivitäten, meist während der Meditation oder wenn sie sich im Bett entspannte.

Während der Kundalini-Erfahrung trat spontane Yoga-Atmung auf (leise und kontrolliert). Schließlich entwickelte sich im Kopf ein Druck, der vom Hinterkopf ausging, sich dann aber über die Schädeldecke in der Stirn zentrierte. Dieser Druck machte sich besonders während des Lesens bemerkbar, führte rund um die Augen zu Beschwerden und zu einem pulsierenden Gefühl an der Schädeldecke. Der laute Klang im Inneren des Kopfes verschwand schliesslich. Durch diese Erfahrungen verstand sie, dass die Kundalini in ihr aufstieg, denn sie hatte bereits vorher davon gelesen. Deshalb fühlte sie sich entpannt und ließ den Dingen ihren Lauf. Allerdings wurde sie emotional gestört und hatte Schwierigkeiten, diese Erfahrungen in ihr tägliches Leben zu integrieren.

Seitdem der Zustrom an Energie ihren Schlaf für Monate behinderte und auch während des Tages anhielt, so dass er auch die Arbeit behinderte, hatte sie das Gefühl, als würde sie neben sich stehen und sei Zeugin ihrer eigenen Aktivitäten. Schliesslich brachte sie die Situation unter Kontrolle. Der allgemeine Effekt war eine größere emotionale Stabilität und die Beseitigung von Spannungen, neben einem stark verbesserten intuitiven Verständnis.



12.2 Wissenschaftler (53)     Top

Ein männlicher Wissenschaftler, der heute (1976) 53 Jahre alt ist, begann 1967 mit der Transzendentalen Meditation. Vor etwa 5 Jahren hatte er stark zuckende Körperbewegungen während der Meditation und nachts im Bett. Nach einigen Wochen aber ließen sie nach. Monate später, als er zu Bett ging, fühlte er ein Kribbeln in seinen Unterschenkeln, welches von Muskelkrämpfen in seinen großen Zehen gefolgt wurde. Die Muskelkrämpfe breiteten sich auf andere Muskeln aus und verblassten allmählich. Das Kribbeln stieg bis zum unteren Rücken an und dort "sah" er ein rötliches Licht. Das Licht hatte die Form eines Stabes, der die Wirbelsäule hinaufgeschoben wurde. Dann breitete sich das Licht mit einem Kribbeln und mit vibrierenden Empfindungen vorwärts im Nabelbereich aus.

Schritt für Schritt stieg es weiter die Wirbelsäule bis zum Herzen hinauf, breitete sich dann nach vorne aus und stimulierte das Herzchakra. Als das Licht seinen Kopf erreichte, sah er Fluten weißen Lichts, als ob sein Kopf von innen beleuchtet war. Dann schien sich das Licht wie ein solider Lichtstrahl aus der Schädeldecke heraus zu ergießen. Einige Zeit später verspürte er eine Vibration in seinem rechten Handgelenk, in seinem rechten Arm und in seinem linken Bein. Aber schon bald, nachdem sich diese Empfindungen eingestellt hatten, verschwanden sie wieder. Dann hatte er das Gefühl, als würden Ströme seine Schulter und Arme durchfließen. Diese Stromwellen traten drei bis viermal pro Sekunde auf. Später steigerten sich auf sieben Mal und mehr pro Sekunde. Einmal, als er sich auf das Zentrum seines Kopfes konzentrierte, traten heftige und unkontrollierte Krämpfe auf.

Zu verschiedenen Zeiten vernahm er einen Klang in seinem Kopf, welches einem schrillen Pfeifen und Zischen glich. Zu anderen Zeiten hörte er musikalische Töne, die sich wie der Klang einer Flöte anhörten. Sehr häufig gab es Gefühle von Frieden und Glückseligkeit.

Sein Schlaf wurde durch automatische Bewegung seines Körpers gestört. Manchmal erwachte er und bemerkte, dass er yogische Atemübungen und verschiedene Yogaübungen praktizierte. Mehrere Nächte, nachdem er dies erlebt hatte, wanderte das Kribbeln zur Stirn, zur Nase, zu den Wangen, zum Mund und schließlich zum Kinn. Während dieses Prozesses hatte er viele ekstatische Gefühle und sexuelle Stimulationen, bis sich die Aktivität schließlich auf den Beckenbereich konzentrierte. Dann hörten alle diese Symptome auf und traten nur noch gelegentlich auf, wenn er sich nachts im Bett entspannte. Er konnte sie abschalten, wenn er sich auf die Seite drehte.

Über ein Jahr später entwickelte sich in der Nacht ein Druck in seinem Kopf, der sich abwärts bewegte. Gleichzeitig bewegte sich ein Kribbeln vom Magen aus aufwärts. Er betrachtete dieses Geschehen aus einer gewissen Distanz. Die beiden Stimuli trafen sich in seiner Kehle. Es fühlte es wie ein Loch in seiner Kehle an, welches sich an der Stelle bildete, an dem sich die beiden Energien trafen. Von diesem Loch wurden allerlei spontane und reine Klänge ausgesandt. Er hatte ein wenig Kontrolle darüber. Etwa 6 Monate später wanderte dieser Impuls aus der Kehle in den Magen, wo er für ein paar Monate blieb. Dann wanderte er ins Becken.

Dieser Wissenschaftler hatte von Natur aus ein empfindliches Nervensystem. Da er aber wusste, dass er einen Kundaliniaufstieg durchmachte und sein Wissen davon, was ihn in etwa erwartete, zusammen mit der stabilisierenden Wirkung der Meditation, machte ihn weniger für die verwirrenden Symptome des Kundaliniaufstiegs anfällig. Er erkannte, dass die Schwierigkeiten, die er hatte, das Ergebnis seiner eifrigen meditativen Praxis waren und deshalb entwickelte er während des Prozesses keine Angst.



12.3 Schauspielerin (29)     Top

Eine 29 Jahre alte Schauspielerin hatte viele psychische Probleme in der Kindheit. Als Jugendliche litt sie unter wiederkehrender Migräne, psychischen Störungen und unter impulsivem, zerstörerischem Verhalten. Viele Jahre ging sie wegen dieser Symptome in psychotherapeutische Behandlung, aber obwohl bei ihr Schizophrenie dianostiziert wurde, kam sie nicht in ein Krankenhaus. Als sie 24 Jahre alt war, begann sie zu meditieren und benutzte dabei verschieden Techniken.

Mehr als ein Jahr später, wurden ihre Kopfschmerzen immer schlimmer. Dann hörten innerhalb von ein paar Wochen ihre Kopfschmerzen, ihre psychische Verwirrtheit und ihr zerstörerisches Verhalten plötzlich auf. Innerhalb eines Jahres begann ein Kribbeln in den Beinen, welches sich dann auch in den Armen und auf der Brust ausbreitete. Nach ein paar Wochen breitete sich das Kribbeln vom Hals über den Hinterkopf bis zur Stirn aus. Es trat verstärkt während der Meditation auf. In Abständen wurde ihr gesamter Körper, vor allem aber ihre Hände, sehr heiß. Während der Meditation war sie durch ein Schwanken und Ruckeln des Körpers und durch die Angst, die sie spürte, besorgt.

Sie kam vor allen Dingen wegen der Angst und der Heftigkeit der spontanen Körperbewegungen während der Meditation in unsere Behandlung. Wir rieten ihr, die selbstentwickelten Meditationsformen einzustellen und stattdessen die etablierten Meditationsformen zu praktizieren. Bis dies möglich war, schlugen wir ihr vor, dass sie vorübergehend ihre Empfindlichkeit gegenüber dem Kundaliniprozess reduzierte, indem sie das periodische Fasten einstellte und sich an eine strikt vegetarische Diät hielt. Als sie in der Lage war, die Transzendentale Meditation unter Aufsicht auszuführen, hörten bald alle störenden Symptome auf.

Etwas später begann der Physio-Kundalini-Zyklus erneut. Während einer langen Meditation wurde sie ihrer Kehle auf eine neue Art bewusst. Sie hatte das Gefühl, als ob ihr Kopf sich von ihrem Körper getrennt hätte und über ihrem Körper schwebte. Ihre Kehle fing an, eigenständige Töne zu bilden. Sie hatte dabei das Gefühl, eine neutrale Beobachterin zu sein. Die meisten Kundalini-Symptome verschwanden nach dieser Erfahrung. Dies entspricht einer typischen Öffnung des Kehlkopfchakras.

Seitdem verläuft ihre Meditation, zum ersten Mal seit Jahren, ruhig und friedlich. Sie findet, dass ihre Produktivität und Zufriedenheit stark zugenommen hat. Sie dreht jetzt einen Dokumentalfilm, ein Projekt, welches sie schon lange ausführen wollte. Wir gehen davon aus, dass viele psychotische Aspekte ihrer Persönlichkeit durch ihr Unvermögen entstanden, eine geeignete Ausdrucksmöglichkeit für ihre spirituelle Energie zu finden, und zwar in einer Art und Weise, die ihrem Naturell entsprach.

Im Zusammenhang mit spirituellen Talenten und ihrer Nutzung, sind die Erfahrungen von Matthew Manning (1975), einem hervorragenden 20 Jahre alten britischen Heiler, der in frühen Jahren von Spukphänomenen geplagt wurde, zu nennen. Die Phänomene bestanden so lange fort, bis er eines Tages entdeckte, dass er automatisch Schreiben konnte. (Automatisches Schreiben bezeichnet eine Methode des Schreibens, bei der Bilder, Gefühle und Ausdrücke durch den Blick nach innen, unreflektiert wiedergegeben werden.) Bald entdeckte er, dass er im Stil mehrerer großer Maler (u.a. Pablo Picasso) malen konnte7. In etwa zwanzig Minuten hatte er ein Bild fertig gemalt. Dabei stellte sich heraus, dass dies ein fruchtbarer Kanal für seine spirituellen Fähigkeiten ist. Nachdem der größte Teil seiner Energie damit zum Ausdruck gebracht werden konnte, verschwanden die Spuk-Phänomene.

7Drei Monate nach dem Tode von Pablo Picasso im April 1973 empfing Manning durch seine angebliche übersinnliche Wahrnehmung von Picasso Botschaften. Fortan spürte er, dass er bei seinen Malereien vom verstorbenen Picasso gesteuert wird. Dabei fällt er aber nicht in Trance, sondern ist sich während seiner Arbeit immer bewusst, wo er sich befindet. Die Gemälde, die angeblich von Picasso eingegeben wurden, tragen unverkennbar die Handschrift des Künstlers.

Besonders interessant ist es, dass beim automatischen Malen die Werke ähnlich wie die Texte beim automatischen Schreiben, in enorm kurzer Zeit entstehen. Manning konnte beispielsweise in ein oder zwei Stunden eine Arbeit vollenden, wofür der lebende Künstler sicher Tage benötigt hätte. Und das, obwohl Manning keine Skizzen anfertigte und auch ohne Fehler arbeitete.

Etwas Sensationelles präsentierte der automatische Maler und Psychologe Luiz Gasparetto aus Brasilien im März 1978 einem Millionenpublikum in der Fernsehsendung Nationwide der BBC. Nachdem sich Gasparetto in einen tranceähnlichen Zustand versetzt hatte, malte er in 75 Minuten 21 Gemälde im Stil von Malern wie Renoir, van Gogh und Picasso.

Nicht nur, dass die Bilder auf dem Kopf standen, sondern das Malmedium arbeitete auch mit beiden Händen an zwei verschiedenen Bildern gleichzeitig. Viele Zuschauer an den Bildschirmen in ihren Wohnzimmern waren so erstaunt, dass sie meinten, die BBC habe diese Demonstration im Zeitraffer ausgestrahlt. Dem war aber nicht so.

Gasparetto erklärte, dass er normalerweise im Dunkeln arbeiten würde und ihm das helle Licht der Studioscheinwerfer arg mitgenommen habe. Doch genau wie Manning gab auch er an, dass Picasso bei seinen jenseitigen Übermittlungen zuweilen sehr heftig reagieren kann. Im Unterschied zu Manning ist der Brasilianer jedoch nicht in der Lage, außerhalb seiner Trancezustände zu malen. In diesem Zustand nehme er Kontakt zu allen verstorbenen Künstlern auf, die "sich melden" und die ihn und seinen Pinsel dann bei der Arbeit an den Bildern führen.

Quelle: Tote führen den Pinsel



12.4 Psychologin (41)     Top

1973 bemerkte eine 41 Jahre alte Psychologin, die seit Jahren in verschiedenen intensiven Gruppen und meditativen Disziplinen gearbeitet hatte, während der Meditation, Hitze in ihrem Kopf und ihrer Brust, sowie ein Kribbeln im ganzen Körper und im Kopf. Als sie diese Empfindungen hatte, bewegte sich ihre Zunge aus eigenem Antrieb innerhalb und außerhalb des Mundes. Immer wenn die Zunge den weichen Gaumen berührte, flossen orgasmische Wellen durch ihren Körper.

Sie fror die meiste Zeit, obwohl die Kälte mit Wärme gemischt war. Sie hatte das Gefühl, als hätte sie die Form eines Eies und ihr Wesen fühlte sich vereint. Vibrationen bewegten sich von ihrem Becken über den Rücken zum Nacken. Ihre Brust fühlte sich weich und offen an. Sie hörte im Kopf brillante Vogellieder und fühlte ein Kribbeln in ihrer Kehle. Drei Jahre zuvor hatte sie während der Meditation das Gefühl, wie ein riesiges Herz zu sein. Sie spürte eine prickelnde und juckende Hitze im ganzen Körper. Aber sie war nicht beunruhigt, denn sie glaubte, dass diese Empfindungen Zeichen einer erfolgreichen und zentrierten Meditation sind und einen Fluss zwischen ihr und anderen Menschen darstellen. Sie nahm an, dass sie einen Kundaliniaufstieg hatte und sie annahm, dass es gefährlich sei, wenn der "höhere Geist" nicht unter Kontrolle ist.

Ein paar Monate nach diesem Ausbruch, hatte sie während der Meditation das Gefühl, als sei sie zwei Fuß (ein Fuß sind etwa 30 Zentimeter) größer als normal und als ob ihre Augen von oberhalb des Kopfes auf sie herabsehen konnten. In dieser Zeit hatte sie das Gefühl, als wüsste sie, was die Leute denken. Dabei wurden viele ihrer Eindrücke bestätigt.

Bald danach begannen die Füße zu Schmerzen und sie bekam Kopfschmerzen. Die Kopfschmerzen wurden schlimmer, wenn sie versuchte, sie zu kontrollieren. Sie stellte fest, dass die Kopfschmerzen kamen, wenn sie versuchte, den Ansturm der Energie, der durch ihren Körper floß, zu kontrollieren. Massage half, den Schmerz in der Füßen zu lindern, aber er war dennoch so stark, dass sie nicht  imstande war, ohne Schwierigkeiten Auto zu fahren oder zu Fuß zu gehen. Es war schwer für sie mit Menschen zu reden. Sie aß sehr wenig, schlief unruhig und litt unter Übelkeit. Sie fühlte Hitze auf der einen Seite ihres Rückens und war davon überzeugt, sie sei in Gefahr, wenn diese Hitze sich nicht auf beide Seiten ausbreiten würde. Oftmals stellte sie sich die Frage, ob sie nicht verrückt werden würde.

Dann bewegte sich das Kribbeln vom Becken über den Rücken zum Hals. Sie begann Licht in ihrem Kopf zu sehen. Sie war erstaunt, dass sie das Licht die ganze Wirbelsäule hinunter sehen konnte. Die Energie und das Kribbeln wanderten dann zur Stirn und konzentrierten sich unter dem Kinn. Sie hatte das Gefühl, als sei ein Loch in der oberen Schädeldecke. Der Schlaf war sehr schwierig und für die nächsten sechs Wochen war Meditation das einzige, was ihr half. Sie hatte das Gefühl, dass der Hitzefluss, wenn sie nicht meditierte, so intensiv werden könnte, dass er ihr Schaden zufügen könnte. Andere Menschen konnten eine übermäßige Wärme spüren, wenn sie ihren unteren Rücken berührten.

Obwohl sie sich manchmal verrückt fühlte, konnte sie ihren Zustand, wegen ihrer psychologischen Ausbildung, vom emotionalen und psychischen Zusammenbruch der Schizophrenie unterscheiden. Sie war der Meinung, dass es während der Störungen notwendig sei, psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil sie die Gefahr einer Geisteskrankheit befürchtete. Waren die Symptome stärker, als sie es ertragen konnte, dann arbeitete sie mit verschiedenen Meditationslehrern zusammen.

Einige Monate später begann ihr Körper sich zu Kräuseln und zu Schütteln und es fühlte sich an, als würde er gereinigt und ausbalanziert. Ein wenig später fühlte sie ein Prickeln in den Wangen und unter ihrem Kinn. Dann verschwanden alle Unanehmlichkeiten und sie hatte keine Schweirigkeiten mehr. Sie hat den Großteil des Physio-Kundalini-Zyklusses innerhalb eines Jahres durchlaufen und ist nun in der Lage, ohne Schwierigkeiten zu meditieren. Ihre körperlichen Probleme entstanden wahrscheinlich durch die restlichen Blockierungen und ungelösten Konflikte, die in ihrem Körper eingeschlossen waren. Heute arbeitet sie in einem erfolgreiches Wachstumscenter, indem einer der Schwerpunkte darin besteht, anderen bei den Schwierigkeiten des Kundaliniaufstiegs zu helfen.



13. Drei Fälle mit Hitzeempfindungen     Top

13.1 Bibliothekarin (44)     Top

Eine 44jährige Bibliothekarin meditierte viele Jahre in ihrem eigenen Stil. Eines Tages, als sie mit den Händen auf dem Tisch meditierte, verlor sie das Bewusstsein. Als sie erwachte, fand sie verkohlte Markierungen auf dem Tisch, die ihrem Handabdruck entsprachen. Sie hatte den Tisch schon bald überarbeiten lassen, so dass ich es nicht mehr überprüfen konnte. Hitzeerscheinungen dieser Art sind bisher nicht aufgetreten. Da sich bei ihr kein regelmäßiges Fortschreiten der Symptome zeigte, nahmen wir an, dass es sich bei ihr um einen gebremsten Physio-Kundalini-Prozess handelte.

Ab 1969 hatte sie einen psychischen Ratgeber, den sie sehr nützlich für ihr tägliches Leben fand. Ab 1972 studierte sie die Träume und Zeichnungen von Kindern und erstellte ein beeindruckendes Manuskript über diese Arbeit. Seit der Beschäftigung mit diesem Thema hatte sie den Kontakt zu ihrem Lehrer abgebrochen.

In diesem Schreiben berichtete sie von der Entwicklung eines Stigmate8. Dies war ein vertikales Oval, welches in Abständen von einigen Monaten mitten auf ihrer Stirn erschien. Das Stigmata ist etwa ein Zoll hoch (ein Zoll = 25,4 Millimeter), etwa einen halben Zoll breit und auffallend rot. Bisher gab es zwei Stigmatisierungen. Jedesmal gab sie ihr bestes, um es mit Kosmetik zu verdecken, ebenso wie sie unmittelbat den Tisch mit den verkohlten Handabdrücken erneuern ließ.

8Ein Stigmata bezeichnet normalerweise das Auftreten der Wundmale Christus am Körper eines lebenden Menschen. Der erste geschichtlich gesicherte Fall von Stigmatisation ist der italienische Mönch und Heilige Franz von Assisi (1181/82 - 1226) der versuchte, streng nach dem Vorbild von Jesus Christus zu leben. Die Anzahl der Träger mit den sichtbaren und spontan blutenden Wundmalen Christi dürfte 100 nicht überschreiten; der Arzt Franz L. Schleyer wies 1948 für eine medizinische Studie knapp 70 gesicherte Fälle nach.

Ihre Neigungen gingen dahin, einen psychischen Weg zu beschreiten. Durch ihr langes Studium mit den Werken des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung, dem Begründer der Psychoanalyse, entwickelte sie die Fähigkeit des inneren Dialogs. Dies hatte sich bereits in den Gesprächen mit ihrem psychischem Lehrer gezeigt.



13.2 Professor     Top

Ein männlicher Professor in mittleren Jahren, der als Kind viele psychische Probleme hatte, erwachte 1963 von einem Nickerchen und entdeckte eine 3 Zoll (etwa 7,5 Zentimeter) große Brandblase auf seinem Oberschenkel, auf dem seine Hand geruht hatte. Diese außergewöhnliche Erfahrung erweckte sein Interesse für die Kraft des Geistes. Innerhalb von 2 Jahren meditierte er regelmäßig, aber ohne Lehrer. 1967 begann er mit der Zenmeditation. Ein paar Monate später wurde er während einer Meditationssitzung von einem hellen goldenen Licht verschlungen, das mehrere Minuten anhielt.

Während vieler Sitzungen bemerkte er eine prickelnde und juckende Bewegung von den Innenseiten der Schenkel bis hinauf zur Leiste. Auch in den Armen und der Brust hatte er diese Empfindungen. Über seinen Rücken und seinen Kopf bewegten sie sich zu seinen Augenbrauen. Dann spürte er es in seinen Wangen, außerhalb seiner Nasenlöcher, und manchmal in seinem Kinn. Gegenwärtig ist seine Meditation von einem Kribbeln und einem Juckreiz in der Kehle gekennzeichnet. Wir würden dies als einen typischen Physio-Kundalini-Kreislauf beschreiben, der sich derzeit in der Phase der Öffnung des Kehlkopfchakras befindet.

Der Ablauf dieses Mannes steht im Gegensatz zur Bibliothekarin. Die Anfänge mit der Hitzeempfindung waren zwar ähnlich, aber der Professor entschied sich für die regelmäßige Ausübung einer traditionellen Form der Meditation, zusammen mit anderen aber auch allein. Wir haben den Eindruck, dass solch eine regelmäßige meditative Praxis eine stetige Weiterentwicklung des Physio-Kundalini-Prozesses ermöglicht, wie es in diesem Fall geschah. Die weniger disziplinierten, psychisch orientierten Formen der Zentrierung, scheinen in ihrer Entwicklung mit Stress in Trancezuständen, psychischen und anderen Problemen, verbunden zu sein.



13.3 Schriftsteller (40)     Top

Ein 40 Jahre alter Schriftsteller hatte 2 Jahre meditiert, bevor er viele Hitzeempfindungen verspürte. Während einer solchen Episode betrug die Temperatur in seinem Mund, die er mit einem elektronischem Thermometer gemessen hatte, 101° Fahrenheit (38,3° Celsius), fiel dann aber innerhalb von einer oder zwei Minuten auf 99° F (37,2° C). Kurze Zeit später betrug die Temperatur seiner Hand 104° F (40° C). Er war aber nicht krank.

Seine Vorgeschichte ist von Interesse. Nachdem er zwei Jahre meditiert hatte, erfuhr er spontane Trancezustände. Während der Trancezustände erhielt er auf parapsychologischem Wege Informationen, die zum Teil bestätigt wurden. Er kam aufgrund seiner ehelichen Schwierigkeiten, die er durch die Trancezustände hatte, in unsere Behandlung. Wir ermutigten ihn, willentlich einen leichteren Trancezustand zu erlernen. Dann hörten seine Trancezustände auf. Er ist ein produktiver Schriftsteller und ein erfolgreicher Holzbildhauer.

Die körperlichen Anzeichen oder Symptome dieses Mannes waren vergleichbar mit denjenigen der beiden vorangegangenen Fälle. Seine Persönlichkeit und Interessen stimmten allerdings stärker mit denen der Bibliothekarin überein. Er interesseirte sich nicht für die traditionellen östlichen Methoden der Meditation. Vor einigen Jahren lernte er flüchtig bei einem schamanischen Heiler, der dem mexikanischen Yaqui-Indianer Don Juan Matus glich, dem der amerikanische Schriftsteller Carlos Castaneda sein Wissen verdankt. Er war stärker an äußeren psychischen Erscheinungsformen (Parapsychologie) als an einem inneren Dialog interessiert. Dies erklärt teilweise auch das Auftreten seiner Trancezustände. Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung hat wiederholt darauf hingewiesen, dass dann, wenn die verborgenen inneren Wünsche nicht in Träumen oder in einem inneren Dialog behandelt werden, sie in einer versteckten Weise, wie in Trancezuständen, den Menschen beunruhigen können.



14. Zwei Heiler     Top

14.1 Künstler (27)     Top

Ein 27 Jahre alter Künstler erinnert sich daran, dass er seine ersten spirituellen Erfahrungen in Form von luziden Träumen9 in der Kindheit hatte. Während einer seiner luziden Träume sah er, wie sein Doppelgänger die Bettwäsche aufhob, die heruntergefallen war und sie ihm übergab. Er war erschrocken von der Lebendigkeit dieser Erfahrung.

9Ein Klartraum oder luzider Traum ist ein Traum, in dem der Träumer sich bewusst ist, dass er träumt. Der luzide Traum hat folgende sieben Merkmale: 1. Der Träumer ist sich darüber im Klaren, dass er träumt. 2. Der Träumer ist sich daüber im Klaren, dass er die Entscheidungsfreiheit im Traum hat. 3. Es gibt keine traumtypische Verwirrung oder Bewusstseinstrübungen. 4. Die Wahrnehmung der fünf Sinne ist wie im Wachzustand. 5. Es besteht Klarheit über das Wachleben, also darüber, wer man ist oder was man sich für den Klartraum vorgenommen hat. 6. Nach dem Traum gibt es eine klare Erinnerung. 7. Der Träumer ist sich über den Sinn des Traums im Klaren.

Als er 22 war, begann er mit der Transzendentalen Meditation und hatte viele Einsichten und Spannungsauflösungen. Dann machte er, ohne die entsprechenden Anweisungen, so schnelle Fortschritte in der Meditation, dass er Angstattacken während der Meditation bekam. Einmal hatte er eine Vision von weißem Licht und verlor das Bewusstsein. Er erfuhr einen Fluss von Empfindungen, der dieser Vision voranging und in seinem Bauch begann. Dann strömten diese Empfindungen zum Rücken, zum Nacken, zur Hinterseite des Kopfes, wo sie in ein strahlendes Licht ausbrachen. Dann spürte er Wärme in seinen Kopf und in seinem Bauch. Zischen und tosende Klänge entwickelten sich während der Meditation. Als die Angst noch schlimmer wurde, wechselte er zur Zen-Meditation, wo er etwas Hilfe fand. Bald danach hatte er eine andere Vision weißes Lichts, ähnlich wie die erste.

Zwei Monate später ging er mit seiner Familie ins Ausland, wo er verschiedene Heiler aufsuchte. Er ließ sich gegen seine lebenslangen Migränekopfschmerzen behandeln. Dies war vor über zwei Jahren und seitdem ist er beschwerdefrei. Seine Familienmitglieder wurden ebenfalls von einer Reihe chronischer Krankheiten geheilt. Er war so beeindruckt, von dem, was er sah, dass er beschloss, zurückzukehren und einen Film über einen der Heiler zu drehen. Kurz vor der Abfahrt hatte er die Vision einer Vorahnung. Während der Dreharbeiten war er so fasziniert, dass er beschloss, bei einem der Heiler zu studieren. Er studierte zwei Jahre lang und stellte fest, dass er immer erfolgreicher im Heilen, in der Beurteilung des Energieflusses und in seinen hellseherischen Fähigkeiten leidenden Menschen zu helfen, wurde.

Vor kurzem kehrte er nach Amerika zurück, wo er wachsenden Erfolg in seiner künstlerischen Arbeit verzeichnete. Er heilte Freunde und Bekannte, wann immer sich die Gelegenheit dazu bot.

Während dieser Zeit setzte er seine Meditation verstärkt fort. Dadurch stellte sich ein Kribbeln in den Wangen und seitlich der Nase ein. Die Rückkehr der alten Angst ließ bald nach, als verschiedene Personen, die er behandelte, sich von ernsten Krankheiten erholten. Er war sehr unsicher, ob ihm seine neu erworbenen Fähigkeiten, mit denen er erst am Ende seiner Ausbildung im Ausland in Berührung kam, in dieser Umgebung, so weit entfernt von seinem Lehrer, zur Verfügung stehen würden. Seine Erfolge aber beruhigten ihn und erleichterten seine Angst.



14.2 Ingenieur (54)     Top

Ein 54jähriger ehemaliger Luftfahrt-Ingenieur meditierte viele Jahre lang und arbeitete als Heiler. 1973 hatte er plötzlich ungewöhnliche Körperempfindungen. Er fühlte einen Druck in seinem Kopf, der von einer Woche Schlaflosigkeit gefolgt wurde. Dann veränderte sich der Druck in eine Vibration und er fühlte Hitze in seinem Körper. Als die Vibrationen sich in seinen Schultern, seiner Brust und in seinen Beinen ausbreitete, hatte er das Gefühl, als würde sein Körper explodieren. Wenn diese Empfindungen besonders stark waren, bildeten sich auf der Unterseite der Zunge Blasen. Wellen farbigen Lichts strömten durch seinen Körper und seinen Kopf und sie wurden golden, wenn sie flossen. Nach drei Wochen fühlte er sich sauber gewaschen und er hatte das Gefühl, die meisten dieser Empfindungen durch die Meditation kontrollieren zu können. Er glaubt, seine Fähigkeit als Heiler haben durch diese Erfahrungen zugenommen. Meine Erkundigungen nach denen, denen er geholfen hatte, schienen seinen Eindruck zu bestätigen.

Diese beiden Heiler stellen Extreme an Selbstdisziplin eines ganz bestimmten Types dar. Der jüngere Mann, der 27jährige Künstler, ging zu einem erfahrenen Heiler ins Ausland, um zwei Jahre von ihm zu lernen. Erst danach arbeitete er als Heiler und erzielte die Heilerfolge, die er anstrebte. Der ältere Mann, der 54jährige Ingenieur, entwickelte seine Fähigkeiten als Heiler dagegen in einer zurückgezogenen Lebensweise, in der er über einen Zeitraum von fünf Jahren nachts aufstand und täglich zwei Stunden meditierte. Er trainierte sich, sofort nach der Meditation wieder einzuschlafen. Nach dieser langen Praxis lernte er sein Bewusstsein zu trennen, nachdem er sich niedergelegt hatte. Er praktizierte es einige Jahre, bevor er es unter Kontrolle hatte.

Die Ausbildung der beiden war sehr verschieden. Der Künstler benutzte eine intuitive Methode, die seine Fähigkeiten zur vollen Reife führte, während der Ingenieur mit einer großen Willensanstrengung zum Ziel kam. Wir sahen ein weiteres Beispiel für diese Art der Willensstärke, als wir vor kurzem einen professioneller Heiler durch eine magnetische Stimulation seines rechten Gehirn testeten. Wir benutzten die Methode, die Bentov in Anhang A beschreibt. Nachdem man einige Zeit die Stimulation der rechten Gehirnhälfte mit einem pulsierenden Magnetfeld beeinflusst hatte, stellte man fest, dass er nur noch Farben aus dem grau-grünen Spektrum visualisieren konnte und dass sein Wortfluss beeinträchtigt war. Das Problem mit der Sprache löste sich nach einigen Tagen. Es dauerte eine Woche länger, bis er wieder das gesamte Farbspektrum visualisieren konnte. Eine Steifheit des Nackens, die ebenfalls durch das pulsierende Magnetfeld einsetzte, löste sich etwa zur gleichen Zeit, als sich das gesamte Farbenspektrum wieder einstellte.

Wir glauben, dass dieser Mann als erfolgreicher Heiler arbeitete, da er über einen hervorragenden Willen verfügte. Dies wird wahrscheinlich durch die Dominanz der linken Gehirnhälfte begünstigt. Seine angeborene Sensibilität erlaubte ihm, wenn sie stimuliert wurde, auf eine neue Art zu antworten, die durch den Test angeregt wurde. Die neue Aktivität der rechten Gehirnhälfte kam mit der gut kontrollierten linken Gehirnhälfte in Konkurrenz. Dadurch erfolgte der vorübergehende Zustand der Verwirrung der rechten Gehirnhälfte, bis die Homöostase, die Selbstregulierung, den normalen Zustand wieder herstellte.



15. Drei Fälle mit Komplikationen     Top

15.1 Sekretärin (28)     Top

Eine 28jährige Sekretärin praktizierte seit 2 Jahren Transzendentale Meditation. 1975 begann ein Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Unterschenkeln. Bald fing eine Steifheit in einem Bein an, das Gehen zu behindern. In dieser Zeit ging sie zu mehreren Ärzten, darunter auch zu einem Neurologen. Als myelografische Untersuchungen10 gemacht werden sollten, lehnte sie ab. Ihre Symptome wurden schlimmer an Tagen, an denen sie länger meditierte. Deshalb entschied sie, sich Rat über die Auswirkungen ihrer meditativen Praxis zu holen.

10Die Myelografie ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt wird und anschließend eine Röntgenaufnahme durchgeführt wird. Heute wird dies mittels der Computertomographie (CT) und der Kernspintomographie (MRT) durchgeführt.

Es sah so aus, als ob sie in der frühen Phase des Physio-Kundalini-Zyklus war und dass der Stress und die Sorgen über mögliche körperliche Krankheiten ihre Schwierigkeiten vergrößerte. Sie hatte die Klugheit, sich zu erkunden, ob die Symptome die auftraten, im Zusammenhang mit der Meditation standen. Wir versicherten ihr, dass ihre Symptome Teil eines normalen Kundaliniprozesses waren, in der das Nervensystem sehr schnell auf die übertriebene Meditation reagierte. Eine Verminderung und die vorübergehende Einstellung der Meditation führte sie bald auf den Weg der Genesung. Zuletzt begann sie wieder in Maßen zu meditieren. Ihr Physio-Kundalini-Prozess verläuft seitdem ohne Zwischenfälle.



15.2 Hausfrau (28)     Top

Eine 28jährige Hausfrau begann vor kurzem mit der Transzendentalen Meditation. Bald begann sich in ihrem linken Fuß und Bein ein Kribbeln und gelegentliches Taubheitsgefühl zu entwickeln. Als die Probleme größer wurden, zog sie in das Haus ihrer Schwiegermutter und deren Ehemann. Dort entwickelte sich ein steifes Bein und eine Spitzfußstellung11. Sie holte sich medizinische Hilfe und wurde myelografisch untersucht. Im Anschluss daran, verstärkten sich ihre Symptome. Dann wurde ihr Cortison verschrieben und ihr Neurologe erzählte ihr, dass sie den vollen Gebrauch ihres Beines vielleicht nie mehr ganz zurückgewinnen werde. Nachdem sie das gehört hatte, wurde sie sehr depressiv und fast handlungsunfähig. In dieser Zeit kam sie in unserere Behandlung.

11Ein Spitzfuß ist eine Fehlstellung des Fußes, die durch einen Hochstand der Ferse gekennzeichnet ist, da die Ferse beim Gehen nicht auf den Boden aufgesetzt werden kann.

Sie hatte ein außerordentlich sensibles Nervensystem und befand sich in der frühen Phase des Kundaliniprozesses. Ihre Sorge über die Prognose und die Wirkung des Cortisons verstärkten ihre Symptome: Schmerzen und Steifigkeit in den Beinen und im Rücken und eine Lähmung, die bereits genannt wurde. Ihre Therapie war die gleiche, wie im vorherigen Fall und führte zu einer erfogreichen Behandlung.



15.3 Hausfrau     Top

Eine Hausfrau, Mitte fünfzig, erlebte vor vier Jahren den Beginn eines tiefgreifenden und beunruhigenden Kundaliniprosesses und hatte das Gefühl, dass etwas, was sich über ihrem Kopf befand, hinabstieg12, dem eine Ohmacht folgte. Dieser Vorfall wiederholte sich mehrere Male. Aber sie war niemals angeschlagen, nachdem sie das Bewusstsein wiedererlangt hatte, wie man es bei einer krampfartigen Störung erwarten konnte. Die Ärzte waren nicht in der Lage, ihr irgendeine Hilfe anzubieten.

12Roy (1974). Seine Ko-Autorin Devi beschreibt mit fast identischen Worten, dass sie dieselbe Erfahrung machte.  Bald darauf machte sie eine spontane und bemerkenswerte Kundalinierfahrung.

Einmal hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf, die fragte: "Bist du bereit?" Später hörte sie eine innere Musik.

Eines Tages fühlte sie sich wohl, bis sie am späten Nachmittag einen Schmerz spürte, der sich an der Unterseite der linken großen Zehe entwickelte. Dieser Schmerz wanderte sehr schmerzhaft zum Schienbein hinauf. Dabei konnte sie die innere Arbeitsweise des Kniegelenks spüren. Der Schmerz kehrte in Abständen wieder. Sie verbrachte die nächsten Tage im Bett, wo sie spontan yogische Positionen (Yogahaltungen) einnahm. Einige Tage später hatte sie das Gefühl, als würde ihr Körper von den Zehen bis hinauf zum Rücken in Segmenten bearbeitet. Dieser Prozess wanderte den Körper hinauf und sie hatte auf beiden Seiten der Nase Schmerzen. Wellen strömten ihr Gesicht und den Hals hinunter. Dies wurde von intensiver Hitze im Rücken begleitet. Sie fühlte einen schraubstockartigen Druck um ihren Kopf. Während einer dieser Gefühlsströme fühlte sie sich gezwungen, in einer seufzenden Weise zu atmen und es gab gelegentlich Drehbewegungen von Hals und Kopf. Sobald die Energie zum Kopf herunter kam, wurde ihre Kopfhaut kalt, aber ihr Gesicht wurde heiß.

Über einen Zeitraum von drei Jahren war sie davon überzeugt, dass sie von Gott als ein fortgeschrittenes menschliches Wesen auserwählt war. Sie neigte zu einem Verhalten, vor dem der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung einst warnte: "Wer beansprucht, diese Kraft als eigene Schöpfung zu betrachten, bläht damit nur seinen Egoismus auf und fällt in falsche Überlegenheit". Darüber hinaus war sie sehr misstrauisch gegenüber denjenigen, die ihre Geschichte hörten, aber nicht mit ihrer Interpretation einverstanden waren. Sie erwartete von anderen, dass sie glaubten, was sie sagte und das alles, was sie sagte, richtig sei. Fortan meditierte sie nicht mehr regelmäßig und sie hatte auch kein Interesse daran, es zu versuchen. Sie hatte auch kein Interesse an einer weiteren Hilfe, die wir ihr anboten.



16. Plötzlicher Kundaliniaufstieg     Top

Ein 33jähriger Psychiater, ein Kollege von mir, und ein Mitglied unseres Kundalini Forschungsteams, meditiert regelmäßig seit drei Jahren und diente uns im Rahmen unserer Forschung mit dem Magnetstimulator als Testperson. Er wurde mit einem Rückenmarkdefekt geboren, weswegen er eine Operation hatte. Diese Operation hinterließ jedoch seit seiner Jugend chronische Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich.

Im Dezember 1975 nahm er an einem Wochenende im Muktananda13 Ashram in Oakland, Kalifornien, USA, teil. Nachdem er von Swami Muktananda berührt wurde, ging er in tiefe Meditation. Innerhalb von zehn Minuten stellte er fest, dass er nicht sprechen konnte. Sein Mund war weit geöffnet und seine Zunge ragte heraus. Nach einigen Minuten, erlebte er eine glückselige innere Ruhe und viele Visionen, in der Muktananda ihm erschien und ihm half, mit dem Guru zu verschmelzen. Nach einigen Minuten sah er das Innere seines Unterleibs und seiner Brust und der Hals wurde von einer goldenen Energie durchströmt. Dann begann sein unterer Rücken stark zu schmerzen. Als dies geschah, wurde ein weißes Licht in seinem Kopf immer intensiver. Gegen Ende der Meditation verschwanden die Rückenschmerzen und kehrten die nächsten vier Monate nicht mehr zurück.

13Swami Muktananda (1908 – 1982) entstammte einer gläubigen und wohlhabenden Familie im Süden Indiens. Im Alter von 15 Jahren verließ er sein Elternhaus, um auf die Suche nach einem spirituellen Lehrer zu gehen. Nachdem er die Mönchsgelübde abgelegt hatte, wanderte er für 25 Jahre quer durch Indien und studierte während dieser Zeit die Hauptströmungen der indischen Philosophie und die Wissenschaft des Yoga. Erst als er den großen Siddha Bhagawan Nityananda traf, wurde seine religiöse Sehnsucht erfüllt. (Ein Siddha bezeichnet jemanden, der Siddhi, höhere Verwirklichungsstufen, bis hin zur vollen Erleuchtung, erlangt hat.) Nityananda gab ihm Shaktipat, die Erweckung der spirituellen Energie. Unter Shaktipat (Kundalini Shakti) versteht man die Übertragung spiritueller Energie (Shakti) vom Guru auf den Schüler; eine spirituelle Erweckung durch die göttliche Gnade.

Nach neun weiteren Jahen intensiver spiritueller Übungen erlangte er Erleuchtung. Bevor Bhagawan Nityananda 1961 starb, übertrug er die Kraft der Siddha Linie auf Swami Muktananda. Auf Anweisung seines Gurus brachte Swami Muktananda in den 70er Jahren während insgesamt drei Weltreisen die kraftvolle und seltene Initiation, die als Shaktipat bekannt ist, in den Westen. (Die Initiation entspricht einer Aufnahme in eine geistliche Gemeinschaft.) Als Erbe dieser großen Linie spiritueller Meister lehrte er den Pfad des Siddha Yoga in aller Welt und schuf so eine weltweite Bewegung, die er als „Meditations-Revolution“ bezeichnete. Wie aus einem offenen Brief ehemaliger Siddha-Yoga-Anhänger hervorgeht, kam Swami Muktananda seinem Gelübde zum Zölibat oft nicht nach: "Jahrelang wurde von Muktananda umfangreicher, sexueller Mißbrauch und Ausbeutung junger Frauen, oft minderjährig, begangen..." Es scheint so, als ob er den weltlichen Verlockungen des Westens nicht widerstehen konnte.

Im Anschluss an diese bemerkenswerte Erfahrung, wurde seine Meditationen zu Hause sehr produktiv. Emotionale Probleme und unerledigte Angelegenheiten schienen in der großen Tiefe der Meditation eine schnelle Lösung zu finden. Mitte Januar entwickelte sich ein Hautausschlag, der sich in einer gewundenen Linie vom unteren Rücken die Wirbelsäule hinaufschlängelte, wobei er die Wirbelsäule zweimal kreuzte, um schließlich zur linken Schulter auszuscheren. Er fragte sich, ob dies vielleicht eine symbolische Bedeutung, wie ein Stigmata, haben könnte. Zu dieser Zeit hörte er schrille Geräusche und kratzende Klänge während der Meditation. Diese Gräusche und Klänge hatte er bereits früher zum ersten Mal gehört, nachdem er viele Male, über eine Zeitdauer von mehreren Monaten, mit unserer magnetischen Vorrichtung angeregt worden war.

Im Januar nahm er an einem zweiten Intensiv-Wochenende teil. Und wieder wurde er von dem Guru berührt. Sofort fühlte er kribbelnde Schmerzen. Heiße und kalte Empfindungen breiteten sich auf seinem oberen Rücken und Nacken aus. Seine Kehle brannte und sein Kopf und sein Hals bewegten sich spontan. Als nächstes fühlte er Glückseligkeit und inneren Frieden. Später begann sein Kopf sich zu drehen und er fühlte Vibrationen in seinen Händen. Dann brannten seine Knie und in der Wirbelsäule fühlte er ein Schwirren? (buzzing), welches als Gefühl von Licht und Energie im Kopf endete. Während dieser Zeit war sein Atem unregelmäßig: mal schnell und flach, ein anderes mal langsam und tief. Alles schien in seinem Innern auseinander zu brechen und er hatte das Gefühl, als ob er bearbeitet wurde. Gegen Ende dieser Meditation, erlebte er große innere Schönheit, Frieden, und ein tiefes Wissen seines Innersten selbst, dann ein Gefühl von Freiheit und das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein. Am nächsten Tag hatte er Schwierigkeiten, zu seinem üblichen Zustand zurückzukehren. Er war unkoordiniert, konnte sich schlecht konzentrieren und war körperlich für mehrere Tage erschöpft.

Nach dem intensiven Januar, vertieften sich seine Meditationen. Dann schmerzten für ein paar Tage sein linker großer Zeh und sein linker Fuß. Dieser Schmerz war sehr intensiv und durchdrang seinen Fuß und seinen Unterschenkel. Ausserdem hatte er auf der linken Rückseite des Kopfes einen Schmerz, der sich bis zum linken Auge ausdehnte. Das Auge schloss sich gelegentlich spontan. Nach ein paar Tagen waren diese ununterbrochenen Schmerzen wieder verschwunden. Die Schmerzen im Bein, die allen Behandlungen widerstanden, lösten sich zur gleichen Zeit auf.

In seinem täglichen Leben erlebten ihn seine Freunde und seine Familie entspannter. Ein Physiotherapeut, den er gelegentlich sah, hatte das Gefühl, dass er, nach all diesen Erfahrungen,  lockerer und entspannter war und in sich ruhte. Das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein, hatte sich zu einem Gefühl des Einsseins mit der Welt verändert. Nun hat sich in der Meditation ein Juckreiz auf der Stirn und gelegentlich auch auf den Wangen entwickelt, was den weiteren Fortschritt des Physio-Kundalini-Kreislaufs anzeigt.



17. Diskussion     Top

Der Physio-Kundalini-Komplex hat eine Reihe charakteristischer Eigenschaften, die sowohl subjektiv als auch objektiv sind. Der typische Physio-Kundalini-Fortschritt, der in der Praxis nur selten auftritt, zeigt oft mehrere Symptome.

Wenn wir akzeptieren, dass der Physio-Kundalini-Fortschritt das Resultat einer ausgleichenden Aktion ist, die Blockierungen im menschlichen Körper auflöst, dann bedeuten individuelle Unterschiede bei den Symptomen, dass unterschiedliche Bereiche blockiert sind. Dies können Unterschiede in der genetischen Verfassung, aber auch Unterschiede in der Vergangenheit der betreffenden Person sein. Der Kundalini-Prozess kann ein paar Monate, aber auch mehrere Jahre dauern. Die Unterschiede in der Zeitspanne sind von der unterschiedlichen Intensität der Meditation, aber auch vom Gesamtbetrag der Blockierungen, abhängig..

Oft durchläuft der Zyklus nicht seinen normalen Ablauf, wie bereits erwähnt. Das Anhalten des Physio-Kundalini-Prozesses, kann bei denen eintreten, die von einigen besonderen psychischen Fähigkeiten fasziniert sind. Solch eine ausschließliche Konzentration, kann die Weiterentwicklung in diesem Stadium unterbrechen. Weitere Variationen gibt es in der zeitlichen Periode. Die Anzeichen und Symptome sind nicht kontinuierlich vorhanden, sondern sie treten oft in Intervallen, meist während der Meditation, während der Ruhezeit oder im Schlaf auf.



18. Zusammenfassung der Zeichen und Symptome     Top

Wir haben versucht, die Anzeichen (objektive Hinweise) und Symptome (subjektive Hinweise) eines Kundaliniaufstiegs zu trennen und sie in vier Kategorien einzuteilen: motorische, sensorische, interpretierende und nicht-physiologische Anzeichen. Diese Kategorien sind in Tabelle 1  beschrieben und etwas detaillierter auf den folgenden Seiten.

Kategorie der Zeichen  und Symptome

Beschreibung

motorisch

Alle Erscheinungsformen, die unabhängig beobachtet und physikalisch gemessen werden können

sensorisch

Innere Empfindungen wie Licht, Ton und Erfahrungen, die in der Regel als Gefühle eingestuft werden

interpretierend

Mentale Prozesse, die Erfahrungen interpretieren

nicht-physiologisch

Phänomene, die als authentisch erscheinen, für die physiologische Erklärungen aber nicht ausreichend sind

Tabelle 1. Beschreibungen der Zeichen und Symptome

Obwohl wir die Einteilung in vier Gruppen aus Gründen der Bequemlichkeit vornehmen, können die Symptome in den verschiedenen Kategorien, z.B. Körperbewegungen, Kribbeln und inneres Licht oft nur verschiedene Aspekte einer einzigen integrierten Erfahrung sein. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass einige Phänomene in zwei oder drei Kategorien gleichzeitig gehören: objektive Hitzeerscheinungen gehören zu den motorischen und sensorischen Anzeichen, das Sehen des inneren Lichts zu den sensorischen und interpretierenden Anzeichen und so weiter. In diesen Fällen haben wir die Erfahrungen in jeder der zutreffenden Rubrik eingeordnet, um eine bessere Zuordnung zu ermöglichen, aber wir haben sie nur einmal diskutiert.



18.1 Motorische Erfahrungen     Top

18.1.1 Körperbewegungen und ungewohnte Körperhaltungen     Top

Die Bewegungen sind spontan, obwohl die Person in der Lage sein kann, sie zu verhindern. Sie können alle Teile des Körpers, einschließlich der Augen, betreffen. Die Bewegungen können sanft und geschmeidig, krampfartig und ruckartig oder vibrierend (zitternd) sein. Der Körper kann klassische Hatha-Yogahaltungen einnehmen und sie für längere Zeit aufrecht erhalten. Das Auftreten, das Muster und die Intensität dieser Bewegungen und Haltungen variieren stark von Person zu Person.



18.1.2 Abnormale Atemmuster     Top

Entsprechend der yogischen Theorie betritt und verlässt die vitale Energie, die auch als Prana bezeichnet wird, den Körper und fließt mit dem Atem durch den Körper. Einige Yogis verbringen jahrelang täglich viele Stunden, um den Fluss des Prana durch die Atemübungen, die auch als Pranayama (wörtlich Energiekontrolle) bezeichnet werden, zu kontrollieren. Was wir klinisch in den meisten unserer Fälle beobachten, ist das spontane Auftreten von klassischen Pranayamamustern: schnelles Atmen, flaches Atmen, tiefes Atmen oder ein längeres Atemanhalten. Fortgeschrittene Yogis sagen, dass dieses spontane Auftreten normal ist und fast jedesmal bei der Erweckung der Kundalini geschieht. Sie sagen, dass die bewusste Praxis des Pranayama gefährlich sein kann, wenn man damit einen beschleunigten Kundaliniaufstieg erreichen möchte. Dies sei auch nicht erforderlich, da die Kundalini ganz von selbst aufsteigen würde.



18.1.3 Lähmungen     Top

Während tiefer Meditationen erstarrt (verkrampft) der Körper manchmal zeitweise in bestimmten Körperhaltungen. Diese Lähmungen aber lösen sich wieder auf, sobald die Meditation beendet ist. Bei zwei jungen Frauen aus unseren Fallstudien entwickelten sich allmählich Teillähmungen, die über lange Perioden blieben, die auch ihre normalen Aktivitäten beeinflussten. In beiden Fällen ließen die Lähmungen nach, als wir in der Lage waren, ihre intensive Furcht vor dem Prozess durch Erklärungen, emotionale Unterstützung und Ermutigung, zu lindern. Daher scheint es wahrscheinlich, dass ihre Lähmung eher ein sekundäres Symptom, eine hysterieähnliche Reaktion war, als ein Primäreffekt des Physio-Kundalini-Prozesses.



18.2 Sensorische Erfahrungen     Top

18.2.1 Körperempfindungen     Top

Die Haut oder das Körperinnere kann prickeln, vibrieren, jucken oder kitzeln. Die passende Beschreibung ist ein ekstatisches Kitzeln und das Gefühl des Orgasmus. Diese Empfindungen  beginnen oft in den Füßen (meist im linken großen Zeh), den Beinen, oder im Becken und bewegen sich über den Rücken und Hals bis an die Spitze des Kopfes. Dann wandern sie die Stirn hinunter, über das Gesicht zum Hals (Kehlkopf) und schließlich zum Bauch. (Die Energie wandert von der Spitze des Kopfes zur Stirn, teilt sich über den Augen auf und fliesst auf beiden Seiten an Nase und Mund hinunter, um sich wieder im Kinn zu vereinigen.) Es ist interessant, dass in diesem Modell die Kehle und der Bauch als letzte Chakren dargestellt werden. Das Fortschreiten verläuft selten geordnet, aber wenn dies der Fall ist, betrachten wir es als einen typischen Kundalini-Zyklus.



18.2.1.1 Das Nabelzentrum ist das Hauptenergiezentrum
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Anmerkung Übersetzer:

Das klassische (yogische) Kundalinimodell sieht wie folgt aus:

1. Wurzelchakra
2. Sexualchakra
3. Nabelchakra
4. Herzchakra
5. Halschakra
6. Stirnchakra
7. Scheitelchakra

Das Physio-Kundalini-Modell müsste demnach folgendermaßen aussehen:

1. Beginn der Kundaliniaufstiegs in den Füßen (Zehen), Beinen oder im Becken
2. Sexualchakra
3. Herzchakra
4. Scheitelchakra
5. Stirnchakra
6. Kehlkopfchakra
7. Nabelchakra

Da das Kundalinimodell Bentov's, wie im Zusammenhang zu lesen ist, jedoch darauf beruht, dass Meditation zu einer positiven Anregung von fünf harmonischen Energiezentren im Körper des Menschen führt, welche mit der Aorta, der Hauptschlagader des Herzens, beginnen, klammert er die ersten beiden Chakren womöglich aus. Mich hat es ohnehin gewundert, dass er keinerlei Aussagen zum sexuellen Verhalten der untersuchten Patienten macht. Haben sie Enthaltsamkeit praktiziert oder wie sah ihr Sexualleben aus?

Durch das klinische Kundalini-Modell, das sogenannte Physio-Kundalini-Modell wird mir immer deutlicher, dass nicht das Scheitelchakra, sondern das Nabelzentrum (Nabelchakra) das wichtigste Chakra ist. Vor allem, wenn man diese Energie aus dem Nabelzentrum erfährt, weiß man, dass es so ist. Darum erscheint mir das klinische Kundalini-Modell durchaus richtig zu sein. Das Nabelzentrum ist im japanischen Zen als Hara und im chinesischen Qi Gong als Dan Tien (Tan Tien) bekannt. Sie werden als Hauptenergiezentrum betrachtet.

Der Bauch ist das Zentrum der Kraft: das "Dan Tien" in China oder das „Hara“ in Japan. Doch außerhalb des asiatischen Raums wird kaum eine andere Körperregion so lieblos betrachtet wie der Bauch. Quelle: Bauch-Yoga

Hara im Zen: (Unterleib, Bauch, Eingeweide) Im Zen hat der Begriff meist eine geistig-seelische Bedeutung im Sinne von »die (geistige) Mitte des Menschen«. Ausgehend von der Erfahrung, dass Leib und Seele eins sind, sagt der jap. Zen-Meister Daiun Sogaku Harada: »Ihr müsst erkennen, dass der Mittelpunkt des Weltalls eure Bauchhöhle ist!« Dabei ist die Bauchhöhle eben »Hara«. Quelle: Hara

Die westliche Medizin hat festgestellt, dass jedes Kleinkind in den Bauch atmet. Es ist unser Umfeld, unsere Umwelt, welche uns durch Streß, Geschwindigkeit und Hast zu Brustatmern macht. Dadurch wird aber das, nach asiatischer Sicht, Hauptenergiezentrum, das HARA (japanisch) nicht mehr mit der Lebensnotwendigen Energie versorgt. Das Hara liegt in etwas zwei Fingerbreit unter ihrem Nabel. Dort ist aber auch ihr Schwerpunkt des Skeletts, ihres Körpers. Wenn dieser Punkt nun durch Atmung nicht mehr gestärkt ist, wenn keine Kraft in ihrem Hara ist, beginnen Sie instabil zu werden. Alles das, "nur" wegen falscher Atmung. Quelle: Die Atmung

Das untere Dan Tien ist das Hauptenergiezentrum, eine Handbreit unter dem Nabel etwas im Körperinneren, das Zentrum oder auch Hara genannt. Quelle: Qi Gong

Ein wirklich wichtiger Aspekt ist die Atmung. Durch die Aufrechte Atmung vermag der Atem frei zu fließen. Es wird in den Bauch, ins Hauptenergiezentrum, dem sogenannten Tan-Tien (japanisch: Hara) geatmet. Quelle: Zazen

Ende Anmerkung.



18.2.2 Hitze und Kälte     Top

Der Körper ist mitunter extremen Temperaturen ausgesetzt. Dies geschieht allerdings nicht nach einem bestimmten Muster. Diese Veränderungen reichen von rein subjektiven Empfindungen, bis hin zu objektiven Anzeichen scheinbar übernatürlicher extremer Hitzeempfindung. Wenn diese Fälle überprüft werden können, ist es durchaus eine Herausforderung, sie zu erklären.

18.2.3 Inneres Licht und Visionen     Top

Eine Vielzahl von Lichtern können innerlich erscheinen. Für Swami Muktananda reicht dies von der roten Farbe, die den ganzen Körper einnehmen kann, über weißes und schwarzes Licht, bis hin zur linsengroßen blauen Perle14. (Das weiße Licht entsprach einer daumengroßen weißen Flamme, das schwarze Licht hatte die Größe einer Fingerspitze.) Diese oder andere Lichter werden manchmal "gesehen", wenn sie bestimmte Körperbereiche, wie die Wielsäule oder den Kopf erstrahlen lassen. Ebenso entstehen Visionen.

14In seinem Buch "Spiel des Bewusstseins" schreibt Swami Muktananda auf Seite 182 dazu: "Im nächsten Moment erblickte ich ein Licht, das anders als das rote, das weiße, das schwarze und das blaue Licht war. Und wenn es sichtbar wurde, sah ich in ihm viele, viele Welten. Es war von warmer safrangelber Farbe und in seiner Mitte waren Tausende sanfter blauer Funken und ein sanfter goldener Glanz. Es war sehr betörend und lieblich. Es trat in der Reihe der vier Lichter auf, die ich bereits erfahren hatte. In diesem neuen Licht hatte ich viele hellseherische Visionen, daher beobachtete ich es mit großer Aufmerksamkeit. So, wie ich in der Meditation immer im Tandraloka eingetreten war, so betrat ich jetzt den Ort im Innern des strahlenden Lichts. (Das Tandraloka ist ein tiefer meditativer Zustand, indem ein weitaus größeres Glücksgefühl eintritt, als dies im Wachzustand oder Schlafzustand möglich ist. Ausserdem treten Visionen auf, die hinterher eintreten sollen.) Ich werde ihn Sarvajnaloka nennen, die Welt der Allwissenheit. Die großen indischen Seher und Weisen, die diesen Ort durch den Yoga der Meditation erreichten, wurden allwissend."

Licht trat in den meisten Fällen auf, die in der Literatur genannt werden. Es trat auch bei den meisten der von uns untersuchten Fälle auf. Bucke (1970), Psychiater und Autor von "Cosmic Consciousness" (Kosmisches Bewusstsein), ist der Ansicht, dass dies das wichtigste Kriterium einer sogenannten kosmischen Erfahrung ist. Er fand eine Abstufung dieser Phänomene, von den subjektiven Symptomen bis zu den objektiven Anzeichen, die denen ähnlich sind, die wir bei der Hitze beobachteten. Die subtilste Erfahrung bestand darin, dass die  Illumination (Erleuchtung) ein neuer Weg war, etwas zu verstehen, eine Art Aha-Effekt. Andere "sahen" inneres Licht. Die bemerkenswerteren Fälle waren die, die inneres Licht sahen und außerdem in der Lage waren, einen dunklen Raum als beleuchtet zu sehen. In den extremeren Fällen berichteten Zeugen, dass sie um sich herum einen Heiligenschein aus Licht sehen. Es scheint, dass die Bezeichnung Erleuchtung oder andere Hinweise auf Licht, eher objektiven Beschreibungen entspricht, anstatt einer Metapher.



18.2.4 Klänge     Top

Klänge, die innerlich gehört werden, sind nicht nur Stimmen, sondern schließen eine Vielzahl chrakteristischer Geräusche ein, wie Pfeifen, Zischen, Zwitschern, flötenähnliche Klänge sowie tosende, brüllende, dröhnende oder brausende Klänge. Bei den meisten unserer eigenen Fälle wird von Klängen berichtet. Abhängig von einer bestimmten Tradition der Meditation, die der Einzelne folgt, variieren sie ein wenig.



18.2.5 Schmerzen     Top

Oft wird von Schmerzen im Kopf, in den Augen, der Wirbelsäule und in anderen Teilen des Körpers berichtet. Sie können abrupt beginnen, ohne ersichtlichen Grund, und können ebenso, nach einem variablen Zeitraum, abrupt und dauerhaft wieder verschwinden. Die Erfahrungen der Psychologin, die unter Kopfschmerzen litt, die dadurch verursacht wurden, dass sie versuchte, den Physio-Kundalini-Prozess zu kontrollieren, zeigen, dass der Schmerz im allgemeinen, durch bewussten oder unbewussten Widerstand gegen den Prozess verursacht werden kann, anstatt durch die Wirkung der Kundalini selbst. Die Schmerzen können auch dann auftreten, wenn der Fluss der Kundalini besonders intensiv durch ein Gebiet verläuft, das noch nicht ausreichend geöffnet ist. Dies dürfte bei der Schauspielerin der Fall gewesen sein.



18.3 Interpretative Erfahrungen     Top

18.3.1 Ungewöhnliche oder extreme Gefühle     Top

Ekstase, Glückseligkeit, Frieden, Liebe, Hingabe, Freude und kosmische Harmonie können auftreten, aber ebenso intensive Angst, Unruhe, Beklemmung, Depression, Hass und Verwirrung. Im Allgemeinen können besonders in den frühen Stadien des Prozesses, einige der normalen Emotionen mit einer viel größeren Intensität als normal empfunden werden. Später setzen sich Gefühle der Liebe, des Friedens und der Zufriedenheit durch.



18.3.2 Störungen des Denkvermögens     Top

Gedanken können sich beschleunigen, verlangsamen oder ganz aufhören. Sie können aus dem Gleichgewicht geraten, fremd oder irrational anmuten. Die Person kann das Gefühl haben, nah an einer Geisteskrankheit zu sein. Sie kann komplett in einen Trancezustand eintreten, kann impulsiv werden oder sich entfremdet und verwirrt fühlen. Die meisten unserer Fälle berichten davon, dass diese Gedankenveränderungen in irgendeiner Phase des Prozesses aufgetreten sind.



18.3.3 Bindungslosigkeit (Getrenntsein)     Top

Das Individuum kann das Gefühl haben, dass er oder sie alles sieht, was geschieht, einschließlich seiner oder ihrer eigenen Gedanken und dabei doch das Gefühl der Distanz haben, das Gefühl, davon getrennt zu sein. Die Yogis nennen diesen Zustand "Zeugen-Bewusstsein". Manchmal, wenn das Gefühl des Getrenntseins nicht direkt erwähnt wird, kann es aus den Phrasen, wie "das Feuer der Trennung", wie die Sufis es nennen, gefolgt werden oder bei Gefühlen großer Glückseligkeit. Es unterscheidet sich von der Zurückhaltung oder vom ängstlichen Rückzug dadurch, dass es eine Abspaltung der eigenen Person von der Geistestätigkeit darstellt, die die Situation beobachtet. Die Aktivitäten im Alltag aber finden weiterhin wie gewohnt statt. Daher muss das Gefühl des Getrenntseins, nicht das Funktionieren im normalen Alltag behindern.



18.3.4 Abspaltung     Top

Ist der Rückzug des Selbst aus der aktiven Beteiligung oder Identifikation mit dem, was es wahrnimmt, erreicht, tritt der Zustand des Getrenntseins oder das Zeugen-Bewusstsein ein. Aber wenn es durch tiefe psychologische Widerstände, wie Angst, Verwirrung oder durch soziale Belastungen, nicht im Gleichgewicht ist, dann können sich negative Aspekte dieser Erfahrung durchsetzen. Hysterie oder ein Zustand der ähnlich der Schizophrenie ist, können das Resultat sein. Auch kann die Person sich mit dem Physio-Kundalini-Prozess in einer negativen, egoistischen Weise identifizieren, indem die Person glaubt, sie sei göttlich und als Retter für eine große Mission auserwählt. Durch die richtige ärztliche Unterstützung kann das Ungleichgewicht überwunden werden, so dass der Patient einen geeigneteren Fokus für seine Energien findet und die negativen Symptome verschwinden.



18.3.5 Sehen mit einem Auge (Single Seeing)     Top

Rollt der Yogi die Augen nach innen, dann kann er die innere und äußere Welt gleichzeitig sehen. Viele direkte und indirekte Hinweise wurden auf das "Single Seeing" oder auf das "Mit einem Auge sehen", wie es auch genannt wird, gemacht. Das "Single Seeing" deutet auf einen fortgeschrittenen spirituellen Zustand hin. Dieser interessante Zustand der visuellen Funktion, ist eine Erfahrung, die in den Evangelien beschrieben wird: "Die Lampe des Leibes ist dein Auge; wenn dein Auge einfältig ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster." (Lukas 11,34)

Das Sehen mit einem Auge kann leicht als ein eigenständiger und individueller Zustand beschrieben werden. Swami Muktananda sagte dazu: "Meine Augen rollten allmählich nach oben und zentrierten sich. Anstatt getrennt zu sehen, sahen sie wie ein Auge". Später, im Februar 1976, beschrieb er einen Zustand, in dem seine Augen gleichzeitig nach innen und nach außen gedreht waren, um sowohl die innere als auch die äußere Landschaft zu sehen.

Die Künstlerin sagte: "Meine Augen schienen sich getrennt zu bewegen und die Pupillen fühlten sich wie Löcher an, die in meinen Kopf gebohrt waren und sich in der Mitte trafen".

Flora Courtis schreib 1970: "Mein Blick hatte sich verändert. Er hatte sich in einem unendlich kleinen Punkt konzentriert, der sich unaufhörlich und frei von den gewohnten Wegen bewegte und einer neuen Quelle zu entstammen schien. Es war, als ob ein inneres Auge, das ohne Grenzen erweitert war, sich auf die Unendlichkeit konzentrierte. Dabei schien es vom unmittelbaren Blick lösgelöst zu sein und hatte dennoch tiefgreifende Auswirkungen auf den Blick. Meine Aufmerksamkeit wurzelte in einer tieferen Mitte, so dass meine Augen von der Notwendigkeit befreit wurden, die äußere Welt zu betrachten."

Das oben Gesagte ist so nah am psychologischen Prozess, dass die Worte des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung, die er 1932 auf einem Kundaliniseminar sprach, hier benutzt werden, um das Gesagte zu verstärken und zu erklären. Er wurde gefragt, ob es nicht Wotan ist, der ein Auge verliert. (Wotan ist der höchste Gott in der germanischen Mythologie.) Er stimmte zu und fügte hinzu, dass Osiris es ebenso tat. (Osiris, übersetzt etwa: „Sitz des Auges”, ist der ägyptische Gott des Jenseits, der Wiedergeburt und der Toten.) Dann fuhr er fort: "Wotan opferte ein Auge der Quelle des Mimir, der Quelle der Weisheit, die das Unbewusste ist. Sie sehen, ein Auge bleibt in der Tiefe oder wendet sich ihr zu." (Mimir ist eine alte Naturgottheit der Germanen, die mit Wissen, Weisheit und Wasser, die Quelle der Flüsse ist Mimirs Haupt, in Zusammenhang steht.)

Der bekannte deutsche Mystiker, Philosoph und christliche Theosoph Jacob Böhme (1575-1624) schrieb in seinem Buch über das "verdrehte Auge": "Eines seiner Augen war nach innen gedreht. Es schaute in die Unterwelt. Dies führte zum Verlust eines Auges. Er hatte keine zwei Augen mehr für diese Welt."

Jesus benutzt ein Gleichnis, um seine innere Wahrheit zu erzählen. Der Psychoanalytiker Jung verwendet den Mythos Wotans als Metapher für eine ähnliche Erfahrung der Wahrheit in einer tiefen psychologischen Ebene. In ihrer Forschingsarbeit berichtete die amerikanische Biofeedback-Forscherin Alyce Green (1975), dass einige ihrer Biofeedbackteilnehmer die Vision eines einzelnen Auges hatten, wenn sie tief entspannt waren.



18.3.6 Großer Körper     Top

Von der Erfahrung, einen größeren Körper als normal zu haben, wird gelegentlich berichtet.



18.4 Nicht-Physiologische Erfahrungen     Top

18.4.1 Außerkörperliche Erfahrungen (Out-of-Body)     Top

Menschen, die diesen Zustand erfahren, fühlen sich außerhalb ihres physischen Körpers. Derzeit müssen wir diese Wahrnehmungen als subjektiv betrachten, die sich kaum von der blühenden Fantasie unterscheiden. Wenn es allerdings unabhängig und objektiv bestätigt werden kann, dass die Menschen wirklich dort waren, wo sie sagen, wenn sie also wirklich in der Lage sind, den Ort zu wechseln oder Informationen von einem anderen Ort zu erhalten, dann würde man dieses Phänomen unter den sensorischen oder vielleicht sogar unter den motorischen Erfahrungen einordnen. Es wäre auch unmöglich, diese Erfahrungen dann mit dem aktuellen westlichen Modell der Gehirnfunktion und der Körper-Geist-Beziehung zu erklären. Wie das "Sehen mit einem Auge" ist die Sprache, die benutzt wird, um diesen Zustand zu beschreiben, so typisch, dass wir glauben, es mit einem separaten Zustand des geteilten Bewusstseins zu tun zu haben.



18.4.2 Psychische Wahrnehmungen     Top

Über psychische Fähigkeiten und Erfahrungen, vor allem die Gewinnung von Informationen durch andere Mittel, als die bekannten physikalischen Sinne, wird häufig von Menschen berichtet, bei denen das Kundalinierwachen eingetreten ist. Solche Erfahrungen kann man, wenn sie bestätigt sind, auch unter den sensorischen Wahrnehmungen einordnen. Bei außerkörperlichen Erfahrungen bedarf es Erklärungen, die über die Möglichkeiten der heutigen neurophysiologische Modelle hinausgehen.

Manchmal sind die Wahrnehmungen eindeutig eine Folge der Kundalini-Aktivität. Manchmal aber gehen sie dem Kundalinierwachen voraus, was darauf hindeutet, dass eher Menschen einen Physio-Kundalini-Mechanismus auslösen, wenn sie psychische Probleme haben. In der Tat sind diese Menschen oft besonders stark von der Physio-Kundalini-Kraft beeinträchtigt, so dass ihre Meditationen oft sehr gestört sind. Deshalb versuchen sie, sich dem Einfluss der Kundalini zu entziehen. Diese Haltung verändert sich jedoch normalerweise, wenn sie mehr über die Ereignisse erfahren und wenn sie in eine regelmäßige, sanfte und zuverlässige meditative Praxis eingeweiht werden.



19. Korrelation mit Bentov's Modell     Top

In diesem Abschnitt werden wir sehen, in welchem Umfang Bentov's physiologisches Modell für den Kundalini-Prozess (ausführlich beschrieben in Anhang A) im Einklang mit unseren Beobachtungen steht. Dabei werden die gleichen Namen wie im vorhergehenden Abschnitt verwendet, um sich auf die verschiedenen Zeichen und Symptome beziehen zu können.



19.1 Motorische Zeichen und Symptome     Top

Der Gehirnstrom kann die motorische Großhirnrinde (Kortex) und den Thalamus stimulieren, die im Zusammenhang mit den Muskelbewegungen, wie der Körperhaltung, stehen. Die scheinbare Nichtspezifität einiger dieser Bewegungen, deuten darauf hin, dass der Schwerpunkt der Störungen tief im Gehirn sitzt, anstatt in der Gehirnrinde. Atemmuster können angeregt werden und Lähmungen sind, wie bereits erwähnt, vermutlich ein Nebeneffekt.



19.2 Körperempfindungen     Top

Körperempfindungen können dem sensorischen Kortex, der Großhirnrinde, zugeordnet werden, die durch den Strom in der zelebralen Hemisphäre erzeugt werden. Die charakteristische Reihenfolge der betroffenen Körperteile entspricht der Reihenfolge der Darstellung in der sensorischen Großhirnrinde, wie in Anhang, Bild 11, gezeigt wird: zuerst die Zehen, dann die Glieder, Rücken, Kopf, Augen und Gesicht, dann der Hals und schließlich der Bauchbereich, die knapp über dem Schläfenlappen repräsentiert sind. Nach Bentov's Modell erscheinen die frühesten Körperempfindungen im Fuß, vor allem in der linken großen Zehe, die im zentralen Sulkus (Furche zwischen Schläfenlappen und Stirn- bzw. Scheitellappen) des Gehirns dargestellt wird. (Es wird gesagt, der heilige Fluss Ganges entspringt dem großen Zeh Gottes. Im Siddha-Yoga werden die Füße des Guru besonders verehrt, vor allem der große Zeh.) Die genaue Entsprechung zwischen der Abfolge der Stimulation im typischen Physio-Kundalini-Zyklus und die Reihenfolge der Darstellung im sensorischen Kortex (in der Großhirnrinde) unterstützt zumindest diesen Aspekt von Bentov's Modell.

Es ist interessant, dass in diesem Modell die Kehle und der Bauch als letzte Öffnungen (Chakren) dargestellt werden. Sie zeigen die Vollendung des Zyklus an. Die Bedeutung der Kehle wird durch die Hinduskripte über die Kundalini bestätigt. Sie nennen die Kehle Vagshwari, die Göttin der Sprache. Angeblich geschieht nach der Öffnung des Kehlkopfchakras eine Zunahme all der legendären (übersinnlichen) Energien (Siddhis).



19.3 Hitze und Kälte     Top

Diese könnten durch die Hypothalamusstimulation verursacht sein. Die Darstellung unseres Körpers in diesem Bereich des Gehirns ist weniger spezifisch als in der Großhirnrinde, was den Mangel an Regelmäßigkeit dieser Emfindungen erklären könnte. Die objektive Äusserung extremer Hitze ist mit Bentov's Modell alleine schwer zu erklären. Es steht nicht im Widerspruch, sondern deutet darauf hin, dass auch andere Faktoren in das Kundalini-Phänomen  verwickelt sind.



19.4 Licht und Klang     Top

Diese könnten durch die Stimulation der seitlichen und mittleren Kniehöcker verursacht sein (Der Metathalamus besteht aus den beiden, jeweils paarigen Kniehöckern.), aber ebenso auch von stehenden Wellen, die in den Ventrikeln erzeugt werden. Der übliche Mangel an Licht und Klang könnte auf die große Entfernung des Kundalinikreislaufs von der kortikordalen Repräsentation für Licht und Ton zurückzuführen sein. Wenn sie psychisch verursacht sind, dann haben sie einen ganz anderen oder unbekannten Ursprung. Allerdings würden objektive Äusserungen von Licht, wenn sie bestätigt sind, Erklärungen erfordern, die über unser heutiges Wissen hinaus gehen.



19.5 Schmerzen     Top

Diese können auftreten, wenn der Strom, der im Gehirn erzeugt wird, auf einen Widerstand trifft, der nicht leicht überwunden werden kann, auf eine Blockade, die nicht leicht gereinigt werden kann. Die Wahrnehmung der Schmerzen erscheint aus den verschiedenen Teilen des Körpers zu erfolgen. Motorische Stimulationen können Verspannungen oder Schmerzen in der Peripherie erzeugen. In der Praxis macht es kaum einen Unterschied, ob diese Verunreinigungen oder Blockierungen tatsächlich in den Chakren (psychischen Energiezentren), in der Wirbelsäule, wie die Yogis sagen, in den peripheren Körperteilen, in einer spezifischen Gehirnregion oder in einer subtilen Ebene des Geistes, auftreten. Diese verschiedenen Möglichkeiten schließen sich nicht gegenseitig aus, aber das Ergebnis ist dasselbe.



19.6 Ungewöhnliche Gefühle und gestörte Denkprozesse     Top

Sie sind nicht unvereinbar mit Bentov Modell, aber sie sind zu kompliziert, um sie hier zu erklären.



19.7 Bindungslosigkeit und Abspaltung     Top

Wilderer Penfield (1958) berichtet von ähnlichen Erfahrungen, durch direkte Stimulation von Bereich 39 des Kortex (der Großhirnrinde). Daher könnte sie eine einfache Folge des zirkulierenden Stroms sein oder sie könnte einen subtilen psychologischen Ursprung haben.



19.8 Single Seeing und großer Körper     Top

Diese sind nicht unvereinbar mit Bentov Modell, aber sie lassen sich zur Zeit auch nicht dadurch erklären.



19.9 Out-of-Body und psychische Erfahrungen     Top

Bentovs Modell bietet keine Erklärung für diese als objektiv bestätigten Phänomene, gibt aber Empfehlungen für die Richtung, in der die Forschung sich gewinnbringend bewegen könnte (siehe Nachtrag).



20. Abschliessende Bemerkung     Top

Bentov's Modell ist in der Lage, viele der Anzeichen und Symptome, die wir beobachtet haben, im Detail zu erklären. Auch wenn es sich letztlich nur als teilweise richtig erweist oder nur einen Teil der gesamten Kundalini-Phänomene erklären kann, hat es einen enormen heuristischen Wert. (Als Heuristik bezeichnet man eine Methode, komplexe Probleme, die sich nicht vollständig lösen lassen, mit Hilfe einfacher Regeln und unter Zuhilfenahme weniger Informationen zu entwirren.) Was Bentovs Modell von allen vorherigen Versuchen unterscheidet, die Kundalini zu erklären, ist, dass es weitere Hypothesen erzeugt und eine Reihe von Experimenten vorschlägt, sie zu testen. Zum Beispiel:

1. Messen Sie die sehr schwachen magnetischen Felder rund um den Kopf eines meditativ erfahrenen Menschen. Folgen sie dabei den Methoden, wie sie von Brenner, Williamson, and Kaufman (1975) beschrieben wurden.

2. Bestimmen Sie, in welchem Stadium der Meditation das unregelmäßige Mikrobeben (Zittern, Zucken) zu einer Resonanzschwingung überwechselt.

3. Entwickeln Sie ein Biofeedback-System, mit dem Meditierende diese Resonanz erreichen.

4. Studieren sie die Auswirkungen der magnetischen Stimulation auf einer Seite und dann auf beiden Seiten des Kopfes.

5. Studieren sie Licht-, Wärme- und Klang-Empfindungen von Meditierenden und stellen sie fest, welche davon mit physikalisch messbaren Bedingungen korrelieren.



21. Kundalini: Klassisch und Klinisch     Top

Wir haben nun zwei Kundalini-Modelle: die klassische yogische Beschreibung und Bentov's physiologisches Modell, sowie unsere eigenen klinischen Beobachtungen. Jene Aspekte des Prozesses, die eine lediglich physiologische Grundlage haben, die entweder von Bentov oder irgendeinem anderen vorgeschlagen wurden, haben wir als Physio-Kundalini bezeichnet. Die Mehrheit unserer klinischen Beobachtungen, fallen in die Physio-Kundalini-Kategorie und wir haben überprüft, in welchem Ausmass sie durch Bentovs Modell erklärt werden können. Aber der Physio-Kundalini-Prozess, unterscheidet sich, wie wir beobachtet haben, von der klassischen Yoga Beschreibung in einigen wichtigen Punkten.

Am bemerkenswertesten ist dabei der Weg, den die Kundalinienergie oder die Körperempfindung einschlägt, wenn sie durch den Körper reist. Klassisch erwacht die Kundalini an der Basis der Wirbelsäule und hat ihre Reise beendet, wenn sie die Spitze des Kopfes erreicht hat. Entlang dieser Strecke gibt es jedoch einige Chakren oder psychische Energiezentren, die die Kundalini auf ihrem Weg zum Ziel passiert. Diese Chakren enthalten Verunreinigungen, die entfernt werden müssen, bevor sie weiter aufsteigen kann. Andererseits reist die Energieempfindung in der klinischen Beobachtung von den Beinen über den Rücken zur Spitze des Kopfes, dann das Gesicht hinunter, durch die Kehle zum Endpunkt im Bauch. Was für eine Beziehung gibt es zwischen diesen beiden Beschreibungen?

Wir müssen uns bewusst sein, dass yogische Beschreibungen oft dogmatisch sind. Westliche Wissenschaftler sagen, dass die tatsächliche Sinnesempfindung im sensorischen Kortex (in der Großhirnrinde) stattfindet, obwohl sie so empfunden wird, als ob sie in der Peripherie stattfindet. Ähnlich könnten die Yogis meinen, dass die Empfindungen, die Blockierungen und Öffnungen (z.B. die Öffnung des Kehlkopfchakras), von denen geglaubt wird, dass sie in den verschiedenen Körperteilen stattfinden, in subtiler (gewissermaßen in feinstofflicher) Art und Weise in den Wirbelsäulenchakras (Sexualchakra, Nabelchakra, Herzchakra, Kehlkopfchakra) stattfindet.

Noch eine andere Möglichkeit wurde von einem Schüler Swami Muktananda's vorgeschlagen, der sagte, dass sich die Energie im ganzen Körper ausbreitet, dann aber von der Stirn über das Gesicht zur Kehle und über die Brust zum Bauch hinabsteigt, dann bewegt sie sich zur Unterseite der Wirbelsäule, um dann wieder in der Mitte der Wirbelsäule aufzusteigen. Er sagt, das Gefühl in der Wirbelsäule ist sehr subtil und möglicherweise deshalb schwerer zu erkennen, als in den peripheren Gebieten, weil die meiste Energie noch nicht in die Wirbelsäule eingetreten ist.

Der Zeitfaktor ist im klassischen (yogischen) und klinischen Modell ebenfalls unterschiedlich. Alle  charakteristischen Elemente des klinischen Physio-Kundalini-Modells sind in der klassischen Beschreibung enthalten. Und doch finden wir ganz "gewöhnliche" Menschen, die den Physio-Kundalini-Zyklus in einem Zeitraum von einigen Monaten durchlaufen, während die yogischen Schriften auf ein Minimum von 3 Jahren für das vollkommene Kundalinierwachen hinweisen. Hier haben wir den Vorschlag, dass das volle Erwachen der Kundalini einen größeren Komplex beinhaltet, von dem der Physio-Kundalini-Prozess möglicherweise nur ein Teil ist.

Anmerkung Übersetzer: Könnte man nicht auch sagen, dass das klassische (das yogische) Kundalinimodell nur einen Teil des vollen Kundaliniaufstiegs darstellt? Ende Anmerkung.

Es ist zu früh, um genau zu sagen, welches der beiden Modelle die Realität besser wiedergibt. Der Physio-Kundalini-Mechanismus ist möglicherweise eine eigenständige Einheit, die als Teil eines vollständigen Kundalinierwachens aktiviert wird. Ein Großteil der Probleme ergibt sich durch den Vergleich verschiedener Stufen, wenn viele Prozesse gleichzeitig geschehen. Individuelle Unterschiede komplizieren das Bild. Aber es wäre möglich, die Sache zu klären, indem man an die theoretische Definition des Kundaliniaufstiegs erinnert, die ihn als einen Reinigungsprozess beschreibt. Wenn die Verunreinigungen oder Blockierungen eine objektive Realität haben, sollte es möglich sein, sie mit physiologischen und psychologischen Tests nachzuweisen und ihre Auflösung spezifischen Zeichen und Symptomen zuordnen, die klinisch beobachtet werden können. Da wir jetzt wissen, dass der Prozess ausgelöst werden kann (siehe Anhang A) und wie er in seinen Anfanggsstadien erkannt werden kann, sind Langzeitstudien, die den gesamten Prozess umfassen, der logische nächste Schritt dieser Untersuchungen. Sie wären von unschätzbarem Wert, wenn sie die spezifischen objektiven Wege dokumentierten, auf welche Weise der Kundaliniprozeß Heilung bewirken kann.



22. Diagnostische Betrachtungen     Top

Unsere Ergebnisse zeigen eine klare Unterscheidung zwischen dem Physio-Kundalini-Komplex und der Psychose und stellen eine Anzahl von Kriterien für das Unterscheiden zwischen diesen zwei Zuständen zur Verfügung. Wir haben in einigen unserer Fälle gesehen, dass ein schizophrenähnlicher Zustand entstehen kann, wenn die Person, die die Kundalinierfahrung macht, entweder aus ihrem sozialen Umfeld negative Reaktionen erfährt oder durch eigene innere Widerstände (von früheren Konditionierungen).

Der Nachweis, dass diese Zustande sich eindeutig von der Psychose unterscheiden, zeigen zwei unserer Fälle. Die weibliche Künstlerin und eine andere Frau, über die wir nicht diskutierten, wurden "psychotisch", nachdem sie für ihr unangemessenes Verhalten in eine psychiatrische Klinik eingesperrt wurden. Jede von ihnen berichtete, dass sie sich während ihres Aufenthaltes ganz sicher waren, dass sie und verschiedene andere Patienten sagen könnten, welche Patienten "verrückt" und welche von ihnen nur "abgedreht" waren. Vielleicht ist dies eine Situation, in der eine Person, deren Kundalini erwacht ist, den Kundalinizustand eines anderen intuitiv erspüren kann. Dies ist von besonderem Interesse, denn es deutet auf die Hilfe solcher Menschen bei der Entscheidung hin, welchen Weg ein bestimmter Patient zwischen diesen beiden Prozessen gehen soll, um das Gleichgewicht wiederzufinden (siehe Anhang B).

Klinikärzte haben in der Regel einen fein abgestimmten Sinn dafür, was psychotisch ist. Es ist hauptsächlich dieses Gefühl für den "Geruch" von Psychosen, der uns erklärt, ob ein Patienten aus dem Gleichgewicht gebracht wurde oder mit positiven psychischen Kräften überflutet wird. Es gibt auch ein Gefühl dafür, ob sie für sich oder andere gefährlich sind. Menschen, die in den frühen Phasen des Kundalinierwachens feindselig oder wütend sind, neigen selten dazu, zu handeln.

Auch diejenigen, bei denen die Kundalini-Elemente vorherrschen, sind in der Regel sehr viel objektiver über sich selbst und haben ein Interesse daran, zu erfahren, was in ihnen vorgeht. Psychotische Menschen dagegen neigen dazu, sehr schräg, verschlossen und geistesabwesend zu sein. Sie Grübeln über einen vagen aber bedeutenden Aspekt ihrer subjektiven Wahrnehmung, mit dem sie nie ganz mit anderen kommunizieren können.

Mit unseren eigenen Ergebnissen und Bentov's Modell haben wir mehrere Unterscheidungsmerkmale. Hitzeempfindungen sind bei Menschen mit Kundalinierwachen sehr oft anzutreffen, aber selten bei Psychosen. Sehr typisch sind auch Gefühle der Vibration (Zittern) oder Zuckungen, Kribbeln (Prickeln) und Jucken, die in bestimmten Mustern über den Körper laufen. Dies geschieht normalerweise in einer Reihenfolge, wie sie bereits zuvor beschrieben wurde. Aber diese Energiemuster können in atypischen Fällen, bei denen, die sehr vorgefasste Meinungen haben, sehr ungleichmäßig verlaufen. Mit all diesen Vorstellungen, können innerlich helle Lichter gesehen werden. Es kann zu Schmerzen, vor allem im Kopf kommen, die plötzlich, während der kritischen Phasen des Prozesses, auftreten und wieder aufhören. Ungewöhnliche Atemmuster sind üblich, wie auch spontane Bewegungen des Körpers. Zwitschernde und pfeifende Töne werden gehört, aber selten stören Stimmen in negativer Weise, wie das bei Psychosen der Fall ist. Wenn Stimmen gehört werden, dann werden sie wahrgenommen, als ob sie von Innen kommen und nicht als Irrtum einer äußeren Realität.



23. Empfehlungen und weitere Diskussion     Top

Unsere Ergebnisse unterstützen die Ansicht, dass die Kundalini positiv und kreativ ist. Jeder unserer eigenen Fälle ist auf seine eigene Art und Weise erfolgreich. Alle berichten, dass sie Stress nun leichter handhaben und dass die Beziehungen zu anderen Menschen erfüllter sind als jemals zuvor. Die klassischen Fälle zeigen, daß spezielle Kräfte, sowie ein tiefer innerer Friede der Höhepunkt des vollen Kundalinierwachens sind. Aber in den Anfangsstadien des Kundalinierwachens kann der Stress, der entweder durch die eigene negative Haltung oder durch andere entsteht, überwältigen und ein schweres Ungleichgewicht verursachen.

Die Erfahrungen schlagen eine Hilfe durch Verständnis, Stärke und eine sanfte Unterstützung vor. Die spontanen Trancezustände, die im Falle des Schriftstellers störten, hörten auf, als wir ihn anregten, freiwillig einen Trancezustand zu erlernen. Nachdem wir erkannt hatten, dass es sich bei ihm um ein Kundalinierwachen und nicht um einen psychotischem Zustand handelte, hatten wir ihm die Einstellung  vermittelt, dass die Trancezustände berechtigt und sinnvoll sind. Durch unsere eigene Akzeptanz der Bedingungen, war auch der Patient in der Lage, sie anzunehmen. Die Trancezustände hörten auf, ihn zu kontrollieren, nachdem er seinen Widerstand dagegen aufgegeben hatte. Ähnlich hatte der Psychologe starke Kopfschmerzen, die endeten, als er aufhörte, den Prozess kontrollieren zu wollen und mit ihm ging. Mit anderen Worten, der Schmerz resultiert nicht aus dem Prozess selbst, sondern vom Wiederstand gegen diesen Prozess. Wir vermuten, dass dieses auf alle negativen Effekte des Physio-Kundalini-Prozesses zutrifft.

Symptome, die durch den Prozeß verursacht werden, verschwinden spontan mit der Zeit, denn das Kundalinierwachen ist im wesentlichen ein Reinigungs- oder Ausgleichs-Prozess. Da jeder Mensch nur eine endliche Anzahl an Verunreinigungen hat, die durch die Kundalini beseitigt werden, ist der Prozess begrenzt. Störungen sollten daher nicht als krankhaft, sondern als therapeutisch betrachtet werden, als Abbau eines möglicherweise pathologischen Elements. Die Kundalinikraft steigt spontan aus der Tiefe des Geistes und führt offenbar Selbstregie. Spannungen und Ungleichgewicht resultieren folglich nicht aus dem Prozeß selbst, sondern aus den bewussten oder unbewussten Beeinträchtigungen mit ihm. Wir können der Person am besten helfen, wenn wir versuchen, sie zu verstehen und wenn wir akzeptieren, was ihr oder ihm geschieht.

Wenn man den Prozess sich selbst überlässt, findet er normalerweise seinen eigenen Rhytmus und sein Gleichgewicht. Läuft er aber zu schnell und zu gewaltsam ab, dann kann es, das zeigt unsere Erfahrung, ratsam sein, sich vegetarisch zu ernähren, die Meditation auszusetzen und eine dynamische körperliche Aktivität zu praktizieren, um den Ablauf gemäßigter zu gestalten.

Die Menschen, bei denen der Physio-Kundalini-Prozess sehr leicht aktiviert wird und bei denen er am häufigsten heftig und störend abläuft, sind Menschen, mit einem besonders sensiblen Nervensystem, spirituell veranlagte Menschen. Viele, der von uns untersuchten Menschen, hatten bereits spirituelle Erfahrungen vor dem Kundalinierwachen. Menschen mit einer natürlichen spirituellen Begabung erleben die Physio-Kundalini-Erfahrung oft so intensiv, dass sie sich nicht mit den regulären klassischen Methoden der Meditation beschäftigen, sondern sie unterlassen die Meditation oder eignen sich milde Formen, die sie sich selber ausgedacht haben, an. Viel von ihrer Angst ist aber möglicherweise auf Missverständnisse und auf die Unwissenheit des Physio-Kundalini-Prozesses zurückzuführen. Anstatt ihre Angst zu verstärken, sollten wir ihnen das Wissen und das Vertrauen geben, damit der Prozess die Fortschritte in einer angehmen und natürlichen Weise zu Ende führen kann.

Vieles konnte geleistet werden, nachdem man die Einstellung veränderte. Zuerst bei den Menschen, die die Kundalinierfahrung gemacht hatten und schliesslich in der Gesellschaft als Ganzes. Dies ist nicht nur zum Nutzen der einzelnen Person, sondern es wird allen gerecht, die ein Modell für die eigene spirituelle Suche benötigen. Einige andere Kulturen sind in Bezug auf die Anerkennung der positiven Werte der Spiritualität und der spirituell entwickelten Menschen, fortgeschrittener als unsere eigene Kultur.

Der Trancezustand ist in Bali eine wichtige Adaptionserfahrung für Kinder. In Teilen Afrikas ist Trance  eine soziale und religiöse Notwendigkeit, die der Kundalinierweckung dient (Katz 1973). In Südafrika ist der Trancezustand eine Voraussetzung zur Einweihung in den Priesterstand durch den Kalahari-Stamm  (Skutch 1974).

Jetzt müssen wir von den vielen kreativen Menschen sprechen, die wegen der Fehler leiden, die wir in den heilenden Berufen in der Vergangenheit gemacht haben. Wir haben eine besondere Verpflichtung, alles zu tun, diese Fehler zu korrigieren. Heutzutage könnte es in unserer Gesellschaft sein, dass sich solche charismatischen und eigentümlich handelnden Menschen, wie Schamanen, Trancemedien und Gottberauschte in pflegerischer Betreuung befinden. Möglicherweise könnten einige, zum positiven Nutzer aller, gefunden und aus ihrer Situation befreit werden. Das Problem besteht darin, sie unter den anderen Insassen unserer Institutionen zu erkennen. Hierbei könnte Meher Baba's Arbeit mit Gottberauschten ein nützlicher Präzedenzfall sein, den wir studieren sollten (siehe  Anhang B). Wenn es wahr ist, dass man einen anderen erst dann richtig verstehen kann, wenn man genau so ist wie er, dann wäre es von unschätzbarem Wert, wenn Menschen, die bereits eine Physio-Kundalini-Erfahrung gemacht haben, uns in unserem Projekt assistieren würden.

Es gibt viele, die diesen Prozeß durchmachen, die sich manchmal ziemlich geistesgestört fühlen. Wenn sie sich gut benehmen und ruhig verhalten, dann können sie es vermeiden, schizophren genannt, in ein (psychiatrisches) Krankenhaus eingewiesen oder ruhig gestellt zu werden. Ihre Isolation und die Trennung von anderen Menschen kann ihnen viel Leid bereiten. Wir müssen solche Menschen, ihre Familien und die Gesellschaft erreichen und sie darüber informieren, dass ihr Zustand ein Segen und kein Fluch ist.

Zweifellos sollten wir Menschen, die sich vielleicht mitten in einem Wiedergeburtsprozess befinden, nicht mehr mit Drogen (Medikamenten, Psychopharmaka) und Schocktherapien behandeln, die als entgegengesetzte Pole der kreativen Selbstentwicklung betrachtet werden können. Diese Menschen machen, obwohl sie verwirrt, ängstlich und orientierungslos sind, bereits eine Therapie von innen durch, die allen, bis jetzt bekannten, von außen verabreichten Therapien, weit überlegen ist.



24. Kundalini als Therapie     Top

Ich bin in Kontakt mit einigen Leuten, die ein spezielles Interesse daran haben, die Kundalini als  innere Therapie zu betrachten.

Ein 54 Jahre alter Psychologe und Schriftsteller wurde vor zwanzig Jahren mit einem psychotischen Durchbruch für drei Monate in ein Krankenhaus eingeliefert, der sich durch eine Störung des Urteilsvermögens, einen Flug von Ideen und Überaktivität auszeichnete. Nach dieser Episode litt er an einer chronisch milden Depressionen und war etwas instabil. Dennoch bestritt er seinen Lebensunterhalt als Therapeut, gelegentlich sogar sehr erfolgreich, aber stets fühlte er sich zu sehr in die Probleme seiner Patienten miteinbezogen. Zu anderen Zeiten war er nicht in der Lage, für sich selbst ausreichend zu sorgen.

Vor etwa zwei Jahren wurde er Schüler von Swami Muktananda, einem Yogameister. Er empfand seinen Aufenthalt im Ashram, den Kontakt mit anderen Schülern und dem Guru, als eine sehr leistungsfähige Therapie. Zeichen des Kundalinierwachens begannen schon bald nach den ersten Aufenthalten im Ashram und führten zu, oder waren begleitet von, einer außerordentlichen Zunahme seiner schriftstellerischen Tätigkeit, neuen Tiefen zwischenmenschlicher Zufriedenheit und einem sicheren Gespür für sein Leben. Ich sah ihn häufig, vor und während dieser wichtigen Periode und kann die dramatische Stärkung seiner Persönlichkeit, seines Charakters und seines Umgangs mit seiner inneren und äußeren Welt, bezeugen.

Eine 44-jährige Psychologin war seit vielen Jahren schwer depressiv und in den letzten elf Jahren unternahm sie zwei ernsthafte Suizidversuche durch eine Überdosis Schlaftabletten. Nach diesen beiden Vorfällen lag sie mehrere Tage im Koma. Ihr einziger ausgedehnter Krankenhausaufenthalt folgte nach der Geburt ihres ersten Kindes 1956, vor den Suizidversuchen. Seit Jahren hatte sie eine verantwortliche Position als Geschäftsführerin und war eine erfolgreiche Psychotherapeutin. Während dieser Zeit machte sie selbst eine Psychotherapie, einschließlich einer klassischen Psychoanalyse, durch.

Es gibt einen Suizidhintergrund in der Familie, einschließlich des Suizids ihres Großvaters. 1972 tötete sich ihre älteste Tochter im Alter von 16 Jahren selber. Einige Monate später besuchte die Frau einen Meditationskurs und sie verbrachte täglich viele Stunden in der Meditation. Innerhalb kurzer Zeit hatte sie spontane Kundalinierfahrungen. Jetzt ist sie eine Schülerin Swami Muktanandas und plant einen längeren Aufenthalt in seinem Ashram in Indien. Ich kenne sie seit 1973. Während des ersten Jahres unserer Bekanntschaft war sie ein wenig verschlossen und zurückhaltend. In den letzten Jahren ist sie zu einer sicheren, intakten und spaßliebenden Person erblüht. Sie erzählte mir, dass sie in den vergangenen zwei Jahren nicht einen depressiven Tag hatte. Meine Beobachtungen bestätigten ihre Selbsteinschätzung.

Ich erinnere mich an vier weitere Patinten, die unter krampfartigen Störungen litten und von kompetenten Ärzten behandelt wurden. Bei jeder dieser Personen gab es deutliche Linderung der Symptome und der Notwendigkeit nach entkrampfenden Medikamenten, nachdem sie ihre psychischen (spirituellen) Fähigkeiten und Möglichkeiten erkannt hatten. Manche andere kreative Fähigkeit konnten sich ebenfalls entwickeln. Diese vier wählten professionelle Therapeuten und obwohl kein Anspruch auf den Nachweis für einen ursächlichen Zusammenhang ihrer neuen Kundalinienergie und der Verbesserung ihrer Symptome besteht, lässt sich doch ein Zusammenhang vermuten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Menschen, die sich auf der Kundaliniebene einschiffen, auf einer höheren Ebene viele Früchte, wie eine bessere Gesundheit und emotionales Gleichgewicht, ernten.

Auf der anderen Seite, ist der Kundaliniprozess störend und die Person, die ihn durchmacht, fühlt seine weitreichenden physischen und psychischen Auswirkungen. Wenn die Person alleine ist, dann wird sie Zweifel und Ängste erleiden, die in einer unterstützenden Ashramatmosphäre, wo diese störenden Fälle akzeptiert und begrüßt werden, aufgefangen werden.

Ohne solch eine Einstellung können die, die diese Kraft erfahren, in einer Reihe von Möglichkeiten reagieren. Wenn sie naiv sind, können sie es als einen inneren Wandel interpretieren, der so tiefgreifend und erschütternd ist, dass sie davon überzeugt sind, dass sie ihren Verstand verlieren. Das ist in unserem ersten und dritten Fall geschehen, bei der Künstlerin und bei der Schauspielerin. Auch unser zwölfter Fall, die Hausfrau in mittleren Jahren, erlitt diese Zweifel. Aber sie beseitigte sie, indem sie sich grandios und aufgeblasen gab.

Die Psychologin behandelt ihre inneren Zerrüttung, indem sie an verschiedenen Gruppen teilnahm, und durch unterstützende Lehrer oder Therapeuten. Sie nahm diese Hilfe ein Jahr oder länger in Anspruch, bevor sie ihre eigenen Wege ging. Der Wissenschaftler, dessen Verständnis angemessen und dessen Situation etwas entspannter war, war in der Lage zu funktionieren, indem er die Intensität seiner Meditation begrenzte.

Es sollte nun klar sein, dass Ärzte gut beraten sind, aufmerksam für die Symptome des Kundalinierwachens zu sein. Der Arzt sollte sich nach der Meditationspraxis erkundigen, aber erkennen, dass sie keine notwendige Voraussetzung für das Kundalinierwachen ist. Zusätzlich zur Psychotherapie, wenn sie angebracht erscheint, empfehlen wir, daß Personen, bei denen  Kundaliniprobleme vermutet werden, gedrängt werden, jemand mit Kundalinierfahrung zu treffen. Die Auswahl dieser helfenden Person kann sehr schwierig sein. Es sei denn, der Arzt ist erfahren und hat die verfügbaren Möglichkeiten erforscht. Sonst kann der Arzt nicht mehr tun, als dem Patienten zu empfehlen, solch eine Person zu suchen. Die endgültige Entscheidung sollte der Patient selber treffen.

Zen oder Transzendentale Meditation unter der Aufsicht eines kompetenten Lehrers oder spontanes Erwachen durch den direkten Einfluss einer erleuchteten Guru, wie Muktananda, sind Methoden, mit denen wir vertraut sind. Möglicherweise gibt es aber noch andere Quellen, die gleich gut oder sogar noch besser sind als diese, die wir aber noch nicht kennen.

Wir möchten besonders davor warnen, Methoden anzuwenden, die speziell entworfen sind, um das Kundalinierwachen zu beschleunigen, wie die yogische Atemkontrolle, die als Pranayama bekannt ist. Sie sollte als gefährlich betrachtet werden, es sei denn, man praktiziert sie direkt unter der Anleitung eines Lehrers oder Gurus, der sie vollkommen beherrscht. Fortgeschrittene Yogis sagen, dass diese Atemtechniken hauptsächlich von jenen Menschen praktiziert werden, die von dieser speziellen Yogaatmung gehört haben, ohne zu erkennen, dass diese Atemmuster spontan, durch das natürliche Kundalinierwachen, auftreten, wie wir sie bei unseren eigenen Fällen gesehen haben. Die bedachte Anwendung dieser Methoden, kann eine vorzeitige und unausgewogene Freisetzung der gigantischen inneren Kräfte bewirken. Andererseits können diese tiefgreifenden Veränderungen ebenso an einem Selbstheilungsprozess beteiligt sein, wie wir es an den letzten drei Fällen gesehen haben.

Neurologen mit Diagnoseproblemen, die pathalogische Bedingungen nachahmen, können wertvolle Diagnosehinweise erhalten, indem sie die Meditationsentwicklung des Patienten überprüfen. So vermeiden sie verzögerte und rauhe Diagnoseverfahren. Psychotherapeuten, die das Kundalinierwachen als hysterische Überlagerung oder psychotische Reaktion behandeln, werden darauf hingewiesen, dass unter der Neurose oder Psychose ein Prozess geschieht, der weit über unser gewöhnliches Verständnis der Psychopathologie und des ekstatischen religiösen Zustandes hinausgeht, den William James (1929) und andere beschrieben.



25. Zusammenfassung     Top

Eine neue klinische Entität (Einheit), die Wiedergeburt, ist definiert und dokumentiert. Es ist ein dynamischer, selbstgerichteter und selbstbegrenzter Prozess, der psychischen und physiologischen Reinigung, der zu einem gesünderen und entwickelteren Zustand führt, als den, den wir für normal halten. Er hat viele charkteristische Merkmale, die objektiv nachgewiesen werden können. Ein interkultureller Überblick zeigt, dass dieser Prozess in einer Vielzahl spiritueller Traditionen ähnlich abläuft. Obwohl er in den letzten Jahrzehnten selten im Westen anzutreffen war, erscheint er nun mit zunehmender Häufigkeit.

Menschen, die diese Transformation erfahren und die nicht verstehen, was geschieht, haben das Gefühl, verrückt zu werden. Dies liegt daran, dass die frühen Stadien oft von großem Stress, von Verwirrtheit, Desorientierung und schizophrenieähnlichen Symtomen, geprägt werden. Tragischerweise haben viele Ärzte den Wiedergeburtsprozess mit einer akuten Schizophrenie verwechselt. Einige dieser Patienten sind dadurch in Situationen gebracht worden, die zerstörerisch für ihre Enrwicklung war. Sie resultierte in einem großen Verlust, nicht nur für die betroffene Person selbst, sondern auch für die Gesellschaft, die von ihrem großen kreativen Potential hätte profitieren können.

Ein Physio-Kundalini-Modell für den Wiedergeburtsprozeß wurde vor kurzem von Itzhak Bentov (Anhang A) vorgeschlagen, welches durch unsere klinischen Untersuchungen ausgewertet wurde. Sein Modell beruht auf dem Nachweis, dass Meditation zu einer positiven Anregung von fünf harmonischen Energiezentren im Körper des Menschen führt, welches mit der Aorta, der Hauptschlagader des Herzens, beginnt, und mit einem kreisförmigen elektrischem Strom endet, der ein Magnetfeld im Gehirn erzeugt. Er sagte, dass die sogenannten Kundalinieffekte, das Resultat der direkten Tätigkeit dieser verschiedenen Oszillatoren auf das Gehirn sind. Seine Arbeit ist deshalb wichtig, weil es das erste physiologische Kundalinimodell vorschlägt, welches auf Labormessungen beruht und einer experimentellen Überprüfung unterliegt.

Ein zweiter Anhang beschreibt die Gottberauschten Indiens und sagt, dass das Kundalinierwachen schon bald ähnlich große "Erleuchtete" im Westen hervorbringen könnte. Ein dritter Anhang bespricht die Natur der intuitiven Empfindlichkeit des menschlichen Organismus. Wir zeigen, dass der schmerzhafte und schwierige Wiedergeburtsprozess notwendig ist, weil das natürliche Wachstum unserer angeborenen Fähigkeiten, die unnatürlicherweise durch den emotionalen Druck unserer materialistisch orientierten Kultur zerstört werden, verloren gegangen ist. Bereits im Kindesalter verlieren wir dieses wertvolle und genetisch bedingte Geburtsrecht auf Glückseligkeit.

Zwei weitere Anhänge sind Leitfäden für die Forscher und Therapeuten.

In diesem Buch, bieten wir, auf der Grundlage unserer klinischen Erfahrungen, viele Kriterien, um den Wiedergeburtsprozsß zu erkennen und ihn von der Psychose zu unterscheiden, auch wenn diese beiden Umstände vorübergehend gemeinsam auftreten können.

Den Kundaliniaufstieg, den wir als Physio-Kundalini-Komplex bezeichnen, beginnt in der Regel mit einer Energieempfindung, die von den Beinen zum Rumpf und Rücken ansteigt. Dann fließt sie über den Kopf die Kehle hinab und endet im Bauch. Begleitet wird diese Entwicklung, die zwei Wochen oder viele Jahre dauern kann, von einer Vielzahl von Anzeichen und Symptomen. Sie variieren bei jedem Individuum, sind aber oft von Hitze, Schmerzen, spontanen Körperbewegungen,  ungewöhnlichen Atemmustern und von inneren Lichtern und Klängen begleitet. Diese Symptome sind nicht ständig präsent, aber in der Regel während der Meditationen oder in Zeiten der Ruhe. Sie enden, wenn der jeweilige Prozess abgeschlossen ist.

Der Verlauf dieser Entwicklung wird durch eine regelmäßige Meditationen unter kompetenter Anleitung gefördert, aber er kann auch stark verzerrt werden, wenn er durch leistungsfähige Methoden (Yogaatmung) erzwungen wird. (Pranayama, yogische Atemübungen, sollten als gefährlich betrachtet werden, es sei denn, man praktiziert sie unter der Anleitung eines erfahrenen Lehrers.) Angst und Widerstand gegen den Prozess sind ebenfalls wichtige Ursachen für negative Reaktionen. In Fällen, in denen der Prozess bereits Störungen aufweist, kann eine Rückkehr zum Gleichgewicht durch eine rationale Erklärung, eine positive Einstellung und durch emotionale Unterstützung erreicht werden.

Der Komplex ähnelt dem Kundalinierwachen, wie er vom Yoga beschrieben wird. Weil der yogische Kundalinizustand sich mit spezifischen Körperteilen und Prozessen beschäftigt, eignet er sich zur physiologischen Interpretation, die die objektiven Muster erklären, die klinisch beobachtet werden. Abweichungen vom traditionellen (yogischen) Kundalini-Konzept veranlassen uns jedoch dazu, den Begriff Physio-Kundalini einzuführen, um unsere klinischen Ergebnisse zu beschreiben.