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Was sagt das Neue Testament zu Familie und Keuschheit? Startseite

Inhaltsverzeichnis
Die Keuschheit im Christentum
Die Begierde
Die Keuschheit im Urchristentum
Was sagt das Neue Testament zur Heirat?
Was sagt das Neue Testament zur Keuschheit?
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert
Eine persönliche Wertung des Textes
Was sagte Jesus zum Zölibat?


Die Keuschheit im Christentum     Top

Das Neue Testament beginnt mit dem Leben Jesu. Möchte man also etwas über die Keuschheit im Christentum erfahren, so ist es ratsam, ins Neue Testament zu schauen. Wie wir vom Alten Testament wissen, war die Keuschheit im Judentum keineswegs unbekannt, aber sie spielte eine eher untergeordnete Rolle. Im Judentum dominierte das Gebot von peru u-revu“ (Seid fruchtbar und vermehret euch.), das selbst von den meisten Rabbis (jüdischen Schriftgelehrten) beachtet wurde. Die Einstellung zur Keuschheit wandelte sich allerdings durch die Bewegung der jüdischen Essener und Therapeuten und sie erblühte vollständig mit dem Erscheinen Jesus. Unter Jesus erhielt die Keuschheit eine zentrale Bedeutung. Dies spiegelt sich in vielen Stellen des Neuen Testaments wieder. Besonders der Apostel Paulus von Tarsus räumt der Keuschheit eine zentrale Bedeutung ein. Er thematisierte sie in seinen Briefen an die christlichen Gemeinden der Galater, Epheser, Philipper, Korinther, Kolosser und Thessalonicher, die er auf seinen Missionsreisen im griechischen Raum gegründet hatte. Auch in seinen Briefen an die Römer und in seinen Briefen, an Timotheus, Titus, Philemon und an die Hebräer, hob er die Bedeutung des Keuschheit hervor. Aber auch in den Evangelien von Matthäus, Lukas und Johannes, im Petrusbrief und im Jakobusbrief findet die Keuschheit lobende Erwähnung. Dies führte dazu, dass die Keuschheit zum Allgemeingut des Urchristentums wurde, welches in allen christlichen Gemeinden praktiziert wurde. Besondere Bedeutung fand es in den ersten Jahrhunderten bei den Wüstenvätern, die vor der Christenverfolgung des römischen Reiches in die ägyptische, palästinensische oder syrische Wüste flohen, um dort ein asketisches Leben als Eremit und Mönch zu führen. Nun aber möchte ich einmal einen Blick ins Neue Testament werfen.

Um 50 nach Christus hielt sich der Apostel Paulus in Thessalonoki, der heute zweitgrößten Stadt Griechenlands, auf, wo er eine christliche Gemeinde gründete. In seinem ersten Brief an die Thessalonicher sprach sich Paulus gegen die Unzucht aus und mahnte die Christen zur Heiligung ihres Leibes. Damit die Menschen Gott gefallen und immer vollkommener werden, sollten sie sich der Unreinheit des Leibes enthalten, da der Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, den Gott den Menschen selbst geschenkt hat (1 Korinther 6,19). Wer diesen Leib durch die sinnliche Lust verunreinigt, der verachtet den Willen Gottes. (1 Thessalonicher 4,3-8: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, und daß ihr meidet die Hurerei. Und ein jeglicher unter euch wisse sein Gefäß zu behalten in Heiligung und Ehren und nicht in der Brunst der Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen... Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung... Wer dies verachtet, der verachtet Gott, der seinen heiligen Geist in euch gegeben hat.“)

Der Apostel Paulus geht in einem Brief an die Römer auf die Gottlosigkeit der Menschen ein und verurteilt die Homosexualität (Römer 1,27: „Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums an sich selbst empfangen.“) Er betrachtet die Homosexualität als schändlich und sagt, dass Menschen, die so etwas tun, Gottes Zorn zu spüren bekommen. Im Brief an die Korinther spricht er sich gegen die Knabenliebe aus, die sich unter dem Einfluss der griechischen Kultur im römischen Reich ausgebreitet hatte. (1 Korinther.6,9: „Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasset euch nicht verführen! Weder die Hurer, noch die Abgöttischen, noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch die Knabenschänder... werden das Reich Gottes ererben.“ Aber nicht nur im Neuen Testament wird die Knabenliebe verurteilt, sondern bereits im Alten Testament. Im 3. Buch Mose wird die Knabenliebe sogar mit dem Tode bestraft. (3 Mose 20,13: „Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben...“).

Ich glaube, dass es bei der Bewertung der Homosexualität nicht darum geht, es moralisch zu verurteilen, sondern darum, den Menschen zu sagen, dass sie ihren Samen nicht aus Gründen der Wollust vergeuden sollten. Man sollte niemand wegen seiner Veranlagung verurteilen. Die hat er sich nicht ausgesucht, sondern die ist ihm in die Wiege gelegt worden. Aber jeder, der solch eine Veranlagung hat und sie auslebt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er sich damit den „Weg in's Himmelreich“ verbaut, wie jeder, der seinen Samen achtlos vergeudet. Damit meine ich nicht das Himmelreich im Jenseits, denn niemand weiß, ob ein solches Himmelreich überhaupt existiert, sondern das „Himmelreich“, welches der Mensch bereits zu Lebzeiten in Form von Glück, Zufriedenheit und ein erfolgreiches Leben, verwirklichen kann. Die Knabenliebe dagegen ist zu recht moralisch zu verurteilen, weil ein Kind nicht die Reife besitzt, die Tragweite eines solchen Verhaltens zu erfassen.

In der griechischen Stadt Korinth, in der Paulus sich 51 oder 52 n.Chr. etwa 18 Monate aufhielt, war es zur Inzucht gekommen. Ein Sohn hatte mit seiner Mutter geschlafen. In einem Brief an die Korinther verurteilt Paulus dieses Verhalten und spricht davon, dass derjenige der so etwas tut, dem Satan übergeben werden sollte, „damit das Fleisch verdirbt, der Geist aber selig werde am Tag des Herrn“. Jemand der Inzucht treibt, sollte also so lange in der Hölle schmoren, bis seine Sünden gereinigt sind, damit er am jüngsten Tag würdig vor Gott erscheint. Dann rät er den Gemeindemitgliedern, sich von Hurern, Geizigen, Abgöttischen, Lästerern, Trunkenbolden und Räubern fernzuhalten. Auch wenn der Blutschänder in der christlichen Gemeinde ist und sich Bruder nennt, sollte man sich von ihm abwenden und nicht an einem Tisch mit ihm essen. (1 Kor 5, 1-13)

Im selben ersten Brief an die Korinther warnt Paulus vor der Unzucht. Er weist darauf hin, den Leib nicht der Hurerei hinzugeben, sondern ihn zum Tempel des Herrn zu machen. Paulus weist darauf hin, dass der Leib Christi Glieder sind und dass man keine Hurenglieder daraus machen sollte. Er stellt die Frage: „Wisset ihr nicht, daß, wer an der Hure hangt, der ist ein Leib mit ihr?“, um anschließend darauf hinzuweisen: „Wer aber dem Herrn anhangt, der ist ein Geist mit ihm.“ Man soll den Leib, die Glieder Christi, nicht zu Gliedern einer Dirne machen, sondern eins mit dem Geist Christi werden. Darum soll man der Hurerei entfliehen. Wer aber hurt, der sündigt am eigenen Leibe. Dieser Leib aber gehört nicht den Menschen, denn er wurde von Gott teuer erkauft: „Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, welchen ihr habt von Gott, und seid nicht euer selbst. Denn ihr seid teuer erkauft. Darum so preist Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes.“  (1 Kor 6, 13-20)

Paulus beschränkt sich jedoch nicht darauf, die Unkeuschheit abzulehnen, sondern entwickelt positive Gründe für ein keusches Leben. Seine Lehre beruht darauf, dass der Christ vom Geist Gottes regiert sein sollte und nicht vom Fleisch, denn die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Die Frucht des Fleisches aber ist Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen und Fressen. Paulus sagt, dass die Menschen die Freiheit besitzen, zwischen Geist und Fleisch zu wählen und rät den Christen, auf das Fleisch samt den Lüsten und Begierden zu verzichten, da die Wollüstigen nicht das Reich Gottes erben werden. (Gal 5, 13-26)

Den Brief des Paulus an die Epheser schrieb er aus römischer Gefangenschaft. Paulus war zuvor drei Jahre in der griechischen Stadt Ephesus (heute: Türkei) gewesen und hatte dort eine christliche Gemeinde gegründet. Im Brief an die Epheser muntert Paulus die Christen auf, als Gottes Nachfolger in Liebe zu wandeln, so wie Christus es ihnen vorgemacht hat. Hurerei, Unreinheit und Geiz allerdings steht einem Heiligen nicht zu. Ganz anders als im heutigen Christentum war das Urchristentum noch bestrebt, dem Wege Christi unmittelbar als Heilige zu folgen, denn kein Hurer und Unreiner hat Erbe am Reich Christi. Darum waren die Urchristen bemüht, im Licht des Herrn zu wandeln, damit sie Christus erleuchte. (Eph 5,1-20)

Kolossai ist eine Kleinstadt, die 170 km östlich von Ephesus liegt. Sie wurde zwischen 70-100 n.Chr. von einem Erdbeben zerstört. In seinem Brief an die Kolosser sagt Paulus der Gemeinde: „Seid auferstanden in Christus und trachtet nach dem, was droben ist und nicht nach dem, was auf Erden ist. So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei, um welcher willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens.“ Denen aber, die in Christus wandeln, denen sich Christus offenbart, die werden an seiner Herrlichkeit Anteil haben.  (Kolosser 3,1-7)

Im 7. Kapitel des ersten Briefes an die Korinther geht Paulus u.a. auf die Ehe und die Unverheirateten ein. Offensichtlich haben einige Gemeindemitglieder an Paulus geschrieben und Paulus gibt ihnen auf die verschiedenen Fragen Antworten. Paulus sagt, dass es gut ist, wenn der Mann kein Weib berühre. Da es den meisten Menschen aber schwer fällt, keusch zu leben, empfiehlt er den Gemeindemitgliedern, dass Mann und Frau einander heiraten sollten, damit sie keine Hurerei begehen. Er sagt auch, dass Mann und Frau sich einander nicht entziehen sollten, da sonst der Satan sie zur Unkeuschheit verführen könnte. Mann und Frau sollten nur keusch leben, wenn es die Zustimmung beider findet. Leider geht er nicht auf die Frage ein, was sie tun sollten, wenn einer von beiden keusch leben möchte. Diese Frage aber stellt sich sicher vielen Ehepaaren. Paulus wäre es zwar lieber, wenn alle Menschen so wie er keusch leben würden, da nur den Keuschen sich Christus in seiner ganzen Herrlichkeit offenbart, da nur der Keusche an dieser Herrlichkeit Christi teilhaben kann. Aber Paulus ist Realist und kennt die menschlichen Schwächen. Darum rät er Ledigen und Witwen, lieber zu heiraten, als Brunst zu leiden. (1 Kor 7, 1-9)

Den verheirateten Männern sagt Paulus: „Bist du an ein Weib gebunden, so suche (sie) nicht los zu werden.“ Den Unverheirateten dagegen empfiehlt er: „Bist du los vom Weibe, so suche kein Weib.“ Paulus sagt zwar daß der, der heiratet, nicht sündigt, aber er sagt gleichzeitig, dass der, der heiratet, leibliche Trübsal haben wird. Davor möchte Paulus die Menschen gerne bewahren. Darum rät Paulus den Gemeindemitgliedern sich nicht an weltliche Dinge zu klammern, denn alles Weltliche wird vergeh'n. Stattdessen sollten die Christen sich darum sorgen, was dem Herrn gefalle: „Wer ledig ist, der sorgt, was dem Herrn angehört, wie er dem Herrn gefalle; wer aber freit, der sorgt, was der Welt angehört, wie er dem Weibe gefalle.“ Gleiches rät er den Christinnen: „Die Jungfrau sorge sich um den Herrn, daß sie heilig sei am Leib und Geist. Die aber freit, sorgt sich, was der Welt, dem Manne, gefalle.“ Am Ende des 7. Kapitel sagt Paulus den Christen: „Wer verheiratet, der tut wohl; wer aber nicht verheiratet, der tut besser.“ Stirbt der Mann, so ist die Frau frei, zu heiraten, wen sie will. Seliger ist sie aber, wenn sie unverheiratet bleibt. (1 Kor 7, 25-40)

Das 7. Kapitel des Korintherbriefes zeigt, dass Paulus eine Gewichtung zwischen dem weltlichen und göttlichen Bestreben vornimmt. Paulus räumt ein, daß sowohl die Ehe als auch die Keuschheit Gaben Gottes sind und die Ehe für die Menschen empfehlenswert ist, die sich nicht enthalten können. Aus mehreren Gründen erachtet er jedoch die Keuschheit als empfehlenswerter. Einmal, weil die Keuschheit deutlicher als die Ehe, die Möglichkeit bietet, das zu tun, was dem Herrn gefällt. Schließlich gehört die Ehe zum „Wesen dieser Welt“, das vergeht. Der zweite Grund, warum Paulus die Keuschheit der Ehe vorzieht, liegt darin, dass der Geist Christi im Leib der Menschen wohnt und nur derjenige die Herrlichkeit Christi erfahren wird, der seinen Leib nicht seiner sinnlichen Lust opfert, sondern ihn heilig (keusch) hält.

Darum ruft Paulus die Christen auf: „Seid ihr in Christus auferweckt, dann strebt nach dem, was im Himmel ist... Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist. All das zieht den Zorn Gottes nach sich.“ (Kol 3,1-6) Hieraus erklärt sich auch die Empfehlung des Apostels: „Auch jene, die eine Frau haben, sollten so leben, als hätten sie keine“ (1 Kor 7, 29) Auch jene, die verheiratet sind, sollten also keusch leben. Dies heißt nicht, dass man seinem Ehepartner die Liebe verweigert, denn die eheliche Liebe sollte als Ausdruck der Liebe Christi verstanden werden. Die Eheleute können weiterhin zusammen leben, sie müssen sich nicht trennen, aber sie sollten (wenn sie keine Kinder mehr zeugen wollen) keusch leben und nach dem Göttlichen streben, um die Herrlichkeit Christi in sich zu entfalten. Aber Paulus weiß auch, dass nicht jeder die Kraft oder den Willen hat, enthaltsam zu leben. Darum empfiehlt er: „So sie aber sich nicht mögen enthalten, so laß sie freien; es ist besser (zu) freien, denn Brunst zu leiden.“ (1 Kor 7,9)

In den Briefen des Apostels Paulus an die Römer schreibt er:

„Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen.“ (Römer 8,5-8)

„Lasset uns ehrbar wandeln wie am Tag. Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht zur Erregung eurer Lüste.“ (Römer 13,14-14)

Auch beim Apostel Matthäus, dem Verfasser des Matthäusevangeliums finden wir Hinweise auf die Keuschheit. Matthäus war Zöllner und wurde von Jesus in den Kreis der 12 Apostel berufen. Den Namen Matthäus erhielt er von Jesus. Sein ursprünglicher Name war Levi. Matthäus galt als der Verfasser des ersten Evangeliums. Der Überlieferung nach, zog sich Matthäus im Jahr 42 n.Chr. nach dieser Arbeit nach Parthien zurück, um das Evangelium zu verkünden. (Die Parther waren ein antikes iranisches Volk und lebten südöstlich des Kaspischen Meeres.) Andere Überlieferungen berichten, dass er nach Äthiopien ging. Im 19. Kapitel des Matthäusevangeliums ist zu lesen: Einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht, um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es! (Matthäus 19,12)

Was will uns Matthäus mit dieser Bibelstelle sagen? Zunächst einmal weißt er darauf hin, dass einige Menschen bereits von Geburt an zeugungsunfähig sind. Es gibt Menschen, die durch eine Krankheit von Geburt an zur Ehe unfähig sind. Menschen, die dagegen von anderen zur Ehe unfähig gemacht wurden, sind Menschen, die kastriert (beschnitten) wurden. In vielen Kulturen ließen sich Männer kastrieren, um sich von sexuellen Anfechtungen zu befreien. Doch gegen diese Praxis wandte sich bereits Kirchenvater Hieronymus. Auf dem 1. Konzil von Nicäa (325) und auf der Synode von Arles (452), wurden jene, die sich selbst kastrierten, aus der Kirche ausgeschlossen. Der Mensch habe nicht das Recht, einem sittlichen Kampf, den er mit Gottes Hilfe bestehen und durch den er reifen könne, mit dem Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit auszuweichen.

Die dritte Gruppe, die Matthäus anspricht, sind die Menschen, die sich um des Himmelsreichs willen zur Ehe unfähig gemacht haben. Es sind die Worte Jesus, die Matthäus hier wiedergibt. Unter den Menschen, die sich selbst zur Ehe unfähig gemacht haben, versteht man aber nicht Menschen, die sich selbst kastrierten. Vielmehr sind es Männer und Frauen, die in Keuschheit leben. Es sind also Menschen, die zwar physisch zur Ehe fähig, die aber in einem Akt der Hingabe (Gelöbnis, Zölibat) auf die Ehe, auf die Sexualität, verzichten, um in das Himmelreich einzugehen. Wie man sich dieses Himmelreich vorzustellen hat, kann man am besten den Worten des Apostels Lukas entnehmen: „Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ (Lukas 17,21) Um in dieses Himmelreich zu gelangen, muss man also nicht bis nach dem Tod warten, sondern jeder Mensch hat die Möglichkeit, dieses Himmelreich bereits hier auf Erden zu verwirklichen.

Viele christliche, buddhistische, hinduistische und islamische Heilige, Mönche, Nonnen, Priester, Wüstenväter, Yogis, Schamanen, Sufis und selbst viele agnostische und atheistische  Menschen haben dieses „Himmelreich“ bereits zu Lebzeiten verwirklicht. Eigentlich ist das Erreichen dieses Himmelreiches ein physiologischer Vorgang, der an keine Religion und an keinen Glauben gebunden ist. Dieses Himmelreich zeichnet sich durch eine Seligkeit aus, die die Menschen, die es verwirklicht haben, Tag und Nacht begleitet. Diese Seligkeit ist letzten Endes auf körpereigene Drogen zurückzuführen. Da man in früheren Zeiten allerdings den Zusammenhang der physiologischen Vorgänge mit dem Zustand der Seligkeit nicht kannte, nahm man als Verursacher dieser Seligkeit ein höheres Selbst, eine Gottheit an, die den Menschen diese Seligkeit verlieh.

Vielfach verlegte man dieses Himmelreich auch ins Jenseits und verknüpfte es mit einem entsprechenden Leben nach dem Tode. Dies geschah auch im frühen Christentum. Die Christen gingen davon aus, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorstand und das nur diejenigen ins Himmelreich eingehen würden, die den Worten Jesus folgten. Mir gefällt diese Interpretation des Himmelreichs allerdings weniger gut, weil sie auf der Annahme beruht, der jüngste Tag stehe unmittelbar bevor, was sich ja als falsch erwiesen hat. Außerdem beruht sie auf der Annahme, es gäbe eine Wiedergeburt (Reinkarnation), also ein Leben nach dem Tode, was natürlich niemand wissen kann. Es stellt sich außerdem die Frage, was wollen die Menschen denn wirklich? Wollen sie nicht in Wirklichkeit bereits in diesem Leben von allem Leid befreit sein und die Seligkeit des „Himmelreichs“ nicht bereits in diesem Leben erfahren? Ich denke, dies ist der Fall. Und ich denke, dieses ist möglich. Viele Heilige, Yogis und Erleuchtete haben es uns vorgelebt. Schaut man sich die Vita dieser Menschen an, dann erkennt man, dass sie alle die Keuschheit praktizierten, denn in der Regel waren es Mönche, Nonnen, Priester, Yogis etc. die dieses Ziel verwirklichten. Die Keuschheit ist also eine wichtige Vorraussetzung, um dieses „Himmelreich“ zu verwirklichen.

Im Kapitel 24 mahnt Matthäus zur Wachsamkeit. Das Kapitel schildert eine Situation, in der Jesus zusammen mit seinen Jüngern den Tempel von Jerusalem besucht, um sich anchließend mit ihnen auf den Ölberg zu begeben.  Als Jesus mit seinen Jüngern den Tempel besuchte, prophezeite er ihnen, dass der Tempel eines Tages zerstört werden würde: „Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde.“ Als Jesus dann mit seinen Jüngern auf dem Ölberg saß, fragten ihn seine Jünger, wann das Ende der Welt sein wird. Jesus erinnert zunächst an die Zeit der Sintflut. Auch zu jener Zeit waren die Menschen mit weltlichen Dingen beschäftigt. Sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging.“ Da sie mit lauter weltlichen Dingen beschäftigt waren, achteten sie nicht auf die Sintflut und ertranken in den Wassermassen. Darum warnte Jesus sie, dass dies auch am jüngsten Tag so sein wird: „Aber gleichwie es zur Zeit Noah's war, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.“ Denn wenn der jüngste Tag da ist, werden sie sich mehr ihren sinnlichen Begierden, statt dem Herrn, zuwenden. Diejenigen aber, die das Abendmahl verpassen, werden mit Heulen und Zähneklappern belohnt. (Matthäus 24,1-51)

Im Lukas-Evangelium geht der Apostel Lukas auf dieselbe Situation ein und beschreibt sie wie folgt: „Und wie es geschah  zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.“ (Lukas 17,26-30)

Im Johannes-Evangelium lesen wir: „Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.“ (1 Joh 2,15-17)

Im zweiten Petrusbrief, den Petrus kurz vor seinem Tode, also im Jahre 66 oder 67 n.Chr. an verscheidene christliche Gemeinden in Kleinasien schrieb, verurteilt er die Wollust: „Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts, sie zu peinigen, allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust... Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster..., haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren... Sie haben verlassen den richtigen Weg und gehen irre... Das sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel, umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. Denn sie reden stolze Worte, dahinter nichts ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust... und verheißen Freiheit, ob sie wohl selbst Knechte des Verderbens sind.“ Petrus sagt, solche Menschen leben nach dem Sprichwort: „Der Hund frißt wieder, was er gespieen hat;“ und: „Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot.“ (2. Petrus 2,12-22)

Diese Erwähnung der Keuschheit im Neuen Testament geht also weit über die Erwähnung im Alten Testament hinaus. Jede Form von Keuschheit steht im Neuen Testament im gleißenden Licht, das vom Gedanken der Jungfräulichkeit und der Hoffnung auf das Himmelreich ausgeht. Damit zeigt sich wieder einmal, daß die „sinnlich nicht wahrnehmbaren Dinge die Grundlage des Sichtbaren“ sind (Hebr 11, 3) und daß das ewige Leben der Maßstab des irdischen Daseins ist.



Die Begierde     Top

Das Wort „Begierde“ gehört zur Sprache der Bibel. Der heilige Paulus bekennt, daß die Sünde „jegliche Begierde“ (Röm 7, 8) in ihm geweckt habe. „Ich freue mich zwar dem inneren Menschen nach am Gesetz Gottes, aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meiner Vernunft widerstreitet und mich gefangen hält unter dem Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist“ (Röm 7, 22-24 : Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Ich elender Mensch! wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?). Daher ist es nur zu verständlich, daß der Apostel den Christen empfiehlt: „Nicht herrsche also die Sünde in eurem sterblichen Leib, daß ihr seinen Begierden hörig seid“ (Röm 6, 12).

Der heilige Petrus ermahnt uns, „den verderblichen Begierden in der Welt“ (2 Petr 1, 4) zu entrinnen, und macht auf die Strafe am Tag des Gerichts vor allem für jene aufmerksam, „die in unreiner Begierde dem Fleische nachstreben ( 2 Petrus 9-19 : Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts, sie zu peinigen, allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust... Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster..., haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren... Sie haben verlassen den richtigen Weg und gehen irre... Das sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel, umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. Denn sie reden stolze Worte, dahinter nichts ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust... und verheißen Freiheit, ob sie wohl selbst Knechte des Verderbens sind.).

Anmerkung: Kardinal Estévez geht offensichtlich ebenso wie Petrus davon aus, dass die Menschen, die unzüchtig sind, dafür ihre Strafe im Jenseits erhalten (... welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit). Aber auch sie können nicht wissen, ob es dieses Jenseits jemals geben wird. Vielmehr würde ich sagen, dass die Strafe für lüsternes Verhalten unmittelbar auf dem Fuße folgt.

Der heilige Jakobus lehrt, daß „ein jeder versucht wird, indem er von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Hat aber die Begierde einmal empfangen, gebiert sie die Sünde, die Sünde aber gebiert, wenn sie vollbracht ist, den Tod“ (Jakobus 1,13-15 : Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird.Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod.).

Der Apostel Johannes schreibt im Zusammenhang mit der negativen Bedeutung, die er dem Wort „Welt“ zu geben pflegt, daß „alles in der Welt, die Begierde, die Augenlust und die Hoffart des Lebens, nicht aus dem Vater, sondern aus der Welt ist. Die Welt vergeht mitsamt ihrer Begierde; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ (1 Joh 2, 16f). In diesem Kontext bedeutet „Welt“ alles, was sich unter der Herrschaft des Teufels und seiner Heimtücke befindet, und von ihr sagt der heilige Johannes: „Wir wissen, daß wir aus Gott sind, die ganze Welt aber liegt im Bösen ...

Und wir sind im Wahrhaftigen, in Seinem Sohn Jesus Christus“ (1 Joh 5, 19f). All diese Texte ergänzen die Ermahnung Christi im Gleichnis vom Sämann, in dem der Herr darauf hinweist, daß das Wort bei einigen keine Frucht trägt, weil „die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und alle anderen Begierden sich einstellen und das Wort ersticken“ (Mk 4, 19).

Daher stellt der Brief an die Galater das christliche Leben als einen harten Kampf zwischen dem Geist und dem Fleisch dar und er weist darauf hin, daß angesichts des unversöhnlichen Widerstreits zwischen dem Verlangen des Geistes und dem des Fleisches diejenigen, die wirklich Christus angehören, „das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden“ gekreuzigt haben (Gal 5, 16-24: Ich sage aber: Wandelt im Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter (gegen das) Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, gleichwie ich auch vorhergesagt habe, dass, die solches tun, das Reich GOTTES nicht ererben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz. Die aber des CHRISTUS sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten.).

Dieser Kampf und diese Anstrengung gegen die Begierden verlangen Ausdauer und Weigerung: „Jeder der im Wettkampf steht, enthält sich von allem. Jene tun es, um einen vergänglichen Kranz zu erlangen, wir aber um eines unvergänglichen willen ...

Ich züchtige meinen Leib und mache ihn gefügig, damit ich nicht etwa, indes ich anderen predige, selbst die Probe nicht bestehe“ (1 Kor 9, 25. 27). Das Wort Jesu „wenn einer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Lk 9, 23), schließt zweifellos den Kampf gegen die innere Unordnung oder die Begierde mit ein. So wird es wohl auch der heilige Paulus verstanden haben, wenn er davon sprach, „das Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden zu kreuzigen“.

Die Lehre der Heiligen Schrift über die Begierde besagt, daß es sich bei der Begierde um eine Unordnung handelt, deren Ursprung in der Sünde zu suchen ist, daß sie dem Geist widerspricht, daß sie an sich zwar keine Sünde ist, daß sie aber zu dieser führt, und daß deshalb ein harter und beständiger Kampf gegen sie zu führen ist.

Aus der Lektüre der Heiligen Schrift über die Begierde ist zu entnehmen, daß diese sich zwar im Geschlechtstrieb äußert, jedoch nicht nur hier, wenngleich von ihr häufig in diesem Bereich die Rede ist (vgl. Joh 2, 16). Es gibt auch den unordentlichen Trieb, materielle Güter zu besitzen oder Macht und Ehre zu suchen. In allen Fällen handelt es sich stets um geschaffene Dinge, die auf eine unordentliche Weise angestrebt werden. Das geht so weit, daß schon das Begehren nicht mehr in einem rechten Verhältnis zu der Rolle steht, die Gott einem bestimmten Gegenstand in Übereinstimmung mit der Würde und der Heiligkeit des Menschen zugedacht hat.

Man kann behaupten, daß die unordentlich angestrebten Güter zu Götzen werden, denen es um die Stelle geht, die allein Gott zusteht. So wie die Wahrheit dem Menschen seine rechte Beziehung zu Gott zuweist, so sind die Götzen ihrem Wesen nach falsch, weil sie einem Irrtum entspringen und die Beziehung zu Gott verfälschen. Es ist noch eine weitere Untersuchung über die Begierde angebracht.Es handelt sich vor allem um einen Trieb, um eine Neigung des Menschen zu einem Gegenstand, der sich ihm als ein Gut darstellt, das seinen Wunsch erfüllen kann. Dieser Trieb entsteht noch bevor der Verstand in der Lage ist, die Angebrachtheit oder die Unrichtigkeit des Wunsches zu beurteilen, und er kann sich als mehr oder weniger heftig erweisen. In diesem Sinne wird die Begierde als „vorausgehende“ bezeichnet wird.

Wenn der Verstand zu dem Urteil kommt, daß der (An)Trieb grundsätzlich rechtmäßig ist und der Wille daher dem angestrebten Gegenstand anhängen kann, macht sich der Drang des Antriebs weiter bemerkbar und begleitet dabei die Bewegung des Willens. Er erhält also einen „gleichzeitigen“ Charakter. Wenn aber der Verstand zu dem Urteil kommt, daß der angestrebte Gegenstand unrichtig ist und er daher dem Willen anordnet, ihn abweisen, und dieser es auch tut, so verschwindet gleichwohl der Antrieb nicht automatisch, sondern er neigt sich weiter dem angestrebten Gegenstand zu, obwohl er sich damit dem Urteil des Verstandes und der Ablehnung des Willens widersetzt. Der Mensch muss nun mit verschiedenen Strategien gegen diesen weder erwünschten noch gebilligten Trieb ankämpfen, kann ihn jedoch kraft seiner Abweisung allein nicht aus der Welt schaffen. In diesem Fall sprechen wir von der „nachfolgenden“ Begierde.

Jeder Christ muß sich der Kraft der Begierde bewußt sein, gegen die er bis zu seinem Tode wird ankämpfen müssen. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß die Begierde nachläßt, wenn man ihr jeden Wunsch erfüllt hat: die Haltung des Christen verlangt ihr gegenüber Askese, Kampf, „Selbstbeherrschung“ (Gal 5, 23).

Anmerkung: In diesem Punkt stimme ich mit Kardinal Estevez nicht überein. Es ist keineswegs so, dass der Mensch bis an sein Lebensende gegen seine Triebe, gegen seine Lüsternheit, ankämpfen muss. Praktiziert man das Zölibat, so klingen früher oder später die sinnlichen Begierden ab und verschwinden irgendwann völlig. Dann denkt man überhaupt nicht mehr sinnliche Begierden. Es ist so ähnlich wie bei anderen Abhängigkeiten. Auch der Drogenabhängige, der Nikotinabhängige, der Spielsüchtige oder Alkoholabhängige verliert irgendwann, wenn er sich seiner Abhängigkeit entzieht, die Abhängigkeit für selber. Dann vergisst er die Droge, den Nikotin, den Alkohol oder die Spielsucht und kann auch sehr gut ohne Drogen, Zigaretten, Alkohol oder Spielautomaten leben. Dies ist auf ene Veränderung der Transmitter (des Hormonspiegels) zurückzuführen, die für das Suchtverhalten verantwortlich sind. Abhängigkeit ist also ein physiologischer Prozess, der die Abhängigkeit erzeugt. Man sollte aber bedenken, dass jeder Abhängige jederzeit wieder der Abhängigkeit verfallen kann, wenn er die alten Fehler begeht.

Die Begierde erwacht angesichts dessen, was zum Ziel ihres Triebs werden kann. Nicht immer hängt es von uns ab, die Gegenwart von Anreizen für unsere Begierden zu vermeiden. Es ist jedoch eine moralische Pflicht, diejenigen Anreize zu meiden, die wir meiden können (und die uns in Versuchung führen können). Die christliche Spiritualität spricht von der „Wachsamkeit über die Sinne“ und empfiehlt, alle Gegenstände zu übersehen oder nicht zu beachten, die ein mehr oder weniger heftiges, der christlichen Tugend entgegengesetztes, Begehren hervorrufen können, denen man eventuell nachgeben könnte oder die doch zumindest die Reinheit des Herzens beeinträchtigen könnten.

Quelle: Kardinal Medina Estévez: Die Keuschheit



Die Keuschheit im Urchristentum    
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Das Urchristentum bezeichnet die Zeit vom Tod Jesus um 30 oder 33 n. Chr. bis zur Veröffentlichung der vier kanonischen Evangelien zwischen 70 und 130 n.Chr. Diese Entstehungsphase umfasst in etwa jenen Zeitraum, den auch die Apostelgeschichte (Apg) des Lukas beschreibt. In dieser Apostelgeschichte nimmt der Apostel Paulus eine zentrale Rolle ein. Die erste christliche Gemeinde wurde in Jerusalem gegründet. Der Apostelgeschichte zufolge konnten die Christen ihre Botschaft anfangs frei und unbehelligt verkünden, sogar im Tempel von Jerusalem. (Apg 2,14 ff) Auch Pontius Pilatus, der Statthalter des römischen Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa, verfolgte sie nach dem Tod Jesus nicht weiter. Nachdem die Christen allerdings begannen, ihren Glauben in die Welt hinauszutragen und damit sowohl in Antiochia, Zypern und Athen, selbst in Rom großen Erfolg hatten, regte sich von jüdischer Seite und von Seiten der römischen Besatzungsmacht Widerstand gegen das Christentum. Der jüdische Sanhedrin, die oberste jüdische religiöse, richterliche und politische Instanz, der bereits Jesus an Pontius Pilatus ausgeliefert hatte, ließ einige Apostel festnehmen und verhören. Um 36 n. Chr. wurde der Diakon der Jerusalemer Urgemeinde, Stephanus, wegen seines Glaubensbekenntnisses zu Jesus vom jüdischen Sanhedrin zum Tode verurteilt. Er starb damit als erster Christ den Märtyrertod. (Apg 6,8 - 7,60) Im Auftrag der Sadduzäer, die die größte Kraft im Sanhedrin darstellten, soll der spätere Apostel Paulus seine Steinigung beaufsichtigt und danach eine große Verfolgung der Jerusalemer Urchristen eingeleitet haben.

Dieser kurze Einblick in die Geschichte des Urchristentums soll erst einmal genügen. Nun möchte ich mich etwas ausführlicher mit dem Leben der Urchristen beschäftigen. Im Mittelpunkt soll dabei die Einstellung der Urchristen zur Keuschheit stehen. Dass Jesus selbst die Keuschheit empfahl, ist uns durch das Matthäus-Evangelium (Matthäus 19,12) bekannt. Auch der Apostel Johannes, der Lieblingsjüger Jesus, verkündet die Keuschheit: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist: des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges (hochmütiges) Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust. Wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.” (1 Joh 2,15-17) Der Heilige Augustinus von Hippo (354-430), Philosoph und Kirchenlehrer, schreibt über den Apostel Johannes: „Die seltene Schöne seiner Keuschheit, machte ihn der Vorliebe würdig, weil er den jungfräulichen Stand gewählt und auch darin verharrte.” Der Heilige Hieronymus bemerkt über Johannes: „Alle Gnaden, womit ihn Gott überhäufte, waren der Lohn seiner Keuschheit; diese Tugend erwarb ihm den hohen Vorzug, daß Jesus, am Kreuze hangend, ihm seine Mutter anvertraute. (Johannes 19,26-27 : Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.) Wer sollte da noch zweifeln, daß die Keuschheit die Lieblingstugend Jesu ist?”

Auch der Apostel Petrus rügt die, die „da wandeln nach dem Fleisch in unreiner Lust” (2 Petrus 2,10) und verurteilt die Wollust. Der Apostel Thomas ist einer der zwölf Apostel, die Jesus drei Jahre lang begleiteten. Auch er predigte die Keuschheit. Vom Apostel Thomas wird gesagt, er sei der Bruder Jesus gewesen und hätte das Evangelium sogar in Indien verbreitet. Auf seiner Missionreise in Indien verglich er das Wort Gottes mit einem Trank, der „den Willen von allen fleischlichen Begierden heilt”.  Im Thomasevangelium lesen wir: Jesus sagte: „Erbärmlich ist der Körper, der an einem Körper hängt. Erbärmlich ist die Seele, die an ihnen beiden hängt.“ Vom Apostel Paulus wissen wir bereits, wie sehr er sich für die Keuschheit aussprach. Wie wir gleich sehen werden, predigte auch der Apostel Andreas, der Bruder des Apostels Simon Petrus, die Keuschheit.

Im Markusevangelium predigt Jesus das Gleichnis vom Sämann: „Und etliches fiel auf ein gutes Land und brachte Frucht, die da zunahm und wuchs; etliches trug dreißigfältig und etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig. Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!” Es ist interessant, wie Martin Luther dieses Gleichnis in seiner Bibelauslegung interpretiert. Martin Luther schreibt: "Die hundertfältige Frucht bedeutet die Keuschheit der Jungfrauschaft, die sechzigfältige die Keuschheit der Witwenschaft, die dreißigfältige Frucht die Keuschheit der Ehe. Die Keuschheit ist ja eigentlich die Haupttugend des Evangeliums, denn was will das Wort Gottes anders als Abtötung des Fleisches? Daran hangen alle Zweifel, alle Tugenden, wenn einmal die Wurzel des Gelüsts hinweg ist. Denn nichts ist förderlicher zu aller Tugend als Keuschheit und nichts ist hinderlicher als Gelüsten; denn wer von eigenen Fleisch angestachelt wird, wie soll man hoffen, dass der am fremden Fleisch und Geist großes leiste." (Quelle: Martin Luther: Das Markus und Lukas-Evangelium) Martin Luther schätzt die lebenslange Keuschheit der Jungfrauen (und Jungmänner) höher ein, als die Keuschheit der Witwen (und Witwer). Mit der Keuschheit der Ehe meint er womöglich die Treue der Ehemänner und Ehefrauen.

So wie es aussieht, lebten Jesus und seine Jünger in Keuschheit. Sie inspirierten die Urchristen wahrscheinlich ebenso wie die Essener und Therapeuten, die zur gleichen Zeit in Israel und Ägypten lebten. Eines dieser frühen Zeugnisse der Urchristen ist die Didache (Die Lehre der zwölf Apostel.). Es ist die älteste Gemeindeordnung, die in den Jahren 80 bis 120 n. Chr. entstand. Diese und andere Texte zeigen, dass das Urchristentum sich an einer Ethik orientierte, die ab dem dritten Jahrhundert in der offiziellen Kirche verloren ging. So lesen wir im 1. Kapitel des Didache: „Enthalte dich der fleischlichen und körperlichen Begierden.” Im 2. Kapitel lesen wir: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht huren, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen, du sollst nicht ein Kind durch Abtreibung morden, und du sollst das Neugeborene nicht töten.” Das Didache lehnte den Reichtum der Urchristen kompromisslos ab und empfahl stattdessen Gütergemeinschaften, die oft mit einem Liebeskommunismus bezeichnet wurden. (Apg 2,44-47; 4,32-37) Die Urchristen lehnten jeden Militärdienst mit dem Hinweis auf die Bergpredigt Jesus ab (Matthäus 5,21: „Du sollst nicht töten.”) Ebenso lehnten sie jeden Eid mit dem Hinweis auf  die Bergpredigt ab, der ja normalerweise bei der militärischen Vereidigung abgelegt werden muss. (Matthäus 5,34: „Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt.”) Die Urchristen lehnten außerdem das Töten von Tieren ab und ernährten sich somit rein vegetarisch. (Quelle: Wie lebten und dachten die ersten Christen.)

Das Keuschheitsideal des Urchristentum führt dazu, dass insbesondere immer mehr Frauen sich der irdischen Sexualität verweigern und eine himmlische Hochzeit mit Jesus als himmlischen Bräutigam eingehen, dem sie die sexuelle Treue halten. Damit wird jede sexuelle Tätigkeit als Treuebruch gegenüber Gott betrachtet. Es wird zwar nicht bestritten, dass auch die irdische Hochzeit Licht und Freude ermöglicht. Das Glück einer irdischen Hochzeit währt allerdings nur kurze Zeit, während die himmlische Hochzeit ewig währt. Jesus wird als der wahre Bräutigam betrachtet, der unsterblich ist. Die himmlische Hochzeit schließt sexuelle Aktivitäten auf Erden aus. Dies führt dazu, dass die Männer und Frauen des Urchristentums in Keuschheit leben. Auch Paare, die bereits verheiratet sind, entschließen sich nachträglich, enthaltsam zu leben. Die Hochzeit wird insgesamt in einen fundamentalen Dualismus zwischen irdisch-vergänglicher und leiblich-sexueller Beziehung auf der einen Seite und himmlisch-unvergänglicher und geistig-asexueller Beziehung auf der anderen Seite eingeordnet.

Auch die Predigten über die Keuschheit in der Urkirche führten dazu, dass sich verschiedene Frauen dem sexuellen Verkehr mit ihren Männern verweigerten oder sich von ihnen trennten, weil sie rein und unberührt Gott dienen wollten. Dies führte schliesslich zu einem Aufstand in Rom, in dessen Folge der Apostel Petrus zunächst flieht, dann aber zurückkehrt und im Zirkus des Kaiser Nero wie Jesus gekreuzigt wird. Vielfach war die Keuschheit also eine unmittelbare Folge der Evangeliumspredigten, in denen die Bewahrung der Jungfräulichkeit (dies gilt auch für Männer) immer wieder betont wurde. Die führte mitunter zur Eheverweigerung verheirateter Männer und Frauen.

Auch das Martyrium des Apostels Andreas wird mit einer Enthaltsamkeitsgeschichte in Zusammenhang gebracht. Maximilla, die Ehefrau des Statthalters von Patras (Griechenland), Aegeates, verpflichtet sich zu sexueller Enthaltsamkeit und wird darin von Andreas unterstützt. Um die Keuschheit zu bewahren, greift Maximilia zu einer List. Sie heuert die junge und gutaussehende Sklavin Euklidia an, um ihr in ihren Ehenöten zu helfen. Euklidia soll Maximilla sexuell bei ihrem Mann vertreten und dafür alles erhalten, was sie sich wünscht. Der Betrug fliegt nach einigen Monaten auf und es kommt zu einem Prozess gegen den Apostel Andreas, der als Anstifter dieser Ehekrise angesehen wird. Der betrogene Ehemann Aegates bietet seiner Frau die Freilasung des Apostels an, falls sie das eheliche Leben mit ihm wieder aufnimmt. Andreas bestärkt jedoch Maximilla in einer langen Rede, sich der Verlockung des geschlechtlichen Verkehrs zu widersetzen. Dabei sagt er zu Maximilla: „Für dich gilt es nun, unbefleckt, rein, heilig, keusch, nicht ehebrecherisch, nicht bereit zum Verkehr mit dem Fremden, standhaft und ungebrochen zu bewahren.” (Quelle: Ruben Zimmermann: Geschlechtermetaphorik und Gottesverhältnis) Der Apostel Andreas betrachtet die sexuelle Vereinigung als einen Verkehr mit einem Fremden, als Vereinigung mit der Welt der Sünde. Nach dem Prozess ließ der Statthalter Andreas geißeln und zu besonderer Pein und einen langsamem Tod an ein x-förmiges Kreuz binden. Zwei lange Tage hängend, predigte Andreas dem Volk. Der Statthalter verhöhnte ihn, wurde daraufhin aber vom Wahnsinn geschlagen und starb, ehe er sein Haus wieder erreichte. Maximilla ließ Andreas mit großen Ehren bestatten.


Was sagt das Neue Testament zur Heirat?     Top

Wir haben hier etwas vollständig neues. Etwas recht radikales. Es ist so drastisch in seiner ganzen Anlage, daß es schon einiges an Zeit benötigt, um sich der vollen Konsequenzen bewußt zu werden. Jesus macht der Lehre des Alten Testamentes fruchtbar zu sein und sich zu mehren ein Ende und gibt anstatt das Gebot hinzugehen und das Reich Gottes zu verkünden. Jesus macht dem Familienleben, wie wir es von Alten Testament her kennen, ein Ende und verkündigt ein komplettes neues Familienleben - verkündigt eine Familie von Menschen die den Willen des Vater tun - einen Leib bestehend aus geistigen Menschen.

Eine der herausragensten Eigenschaften der Imitationskirchen* ist, daß sie genau diese Seite der Lehren Jesu ignorieren und vorgehen als ob sie nicht existiert. Hochzeitszeremonien sind für sie wichtige Veranstaltungen und ein großer Teil ihrers gesellschaftlichen Lebens befaßt sich mit dem Suchen und Finden von Ehe- und Sexpartnern. Es gibt kaum etwas das mehr unbiblisch ist als eine kirchliche Trauung.

*Imitationskirche: Der Autor bezeichnet alle christlichen Konfessionen (Religionen) als Imitationskirchen, die eigentlich nur ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Er sagt: "Ich gehöre zu keiner Konfession, ich habe mit solchen Sekten nichts zu tun, ich gehöre zu Gott, ich diene Gott und nicht einer von Menschen gemachten Organisation." 

Wir haben gerade festgestellt, daß der neue Bund* (das neue Testament) die Heirat und die Fortpflanzung nicht unterstützt. Es gibt diesbezüglich keine Beispiele im Neuen Testament. Es gibt allerdings Ausnahmen hierzu und wir haben sie uns angesehen. Aber das Vorhandensein dieser Ausnahmen ist eine Unterstützung der allgemeinen Lehre des Neuen Testaments, denn diese Ausnahmen bestätigen die generelle Lehre dadurch, daß sie eben Ausnahmen sind.

*Der Neue Bund (das Neues Testament): beginnt gemäß der christlichen Bibel erst nach dem Tode Jesus,  denn wo ein Testament ist, da muss der Tod geschehen sein. Das Neue Testament enthält also die Worte und Taten Jesus sowie den 12 Jüngern Jesus, die auch als die 12 Apostel bezeichnet werden.

Wir kommen nun zu einem wichtigen Gesichtspunkt dieser Situation und ihrer Lehre im Neuen Testament. Um die Lehre des Neuen Testaments zu verstehen, muß uns der Unterschied zwischen zwei Seiten des Familienlebens bewußt werden - zwei Seiten des Lebens in einer physischen Familie. Diese zwei Seiten sind "verheiratet sein" und "sich verheiraten." Das Neue Testament macht Aussagen über diese beiden Seiten.

Wir wollen uns zunächst "verheiratet sein" ansehen. Wenn eine Person verheiratet ist, dann ist diese Übereinkunft gültig, sollte respektiert werden und kann nicht gelöst werden. Ein Wort wurde gegeben und so etwas hat einen hohen Rang in Gottes Augen. Eine Person die verheiratet ist und dann Christ wird bleibt deshalb auch verheiratet und sie wird im Neuen Testament Hinweise finden, wie sie sich in der Ehe zu verhalten hat. Es gibt recht viel Unterweisung im Neuen Testament für Ehemänner und Ehefrauen. An dieser Stelle wollen wir jedoch nur festhalten, daß wenn eine verheiratete Person Christ wird, sie auch verheiratet bleibt. Ein Vereinbarung einmal getroffen ist verpflichtend auch wenn eine Person an Einsicht hinzugewinnt und lernt, daß es besser ist, nicht verheiratet zu sein.

Wir wollen dies an Beispielen verdeutlichen: Ein Moslem hat zwei Ehefrauen und wird Christ. Nachdem er Christ geworden ist, hat er immer noch zwei Ehefrauen. Er ist seinem Wort, das er einmal seinen zwei Ehefrauen gegeben hat als er noch kein Christ war, weiterhin verpflichtet. Da ergeben sich keine Änderungen, er bleibt verheiratet mit zwei Frauen. Ebenso verhält es sich mit einem Zulu (Zulu = afrikanische Volksgruppe) der fünf Frauen und 35 Kinder hat und der eine Entscheidung für Christus macht und ein Gläubiger wird. Er wird auch danach ein Mann sein der immer noch 5 Frauen und 35 Kinder hat. Da gibt es keine Änderung. Dies ist der Grund warum die Bibel nicht sagt, daß ein Christ nur eine Ehefrau haben kann. Es gibt keine solche Regel in der Bibel. Die einzige Ausnahme sind Älteste (Die Ältesten waren die Häupter der mächtigsten Familien eines Stammes. Sie bildeten eine Art Adel.) Älteste können nur eine Frau haben. Der Zulu und der Mann der ein Moslem gewesen war können nicht Älteste werden, sind aber Christen wie alle anderen auch in der Familie Gottes.

Das Neue Testament gibt recht viel Rat für verheiratete Menschen und bestärkt verheiratet Paare ein heiliges Leben zu führen und die Ehe zu bewahren. Das Neue Testament ist sogar bündiger bezüglich Scheidung als das Alte Testament. Aber da sind keine Hinweise enthalten in diesen Ratschlägen, die uns die Bibel für verheiratete Menschen gibt, die zeigen, daß die Bibel Christen ermutigt, zu heiraten. Die Bibel schützt also sehr die Ehe, dieser Schutz erlaubt uns aber nicht den Schluß zu ziehen, daß sie eine Ermutigung zur Ehe ist. Die Bibel schützt auch sehr einen Sklaven, aber dies heißt nicht, daß die Bibel Menschen rät, Sklaven zu werden. Die Bibel macht Aussagen für einen Sklaven, wie er sein Leben zu führen hat, und die Bibel sagt auch den Christen wie sie sich einem Sklaven gegenüber zu verhalten haben, aber all dies ist nicht eine Ermutigung ein Sklave zu werden oder Sklaven zu halten.

Dieser Vergleich eines verheirateten Menschen mit einem Sklaven scheint nicht gerade ein sehr geeigneter zu sein. Aber genau dies tut die Bibel. Die Bibel spricht von verheirateten Menschen und Sklaven im Zusammenhang. Die Bibel sagt uns, daß wir nicht Sklaven von Menschen werden sollen, und das tut sie in dem Kapitel, das sich mit Heirat beschäftigt - 1 Korinther Kapitel 7. "Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte" (1 Korinther 7,23). Wenn jemand heiratet plaziert er sich in eine Position die mit der eines Knechtes verglichen wird. Ein solcher Mann muß seinen Pflichten nachkommen und sein Leib gehört nicht ihm allein (1 Korinther 7,3-4). Eine Person die Pflichten zu erfüllen hat - eine verheiratete Person - und daraus nicht heraus kann - weil sie sich nicht scheiden lassen kann - eine Person der ihr Körper nicht allein gehört, ist nicht eine freie Person. Eine Person, die nicht frei ist, ist ein Sklave.

Die Bibel schützt auch Kinder sehr, aber auch hier kann daraus nicht geschlossen werden, daß die Bibel Christen ermutigt Kinder zu kriegen. Jesus sprach, "Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich Gottes" (Matthäus 19,14, Markus 10,14 und Lukas 18,16). Wir können solche Bibelstellen nicht dazu benutzen, Christen zu empfehlen zu heiraten und Kinder in die Welt zu bringen. Es wäre eine Mißbrauch der Schrift wie es ein Mißbrauch der Schrift wäre diese Bibelstellen dazu zu gebrauchen, um die Babytaufe zu unterstützen - die Taufe von Kindern die noch nicht Gläubige sind.

Unsere Aufgabe ist es hinzugehen und das Reich Gottes zu verkünden. Wenn wir Kinder großziehen, dann sind wir für viele Jahre unseres Lebens mit dieser Aufgabe beschäftigt und diese Zeit wird die Zeit verkürzen, die wir in Gottes Weinberg verbringen.

Die Bibel läßt uns also wissen, wie wir unser Leben gestalten sollten, wenn wir verheiratet sind und sie sagt Christen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie es mit Verheirateten zu tun haben. Wenn wir uns also das Thema "verheiratet sein" ansehen, so haben wir Einiges an Lehre und Führung in der Bibel.

Aber "verheiratet sein" bedeutet, daß eine Entscheidung zu heiraten in der Vergangenheit getroffen wurde und es ist dann geschehen - die Person ist jetzt verheiratet - und die Vergangenheit kann nicht mehr geändert werden. Und "zu heiraten" bedeutet, daß die Entscheidung zu heiraten noch nicht gefallen ist - sie wird nur erwogen - die Trauung hat noch nicht stattgefunden. Und zu der Frage, ob es gut sei, zu heiraten, hat die Bibel Lehre und Führung. Im ersten Brief an die Korinther handelt ein ganzes Kapitel darüber: Kapitel 7.

Jesus selbst lehrt über Heirat und er überrascht die Pharisäer und auch die Jünger dadurch, daß er bei Scheidung strikter als Moses ist. Er sagt (Matthäus 19,6), "Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden." Dies überrascht die Pharisäer und sie fragen Jesus warum Moses Scheidung erlaubte und Jesus antwortet, Mose hat euch erlaubt zu scheiden von euren Weibern wegen eures Herzens Härtigkeit; von Anbeginn aber ist's nicht also gewesen. Ich sage aber euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet (es sei denn um der Hurerei willen) und freit eine andere, der bricht die Ehe; und wer die Abgeschiedene freit, der bricht auch die Ehe (Matthäus 19,8-9).

Hier haben wir ein Beispiel wie sich Jesus Lehre von der Praxis der Juden unterscheidet. Jesus geht viel weiter als nur äußerliche Taten zu verwerfen. Für ihn ist die Herzenseinstellung wichtig. Mord ist nicht nur eine Sünde, sondern sich über seinen Nachbarn zu ärgern ist bereits ist Sünde. Nicht nur Ehebruch ist Sünde, sondern ein lüsterner Blick ist bereits ehebrecherisch.

Die Pharisäer sind verwundert über diese Lehre Jesu über Scheidung, es überrascht aber auch seine Jünger. Was für Schlüsse haben wir aus dieser Lehre Jesu zu ziehen? Wir sollten wohl die gleichen Schlüsse ziehen, die die Leute zogen, die diese Lehre hörten. Ihre Reaktion war die folgende:

Da sprachen die Jünger zu ihm: Steht die Sache eines Mannes mit seinem Weibe also, so ist's nicht gut, ehelich werden.

Wir haben hier die gleiche Aussage wie wir sie in 1 Korinther 7,1 haben, "Es ist dem Menschen gut, daß er kein Weib berühre" und in 1 Korinther 7,38, "Demnach, welcher verheiratet, der tut wohl; welcher aber nicht verheiratet, der tut besser."

Dieses ist also die Schlußfolgerung die die Jünger aus dem zogen, was Jesus lehrte: Es ist besser nicht zu heiraten. Und Jesus bestätigt, daß seine Jünger zu dem richtigen Schluß kamen.

Er sprach zu ihnen: Das Wort faßt nicht jedermann, sondern denen es gegeben ist (Matthäus 19,11).

Wir haben also hier mit den Lehren von Jesus die gleiche Richtungsweisung wie wir sie auch von anderen Teilen des Neuen Testaments bekommen: Heirat wird nicht empfohlen, ist aber auch nicht verboten. In 1 Timotheus 4,3 wird uns gesagt, daß es falsch ist, Leuten das Heiraten zu verbieten.


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Matthäus 19,12: Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es!

Und Jesus drückt das Gleiche aus. Im folgenden Vers, Matthäus 19,12, sagt er, "Wer es fassen kann, der fasse es!" Es ist also unsere eigene Entscheidung, ob wir diese Lehre akzeptieren können. Und wenn wir es können, dann sollten wir es tun. Und in diesem Vers kommt Jesus zurück auf das wirkliche Ziel, daß wir im Leben haben sollten: das Himmelreich. Wenn wir uns entschieden haben, daß das geistige Reich unser wirkliches Ziel im Leben ist, dann wird es relativ leicht sein, Jesus Lehre zu akzeptieren.

Jemand mag auf einer gewissen Stufe stehen und recht wenig Erkenntnis haben und nicht die richtigen Prioritäten setzen. Der Unterschied zwischen Nebensachen und Hauptsachen ist ihm nicht klar. Er hat noch nicht die geistige Kraft, um sein eigenes Glück hintenan zustellen und zum Wohl anderer zu leben. Ihm fehlt diese Fähigkeit und er beschränkt damit seine eigene Freiheit, um weltlichen Erfolg und um weltliches Glück anzustreben. Wenn er aber sein wahres Ich erkennt und auch den eigentlichen Zweck seines Lebens, dann werden weltliche Dinge nebensächlich für ihn und er hat gar nicht mehr die Energie und die Zeit, sie zu verfolgen. Er hat jetzt ein wesentlich besseres Ziel und dieses verfolgt er nun und dieses Ziel ist es, wohin sein Geist ihn zieht: geistiges Wachsen. Sein Ziel ist das geistige Reich und auf dies arbeitet er hin und es ist seine Erfüllung.

Die Bibel sagt uns also: Es ist gut für einen Mann nicht zu heiraten; es ist besser nicht zu heiraten; es ist gut unverheiratet zu bleiben. Jesus gibt einen Grund, warum Leute auf Heirat verzichten: um des Himmelreiches willen. In 1 Korinther 7,33-35 ist dies in folgenden Worten ausgedrückt: "wer aber freit, der sorgt, was der Welt angehört," wir aber sollten uns "sorgen, was dem Herrn angehört," auf daß wir "heilig seien am Leib und auch am Geist" und "daß es fein zugehe und wir stets ungehindert dem Herrn dienen können."

Eine verheiratete Person kann es nicht vermeiden, sich um die Angelegenheiten der Welt zu bemühen und ein weltliches Leben zu führen. Sie wird nicht ungehindert dem Herrn dienen können; sie wird nicht in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn zu dienen in der Lage sein. Eine verheiratete Person wird es immer schwer haben, sich rein zu halten - rein von der Welt. Um ein weltliches Leben zu vermeiden, kann ein Mann, der eine Frau hat, folgendes tun: er kann so leben, als ob er keine hätte. Dieses ist eigentlich ein Gebot. In 1 Korinther 7,29 heißt es, "Die da Weiber haben, daß sie seien, als hätten sie keine."

Wenn wir verheiratet sind, können wir es nicht vermeiden, in den Anliegen der Welt verwickelt zu sein; es wird immer schwierig sein, sich rein von weltlichen Dingen zu halten. Und dies ist der Grund, warum Jesus uns sagt, andere haben auf Heirat verzichtet, wegen des Himmelreiches.

Die Führung die uns die Bibel also gibt, ist unverheiratet zu bleiben und so zu leben, als ob wir keine Frau hätten. Wenn wir wirklich des Lammes Namen und den Namen seines Vaters geschrieben an unserer Stirn haben wollen (Offenbarung 14,1), dann müssen wir uns auf das Reich Gottes konzentrieren. Wenn wir wirklich unseren Sinn und Verstand und unser Denken - das sich in unserer Stirn befindet - auf geistige Dinge ausrichten wollen, dann müssen wir Abstand nehmen von weltlichen Beschäftigungen und Interessen. Unser Denken muß in eine Richtung gehen und sollte nicht gespalten sein. Wenn wir zu den 144.000 gehören wollen, dann müssen wir wie sie leben: "Diese sind's, die mit Weibern nicht befleckt sind - denn sie sind Jungfrauen - und folgen dem Lamme nach, wo es hin geht. Diese sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm" (Offenbarung 14,4).

Das Lamm und die seinen - Die Offenbarung des Johannes: 14,1-5:

1Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm Hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn. 2Und ich hörte eine Stimme vom Himmel wie die Stimme eines großen Wassers und wie die Stimme eines großen Donners, und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen. 3Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den Hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. 4Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich; die folgen dem Lamm nach, wohin es geht. Diese sind erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm, 5und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig.

Wir sollten uns nicht mit weltlichen Dingen verunreinigen. Wir sollten uns rein halten. Wir folgen dem Lamm, wo es hingeht.

Wir streben nach dem geistigen Reich. Unser Sinn ist auf dieses Ziel ausgerichtet - nach droben. "Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist" (Kolosser 3,1-2). Wenn wir wirklich in einer geistigen Welt leben, wenn wir wirklich nur in dieser Welt sind aber nicht von dieser Welt sind, dann werden wir so leben, daß die Einzelheiten mit dem was droben ist übereinstimmen, dann wird unser Denken auf das Obige ausgerichtet sein und nicht auf das Weltliche. Wir werden hier bereits so leben wie wir leben werden nach der Auferstehung. "In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind gleichwie die Engel Gottes im Himmel" (Matthäus 22,30). In Lukas 20,34-36 werden uns Jesus Worte folgendermaßen wiedergegeben: "Die Kinder dieser Welt freien und lassen sich freien; welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder freien noch sich freien lassen. Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung." Es ist also sehr eine Frage, ob wir noch Kinder dieser Welt sein wollen. Wir wollen nicht von dieser Welt sein. Wir leben ein Leben, das sich an den Dingen die droben sind, ausrichtet.

Wir leben in dieser Welt, aber wir sind nicht von dieser Welt. Wir leben nicht wie es die Welt tut. Wenn wir das Leben dieser Welt lieben, dann werden wir nicht Jesus folgen wollen. Und dann werden wir nicht bereit sein, wenn des Menschensohn kommt. Jesus beschreibt diese Situation mit diesen Worten: "Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging" (Matthäus 24,38), "Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um" (Lukas 17,26-27).

Hier beschreibt Jesus ein typisches weltliches Leben, ein Leben von Leuten deren Sinn und Streben auf die Dinge hier drunten ausgerichtet sind. Ihre Herzen sind bei den Dingen dieser Erde - bei weltlichen Dingen. Und freien und sich freien lassen ist so sehr Teil dieser Art des Lebens.

Und Leute, die dieses Leben führen, werden das wirkliche Leben versäumen. Im entscheidenden Augenblick wird das Verderben sie überfallen. Sie werden das große Abendmahl verpassen. Wenn die Einladung kommt, werden sie zu sehr mit ihren weltlichen Dingen beschäftigt sein und sie werden Ausreden haben und sagen, "Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen" (Lukas 14,20). Das beschäftigt sein mit dem Denken über Liebesabenteuer, mit der leiblichen Anziehungskraft anderer Menschen, mit dem Wunsch nach Freundschaft zum anderen Geschlecht, mit Freien und mit dem Lesen und Sehen von Liebesgeschichten, wird uns davon abhalten, die Dinge die droben sind zu suchen. Diese Tätigkeiten werden uns daran hindern, Jesus zu folgen.

Wenn wir diese Aktivitäten nicht aufgeben, können wir nicht Jesus Nachfolger sein. "So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein." (Lukas 14:26).

Der bemerkenswerte Gesichtspunkt dieser Aussage von Jesus ist, daß er uns nicht eine Liste von Prioritäten gibt, in der er uns sagt, daß wir zuerst seine Jünger sein müssen, daß wir danach als zweites Kirchenmitglieder sein müssen, daß wir dann drittens verantwortungsbewußte Familienmitglieder sein müssen, und daß wir dann viertens noch etwas anderes tun müssen und sein müssen und so fort. Nein, er sagt, wir müssen seine Jünger sein und alles andere spielt keine Rolle mehr - sogar unser eigenes Leben müssen wir als unwichtig ansehen. Alles andere zählt nicht mehr. Wenn wir seine Jünger geworden sind, dann hat alles andere seinen Einfluß verloren. Nur was für die Nachfolge wichtig ist zählt.

Wir haben alles aufzugeben was wir haben, wenn wir seine Jünger werden. Da ist nichts ausgeschlossen. "Also muß auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein" (Lukas 14,33).


Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. Top

Und wenn wir ein solches Leben beginnen, wird es drastische Änderungen in allem geben. Und dies wiederum wird einen ausdrucksstarken Einfluß auf die Menschen um uns herum haben. Wenn wir uns von der Welt abwenden, werden uns vielleicht Menschen bewundern. Was aber wahrscheinlicher ist, ist daß die Menschen sich über uns ärgern werden und negativ reagieren werden. Wir brauchen uns nur anzusehen, was Jesus selbst in seiner Heimatstadt passierte: Und es begab sich, da Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging er von dannen und kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Schule, also auch, daß sie sich entsetzten und sprachen: Woher kommen diesem solche Weisheit und Taten? Ist er nicht eines Zimmermann's Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder Jakob und Joses und Simon und Judas? Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles? Und sie ärgerten sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterland und in seinem Hause. Und er tat daselbst nicht viel Zeichen um ihres Unglaubens willen (Matthäus 13,53-58).

Es wird also zu Reaktionen kommen, wenn wir wirklich uns von der Welt abwenden. Wir sollten beachten, daß Jesus nicht nur von seinem Vaterland, sondern auch von seinem Hause spricht. Dieses ist eine Bestätigung, daß zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Familie ihm nicht folgte. Und so kann es uns geschehen. Unser eigenes Haus widersteht uns.

Eine Beschreibung eines solchen Hauses finden wir in Lukas 12,49-53: Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennete schon! Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit einer Taufe; wie ist mir so bange, bis sie vollendet werde! Meinet ihr, daß ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei wider zwei, und zwei wider drei. Es wird sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; die Schwiegermutter wider die Schwiegertochter, und die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter.

Diese Spaltung wird in einer Familie stattfinden. Und diese Spaltung wird entstehen, weil einige Mitglieder der Familie plötzlich zu Gottes Familie gehören und die Welt hinter sich gelassen haben. Und dieses wird zu Reaktionen führen. Der Rest der Familie wird reagieren - wird negative reagieren.

In Matthäus 10,34-38 finden wir eine ähnliche Stelle. Jesus sagt, "Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert."

Wenn ein Kind zum Nachfolger von Jesus wird und des Kindes Familie wendet sich gegen dieses Kind, dann wird dieses Kind eine neue Familie haben - die Familie Gottes. Gott wird sein Vater werden und es wird Brüder und Schwestern haben. Und es wird sagen können, "Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich; aber der Herr nimmt mich auf." (Psalm 27,10). Es wird sich in einer Situation befinden, wo er eine viel bessere Familie hat als bevor, er wird in Gottes Familie leben. "Und wer verläßt Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen, der wird's hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben." (Mathäus 19,29).

Aber es wird Spaltungen geben - Spaltungen in der natürlichen Familie. Spaltungen die aufzeigen werden, wer auf welcher Seite ist.

Und die religiösen Leute werden sich aufregen, besonders deren Führer. Es wird so sein, wie es bei Jesus war. Verfolgung wird beginnen und dann wird diese Spaltung der natürlichen Familie zu Verrat führen.

Es wird aber ein Bruder den andern zum Tod überantworten und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider die Eltern und ihnen zum Tode helfen (Matthäus 10,21). Es wird aber überantworten ein Bruder den andern zum Tode und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen die Eltern und werden sie helfen töten (Markus 13,12).

Es wird also zu schrecklichen Situationen innerhalb von christlichen Familien kommen. Es wird Krieg herrschen - kein Friede. Jesus sagt, "Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert." Gott ist ein Gott des Friedens. Aber er ist ein Gott des wahren Friedens - nicht eines falschen. Ein weltlicher Friede ist nicht ein göttlicher Friede.

Von den Zeiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr selbst wisset gewiß, daß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Denn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen (1 Thessalonicher 5,1-3).

Hier spricht die Bibel von einem weltlichen Frieden am Tag des Herrn. Von weltlichem Frieden wird in den Nachrichten viel gesprochen. Aber das ist ein falscher Friede. Es ist eine Trübheit des Geistes. Menschen die nicht geistig empfindsam sind, werden von solch einem Frieden überrascht werden. Sie werden geistig hohl sein.

Das Streben der Menschen dieser Welt nach Friede und Sicherheit - einem falschen Frieden und einer falschen Sicherheit - wird vom Antichrist genutzt werden. Und Leute werden eher bereit sein, ihre Freiheit aufzugeben, nur um diesen Frieden und diese Sicherheit zu haben. Und sie werden einem Menschen Macht geben, der ihnen Frieden und Sicherheit anbietet. Leute werden von Furcht beherrscht sein und diese Furcht wird so groß sei, daß sie ihre Freiheit opfern werden, um Friede und Sicherheit zu haben.

Wahrer Friede ist den Willen unseres Vaters zu tun; Gottes Wort zu hören und es zu praktizieren. Wenn wir Gottes Willen tun, werden wir Frieden haben. Unser Friede muß das Ergebnis des Tuns des Willen Gottes sein. Falscher Friede macht uns geistig trübsinnig und wir werden wie die fünf törichten Jungfrauen.

Jesus kam nicht, um diesen falschen Frieden zu bringen. "Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter, gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter, gegen ihre Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert."

Er kam, um das Schwert zu bringen und um Feuer auf Erden zu bringen. Der Zweck ist Menschen zu enthüllen; die Nachfolger zu offenbaren und die Ablehner zu offenbaren, so daß die Ablehner zu einer Entscheidung herausgefordert werden. Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens (Hebräer 4,12). So wird eines jeglichen Werk offenbar werden: der Tag wird's klar machen. Denn es wird durchs Feuer offenbar werden; und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren (1 Korinther 3,13).

Jesus wird diejenigen offenbaren die zu seiner Familie gehören und die, die nicht dazugehören. Zur Familie dazuzugehören wird das Wichtige sein.

Wenn wir zu Jesus Familie gehören wollen, dann wird es sehr hilfreich sein, wenn wir uns des Unterschiedes bewußt werden, der zwischen der natürlichen Familie und der geistigen Familie besteht. Dieses Verständnis wird der erste Schritt sein. Der nächste Schritt wird es sein, eine klare Entscheidung für die geistige Familie zu tun. Und dies wird wiederum nur erreicht werden, wenn die natürliche Familie als solche erkannt wird und wenn unsere Loyalität allein der Familie Gottes gehört - der geistigen Familie. Da kann es keinerlei Umkehr geben.

Quelle: Welche Familie?



Eine persönliche Wertung des Textes.     Top

Niemand wird die Frage beantworten können, ob es einen Gott gibt oder nicht, ob die Welt nach einem göttlichen Plan erschaffen ist oder ob sich dahinter der reine Zufall verbirgt. Schaut man sich das Universum in seinen Details und in seiner Unendlichkeit an, dann hat man das Gefühl, dass sich dahinter ein genialer Geist verbirgt, der dem Ganzen einen Sinn verleiht. Aber auch dieser Eindruck sollte uns nicht verleiten, hinter allem einen Gott zu vermuten, denn es ist und bleibt eine Vermutung. Wir sollten erkennen, dass wir als Menschen, aufgrund unseres beschränkten Intellekts, nicht in der Lage sind, zu erkennen, ob sich hinter der Genialität, mit der das Universum erschaffen ist, eine göttliche Weisheit verbirgt. Wenn Menschen aber davon überzeugt sind, dass es einen Gott gibt, so geschieht dies meiner Meinung nach, aus persönlichen (psychologischen) Gründen. Wir sollten auch daran denken, dass es Religionen wie den Buddhismus gibt, die recht gut ohnen einen Gott auskommen.

Meiner Meinung nach ist die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, im Leben der Menschen ohnehin sekundär. Entscheidend im Leben des Menschen ist nicht die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, sondern wie er sein Leben gestaltet. Und ich denke, dieses sollte die Frage sein, die im Mittelpunkt des Menschen steht. Viele religiöse Menschen richten ihr Leben auf Gott aus, weil sie hoffen, Gott würde ihnen die Last des Alltags von den Schultern nehmen. Dabei leben sie ihr Leben aber genau so egoistisch, gedanken- und verantwortungslos weiter, wie sie es immer getan haben. Meine Erfahrung ist, dass diese Tendenz besonders oft bei Menschen anzutreffen ist, die sehr religiös sind. Sie beziehen sich immer wieder auf ihre Religion, lassen aber gegenüber ihren Mitmenschen oftmals jede Sensibilität, Freundlichkeit, Rücksicht und jedes Verständnis vermissen. Dies ist meist eine Reaktion, die man erlebt, wenn man ihre Ansichten in Frage stellt.

Darum habe ich das Gefühl, dass die Hinwendung zur Religion die Entwicklung des eigenen Bewusstseins eher behindert, als sie zu fördern. Eine Bewusstseinsentwicklung kann nur stattfinden, wenn man sich mit seinen innersten Ängsten auseinander setzt. Bewusstseinsentwicklung ist darum prinzipiell ein sehr schmerzhafter Prozess. Ist es wirklich der innerste Wunsch eines Menschen, zu Gott zu finden oder ist es sein innigster Wunsch, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen? Ich glaube, dass sich jeder Mensch am meisten danach sehnt, glücklich und zufrieden zu sein. Da die Menschen dies aber nicht sind und insgeheim genau wissen, wie schmerzlich der Heilungsprozess ist, dem sie sich stellen müssten, um gesund zu werden, und weil sie nicht den Mut haben, sich diesem Heilungsprozess zu stellen, flüchten sie sich in die Religion und erhoffen sich von Gott, er möge ihnen diese Heilung gewähren. Um Bewusstseinsentwicklung und damit einhergehend Heilung zu ermöglichen, bedarf es also nicht nur jeder Menge Mut, sondern auch Wissen.

Zu diesem Wissen gehört auch, dass der spirituelle Mensch ein enthaltsames Leben führen sollte, wenn er spirituelle Fortschritte machen möchte. Aber ich habe es immer wieder erlebt, dass besonders Menschen, die sich auf ihre Religion berufen, eine sehr negative, oftmals eine sehr feindliche und verletzende Haltung gegenüber den Menschen einnehmen, die sie auf diese Zusammenhänge hinweisen. Mir scheint, man darf den Menschen fast alles nehmen, aber nicht ihre Sexualität. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass sie die Sexualität mehr anbeten, als ihren Gott. Aber dies geschieht nicht aus Bosheit, sondern aus Unwissenheit. Der großen Mehrheit der Menschen dürfte bewusst sein, welche Macht die Sexualität über den Menschen ausüben kann. Aber dieses Wissen allein genügt nicht, um sich von der sexuellen Verhaftung zu lösen.

Will man spirituelle Fortschritte erzielen, dann muss man Wissen, wie solche Entwicklungsprozesse verlaufen. Dieses Wissen wird uns aber nicht in die Wiege gelegt, sondern dieses Wissen muss man sich erarbeiten. Ich selber habe mich viele Jahre lang mit Yoga beschäftigt, um zu verstehen, wie spirituelle Fortschritte erzielt werden können. Der Yoga beschäftigt sich seit vielen Jahrhunderten mit solchen Fragen und kann auf eine lange Tradition selbstverwirklichter Yogis zurückblicken. Eine der Voraussetzungen, spirituelle Fortschritte zu erreichen, ist die Keuschheit. Dies gilt im Hinduismus/Buddhismus ebenso wie im Christentum. Deshalb ist es kein Wunder, dass alle Heiligen und "Erleuchteten", egal welcher Religion sie angehörten, enthaltsam lebende Mönche, Nonnen, Priester, Yogis, Sufis oder Schamanen waren. Selbst Naturvölker und heidnische Völker, die keiner Religion angehörten, praktizierten die Keuschheit. Dieses Wissen ging mit dem modernen Fortschritt immer weiter verloren. Die Menschen verloren den Bezug zur Natur und strebten fortan lieber nach materiellem, anstatt nach spirituellem Reichtum.

Darum glaube ich nicht, dass es irgendeinem Menschen hilft, wenn er sich bedingslos irgendeiner Religion unterordnet oder wenn er meint, nur seine Religion sei allein im Besitz der Wahrheit. Das hat für mich eher fanatische Züge. Alle Religionen besitzen einen sehr wertvollen Kern, den es gilt herauszuarbeiten. Dies gelingt aber nur, wenn man auch den Religionen gegenüber immer eine kritische Distanz bewahrt.

Zum Schluss möchte ich darauf eingehen, wie ich die Aussage "Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.", wie sie in Matthäus 10,34-38 gemacht wurde, verstehe. Die Vorstellung, Jesus sei der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist, ist nur durch das alte Testament zu erklären. Das Alte Testament beinhaltet über 300 Prophezeiungen über den kommenden Messias. Der Sohn Gottes wurde also von vielen gläubigen Juden sehnsüchtig erwartet. Mit dem Erscheinen Jesus glaubten viele Menschen, Jesus sei der langerwartete Sohn Gottes. Aber Jesus war im Prinzip ein Mensch wie du und ich. Was Jesus von anderen Menschen unterschied, war die Tatasache, dass er sein Leben spirituell ausgerichtet hatte, was dazu führte, dass er sich selber verwirklichen konnte. Im Prinzip unterscheidet sich das Leben von Jesus nicht besonders von dem eines indischen Yogis. Jesus lebte ebenso wie die Yogis enthaltsam. Er lebte ein bescheidenes Leben, welches sich an hohen ethischen Maßstäben orientierte. Während die Yogis sich in die Wälder, in die Ashrams oder in den Himalaya zurückzogen, um zu meditieren, zog Jesus sich in die Wüste zurück, um zu beten.

Wenn man Jesus als einen selbstverwirklichten Menschen betrachtet, so kann man davon ausgehen, dass er anderen Menschen mit sehr viel Liebe zugetan war und keinerlei Groll oder Hass für andere Menschen empfand. Damit hatte er natürlich für alle menschlichen Schwächen Verständnis. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass es Jesus wirklich daran gelegen war, seine Botschaft mit dem Schwert zu verbreiten. Ich glaube sehr wohl, dass es Jesus darum ging, den Menschen den Weg zum Frieden, zum inneren Frieden, den er selbst beschritten hatte, aufzuzeigen. Ihm dürfte sehr wohl bewusst gewesen sein, dass viele seine Worte wie ein scharfes Schwert empfanden, welche starke emotionale Reaktionen bei den Menschen auslöste. Heilungsprozesse sind immer sehr schmerzhafte und gefährliche Prozesse, weil dabei viele bewusste und unbewusste Emotionen angesprochen werden, die man oft über viele Jahre sehr mühsam versucht hat, zu verbergen. Wenn Jesus also der Ansicht war, dass die Enthaltsamkeit unbedingt erforderlich ist, um bereits zu Lebzeiten ins Himmelreich zu gelangen, so ist klar, dass er mit dieser Forderung sehr viel Hass auf sich zog.

Möchte man bei anderen Menschen ein spirituelles Interesse wecken, so wird dies nicht mittels des Schwertes gelingen. Wer Gewalt säht, wird Gewalt ernten. Das beste Argument, um andere Menschen für seine eigenen Ideen zu gewinnen, ist die eigene positive Ausstrahlung. Dabei wird man natürlich bei den Menschen den meisten Erfolg haben, die selber schon ein Stück ihres spirituellen Weges gegangen sind und die deshalb solchen Ideen etwas aufgeschlossener gegenüber stehen. Nur mit Liebe, Überzeugung und sehr viel Verständnis wird es möglich sein, andere Menschen für die eigene Idee zu gewinnen. Dabei kann der spirituelle Meister seinen Schüler zwar ermuntern, seinen Weg fortzusetzen, aber er kann ihm nicht den Schmerz abnehmen, der mit jedem Heilungsprozess verbunden ist. Der Meister kann den Schüler auf Gefahren hinweisen und er kann ihn Auffangen, falls der Schüler den Mut verliert. Die Resignation ist einer der größten Gefahren für Menschen, die einen spirituellen Weg beschreiten, denn viele Menschen beginnen einen spirituellen Weg, aber die allermeisten haben nicht den Mut, die Kraft, die Ausdauer und die Disziplin, diesen Weg bis zum Ende zu gehen. Der Meister kann seinen Schüler so lange begleiten, bis der Schüler in der Lage ist, seinen eigenen Weg zu beschreiten.


Was sagte Jesus zum Zölibat?     Top

Mir geht es darum, aufzuzeigen, dass sich die Einstellung Buddhas nicht von Jesus unterscheidet, dass also Jesus genau so enthaltsam lebte wie Buddha, und das die östliche und westliche Philosophie, die buddhistische und christliche, sich in Bezug auf die Enthaltsamkeit nicht unterscheiden.

Von Buddha ist bekannt, dass er enthaltsam lebte (siehe: oben). Ich wollte herausfinden, ob Jesus ebenfalls enthaltsam lebte.  Wie ich vermutete, hat er offensichtlich ebenfalls enthaltsam gelebt. Jedenfalls fand ich folgendes:

Matthäus 19,12 : 12Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es!

Eine zweite Version lautet:

Mathäus 19, Vers 12 : "Es gibt Eunuchen, die vom Mutterleib an so geworden sind. Und es gibt Eunuchen, die von Menschen dazu gemacht wurden. Und es gibt Eunuchen, die sich selbst dazu gemacht haben wegen der Gottesherrschaft."

Matthäus 22,30 : 30"Denn in der Auferstehung werden sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie sind wie Engel im Himmel." (siehe auch Papst Paul II.)

Ermahnung und Warnungen

Im Brief an die Galater erwähnt der Apostel Paulus die Unzucht, die Unlauterkeit, die Ausschweifung und andere Laster als „Werke des Fleisches“ und weist darauf hin, daß jene, die solches tun, das Reich Gottes nicht erlangen werden.

Gal. 5, 13-26:  13-15Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder; allein gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlaß für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient einander. Denn das ganze Gesetz ist in einem Worte erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Wenn ihr aber einander beißt und freßt, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet.

16-26Ich sage aber: Wandelt im Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter (gegen das) Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, gleichwie ich auch vorhergesagt habe, dass, die solches tun, das Reich GOTTES nicht ererben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz. Die aber des CHRISTUS sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten. Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre geizig sein, indem wir einander herausfordern, einander beneiden.

Dieselbe Lehre wiederholt Paulus auch gegenüber den Ephesern:

Epheser 5,1-14: So seid nun Gottes Nachfolger... und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebt... Hurerei aber und alle Unreinigkeit oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zusteht... Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihr Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts, die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit, und prüfet, was da sei wohlgefällig dem Herrn. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, strafet sie aber vielmehr. Denn was heimlich von ihnen geschieht, das ist auch zu sagen schändlich... Darum heißt es: "Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten."

Im ersten Brief an die Korinther weist der heilige Paulus darauf hin, daß „der Leib nicht für die Unzucht da ist, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib:

1 Kor 6, 12-20: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. Die Speisen sind für den Bauch da und der Bauch für die Speisen. Gott wird beide vernichten. Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Dirne machen? Auf keinen Fall! Oder wisst ihr nicht: Wer sich an eine Dirne bindet, ist ein Leib mit ihr? Denn es heißt: Die zwei werden ein Fleisch sein. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“

Im Brief an die Kolosser kehrt Paulus zum selben Thema zurück:

Kolosser 3, 5: „So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei.“

Römer 14,4-5 : 4Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich; die folgen dem Lamm nach, wohin es geht. Diese sind erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm, 5und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig.

1.Korinther 7,1 : 1Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt, so ist es gut für einen Menschen, kein Weib zu berühren.

1.Korinther 7,7-9 : 7Ich wollte zwar lieber, alle Menschen wären, wie ich bin, aber jeder hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so. 8Den Ledigen und Witwen sage ich: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 9Wenn sie sich aber nicht enthalten können, sollen sie heiraten; denn es ist besser, zu heiraten als sich in Begierde zu verzehren.

eine andere Version lautet:

Paulus schreibt in 1 Kor 7, 1-7:

1Wovon ihr aber geschrieben habt, darauf antworte ich: Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren.

7Ich wollte zwar lieber, alle Menschen wären, wie ich bin, aber jeder hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so.

1.Korinther 7,25-38 :

26So meine ich nun, es sei gut um der kommenden Not willen, es sei gut für den Menschen, ledig zu sein.

36Wenn aber jemand meint, er handle unrecht an seiner Jungfrau, wenn sie erwachsen ist, und es kann nicht anders sein, so tue er, was er will; er sündigt nicht, sie sollen heiraten.

37 Wenn einer aber in seinem Herzen fest ist, weil er nicht unter Zwang ist und seinen freien Willen hat, und beschließt in seinem Herzen, seine Jungfrau unberührt zu lassen, so tut er gut daran.

38 Also, wer seine Jungfrau heiratet, der handelt gut; wer sie aber nicht heiratet, der handelt besser.

1 Korinther 7,29 : "Die da Weiber haben, daß sie seien, als hätten sie keine."

Wenn wir verheiratet sind, können wir es nicht vermeiden, in den Anliegen der Welt verwickelt zu sein; es wird immer schwierig sein, sich rein von weltlichen Dingen zu halten. Und dies ist der Grund, warum Jesus uns sagt, andere haben auf Heirat verzichtet, wegen des Himmelreiches. Die Führung die uns die Bibel also gibt, ist unverheiratet zu bleiben und so zu leben, als ob wir keine Frau hätten.

Kolosser 3,1-2 : "Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist."

Lukas 20,34-36 : "Die Kinder dieser Welt freien und lassen sich freien; welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder freien noch sich freien lassen. Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung."

Matthäus 24,38 : "Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging".

Lukas 17,26-27 : "Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um".

Hier beschreibt Jesus ein typisches weltliches Leben, ein Leben von Leuten deren Sinn und Streben auf die Dinge hier drunten ausgerichtet sind. Ihre Herzen sind bei den Dingen dieser Erde, bei weltlichen Dingen. Und freien und sich freien lassen ist so sehr Teil dieser Art des Lebens.

Und Leute, die dieses Leben führen, werden das wirkliche Leben versäumen. Im entscheidenden Augenblick wird das Verderben sie überfallen. Sie werden das große Abendmahl verpassen. Wenn die Einladung kommt, werden sie zu sehr mit ihren weltlichen Dingen beschäftigt sein und sie werden Ausreden haben und sagen, "Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen" (Lukas 14,20). Das beschäftigt sein mit dem Denken über Liebesabenteuer, mit der leiblichen Anziehungskraft andere Menschen, mit dem Wunsch nach Freundschaft zum anderen Geschlecht, mit Freien und mit dem Lesen und Sehen von Liebesgeschichten, wird uns davon abhalten, die Dinge die droben sind zu suchen. Diese Tätigkeiten werden uns daran hindern, Jesus zu folgen.

Offenbarungen des Johannes 14,3-5 : "3Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den Hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. 4Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich; die folgen dem Lamm nach, wohin es geht. Diese sind erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm, 5und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig."

Wenn wir wirklich des Lammes Namen und den Namen seines Vaters geschrieben an unserer Stirn haben wollen (Offenbarung 14,1), dann müssen wir uns auf das Reich Gottes konzentrieren. Wenn wir wirklich unseren Sinn und Verstand und unser Denken, das sich in unserer Stirn befindet, auf geistige Dinge ausrichten wollen, dann müssen wir schon Abstand nehmen von weltlichen Beschäftigungen und Interessen. Unser Denken muß in eine Richtung gehen und sollte nicht gespalten sein.

1 Joh 2,15-17:  "Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit"

Im Brief des Paulus an die Römer (Kapitel 8) - Das Leben im Geist - steht:

6Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. 7Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott. 8Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. 9Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt.

12So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. 13Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Das Fleischliche bezieht sich, meiner Ansicht nach, auf die Sinne, wenn man so will auf Essen, Trinken, Süßigkeiten, Sexualität, Musik, Gerüche, visuelle Genüsse, mit anderen Worten, auf alle sinnlichen Verhaftungen. Und es sagt in meinen Augen nichts anderes aus, als das was Buddha sagt, wenn er meint, man soll sich von allen Verhaftungen lösen.

Die Bibelstelle sagt allerdings auch aus, dass man sein Leben im Geiste Christi, also geistlich gestalten sollte. Ist jemand allerdings Atheist, so würde ich diese Aussage so formulieren, dass er sein Leben nach ethischen und humanen Grundsätzen leben sollte.

Römer 13,13–14: Lasset uns ehrbar wandeln wie am Tag. Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht zur Erregung eurer Lüste.

Eine zweite Version lautet

Römer 13,13-14: Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde.

In seinem ersten Brief an die Thessalonicher um 50 n.Chr. sprach sich Paulus gegen die Unzucht aus und mahnte die Christen zur Heiligung ihres Leibes:

1 Thessalonicher 4,3-8: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, und daß ihr meidet die Hurerei. Und ein jeglicher unter euch wisse sein Gefäß zu behalten in Heiligung und Ehren und nicht in der Brunst der Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen... Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung... Wer nun verachtet (Gottes Wille), der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch.“

Lukas 14 (Nur, wer seine Familie hasst, kann Jünger Jesu sein):

25Es ging aber eine große Volksmenge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:
26Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein;
28Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen,
29damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten,
33So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.

Lk 18,28-30 Aus dem Hinweis des Apostels Petrus kann man herauslesen, dass die Jünger um Jesu Willen alles verlassen haben, auch Frau und Kinder:

28Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt. 29Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, 30der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

Hebräer 13,4: Die Ehe soll in Ehren gehalten werden bei allen und das Ehebett unbefleckt; denn die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten.

1. Timotheus 5,6: "Welche aber in Wollüsten lebt, die ist lebendig tot."

Römer 13, 11-14: "Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf. So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde."

1. Joh 2,15-17: "Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit."

Gal 6,8 : "Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten."

1. Korinther 9,11: So wir euch das Geistliche säen, ist's ein großes Ding, wenn wir euer Leibliches ernten? (Der heilige Hieronymus sagte über die heilige Paula: "Sie säte im Fleische, um im Geiste zu ernten.")

2 Petrus 2,9-19 : Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts, sie zu peinigen, allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust... Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster..., haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren... Sie haben verlassen den richtigen Weg und gehen irre... Das sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel, umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. Denn sie reden stolze Worte, dahinter nichts ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust... und verheißen Freiheit, ob sie wohl selbst Knechte des Verderbens sind.

Jakobus 1,13-15 : Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod.

Die Glücklichen des Himmels

Dass der priesterliche Zölibat auch heute für alle Christen eine Bedeutung haben könnte, zeigt die Antwort Jesu auf die Frage, wie es mit der Heirat im himmlischen Jenseits steht. Jesus antwortet darauf: "Nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel" (Mt 22,30; Mk 12,25; Lk 20,35f).

Damit deutet Jesus an, dass Heiraten etwas Irdisches und damit auch Vergängliches ist. Im Leben der Auferstehung wird unter den Menschen eine neue Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern entstehen. Es wird nicht mehr geheiratet. Diese neue Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, auf die wir alle zugehen, nehmen diejenigen Menschen voraus, die schon in diesem Leben nach dem Rat Jesu die "Ehelosigkeit um des Himmels willen" (Mt 19,12) leben.

Das Wort "Zölibat" soll etymologisch vom lateinischen Ausdruck "Coeli beati" stammen, was auf deutsch "die Glücklichen des Himmels" bedeutet. Die Menschen, die den Zölibat leben, können ungeteilt für Gott und alle Menschen da sein. Das ist ein großer Wert, der jetzt schon von vielen Priestern und Ordensleuten gelebt wird. Es scheint, dass er heute zu wenig geschätzt wird. Auch denken viele Christen – stark mit dem Diesseits beschäftigt – nicht daran, dass wir alle auf eine Zukunft zugehen, in der die Menschen nicht heiraten und dennoch in einer großen liebenden Gemeinschaft miteinander verbunden sind. Alle, welche um des Himmelreiches ehelos leben, deuten jetzt schon auf diese Zukunft hin und haben bereits begonnen, sie zu leben. Der Zölibat hat eine große Bedeutung für die Zukunft.

Martin Gächter, Weihbischof

Pflichtzölibat

Folgenden Stellen deuten sogar auf das Pflichtzölibat hin: 1 Tim 3, 12 und Tit 1, 6 : «Deshalb soll ein Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet...» - «Ein Ältester soll unbescholten und nur einmal verheiratet sein...» Was hier zunächst eher danach aussieht, als würde das Pflichtzölibat widerlegt, ist tatsächlich die erste, frühe Praxis des Zölibats: In den Anfängen, in denen die Christen meist Bekehrungen im Erwachsenenalter hinter sich haben, gibt es kaum Unverheiratete, die zu den Ämtern zugelassen werden können. Die Priester und Bischöfe werden daher aus den Verheirateten genommen, mit der Auflage, nach der Weihe nicht noch einmal zu heiraten: Der Bischof sei nur Mann einer Frau. Damit war die Weihe eines in zweiter Ehe Lebenden, das Eingehen einer zweiter Ehe nach erfolgter Weihe und auch das Eingehen einer Ehe durch solche, die als Ehelose geweiht worden waren, verboten.

Starb also die Ehefrau des Bischofs oder des Ältesten so durfte er keine neue Ehe eingehen und war zum Zölibat verflichtet. Zölibat

Jesus und die Essener

Heute ist es unter Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Theologie eine allgemein akzeptierte Tatsache, dass Jesus Christus der Gemeinschaft der Nazarener angehörte, welche ein Zweig der Essener Glaubensgemeinschaft war (aus diesem Grunde müsste sein Beiname "Jesus von Nazareth" korrigiert werden zur wohl richtigeren Bezeichnung "Jesus der Nazarener", da zudem keinerlei Hinweise gefunden werden können, dass ein Dorf namens Nazareth in Jesus' Tagen existierte).

1974 wurden in den Höhlen der Quaratania-Bergen über dem Toten Meer Pergamenthandschriften und Papyrusrollen entdeckt, welche nachweisliche Überreste einer großen Schriftensammlung dieser religiösen Gemeinschaft der Essener sind. Obwohl die Schriften bis heute noch nicht vollständig übersetzt und ausgewertet worden sind, kann man eine große Ähnlichkeit zwischen der Lehre der Essener und der Lehre Jesu finden. Besonders interessant ist, dass sich die meisten der Jesus Christus in der Bergpredigt zugeschriebenen Seligpreisungen schon in diesen Schriftrollen vom Toten Meer finden, welche teilweise schon mehrere Generationen vor Jesus Leben verfasst worden sind! Hier stellt sich die Frage nach dem Ursprung dieser Lehren. Lassen sie sich noch weiter zurückführen als bis zur Glaubensgemeinschaft der Essener?

Bereits um etwa 150 vor Christus breitete sich die jüdischen Essener (die Frommen), eine aramäische religiöse Gruppierung innerhalb des Judentums, in Damaskus (Syrien) aus. Sie bildeten bis 70 n. Chr. neben den Pharisäern und den Sadduzäern eine dritte bedeutende jüdische Gruppierung. Sie lebten meist ehelos in Klostergemeinschaften zusammen und mussten sich vielen Reinheitsvorschriften unterziehen. Die Essener können als Vorläufer späterer Mönchsorden angesehen werden, die es aber im jüdischen Selbstverständnis damals noch nicht gab.

Nach den antiken Quellen lebten sie getrennt vom offiziellen Tempeljudentum in klösterlicher Einsamkeit. Sie forderten asketische Ordensgemeinschaft mit Gütergemeinschaft. Voll Eifer in einem Leben des Gebetes, der Enthaltsamkeit und der Arbeit erwarteten die Essener die nahe Ankunft des Messias.

Essener
yoga-vidya journal