free web hosting | website hosting | Business Hosting | Free Website Submission | shopping cart | php hosting

Sublimation ist der Kern des Yoga von Srinivasan Startseite

Swami Sivananda: "Brahmacharya ist ein heiliges Wort. Es ist der Kern und das Wesen des Yoga. Es ist das Verhalten oder die Handlungsweise, durch die du den Brahman (Gott) erreichen kannst. Es ist das Leben in seiner Absolutheit. Es ist die Entwicklung in Richtung Brahman oder Atman (Seele). Brahmacharya ist Reinheit in Gedanken, Worten und in der Tat. Unter Brahmacharya versteht man das Zölibat und die Keuschheit."

Unter Brahmacharya versteht man Selbstkontrolle, Unterscheidung und Willenskraft, durch die wir lernen, das Gute vor dem Angenehmen auszuwählen. Menschen und Tiere haben viele Instinkte und Gefühle gemeinsam. Allerdings besitzen Menschen die Fähigkeit, ihre animalischen Instinkte zu sublimieren. Der Prozess der Sublimation ist der Kern des Yoga. Leider hat die moderne Kultur von "Freiheit und Nachsicht" dazu geführt, dass das Brahmacharya gefürchtet und missverstanden wurde. Folglich ist es der am häufigsten vernachlässigte Teil der Yogapraxis.

Beim Brahmacharya behält der Wille permanent die Herrschaft über die Sinne und den Verstand. Um die Herrschaft über die sexuellen und sinnlichen Tendenzen des Verstandes zu erhalten, nutzen wir neben dem Brahmacharya, der Enthaltsamkeit, die anderen Regeln der Selbstkontrolle (Yamas):  Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Nichtstehlen, Nichtbegehren. Die Wahrheit zeichnet sich dadurch aus, dass das Gute über das Angenehme siegt. Die meisten Gewalttaten sind eine Reaktion auf unerfüllte Begehrlichkeiten. Darum ist Gewaltlosigkeit nicht ohne Brahmacharya möglich. Die regelmäßige Praxis des Brahmacharya ist ein wichtiger Eckstein für alle Yoga-Disziplinen. Für alle, die diese wichtige Yogaübung praktizieren wollen, empfehle ich das Buch The Practice of Brahmacharya (Deutsch: Die Praxis des Brahmacharya) von Swami Sivananda. In der Zwischenzeit möchte ich gerne ein paar Einblicke gewähren, die ich bei meinem Meister Vishnu-Devananda, der versuchte, die Idee des Brahmacharya in die westliche Welt zu transportieren, gesammelt habe. Ebenso möchte ich gerne von meinem eigenen langen Kampf, das Brahmacharya zu verstehen und es zu praktizieren, berichten.

Swami Sivananda: Diese Welt ist nichts anderes als Sex und Egoismus. Der Egoismus ist die Hauptsache. Der Sex ist ein Anhängsel des Egoismus. Der Sex und der Egoismus sind ein Produkt der Unwissenheit oder der Ignoranz. Der Mensch, der Meister seiner Schicksals, hat seine göttliche Herrlichkeit verloren und ist zum Sklaven seiner Sexualität  geworden. Er ist zum Werkzeug in den Händen von Sex und Egoismus geworden oder ein Opfer der Ignoranz.

Mehr als wir es zugeben möchten, wird unser Leben durch Gewohnheiten und Instinkte bestimmt. Ein undiszipiniertes Leben kann mit einem Strassenhund verglichen werden, mit einer Reihe bedeutungsloser Abenteuer oder mit einer instinktiven Reaktion auf  sinnliche Begierden. Maya, die illusionäre Kraft Gottes, kontrolliert die Welt. Sie macht uns zu tanzenden Marionetten an den Fäden von Begierden, Sehnsüchten und Verliebtheiten. Die sexuelle Anziehungskraft wird in der Werbung, in der Mode, in den Massenmedien und in der Unterhaltungsindustrie benutzt, weil die Menschen spontan und unvernünftigerweise bereit sind, ihr Geld auszugeben, wenn die sexuelle Lust angeregt wird. Durch die Erweckung von Bedürfnissen, wird ein Vermögen verdient, indem man  wertlose Waren mit den Begriffen Potenz und Sexappeal verbindet. Die gesellschaftlich wichtigsten Laster, Zigaretten und Alkohol werden ebenfalls mittels sexuell ansprechender Werbung verkauft. Wie eine Motte, deren Instinkt sie immer und immer wieder in das Feuer zieht, tanzt die ganze Welt zur Musik der sexuellen Begierde. Kino, Musik, Sport und sogar politische "Stars" werden als sexuelle Konsumware unserer Popkultur vermarktet. Wir beklagen den Sexismus und den moralischen Verfall, aber wir erkennen nicht, dass der Grund für die kommerzielle Ausbeutung der Sexualität, eine übersteigerte und zügellose Sexualität ist.

Selbst wenn es nicht ausdrücklich betont wird, so kann doch gesagt werden, dass unsere Kultur Sex mit Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück in Zusammenhang bringt. Selbst unter moralischen und religiösen Menschen wird der Sex in der Ehe als Ausdruck von Jugend, Schönheit und Potenz angesehen. Die Yogaphilosophie betrachtet die Selbstbeherrschung als einen Weg auf der Suche nach Glück und Selbstverwirklichung. Der Sex wird als spirituelle Krankheit angesehen, da eine Identifikation mit dem Körper, den Gefühlen und dem Egoismus stattfindet, anstatt mit dem unsterblichen Selbst, dem Atman. Die falsche Identifikation gilt als Ursache für Unwissenheit und der damit verbundenen Sinneslust, Wut, Eifersucht, Hass, Egoismus, usw..* Alle Yogapraktiken dienen dazu, die subtile psychische und sexuelle Energie, die auch als Ojas bezeichnet wird, in spirituelle Energie (Tejas) umzuwandeln. Hatha-Yoga (Yogaübungen) beinhaltet die direkte Kanalisierung der vitalen Lebensenergie, Prana, indem sie die sinnlichen und sexuellen Energien für das spirituelle Erwachen nutzt.

*Anmerkung "Unsterbliches Selbst": Da wir von diesem "unsterblichen Selbst" in Wirklichkeit nichts wissen, sollte die Yogaphilosophie sich von allen Dogmen befreien, insbesondere von religiösen Dogmen. Es ist ausserdem nicht die fehlende Identifikation mit dem unsterblichen Selbst, die den Menschen in die sexuelle Abhängigkeit treibt, sondern sein mangelhaftes Bewusstsein. Ende Anmerkung.

Ein Yogapraktizierender erkennt während seiner spirituellen Praxis, in der er Yogaübungen, Atemübungen, Konzentration und Meditation übt, dass sexuelle Gedanken und Handlungen schnell zum Abfluss der vitalen Energie (Ojas) führen. Daher sind Yogapraktizierende, die keine Kontrolle über ihre sexuellen Instinkte haben, Heuchler, die nur ihre Zeit vergeuden. Einerseits gehen sie einer spirituellen Praxis nach, durch die die Lebensenergie aufgeladen und gespeichert wird, andererseits aber entweicht sie wieder durch ihren undisziplinierten Geist. Wenn jemand beschließt, ein göttliches Leben im Brahmacharya zu leben, so ist es auch möglich, in das andere Extrem zu fallen. Wenn das Brahmacharya wirklich das Wesen des Yoga ist, dann sollte es ein Leben lang beachtet werden. Als einer der Schüler Swami Vishnu-Devananda's ihn nach dem Brahmacharya fragte, antwortete dieser humorvoll: "Es ist ein langer Weg, Bruder". Neue Aspiranten machen oft den Fehler, dass sie ihr altes Verhalten zu eifrig verändern wollen. Von der sexuellen Zügellosigkeit führen sie einen fanatischen und selbstzerstörerischen Kreuzug der sexuellen Unterdrückung. Swami Vishnu-Devananda, obwohl ein leidenschaftlicher Verfechter der Selbstdisziplin und des Brahmacharya, warnte immer wieder vor den Gefahren der Unterdrückung.

Swami Vishnu -Devananda benutzte für die kraftvolle und egoistische Unterdrückung der Sexualität das Wort "Kickback" (Rückschlag). Damit wollte er seinen Schülern deutlich machen, dass sie demütig die Maya, Gottes Macht der Wünsche und Illusionen, beachten sollten. "Nur durch die Gnade des Herrn", sagte er warnend, "können wir von der Maya befreit werden. Der sexuelle Instinkt, ist die stärkste Kraft in diesem Universum. Die Sexualität allein mit der Kraft des Willens zu besiegen, ist wie der Versuch, die Niagarawasserfälle zu stoppen. Wir brauchen Gottes Gnade". Die Gnade offenbart sich als Unterscheidungskraft und im spirituellen Wunsch, Yogaübungen, Atemübungen, Satsangs (Satsang = das Beisammensein mit spirituellen Meistern), Gebete, Meditation und Studien praktizieren zu wollen. Nur mit der Kraft dieser positiven Gewohnheit können wir die Leidenschaften besiegen und uns für die Weisheit öffnen.

Die Bhagavad Gita, eine der zentralen Schriften des Hinduismus, die als Quintessenz der Veden betrachtet wird, beschreibt drei Arten von Freude: "Die erste Freude erscheint zunächst als Gift, sie schmeckt am Ende aber wie Nektar. Diese Freude wird als sattvisch (rein) beschrieben. Sie wird geboren aus der Reinheit des eigenen Geistes, aus dem Wunsch nach Selbstverwirklichung. Die zweite Freude, die durch den Kontakt mit den Sinnesorganen entsteht, erscheint zuerst als Nektar, wirkt dann aber wie Gift. Diese Freude wird als rajasische (leidenschaftliche) Freude bezeichnet. Die dritte Freude, die für Selbsterkenntnis blind macht, die von Anfang bis Ende Täuschung ist und aus Schlaf, Faulheit und Illusion entsteht, gilt als Freude in der Erscheinungsweise der Unwissenheit. Diese Freude wird als tamasich (träge) bezeichnet." Bhagavad Gita 18,37-39

Die weltlichen Vergnügungen werden als rajasisch (leidenschaftlich) bezeichnet. Es sind sinnliche und emotionale Stimulationen, die der Yogi mit einem Juckreiz vergleicht. Der sexuelle Impuls reizt mit mächtigem Instinkt und schafft einen nervösen Juckreiz. Die Befriedigung des sexuellen Impulses erzeugt eine trügerische Freude, da sie den sexuellen Reiz verstärkt und die sexuelle Energie vermindert. Denke daran, was passiert, wenn du an einem Moskitostich kratzt. Um so stärker du kratzt, um so stärker wird der Juckreiz, bis der Moskitostich zu einer brennenden und schließlich blutenden Wunde wird. Die sexuelle Handlung und Phantasie erzeugt einen Eindruck im Unterbewusstsein. Durch den Eindruck im Unterbewusstsein, steigt ein erotischer Gedanke auf und dieser erotische Gedanke wiederum, verstärkt den Eindruck des Unterbewusstseins. Die sexuelle Befriedigung verstärkt also die unterbewussten Instinkte. Durch Erinnerungen und durch die Phantasie werden die sexuellen Wünsche immer und immer wieder belebt.



Die vier Lebensstadien

Brahmacharya ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Ordenstradition, als Vorbereitung auf das Sannyasa. Das Sannyasa bezeichnet im Hinduismus einen Mönch oder Yogi, der der Welt entsagt hat und in völliger Besitzlosigkeit lebt. In den vier Lebensabschnitten des Hindulebens stellt das Brahmacharya den ersten Lebensabschnitt dar. In diesem Lebensabschnitt übt der Schüler die Selbstkontrolle. Traditionell wurden Kinder mit der Aufnahme als Schüler, von ihrem Guru, von dem sie auch unterrichtet wurden, in das Brahmacharya eingeweiht. Selbstkontrolle und spirituelle Unterweisung bildeten die Grundlage für den zweiten Lebensabschnitt, dem Grihasta, dem Leben in der Ehe. Die Ehe ist der einzige Lebensabschnitt im Hinduismus, in dem die Sexualität in Maßen toleriert wird. Während der Zeit der Ehe steht die soziale Plicht und Verantwortung der Familie und der Gesellschaft gegenüber im Vordergrund. Die Sexualität wird als Teil der Aufgabe angesehen, Kinder auf die Welt zu bringen. Das Beispiel des Löwen, der nur einmal im Jahr Sex hat, um Kinder zu zeugen, wird als Ideal für das Eheleben betrachtet. (Anmerkung zum Kinderwunsch: Andere, wie Swami Sivananda, rieten den Eheleuten, einmal im Monat Sex zu haben, falls ein Kinderwunsch vorhanden ist. Ende Anmerkung.)

Das Vanaprastha, der Eintritt in den Ruhestand, der in Indien traditionell mit etwa 50 bis 60 Jahren geschah, stellt den dritten Lebensabschnitt dar. Wenn die Kinder sich beruflich etabliert und bereits eine eigene Familie gegründet haben, verlässt das Ehepaar Haus und Hof, die an den ältesten Sohn übergeben werden und ziehen sich in einen Ashram zurück. Hier bereiten sie sich durch spirituelle Praktiken auf ein Leben der Entsagung vor. Der letzte Lebensabschnitt ist das bereits erwähnte Sannyasa, ein Leben in Meditation und Enthaltsamkeit. Dieser Lebensabschnitt tritt ein, wenn man das Brahmacharya beherrscht (wenn man sich vollkommen von der sexuellen Verhaftung gelöst hat). Die anderen drei Lebensabschnitte sind nur eine Vorbereitung auf den letzten Lebensabschnitt, das Sannyasa. Swami Vishnu-Devanandaji pflegte zu sagen: "Der Sannyasi kickt die Welt, bevor die Welt ihn kickt."

Anmerkung zu den vier Lebensabschnitten: Die vier Lebensabschnitte sind ebenfalls von Swami Sivananda im Konzept der vier Lebensstadien sehr gut beschrieben worden. Die vier Lebensabschnitte gelten im Allgemeinen für Menschen, die nach dem Lebensabschnitt als Schüler, der etwa bis zum 20. bis 25. Lebensjahr dauert, eine Ehe eingehen. Diejenigen, die sich allerdings entschieden haben, Mönch zu werden, wechseln nach dem Lebensabschnitt als Schüler sofort in den Lebensabschnitt des Sannyasa und praktizieren sofort die Enthaltsamkeit. Ende Anmerkung.

Vishnu-Devananda: "Du kannst nicht immer ein Kind bleiben und mit Puppen spielen. Bald schon wirst du ein Teenager, tanzt und lauscht der Musik. Dann heiratest du, bekommst Kinder und erziehst deine Kinder. Eines Tages kommst du in den Ruhestand, der traditionell in Indien etwa mit 50 bis 60 Jahren vorgesehen war, und übergibst dein Haus, deinen Hof und deine Geschäfte an die Kinder, um in den dritten Lebensabschnitt, dass Vanaprashta, zu wechseln. Wenn man darauf vorbereitet ist, dürfte solch ein Wechsel keine Probleme bereiten. In der westlichen Welt dauert eine Ehe etwa 5 bis 6 Jahre. Dann möchte man den Partner wechseln. Die Eheleute sind müde, weil sie nicht sehen, was psychologisch geschieht. Denke darüber nach. Unser Leben ist sehr kurz und das Leben als Familienvater ist sehr flüchtig. Schon bald wirst du alt sein. Bevor deine Familie dich aus dem Haus wirft, bevor sie dir all dein Geld nehmen, sage, ich kündige, ich gehe, um eine Swami zu werden. Om Shanti."



Zitate von Swami Sivananda

Ich habe ein paar Zitate aus Swami Sivanandas Meisterwerk The Practice of Brahmacharya (Deutsch: Die Praxis des Brahmacharya entnommen:

"Durch gelegentliche Bemühungen kannst du kein perfektes Brahmacharya erlangen. Wie mit einem Maschiengewehr ist es notwendig, den mächtigen Feind zu besiegen. Regelmäßige Yogaübungen sind erforderlich, um die Sinneslust auszulöschen. Sei nicht allzu eitel, wenn du kleinere Erfolge im Zölibat errungen hast. Solltest du einmal auf die Probe gestellt werden, dann wirst du mit großer Sicherheit hoffnungslos versagen."

"Sexuelle Impulse können nur sehr schwer kontrolliert werden. Der sexuelle Impuls reagiert mit einer Rebellion, wenn man versucht, ihn zu kontrollieren. Konstantes Japa (Mantrameditation) oder andere Kontemplationstechniken, sind über einen längeren Zeitraum erforderlich, um die sexuelle Energie in spirituelle Kanäle zu leiten. Die vollständige Sublimation (Umwandlung) der sexuellen Energie in Ojas Shakti (spiritueller Energie) ist erforderlich."

"Yogische Praktiken, Meditation und so weiter, mildern den Strom der sexuellen Wünsche und dünnen ihn aus. Aber nur die Selbstverwirklichung allein, kann die sexuellen Wünsche und die Eindrücke im Unterbewusstsein komplett auslöschen."

"Sexuelles Drängen ist eine kreative Kraft. Ist man nicht von spirituellen Idealen inspiriert, dann ist es schwierig, die sexuellen Instinkte in Schach zu halten. Leite die sexuelle Energie in höhere spirituelle Kanäle. Dann werden sie sublimiert. Sie werden in göttliche Energie umgewandelt. Die vollständige Beseitigung der Sinneslust, kann nicht allein durch eigene Anstrengungen erfolgen. Sie kann nur durch die Gottes Gnade geschehen."

"Für einen befreiten Weisen, ist diese Welt voll von Brahman (Gott). Für einen leidenschaftlichen Mann, ist die Welt voller Frauen. Er verliebt sich in eine hölzerne Statue, wenn sie mit einem seidenen Kleid oder einem wunderschönem Tuch mit anziehend verzierten Bändern oder mit einem Petticoat bekleidet ist. Steht ein Mann unter dem Einfluss der Leidenschaft und Erregung, dann zerstört der Seximpuls sein Verständnis und seine Vernunft, überwältigt ihn und macht ihn vollkommen hilflos."

Mögt ihr alle das Absolute, durch die mutige Praxis des Brahmacharya, verwirklichen.

Swami Srinivasan, ein älterer Schüler von Swami Vishnu-Devananda, ist der Leiter des Sivananda Ashrams Yoga Ranch in Woodbourne, New York

Quelle: Brahmacharya