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Autobiographie von Swami Sivananda

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Inhaltsverzeichnis :

Vorwort des deutschen Herausgebers     Top

SivanandaSie halten in Ihren Händen ein Buch, das mehr ist als ein Buch: einen Schatz, der Ihr Inneres transformieren kann, so wie der sprichwörtliche Stein der Weisen Blei zu Gold verwandeln soll.

Hier schreibt der große indische Weise Swami Sivananda, wie er vom Normalbewußtsein zum Gottesbewußtsein gekommen ist. Und er tut dies ohne falsche Bescheidenheit und auch ohne Prahlerei, einfach ganz natürlich - so als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt, zur Erfahrung der Einheit zu gelangen. Und gerade diese Selbstverständlichkeit ist es, was Swami Sivananda immer am Herzen gelegen hat. Es ist das Geburtsrecht jedes Menschen, seine wahre Natur zu entdecken und auszudrücken. Und diese Natur ist göttlich - nach seiner Erfahrung wie auch nach der aller Mystiker verschiedenster Traditionen.

Warum also sollte man sein Leben damit verbringen, einen Teil des Vergänglichen wie Geld, Zeit und Energie zu opfern, um einen anderen Teil des Vergänglichen wie zum Beispiel ein Haus, eine Wohnung, Kleidung, Urlaubsreisen oder mehr Geld zu bekommen? Wenn es möglich ist, etwas zu erfahren, das ewig ist, das jenseits allen Leidens ist, das dem ganzen Leben Sinn gibt, dann sollte man sich darum bemühen, das zu erfahren. Und hier ist Swami Sivananda und schreibt: Ich habe es erreicht, du kannst es auch. Und er gibt wertvolle Hinweise, wie er diese Transformation des Bewußtseins erreicht hat, und wie er seine persönlichen Schüler ebenfalls dazu angeleitet hat. Nicht umsonst gilt Swami Sivananda als der Yogi dieses Jahrhunderts, der die meisten Schüler hatte, die selbst als Meister verehrt wurden und werden.

Das Wesen und Leben eines Yogis, eines Weisen, kann nicht in Jahreszahlen und äußeren Ereignissen festgemacht werden. So verzichtet Swami Sivananda weitgehend auf solche Äußerlichkeiten. Das Wesentliche ist die innere Transformation. Und diese beschreibt er meisterhaft. Er zeigt dabei die verschiedenen Hürden, Versuchungen und Hindernisse auf dem Weg. Besondere Schätze sind die Gedichte "Spirituelle Erfahrungen". Hier klingt die unmittelbare, eigene Erfahrung durch. Und eine innere Stimme sagt uns: "Ja, so ist es. Komm zu Mir, Deinem wahren Selbst".

Ohne mystisch werden zu wollen - dies ist kein Buch, das Sie schnell wieder zur Seite legen können. Sie müssen es immer wieder lesen und haben so das, was man in Indien "Satsang" nennt, die lebendige Gegenwart eines großen Meisters. Vielleicht werden Sie dabei spüren, was schon viele Leser dieses Buches erfahren haben: Swami Sivananda wird lebendig für Sie, er inspiriert Sie. Vielleicht spüren Sie sogar, daß Ihr Leben sich verändert, und der Meister auf subtile Weise Ihrem Leben eine neue Bedeutung gibt. Immer wenn Sie Führung brauchen, blättern Sie in diesem Buch. Sie werden auf wunderbare Weise Führung und Kraft spüren.

Der Übersetzerin, Siglinde Langer, sei herzlich gedankt, ebenso den Korrekturleserinnen Radha Attner und Mara Schultheis.

Oberlahr, Haus Yoga Vidya, Dezember 1999
Sukadev Volker Bretz 1. Vorsitzender Bund der Yoga Vidya Lehrer

VORWORT DES INDISCHEN HERAUSGEBERS     Top

Das Leben eines Heiligen ist ein Ideal zum Nacheifern, ein Vorbild für alle, die ihr eigenes Leben erheben möchten, ein offenes Buch, aus dem wir erfahren können, was ein gotterfülltes Leben bedeutet. Man mag sich noch so sehr bemühen, spirituelle Wahrheiten aus Schriften und Texten zu verstehen; erst wenn man tatsächlich einen Menschen erlebt, der diese Wahrheiten beispielhaft widerspiegelt, ist man bereit, gewillt und motiviert, sie tatsächlich im täglichen Leben auch umzusetzen.

Diesem Zweck dient dieses inspirierende Buch.
The Divine Life Society

DIE ERFAHRUNG SHIVAS     Top

Ich habe Gott in meinem eigenen Selbst gesehen.
Ich habe Name und Form verneint;
was bleibt, ist Sein-Wissen-Glückseligkeit - nichts sonst.
Ich erschaue Gott überall. Es gibt keine verhüllenden Schleier mehr.
Ich bin Eins. Es gibt keine Dualität.
Ich ruhe in meinem eigenen Selbst.
Meine Wonne ist unbeschreiblich.
Die Traumwelt ist vergangen. Ich allein bin.
Swami Sivananda

DIE BOTSCHAFT SHIVAS     Top

Erfreue dich am Guten.
Entschließe dich für den spirituellen Weg.
Sei geduldig.
Gehe langsam. Schreite voran.
Sei bedachtsam.
Setze durch.
Erkenne.
Verwirkliche: Ich bin die unsterbliche Seele.
Das ist die Lehre.
Das ist die Botschaft Shivas
Swami Sivananda

WIE GOTT IN MEIN LEBEN KAM     Top

Es wäre einfach, diese Frage etwa so abzutun: "Ja, nach langen, intensiven Askese- und Meditationsübungen im Swarg Ashram und nach dem Darshan (Sicht) und dem Segen mehrerer Maharishis (große Weise) erschien mir Gott in Gestalt von Sri Krishna."

Aber das wäre weder die volle Wahrheit noch eine ausreichende Antwort auf eine Gott betreffende Angelegenheit; Er ist unendlich, unbegrenzt und jenseits der Reichweite von Sprache und Geist.

Kosmisches Bewußtsein ist kein Zufall oder Glücksache. Es ist der über einen dornigen Pfad mit Stufen - schlüpfrigen Stufen - , erreichbare Gipfel. Ich erklomm den beschwerlichen Weg Schritt für Schritt; aber auf jeder Teilstrecke erlebte ich, wie Gott in mein Leben kam und mich leicht zur nächsten Stufe emporhob.

Mein Vater liebte Verehrungsrituale, die er sehr regelmäßig ausführte. Für meinen kindlichen Geist war das Bild, das er dabei verehrte, Gott. Ich half meinem Vater gern bei diesen Zeremonien und brachte ihm Blumen und andere Opfergaben. Aus der tiefen inneren Befriedigung bei diesen Ritualen wuchs in mir die starke Überzeugung, daß Gott in diesen Bildern war, die von seinen Verehrern so hingebungsvoll angebetet wurden. Auf diese Weise trat Gott in mein Leben und stellte meinen Fuß auf die unterste Sprosse der spirituellen Leiter.

Als Erwachsener liebte ich Gymnastik und Sport. Bei einem Lehrer, der einer niederen Kaste angehörte, lernte ich Fechten. Er war ein Harijan (Kastenloser). Als ich einige Tage zu ihm gegangen war, wurde ich darüber aufgeklärt, daß es sich für einen Brahmanen nicht zieme, Schüler eines Unberührbaren zu spielen. Ich dachte gründlich darüber nach. Einen Augenblick lang hatte ich das Gefühl, der Gott, den wir in dem Bildnis im Gebetsraum meines Vaters verehrten, wohne im Herzen dieses Unberührbaren. Er war mein Guru. Ich ging sofort mit Blumen, Süßigkeiten und Kleidern zu ihm, bekränzte ihn, legte ihm die Blumen zu Füßen und warf mich vor ihm nieder. So kam Gott in mein Leben, um den Schleier der Kastenunterschiede zu lüften.

Wie äußerst wertvoll dieser Schritt war, konnte ich wenig später feststellen, denn ich war dabei, den medizinischen Beruf zu ergreifen und allen zu dienen; Kastenunterschiede hätten diesen Dienst zur Farce gemacht. Nachdem sich dieser Nebel durch das Licht Gottes geklärt hatte, war es leicht und natürlich für mich, allen zu dienen. Jede Art von Dienen zur Heilung und Linderung menschlichen Leids machte mir große Freude. Wenn es ein gutes Rezept gegen Malaria gab, hatte ich das Gefühl, die ganze Welt müsse es sofort erfahren. Ich wollte alles über Krankheitsvorbeugung, Gesundheitsförderung und Heilung von Krankheiten lernen und alle an diesem Wissen teilhaben lassen.

Später in Malaysia kam Gott in Form der Kranken zu mir. Es ist jetzt schwierig für mich, ein besonderes Beispiel herauszugreifen; wahrscheinlich ist es auch unnötig. Zeit und Raum sind Vorstellungen des Geistes; sie haben keine Bedeutung vor Gott. Ich kann jetzt auf meine Zeit in Malaysia als einem einzigen Ereignis zurückblicken, in dem Gott in Gestalt der Kranken und Leidenden zu mir kam. Die Menschen sind krank an Körper und Geist. Für manche ist das Leben ein schleichender Tod; anderen ist er willkommener als das Leben; manche laden den Tod ein und begehen Selbstmord, unfähig, sich dem Leben zu stellen.

Wenn Gott diese Welt nicht nur als Hölle erschaffen hatte, in die schlechte Menschen geworfen wurden, um zu leiden und wenn es etwas über dieses Elend und diese hilflose Existenz hinaus gab – und ich fühlte intuitiv, daß es so sein müsse - , dann sollte man dieses andere kennenlernen und erfahren. Danach strebte ich immer mehr.

An diesem entscheidenden Punkt in meinem Leben kam Gott in Gestalt eines Wandermönchs zu mir, der mir die erste Unterweisung im Vedanta (Philosophie des Absoluten) erteilte. Die positiven Seiten des Lebens auf der Erde und der wirkliche Zweck und das Ziel des menschlichen Lebens wurden klar. Das zog mich von Malaya zum Himalaya. Nun kam Gott zu mir in Form einer allumfassenden Sehnsucht, Ihn als das Selbst aller Wesen zu erkennen.

Meditation und Dienst machten gute Fortschritte; dann kamen verschiedene spirituelle Erfahrungen. Körper, Gemüt und Intellekt als begrenzende Umstände schwanden und das ganze Weltall erstrahlte als Sein Licht. Gott kam in Form dieses Lichts, in dem alles göttliche Gestalt annahm. Die Not und das Leiden, die alle zu plagen scheinen, stellten sich als Fata Morgana heraus, als die aus Unwissenheit geschaffene Illusion aufgrund niedriger sinnlicher Wünsche.

Ein weiterer Meilenstein mußte erreicht werden, um wirklich zu wissen: "Alles ist Brahman". Anfang des Jahres 1950, am 8. Januar, kam Gott in Gestalt eines halb wahnsinnigen Angreifers zu mir, der den Abend-Satsang ("Zusammensein mit der Weisheit"; gemeinsame Meditation und Vorträge in spiritueller Gemeinschaft) im Ashram störte. Sein Attentat mißlang. Ich verbeugte mich vor ihm, verehrte ihn und schickte ihn nach Hause. Das Böse ist da, um das Gute zu verherrlichen. Das Böse ist nur äußerer Schein. Unter seinem Schleier leuchtet das Selbst in allem.

Hier muß ich eine bemerkenswerte Tatsache erwähnen. Nichts von dem bereits Erreichten verlor im Laufe dieser Entwicklung zu einem späteren Zeitpunkt an Wert. Man wuchs in die nächste Phase hinein; das Ergebnis war der Yoga der Synthese. Verehrung eines Götterbildes, Dienst an Kranken, Meditation, Pflege allumfassender Liebe, die die Grenzen von Kaste, Glaubensbekenntnis und Religion überwand, folgten aufeinander, um schließlich in den Zustand kosmischen Bewußtseins zu münden. Dieses Wissen mußte ich auf allen Stufen unmittelbar erwerben und all das mußte zuerst zu einem Bestandteil meines Wesens werden.

Die Mission hatte an Kraft und Reichweite zugenommen. 1951 unternahm ich meine Reise durch ganz Indien. Dabei kam Gott zu mir als Virat-Swarupa (Gott in seiner Manifestation als ganze Welt), als zahlreiche Anhänger, die die Grundsätze eines Lebens in Spiritualität erfahren wollten. An jeder Station fühlte ich, daß Gott durch mich sprach, Sich Selbst in Seiner kosmischen Gestalt vor mir ausbreitete als die Menge und mir zuhörte. Er sang mit mir, Er betete mit mir; Er sprach und Er hörte auch zu. "Sarvam Khalvidam Brahma - alles ist wahrlich Brahman". 

WAS DAS LEBEN MICH GELEHRT HAT (Swami Sivananda)     Top

Ich würde sagen, ich kam früh im Leben schlagartig zu dem Schluß, daß sich das Leben nicht in seinen äußeren Aktivitäten erschöpft, sondern daß etwas jenseits des menschlichen Auffassungsvermögens alles Sichtbare regeln und lenken müsse. Ich darf kühn sagen, daß ich begann, die Wirklichkeit hinter dem wahrzunehmen, was wir Leben auf der Erde nennen. Die Unruhe und fieberhafte Besorgnis, die dem gewöhnlichen Leben des Menschen anhaften, weisen auf ein höheres Ziel hin, das er früher oder später erreichen muß.

Wenn der Mensch in Selbstsucht, Gier, Haß und Lust verstrickt ist, vergißt er natürlich alles, was tiefer unter der Haut liegt. Materialismus und Skepsis herrschen vor. Er läßt sich von Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen und beginnt zu kämpfen und zu streiten; kurz, der Mensch wird unglücklich.

Der Arztberuf lieferte mir mehr als genug Beweise für die vielen Leiden dieser Welt. Da beglückte mich eine neue Vision und Sichtweise. Ich war zutiefst überzeugt, daß es einen Ort geben müsse - eine liebliche Wohnstatt voll ursprünglicher Herrlichkeit, Reinheit und göttlichen Glanzes - wo man sich auf ewig absoluter Sicherheit, vollkommenen Friedens und Glücks erfreuen kann. Daher zog ich mich in Übereinstimmung mit den Worten der Shrutis (die Veden; ind. Heilige Schrift) aus dem weltlichen Leben zurück - und fühlte, daß ich jetzt zur ganzen Welt gehörte.

Strenge Selbstdisziplin und Bußübungen verliehen mir genügend Kraft, mich unversehrt inmitten der Wechselfälle weltlicher Erscheinungen zu bewegen. Und ich fühlte allmählich, wie gut es für die Menschheit wäre, wenn ich diese neue Sichtweise mit allen teilen könnte. Mein Arbeitsinstrument dazu nannte ich "The Divine Life Society".

Die umwälzenden Ereignisse seit Beginn des 20. Jahrhunderts wirkten auf alle denkenden Menschen. Die Schrecken vergangener und möglicher neuer Kriege und das darauf folgende Leid berührte sie. Es war nicht schwer zu erkennen, daß die Leiden der Menschheit überwiegend auf ihre eigenen Taten zurückzuführen waren. Es wurde als notwendiges Gebot der Stunde empfunden, den Menschen ihre Irrtümer und Torheiten bewußt zu machen und sie zu einem Richtungswechsel zu bewegen, so daß sie ihr Leben auf würdigere Ziele ausrichten könnten.

Die Divine Life Mission mit ihrer Aufgabe, die Menschen vor den Kräften der niederen Natur zu retten und zum Bewußtsein ihrer wahren Einheit mit dem ganzen Kosmos zu erheben, entsprach diesem Bedürfnis. Ihr Ziel ist es, religiöses Bewußtsein zu wecken, die Menschen ihre grundlegende Göttlichkeit gewahrwerden zu lassen.

Religion kann man nicht durch bloßes Argumentieren oder Diskutieren lehren oder verstehen. Man kann niemanden allein durch Vorschriften oder feste Regeln religiös machen. Man braucht eine besondere Einstimmung auf sein weites Umfeld, die Fähigkeit, das Tiefste wie das Weiteste zu fühlen. Man braucht echte Zuneigung zur Schöpfung. Religion heißt Leben, nicht Reden oder Zeigen. Ich vertrete die Ansicht, daß man religiös sein kann, egal welchem Glauben man angehört und welchen Propheten man anbetet, unabhängig von Sprache, Land, Alter und Geschlecht, vorausgesetzt, man wendet jenen heiligen Begriff "Tapas" (Askese), der eigentlich jede Art von Selbstbeherrschung meint, im täglichen Leben an, soweit es im jeweiligen Umfeld und unter den eigenen Lebensbedingungen möglich ist.

Ich behaupte, daß wahre Religion die Religion des Herzens ist. Das Herz muß zuerst geläutert werden. Wahrheit, Liebe und Reinheit sind die Grundlage wirklicher Religion. Beherrschung der niederen Natur und des Geistes, Pflege von Tugenden, Dienst an der Menschheit, Wohlwollen, Kameradschaft und Freundschaft bilden die Grundlagen wahrer Religion. Die Grundsätze der Divine Life Society beinhalten diese Ideale. Und ich versuche, sie vor allem durch Beispiel zu lehren, was ich als gewichtiger erachte als alle Vorschriften.

Moderne Menschen haben weder die nötige Zeit noch die Geduld für strenge Askese und harte religiöse Praktiken. Viele davon halten sie sogar für Aberglauben. Um der heutigen Generation den Nutzen von echtem Tapas (Askese) im wirklichen religiösen Sinn zu vermitteln, ihr die wirkliche Bedeutung klarzumachen und sie von ihrer Wirksamkeit zu überzeugen, halte ich meine Fackel des "göttlichen Lebens" hoch. Divine Life ist ein System für ein Leben im Einklang mit ethisch-moralischen Grundwerten, das auf alle zugeschnitten ist, auf allen Stufen vom Einsiedler bis zum Angestellten und Arbeiter gleichermaßen praktiziert werden kann und für den Gelehrten wie den Bauern verständlich ist. Diese Religion ist nichts anderes als das, was den täglichen Pflichten eines Menschen ihre tiefere Bedeutung verleiht.

Die Schönheit göttlichen Lebens liegt in seiner Einfachheit und Anwendbarkeit auf den Alltag normaler Menschen. Es ist unerheblich, ob man zum Beten in die Kirche, die Moschee oder den Tempel geht; Gott hört alle ernsthaften Gebete.

Der durchschnittliche Sucher nach Wahrheit wird oft von den Launen seines Geistes getäuscht. Wer den spirituellen Weg einschlägt, wird irregemacht, bevor er das Ende seiner Reise erreicht. Natürlich kommt man auch in Versuchung, mit seinen Anstrengungen auf halbem Weg nachzulassen. Es gibt zahlreiche Fallen, aber wer sich beständig weiterschleppt, kann sicher sein, das Lebensziel zu erreichen, nämlich allumfassendes Sein, Wissen und Glückseligkeit. In allen meinen Schriften habe ich nachdrücklich auf die Beherrschung der aufgewühlten Sinne, die Unterwerfung des Geistes, die Reinigung des Herzens und das Erreichen von innerem Frieden und Stärke hingewiesen – entsprechend der jeweiligen Entwicklungsstufe.

Meinem Verständnis nach ist es die erste Pflicht des Menschen, geben zu lernen; wohltätig und in Fülle zu geben, mit Liebe und ohne irgendeine Belohnung zu erwarten, denn man verliert nichts, wenn man gibt – man erhält es in anderer Hinsicht tausendfach zurück. Wohltätigkeit erschöpft sich nicht im Schenken materieller Güter; zur Nächstenliebe gehören auch Zuneigung, Gefühl, Verständnis und Wissen. Wohltätigkeit bedeutet Selbstaufopferung auf verschiedenen Ebenen des eigenen Seins. Nächstenliebe im höchsten Sinn ist für mich gleichwertig mit Jnana Yajna, dem Opfer, das aus dem Studium und Nachdenken über die Schriften besteht.

In ähnlicher Weise meine ich, daß Güte in Sein und Tun das Fundament des Lebens bilden. Mit Güte meine ich die Fähigkeit, mit anderen zu fühlen, sich in das Leben und die Gefühle anderer hineinzuversetzen und so handeln zu können, daß niemand verletzt wird. Güte ist ein Ausdruck von Frömmigkeit. Ich glaube, es ist nicht leicht, wirklich, im innersten Herzen, gut zu sein, obwohl es rein theoretisch leicht erscheinen mag. Es ist eines der schwierigsten Dinge auf Erden, wenn man mit sich selbst ganz ehrlich ist.

Für mich gibt es keine physische Welt. Alles was ich sehe, ist für mich eine wunderbare Manifestation des Allmächtigen. Ich freue mich, wenn ich den Purusha (das höchste Wesen; Bewußtsein; Seele) erblicke, diesen SahasrarashirshaPurusha mit Tausenden von Köpfen, Augen und Füßen. Wenn ich Menschen diene, sehe ich nicht die Menschen, sondern Ihn, dessen Glieder sie alle sind. Ich lerne, bescheiden zu sein vor dem mächtigen Wesen, dessen Atem wir atmen und dessen Freude wir uns erfreuen. Ich glaube nicht, daß es darüber hinaus etwas zu lehren oder lernen gibt. Das ist die höchste Religion, der Inbegriff der Philosophie, die man wirklich braucht.

Meine Philosophie ist weder eine verträumte, subjektive, die Welt verneinende illusionistische Lehre noch eine grobe weltbejahende Theorie sinnorientierten Menschseins. Die Tatsache der Göttlichkeit des Universums, der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, der Einheit der Schöpfung mit dem Absoluten ist für mich die einzige Lehre, die es wert ist, in Betracht gezogen zu werden. Da das eine alldurchdringende Brahman (das Absolute) als das ganze Universum auf allen Manifestationsebenen erscheint, muß der Aspirant erst den niederen Erscheinungsformen huldigen, bevor er sich den höheren zuwendet.

Für den Entwicklungsprozeß zur idealen menschlichen Natur hin braucht man gute Gesundheit, klares Verständnis, tiefes Wissen, einen reinen machtvollen Willen und moralische Integrität.

Zu den Hauptbausteinen meiner Lebensphilosophie gehören: Sich anpassen und einfügen, Gutes in allem sehen und auf dem Weg zur Selbstverwirklichung alle natürlichen Anlagen ganzheitlich zu entfalten und so alle menschlichen Kräfte und Fähigkeiten möglichst wirksam zu nutzen. Für mich ist Philosophie nicht nur Liebe zur Weisheit, sondern tatsächlicher Besitz der Weisheit. In allen meinen Schriften habe ich Methoden zur Überwindung und Beherrschung der körperlichen, verstandesmäßigen, geistigen und energetischen Schichten des Bewußtseins beschrieben, um mit der spirituellen Praxis (Sadhana) zur Selbstvervollkommnung hin voranschreiten zu können.

Es ist mein Glaubensbekenntnis, Gott in jedem Wesen oder jeder Form zu sehen, Ihn überall, immer und in allen Lebenslagen zu fühlen und alles als Gott zu sehen, zu hören, zu schmecken und zu spüren.

Es ist mein Glaubensbekenntnis, in Gott zu leben, mit Gott zu verschmelzen, mich in Gott aufzulösen.

In dieser Einheit ruhend ist es mein Glaubensbekenntnis - wenn man es als solches bezeichnen kann - , Hände, Kopf, Sinne und Körper in den Dienst der Menschheit zu stellen, die Namen Gottes zu singen, Anhänger zu erheben, ernsthafte Aspiranten zu unterweisen und Wissen auf der ganzen Welt zu verbreiten.

Es ist mein Glaubensbekenntnis, ein kosmischer Freund und Wohltäter zu sein, ein Freund der Armen, Hoffnungslosen, Hilflosen und Gefallenen.

Es ist mein heiliges Glaubensbekenntnis, Kranken zu dienen, sie sorgfältig, mit Zuneigung und Liebe, zu pflegen, die Betrübten aufzuheitern, allen Kraft und Freude einzuflößen, mich mit jedem und allem eins zu fühlen und alle gleich zu behandeln.

In meinem höchsten Glaubensbekenntnis gibt es weder Bauern noch Könige, weder Bettler noch Herrscher, weder Männer noch Frauen, weder Lehrer noch Schüler. Ich liebe es, in diesem unbeschreiblichen Königreich zu leben, mich darin zu bewegen und mit meinem Wesen darin verankert zu sein.

Der erste Schritt ist oft der schwerste. Ist er einmal getan, wird der Rest leicht. Die Menschen brauchen mehr Mut und Geduld. Üblicherweise weichen sie aus, zögern und haben Angst. Das kommt daher, daß sie ihre wahre Pflicht nicht kennen. Ein gewisses Maß an Erziehung und Kultur ist erforderlich, um sich einen genügend klaren Begriff seiner Stellung in dieser Welt zu verschaffen. Unser Erziehungssystem bedarf der Überholung, denn jetzt bewegt es sich an der Oberfläche, ohne die menschlichen Tiefen zu berühren. Um dies zu erreichen, sollten Gesellschaft und Politik zusammenarbeiten.

Erfolg ist schwer ohne gegenseitige Hilfe. Kopf und Herz sollten sich ergänzen. Ideal und Wirklichkeit sollten in einem engen Verhältnis zueinander stehen. Arbeit in diesem Bewußtsein ist Karma Yoga. Der Herr hat diese Wahrheit in der Bhagavad Gita verkündet.

Ich bete darum, daß dieses höchste Ideal im täglichen Leben jedes Menschen in die Tat umgesetzt werde. Ich bete, daß der Himmel auf Erden herrschen möge. Das ist nicht nur ein Wunsch, sondern eine unleugbare Möglichkeit und Tatsache. Es ist zu verwirklichen, wenn das Leben die wahre Bedeutung erhält, die es haben sollte.


VORWORT (Sri N.C. Ghosh)     Top

Mit dieser schönen Biographie eines großen Gelehrten hat die Yoga Vedanta Forest University von Shivanandanagar Indien einen außerordentlichen Dienst erwiesen. Als typisches Produkt von Swami Sivanandas Genius verbindet das Buch eine eingehende Analyse seiner Erfahrungen mit einer tiefen, unmittelbar überzeugenden Aufrichtigkeit. Das ganze Buch ist erfüllt von der prophetischen Vision eines Sehers, eines selbstverwirklichten Menschen. Es hat eine so klare, poetische Ausdruckskraft, daß es der trockenen philosophischen Diskussion über das tiefgründigste Thema überhaupt neues Leben eingehaucht hat.

Indiens spirituelle Kultur wurde bereichert

Diese inspirierende Lebensgeschichte von Paramahamsa Swami Sivananda verherrlicht das kulturelle Erbe Indiens. Sie wird der ganzen Welt unermeßlich viel Gutes bringen, denn sie weist viele sonst für Biographien unübliche Merkmale auf. Die Feder des Meisters gibt uns Einblick in seine Persönlichkeit, Hinweise auf praktisch gelebte Spiritualität und eine Vorstellung des großen geistigen Erbes Indiens. Sie liefert auch eine Grundlage für allumfaßendes Verständnis und Liebe sowie einen beeindruckenden Überblick über die Gründung, Entwicklung und Tätigkeiten der Divine Life Society.

Mitten im Getöse und Getriebe des Atomzeitalters wirkt eine spirituelle Einrichtung wie die Divine Life Society fast wie ein Paradox. In ihr manifestiert sich das unendliche Absolute in Form menschenfreundlicher Arbeit und schöngeistiger Kultur; damit stellt sie sich den vielen abwärts gerichteten Tendenzen der modernen Zivilisation entgegen. Für die Öffentlichkeit gibt es selten Gelegenheit, sich aus erster Hand über die Aktivitäten dieser Einrichtung und ihren berühmten Gründer und Präsidenten zu informieren. Unter diesem Gesichtspunkt wird man das Buch äußerst praktisch und wertvoll finden. In gedrängter Form gibt es viele nützliche Informationen über ein Leben im Einklang mit der Natur, mit Gott, ein "göttliches Leben", und zeigt eine Perspektive auf, die die Aufmerksamkeit des Lesers bis zum Schluß fesselt. Der Autor beschreibt ebenso wunderbare wie lehrreiche Vorfälle und Ereignisse seines Lebens aus unmittelbarer Erfahrung. Leser mit einem Hang zur Religiosität werden viel Freude an diesem Buch haben, denn es enthält einen Schatz praktischer Lehren zur spirituellen Erhebung.

Der Verfasser erläutert die wichtigsten Merkmale der spirituellen Kultur Indiens für die vielen Leser, die im weltlichen Leben stehen, aber dennoch ein Leben im Einklang mit ihrer göttlichen Natur anstreben und nicht in der Lage sind oder keine Zeit haben, sich tiefgründig mit bedeutenden Schriften wie den Veden auseinanderzusetzen. Mit einem Wort, das Buch zeigt eine Göttlichkeit auf, die der Verehrer lieben, anbeten und in einem reinen Herzen pflegen sollte und erweckt so im Leser den Wunsch nach spiritueller Praxis (Sadhana).  

Eine vorbildliche Persönlichkeit

Zum Nutzen der Menschheit hat Swamiji versucht, durch zahlreiche Hinweise auf praktisches Sadhana das Buch zu einer Hilfe für alle Aspiranten zu machen. Diese Autobiographie spiegelt lebhaft wider, wie sehr sein großes Herz für die Millionen leidender Menschen in Indien und im Ausland schlägt und auf welche Weise er sein Vaterland erheben und wieder zu seiner einstigen Größe führen wollte. Wenn unsere Jugend die Anerkennung und Bewunderung der Welt gewinnen will, soll sie sich von dem bewundernswerten Leben Swami Sivanandas inspirieren lassen. Er ist nicht nur ein Seher und der größte Fackelträger des Vedanta (Philosophie des Absoluten) im Osten, sondern die Verkörperung alles Großen und Edlen im Leben. Seine magische Persönlichkeit, seine Lebenskraft und Ausdauer zeigen sich hier wunderschön. In schlichtem Stil gehalten, angereichert mit bewegenden Ereignissen, fesselt diese Autobiographie den Leser mit Sicherheit.

Die im Buch geschilderten neuartigen Methoden, Schüler auszubilden, werfen auch Licht auf unser eigenes spirituelles Leben. Christus sagte: "Wer mir folgt, wandelt in Dunkelheit, aber er wird das Licht des Lebens erlangen." Dieses Buch eines tiefgründigen Heiligen erhellt schlagartig die verschiedenen Aspekte der Wahrheit von der allumfassenden Einheit. Wir sind voller Bewunderung für Swamiji. Er schwimmt auf der Welle der Beliebtheit, weil die tiefsten philosophischen Wahrheiten so gut in anregende Geschichten verpackt und in einem so eingängigen, einfachen Stil geschrieben sind, daß sogar Anfänger die Lehren annehmen können. Anhänger, Jnanis (Gelehrte), Karma Yogis und andere werden sich über dieses Buch sehr freuen; es ist eine Goldgrube und führt den Leser in eine neue Welt voll Entzücken und Ekstase ein. Es schenkt genau das eine, das man braucht.

Sivananda - eine Weltmacht

Wenn Sivananda spricht, hört die Welt zu. Seine strahlende Persönlichkeit und unverfälschte, ursprüngliche Sicht, sein brillanter Verstand und sein allumfassendes Mitleid zusammen mit seinem ungestümen Drang, die Menschheit zu erheben, haben ihn zu einem wahrhaftigen Gottmenschen gemacht.

Swamiji sagt: "Mein Ziel und Ideal ist es, die Gefallenen zu erheben, die Blinden zu führen, mit anderen zu teilen, was ich habe, die Leidenden aufzuheitern, meinen Nächsten wie mein eigenes Selbst zu lieben, Frauen und Kinder und alle Lebewesen zu beschützen. Ich werde euch helfen und führen. Ich lebe, um euch allen zu dienen. Ich lebe, um euch alle glücklich zu machen. Dieser Körper ist zum Dienen geschaffen."

Das ist seine aufrüttelnde Botschaft an die Menschen im Atomzeitalter. Swamiji hat in Jahren harter Arbeit eine neue Welt geschaffen - "Ananda Kutir", die "Wohnstätte der Glückseligkeit" - , für den schnellen spirituellen Fortschritt aller nach Wahrheit Suchenden, für alle möglichen Neigungen, Charaktere und Entwicklungsstufen. Spirituelle Wahrheit ist ewig, aber sie muß in einem menschlichen Dasein wiederbelebt und sichtbar gemacht werden als lebendiges und leuchtendes Beispiel für uns alle. Das Leben von Swamiji ist ein langes, stilles Gebet, verbunden mit tatkräftigem Handeln in selbstlosem Dienst. Die Geschichte handelt von eifrigem spirituellem Streben und Dienst an der Sache der leidenden Menschheit, oft angesichts großer Prüfungen. Alle Besucher von Swamijis Ashram staunen über die große Hingabe und die wirkungsvollen Organisationstalente seiner Schüler unter dem Einfluß der Gnade des Meisters. Man kann ohne Zögern behaupten, daß Swamijis Mission auf gutem Weg ist, eine Weltkraft zu werden.

Die Geschichte von Paramahamsa Sivanandas Leben ist ein Lehrstück für praktizierten Glauben. Swamiji hat die Welt durch die Vielseitigkeit seines Wesens und seiner Fähigkeiten und seine zahllosen, unterschiedlichsten Beiträge zum Weltgeschehen in Erstaunen versetzt. Nachdem er Selbstverwirklichung erreicht hatte, bemühte er sich darum, diese Wahrheit weiterzugeben. Es gibt große Beispiele von SiddhaJnanis (selbstverwirklichte Vollkommene) in der Menschheitsgeschichte wie Buddha, Jesus Christus, Ramakrishna Paramahamsa und andere. Von seinem Wirken her gesehen personifiziert Swami Sivananda selbst den Idealtyp eines SiddhaJnani.  

Erfüllung der spirituellen Aufgabe Indiens

Es ist die Aufgabe Indiens, die Welt durch seine Spiritualität zu verändern. Indiens wahrer Auftrag ist es, seine spirituelle Botschaft in der Welt zu verbreiten. Diese Zeiten erfordern eine Veränderung in den Herzen. Wir wünschten uns die Freiheit, weil wir meinten, wir hätten bestimmte Wahrheiten zu verkünden; Botschaften, die nicht nur für Indien sondern für die ganze Welt von Nutzen sind. Indien sollte seine wahre, vornehme Mission erfüllen, indem es diese Botschaft verbreitet. Für diese Aufgabe geben uns gottverwirklichte Menschen wie Swami Sivananda die richtige Führung. So wie das Indien unter der Fremdherrschaft einen Gandhi brauchte, um es in die Freiheit zu führen, braucht das aufstrebende Indien einen Sivananda, um ihm sein kostbares Erbe bewußt zu machen und seine spirituelle Berufung wieder aufleben zu lassen.

Noch nie wurde eine Persönlichkeit wie er dringender gebraucht als heute, wo die Welt bis an die Zähne mit Atomwaffen ausgerüstet am Rand eines selbstmörderischen Krieges steht. Er ist sozusagen eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Wenn jemand namhaft zum Frieden und zur spirituellen Erhebung der Menschheit beitragen kann, dann ist es sicher Sivananda.

Obwohl in Indien Armut und Elend herrschen, sind die Inder glücklich, weil sie immer noch berühmte lebende Heilige wie Swami Sivananda haben. Er ruft eindringlich dazu auf, das Glück der Seele anstelle materieller Vergnügungen zu suchen. Er ist ein Heiliger mit einer internationalen Sichtweise und einer der Pioniere, die die Yogapraktiken aus ihrer klösterlichen Abgeschlossenheit befreit und für gewöhnliche Menschen zugänglich gemacht haben. Er verliert sich nicht in meditativem Rückzug, um Erkenntnis zu erlangen. Er ist ein Heiliger für die Massen. Er ist zu uns gekommen mit der Berufung, die Wahrheit in der Lüge aufzuzeigen, Licht ins Dunkel zu bringen und Unsterblichkeit in dieser vergänglichen Welt zu begründen. Mit einem Wort, er ist ein moderner Prophet für die ganze Welt. Geht einfach in den malerischen Sivananda-Ashram in Rishikesh zu Füßen des majestätischen Himalayagebirges, wo zwischen dem Ganges im Vordergrund und dem Vishvanath Mandir (Shivatempel) im Hintergrund eine Kolonie Heiliger unter der göttlichen Führung von Swami Sivananda für das Wohlergehen der Menschheit lebt und arbeitet und unterzieht euch einer gründlichen körperlichen, geistigen und seelischen Erneuerung.  

Sivanandas Errungenschaften

Die Divine Life Society wurde von Seiner Heiligkeit 1936 gegründet und dient heute der Menschheit durch die Verbreitung von Wissen und die Unterweisung von Aspiranten im Yoga und Vedanta an der Yoga VedantaForest University. Ich möchte in aller Bescheidenheit die Aufmerksamkeit der Welt auf diesen lebenden Heiligen und Weisen lenken, der immer bereit ist, jedem ernsthaften Wahrheitssuchenden seine helfende Hand zu reichen. Seine Einrichtung ist einzigartig, denn sie ist das große Geschenk eines göttlichen Wesens, das paradoxerweise das kosmische Bewußtsein eines Weisen, die Tatkraft eines Unternehmers, den Wagemut eines Abenteurers und eine neue, erfrischende Annäherung an die Religion in sich vereint. Sie verbindet sehr schön das Wesentliche der verschiedenen Wege, Gott zu sehen und sich ihm zu nähern.

Die beiden aufsehenerregenden Ereignisse in Swami Sivanandajis Leben sind seine Reise durch Indien und Sri Lanka im Jahr 1950 und das 1953 von ihm einberufene Parlament der Religionen. Es verwundert nicht, daß ihm überall auf seiner Reise ein warmer Empfang zuteil wurde. Er hielt Vorträge an mehreren Universitäten und Lehrkörpern, in denen er vor allem über allumfassenden Frieden und die hinduistische Philosophie sprach. Durch sein umfassendes Wissen und seine zum Nachdenken anregenden Bemerkungen gewann er die Hochachtung aller Zuhörer.

Als am 3. April 1953, einem gesegneten Tag für Indien, das Weltparlament der Religionen feierlich eröffnet wurde, begann ein neues Kapitel im Sivananda Ashram. In der Tat war es das erste Mal in der Geschichte des Landes, daß so viele hervorragende Männer und Frauen aus verschiedenen Teilen der Welt auf indischem Boden verweilten. Dieses Parlament wird zweifellos von den Philosophen und anderen Intellektuellen der Welt zu den größten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts gezählt werden.  

Der magnetische Einfluß von Sivanandas Leben

Die menschliche Sprache ist ein völlig unzureichendes Mittel zur Beschreibung übersinnlicher Wahrnehmungen. Der Leser wird in diesem Werk viele Visionen und Erfahrungen jenseits von Physik und Psychologie erwähnt finden. Mit der Weiterentwicklung des modernen Wissens verschiebt sich die Grenzlinie zwischen Natürlichem und Übernatürlichem ständig. Echte mystische Erfahrungen sind heutzutage nicht mehr so verdächtig wie vor einem halben Jahrhundert. Die Worte von Swami Sivananda haben in seinem Heimatland bereits einen gewaltigen Einfluß ausgeübt. Gelehrte aus Europa haben in seinen Worten den Widerhall universeller Wahrheit entdeckt. Aber seine Worte sind nicht das Ergebnis verstandesmäßiger Überlegungen; sie wurzeln in unmittelbarer Erfahrung. Daher sind diese Erfahrungen des Meisters für Religions-, Psychologie- und Physikstudenten von ungeheurem Wert zum Verständnis religiöser Erscheinungen ganz allgemein.

Swami Sivananda ist ein aufsteigender Stern am spirituellen Firmament. Er ist eine lebendige Verkörperung von Frömmigkeit und seine Botschaft breitet sich weitherum aus. Es gibt bereits ein Netzwerk von Zweigstellen der Divine Life Society in ganz Indien und im Ausland. Tausende haben Trost in seinen Lehren gefunden und erfahren, wie die wundertätige Kraft von Swamiji ihnen materielle und spirituelle Hindernisse aus dem Weg geräumt hat. Die erhabenen Ideale von Frieden und Harmonie, die Seine Heiligkeit in seinem Leben beispielhaft verwirklicht, sind heute zum Schlagwort einer Weltinstitution wie der Vereinten Nationen geworden. Er wird als ebenbürtig mit Krishna, Buddha und Jesus angesehen.

Der Dienst an der Menschheit war stets seine brennende Leidenschaft; sein ganzes Bestreben richtete sich mit allen erdenklichen Mitteln darauf. Die weltbekannte Yoga VedantaForest University hat über 200 seiner Bücher über verschiedene fesselnde Themen veröffentlicht, aber das vorliegende Buch ist ein so großartiges Epos, daß es alle früheren Publikationen in den Schatten stellt. Es ist ein Abbild der einzigartigen indischen Kultur, Tradition und Würde. Große spirituelle Wahrheiten werden in einfachen Worten und lebendigen Geschichten beschrieben, Religionskonflikte im Licht unmittelbarer Erfahrung gelöst. Auf diesen Seiten wird jeder Mensch, egal welcher Glaubensrichtung, Mut, Vertrauen, Hoffnung und Erleuchtung finden. Swamijis Leben ist ein Versuchslabor für religiöse Experimente. Seine Botschaft ist eine stille Kraft, die das Nationalbewußtsein Indiens belebt, ein Vorläufer eines neuen Zeitalters des Lichts und Verständnisses für die ganze Welt.

Massen von Menschen - Männer und Frauen, Junge und Alte, Gebildete und Ungebildete, Agnostiker und Strenggläubige - , haben sich um ihn geschart, angezogen von seiner unwiderstehlichen geistigen Kraft. Alle spürten die Ausstrahlung seines Geistes und werden durch seine Gegenwart emporgehoben. Seine Liebe kennt keine Grenzen von Rasse, Hautfarbe oder Glaubensrichtung; er gibt rückhaltlos allen, die ihn suchen.

Ich bin sicher, alle Erdenpilger werden das nötige "göttliche Elixier" in den folgenden Seiten finden in einer Zeit, in der es in dieser materialistisch beherrschten Welt so dringend benötigt wird. Dieses Buch enthält inspirierende Botschaften für jeden Tag des Jahres und jede Botschaft hinterläßt einen bleibenden Eindruck im Leser und kann zu einem Wendepunkt seines Lebens werden.


1. KAPITEL - ICH BIN GEBOREN     Top

Die gesegnete Vorgeschichte - Shri Dikshitar

Auf dieser gesegneten Erde, von der allein aus man nach Befreiung streben und sie erreichen kann, in die sogar Devas (Götterwesen) hineingeboren werden wollen und müssen, um endgültige Seligkeit zu erlangen, erscheinen von Zeit zu Zeit einige wenige Mahatmas (große Seelen), deren einzige Bestimmung im Leben es ist, rundherum Liebe, Licht, Freude und Barmherzigkeit auszustrahlen, den Armen und Hilflosen zu dienen, den Hoffnungslosen und Niedergeschlagenen Trost zu spenden, die Unwissenden aufzuklären, spirituelles Wissen unter den Menschen zu verbreiten und der leidenden Menschheit ungetrübtes Glück zu bringen. Das sind die Heiligen und Weisen, Arhats (vollkommene Seelen) und Buddhas, Fakire und Bhagavatas, die die Erde zu verschiedenen Zeiten an verschiedensten Orten geziert haben. In der Bhagavad Gita heißt es:

"Nachdem er die Welt der Rechtschaffenen erlangt und sich dort eine Ewigkeit lang aufgehalten hat, wird der, der vom Yoga abgekommen ist, in einem reinen und gesegneten Haus wiedergeboren. Oder er wird sogar in einer Familie weiser Yogis geboren; aber eine solche Geburt ist in dieser Welt sehr schwer zu erreichen." (Kap. VI, 41-42)

Shri Appaya Dikshitar war ein solcher Mensch. Er wurde in Adaipalam bei Arni im Bezirk Nord-Arcot geboren. Ich hatte das Vorrecht, der Familie eines so bedeutenden Heiligen anzugehören.   

Ein Riese unter Genies

Shri Appaya Dikshitar, einer der größten Namen in der Geschichte Südindiens, ist der angesehene Verfasser von mehr als 104 Sanskrit-Werken über verschiedene Wissensgebiete. Seine Werke über Vedanta zeugen von seinem hohen intellektuellen Niveau. Alle Vedanta-Schulen haben sich von seinen einzigartigen, unvergleichlichen Werken anregen lassen. Von seinen philosophischen Arbeiten ist "Chaturmatasarasangraha" zu Recht berühmt für seine Gleichbehandlung der Lehrsätze der vier großen Schulen, Dvaita, Vishisht-advaita, Shiva-advaita und Advaita, denen seine Begriffe "Nyayamuktavali", "Nyamayukhamalika", "Nyayamanimala" und "Nyayamanjari" (die zusammen das Chaturmatasarasangraha bilden) entsprechen.

Auf fast allen Gebieten der Sanskritliteratur, Dichtung, Rhetorik und Philosophie war er unerreicht, nicht nur unter seinen Zeitgenossen, sondern auch unter Gelehrten mehrerer Jahrzehnte vor und nach ihm. "Kuvalayananda" gilt allgemein als eines der besten Werke über Rhetorik. Seine Gedichte zur Lobpreisung Shivas sind bei Shiva-Anhängern sehr beliebt. Unter dem Titel "Parimala" hat er auch einen gelehrten Kommentar über den Vedanta verfaßt; er ist ein einzigartiges Denkmal philosophischer Gelehrsamkeit.

Shri Appaya Dikshitar besaß einen scharfen Verstand. Er wurde bereits zu Lebzeiten verehrt und genießt auch heute noch große Achtung. Einmal besuchte er ein Dorf, den Geburtsort seiner Frau. Die Dorfbewohner, die stolz darauf waren, ihn einen der Ihrigen nennen zu können, bereiteten ihm einen großartigen Empfang. Es herrschte große Aufregung: "Der große Dikshitar kommt zu uns."

Der berühmte Gast wurde von einer großen Menschenmenge begrüßt, die zusammengeströmt war, um einen Blick auf den "Löwen des Vedanta" zu erhaschen. Eine neugierige alte Dame kam, auf ihren Stock gestützt, um das "Phänomen" zu sehen. Mit Rücksicht auf ihr Alter ließ die Menge sie nach vorne durch. Sie starrte Shri Appaya eine Weile lang an. Schwache Erinnerungen an ein bekanntes Gesicht gingen ihr durch den Kopf. Sie grübelte: "Ich muß dieses Gesicht schon einmal irgendwo gesehen haben" und rief plötzlich: "Warten Sie, oh ja, sind Sie nicht der Ehemann von Achcha?" Der große Gelehrte bestätigte ihre Vermutung mit einem Lächeln. Die Dame ging enttäuscht nach Hause zurück und bemerkte: "Was für ein Aufhebens sie machen - dabei ist es nur der Mann von Achcha!" Sri Appaya verewigte diesen Vorfall in einem halben Vers und drückte darin eine Welt von Weisheit aus: "Asmin Grame Achcha Prasiddha" - "In diesem Dorf gebühren Ruf und Vorrang Achcha."

Eine bedeutende spirituelle Persönlichkeit

Shri Appaya gilt bei vielen als Avatar (Inkarnation) von Shiva. Als er zum Tempel von Tirupati in Südindien kam, verweigerten die Vaishnavas (Anhänger Vishnus) ihm als einem Shaiva (Shiva-Verehrer) den Zutritt. Aber siehe da! Am nächsten Morgen hatte sich die Vishnu Murti (Bild, Statue) in einen Shiva verwandelt! Der Tempelvorsteher war verblüfft, bat Dikshitar um Verzeihung und flehte ihn an, die Murti wieder in Vishnu zurückzuverwandeln, was der große Heilige selbstverständlich tat.

Shri Dikshitar lebte Mitte des 16. Jahrhunderts. Auf dem Gebiet der Dichtung machte er dem Gelehrten Jagannatha Konkurrenz. Er vertrat keine von der Vedanta-Lehre Shankaras abweichenden Ansichten, trug aber hitzige Auseinandersetzungen mit Vallabha-(Name eines Vaishnava-Heiligen, der die Shuddhadvaita-Philosophie begründete) Anhängern in Jaipur und anderswo aus. Sein Werk "Siddhantalesha" ist die vortrefflichste Übersicht über die lehrmäßigen Meinungsverschiedenheiten unter den Nachfolgern Shankaras. Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten und Gelehrten, die Indien je hervorgebracht hat. Es gibt zwar keine eingehende Überlieferung seiner Lebensgeschichte, aber seine Werke zeugen ausreichend von seiner Größe.

Mein Geburtsort

Pattamadai ist ein reizender Ort inmitten grüner Reisfelder und Mangohaine, zehn Meilen von Tinnevelly in Tamil Nadu gelegen. Der Kanadiankal, ein schöner Arm des Tambraparni, umfließt Pattamadai wie eine Girlande, ähnlich wie der Sarayu oder Kaveri Ayodhya oder Srirangam einrahmt. Der Tambraparni wird auch Dakshina Ganga (Ganges des Südens) genannt. Er fließt durch felsiges, kupferhaltiges Gestein, nach dem er seinen Namen erhielt (Tambra bedeutet Kupfer). Sein Wasser ist frisch und gesund. Pattamadai ist bekannt für die Herstellung sehr schöner Strohmatten. Die seidenähnliche Matte, die in der Sivananda-Sammlung ausgestellt ist, wird allgemein sehr bewundert.

Mein Vater, Shri P.S. Vengu Iyer von Pattamadai war ein Nachkomme von Shri Appaya Dikshitar. Er war der Schatzmeister des Ettiapuram-Fürstentums, eine tugendhafte, reine Seele, ein Shiva-Anhänger und ein Jnani (Weiser). Der Herrscher von Ettiapuram und die Öffentlichkeit allgemein verehrten ihn. Die Leute pflegten zu sagen: "Vengu Iyer ist ein Mahan, ein Maha Purusha (große Seele, Meister)." Richter Subramania Iyer war einer seiner Schulkameraden und brachte ihm höchste Achtung entgegen. Mein Vater vergoß Freudentränen -Ananda-bhashpam- , wann immer er "Shivoham, Shivoham" (ich bin Shiva) aussprach. Sein Großvater, Pannai Subbier, war ein bedeutender Grundbesitzer von Pattamadai.

In Pattamadai gibt es eine ausgezeichnete höhere Schule, die der gelehrte, inzwischen verstorbene Ramashesha Iyer gegründet und geleitet hatte. Alle Einheimischen von Pattamadai haben ein gutes Gehör für Musik und können gut singen. Pattamadai hat viele hervorragende Musiker hervorgebracht. Ich wurde als dritter Sohn von Srimati Parvati Ammal und P.S. Vengu Iyer am Donnerstag, dem 8. September 1887 bei Sonnenaufgang, im Aszendenten des Sterns Bharani, geboren. Mein ältester Bruder, Shri P.V. Viraraghava Iyer, war der persönliche Assistent des Radschahs von Ettiapuram. Mein anderer Bruder, Shri P.V. Sivarama Iyer, war Inspektor bei der Post. Mein Onkel Appaya Sivam war ein bedeutender Sanskritgelehrter. Die Leute im Bezirk Tinnevelly verehrten ihn sehr. Er hat viele philosophische Bücher auf Sanskrit geschrieben. Meine Eltern gaben mir den Namen Kuppuswamy.

In meiner Jugend besorgte ich immer Blumen und Baelblätter, flocht schöne Kränze und half meinen Eltern bei der Shiva Puja (Verehrungsritual).

Entwicklungsphase

Als Schoßkind in einer Familie von Heiligen und Philosophen genoß ich eine sehr gute Erziehung. Die Leute und der Radschah (Herrscher) von Ettiapuram bewunderten meine Kondition, meinen gesunden, starken Körper sowie meine angenehmen Umgangsformen und positiven Eigenschaften. Ich war von Natur aus kühn, mutig, sorglos und liebenswürdig. Besonders in den Dörfern gab es früher gar keinen Raum für Entstehung schlechter Gewohnheiten. Umgebung und Atmosphäre waren höchst förderlich für Erziehung und Kultur. Als Junge war ich außergewöhnlich lebhaft und umtriebig.

Noch heute erinnere ich mich genau daran, wie ich auserwählt wurde, die Begrüßungsansprache vorzulesen, als Lord Ampthill, der damalige Gouverneur von Madras, 1901 zur Jagd in die Kurumalai-Berge kam. Ich sang auch ein schönes englisches Willkommenslied auf dem Bahnsteig von Kumarapuram bei Koilpatti. Bei der jährlichen Preisverteilung in der Schule erhielt ich gewöhnlich viele Bücher als Geschenke. Einmal bekam ich sogar eine wertvolle Gesamtausgabe von Shakespeares Werken und Macaulays Reden und Schriften. 1903 legte ich die Abschlußprüfung an der höheren Schule von Ettiapuram ab. Dann trat ich in das "S.P.G. College" in Trichinopoly ein, das von dem Geistlichen und späteren Bischof H. Packenham Walsh geleitet wurde.

Am College interessierte ich mich für Theateraufführungen. 1905 spielten wir den "Mittsommernachtstraum" von Shakespeare, bei dem ich die Rolle der Helena übernahm. Die Madurai- Tamil-Sangam-Prüfung bestand ich ehrenvoll. Ich wählte den medizinischen Zweig und gab drei Jahre lang eine medizinische Zeitschrift mit dem Namen "Ambrosia" heraus. Ich war ausgesprochen ehrgeizig und begeisterungsfähig.

In der Schule war ich ein ungeheuer fleißiger Junge. Während meiner Studienzeit am Medizinischen Institut in Tanjore fuhr ich in den Ferien nie nach Hause. Ich verbrachte die ganze Zeit im Krankenhaus. Ich hatte freien Zutritt zum Operationssaal. Ich war einmal hier, einmal dort und erwarb so chirurgische Kenntnisse, wie sie normalerweise nur Studenten höherer Semester besaßen. Ein alter Assistenzchirurg mußte sich einer Prüfung unterziehen; er gab mir seine Lehrbücher, um sie ihm vorzulesen. Dadurch konnte ich mich an theoretischem Wissen mit älteren Studenten messen. Ich war in allen Fächern der Beste.

Ich hatte von einem sehr engagierten Assistenten am Mannargudi-Krankenhaus gehört. Ich wollte werden wie er. In aller Bescheidenheit darf ich erwähnen, daß ich ein größeres Wissen besaß als viele Ärzte mit angesehenen Titeln. Meine Mutter und meine Brüder wollten mich dazu überreden, in ein anderes Fach zu wechseln, aber ich hielt unerschütterlich an meinem Entschluß fest, denn ich hatte eine große Vorliebe für die Medizin. Meine ganze Freizeit verbrachte ich mit dem Studium aller möglichen medizinischen Bücher.

Im ersten Studienjahr an der Medical School konnte ich bereits Prüfungsfragen beantworten, die andere nicht einmal im letzten Jahr wußten. Ich übertraf die Klasse in allen Fächern. Im ersten Jahr studierte ich Oslers Heilkunde bei Dr. Tirumudi Swami. Das bedeutete ein außergewöhnliches Vorrecht für mich. Lieutenant-Colonel Hazel Wright mochte mich gern. Dr. Jnanam lobte mich als Zierde der Institution. Sogar in den Ferien arbeitete ich im Krankenhaus und lernte viel Neues dabei.

Ich kam auf die Idee, eine medizinische Zeitschrift ins Leben zu rufen und arbeitete sofort die Einzelheiten aus. Meine Mutter gab mir hundert Rupien für die Anlaufkosten. Ich bat ayurvedische Ärzte um Beiträge über Ayurveda. Ich selbst schrieb Artikel zu verschiedenen Themen und veröffentlichte sie in der neuen Zeitschrift, die ich "Ambrosia" nannte, unter mehreren Pseudonymen.

Nach ihrem ersten Erscheinen im Jahr 1909 gewann die Zeitschrift rasch an Beliebtheit. Berühmte Leute begannen, Beiträge dafür zu schreiben. Einmal wollte meine Mutter ein Fest feiern und brauchte ungefähr 150 Rupien, um die Ausgaben zu decken. Ich konnte ihr sofort mit diesem Betrag aushelfen.

"Ambrosia" wurde vier Jahre lang erfolgreich verlegt, bis ich nach Malaysia aufbrach. Sie hatte Halbquartformat, 32 Seiten pro Ausgabe und eine gefällige Aufmachung. Ihre Themen waren interessant und für praktizierende Ärzte sehr nützlich. In den Seiten von "Ambrosia" war ein deutlicher spiritueller Hauch zu spüren. Im Unterschied zu anderen medizinischen Zeitschriften wurzelte sie in den Lehren der alten Weisen. Spiritualität lag schon in meiner Jugend in meiner Natur.   

Prüfungen im Leben

Die Zeitschrift allein befriedigte mich nicht. Ich wollte eine Stelle annehmen, zu meinem eigenen Lebensunterhalt und um der Zeitschrift finanziellen Rückhalt zu verschaffen. Daher verließ ich Trichinopoly und trat in Madras in Dr. Hallers Apotheke ein. Hier mußte ich die Bücher führen, Arzneien zubereiten und ausgeben und Patienten versorgen. Ich mußte harte Arbeit leisten. Ich erledigte alles und fand trotzdem noch Zeit für die Redaktion und Auflage von "Ambrosia". Ich brachte alte Ausgaben aus Trichinopoly mit und verteilte sie an hohe Beamte und einflußreiche Leute, um ihre Unterstützung zu gewinnen. Ich beschloß, woanders eine bessere Stelle zu suchen. Schließlich entschied ich mich, mein Glück in Malaya (dem heutigen Malaysia) zu versuchen und schrieb an Dr. Iyengar, einen Freund, der vorher in der Nähe von Dr. Haller praktiziert und sich später in Singapur niedergelassen hatte, daß ich plante, nach Malaysia zu kommen und verließ Madras mit dem Dampfschiff "Tara".

Ich war nicht an so lange Reisen gewöhnt. Ich hatte keine Ahnung, welche Nahrungsmittel ich mitnehmen, was für Vorbereitungen ich für meine Laufbahn in Malaysia treffen sollte und wieviel Geld ich brauchen würde. Ich packte meine Sachen und nahm auch ein großes Paket Süßigkeiten mit, die meine Mutter liebevoll für mich vorbereitet hatte. Ich gehörte einer strenggläubigen Familie an und hatte Bedenken wegen des nichtvegetarischen Essens an Bord. Als ich jung war, hatte ich eine große Vorliebe für Süßspeisen. Während der Reise schaffte ich es, mich davon zu ernähren und trank viel Wasser dazu. Da ich an eine solche Kost nicht gewöhnt war, kam ich halbtot in Singapur an!

Es war ein kühnes, verwegenes Abenteuer, sich in die hohe See der Ungewißheit zu stürzen. Ich hatte kein Geld, auf das ich im Falle eines Sinneswandels oder Scheiterns meiner Erwartungen hätte zurückgreifen können. Aber ich war voll riesiger Hoffnungen und sprang ins kalte Wasser, um mein Schicksal herauszufordern. Willensstärke und eiserne Entschlossenheit trugen viel dazu bei, mein Leben und meine spirituelle Entwicklung zu formen. Keine vielversprechende Stellung wartete auf mich in den fernen Sümpfen von Malaysia; ich war völlig unbekannt und besaß weder Freunde noch eine finanzielle Absicherung. Ich mußte ganz von vorne anfangen und zu Beginn gegen enttäuschende Rückschläge ankämpfen. Aber später entwickelte sich alles zu meinem Vorteil und meine Stellung festigte sich.

Gleich nach der Ankunft ging ich zu Dr. Iyengar. Er gab mir ein Empfehlungsschreiben an einen seiner Bekannten, Dr. Harold Parsons, einen praktischen Arzt in Seremban, der Hauptstadt von Negri Sembilan. Als ich in Seremban ankam, stellte sich heraus, daß Dr. Parsons gerade nicht da war. Inzwischen war das wenige Geld, das ich gehabt hatte, aufgebraucht. Ich war höchst zuversichtlich, eine Stelle zu bekommen. Dr. Parsons selbst brauchte keinen Assistenten. Aber ich konnte ihn so beeindrucken, daß er mich bei A.G. Robins einführte, dem Direktor einer nahegelegenen Gummiplantage mit einem eigenen Krankenhaus.

Zu meinem Glück brauchte Herr Robins gerade einen Assistenten für das Krankenhaus der Plantage. Er war ein schrecklicher Mensch mit einem heftigen Temperament, ein Riese von einem Mann, groß und kräftig. Er fragte mich: "Können Sie ein Krankenhaus ganz allein leiten?" Ich antwortete: "Ja, sogar drei." Er stellte mich sofort ein. Ein dort lebender Inder hatte mir gesagt, ich solle - in Übereinstimmung mit ihrer Politik - die Stelle nicht unter 100 Dollar im Monat annehmen. Herr Robins stimmte einem Anfangsgehalt von 150 Dollar zu.

Der für das Krankenhaus verantwortliche Arzt war gerade weggegangen und man erzählte mir, er sei nicht besonders fachkundig gewesen. Ich erwarb mir schnell einen guten Überblick über die Krankenhausausstattung und den Vorrat an Arzneimitteln. Die Arbeit nahm mich ganz in Anspruch. Auch hier wartete harte Arbeit auf mich. Ich mußte Arzneien herstellen und ausgeben, Bücher führen und persönlich Patienten betreuen, wie schon bei Dr. Haller in Madras. Ungewohnte Belastungen begannen, sich auf mich auszuwirken und nach einer Weile war mir danach, die Stellung aufzugeben, aber Herr Robins ließ mich nicht gehen.

Als ich später im Johore Medical Office arbeitete, nutzten meine Assistenten meine Güte und Nachsicht über Gebühr aus und erfüllten ihre Pflichten nur sehr nachlässig. Ich mußte ihre ganze Arbeit ebenfalls erledigen. Dabei konnte ich mich nicht einmal über zuviel Arbeit beklagen, aus Furcht, daß mein Arbeitgeber dann streng mit ihnen ins Gericht gehen würde. Das Problem der Überlastung dauerte während der ganzen Zeit in Malaysia an; trotzdem machte ich weiter.

Ich war fast sieben Jahre im Gutskrankenhaus bei Seremban tätig, danach wechselte ich nach der Rückkehr von Dr. Parsons aus dem Kriegsdienst auf sein Betreiben ans Johore Medical Office. In Johore arbeitete ich drei Jahre lang, bevor ich mich von allen weltlichen Betätigungen zurückzog.

In Malaysia kam ich mit vielen armen einheimischen und vertraglich verpflichteten ausländischen Arbeitern sowie mit den örtlichen Bewohnern unmittelbar in Berührung. Ich lernte malayisch und sprach mit den Einheimischen in ihrer Muttersprache.

Ich half den Plantagenarbeitern sehr gut und war bei allen beliebt. Ich gewann gleichermaßen die Wertschätzung meines Arbeitgebers und der Beschäftigten. Ich diente immer gern. War ich diesen Moment gerade im Krankenhaus, so war ich im nächsten Augenblick bei einem armen Kranken zu Hause, um ihm und seiner Familie zu helfen. Dr. Parsons war Aufsichtsarzt des Gutskrankenhauses und schätzte mich sehr. Ich unterstützte ihn auch bei seiner privaten Arbeit. Ab und zu verwendete ich mein Einkommen, um Freunden und Patienten zu helfen. Ich ging sogar soweit, einige meiner eigenen Wertsachen zu verpfänden.

Sowohl für die Unternehmensleitung wie für die Arbeiter war ich ein Vertrauter. Wenn die Straßenkehrer streikten, kam der Plantagendirektor gewöhnlich nur zu mir. Ich ging dann von einer Partei zur anderen, um zu vermitteln. Über meine eigene Arbeit hinaus besuchte ich andere Krankenhäuser und erwarb besonders bakteriologische und andere Fachkenntnisse.

Es gab damals nicht ein einziges verfügbares englisches Buch über Medizin, das ich nicht gelesen und verarbeitet hätte. Darüber hinaus half ich auch noch meinen Assistenten und unterrichtete sie täglich eine Weile, um sie dann mit einem Empfehlungsschreiben an andere Krankenhäuser zu schicken, wobei ich ihre Fahrtkosten und einen Betrag für Notfälle aus eigener Tasche bezahlte. Bald war ich in Seremban und Johore Bahru bekannt. Der Bankdirektor verpflichtete mich zu Dank, indem er meine Schecks jederzeit, sogar an Feiertagen, einlöste. Aufgrund meiner menschenfreundlichen Art und Hilfsbereitschaft wurde ich jedermanns Freund. Ich wurde rasch befördert; mein Gehalt und mein Lebensstil wuchsen gleichermaßen. Das alles erreichte ich nicht an einem Tag, sondern mit unablässiger harter Arbeit, unnachgiebiger Zähigkeit, fleißiger Anstrengung und unbezähmbarem Vertrauen in die Grundsätze von Güte und Tugend und ihre praktische Anwendung im täglichen Leben.

Während meiner Zeit in Malaysia veröffentlichte ich zahlreiche Artikel über allgemeine Gesundheit in der "Malaya Tribune" in Singapur.

Erste Lektionen im Dienst an der Menschheit

Ich verlegte mich besonders auf mikroskopische Studien und tropische Medizin. Anschließend zog ich nach Johore Bahru bei Singapur und arbeitete dort drei Jahre lang mit Dr. Parsons und Dr. Green zusammen. Die Ärzte Parsons, Green, Garlik und Glenny lobten mich als äußerst fähigen Arzt und bewunderten meine geschäftige, gewandte und tüchtige Art. Ich war glücklich, fröhlich und zufrieden. Ich pflegte alle Patienten sorgfältig. Nie verlangte ich ein Honorar. Ich fühlte mich glücklich, wenn sie von Krankheit und Beschwerden frei waren. Menschen zu dienen und das, was ich habe, zu teilen, entspricht meiner angeborenen Natur.

Ich heiterte die Menschen mit meinem Witz und Humor auf und ermunterte die Kranken mit liebevollen, aufbauenden Worten. Die Kranken spürten sofort eine neue Gesundheit, Hoffnung, Mut, Lebenskraft und Vitalität. Überall fanden die Menschen, ich hätte eine besondere heilende Gabe und rühmten mich als einen sehr netten, angenehmen Arzt mit einem liebenswürdigen, hochherzigen Charakter. In Ernstfällen pflegte ich nachts Wache zu halten. Ich verstand die Gefühle der Kranken und bemühte mich, ihre Leiden zu lindern.

Ich wurde Mitglied des Royal Institute of Public Health, der Royal Asiatic Society und des Royal Sanitary Institute in London. Während meines Aufenthalts in Malaysia veröffentlichte ich ein paar medizinische Bücher wie "Hausmittel", "Früchte und Gesundheit", "Krankheiten und ihre tamilischen Bezeichnungen", "Entbindungskalender", "14 Vorträge über öffentliche Gesundheit". Ich gab vielen Arbeitslosen Obdach, Essen und Kleidung und brachte sie in irgendeiner Anstellung unter.

Meine Ansichten waren liberal. Der Geist der Entsagung war in mir verwurzelt. Unehrlichkeit, Diplomatie und Doppelzüngigkeit sind mir fremd. Ich war sehr offen, ehrlich, schlicht und aufrichtig. In dem Krankenhaus, in dem ich arbeitete, bildete ich viele junge Leute aus und brachte sie nachher in verschiedenen Krankenhäusern unter. Ich wandte meine ganze Energie und Zeit auf, menschliches Leid zu lindern und versuchte, Armen und Kranken rund um die Uhr mitfühlend zu helfen. Diese Art selbstlosen Dienstes reinigte mein Herz und Gemüt und führte mich auf den spirituellen Weg.

In meiner Jugend fand ich großen Gefallen an gepflegter Kleidung und meiner Sammlung kurioser, phantastischer Gold-, Silber- und Sandelholz-Kunstwerke. Manchmal kaufte ich goldene Ringe und Halsketten und trug sie alle auf einmal. Wenn ich ein Geschäft betrat, verlor ich keine Zeit mit der Auswahl. Ich nahm alles, was ich sah. Feilschen und Handeln liegen mir nicht. Ich bezahlte die Ladenrechnungen ohne nähere Prüfung. Selbst heute noch kaufe ich viele Bücher für die Bibliothek der Forest University, für die Schüler im Ashram, wenn ich in einen Buchladen komme.
Ich hatte viele Hüte, trug sie aber nie. Manchmal trug ich eine Filzkappe oder einen seidenen Turban wie ein Radschputen-Prinz. Lange Zeit bereitete ich mir mein Essen selbst zu. Radfahren war meine liebste körperliche Betätigung. Gäste bewirtete ich liebevoll und aufmerksam. Malaysia war ein Land der Verlockung, aber nichts konnte mich verführen. Ich war rein wie ein Kristall und hielt mich an meine tägliche Praxis der Verehrung, des Gebets und des Studiums der Schriften. Ich spielte Harmonium und sang Bhajans (Lieder) und Kirtans (Mantras). Auch in Malaysia praktizierte ich Anahata Laya Yoga (Auflösen des Bewußtseins durch Konzentration auf innere Klänge) und SwaraSadhana (eigene spirituelle Übungen).


2. KAPITEL - DER RUF DES UNSTERBLICHEN     Top

Das Erwachen einer neuen Sicht

"Gibt es nicht eine höhere Berufung im Leben als das Einerlei von täglicher Pflicht, Essen und Trinken? Gibt es keine höhere Form ewigen Glücks als diese vergänglichen, täuschenden Vergnügen? Wie ungewiß ist das Leben hier. Wie unsicher ist das Leben auf dieser Erde, mit allen Arten von Krankheiten, Ängsten, Sorgen, Furcht und Enttäuschungen. Die Welt der Namen und Formen ändert sich ständig. Die Zeit vergeht. Alle Hoffnungen auf Glück in dieser Welt enden in Leid, Verzweiflung und Kummer."

Solche Gedanken stiegen ständig in mir auf. Der Arztberuf lieferte mir mehr als genug Beweise für die Leiden dieser Welt. Für einen leidenschaftslosen Menschen (Vairagi) mit einem mitfühlenden Herzen ist die Welt voller Leid. Wahres und dauerhaftes Glück erlangt man nicht einfach durch Ansammeln von Reichtümern. Mit der Reinigung des Herzens durch selbstlosen Dienst entstand eine neue Sicht. Ich war zutiefst davon überzeugt, daß es einen Ort geben müsse - ein trautes Heim voll ursprünglicher Herrlichkeit, Reinheit und göttlichen Glanzes - , wo man durch Selbstverwirklichung vollständige Sicherheit, vollkommenen Frieden und dauerhafte Glückseligkeit erreichen kann.

Ich dachte oft an die Aussage der Shrutis (hl. Schriften; Veden): "Yadahareva Virajet Tadahareva Pravrajet - an dem Tag, an dem du keine Wünsche mehr hast (Vairagya), solltest du der Welt entsagen." Ich dachte dauernd an: "Sravanartham Sannyasam Kuryat -um die Shrutis zu erfahren, sollte man auf das weltliche Leben verzichten." Die Worte der Schriften sind bedeutsam. Ich gab mein angenehmes, bequemes, verschwenderisches Leben auf und kehrte nach Indien zurück auf der Suche nach einem geeigneten Ort für Gebet und Besinnlichkeit, Studium der Schriften und eine höhere Form des Dienstes an der ganzen Welt.

1923 verabschiedete ich mich vom bequemen Leben und vom Geldverdienen und nahm das Leben eines Bettelmönchs auf, eines echten Suchers nach Wahrheit. Mein Gepäck ließ ich bei einem Freund in Malaysia. Ein malayischer Lehrer, der 1939 in den Ashram kam, sagte mir: "Herr S. bewahrt immer noch alle Ihre Sachen auf und wartet auf Ihre Rückkehr!"   

Als wandernder Bettelmönch

Von Singapur aus kam ich in Benares an und hatte die Vision Shivas. Von dort ging ich weiter nach Nasik, Puna und zu anderen bedeutenden religiösen Mittelpunkten. Von Puna ging ich zu Fuß nach Pandarpur, eine Entfernung von 70 Meilen. Unterwegs blieb ich ein paar Tage im Ashram von Yogi Narayan Maharaj in Khedgaon. Dann verbrachte ich etwa vier Monate in Dhalaj am Ufer des Chandrabhaga. Auf den ständigen Reisen lernte ich, mich an verschiedene Menschentypen anzupassen. Ich lernte viel aus dem Leben von Yogis, großen Meistern (Mahatmas) und bedeutenden Persönlichkeiten. Der in mir verwurzelte Hang zum Dienen ermöglichte mir überall ein sanftes, friedliches Leben. Das Leben als Wandermönch half mir, in großem Maß Titiksha (Duldungskraft), rechte Einsicht und ein ausgeglichenes Gemüt in Freude und Leid zu entwickeln. Ich traf viele Mahatmas (große Meister) und lernte wunderbare Lektionen. Manchmal mußte ich ohne Essen meilenweit gehen. Mit einem Lächeln begegnete ich allem Ungemach.

Der Nutzen von Wallfahrten

Für Mahatmas und Verehrer sind Pilgerreisen und Besuche heiliger Orte Teil ihrer spirituellen Praxis. Sie haben dabei verschiedene Ziele im Auge. Mahatmas (große Meister) kommen in religiösen Zentren mit ernsthaften Verehrern zusammen, vermitteln ihr Wissen und ihre Erfahrungen und führen sie. Sie suchen geeignete Orte zur Meditation, wo sie Anregung und die richtigen Voraussetzungen für ein vertieftes Sadhana (spirituelle Praktiken) finden. Sie räumen die Zweifel von Menschen aus, die im Berufs- und Familienleben stehen, segnen und leiten sie. Verehrer treffen auf ihren Pilgerreisen Mahatmas und erhalten Klarheit über Fragen. Sie werden durch heilige Männer und heilige Orte angeregt und entwickeln verschiedenste positive Eigenschaften, wenn sie mit unterschiedlichen Menschen zusammenkommen. Sie werden geschult, sich an ein einfaches Leben zu gewöhnen und Mühen zu ertragen.

Manche Menschen verbringen ihr ganzes Leben auf Pilgerreisen und wandern oft von Kadirkamam in Sri Lanka zum Berg Kailash in Tibet, von Puri nach Dwaraka, von Amarnath in Kashmir nach Allahabad, von Benares nach Rameshwaram. Ich habe viele Menschen getroffen, die im Alter bereuten, ihre Jugend mit einem solchen Wanderleben vergeudet zu haben. Ich führte das Leben eines Wandermönchs nur eine Weile auf der Suche nach einem Guru und einem geeigneten Ort mit spirituellen Schwingungen, um dann mein Leben in Zurückgezogenheit und strengem Sadhana zu verbringen.

Die Notwendigkeit eines Gurus

Auf dem spirituellen Weg gibt es viele Hindernisse. Der Guru (Lehrer) führt die Aspiranten sicher und räumt alle möglichen Schwierigkeiten aus dem Weg, mit denen sie konfrontiert sind. Er inspiriert seine Schüler und verleiht ihnen durch seine Segnungen Kraft. Guru (Lehrer), Ishwara (persönlicher Gott), Wahrheit und Mantra sind dasselbe. Es gibt keinen anderen Weg, die schädlichen weltlichen Samskaras (Eindrücke) der leidenschaftlichen Natur ungeschliffener, weltlich ausgerichteter Menschen zu überwinden als die persönliche Verbindung mit dem Guru und der Dienst für ihn.

Auf der Suche nach einem Guru erreichte ich Rishikesh und betete zu Gott um seine Gnade. Es gibt viele selbstsüchtige Schüler, die sagen: "Ich brauche keinen Guru - Gott ist mein Lehrer." Sie tragen ihre eigene Kleidung und leben unabhängig für sich. Wenn sie sich dann in Schwierigkeiten verwickeln, sind sie verwirrt. Man sollte sich an die Anweisungen der Schriften und der Weisen halten. Wenn man sich im Herzen ändert, sollte sich diese Veränderung auch äußerlich bemerkbar machen. Ängstliche und schwache Gemüter können sich die Herrlichkeit und Freiheit eines Lebens als Sannyasin (Entsagter, Mönch) kaum vorstellen. Ich empfing die Heilige Einweihung am Ufer des Ganges am 1. Juni 1924 aus den geweihten Händen von Paramahamsa Viswananda Saraswati. Die Viraja Homa (Feuerzeremonie beim Eintritt in den Stand der Entsagung) wurde von meinem Acharya Guru (Meister), Sri Swami Vishnudevanandaji Maharaj, im Kailash Ashram für mich durchgeführt.

Am Anfang braucht man einen persönlichen Lehrer. Er allein kann den Weg zu Gott, dem Guru aller Gurus, zeigen und die Schlingen und Fallgruben auf dem Weg umgehen. Selbstverwirklichung ist eine transzendentale Erfahrung. Man kann den spirituellen Pfad nur mit bedingungslosem Glauben an die Worte der Weisen beschreiten, die die Wahrheit (Apta Vakya) verwirklicht und Selbsterkenntnis erlangt haben.

Der Schüler braucht die Gnade des Gurus. Das heißt nicht, daß er untätig dasitzen und auf ein Wunder seines Gurus warten sollte, das ihn direkt in Samadhi (überbewußter Zustand) befördert. Der Guru kann nicht Sadhana für den Schüler praktizieren. Es ist unsinnig, von einem Tropfen Wasser aus der Bettelschale (Kamandalu) des Gurus spirituelle Erfolge zu erwarten. Der Guru kann den Schüler führen, seine Zweifel klären, den Weg bahnen, die Schlingen, Fallen und Hindernisse wegräumen und den Pfad erleuchten. Aber der Schüler muß selbst jeden Schritt auf dem spirituellen Weg gehen.

Spiritueller Fortschritt erfordert starkes, unentwegtes Vertrauen in die Lehren des Gurus und der Schriften, brennende, anhaltende Leidenschaftslosigkeit (Vairagya), Verlangen nach Befreiung, einen unbeugsamen Willen, glühende Entschlossenheit, eiserne Bestimmtheit, unerschütterliche Geduld, die Zähigkeit eines Blutegels, die Regelmäßigkeit einer Uhr und die Einfachheit eines Kindes.

Wenn du keinen Lehrer hast, nimm Krishna, Shiva, Rama oder Christus als deinen Guru. Bete zu Ihm. Meditiere über Ihn. Singe Seinen Namen. Er wird dir einen geeigneten Guru schicken.   

Das Ende der Reise

Im Juni 1924 kam ich nach Rishikesh; es erwies sich als mein Schicksal und Ziel. Mein Guru schenkte mir die Einweihung und genügend spirituelle Stärke und Segnungen. Mehr kann der Lehrer nicht tun. Dann liegt es am Schüler, intensives und strenges Sadhana zu üben.
Rishikesh ist eine Bahnstation im Bezirk Dehra Dun im Bundesstaat Uttar Pradesh, eine heilige Stätte mit vielen Mahatmas. Es gibt Kshetras (Speisestätten)) dort, wo alle Sadhus (Mönche, Weise), Yogis und Aspiranten kostenlos Essen erhalten. Sie können in einem der Dharmashalas (Halle; Wohltätigkeitseinrichtung) oder Kutirs (Hütte, Behausung) wohnen oder sich selbst irgendwo eine Hütte bauen. In der Umgebung von Rishikesh gibt es reizende Plätze wie die Wälder von Bramapuri, Nilakantha, Vashishtha Guha und Tapovanam. Einsiedler (Sadhus), die dort leben, versorgen sich mit Trockenvorräten und bereiten ihr Essen selbst zu. Die schöne Himalayalandschaft erfreut die Seele. Der heilige Ganges ist ein Segen. Man kann stundenlang in Versunkenheit auf einem Felsen oder einer Sandbank am Ufer des Ganges sitzen. Es gibt ein paar Bibliotheken mit maßgeblichen Werken in Sanskrit, Englisch und Hindi über Yoga und Philosophie. Gelehrte Mahatmas (große Meister) geben jeden Tag Unterrichtsstunden und persönliche Unterweisung für verdienstvolle Schüler. Das Klima ist angenehm - etwas kalt im Winter von November bis März und ein wenig heiß im Sommer zwischen April und Juni. Es gibt schulmedizinische und ayurvedische Krankenhäuser. Rishikesh ist daher ein idealer Ort für intensive, ungestörte spirituelle Praktiken für alle, die nach Wahrheit suchen.


3. KAPITEL     Top

AUF DEM AMBOSS -  TEILHABEN AM GÖTTLICHEN REICHTUM

Erste spirituelle Bestrebungen

Manche Mahatmas (Meister) verbringen ihr ganzes Leben mit dem eingehenden Studium der Schriften und führen gerne hitzige Diskussionen und Streitgespräche über schwer verständliche Yoga- und Vedanta-Themen. Manche Yogis mühen sich mit Hatha-Yoga-Übungen ab in der Hoffnung auf übernatürliche Kräfte und foltern den Körper. Ein paar fühlen sich vom Kundalini-Yoga, dem Yoga der Energieerweckung, und den Tantra Shastras (Schriften über Tantra, die Shiva-Shakti-Philosophie) angezogen. Sie wollen auf diese Weise geistige Kräfte erlangen, um Wunder vollbringen zu können. Andere verbringen ihre ganze Zeit mit Japa (Mantrawiederholung) und Kirtan (Mantrasingen) und beklagen stundenlang ihr Getrenntsein von Gott. Gebildete junge Leute schreiben ständig interessante Artikel und Vorträge, um sich auf weltweite Vortragsreisen vorzubereiten. Ich liebe und respektiere alle diese großen Seelen wegen ihrer gründlichen Vertiefung in ihr jeweiliges Gebiet. Aber erreichen sie alle die Vollkommenheit?

Ich stellte fest, daß sie nicht über die richtigen Voraussetzungen und Annehmlichkeiten verfügten. Ihnen fehlte die Anleitung durch einen kundigen Menschen. Sie konnten ihr Sadhana nicht beständig und systematisch ausüben und wechselten ihre Praktiken häufig. Entweder achteten sie übermäßig auf ihre Bedürfnisse oder kümmerten sich gar nicht um ihre Gesundheit. Sie dachten alle viel an die Zukunft und strebten nach übernatürlichen Kräften (Siddhis), Wundern, Ansehen und Berühmtheit. Das ließ nur ihr Ego anschwellen. Ich studierte ihre Methoden genau; das öffnete mir die Augen und gab mir die Kraft, mich an eine strenge spirituelle Praxis in der richtigen Richtung zu halten. Ich fühlte die Gnade Gottes. Ich erhielt Kraft und Führung von innen und fand Wege für eine ganzheitliche Entwicklung. Selbstverwirklichung war das Ziel meines Lebens und ich war entschlossen, jedes bißchen meiner Energie und Zeit mit Studium, Dienst und Sadhana zu verbringen.

Ganzheitliches Sadhana

Dienst an Kranken, Armen und Mahatmas reinigt das Herz. So kann man göttliche Eigenschaften wie Mitleid, Mitgefühl, Barmherzigkeit und Großzügigkeit entwickeln. Es trägt dazu bei, schlechte Eigenschaften und Unreinheiten des Geistes wie Selbstsucht, Stolz, Haß, Zorn, Gier, Eifersucht und so weiter auszumerzen. Die kranken Meister und armen Dorfbewohner hatten keine angemessene medizinische Versorgung. Tausende von Pilgern nach Badrinath und Kedarnath brauchten ebenfalls ärztliche Hilfe. Daher richtete ich beim Lakshmanjhula-Tempel am Weg nach Badri-Kedar den Satyasevashram ein, eine kleine Apotheke und Krankenstation, und half den Verehrern mit großer Liebe und Hingabe. In ernsten Fällen stellte ich eine besondere Ernährung zusammen und besorgte Milch und alles sonst Notwendige. Die spirituelle Entwicklung schreitet schneller voran durch Dienen mit dem richtigen, hingebungsvollen Gefühl (Bhav) und einer entsprechenden Einstellung.

Um meine gute Gesundheit aufrechtzuerhalten, praktizierte ich Asanas (Körperstellungen), Pranayama (Atemübungen), Mudras (Körperstellungen in Verbindung mit Atmung) und Bandhas (Verschluß; Übung in Verbindung mit Atmung). Abends unternahm ich lange, weit ausholende Spaziergänge. Zusätzlich machte ich Körperübungen. Ich achtete besonders auf eine einfache Lebensweise, erhabenes Denken, leichte Ernährung, vertieftes Studium, stille Meditation und regelmäßige Gebete. Ich liebte die Abgeschiedenheit und befolgte Mauna (Schweigen). Ich mochte keine Gesellschaft und nutzloses Gerede. Von der Bibliothek des Ram Ashrams in Muni-ki-reti lieh ich mir Bücher für meine Studien und widmete jeden Tag eine gewisse Zeit dem Studium. Ich hatte immer ein Wörterbuch in Reichweite und schlug die Bedeutung schwieriger Wörter nach. Schlaf und Entspannung gaben mir genug Kraft, mein intensives Sadhana fortzusetzen. Ich suchte die Nähe großer Meister, ließ mich aber nie auf Diskussionen und Debatten ein. Selbstanalyse und -beobachtung dienten mir als Führung.

Um Gebet und Meditation mehr Zeit zu widmen, zog ich in den Swarg Ashram. Ich lebte in einem kleinen Kutir (Hütte) von acht mal zehn Fuß mit einer kleinen Veranda davor und bezog mein Essen von der Kali-Kambliwala-Speisestätte. Heute trägt das Kutir mit einigen nachträglich hinzugefügten Räumen die Nummer 111. Ich behielt mein Sadhana und den Dienst an Kranken bei. Jeden Tag ging ich eine Stunde lang von Hütte zu Hütte, um kranke Mahatmas zu pflegen, nach ihrem Wohlergehen zu fragen und sie mit dem Nötigen zu versorgen. Ich verbrachte viel Zeit mit Meditation und praktizierte verschiedene Yogaarten. Die Erfahrungen daraus sind in viele meiner Veröffentlichungen als Ratschläge für Aspiranten eingeflossen. Ich verbreitete meine Gedanken und Erfahrungen schnell, um der Welt und allen Wahrheitssuchenden zu helfen. Üblicherweise hielten sogar große Mahatmas ihr Wissen geheim und lehrten es nur einigen Auserwählten.

Das Leben im Swarg Ashram

Ich wendete nicht viel Zeit zum Zähneputzen, Kleiderwaschen und Baden auf. Das erledigte ich schnell zwischendurch, wenn ich zwischen Sadhana, Studium und Dienst ein wenig Luft hatte. Ich war nie von jemandem abhängig, obwohl es ein paar Schüler gab, die auf eine Gelegenheit warteten, mir Dienste zu erweisen. Ich hatte feste Zeiten für alle Arbeiten wie zum Beispiel Studium, Schriftwechsel mit Sadhakas (Schülern), Übungen, Bettelgänge und so weiter. Nach und nach kamen viele Menschen zu mir. Das beeinträchtigte meine planmäßige Arbeit ernstlich. Mit der Zustimmung der Ashramverwaltung zog ich einen Drahtzaun um meine Hütte und verschloß das Tor.

Besuchern führte ich meine Gelehrsamkeit nicht durch langwierige, hochphilosophische Erörterungen vor. In fünf Minuten gab ich jedem ein paar kurze Hinweise zum praktischen Sadhana. Am Eingang zu meinem eingezäunten Gelände brachte ich ein Schild an mit der Aufschrift: "Fragestunde zwischen 16.00 und 17.00 Uhr - je fünf Minuten pro Besucher". Im Winter kamen nicht viele. Ich nutzte dann die Zeit für einen forschen Spaziergang auf dem Gelände und sang dabei Bhajans (Lobgesänge) und Lieder. An manchen Tagen verließ ich mein Kutir gar nicht. Zum Essen bewahrte ich aus den Überresten meiner Almosen immer etwas trockenes Brot auf. Mein Ziel war eine vertiefte spirituelle Praxis (Sadhana).

Meine Freude war unbeschreiblich, wenn ich abends stundenlang auf einer Sandbank oder einem Felsen am Ganges saß und die herrliche Natur bewunderte. Ich wurde eins mit der Natur. In dieser Zeit gründete ich die Swarg-Ashram-Sadhu-Sangha-Gesellschaft, einen Verein zur Förderung der Mönche, um Abhilfe für die herrschenden Mißstände zu schaffen und ließ die Einrichtung registrieren. Ich lud bedeutende Meister ein und organisierte eine Zeitlang wöchentliche Vorträge und tägliche Bhajans und Rezitationen des Ramayana. Ein paar Monate lang führten wir auch Vorträge über Yoga Vashishtha (Lehre des Yogameisters Vashishta), das Ramayana von Tulasidas (Heilige Schrift über das Leben von Rama) und die Upanishaden (indische heilige Schrift) durch. Meine Schüler förderte ich in ihrer Entwicklung durch organisatorische Mitarbeit im Verein.

Unterwegs in göttlichem Dienst

1925 besuchte ich den Kleinstaat Sherkot in Dhampur im Bezirk Bijnur. Die Rani (Herrscherin) von Sherkot, Shrimati Phulkumari Devi, bereitete mir einen herzlichen Empfang. Ich führte dort mehrere Tage lang Bhajans durch und leistete den Dorfbewohnern ärztliche Hilfe. Die Maharani (Fürstin) von Mandi, Shri Lalita Kumari Devi, besuchte den Bhajan ebenfalls. Selbst nach Jahren noch sagte sie immer, wenn sie mich traf: "Ich kann Ihre wohlklingenden, anregenden Lieder nicht vergessen. Sie sind noch ganz frisch in meinem Gedächtnis. Ich spüre ihren Einfluß bis jetzt. Sie haben mich verzaubert und meine Seele erhoben."

Von Sherkot ging ich zu Fuß nach Rishikesh zurück und besuchte die Dörfer am Weg. Ich hielt Vorträge über Yoga und leitete Kirtans und Bhajans mit den Gruppen von Verehrern, die dabei zusammenkamen. Diese gelegentlichen Reisen halfen mir, alle göttlichen Eigenschaften zu entwickeln und der Menschheit ganz allgemein zu dienen. Während meines Lebens als Wandermönch (Parivrajaka) besuchte ich einmal Rameshwaram und die heiligen Orte Südindiens. Damals hielt ich mich eine Weile lang im Shri Ramana Ashram auf. Der Anwalt Shri Chand Narain Harkuli von Sitapur begleitete mich. Unterwegs war ich auch in Puri und verehrte Jagannath (Name für Vishnu bzw. Krishna). In Waltair nahm ich ein Bad im Meer. In Rameshwaram verehrte ich Ramalinga (ind. Heiliger). Ich kam am Tag von Shri Ramanas Geburtstagsfeier im Ashram an. Ich hielt Bhajan und Kirtan in der großen Halle vor Shri Bhagavan Ramana und den Verehrern. Ich umwanderte den Arunachala-Hügel ("Roter Berg" oder "Hügel des Lichtes", der heilige Berg Südindiens) und verehrte ihn als Tejas Linga ("Säule des Lichtes", Phallus, Symbol für die göttliche schöpferische Kraft).

Wann immer sich eine Gelegenheit bot, der Menschheit als Ganzes zu dienen oder wenn man mich nötigte, bei spirituellen Konferenzen den Vorsitz zu führen, besuchte ich verschiedene Stätten in Bihar, im Pandschab und in anderen Provinzen. Ich gründete dynamische spirituelle Zentren, organisierte Konferenzen und Kirtan-Zusammenkünfte und beteiligte mich an den Aktivitäten zahlreicher schulischer, religiöser und spiritueller Einrichtungen. Sogar wenn ich im Zug reiste, brachte ich Mitreisenden Yogaübungen bei und gab ihnen einfache Unterweisungen über Mantrawiederholung (Japa) und Meditation. Ich führte immer einen Arzneikoffer mit mir und leistete Kranken ärztliche Hilfe.

Zu den Wallfahrtsorten, die ich besuchte, gehören Lahore, Meerut, Srinagar in Kashmir, Patna, Monghir, Lucknow, Gaya, Kalkutta, Ayodhya, Lakhimpur-kheri, Bhagalpur, Ambala, Aligarh, Sitapur, Bulandshaher, Delhi, Shikohabad, Nimsar, Mathura, Brindavan, Etawah, Mainpuri und viele andere Orte in Nordinien. In der Provinz Andhra besuchte ich den Shanti Ashram in den Totapalli-Bergen, die Friedensmission in Waltair sowie Rajahmundry, Kakinada, Pithapuram und Lakshmi-narasapuram.

Auf Reisen hatte ich immer mein Tintenfaß, Schreibfedern, Bleistifte, Nadeln, Bücher wie das Viveka Chudamani, die Upanishaden, die Bhagavad Gita und die Brahmasutras dabei und ein paar Briefmarken, um dringenden Schriftverkehr erledigen zu können. Zwei Stunden vor der Abfahrt ging ich zum Bahnhof. Statt mich überall umzuschauen, setzte ich mich unter einen Baum und erledigte meine Schreibarbeiten. Ich führte nie ein Adreßbuch zu dem Zweck, Anhänger oder Freunde an wichtigen Stationen meiner Reise aufzusuchen in der Hoffnung auf gutes Essen oder finanzielle Unterstützung. Ich brachte die Arbeit, um deretwillen ich unterwegs war, so rasch wie möglich zu Ende und kehrte bei der ersten sich bietenden Gelegenheit nach Rishikesh zurück.

Ich pilgerte nach Kedarnath und Badrinath, Tunganath und Triyuginath. Swami Balananda und Swami Vidyasagar begleiteten mich. Ich badete kurz in den heißen Quellen von Badri Narayan. Während der Reise sang ich Kirtan und Bhajan und übte geistiges Japa.

Von Kalkutta aus erreichte ich mit einem Boot Ganga Sagar, die Mündung des Ganges in die Bucht von Bengalen. Shrimati Maharani Surat Kumari Devi war dabei. Dort gibt es einen kleinen Kapila-Tempel. Ich badete im Meer. Es fand gerade eine Mela (Jahrmarkt) statt. Ich half den Pilgern, die Leiter hinaufzusteigen.

Der Ruf des Kailash

In den frühen Jahren meiner spirituellen Praxis in Rishikesh beschloß ich, den Kailash in Westtibet (heiliger Berg der Buddhisten, von den Hindus Meru genannt) aufzusuchen. Am 12. Juni 1931 brach ich mit Seiner Heiligkeit Shri Swami Adwaitanandaji, Shri Swami Swayam Jyoti Maharaj, Shri Brahmachari Yogananda, Ihrer Hoheit Maharani Surat Kumari Devi von Singhali und Shri Kedarnath, ihrem Sekretär, zu einer Pilgerfahrt an diesen heiligen Ort auf. Wir badeten alle im Manasarovar-See und umrundeten den Kailash. Ich ging die ganze Entfernung zu Fuß. Auf dieser schönen Erde gibt es keinen dem Kailash vergleichbaren Ort mit der wundervollen Schönheit seines ewigen Schnees. Die Reise zum Kailash ist die schwierigste aller Wallfahrten. Er wird auch Meru genannt, der Weltenberg. Zur selben Zeit besuchte auch Seine Hoheit der Maharadschah von Mysore den Kailash. Die Gesamtentfernung von Almora zum Kailash beträgt ungefähr 230 Meilen. In zwei Monaten kann man leicht hin und wieder zurückkommen. Am 22. August kehrten wir nach Almora zurück.

Massenverbreitung von spirituellem Wissen

Am 9. September 1950 begab ich mich auf eine tatkräftige Mission zur Verbreitung von Wissen, indem ich eine ausgedehnte zweimonatige Reise durch ganz Indien und Sri Lanka unternahm. Am 7. November 1950 kehrte ich nach Rishikesh zurück. Auf dieser Reise kam ich mit Tausenden ernsthaft spirituell Interessierten im ganzen Land in enge Berührung. Ich freue mich von Herzen, daß der Allmächtige mir die Gelegenheit gab, Ihm und Seinen Kindern durch diese Reise zu dienen. Ich erinnere mich mit unermeßlicher Freude an die tiefe Frömmigkeit der Menschen in Indien und Sri Lanka, an ihre Hochachtung gegenüber dem Heiligen Stand des Mönchtums (Sannyasa) und an ihren Eifer, sich Wissen über Yoga und Vedanta anzueignen.

Ich besuchte alle wichtigen Städte und Dörfer im ganzen Land. Ich sprach an öffentlichen Versammlungen und veranstaltete Kirtans (Mantrasingen). Ich hielt Vorträge an Schulen, Kollegs und Universitäten über sittliche Lebensweise und richtige Erziehung sowie bei öffentlichen Veranstaltungen über allgemeine spirituelle Themen. Anläßlich dieses historischen Ereignisses, der Reise durch ganz Indien und Sri Lanka, wurden Bücher im Wert von Tausenden von Rupien kostenlos an die Öffentlichkeit verteilt.

Ich hielt mich an meine übliche Gewohnheit und verschwendete keine Zeit mit der Vorbereitung schöner, weitschweifiger Reden über Yoga, Bhakti und Vedanta für diese Anläße. Neben den Kirtans und Gesängen gab ich praktische Unterweisungen für Sadhana (geistige Übung). Das löste bei den Zuhörern eine wunderbare Wirkung aus. Wenn ich in Gegenwart der Anhänger eine überschäumende Freude in mir fühlte, verband ich den Anlaß auch mit Shiva- und Krishnatänzen. Die Menschen waren begeistert. Selbst heute noch wiederholen Tausende meine Lieblingslieder "Agada Bhum", "Chidananda-hum", "Pilade" und andere. Manchmal tanzten die Leute lange in göttlicher Verzückung.

Überall wo ich hinkam, war ich überwältigt von der Liebe der Menschen. An jeder Station der Reise genoß ich ihre Wärme, Herzlichkeit und Hingabe. Wieder und wieder badete ich im Meer der Hingabe der Massen an Gott. Wieder und wieder kostete ich den Zaubertrank des Namens Gottes, den all die Menschen mit tiefem Gefühl und Inbrunst sangen.

Dienen bereitet mir Freude. Ich kann keine Sekunde lang ohne Dienen leben. Auf der Reise durch ganz Indien fand ich dafür ein ergiebiges Feld. Ich arbeitete zwei Monate lang ohne Pause oder Erholung. Der Reisewagen, Fahrt- und Flugpläne von Flugzeugen, Zügen, Bussen und Schiffen schränkten die Intensität meiner Arbeit ein. Ich mußte mich an die "Zeit" halten, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen und hatte nicht genug Zeit für die Bedürfnisse der Anhänger.

Auf dem Rückweg wollte ich von Bombay aus auf den Reisewagen verzichten und meine Reise von Provinz zu Provinz fortsetzen, in jeder Stadt und in jedem Dorf von Tür zu Tür gehen, Kirtans und Bhajans singen und das Maha-Mrityunjaya-Mantra für die Gesundheit und ein langes Leben der Verehrer wiederholen. Ich wollte die Botschaft vom Göttlichen Leben persönlich jedem einzelnen bringen.

Spirituelle Konferenzen

Obwohl ich im Swarg Ashram eine besondere Vorliebe für tiefe Meditation in Abgeschiedenheit hatte, richtete ich in regelmäßigen Zeitabständen Satsangs (Zusammensein mit Weisen; Gruppenmeditation) in den Abendstunden ein. Ich lud die Mahatmas (große Meister) und Brahmacharis (enthaltsam Lebende) dazu ein. Ein Meister aus dem Pandschab sprach dabei über Yoga-Vashishtha (Yogalehre des Vashishtha) und das Ramayana von Tulasidas; zum Schluß leitete ich Bhajan- und Kirtan-Singen. Gelegentlich besuchte ich Sitapur, Lakhimpur-kheri, Meerut und andere Stätten in Uttar Pradesh und im Pandschab, um dort abends Kirtans zu halten und Vorlesungen mit Yoga-Vorführungen an höheren Schulen und Kollegs zu geben. Dabei verteilte ich Merkblätter über "20 wichtige spirituelle Anweisungen" und "Die Bedeutung von Brahmacharya". Morgens um vier Uhr führte ich gemeinsame Gebete und stille Meditation ein und drängte alle spirituellen Anwärter, an diesem gemeinsamen Sadhana teilzunehmen.

Ich forderte die Leute auf, Likhita-Japa (Mantraschreiben) zu üben. In öffentlichen Versammlungen ließ ich die Teilnehmer bewegungslos sitzen, Mantras schreiben und während der ganzen Zeit Schweigen bewahren. Wer am meisten Mantras leserlich geschrieben hatte erhielt ein Geschenk. Um die Menschen zu ermutigen, schenkte ich nicht nur den Gewinnern des Wettbewerbs spirituelle Bücher, sondern allen Anwesenden. Verehrer brachten in der Regel sehr viele Früchte, die ich an Ort und Stelle an die Zuhörer verteilen ließ. Am Ende nahm ich ein wenig davon als Prasad.

Vortragsreisen

Die Veranstalter arbeiteten gewöhnlich ein dicht gedrängtes Programm für eine oder zwei Wochen aus. Dazu gehörten auch zwei bis drei Tage ununterbrochenes Mantrasingen (Akhanda Kirtan). Zu meiner Entlastung bei der Arbeit in den Außenstellen nahm ich Shri Swami Svarupananda und Shri Swami Atmananda, zwei meiner Schüler, mit. Der erstere übersetzte meine englischen Reden schnell und gekonnt in Hindi, und der letztere leitete wohlklingende Bhajans und Kirtans. Zahlreiche Flugblätter wurden zur kostenlosen Verteilung gedruckt.

Die erste Reise dieser Art unternahm ich 1933 nach Lakhimpur-kheri, Meerut und Hardoi. Danach reiste ich jedes Jahr ein oder zwei Wochen im Pandschab und in Bihar. Ich bat meine Schüler im Swarg Ashram und den Posthalter in Rishikesh, mir keine Post nachzusenden. Während dieser Reisen erledigte ich keinen Schriftwechsel, sondern konzentrierte mich ganz auf die tatkräftige Verbreitung von Wissen.

Obwohl ich in Rishikesh normalerweise einfach von trockenem Brot (Rothis) lebte, hatte ich während dieser anstrengenden tage- und nächtelangen Arbeit das Bedürfnis nach energiereicher Nahrung und Früchten. Gewöhnlich hatte ich ein paar Scheiben Brot oder Kekse in der Tasche, denn die Arbeit an verschiedenen Orten ließ mir keine Zeit für Mahlzeiten oder Ruhepausen. Bevor ich aufbrach, versorgte ich mich mit genügend Geld für die Rückreise. Ich verlangte niemals Geld von den Veranstaltern für meine Ausgaben, sondern bat sie, stattdessen eine große Anzahl von Flug- und Merkblättern in verschiedenen Sprachen zu drucken, die dann bei den Veranstaltungen verteilt wurden.

Die Schüler, die mich auf diesen Reisen begleiteten, sagten immer: "Es ist eine reine Freude, mit dem Guru Maharaj zu reisen wegen der wundervollen Behandlung, die er einem zuteil werden läßt." Ich teilte alles mit ihnen, was ich hatte, achtete sehr auf ihre Gesundheit und machte sie beliebt und bekannt. Manchmal schrieb ich den Veranstaltern: "Bitte halten Sie genug Früchte und Kekse in meinem Zimmer bereit. Das ist mein Saguna Brahman (Gott mit Eigenschaften). Die Mitarbeiter brauchen nahrhaftes Essen und energiereiches Obst, um solide Arbeit leisten zu können." Bei meinem Aufenthalt in Sitapur 1934 rief ich eine Kampagne für ein medizinisches Hilfswerk ins Leben. In den Bezirken von Andhra besuchte ich zahlreiche Dörfer und gab den armen Dorfbewohnern Arzneien. Shri Swami Omkarji und Schwester Sushila (Shri Ellan St. Clair Nowald) begleiteten mich.

Unfehlbare Inspiration

In Zeiten anstrengender Arbeit pflegte ich mich durch Japa, Meditation, tiefe Atemübungen, Bhastrika (spezielle Atemübung), Pranayama und Kirtan zu erholen; das gab mir neue Energie. An vielen Orten veranstaltete ich NagarKirtans (Singen des Namens Gottes in der Öffentlichkeit am frühen Morgen) und Prabhat Pheri (Prozession am frühen Morgen). Wo immer ich hinkam, war die ganze Stadt mit spirituellen Schwingungen geladen. Die Menschen fühlten den wunderbaren Frieden und die Kraft tagelang. Anhänger schrieben mir oft noch nach mehreren Jahren: "Geliebter Swamiji, wir hören noch heute, wie du das OM und das Maha-Mantra singst." Viele Menschen wiederholen noch heute die beliebten Gesänge wie "Om Namah Shivaya", "Chidananda-hum" und "Sita Ram Sita Ram", wenn sie auf den Feldern arbeiten. Die Schüler in den Kollegs und Schulen singen mein Lieblingslied "Govinda, Govinda". Die Reise brachte herrliche und dauerhafte Ergebnisse.

Im Ashram gab es sehr viel Arbeit, so daß ich 1938 mit den Reisen aufhörte. Ich sandte meine Schüler in verschiedene Zentren, um spirituellen Versammlungen bei den Zweigstellen beizuwohnen. Bei verschiedenen Anlässen veranstalteten Anhänger aus dem Pandschab einen Sitzstreik vor meiner Hütte und nötigten mich, ihre jährlichen Sankirtan-Konferenzen im Dezember in Lahore zu besuchen.

Die kraftvolle Verwandlung der Massen

Auszüge aus Briefen, die ich in der Zeit zwischen 1933 und 1936 schrieb, vermitteln einen Eindruck meiner Arbeit auf den Reisen:

I. "Wenn ich reise, verströme ich im Laufe einer Woche meine ganze Energie. Jetzt bin ich müde. Aber die Leute bedrängen mich, Meerut zu besuchen. Es ist alles Seine Gnade. Sein Wille geschehe. Schickt mir keine Briefe hierher. Das würde meine Arbeit stören. Die Leute verschlingen mich von allen Seiten. Nichts ist sicher. Wahrscheinlich kehre ich in ein oder zwei Wochen nach Rishikesh zurück."

II. "Ich verbringe meine Zeit damit, tagsüber interessante Vorträge zu halten und nachts Kirtans zu singen. Ich pumpe Freude und Kraft in die Anhänger. Ich brülle wie ein Löwe. Die Leute lassen mich nicht eine Sekunde allein. Sitapur und Lakhimpur-kheri sind jetzt Vaikuntha (der Wohnsitz Vishnus) auf Erden. Ich hielt Kirtan mit 3000 Menschen, ein Ereignis, wie es Lakhimpur in seiner ganzen Geschichte noch nie erlebt hat. Heute habe ich Kirtan mit Harijans. Mit der Kirtan-Bewegung können wir Indien umgestalten. Indien braucht das. Eine große Erneuerung findet jetzt statt."

III. "Sagt den Veranstaltern, daß ich jetzt leidlich mit ihnen zufrieden bin. Ein dreitägiges ununterbrochenes Mantrasingen (Akhanda Kirtan) muß dringend organisiert werden. Das ist der einzige wirksame, dauerhafte und wesentliche Teil der Arbeit. Gemeinsames Mantrasingen (Sankirtan) an verschiedenen Orten, um die ganze Atmosphäre anzuregen und aufzuladen, ist eine andere Aufgabe. Beides ist wichtig für den Weltfrieden. Örtliche Krawalle halten dem Namen Ramas nicht stand. Ihr braucht keine Angst vor dem Ausgehverbot zu haben."

Arten von Kirtan

Heute noch habe ich vor Augen, wie Tausende aufstanden und tanzten, wenn ich Agada-Bhum-Mantras sang. Nach jedem Bhajan und Kirtan gab ich Anleitungen zur spirituellen Praxis (Sadhana). In Bihar machte ich Kirtan vom Lastwagen aus. Ich fuhr mit einer Gruppe von Anhängern auf einem offenen Lastwagen und veranstaltete von da aus Kirtans. In Rishikesch tat ich bei verschiedenen Gelegenheiten dasselbe von einem Boot aus.
Sehr interessant waren auch die Gruppenkirtans. Zuerst rief ich alle Regierungsbeamte aus der Zuhörerschaft zum Kirtan auf der Bühne auf, dann alle Lehrer, Ärzte, Studenten, Frauen und Mädchen. Das rief große Begeisterung hervor. Es war etwas Neues. Zuerst zögerten die Leute und waren schüchtern. Dann spürten sie, wie gut es ihnen tat. Nach ein paar Monaten waren sie alle treue Kirtan-Anhänger und gründeten Kirtan-Kreise (Mandalis) in verschiedenen Städten.


4. KAPITEL - DIE "DIVINE MISSION"     Top

Erste Stufe - Wie Schüler ausgebildet werden

Ich habe immer die stille spirituelle Praxis in Zurückgezogenheit geliebt. Während des Tages schrieb ich für gewöhnIich ein paar Artikel und Briefe an wissensdurstige Aspiranten. Ich arbeitete nie nachts mit einer Lampe. Morgens verließ ich meine Behausung nur für etwa eine Stunde, um die Kranken mit Arzneimitteln zu versorgen, einen raschen Spaziergang auf dem Gelände zu machen, im Ganges zu baden und zur Speisestätte zu gehen, um mein Essen zu holen. Dieser Tagesablauf wurde während meines 35jährigen Lebens in Rishikesh zur Gewohnheit. Ich ließ mich nie in unverbindliche Gespräche mit Freunden ein. Wenn ich zur Küche ging, wahrte ich Schweigen. Ich nahm einen schmalen Pfad durch den Dschungel, um niemandem zu begegnen. Auf dem Weg zum Kshetra (Küche) verband ich tiefe Atmung mit geistiger Mantrawiederholung (Japa).

Ich hatte keinen Ehrgeiz, durch eine ausgedehnte Reise oder aufsehenerregende Vorträge weltberühmt zu werden. Ich machte nie den Versuch, für irgendjemand ein Guru zu sein. Ich freue mich nicht, wenn die Leute mich "Sat Guru" (Weisheitslehrer) oder "Avatar" (Inkarnation Gottes) nennen. Ich bin ganz und gar gegen "Gurutum", gegen jede Art von Guru-Kult. Er ist eine Gefahr für die Menschheit und ein großes Hindernis, das den Sturz vieler großer Persönlichkeiten auf dem spirituellen Pfad ausgelöst hat. Auch heute noch bitte ich die Menschen, sich nur im Geist vor mir zu verneigen. Meine Haltung dazu bringen die folgenden Zeilen von 1931 an einen meiner Schüler klar zum Ausdruck:

"Ich bin nur ein gewöhnlicher Einsiedler (Sadhu). Ich könnte Dir nicht viel helfen. Außerdem nehme ich keine Schüler an. Ich kann bis zu meinem Lebensende Dein aufrichtiger Freund sein, aber ich möchte niemanden längere Zeit bei mir haben. Ich gebe einige Monate lang Unterweisung und bitte dann meine Schüler, an einsamen Orten in Kashmir oder Uttarkashi zu meditieren."

Zurückhaltung und Demut

Ich sagte oder tat nie auch nur das geringste, um Menschen mit Versprechungen großer Erfolge wie Mukti (Befreiung) nur durch einen Tropfen Wasser aus der Bettelschale (Kamandalu) oder Samadhi (überbewußter Zustand) durch eine bloße Berührung anzulocken. Ich betonte stets die Wichtigkeit von stillem Sadhana (spirituelle Praktiken), Japa (Mantrawiederholung) und Meditation für einen regelmäßigen Fortschritt auf dem spirituellen Weg. Alle Aspiranten hielt ich dazu an, sich durch selbstlosen Dienst an der Menschheit zu läutern.

1933 schrieben die Verleger in Madras Artikel über mein Leben, in denen sie von mir als "Avatar" sprachen. Meine Antwort darauf zeigt meine Einstellung, die ich immer beibehielt:

"Bitte streichen Sie alle Bezeichnungen wie ,Krishna Avatar’ (Inkarnation von Krishna) und ,Bhagavan’ (ehrfürchtige Anrede: Erhabener, Göttlicher). Halten Sie den Text natürlich und einfach, dann wird er die Leser ansprechen. Übertreiben Sie nicht zu viel und zu oft. Betiteln Sie mich nicht als ,Weltenlehrer’, ,Mandaleshwar’ und ,Bhagavan’. Zeigen Sie einfach die Wahrheit auf; die Wahrheit strahlt aus sich selbst. Ich führe ein einfaches, natürliches Leben. Ich habe unermeßliche Freude am Dienen. Selbstloser Dienst hat mich erhoben und gereinigt. Dieser Körper ist zum Dienen bestimmt. Ich lebe, um allen zu dienen und die Welt glücklich und froh zu machen."

Ich verneige mich im Geist sogar vor Eseln und anderen Tieren. Ich verneige mich (Namaskara) zuerst vor meinen Schülern und Anhängern. Ich sehe das eigentliche Wesen hinter allen Namen und Formen. Das ist echter Vedanta (Philosophie des Absoluten) im täglichen Leben.

Die Schritte von Neulingen lenken

Von 1930 an kamen viele ernsthafte Schüler zu mir mit dem brennenden Wunsch, ihr Leben der Spiritualität zu widmen und baten um Führung. Ich hatte ein ebenso brennendes Verlangen, der Welt zu dienen. Damals lebten Sadhus (Weise, Einsiedler) und große Meister (Mahatmas) unter eigentümlichen, erbärmlichen Bedingungen, ohne die nötigen Voraussetzungen und Einrichtungen und ohne geeignete Führung für die spirituelle Entwicklung. Viele quälten ihren Körper in der heißen Sonne und in der Kälte des Himalaya. Manche verfielen dem Genuß von berauschenden Getränken, um den sogenannten überbewußten Zustand (Samadhi) herbeizuführen.

In der Absicht, eine Gruppe von Entsagten (Sannyasins) und Yogis in den richtigen Grundlagen zu unterweisen, erlaubte ich ein paar Anwärtern, in den benachbarten Hütten zu wohnen. Ich traf Vorkehrungen mit der Küche (Kshetra) für ihre Mahlzeiten und weihte sie ein. Ich sorgte dafür, daß sie alles Nötige hatten. Ich ermutigte sie und flößte ihnen Wunschlosigkeit (Vairagya) ein. Ich achtete besonders auf ihre Gesundheit. Ich fragte sie häufig nach ihren Übungen (Sadhana) und gab ihnen nützliche Hinweise, um Schwierigkeiten und Hindernisse in ihrer Meditation auszuräumen. Wenn sie mir ihre Dienste anboten, bat ich sie, eine Hütte nach der anderen aufzusuchen und den alten und kranken Mahatmas mit Hingabe (Bhakti) und Glauben (Shraddha) zu dienen, indem sie ihnen Essen aus der Küche brachten, die Beine massierten und ihre Kleider wuschen.

Gebildete Schüler beauftragte ich, Abschriften kurzer Artikel von mir anzufertigen und sie zur Veröffentlichung an Zeitschriften und Zeitungen zu schicken, sowie sich dem Studium, der Mantrawiederholung (Japa) und der Meditation zu widmen. Das Kopieren meiner Artikel machte ihnen große Freude, da diese das Wesentliche der Lehren aller Weisen und Heiligen sowie klare Erläuterungen zu den schwierigen Teilen der Upanishaden und der Bhagavad Gita enthielten. Meine Abhandlungen gaben auch praktische Anweisungen zur Beherrschung der ungestümen Sinne und Schwankungen des Geistes.

Statt jahrzehntelang alte heilige Schriften zu studieren, verbrachten meine Schüler täglich nur ein paar Minuten mit der Abschrift meiner Abhandlungen und lernten dabei Yoga und Philosophie leicht in kurzer Zeit. Ich beobachtete ihre Gesichter genau, um zu sehen, ob ihnen die Arbeit gefiel und suchte dann sorgfältig Themen aus, die ihren Vorlieben und ihrer Veranlagung entsprachen und betraute sie damit. Manchmal mußte ich die ganze Arbeit selbst machen. Ich liebe die Schüler. Ungefragt kümmerte ich mich um ihre Bedürfnisse.

Alte Menschen, die keine weltlichen Bindungen mehr hatten, waren mir willkommen. Ich ermutigte sie, ihre spirituellen Übungen fortzusetzen und bat sie, ein Bad im Ganges zu nehmen, Mantras zu wiederholen (Japa) und Wissen über die höchste Wahrheit zu erwerben (Shravana, die erste Stufe des Jnana Yoga). Ich freute mich sehr, wenn ich Frieden und Wonne auf ihren Gesichtern sah. So kamen immer mehr Anwärter zu mir. Der Swarg Ashram konnte die steigende Zahl von Wahrheitssuchenden nicht mehr aufnehmen. Ich liebte den Ashram und genoß den Frieden dort, aber im Interesse der spirituellen Erhebung zahlreicher gebildeter Übender (Sadhakas) beschloß ich, den Swagashram zu verlassen.

Zweite Stufe

Pflanzen des jungen Baumes

Pläne schmieden liegt nicht in meiner Natur. Ich verlasse mich auf die Gnade Gottes. Ich hatte beschlossen, den Swarg Ashram zu verlassen. Wohin sollte ich gehen? Das war ein großes Problem. Eine Zeitlang blieb ich in einem kleinen Zimmer in der Bibliothek des Rama Ashrams. Einige meiner Schüler lebten in einer kleinen Wohlfahrtseinrichtung (Dharmashala) in der Nähe und bekamen ihre Mahlzeiten von der Speisestätte (Kshetra). Ein paar Tage lang ging ich auch dorthin. Um Zeit zu sparen, brachte mir ein älterer Mönch das Essen. So vergingen Monate.

Dann fand ich in der Nähe ein kleines Haus (Kutir) in verfallenem Zustand. Wir besserten es aus und brachten Türen und Fenster an. Ich nahm es in Besitz und lebte mehr als acht Jahre dort. Ich hätte leicht ein paar strohgedeckte Hütten im Urwald errichten können. Aber das wäre für meine Arbeit nicht geeignet gewesen. Bücher und Unterlagen hätten durch Termiten Schaden nehmen können. In einem ehemaligen Pilgerhaus (Dharmashala), das ein Ladenbesitzer später als Kuhstall genutzt hatte, gab es mehrere Räume ohne Türen. Nach und nach verwandelten wir sie alle in Unterkünfte für die Schüler.

Wenn Anhänger mir Geld für persönliche Zwecke gaben, ließ ich davon Merkblätter drucken wie "20 wichtige spirituelle Anweisungen", "Der Weg zu Frieden und Wonne", "40 goldene Regeln" und andere Schriften und gab sie an Besucher ab. Ich verwendete das Geld auch für wirksame Medikamente zur Behandlung kranker Mahatmas und für Porto, um Artikel an Zeitungen und Briefe an eifrige Anwärter zu schicken. Das Werk wuchs beständig. Ich trat nicht an die Öffentlichkeit auf der Suche nach Schülern.

Viele echte Suchende nach Wahrheit kamen zu mir und baten um Hilfe und Führung. Sie erhielten die Einweihung von mir, lebten in den angrenzenden Unterkünften und arbeiteten rund um die Uhr. Um den großen Arbeitsanfall zu bewältigen, schaffte ich ein Kopiergerät und eine Schreibmaschine an. Die Anhänger zeigten großes Interesse, selbstlosen Dienst zum Nutzen der spirituellen Erhebung der Welt zu leisten. Ich bewunderte ihre Ergebenheit mir gegenüber. Bei der Arbeit vergaßen sie ihre Vergangenheit und gingen ganz im Dienst und Sadhana (spirituelle Praktiken) auf, um sich weiterzuentwickeln. Manche Anhänger gaben freiwillige Spenden für die edle Sache. Ich erhielt Trockenvorräte für fünf Schüler von der Kali-kambliwala-Küche in Rishikesh. Die restlichen Schüler und die Besucher mußte ich aus den dürftigen Schenkungen einiger Bewunderer versorgen. Diese Zuwendungen erlaubten mir auch, ein paar Bücher zum Verkauf drucken zu lassen.

Begabungen bestmöglichst nutzen

Als neue, fähige Leute hinzukamen, rief ich verschiedene Aufgabenbereiche ins Leben, die ihren Vorlieben und ihrer Persönlichkeit entsprachen. Ich fand ihre Begabungen und verborgenen Fähigkeiten heraus und ermutigte sie in hohem Maße. Eine kleine Küche wurde eingerichtet, um die Mitarbeiter, Besucher und Bedürftigen, die keine Almosen (Bhiksha) aus dem Almosenhaus beziehen konnten, mit Essen zu versorgen. Ich richtete verschiedene Adreßdateien ein – von Anhängern, höheren Schulen, Büchereien, Spendern, Anwärtern für den Stand der Entsagung (Nivritti Marga) – und verschickte meine Bücher in regelmäßigen Zeitabständen, um Wissen weiterzuverbreiten. Die Adressen waren in verschiedene Rubriken übersichtlich unterteilt, zum Beispiel:

Ashrams, Gesellschaften/Verbände, Anwälte, Richter, Universitätsabsolventen, Buchhändler, Verleger, Firmen, Ärzte, Schüler, mit denen ich in Briefwechsel stand, Zweigstellen der Divine Life Society, Büchereien, Frauen, Brahmacharis und Sannyasi-Schüler, Zeitschriften und Periodika, Maharadschahs (Herrscher) und Zamindars (Grundbesitzer), eingeweihte Schüler, monatliche Geldgeber, im Berufs- und Privatleben stehende Schüler, Offiziere, Gönner, Lehrer, Geizhälse.

Zu jedem Überbegriff gibt es mehrere Adreßbücher, nach Ländern geordnet. Ich trug persönlich die richtigen Anschriften ein und vermerkte Änderungen sorgfältig. Bis heute trage ich wichtige Adressen selbst ein und lasse die Schüler alle Adreßbücher auf dem neuesten Stand halten.

Dritte Stufe

Eine große Einrichtung entsteht

Um die Divine Mission in großem Maßstab systematisch weiter auszubauen, gründete ich 1936 die Divine Life Trust Society, eine Treuhandgesellschaft, die ich in Ambala urkundlich registrieren ließ. Als ich 1936 von Lahore zurückkehrte, wo ich eine Kirtanversammlung geleitet hatte, kam mir plötzlich der Gedanke an eine Treuhandgesellschaft. Ich stieg in Ambala aus, um mich mit einem Anwalt zu beraten und die Gesellschaftsurkunde vorzubereiten. So wurde die Divine Life Society zur Verbreitung von spirituellem Wissen auf der ganzen Welt gegründet. In der Folge entstanden an die 300 Zweigstellen in allen bedeutenden Städten. Tausende von Schülern wurden von mir in den Mönchsstand (Sannyasa) eingeweiht. Während ihrer Ausbildung bleiben sie bei mir und arbeiten. Fortgeschrittene Schüler rufen eine eigene Mission in großen Städten ins Leben oder machen ihre geistigen Übungen (Sadhana) in einer Höhle im Himalaya.

Dürstende Aspiranten in aller Welt erhalten Führung auf dem Postweg. Artikelserien über die praktische Seite von Yoga, Bhakti (Hingabe), Vedanta (Philosophie des Absoluten) und Gesundheit kommen in Form von Flugblättern und umfangreicheren Schriften in mehreren Sprachen heraus. Führende Zeitungen in allen Ländern veröffentlichen meine Abhandlungen über Yoga, Gesundheit und allgemeine spirituelle Themen. Ein halbes Dutzend Zeitschriften werden im Ashram auf Englisch und Hindi herausgegeben und auf der ganzen Welt verschickt. Der Ashram kann jetzt etwa 400 Personen aufnehmen: Gebildete Gelehrte, Mahatmas, Yogis, Anhänger, Arme und Kranke, ganz zu schweigen von den Schülern aus den benachbarten Dörfern.

Ein Mittelpunkt kraftvoller spiritueller Erneuerung

Viele Fremde kommen in den Ashram, bleiben ein paar Wochen oder Monate und bewundern die großartige Arbeit, die hier geleistet wird. Junge und alte Bewohner von Shivanandanagar, Männer und Frauen, erfreuen sich am Frieden und der Wonne dieser Heiligen Stätte und helfen der Welt in unterschiedlicher Art und Weise. Allen widme ich meine sorgfältige, persönliche Aufmerksamkeit. Ich stelle ihnen alles Lebensnotwendige zur Verfügung und unterstütze sie in ihrer Entwicklung.

Für ihren Aufenthalt gibt es mehrere Gebäude, Hütten und Gästehäuser. Mehr als 30 Schreiber arbeiten Tag und Nacht an der Korrespondenz und den Büchern. An der YogaVedantaForest University unterrichten fachkundige Lehrer eine große Zahl von Studenten in allen Schriften. Der Universitätsverlag ist jetzt mit elektronisch gesteuerten, automatischen Setz-, Druck-, Falz- und Bindemaschinen ausgerüstet. Zur Verbreitung von Wissen unter der Jugend werden schriftliche Wettbewerbe durchgeführt und Stipendien für Studien an Kollegs und Hochschulen vergeben.

Das Sivananda-Krankenhaus ist ein Segen für die Meister, Yogis, Pilger und arme Bewohner der Nachbardörfer. Erfahrene Ärzte unterschiedlicher medizinischer Richtungen arbeiten im Krankenhaus, das mit modernen Röntgen- und Diathermie-Apparaten sowie einem HNO-Hochfrequenzgerät zur Untersuchung von Hals-, Nasen-, Ohren- und Augenkrankheiten ausgestattet ist.

Spezielle Gebete im Vishwanath Mandir (Shivatempel) haben Kranken auf der ganzen Welt ein neues Leben geschenkt. Dieser speziell für einen bestimmten Menschen durchgeführte Gottesdienst bringt den Betroffenen Frieden und Wohlergehen. Ich freue mich grenzenlos über die Hunderte von Briefen von Verehrern, die von der Rettung ihres Lebens dank der Gebete im "Tempel aller Glaubensbekenntnisse" im Ashram berichten.

Auch führende Vertreter und Anhänger anderer Religionen kommen in den Ashram und halten ihn für ein ideales Zentrum - eine gemeinsame Plattform - , um der Welt zu dienen. Ich sehe eine riesige spirituelle Kolonie vor mir; Freude und Glückseligkeit spiegeln sich auf dem Gesicht jedes Bewohners. Die Menschen kommen aus unterschiedlichen Beweggründen, um materieller und geistiger Vorteile willen, und sind dann sprachlos, ihre Wünsche im Übermaß erfüllt zu sehen. Ehre dem Herrn, daß er uns dieses ideale Zentrum für alle Wahrheitssuchenden geschenkt hat.

Zusätzlich zu den normalen Aktivitäten werden gelegentliche Blindenhilfswerk-Camps im Ashram und in den Außenstellen durchgeführt. Regionale Divine-Life-Konferenzen werden in wichtigen Städten Indiens organisiert. In den Ferien kommen Anhänger und Schüler massenweise, schließen sich dem üblichen Tagesablauf und dem Satsang an und ziehen daraus unermeßlichen Nutzen.

Vierte Stufe

Gruppen-Sadhana

Junge Aspiranten schliefen in der winterlichen Kälte aus alter Gewohnheit oft bis sechs oder sieben Uhr am Morgen. Sie dürfen ihr kostbares Leben nicht mit Schlaf in den frühen Morgenstunden zwischen vier und sechs Uhr (Brahmamuhurta) vergeuden. Diese Zeit ist sehr günstig für tiefe Meditation. Die Atmosphäre ist mit reinen (sattwigen) Schwingungen geladen. Man kommt ohne große Anstrengung zu wunderbarer Konzentration.

Von meiner Hütte aus pflegte ich einige Male die Mantras "Om Om Om, Shyam Shyam Shyam, Radheshyam Radheshyam Radheshyam" laut zu singen und brachte so die Schüler dazu, für Gebet und Meditation früh aufzustehen. Bei den Trägen (Tamasigen) wirkte das nicht. Ich sorgte dafür, daß jeweils noch vor Sonnenuntergang zu Abend gegessen wurde. Das half einigen, morgens leichter aufzustehen. Nur wer sich abends den Magen mit schwerem Essen überlädt, findet es schwierig, am nächsten Morgen früh aufzustehen.

Zu Beginn der spirituellen Praxis passiert es oft, daß man zwar früh aufsteht, dann aber vom Schlaf überwältigt wird und während der ganzen Meditationszeit in einer Sitzhaltung schläft, wenn man versucht, allein in seinem Zimmer zu meditieren. Das brachte mich auf den Gedanken, am frühen Morgen (Brahmamuhurta) gemeinschaftliches Gebet und Meditation einzuführen. Ein Schüler läutete vor jedem Gebäude eine Glocke. Die Aspiranten kamen dann zum Gruppensadhana zusammen. Ich schloß mich monate- und jahrelang jeden Tag der Gruppe an.

Gebet und Unterricht

Die Sitzung begann mit Anrufungen Ganeshas, Lobpreisungen des Gurus (Stotra) und Mantras (Kirtan). Dann las gewöhnlich einer der Schüler ein Kapitel aus der Gita und erklärte die Bedeutung eines Verses (Shloka). Ein anderer gab ein paar kurze Tips zu Konzentration und Meditation. Am Ende hielt ich einen halbstündigen Vortrag über schnellen spirituellen Fortschritt und schlug verschiedene Methoden zur Überwindung negativer Geisteshaltungen und zur Beherrschung der ruhelosen Sinne vor. Ich legte großen Nachdruck auf sittliche Vollkommenheit. Am Ende der Gruppensitzung sangen alle zusammen zehn Mal das Shanti-Mantra (Friedensmantra). Die Schüler behielten das göttliche Bewußtsein während ihrer täglichen Arbeit bei.

Einige Schüler lebten im Brahmananda-Ashram, etwa 200 Meter von meinem Kutir entfernt. Morgens um vier Uhr machte ich dort häufig Überraschungsbesuche und sang ein paar Mal OM, damit sie zum Gebet aufstanden. Ich übte keinen Zwang aus, sich der gemeinsamen Meditation anzuschließen. Ich gestattete ihnen auch, ihre eigenen Übungen in ihrer Hütte durchzuführen. So widmete ich meine ganze Aufmerksamkeit der spirituellen Erhebung meiner Schüler. Selbst heute noch sprechen viele Schüler, die damals die gemeinschaftlichen Gebete und Meditationen mitgemacht haben, davon, wie sehr meine kurzen Vorträge über spirituelle Praxis (Sadhana) sie inspiriert haben.

Zwischen drei und vier Uhr nachmittags richtete ich ebenfalls eine "Lehrstunde" ein. Ich bat einen der Schüler, ein Kapitel aus einem meiner Bücher vorzulesen. Am nächsten Tag stellte ich dann Fragen zu den wichtigen Punkten. Ich bildete die Anwärter auf vielfältige Weise aus. Sie lernten, die Mantras der Schriften zu singen, Kirtans zu leiten und kurze Vorlesungen zu halten. Ich beauftragte einen Schüler, Fragen zu stellen und andere, sie zu beantworten. In der Nachmittagsstunde führte ich Mantraschreiben (LikhitaJapa) ein und morgens Tratak (Augenreinigungs- und Konzentrationsübung) und andere Yogaübungen. Tagsüber mußte jeder Abhandlungen über Yoga und Philosophie verfassen und seine eigenen spirituellen Erfahrungen beschreiben. Wenn Schulkinder in den Ashram kommen, lehre ich sie auch heute noch ein paar kurze englische Sätze und fordere sie auf, etwas vorzutragen. Viele haben meine englischen Lieder wie "Eat a little" gelernt.

Ich bildete meine Schüler auch in organisatorischen Arbeiten aus und lehrte sie Schreibmaschine schreiben, Bücher und die Gesellschaftsgeschäfte zu führen und sich um Anhänger, Besucher und Kranke zu kümmern. Auf diese Weise entfaltete die Yoga Vedanta Forest University bereits in ihren Anfängen eine kraftvolle Wirkung.

Besucher betreuen

Wenn Besucher zu mir kamen, redete ich nicht mit ihnen über ihre Privatangelegenheiten, sondern forderte sie auf, die Vergangenheit zu vergessen und Mantras mit mir zu singen. Ich brachte ihnen Musik, Lobpreisungen Gottes (Bhajan), Mantrasingen (Kirtan) und Philosophie bei. Auch heute noch empfehle ich Anhängern, die in den Ashram kommen, ein bestimmtes Buch zum Lesen und stelle ihnen am nächsten Tag Fragen dazu. Ich kläre alle ihre Zweifel und gebe hilfreiche Ratschläge, um Schwierigkeiten und Hindernisse auszuräumen.

Alle sind glücklich über meine persönliche Aufmerksamkeit. Die planmäßige Arbeit dieses heiligen Zentrums im Himalaya am Ufer des Ganges hat Tausende aus ganz Indien und von anderen Ländern auf der Suche nach Wahrheit angezogen. Die Divine Life Society, die Yoga VedantaForest University und der Sivananda-Ashram wurden "Schlagworte" für alle spirituellen Anwärter. In verschiedenen Zentren wird nun eine ähnliche Arbeit planmäßig aufgebaut durch Gründung von Zweigstellen der Universität, der Divine Life Society, des Sivananda-Ashrams und der Sivananda-Yogaschule. Ich achte sorgfältig auf die Ernährung im Ashram – sie muß ausreichend sein, um in guter Verfassung zu bleiben - nicht zum übermäßigen Genuß oder zur Sinnesbefriedigung, sondern um den Fortschritt in der spirituellen Praxis zu fördern.

Sonntags führte ich salzlose Kost ein, einfache gekochte Kartoffeln und Brot am 11. Tag nach Vollmond und nach Neumond (Ekadashi) oder nur Milch und Obst für manche Schüler.

Ich begann mit einem Dutzend Schüler. Bald kamen in den Ferien viele Anhänger aus Delhi, Madras, Kalkutta und anderen indischen Städten zu mir. Da führte ich ein Gruppensadhana ein – ein besonderes Programm mit allen wichtigen Bestandteilen geistiger Übungen - , eine Art spiritueller Zusammenkunft über die praktische Seite von Yoga. Das entwickelte sich allmählich zu Sadhana-Wochen in den Oster- und Weihnachtsferien und ist in den letzten 20 Jahren zu einem festen Bestandteil geworden.

Verschiedene Zweige der Divine Life Society in Indien veranstalteten ähnliche Tagungen mit gleichem Ablauf wie die Sadhana-Wochen im Ashram. Sie laden bedeutende Persönlichkeiten als Referenten dazu ein und verteilen bei diesen Anlässen kostenlos Merkblätter und Bücher. So ist eine dynamische Tätigkeit zur spirituellen Erweckung im Gange.


5. KAPITEL - MEIN GLAUBE, SEINE METHODIK UND VERBREITUNG     Top

Die "Divine Life"-Bewegung

Ich liebe die Abgeschiedenheit. Manchmal muß ich mich zurückziehen. Ich sehne mich nicht nach Ansehen und Ruhm. Ich habe nie viel Zeit für das eingehende Studium der Schriften und Weltreligionen aufgewendet, nur um aufsehenerregende Vorträge vorzubereiten. Ich liebte es nie, Zeit mit geschliffenen Abhandlungen für Buch- oder Zeitungsveröffentlichungen zu verbringen. Es erfreute mich nicht, wenn die Leute mich "Mahatma" oder "Guru Maharaj" nannten. Ich hatte nie vor, eine Einrichtung zu gründen, um meinen Namen zu verewigen. Aber Gott wollte es anders. Die ganze Welt kam voll göttlicher Herrlichkeit und Glanz zu mir. Vielleicht ist das auf die innigen Gebete Tausender ernsthafter Wahrheitssucher zurückzuführen, in Verbindung mit meinen ureigensten Neigungen, alles was ich habe, mit anderen zu teilen und der Welt allgemein zu dienen zur Erlangung von Licht, Frieden, Wissen und Macht.

Ich fand geeignete Einrichtungen und geschickte Hände, die Arbeit weiterzuführen; das veranlaßte mich, die Divine Life Society ins Leben zu rufen. Ich brachte die Botschaft der Weisen und Heiligen und lehrte die Welt den Weg zu Frieden und Glückseligkeit. Dank der Beliebtheit der Divine Life Society kamen viele gelehrte, fromme Seelen von weither zu mir. Sie teilen die Liebe zum selbstlosen Dienst mit mir und leisten wertvolle Arbeit bei der Verbreitung des rechten Wissens, das allein dauerhaften Frieden und Glück verleihen kann. Viele Außenstellen der Divine Life Society im Ausland drucken Teile meiner Werke neu und verteilen sie kostenlos in ihren Einzugsgebieten.

Das Gebot der Stunde

Wenn der Mensch in Selbstsucht, Gier und Leidenschaft verstrickt ist, vergißt er Gott natürlich ganz. Er denkt ständig an seinen Körper, seine Familie und seine Kinder. Er kümmert sich nur um sein Essen, Trinken und um seine Bequemlichkeit. Er ertrinkt im Meer von Geburt und Tod (Samsara). Materialismus und Skeptizismus beherrschen ihn. Er läßt sich von Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen und fängt an zu streiten. Überall herrscht Ruhelosigkeit, Elend, panische Angst und Durcheinander. Die Welt scheint derzeit im Griff rein materialistischer Denk- und Handlungsweisen zu sein. Die Erfindung neuer Bomben ruft überall Schrecken hervor. Die Menschen haben den Glauben an die heiligen Schriften und die Lehren der Weisen und Heiligen verloren. Aufgrund falscher Erziehung und schlechter Einflüsse sind sie gottlos geworden.

Die umwälzenden Ereignisse seit Beginn des 20. Jahrhunderts verfehlten ihre Wirkungen auf alle spirituell gesinnten Menschen, Entsagte (Sannyasins), Heilige und Diener Gottes nicht. Die Schrecken der Weltkriege bewegten sie aufs äußerste. Die darauf folgenden verhängnisvollen Seuchen und der weltweite Niedergang rührten ihre mitleidvollen Herzen. Sie sahen, daß die Leiden der Menschheit größtenteils durch deren eigene Taten hervorgerufen worden waren. Das Gefühl verstärkte sich, es sei ein dringendes Gebot der Stunde, den Menschen ihre Irrtümer und Torheiten bewußt zu machen und sie dazu zu bringen, die eingeschlagene Richtung zu korrigieren, um ihr Leben voller Begeisterung für wertvollere Ziele einzusetzen.

Millionen suchten dringend nach einer solchen Führung. Dieses stille Gebet wurde erhört und ich erlebte das Enstehen der Divine Life Mission mit ihrer Aufgabe, die Menschen den Kräften der Unmenschlichkeit und Gewalttätigkeit zu entreißen und ihr Leben auf dieser Erde göttlich zu machen.

Genau zu diesem kritischen Zeitpunkt rief ich die Divine Life Society ins Leben. Heute gilt sie als Segen für die Welt. Sie basiert auf dem Kern der Lehren aller Religionen, Heiligen und Propheten der Welt. Ihre Grundsätze sind universell und allumfassend und stehen im Einklang mit Wissenschaft und Vernunft. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Menschen über die Sorgen und den Jammer ihres weltlichen Lebens zu erheben, indem sie ihnen ermöglicht, die glückselige Göttlichkeit zu erkennen, die sich hinter allen äußeren Erscheinungen verbirgt.

Gute Gedanken durchdringen und beeinflussen alle guten Menschen. Die von der Divine-Life-Bewegung geschaffenen Gedankenströme übten ihre entsprechende Wirkung auf die Menschen in Europa und Amerika aus. Nun herrscht überall auf der Welt großes Verlangen nach Frieden. Millionen fürchten die rasche Vernichtung der ganzen Menschheit durch Atomwaffen.

Allumfassende Ideale für spirituelle Vollkommenheit

Die Divine Life Society ist eine offene allumfassende Institution; ihre Zwecke, Ideale und Ziele sind breitgefächert und universell. Sie lehnt keine Grundsätze und Lehren irgendeines Glaubens ab. Sie schließt die Grundprinzipien aller Religionen und Glaubensrichtungen ein und kennt keine bevorzugten oder einseitigen, sektiererischen Glaubenslehren. Sie führt die Menschen auf den spirituellen Weg und versetzt sie in die Lage, ein an göttlichen Grundsätzen orientiertes Leben zu verwirklichen, auch wenn sie ganz normal in der Welt leben und einer bestimmten Religion oder Glaubensrichtung angehören.

Die Divine-Life-Gesellschaft hat ein nachdrückliches Erwachen auf der ganzen Welt ausgelöst und viel zu einem neuen Leben in Handlungsfreiheit, einem Leben in Ausgeglichenheit inmitten weltlicher Umtriebe und einem Leben in Glückseligkeit durch geistige Nicht-Verhaftung und inneres Abstandgewinnen von Wünschen, Selbstsucht und Besitzdenken beigetragen. Die Grundsätze, Ziele und Ideale der Gesellschaft und ihre Vorgehensweise stoßen auf allgemeine Wertschätzung. Sie betont nachdrücklich die praktische Seite der Spiritualität und erklärt den ganzheitlichen Yoga (Yoga der Synthese) auf vernünftige, wissenschaftliche Weise. Menschen aus verschiedensten Institutionen und Vereinigungen auf der ganzen Welt werden Mitglieder der Divine Life Society und schreiben mir, um spirituelle Führung zu erhalten. Ich kümmere mich besonders um sie und erteile ihnen Unterweisung auf dem Postweg für ihren geistigen Fortschritt und ihr Wohlergehen. Die Divine Life Society erklärt, daß jeder Mensch in seinen eigenen Lebensumständen Weisheit erlangen kann, egal, ob er enthaltsam lebt (Brahmachari), im Berufs- und Familienleben steht (Grihastha), Rentner ist (Vanaprastha) oder sich von der Welt zurückgezogen hat (Sannyasi), sei es ein Straßenkehrer, Brahmane (Priester, oberste Kaste), Shudra (Diener, Angehöriger der niedrigsten Kaste) oder Kshatriya (Krieger), ob er vielbeschäftigt im Alltagsleben steht oder sich als Sadhaka (Übender) in den Himalaya zurückgezogen hat. Göttliches Wissen ist kein Vorrecht von Entsagten (Sannyasins) und Einsiedlern.

Sie erklärt ebenfalls, daß, obwohl der Yoga des Wissens (Jnana Yoga), die Vedanta-Philosophie, die zentrale Grundlage bildet, es nötig ist, auch die anderen Yoga-Arten auszuüben: Den Yoga des selbstlosen Handelns (Karma Yoga) zur Reinigung von Gemüt und Herz, den Yoga der Körperstellungen (HathaYoga), um gute Gesundheit und Kraft aufrechtzuerhalten, die Lebensenergie (Prana) zu reinigen und den Geist zu festigen, den Yoga der Geistesbeherrschung (RajaYoga), um die Gedanken (Sankalpas) zur Ruhe zu bringen und Konzentrationsfähigkeit in der Meditation herbeizuführen, und den Yoga des Wissens (JnanaYoga), um den Schleier der Unwissenheit zu lüften und für immer in seiner eigenen ursprünglichen Natur von Sein-Wissen-Glückseligkeit (SatchidanandaSwarupa) zu ruhen.

Der kritische Punkt

<>Die Studenten wurden ungläubig,
verloren den Glauben an die Religion
unter dem Einfluß der Wissenschaft.
Sie vernachlässigten Pflicht und rechtes Handeln (Dharma),
begannen zu rauchen und zu spielen.
Junge Frauen richteten sich nach der Mode,
Offiziere waren nur noch auf ihren eigenen Vorteil bedacht.
Die Gesundheit der Menschen verschlechterte sich.
Die Menschen kümmerten sich nicht mehr um die Schriften,
der Materialismus übernahm die Herrschaft.
An diesem kritischen Punkt,
um die Herrlichkeit Gottes wieder aufleben zu lassen,
das Wissen über Yoga zu verbreiten,
den ganzheitlichen Yoga zu lehren,
den Menschen Hingabe und Glauben einzuflößen,
den spirituellen Aufschwung der Menschheit zu fördern,
Frieden und Glück in jedes Heim zu bringen,
rief ich die Divine Life Mission ins Leben
und gründete die Yoga VedantaForest University,
an einem geheiligten, reizenden Ort im Himalaya,
am Ufer des Heiligen Ganges in Rishikesh.

Das schnelle Wachstum der Mission

1936 rief ich die Divine Life Society ins Leben zur spirituellen Erhebung der Menschheit. Ich bildete viele ernsthafte Yogaschüler aus. Zu ihrer raschen Entwicklung führte ich die morgendlichen gemeinschaftlichen Gebetsstunden und Gruppenasanas ein. Bedürftigen und Tausenden von Pilgern leistete ich ärztliche Hilfe durch ein kostenloses Ambulatorium. Ich sandte Fachkundige an verschiedene Zentren, wo sie Vorlesungen über Bhakti, Yoga und Vedanta hielten. Ein kleiner Tempel für Gebete und Gottesdienste wurde errichtet. Als dann viele Schüler kamen, mußten Verpflegungs- und Unterkunftsmöglichkeiten für sie und die Besucher geschaffen werden; so entstand der Sivananda-Ashram.

Die YogaVedantaForest University entwickelte sich, als regelmäßige Kurse für alle Yogawege eingerichtet wurden. Um die Schüler weltweit zu unterstützen, wurde der Universitätsverlag mit automatischen Maschinen eingerichtet, um die nötigen Werke über die praktische Seite des Yoga und ein halbes Dutzend Zeitschriften zu drucken. Die kleine Ambulanz wuchs zu einer großen medizinischen Einrichtung, mit einem Allgemeinen Krankenhaus und eigenen Gebäuden. Obwohl die Divine Life Society weiterhin die Hauptorganisation bleibt, mußten viele andere Einrichtungen gegründet werden, um die verschiedenen Bereiche abzudecken, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet haben, um gezielte Arbeit leisten zu können. Jetzt ist der Ashram eine sehr große spirituelle Siedlung und sieht aus wie eine riesige Fabrik vor dem Hintergrund des wundervollen, unbeschreiblichen Friedens des Himalaya. Anwärter, die in den Ashram kommen und ein paar Monate oder Jahre hierbleiben, finden Spielraum für ihren spirituellen Fortschritt sowohl als Mitarbeiter in den verschiedenen Ashram-Einrichtungen als auch als stille Meditierende in der Umgebung des Tempels oder in den Einsiedeleien im nahen Urwald. Jeder wählt die ihm entsprechende Lebensweise.

Die Grundsätze

Mehr als danach zu streben, nach diesem Leben den Himmel zu erreichen, versuchen die Gefolgsleute der Divine-Life-Gesellschaft, himmlische Zustände auf Erden herrschen zu lassen. Die Grundsätze der Divine Life Society sind absolut unsektiererisch und allgemeingültig. Die Grundlage dieser Bewegung ist die Befolgung der drei Ideale Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit und Reinheit – also die allen Religionen der Welt gemeinsamen Maximen. Daher genießt die Divine-Life-Bewegung die bereitwillige Unterstützung der Völker aller Glaubensrichtungen und Kulturen. Ihr Lebensentwurf und -ziel ist allgemeinverbindlich und für alle auf der Erde annehmbar, die sich über das Leid erheben und dauerhafte Wonne erlangen wollen. Das also ist die Divine-Life-Bewegung.

Keine Geheimlehren

Praktisch angewandte Spiritualität im Sinne der Divine Life Society ist nichts anderes als das Wesentliche aller Yogaarten und die Grundzüge aller Religionen. Hier findet jeder ethische Prinzipien, die mit seinem eigenen Glauben übereinstimmen. Es bedarf heute mehr denn je der tatkräftigen und nachdrücklichen Umsetzung dieser Ideale, denn die jüngsten Entwicklungen in Wissenschaft, Politik und Soziologie sind geneigt, die Menschheit näher als je zuvor an den Rand des gefährlichen Abgrunds von völligem Agnostizismus und gewaltsamer Selbstzerstörung zu führen. Haß und Gewalt, Unwahrheit und Betrug, Laster und Unreinheit sind an der Tagesordnung.

Nur eine starke Gegenkraft kann diesen Abwärtstrend vielleicht bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Die Divine Life Society wurde gegründet, um diesen wuchernden negativen Einflüssen Widerstand zu leisten und den Strudel, in dem die Menschheit dem Ruin entgegentreibt, aufzuhalten. Ich bringe die Botschaft von Frieden, Wohlwollen, Brüderlichkeit und Verwirklichung geistiger Einheit. Die Divine-Life-Bewegung kennt weder kleinliche Regeln noch Geheimlehren noch abgegrenzte Bereiche nur für Eingeweihte. Wer die Wahrheit liebt, erkennt ihre Fülle, unendliche Schönheit, Erhabenheit und Herrlichkeit. Sie bietet Platz und Zuflucht für alle. Sie versetzt einen in die Lage, die Religion des Herzens, die Religion der Einheit, zu verwirklichen.

Was ist wahrer Glaube

Religion kann man nicht durch reine Beweisführung oder Erörterungen lehren. Man kann niemanden nur durch Vorschriften oder moralische Regeln zur Religion bekehren. Einen spirituellen Anwärter kann man nicht mit dem Hinweis auf Stapel hochgeistiger Lektüre oder Wunder seines Meisters gewinnen. Übe Religion praktisch aus, lebe nach ihren Lehren, wenn du dich entwickeln und das Ziel des Lebens verwirklichen willst. Was immer deine Religion, dein Prophet, deine Sprache und dein Land, dein Alter oder Geschlecht sein mögen, du kannst dich leicht entwickeln, wenn du weißt, wie du das Ego und die niedere Natur des Geistes zerstören und Körper, Sinne und Geist beherrschen kannst. Das habe ich als Weg zu wahrem Frieden und ewiger Wonne erkannt. Daher versuche ich nicht, die Leute durch hitzige Streitgespräche zu überzeugen.

Wahrer Glauben ist der Glaube des Herzens. Das Herz muß zuerst gereinigt werden. Wahrhaftigkeit, Liebe und Reinheit sind die Grundlage wirklichen Glaubens. Unterwerfung der niederen menschlichen Natur und Beherrschung des Geistes, Pflege von Tugenden, Dienst an der Menschheit, Wohlwollen, Kameradschaft und gegenseitige Freundschaft bilden die Grundfesten wahrer Religion. Diese Ideale gehören zu den Leitmotiven der Divine Life Society. Ich nehme es mit der Verbreitung dieser Ideale auf breiter Basis sehr genau.

Ich verschwende keine Zeit damit, passende maßgebende Stellen in den Schriften zu suchen, um die Neugier von spirituellen Anwärtern zu befriedigen. Ich führe ein praktisches Leben und versuche, den Schülern ein Beispiel zu geben, um ihr Leben zu formen. Wisse, daß wahrer Glauben beginnt, wenn du das Körperbewußtsein überschreitest. Der Kern der Lehren aller Weisen und Heiligen und die Grundlagen aller Religionen und Glaubensbekenntnisse sind gleich. Die Menschen streiten sich ohne Notwendigkeit über Unwesentliches und verfehlen das Ziel.

Möge die Divine-Life-Bewegung als Vorbotin von Frieden, Harmonie und erhabenem Leben ihren Glanz und ihre Herrlichkeit über die ganze Welt verbreiten.

Das Evangelium Göttlichen Lebens

Die Welt der Erscheinungen stellt sich uns mit vielen Schwierigkeiten in den Weg bei jedem Schritt, den wir unternehmen, um zum Ziel – Nirwana – zu gelangen, das Buddha nach Jahren entschlossener, beständiger Anstrengung erreichte. Die Menschen von heute haben weder die nötige Zeit noch die Geduld für strenge Askese (Tapas) und harte religiöse Praktiken, von denen manche sogar als Aberglauben abgetan werden. Um der heutigen Generation den Nutzen religiöser Askese zu vermitteln, ihnen ihre wahre Bedeutung klarzumachen und sie gründlich von deren Wirksamkeit und Nützlichkeit zu überzeugen, lehrte ich mein Evangelium vom "Göttlichen Leben". Divine Life ist ein ganzheitliches System für eine spirituelle Lebenseinstellung für jeden, die von jedem Angestellten und Arbeiter gleichermaßen ohne übermäßige Beeinträchtigung ihrer täglichen Pflichten umgesetzt werden kann. Die Schönheit des "Göttlichen Lebens" liegt in seiner Einfachheit und praktischen Anwendbarkeit im täglichen Leben normaler Menschen. Man kann den Lehren seiner eigenen Religion treu bleiben und gleichzeitig die Grundsätze des "Göttlichen Lebens" befolgen und sich so schnell spirituell weiterentwickeln.

Die praktische Seite

Der durchschnittliche Sucher nach Wahrheit wird oft von den Launen seines Geistes getäuscht. Wer den spirituellen Pfad einschlägt, wird irregemacht, bevor er das Ziel seiner Reise erreicht und unterliegt natürlicherweise der Versuchung, mit seinen Anstrengungen auf halbem Weg nachzulassen. Es gibt zahlreiche Fallgruben, aber wer sich stetig dahinschleppt und ein Leben in Gott führt, kann sicher sein, das Ziel seines Strebens, die Selbstverwirklichung, zu erreichen. In allen meinen Werken habe ich auf die Beherrschung der ungestümen Sinne und des Geistes, die Reinigung des Herzens, Erlangen von innerem Frieden und geistiger Stärke hingewiesen, entsprechend dem jeweiligen Entwicklungsstand, den persönlichen Neigungen und der Wesensart jedes einzelnen.
 
Die Rolle der "DivineLife"-Zweigstellen und spiritueller Aspiranten

Meine Botschaft an Aspiranten und die Zweigstellen der Divine Life Society lautet:

"Ihr seid auf die Welt gekommen, um spirituelle Vollkommenheit zu erlangen, höchste und ungetrübte Wonne. Der Zweck menschlicher Geburt ist es, Göttliches Bewußtsein zu erreichen. Das Ziel des Lebens ist Selbstverwirklichung. Der Mensch ist kein sinnliches Tier. Der Mensch ist seiner grundlegenden Natur nach ewig frei, rein, vollkommen, unsterblich. Spüre, daß du das Unsterbliche Selbst bist. Du bist Satchidananda (Sein, Wissen, Seligkeit). Denke daran: ,Ajo nityah sasvatoyam purunah‘ – du bist ungeboren, ewig, unvergänglich und uralt. In diesem erhabenen Bewußtsein zu leben heißt, in jedem Augenblick deines Lebens unbeschreibliche Freude und grenzenlose Freiheit im Geist zu erfahren. Das ist dein Geburtsrecht. Das ist der Zweck deines Lebens. Das ist das Ziel. Es ist das Hauptanliegen der Divine-Life-Bewegung, dies durch ein Leben in Wahrhaftigkeit, Reinheit, selbstlosem Dienst und Hingabe zu verwirklichen.

Im Zeitalter atomarer Massenvernichtungswaffen herrscht Furcht vor. Haß regiert die Politik weiter Teile der sogenannten aufgeklärten und zivilisierten Menschheit. Dieses Zeitalter des Fortschritts hat sich in Wirklichkeit als Zeitalter des Verfalls von Anschauungen und Werten, Idealen und Moralvorstellungen breiter Schichten der Bevölkerung entpuppt. An diesem kritischen Punkt suchen gebildete Männer und Frauen der ganzen Welt Erleuchtung und Wissen in Indien, diesem heiligen Land. Es ist eure vornehme Aufgabe, dieses Licht des spirituellen Wissens und Idealismus‘ bis in jeden Winkel dieser Erde zu verbreiten."

Die Einheit aller Menschen

"In den Upanishaden heißt es : ,All das ist wahrlich der Atman. Das Eine, glückselige Selbst wohnt in allen Wesen.‘ Die geistige Einheit der ganzen Menschheit ist eine wichtige Lektion für den Menschen von heute. Was auch immer war und in Zukunft sein wird, alles ist wahrlich das eine, ewige Wesen allein. Die Botschaft der Divine-Life-Bewegung vom Göttlichen Leben lautet: ,Sieh Gott in jedem Gesicht. Diene allen. Liebe alle. Sei freundlich zu allen. Sei mitfühlend. Fühle, daß jeder du selbst ist. Diene deinen Mitmenschen und allen Wesen im Geist der Verehrung des Göttlichen in ihnen. Dienst an der Menschheit ist in Wirklichkeit Gottesdienst.‘ Laßt diese Botschaft landauf landab die Freiheit verkünden, laßt sie in jedes Haus und jedes Herz eindringen.

"Wahrlich, alle großen Religionen der Welt verkünden diese göttliche Botschaft als spirituelle Grundlage menschlichen Lebens. Sie erklären die allumfassende Brüderlichkeit der Menschheit unter der Vaterschaft des Allmächtigen Gottes. Sei dir bewußt, daß das Wesentliche der Veden, das Herz der Bibel, der Kern des Korans, der heiligen Gathas (Lieder, Verse) und aller heiliger Schriften der Welt im Grunde dasselbe ist und einstimmig die liebliche Melodie von Liebe und Eintracht, Güte und Freundlichkeit, Dienst und Verehrung singt. Lege die Schranken von Namen und Formen nieder. Suche die Einheit im Herzen aller Wesen. Schließe die ganze Menschheit in deine geistige Umarmung ein. Lebe für den Frieden. Lebe für allumfassende Liebe. Lebe im Göttlichen."

Der laute Ruf von "Divine Life"

"Eine Divine-Life-Zweigstelle ist in der heutigen Zeit ein großer Segen für die Menschheit, ein echter Segen Gottes. Sie ist ein Feld für dynamischen Yoga und angewandten Vedanta (Philosophie des Absoluten). Die Verbreitung von Divine Life ist die Hoffnung der Menschheit. Durch Divine Life werden sich die Menschen von Unwissenheit, Kummer und Leid befreien und jenseits aller Sorgen noch in diesem Leben, hier und jetzt, in das himmlische Reich von Frieden und Wonne eingehen. Divine Life bringt der Menschheit Frieden und Brüderlichkeit. Es reinigt den Menschen, veredelt seine Natur und entfaltet seine wunderbare verborgene göttliche Wesensart. Divine Life ist Indiens Geschenk an die ganze Welt."

"Laßt den Ruf der Upanishaden in jedem Dorf, in jeder Stadt erschallen. Laßt den herrlichen Gesang des göttlichen Namens in jeder Siedlung ertönen. Laßt in jedem Herzen Tugend wachsen und rechtes Handeln (Dharma) jeden Schritt im Leben bestimmen. Göttliches Leben muß praktisch umgesetzt werden. Die Ideale von Divine Life müssen in der gelebten Wirklichkeit Ausdruck finden, sich im Leben der Menschen manifestieren. Das ist wichtig. Seid ergeben. Arbeitet einträchtig zusammen. Seid anpassungsfähig. Paßt euch an, fügt euch ein, seid versöhnlich. Denkt immer daran, daß es um die Sache geht, nicht um persönliche Ansichten und Meinungen. Löst daher alle Meinungsverschiedenheiten und arbeitet zusammen zugunsten eines reinen Lebens und spiritueller Vollkommenheit."

"Vollkommenheit des Einzelnen führt schließlich zur Vollkommenheit der ganzen Menschheit. Verbreitet die Lehre vom selbstlosen Dienst. Gewinnt alle für den Yogaweg, um das Ziel des Lebens, gute Gesundheit und ein langes Leben zu erreichen."

Ich habe den Wahrheitssuchenden nicht mit Regeln, Vorschriften und Beschränkungen zu helfen versucht, sondern ihnen mittels Briefen, Zeitschriften und wertvollen Veröffentlichungen stufenweise Anleitungen gegeben, wie man durch gemeinsame Gebete, Meditation und Mantrasingen (Bhajan und Kirtan) spirituelle Schwingungen aufbaut. Für den geistigen Fortschritt kommt es nicht auf die Anzahl an. Ein einziger ergebener Schüler kann die Welt bewegen und ihr Licht und Wissen bringen.

Aus den folgenden Briefen, die ich zwischen 1936 und 1940 an meine Schüler geschrieben habe, geht deutlich hervor, wie ich eine kraftvolle Kampagne auf der ganzen Welt einleitete und über 300 Zweigstellen der Divine Life Society gründete.

 Die Bedeutung von Gruppen-Sadhana

"Die Entwicklung beschleunigt sich durch Gruppensadhana, Massengebete und gemeinsame Meditation. Es ist nicht der Zweck der Divine-Life-Zweigstellen, Reichtum, Ansehen und Berühmtheit zu erwerben, sondern der Welt Frieden und Harmonie zu bringen, indem an verschiedenen Orten spirituelle Schwingungen erzeugt werden. Führt wöchentliche Treffen durch. Ladet spirituell gesinnte Freunde ein. Klärt die Zweifel der Anhänger. Ihr könnt eine Bücherei mit philosophischen Büchern aufbauen. Ladet Gelehrte bei euch am Ort zu Vorträgen ein. Druckt gelegentlich meinen Text "20 wichtige spirituelle Anweisungen" und andere Merkblätter und verteilt sie kostenlos. So könnt ihr den Keim für eine Divine Mission legen. Die Saat wird langsam zum Wohle der Welt aufgehen. Das wird eine Menge zu eurer eigenen Entwicklung und gleichzeitig zur Erhebung der Menschheit beitragen."

Die Gründung einer "Divine-Life"-Gesellschaft

"Gut begonnen ist halb gewonnen". Ich lege keinen Wert auf großartige Pläne und Vorhaben. Wenn der Anfang gut gelingt und die Beteiligten aufrichtig, vertrauens- und hingebungsvoll dabei sind, ist der Erfolg gewiß. Ich schrieb an einen ernsthaften Schüler:

"Du hast sehr gut angefangen. Das Werk wird bald Wurzeln schlagen und erblühen. Du kannst die Yogastunde in einem Zimmer im Haus abhalten. Bringe auch ein Schild an. Halte einmal pro Woche Treffen ab. Bitte Freunde um ein paar Bücher und baue eine Bibliothek auf. Ich schicke Dir alle meine Werke. Für die anfallenden Kosten kannst Du von den Teilnehmern eine kleine Gebühr nehmen. Behalte die folgenden Ziele im Auge:

<>
  • Selbstverwirklichung durch Yoga
  • Jugendlichen durch Yogaübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama) und ethische Werte neue Impulse zu geben
  • das Wissen der Rishis (Seher) und Yogis weit zu verbreiten
  • allumfassende Brüderlichkeit und kosmische göttliche Liebe zu entwickeln.
  • Laß Dich nicht entmutigen und verliere nie Dein Selbstvertrauen. Viele haben mit einer Ortsgruppe der Divine Life Society in ihrer eigenen Wohnung angefangen. Die Familienmitglieder treffen sich morgens und abends zum gemeinsamen Gebet und Mantrasingen (Kirtan). Die dabei entstehenden spirituellen Schwingungen bringen der ganzen Familie Frieden und Erfolg. Mache etwas mit ausgewählten Freunden, auch wenn ihr nur zu zweit seid."

    Ich bin immer bereit, begeisterten Aspiranten, die das göttliche Wissen weiterverbreiten wollen, genaue Anweisung zu geben.

    "Bringe ein paar Leute zusammen. Lies etwas aus meinen Büchern vor. Sprich über Zweifel und Fragen. Leite sie zu Japa (Mantrawiederholung), Kirtan (Mantrasingen), Meditation und zum Studium der Gita an. Sag ihnen, sie sollen ein spirituelles Tagebuch und ein Heft für LikhitaJapa (Mantraschreiben) führen. Du besitzt kostbares Wissen und Fähigkeiten, zu denen Du nicht genug Vertrauen hast oder derer Du Dir nicht einmal bewußt bist. Bringe Deine verborgenen Talente zum Ausdruck. Gib, was immer Du hast. Es wird der Welt nützen. Bilde bei Dir zu Hause eine Gruppe und rufe ähnliche Aktivitäten in verschiedenen Stadtteilen ins Leben. Schwanke nicht. Sei voller Hoffnung. Du kannst Wunder bewirken. Strahle Freude und Frieden aus. Halte Dich an eine bestimmte Arbeitsweise. Arbeite ein wenig - das reicht. So kannst Du Deine Zeit gut und nützlich verbringen. Laß die Blume erblühen. Die Bienen kommen von selbst. Es braucht keine großen Anstrengungen. Drehe einfach den Hahn auf; es wird von selbst fließen. Ich wünsche Dir Erfolg, Freiheit und Vollkommenheit.

    Meditiere im Freien mit ausgewählten Freunden. Veranstalte Yoga-Asana-Vorführungen. Mache fünf Minuten lang Tratak (Augenreinigungs- und Konzentrationsübung) mit OM oder einem Bildnis Gottes. Führe an Ekadashi-Tagen (11. Tag nach Vollmond und Neumond) Fasten ein. Erkläre die Chakren (Energiezentren).

    Bereite Dich jeden Abend für den Unterricht am nächsten Tag vor. Sammle Ideen und notiere sie Dir auf einem Blatt oder in einem Notizbuch. Lies vom Blatt ab, wenn Du keinen Vortrag halten kannst. Sprich langsam. Lade Dich mit leichtem Kumbhaka (Luftanhalten) und Japa (Mantrawiederholung) wieder auf. Nimm nahrhaftes Essen und Früchte zu Dir.

    Wenn Du keine gute Rede halten kannst, schreibe einen Aufsatz und lies ihn mit Betonung und innerem Feuer vor. So entwickelst Du langsam Rednertalent. Wenn Du gute, wissensdurstige Menschen triffst, vermittle ihnen Ideen und rege sie an, ähnliche Gruppen bei sich zu Hause zu bilden. Das wird Deine zukünftige Arbeit erleichtern. Fordere jeden Menschen, den Du triffst, auf, täglich ein paar Shlokas (Verse) in der Gita zu lesen und das Gayatri-Mantra zu wiederholen. Weihe viele ein. Lobe die Nützlichkeit von Mantren und Japa. Führe Malas (Gebetsketten) für die Mantrawiederholung ein."

    Der spirituelle Strom muß in Fluß bleiben

    Ich wache sorgfältig über die Tätigkeiten der Zweigstellen und gebe ihnen hin und wieder Anregungen und Ermutigung. Um den Strom lebendig zu erhalten und sie zu motivieren, schicke ich fähige, fortgeschrittene Aspiranten zu den Zweigstellen. Hier zum Beispiel meine Anweisungen an einen von ihnen:

    "In welchem Zustand befindet sich das Zentrum jetzt? Tot, nach Luft ringend oder voller Leben? Tritt an alle Leiter höherer Schulen heran und veranstalte Lichtbildervorträge über Yoga Asanas. Mach das unbedingt. Ich habe das bei meinen Reisen in allen Schulen im Pandschab und in Uttar Pradesh gemacht. Bitte schicke mir ab und zu einen Bericht über Deine Tätigkeiten. Entschuldige Dich nicht mit falschen Vorwänden. Sei nicht schüchtern. Sei nicht feige. Deine Arbeit an Schulen und Kollegs prägt geistige Eindrücke (Samskaras) in Tausenden von Gemütern. Sie werden sich entfalten, wenn die Zeit reif ist.

    Sei kühn. Auch Magister, Richter und Chirurgen sind nur Menschen. Auf weltliche Menschen mit normalen Leidenschaften wirkst Du wie ein Avatar (Inkarnation Gottes). Sei mutig und sprich edel, bescheiden und aufrichtig. Du kannst Deine Zuhörer begeistern und fesseln. Stell Dir eine andere, starke Persönlichkeit auf dem Podium vor. Bringe Feuer, Eifer und Begeisterung in Deine Äußerungen. Laß keine Gelegenheit verstreichen. Was immer Du jetzt tust, ist genug, um die Welt zu erheben. Warte nicht, bis Du ein großer Gelehrter (Pandit) geworden bist.

    Ich habe lobende Briefe von den Zweigstellen erhalten, die Du besucht und denen Du Deine Filme vorgestellt hast. Niemand hat je zuvor eine solche Arbeit geleistet. Sie ist beispiellos. Wenn die Arbeit Dich zu stark in Anspruch nimmt, ziehe Dich in Dein Zimmer oder an einen einsamen Ort zurück. Lade die Batterie durch stille Meditation in Abgeschiedenheit wieder auf und kehre mit doppelter Energie zurück. Bringe Deine Energie unter Kontrolle. Verbrauche nicht alles auf einmal. Ruhe Dich ausreichend aus. Lerne, Dich zu entspannen. Zieh Dich zurück."

    Dienen steht höher als Meditation

    "Die Arbeit, die Du zur Zeit machst, ist bedeutenderer Yoga als die wichtige sogenannte ,Meditation¢ vieler heutiger Vedantins, nämlich schlafen und Luftschlösser bauen. Sie ist ein großes Opfer (Yajna). Arbeite wie ein Löwe. Brülle wie ein Löwe. Ich gratuliere Dir zu dem großartigen Werk, das Du in verschiedenen Zentren geleistet hast. Alles ist Seine Gnade. Fühle das. Es ist Sein Wille, der sich durch Deinen Geist, Intellekt und Körper ausdrückt. Sei Ihm immer dankbar. Bitte um Seinen Segen und Seine Gnade. Wenn Dir Deine Anhänger und Bewunderer etwas schenken, lehne es nicht in falsch verstandener Verhaftungslosigkeit (Vairagya) ab. Wir brauchen Geld für die Arbeit, für Arzneien für die Kranken und für Veröffentlichungen. Werde ein großer Entsagter (Maha Tyagi) und ein großer Genießer (Maha Bhogi). Ruhe Dich aus. Überarbeite Dich nicht. Reguliere Deine Energie. Trinke Ozon, atme viel Ozon ein. Verkehre nicht mit Leuten. Sprich nur ein wenig über wichtige Themen. Da Du hart arbeitest, achte gut auf Deine Gesundheit. Nimm viel Milch, Obst und Mandeln zu Dir. Ruhe Dich eine Woche lang aus. Ausruhen heißt, in anderer Hinsicht tätig zu sein und nicht, zu schlafen und die Zeit mit unnützen Freunden oder ziellosem Herumlaufen zu verschwenden.

    Diene den Menschen aus ganzem Herzen, bereitwillig, unermüdlich, ohne zu murren, ohne auch nur gelegentlich ein saures Gesicht zu machen, als hättest Du Rizinusöl verschluckt. Das ist ziemlich schwierig. Versuche Dein Bestes. Dann wird es reiner Yoga werden. Du mußt nicht meditieren. Du mußt kein Japa (Mantrawiederholung) machen. Du mußt keine Wechselatmung machen. Wandle jede Bewegung, jeden Atemzug, jede Körperhaltung in reinen Yoga wie oben beschrieben um. Das ist Dienst an Gott. Du arbeitest, lebst und atmest nur für Ihn. Pflege dieses Gefühl (Bhava). Du wirst bald kosmisches Bewußtsein erreichen. Mache Dir ganz bewußt: Arbeit ist Gebet, Arbeit ist Meditation. Vergiß das nicht! Du mußt Dich durch Arbeit und Meditation entwickeln. Straßenkehren ist Yoga, wenn man es mit der richtigen Einstellung macht. Deine oberste Pflicht ist es, Dich vor allen Älteren, Swamis und jedem im Ashram zu verneigen, sei es ein Straßenkehrer oder Großgrundbesitzer. Spüre Einheit. Sei freudvoll. Passe Dich an. Ertrage Unrecht und Beleidigungen. Erziehe Deinen Geist zur Ausgeglichenheit unter allen Umständen und überall. Nur dann kannst Du wirklich stark sein."

    Ganzheitlicher Yoga

    Ich bin nicht für eine einseitige Entwicklung, sondern dringe bei meinen Schülern darauf, alle wichtigen Yogaarten miteinander zu verbinden, unter besonderer Betonung von tatkräftigem selbstlosem Dienst und Entwicklung von Tugenden, wobei ich aber jedem vollen Spielraum für seine individuelle Wahl lasse.

    "Ich bestehe nicht darauf, daß Du in den Städten bleibst. Deine Gesundheit und Dein spiritueller Fortschritt sind sehr wichtig. Sieh nur, wieviel gute Arbeit Du in so kurzer Zeit geleistet hast. Wenn Du noch Energie hast und glaubst, die Arbeit leicht bewältigen zu können, kannst Du noch eine Weile lang dortbleiben. Oder verabschiede Dich vom Stadtleben. Es liegt bei Dir."

    "Du kannst Ende des Monats kommen. Bleibe nicht länger in den Städten. Es wäre schädlich für Dein Interesse und Deinen Fortschritt. Du brauchst jetzt Abgeschiedenheit. Widme auch dem Studium viel Zeit. Dein jetziges Wissen ist oberflächlich. Deine innere Natur hat sich auch noch nicht erneuert. Spirituelle Praxis (Sadhana) ist erforderlich. Du brauchst jetzt Ruhe, ein ruhiges Leben in der Atmosphäre von Ganges und Himalaya, um die Batterie wieder aufzuladen, so daß Du nachher umso tatkräftiger mit doppelter Energie und Kraft wieder arbeiten kannst. Nach einem langen Aufenthalt in den Städten muß man sich in die Abgeschiedenheit zurückziehen. Das wird Dir guttun. Bitte komme und bleibe lange hier. Flüchtige Besuche bringen keinen großen Nutzen."

    "Du bist gesegnet. Gott lebt. Gott wohnt in allem. Gott ist der Innere Herrscher. Gott muß man erfahren. Rechtes Handeln (Dharma) führt zur Sicht Gottes. Güte führt zu Gott. Liebe führt zu Gott. Meditiere über das Ewige, Dein innerstes Selbst, den Atman. Halte an der spirituellen Praxis (Sadhana) fest. Tauche ein in Sadhana und Meditation. Tritt in die Stille ein. Werde eine Flamme Gottes. Erlange ewige Wonne durch Göttliches Leben. Wer für den Dienst an anderen lebt, ist sehr glücklich. Er ist gesegnet und erfährt Gott. Dienen reinigt das Herz und bringt göttliches Licht. Sei verwurzelt im Atman. Das ist wirkliche spirituelle Praxis. Fordere Dein Geburtsrecht ein, mitten im Schreibmaschineschreiben, Herausgeben von Büchern und Verfassen von Artikeln. Das ist besser als ein Leben in einer Höhle. Das ist tatkräftiger ganzheitlicher Yoga. Fühle auch in der Stadt, daß Du hier im Ashram im Himalaya bist. Das ist Yoga. Das ist die Probe, auf die Janaka Shri Suka gestellt hat."

    In der Aufgabe aufgehen

    "Ich möchte, daß meine Schüler sind wie ich selbst, indem sie sich ganz der Verbreitung der Botschaft Gottes widmen, göttliche Eigenschaften in sich selbst entwickeln und sie anderen einschärfen."

    "Wo immer Du hingehst, gib, verteile, verbreite Deine Ideen und Ideale. Strahle Deine Gefühle weit aus. Teile mit anderen. Gib, gib, gib immer. Gib allen. Erwarte nichts. Du mußt Meditation und Studium wie gewohnt aufrechterhalten. Brahman, das Absolute, allein ist wirklich. Ohne Indriyas (Handlungs- und Sinnesorgane) bist Du Brahman, ,Tat Tvam Asi‘ (,Das bist du‘). Ich werde nicht müde, das zu wiederholen. Diese Vorstellung muß in Deine Nerven, Zellen, Dein Fleisch und Blut übergehen. Hämmere sie allen in die Köpfe, zusammen mit Bhakti (Hingabe) und NishkamaKarma (selbstloser Dienst ohne Erwartungen). Bringe diese drei Ideen in Dein Unterbewußtsein (Chitta). Diese Welt, der Körper, ist nur Schein, Jalam (ein Trugbild), Swapna (ein Traum)."

    "Bringe Tausenden die Asanas (Yogaübungen) bei. Trage meinen Aufsatz über Brahmacharya (Enthaltsamkeit) in allen Schulen und Kollegs vor. Demonstriere Asanas und Pranayama. Nach einer stillen Meditation von fünf oder zehn Minuten mache Kirtan und OM-Singen. Erkläre den Teilnehmern die Yoga- und Vedanta-Begriffe. Die ganze Stadt wird mit spirituellen Schwingungen geladen sein. Du kannst Deine Yogastunde aus meinen Schriften und ein paar zusätzlichen Erklärungen zu den Yoga-Begriffen aufbauen. Denke an:

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  • Mantraeinweihung von soviel Tausenden von Schülern wie möglich
  • Einführung der JapaMala (Gebetskette)
  • Mantrasingen (Kirtan und Bhajan)
  • Studium von Gita (Bhagavad Gita, wichtigste indische heilige Schrift), Atma-Bodha (,Das Erwachen zum Selbst¢ , Werk von Shankara), Viveka-Chudamani (,Das Kleinod der Unterscheidungskraft¢ , Hauptwerk von Shankara), der Upanishaden (letzter, philosophischer Teil der Veden) usw.
  • Drucken von Flugblättern zur kostenlosen Verteilung
  • An Ekadashi (11. Tag nach Vollmond und nach Neumond) veranstalte ein Massen-Hari-Kirtan in einer großen Halle oder einem Tempel. Organisiere kurze Vorträge bedeutender Persönlichkeiten. Verteile am Ende Prasad (Opfergaben). Triff die notwendigen Vorbereitungen eine Woche vorher. Laß die Welt aufhorchen. Das ist eine wichtige und heilige Aufgabe, wo immer Du hingehst. Es ist eine Divine-Life-Versammlung in kleinem Rahmen. Ich weiß, daß Du das kannst."

    "Du leistest wirklich wundervolle Arbeit. Es ist ein schöner Anfang. Diese Verbindung von Japa, Kirtan, YogaAsanas, Studium und Vortrag ist genau das Richtige. Nimm immer ein Notizbuch mit. Schreib Dir alles auf, was Du erledigen mußt. Durch solche Aufgaben kannst Du wachsen, Deine Denkfähigkeiten entwickeln, die Natur und ihre Wege kennenlernen. Du wirst auch dann konzentrierter sein, wenn der Geist voll beschäftigt ist. Tausende werden zu religiösen Aktivitäten angeregt werden und all das dient Dir zur Reinigung des Herzens und als Yoga.

    In Einzelgesprächen kannst Du wertvolle, gediegene Arbeit im Stillen leisten. Das ist ein Bereich der Vorbereitung und Erleuchtung für Dich. Die Arbeit muß an verschiedenen Örtlichkeiten in der Stadt aufgenommen werden. Es ist keine blinde Arbeit. Es ist kein Geschäft. Es ist Sein Werk, das durch Deinen Körper und Geist vollbracht wird. Nach fünf Jahren wirst Du viele Lehrer und namhafte religiöse Führer übertreffen, wenn Du ernsthaft und beständig kraftvoll arbeitest."


    6. KAPITEL -DER SIVANANDA-ASHRAM     Top

    Probleme spiritueller Einrichtungen

    Spirituelle Organisationen mit hohen Zielen sollten nur von großen Meistern (Mahatmas) gegründet werden, die völlig frei, vollkommen und selbstlos sind. Religiöse Einrichtungen selbstsüchtiger Menschen werden zu Kampfstätten, zu einer Bedrohung für die Gesellschaft und richten die Beteiligten zugrunde. Aufgrund falsch geführter Institutionen und Ashrams verlieren die Menschen auf Dauer ihren Glauben an Gott und an die Religion und verdammen alle Meister als Pseudo-Yogis. Manchmal machen Leute mit egoistischen Motiven spirituelle Einrichtungen als ein Geschäft auf. Sie leiten die Menschen in die Irre.

    Sogar ein von einem selbstverwirklichten Meister ursprünglich mit hohen Zielen und Idealen gegründeter Ashram kann später durch Gewinnsucht entweiht werden. Die Gründer müssen überdurchschnittlich befähigt sein, der Menschheit zu dienen. Dann, und nur dann, kann jederzeit wahrer Dienst geleistet werden. Wenn es an Interesse und Glaube (Shraddha) fehlt, wird es schwierig, die Arbeit systematisch weiterzuführen. Vor allem ist es sehr schwer, Mitarbeiter mit entsprechenden Fähigkeiten und der nötigen Hingabe zu finden. Heutzutage schätzen Aspiranten den Wert selbstlosen Dienstes nicht besonders. Viele Ashrams leiden unter dem Mangel an fähigen Mitarbeitern.

    Der Ashram wuchs von selbst

    Ich dachte nie daran, einen Ashram aufzumachen. Als der große Andrang von Schülern und Anhängern kam, die Führung suchten, schuf ich, um ihnen zu helfen und sie für die Welt nützlich zu machen, Betätigungsfelder für ihre Entwicklung und für das öffentliche Wohl, ermutigte sie in ihren Studien und spirituellen Praktiken (Sadhana) und sorgte für die notwendigen Voraussetzungen hinsichtlich Unterkunft und Verpflegung, wobei ich die Spenden verwendete, die ich von einigen Bewunderern für persönliche Zwecke erhalten hatte. Im Laufe der Zeit entstand so um mich herum ein riesiger Ashram und eine mustergültige Institution in einem passenden Umfeld, eine große spirituelle Siedlung – ShivanandaNagar.

    Ich arbeitete nicht nach großartigen Plänen oder Entwürfen. Ich bat keine bedeutenden Persönlichkeiten oder Maharadschahs um Geld. Die Welt schätzte den Dienst, der hier nach rechten Grundsätzen geleistet wurde. Etwas Hilfe kam aus göttlicher Quelle und ich setzte jeden Cent wohlüberlegt, zum höchsten spirituellen Nutzen der Welt, ein. Jedes Jahr tauchen neue palastartige Gebäude auf; trotzdem mangelt es immer noch an Unterkunftsmöglichkeiten für die Bewohner und den Besucherstrom. In jeder Phase entwickelte sich das Werk glänzend. Verschiedentlich drängten mich meine Anhänger zu Werbetouren für Geldspenden. Das war mir unmöglich. Ich freue mich, allen zu geben und zu dienen. 1940 wurden große Vorbereitungen für eine ausgedehnte Reise im Pandschab getroffen. Ich schickte sofort ein Telegramm und sagte ab. Die telegrafische Absage macht die Haltung deutlich, mit der ich den Ashram führe:

    "Es kümmert mich nicht, ob die Divine Life Society gedeiht oder nicht. Wenn es Gottes Gnade will und wir unsere spirituellen Praktiken (Sadhana) und den Dienst mit der richtigen Einstellung, mit Bhava (Gefühl) und Shraddha (Glauben) weiterführen, wird sicher Hilfe aus Göttlicher Quelle kommen. Laßt mich so viel wie möglich dazu beitragen, indem ich in meiner eigenen kleinen Behausung am Ufer des Ganges bleibe. Wo Honig ist, kommen die Bienen von selbst. Rottet den Wunsch nach Geld rücksichtslos aus."

    In kurzer Zeit wuchs das Werk. Jetzt werden regelmäßige Kurse über Yoga, Bhakti, Vedanta und Gesundheit durchgeführt. Heute leben mehr als 300 Schüler mit allen Annehmlichkeiten bei mir, folgen dem Yogaweg und dienen der Welt auf vielfältige Weise. Ruhm dem Herrn. Gepriesen seien die Aspiranten. Schüler unterschiedlicher Religionen und Glaubensbekenntnisse kommen aus mehreren Ländern und bleiben wochen- oder monatelang bei mir. Anhänger aus ganz Indien kommen oft in den Ashram und schließen sich dem gemeinschaftlichen Sadhana (spirituelle Praxis) und Satsang (Zusammensein mit Weisen) an.

    Wo alle willkommen sind

    In den Schriften sind Viveka (Unterscheidungskraft), Vairagya (Leidenschaftslosigkeit), Shat-sampat (sechs edle Tugenden) und Mumukshutwa (Wunsch nach Befreiung) als Voraussetzungen für spirituelle Anfänger vorgeschrieben. Manche strenggläubigen Richtungen haben Kastenbeschränkungen und bestehen darauf, daß die Schüler alle vier Lebensphasen, nämlich Brahmacharya (Keuschheit), Grihastha (Berufs- und Familienleben), Vanaprastha (Rentnertum) und dann Sannyasa (Gelübde der Entsagung) der Reihe nach durchlaufen. Wenn Schüler zu mir kommen, frage ich nicht nach ihren Voraussetzungen, ihrer Stellung, Herkunft, Kaste oder Fähigkeit. Ich heiße selbst Diebe und Schurken, Menschen in zartem Alter sowie Kranke und Alte willkommen. Ich weiß wohl, daß sie alle zu dynamischen Yogis werden in der Gesellschaft von Weisen und Heiligen oder wenn sie an einem Ort voll wunderbarer spiritueller Schwingungen bleiben dürfen.

    Vollkommene Freiheit

    Die spirituellen Schwingungen des Ashrams tragen sehr wirkungsvoll dazu bei, die Menschen auf dem Yogaweg zu formen. Tausende haben das erfahren. Ich erlege den Aspiranten, die im Ashram bleiben wollen, keinerlei Vorschriften oder Beschränkungen auf. So viele Menschen wie wollen können kommen, bleiben, so lange sie wollen und wieder gehen, sobald sie es wünschen. Ich verlange keine Arbeit, Dienst oder Hilfe von ihnen. Ich gestatte ihnen, ihre eigenen Studien und spirituellen Praktiken weiterzuführen und helfe ihnen in jeder möglichen Art und Weise.

    Sehr ergebene Aspiranten, die selbstlosen Dienst für ihre eigene Entwicklung wertschätzen, verbringen ihre ganze Zeit mit nützlicher Arbeit und führen die Geschäfte der Gesellschaft sehr gut. Für sie ist alles Yoga. Sie sind alle YogaBhrashtas (in früheren Leben hochentwickelte, wieder gefallene Yogis), anschauliche Beispiele und Vorbilder für die Welt. Tausende von Aspiranten waren schon im Ashram und haben ihn nach der Ausbildung entweder zu vertieften spirituellen Praktiken in der Einsamkeit oder zu tatkräftiger Arbeit in der Welt wieder verlassen; trotzdem ist der Ashram immer voll und jeden Tag bitten mindestens ein Dutzend hochgebildeter Bewerber um Aufnahme. Die Gruppenmeditation, das Zusammensein mit Weisen (Satsang) und das Bad im heiligen Ganges fördert die Schüler auf unerklärliche Weise. Durch ihre Arbeit kommen sie alle in engen Kontakt mit mir und lernen in Kürze sehr viel. Rasch und ohne besondere Anstrengung entwickeln sie göttliche Eigenschaften und werden große Yogis.

    Das Wunder der Wunder

    Wie ist es möglich, einen Ashram unter den oben beschriebenen Umständen zu führen? Vielen ist das ein Rätsel. Auf die Welt wirkt es wie ein Wunder. Die Leute stutzen. Ich mache mir nicht im geringsten Sorgen, wenn die Sekretäre und Leiter des Ashrams oft mit einer langen Liste von Verbindlichkeiten über 100.000 Rupien zu mir kommen. Die Leute wundern sich grenzenlos, wenn ich trotz solcher Schulden den Kauf von Druckmaschinen für den Universitätsverlag bewillige oder die neuesten Kameras, Vergrößerungsgeräte und Projektoren für das Studio oder den Bau von großen Hallen, Tempeln und Ghats am Ufer des Ganges.

    Manche Bewohner behaupten, daß sie hier mehr Essen und Annehmlichkeiten haben als sie zum Leben brauchen. Sie fühlen sich reich und glücklich. Manche sehen vielleicht aus wie gewöhnliche Dorfbewohner oder haben keine besondere Ausbildung. Aber ich stelle fest, daß jeder im Ashram ein großer Heiliger ist mit wunderbaren verborgenen Fähigkeiten und Begabungen. Hervorragende Persönlichkeiten, die den Ashram besuchen, sind sprachlos über die wunderbare Entwicklung unserer Hausgenossen, wundern sich über ihr Können und fragen: "Lieber Swamiji Maharaj, wie findest du so viele begabte Leute?"

    Gibt es irgendeinen Fall, in dem ich einen Ashram-Bewohner aufgefordert hätte, zu gehen oder ihm gegenüber negative Gefühle an den Tag gelegt oder harte Worte gebraucht hätte? Kein einziger. Wenn mir ernstliche Beschwerden vorliegen, daß ein Schüler (Sadhaka) den Frieden des Ashrams stört oder sich nicht in den reibungslosen Arbeitsablauf einfügt, bitte ich ihn, zu gehen und sich woanders niederzulassen. Ich gebe ihm genug Reisegeld und ein Empfehlungsschreiben an Anhänger, damit sie ihm helfen. Bei seiner Abreise gebe ich ihm spirituelle Ratschläge und bete für sein Wohlergehen und seine Erleuchtung. Nach ein paar Tagen oder Wochen empfindet er den Ashram als sein trautes Heim und kommt mit einer veränderten inneren Einstellung zurück. Ich heiße ihn herzlich willkommen. Ich vergesse Vergangenes leicht. Ich bin nicht nachtragend. Ich erlaube unnützen und pessimistischen Menschen und sogar denen, die mich kritisieren und die Leitung angreifen, im Ashram zu bleiben. Nach einem kurzen Aufenthalt sind sie auf wunderbare Weise verwandelt. Ich entdecke Freude und Glückseligkeit auf ihren Gesichtern.

    Wie man sich um Aspiranten kümmern sollte

    Ich bringe allen Yogaschülern grenzenlose spontane Großzügigkeit, Liebe und Zuneigung entgegen, ungeachtet ihres Alters oder Geschlechts, ihrer Fähigkeiten oder Anlagen. Ich freue mich sehr über die, die Japa oder ein wenig Meditation ausüben oder der Gesellschaft, Kranken und Armen Dienste erweisen. Ich biete allen Arten von Menschen einen weiten Spielraum, im Ashram zu bleiben und sich durch Sadhana oder Arbeit für die spirituelle Erhebung der Menschheit zu entfalten. Ich kümmere mich besonders um alte Menschen, junge Aspiranten und hilflose Kranke. Süßigkeiten und Früchte verteile ich immer zuerst an sie und nehme dann selbst ein wenig.

    Ich erinnere mich, wie ich den alten Mönchen (Sadhus) im Swarg Ashram Milch und Quark brachte, ihre Beine wusch und ihnen Arzneien verabreichte, wenn sie krank waren. Auch heute noch schicke ich einen Teil meines Essens zuerst ein paar Sannyasi-Schülern und Besuchern des Ashrams. Jahrelang brachte ich einen Teil meiner eigenen Mahlzeit persönlich den Schwerarbeitern, die sich nur dürftig ernährten und bei schlechter Gesundheit waren. Später, als die Arbeit in jeder Hinsicht zunahm, hatte ich immer zwei junge Brahmacharis bei mir, die an alle Ashrambewohner Früchte und Kekse verteilten. Sie wurden nicht einfach in die Räume geworfen in der Art hochmütiger Wohltätigkeit weltlicher Menschen. Ich hatte dabei das Gefühl (Bhav), Gott auf diese Weise zu dienen. Ich verneigte mich zuerst und bot ihnen dann die Gaben an.

    Wenn ich gelegentlich Geld, Bücher oder Eßwaren an Schüler in Außenstellen schicke, sage ich stets dazu: "Möge dies freundlich angenommen werden". Für die spirituelle Vervollkommnung ist Bhav, das innere Gefühl und Motiv, wichtiger. Das ergab sich bei mir ganz natürlich, ohne bewußte Anstrengung. Es geschah nicht wie der Dienst selbstsüchtiger Leute um des eigenen Ansehens willen. Der freiwillige Dienst an Kranken, Armen und Hilflosen in aller Demut ist mein Hauptyoga und diese eine Tugend allein half mir, alle göttlichen Eigenschaften zu entwickeln und Gott hinter allen Namen und Formen zu sehen. 

    Hilfsbereitschaft und Liebe gegenüber allen

    Aufgrund von Prarabdha (Wirkungen des Karmas aus früheren Leben), Vikshepa (Unruhe, Verwirrung) des Geistes, auf der Suche nach sinnlichen Vergnügen oder Luxus oder weil sie andere Orte sehen wollen, versuchen manche, vom Ashram wegzugehen. Manche fortgeschrittene Schüler möchten nach Jahren im Ashram Meditationserfahrungen im Himalaya erleben. Ich bewundere sie und stelle ihnen alles Nötige zur Verfügung. Sie hängen alle von Almosen ab, aber ich schicke ihnen zusätzlich Geld für Milch und Obst. Tatkräftige Schüler möchten der Menschheit helfen und auf Vortragsreisen gehen. Ich organisiere spirituelle Zusammenkünfte und schicke sie in verschiedene Zentren.

    In der Vergangenheit gab es ein paar Schüler mit übermächtigen Sinnen und Sehnsüchten, die mich kritisierten, den Ashram und den ganzen Himalaya beschimpften und uns im Zorn verließen. Ich segnete sie und betete um Licht, Wissen, rechtes Verständnis und innere geistige Kraft für sie. Aber alle gehen nur weg, um nach einer tiefgreifenden Veränderung des Herzens wieder in den Ashram zurückzukehren. Ich nehme sie mit großer Liebe und Zuneigung auf. Ich vergesse Vergangenes schnell. Jemand kann hundertmal weggehen und wiederkommen. Meine Liebe zu ihm ist größer. Menschen können nicht durch Zwang, Regeln oder Vorschriften in göttliche Wesen verwandelt werden. Sie müssen alle ihre eigenen, unmittelbaren Erfahrungen machen.

    Im Ashram ist jeder für den einen oder anderen Arbeitsbereich verantwortlich. Wenn Mitarbeiter plötzlich weggehen, leidet die Arbeit natürlich darunter. Eine Menge Unregelmäßigkeiten können auftreten, wenn neue Leute die Arbeit übernehmen. Es könnte sogar zu großen Verlusten führen. Trotzdem habe ich nur den Fortschritt und das Wohlergehen, die Erkenntnis und den Frieden des Einzelnen im Auge und stehe daher niemandem im Weg, der weggehen will.
     
    Persönliche Aufmerksamkeit und Betreuung

    Beispiele aus Briefen, die ich vor Jahren an Schüler in Außenstellen geschrieben habe, zeigen, wie ich mich um meine Schüler kümmere:

    1. Shri A. verbessert sich wunderbar. Er ist jetzt oberster Küchenmeister und gleichzeitig Chefschreiber. Bitte gib ihm einen Satz Upanishaden, einen Füller und eine Ausgabe meiner "Praxis des Vedanta" auf meine Rechnung.

    2. Bitte achte gut auf Shri S.R.C. Seine Gesundheit ist schon schwach. Er hat jetzt einige Beschwerden. Sein Essen ist dürftig. Sei so nett und besorge ihm salzige Kekse und Obst. Er mag keine Süßigkeiten. Mögest Du allezeit im Herrn bleiben.

    3. Wenn Du Geld brauchst, schreibe mir sofort. Verdirb Dir Deine Gesundheit nicht im Namen von Tapasya (Askese). Du kannst machen was Du willst. Jedenfalls verbringe die Zeit sinnvoll. Möge Gott Dich segnen.

    4. Wie geht es Dir gesundheitlich? Schreibe alle Deine Erfahrungen auf und schicke mir einen Bericht, wie Du die 24 Stunden des Tages verbringst. Mein lieber Yogiraj, Du kannst jederzeit in den Ashram zurückkehren. Das ist Deine geistige Heimat. Voraussetzungen für ununterbrochene spirituelle Praxis und Vervollkommnung sind:

    <>
  • gute Gesundheit durch Gebete, Ruhe, Entspannung, zusammen mit zuträglicher Kost und spiritueller Praxis (Sadhana)
  • ein ruhiger, kühler Ort mit spirituellen Schwingungen
  • einfache, regelmäßige Mahlzeiten
  • Unterstützung durch ältere Menschen und Führung durch fortgeschrittene Yogaschüler oder einen Lehrer (Guru)
  • Gewährleistung medizinischer Versorgung im Bedarfsfall.
  • Sie stellen einen schnellen spirituellen Fortschritt sicher. Dann kann man ohne Besorgnis und Angst in der Yogapraxis voranschreiten. Und alle nötigen Voraussetzungen findest Du hier im Ashram. Soll ich Dir Geld für die Zugfahrt schicken? Herzliche Grüße.

    Ermutigung und Ratschläge

    Ich bin stets jenen dankbar, die der DivineMission Dienste geleistet haben. Ich schätze ihre Dienste ungeheuer und lobe sie überschwenglich. Ich kümmere mich auch um die persönlichen Bedürfnisse meiner Schüler, um ihre Gesundheit und spirituelle Entwicklung. Vor einigen Jahren schrieb ich an einen meiner Schüler:

    1. Achte gut auf Deine Gesundheit. Du kannst nicht nur von Wasser und Luft leben. Gib diese Idee sofort auf. Nimm nahrhaftes Essen und viel energiereiches Obst zu Dir. Lerne Dich zu entspannen. Das ist sehr wichtig. Unternimm lange, schnelle Spaziergänge. Du hast dieses Jahr gute Arbeit beim Drucken geleistet. Das reicht bei weitem. Alles ist Sein Werk. Alles ist Seine Gnade. Spüre das. Hast Du es bequem dort? Kann ich Dir Geld für Deine persönlichen Ausgaben schicken? Wer aktiv an der Verbreitung von Wissen arbeitet oder sich zu intensivem Sadhana zurückzieht, braucht Milch und nahrhaftes Essen.

    2. Du hast Wunder vollbracht. Das ist keine Schmeichelei. Ich habe nie so viel von Dir erwartet. Überarbeite Dich nicht. Reguliere Deine Energie. Ruhe Dich in Vororten aus, wenn Du ausgelaugt bist. Organisiere Kirtans (Mantrasingen) in verschiedenen Zentren an Ekadashi (11. Tag nach Vollmond und nach Neumond). Führe wöchentliche Kurse durch. Rede einzeln mit den Leuten; damit kannst Du sie mehr beeinflussen. Übernachte nie bei Familien. Meide die Frauen, spiele und scherze nicht mit ihnen.

    3. Fürchte Dich nicht vor der Kälte in Rishikesh. Sorge Dich nicht unnötig. Du kannst meine Decken benutzen. Hole Dir Milch und Tee aus dem Laden auf meine Rechnung. Mögest Du Dich Ewigen Friedens erfreuen.

    4. Ruhe Dich aus. Arbeite nicht so hart. Behandle den Kopf mit kühlendem Öl. Mache frühmorgens Pranayama, wenn es kühl ist. Das wird Dich wieder reichlich mit Energie aufladen. Iß auch Früchte. Vernachlässige die Morgen- und Abendmeditation nie. Das Ziel eines Sannyasi ist die Verwirklichung des Absoluten. "Aham Brahma Asmi – ich bin Brahman". BrahmaNishta (Verwirklichung Brahmans) ist Deine Nahrung und Dein Alles. Diese Einstellung kannst Du beim Karma Yoga aufrechterhalten.

    Ich schätze Sanskrit sehr und ermutige Schüler, die sich dafür interessieren, es zu lernen – auch wenn es zu Lasten des Ashrams selbst geht. Einmal schrieb ich an einen Schüler:

    "Besäße ich einen Geist oder einen Baum, der Geldnoten und Münzen als Früchte hervorbringt, so könnte ich die Sanskritstudenten leicht zufriedenstellen. Ihr Bedarf nimmt kein Ende. Ich muß etwas tun, um ihnen zu helfen. Sie leisten wundervolle Forschungsarbeit. Ihr Studium wird ernstlich beeinträchtigt, wenn wir die Bücher nicht besorgen können. Ich möchte ein Sanskrit-Kolleg mit vielen Studenten gründen und ihnen alle Unterlagen für ihre Quellenarbeit in der Sanskritliteratur zur Verfügung stellen. Wir sollten uns erbarmen und anderen helfen, selbst unter Opferung unserer eigenen Wünsche. Das ist meine angeborene Natur. Das ist das Dharma (Pflicht) eines Heiligen."

    Der Geist der Anpassung

    Als einer meiner Schüler den Ashram aus irgendeinem Grund verlassen hatte, hatte ich auf einmal das Gefühl, seine wertvolle Erfahrung und Fähigkeit sollten um des Dienstes an der Menschheit willen nicht verlorengehen. So schrieb ich ihm:

    "Ich hatte Dir Geld für Deine Ausgaben geschickt. Es kam zurück mit dem Vermerk ,Ist weggegangen¢ . Ich bin Dir stets zu Diensten. Doch Du lehnst es ab. Warum solltest Du von irgend jemandem abhängig sein, wenn ich da bin, um Dir auf jede Art und Weise zu helfen? Warum solltest Du in Städten mit weltlichen Menschen zusammenleben? Es gibt verschiedene Gebiete hier, auf denen Du ruhig, sanft, langsam, wenig und unabhängig arbeiten kannst, ohne mit jemand anderem als mir verkehren zu müssen.

    Auf allen Gebieten fehlt es an Leuten und richtiger Aufsicht. Selbst wenn Du Dich nur ein wenig um den Schriftwechsel kümmerst, ist das eine große Hilfe für die Welt. Du kannst mich auf hunderterlei Arten unterstützen. Arbeite nicht so hart wie vorher. Arbeite ein bißchen, ohne jegliche Verpflichtung. Das ist Gottes Segen und Gnade. Ruhe viel und arbeite ein wenig. Du kannst dem Ashram fernbleiben. Man wird Dir Dein Essen in Dein Zimmer stellen. Ich werde Dir Geld für Deine Auslagen geben.

    Hier ist kein Mangel an Essen für Dich. Ich verweigere niemandem die Nahrung. Warum solltest Du in Städten leben? Nach und nach wirst Du all Deine Fähigkeiten verlieren, wenn Du sie nicht einsetzt. Die weltliche Atmosphäre ist dem spirituellen Fortschritt nicht zuträglich. Komm deshalb gleich nach Rishikesh. Darf ich Dir das Geld für die Fahrkarte schicken? Wenn Du willst, kannst Du sechs Monate hier leben und sechs Monate in der Stadt.

    Wenn Du Deinen Standpunkt, Deine Sicht, Vorstellung und Haltung ein bißchen änderst, kannst Du hier und überall glücklich sein. Der Mensch leidet aufgrund seiner eigenen Vorstellung und alter Denkgewohnheiten. Er gestattet sich nie, sich zu ändern. Das ist Maya (Täuschung). Füge Dich ein und passe Dich an. Sei immer glücklich und heiter. Entwickle Dich schnell, werde ein dynamischer Yogi und bringe der ganzen Welt Licht und Wissen."

    Wer einen Ashram gründen kann

    Ein Ashram ist ein herrliches Zentrum zur Sicherung des Weltfriedens. Viele begeisterte Menschen gründen Ashrams mit einem schönen Briefpapier. Das reicht nicht. Es bringt keine guten Ergebnisse, wenn Anfänger neue Ashrams ins Leben rufen. Um einen Ashram erfolgreich zu leiten, braucht man besondere Fähigkeiten. Für Anfänger ist ein solcher Versuch ein Hindernis, für fortgeschrittene Schüler ein Rückfall. Vor vielen Jahren baten mich einige Sannyasins schriftlich um finanzielle Unterstützung und Rat, um die Aktivitäten ihres Ashrams zu verbessern. Meine Antwort an einen von ihnen ist nachstehend wiedergegeben. Sie erklärt eindeutig meine Haltung und Grundsätze:

    "Geliebter Swamiji, Deine Errungenschaften, Bestrebungen, Zwecke und Ziele sind in der Tat lobenswert. Oh Swamiji, strebe nicht nach Ansehen als Guru oder nach Bequemlichkeit und Berühmtheit, wenn Du einen Ashram oder eine religiöse Gemeinschaft gründest. Gründer von Ashrams sind im allgemeinen anfangs bescheiden und leisten zahlreiche Dienste. Wenn sie reich geworden und fest etabliert sind, kümmern sie sich nicht mehr um das Gemeinwohl oder die individuelle Entwicklung. Sie werden überheblich und selbstherrlich. Hüte Dich vor Versuchungen und arbeite immer als demütiger Diener (Sevak). Gib auch nach der Selbstverwirklichung Deine tägliche spirituelle Praxis (Sadhana) nicht auf.

    Ich kenne keinen reichen Herrscher oder Großgrundbesitzer. Ich habe keine Schüler. Ein paar Anwärter, die echte spirituelle Anleitung wollen, betrachten mich als ihren Lehrer. Ich kümmere mich sorgsam um sie. Das ist alles. Ich kann Dich nicht mit Geld unterstützen. Ich diene der Welt auf vielfältige Art und wirke durch alle Ashrams, Mutts (Klöster) und religiösen Einrichtungen.

    Wenn Du selbstlosen Dienst für das Gemeinwohl leistest, wenn die Menschen den Geist der Entsagung in Dir spüren, werden sie Dir von sich aus gerne auf jede mögliche Art und Weise helfen. Bewege nicht Himmel und Erde um Geld. Versuche Dein Glück nicht bei Rennwetten. Sadhus (Mönche) sollten nicht an so etwas denken.

    Heutzutage legen Aspiranten keinen Wert auf ihren spirituellen Fortschritt. Sie rasieren den Kopf kahl, färben ihre Kleider, bleiben eine Weile in Rishikesh und gelten dann als große Yogis. Sie fangen an, Geld zur Gründung von Ashrams zu sammeln, um ein angenehmes Leben zu führen.

    Es gibt genug Ashrams und Mutts (Klöster) in Indien. Aufrichtige, selbstlose Arbeiter sind selten. Bevor man einen Ashram ins Leben ruft, muß man ein vorbildliches Leben geführt haben. Allein durch seine Gegenwart muß man allen Frieden, Kraft und Segen vermitteln. Nur dann kann man die Einrichtung erfolgreich führen."

    Man darf die Ideale nicht vergessen

    "Vor der Gründung eines Ashrams sind die Wahlsprüche, Beweggründe und Ziele zweifellos erhaben und positiv. Sobald sich ein wenig Geld und Ruhm einstellen, sind diese Ideale vergessen. Der Geist selbstlosen Dienstes schwindet dahin. Die Ziele werden aufgegeben. Die Gründer wollen ein angenehmes Leben mit einigen auserwählten Schülern und Gefolgsleuten führen. Selbst angenommen, die Gründer wären in der Lage zu einem vorbildlichen Leben, so werden ihre Schüler das Werk später doch nicht mit demselben Geist fortsetzen können. Es wird eine Stätte von Zank und Streit oder ein geschäftliches Unternehmen. Der Leiter eines Ashrams und seine Mitbewohner sollten ein Leben in Vairagya, vollständigem Verzicht auf weltliche Wünsche, führen. Ein Ashram, der von solchen Menschen geführt wird, bildet einen Mittelpunkt und Kern dauerhaften Friedens, ewiger Wonne und Freude. Er zieht alle an. Millionen auf der ganzen Welt werden angeregt. Solche Ashrams braucht die Welt immer.

    Jeder Sannyasi, jeder Yogaschüler hat den einen oder anderen Fehler. Nur ein voll entfalteter Yogi ist ganz frei von schlechten Eigenschaften und Fehlern. Alle befinden sich auf dem Weg der Entwicklung. Jeder kann sich manchmal oder sogar auch oft irren. Werde duldsam. Siehe das Gute in allen. Einen leichten Bruch oder eine Reibung gibt es sicher gelegentlich zwischen Freunden und Mitarbeitern, manchmal auch zwischen Sannyasins. Man muß dem anderen verzeihen, sich wieder zusammenfinden und Vergangenes vergessen. Du mußt die Neigung entwickeln, nur das Gute in anderen zu sehen und diese Aspekte im täglichen Umgang betonen. Niemand ist vollkommen schlecht. Denke daran. Du mußt anpassungsfähig sein, wenn Du mit anderen verkehrst. Beherrsche Deine Regungen vollkommen. Nur dann werden sich mehr Leute glücklich fühlen, bei Dir zu leben und Deinem Ashram zu dienen. Möge die edle Mission, die Du ins Leben gerufen hast, prachtvoll gedeihen. Ich helfe Dir jederzeit gern."


    7. KAPITEL - DER WEG DER ENTSAGUNG     Top

    Die Herrlichkeit der Entsagung

    In jeder Religion gibt es eine Schar von Einsiedlern, die ihr Leben in Abgeschiedenheit und Meditation verbringen: die Bhikkus im Buddhismus, islamische Sufi-Fakire, Priester und Geistliche im Christentum. Der Ruhm einer Religion ginge verloren ohne Mönche, die ein Leben des Verzichts und Dienstes für die Welt führen. Sie erhalten die Religionen der Welt. Sie bringen den Berufsleuten Trost, wenn sie in Schwierigkeiten und Bedrängnis sind. Sie sind Vorboten von Frieden und Weisheit. Sie heilen die Kranken, trösten die Verlassenen und bringen den Hoffnungslosen Hilfe, den Niedergeschlagenen Freude, den Schwachen Kraft, den Unwissenden Wissen. Ein echter Entsagter (Sannyasin) kann die Gedankenströme der Welt zum Besseren verändern.

    Ein wahrer Sannyasin ist ein mächtiger Herrscher dieser Erde. Sannyasins haben in der Vergangenheit großartige Arbeit geleistet. In der Gegenwart wirken sie Wunder. Ein echter Sannyasin kann das Schicksal der ganzen Welt verändern. Ich freue mich sehr, wenn ich einen Aspiranten sehe oder von einem erfahre, der wahre Hingabe, Bestrebung und Neigung zur Entsagung besitzt und versucht, diesem Sumpf des Kreislaufs von Geburt und Tod (Samsara) zu entkommen. Durch Gebet und Gedankenströme stehe ich mit solchen Schülern in enger Verbindung und helfe ihnen viel. Es zieht sie alle zu mir hin. Sie wenden sich bald von weltlichen Angelegenheiten ab und setzen alle Hoffnung auf die Zukunft. Ich heiße sie mit Freuden willkommen, bilde sie vielfältig im Yoga aus und kümmere mich um sie, bis sie gefestigt sind.

    Die Jugend ist die beste Zeit für Entsagung

    Die Schriften erwähnen das Gelübde der Entsagung (Sannyasa) nach den Lebensphasen von Brahmacharya (sexuelle Enthaltsamkeit), Grihastha (Beruf und Familie) und Vanaprastha (Rentnertum). Das heißt, die Menschen wandten sich im Alter, am Rand des Todes, dem weltlichen Verzicht (Sannyasa) zu. Es ist gut, zur Zeit seines Todes einen gewissen Frieden erlangt zu haben. Dadurch kann die nächste Geburt eine gute werden. Aus Erfahrung weiß ich, daß Kontemplation, klare Sicht und außerordentliche Reinheit von Körper, Geist und Herz eine ungeheure Energie erfordern. Ich sehe daher die Jugend mit ihrem Überfluß an Energie und geistiger Reinheit als beste Vorbedingung für den Weg der Entsagung an. Ich hege große Bewunderung für die jungen Brahmacharis (enthaltsam Lebende), die keinerlei weltliche Fesseln und Verwicklungen haben. Sie lassen sich sehr gut formen.

    Viveka (Unterscheidungskraft), Vairagya (Leidenschaftslosigkeit), Shat-sampat (sechs edle Tugenden) und Mumukshutwa (Wunsch nach Befreiung) sind die in den Schriften genannten Grundvoraussetzungen für spirituelle Schüler. Es ist unmöglich, diese Eigenschaften alle zu besitzen, wenn man in einem weltlichen Umfeld mit schwerwiegender Verantwortung und Sorgen lebt. Sobald man eine Tugend entwickelt oder versucht, einen einzigen Fehler oder ein Übel des Geistes auszurotten, wird man in alles mögliche andere hineingezogen. Die Schwingungen in der physischen Welt sind dem spirituellen Fortschritt in den Anfangsphasen nicht förderlich. Man braucht seine ganze Energie nur dazu, Versuchungen zu widerstehen. Daher ziehe ich junge Leute vor. Die notwendige Befähigung kommt von selbst, wenn sie den Yogaweg in einem der Entwicklung förderlichen Umfeld beschreiten und in der Gesellschaft von Yogis an einem Ort weit weg von den Versuchungen und der Anziehung von Sinnesobjekten leben.

    Keine strengen Bedingungen

    Ich heiße von Herzen alle Menschen willkommen. Ältere können ein Bad im heiligen Ganges nehmen, beten und singen und die positiven Auswirkungen der Gruppenmeditation und des Zusammenseins mit Weisen (Satsanga) geniessen. Junge Leute entwickeln sich schnell durch kraftvolle spirituelle Praxis (Sadhana) und bringen so der Welt Gutes. Wenn jemand auch nur andeutungsweise Abscheu gegenüber sinnlichen Vergnügen bei gleichzeitiger Neigung zum Yoga zeigt, weihe ich ihn sofort in das Gelübde der Entsagung (Sannyasa) ein, teile mit ihm, was ich habe und ermutige ihn stark.

    Viele sind sehr überrascht, daß ich sogar schriftliche Einweihungen erteile. Manche Schüler, die nicht in der Lage sind, in den Himalaya zu kommen, sind Entsagte geworden, indem sie das heilige Gewand und Anweisungen per Post erhalten haben. Ich kann ihre große Freude nicht ausdrücken. Sie haben wundervolle Fortschritte gemacht. Ich verfolge ihren Weg aufmerksam.

    Alle freiwilligen Spenden, die ich von Anhängern für meinen persönlichen Gebrauch erhalte, werden für die Annehmlichkeiten der Schüler eingesetzt, für ihr Wohlergehen, ihren Frieden und zur Schaffung von Hunderten von Wegen, auf denen sie schnell vorwärtskommen und der Welt auf vielfältige Weise helfen können. Meine Arbeitsweise zur spirituellen Erhebung der Menschheit gestattet es sogar Verheirateten, den Weg des weltlichen Verzichts zu gehen und wie Sannyasins zu leben. Viele haben sich für das Gelübde der Entsagung (Sannyasa) entschieden, obwohl sie Familie und Kinder haben. Nach der Unterweisung hier kehren sie zurück, leben in der Nähe der Familie, sorgen in völliger Trennung für die Familie und sind mit ihrer spirituellen Praxis (Sadhana) sehr erfolgreich.

    Ich achte nur auf den Beweggrund und die innere Reinheit der Suchenden. Ich erlege ihnen nicht zu viele Vorschriften und Beschränkungen beim Essen und bei der Kleidung auf. Rein äußerliche Anpassung an Regeln ist nicht sonderlich wertvoll. Meine Schüler können überall leben, jede Kleidung tragen und doch wirkungsvoll meinen Anweisungen folgen. Sie alle geben der ganzen Welt ein Beispiel. Ruhm dem echten, vorbildlichen Sannyasin, der ein beispielhaftes Leben führt. Die Welt braucht vorbildliche Entsagte, die dem Land und der Menschheit in göttlichem Bewußtsein dienen, wahres Wissen verbreiten und die Botschaft der Weisen und Heiligen in jedes Haus bringen. Mögen Sannyasins, die Speicher göttlichen Wissens, die Fackelträger der Wahrheit, die Leuchtfeuer der Welt, die Fundamente spiritueller Werke und die Hauptpfeiler des ewiggültigen Dharmas (rechtes Handeln) und der Religion, die Völker der Welt führen!

    Geeignete Schüler

    Obwohl ich bei der Kleidung und äußeren Form viel Freiheit gewähre, bin ich sehr streng in Bezug auf das Wesentliche. Die Schüler müssen die für den Stand der Entsagung (Sannyasa) vorgeschriebenen Regeln einhalten. Nur dann können sie als vorbildliche Entsagte (Sannyasins) glänzen. Bequeme Entsagung ist sehr gefährlich. Man sollte dem Geist gegenüber keine Nachsicht walten lassen. Moderne, unabhängige Sannyasins sind eine Gefahr für die Gesellschaft. Von weltliche Menschen werden sie verflucht, respektlos und voll Verachtung behandelt. Sie sollten, auch wenn sie spirituell erhoben sind, nicht in Gesellschaft von Frauen oder Familienvätern leben und nicht ungezwungen mit anderen Menschen Kontakte pflegen. Brennende Leidenschaftslosigkeit mit einfachem Leben und erhabenem Denken muß immer ihr Ideal sein.

    Ohne Zweifel ist Entsagung ein geistiger Prozeß. Das heißt aber nicht, daß man alles tun und so leben kann, wie man will. Das führt zum Fall. Strebe nach Vollkommenheit, indem Du die überlieferten Vorschriften zur Beherrschung des Geistes und der Sinne befolgst. Zurückhaltung beim Essen und bei der Kleidung stellt sich von selbst ein, wenn man wirklich wunsch- und leidenschaftslos ist. Die Einhaltung äußerlicher Regeln hilft, auf dem Weg zu bleiben. Maya (Täuschung) wirkt verheerend. Maya verleitet. Nimm Dich in acht. Sei vorsichtig bei jedem Schritt und beobachte die Gedankenwellen (Vrittis) des Geistes.

    Meine Schüler sollten keine Überlegenheitsgefühle haben. Sie sind keine trockenen Philosophen, die ihre ganze Zeit und Energie mit Predigen verbringen. Sie opfern sich auf und dienen der Welt mit ihrem stillen, tiefen Sadhana (spirituelle Praktiken). Mitten in anstrengender Arbeit lernen sie, den Geist konzentriert zu halten. Sie sind im Gedanken verwurzelt: "Die Welt ist vergänglich, ein langer Traum (DirghaSwapna) – die Wahrheit allein ist wirklich." Für meine Schüler gibt es keine Welt. Sie erkennen die Göttlichkeit hinter allen Namen und Formen.

    Die innere Natur reinigen

    Reinige deinen Geist. Entwickle reine (sattwige) Eigenschaften wie Würde, Mut, Großmut, Großzügigkeit, Liebe, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit. Rotte alle schlechten Eigenschaften wie Lust, Gier, Zorn, Habsucht, Abneigung (Raga-dwesha) und andere negative Charakterzüge aus, die deiner ethischen Vervollkommnung und Selbstverwirklichung im Weg stehen. Sittliche Vollkommenheit ist eine Voraussetzung für die Selbstverwirklichung. Noch so viel Praxis hat keinen Wert für den Aspiranten, wenn er diese Seite des Sadhana nicht beachtet. Liebe alle. Verneige Dich vor jedem. Werde bescheiden. Sprich liebevoll, freundlich, zärtlich. Gib Selbstsucht, Stolz, Eigenliebe, Heuchelei auf. Erneuere deine niedere Natur.

    Finde durch Selbstprüfung heraus, ob Du wirklich Freiheit und Befreiung anstrebst, ob Du nur neugierig bist oder ob ein versteckter Wunsch nach Reichtum und Berühmtheit durch das Zurschaustellen spiritueller Kräfte dahintersteckt. Werde aufrichtig. Alle erforderlichen Befähigungen werden sich von selbst einstellen, wenn Du in Gesellschaft entwickelter Menschen bist und in einer Atmosphäre voll spiritueller Schwingungen lebst.

    Haltung gegenüber Frauen

    Meine stille Anbetung und Verehrung an alle Frauen als Erscheinungsformen der Göttlichen Mutter Shakti oder Kali. Sie bilden das Rückgrat der Gesellschaft und halten die Religion hoch. Sind sie inspiriert, so wird die ganze Welt inspiriert. Sie haben einen besonderen religiösen Instinkt. Göttliche Eigenschaften sind ihnen von Natur aus angeboren. Früher führten auch Hindufrauen ein Leben in Ehelosigkeit, dienten den Rishis (Sehern, Weisen), meditierten über den Atman (das Selbst) und erlangten Brahma Jnana (Erkenntnis des Absoluten). Zu alten Zeiten gab es unter den Frauen viele Siddhas (Meister im Besitz übernatürlicher Kräfte), Brahma Jnanis, Vairagis (Leidenschaftslose), Bhaktas (Gläubige) und fortgeschrittene Yoginis. Durch ihre Reinheit und Vollkommenheit konnten sie Wunder vollbringen, wenn sie bei Gelegenheit ihre spirituelle Macht einsetzten. Es gibt Beispiele dafür, wie sie Tote zum Leben erweckt, den Sonnenaufgang am Morgen aufgehalten und die Elemente beherrscht haben. Auch heute noch findet man viele Frauen in Rishikesh, Haridwar, Brindavan, Benares und an anderen heiligen Stätten in Indien, die sich von der Welt zurückgezogen und dem Yogaweg verschrieben haben.

    Ich lehne niemanden ab. Ich ehre eine Frau als mein eigenes Selbst. Ich betrachte Frauen als Mutter Durga oder Göttliche Mutter. Frauen sind eine dynamische Kraft auf Erden. Religion wird durch ihre Frömmigkeit aufrechterhalten. An die Adresse leidenschaftlicher Jugendlicher habe ich viel über die vergängliche Natur des fraulichen Körpers geschrieben; aber nur, um in ihnen starke Leidenschaftslosigkeit (Vairagya) zu wecken und ihnen zu helfen, ihre Sinne und ihren Geist zu beherrschen. Ebenso habe ich negative Schilderungen über Frauen gegeben, um Männer zu Vairagya zu bewegen. Ich habe große Ehrfurcht für die Frauen. Ich diene ihnen. Ich habe an verschiedenen Kirtanversammlungen im Pandschab und in Uttar Pradesh Kirtans mit ihnen abgehalten. Viele Damen aus Delhi und anderen Orten kommen sogar für ein paar Ferientage extra in den Ashram, schließen sich dem täglichen gemeinsamen Satsang an und genießen den Frieden und die Wonne hier.

    Sollten Frauen der Welt entsagen

    Zweifellos ist es schwierig für junge Frauen, auf dem Weg der Entsagung (Sannyasa) vorwärtszukommen. Sie haben nicht dieselbe Freizügigkeit und Freiheit wie Männer. Männer können in jeder Art leben, sich frei bewegen und überall schlafen. Sie können von Tür zu Tür um Almosen betteln und sich so durchbringen. Aber Frauen sind diesbezüglich im Nachteil. Es ist schade, daß es nicht viele vorbildliche Einrichtungen in Indien gibt, wo Frauen in Frieden leben, der Welt dienen und sich entfalten können. Solche Institutionen für spirituell veranlagte Frauen werden heutzutage dringend gebraucht. Diese wichtige Arbeit ist seit Generationen vernachlässigt worden.

    Ich erhalte Briefe von ernsthaft interessierten, gebildeten Damen mit dem Wunsch, den Weg der Entsagung zu beschreiten. 1936 antwortete ich einer Anhängerin mit folgenden hilfreichen Vorschlägen:

    "Ich kann Dir keinen Ashram empfehlen, wo Du friedlich leben und Dich entwickeln kannst. Du solltest versuchen, einen ausreichenden Geldbetrag von Deinen Eltern zu erhalten und ihn bei einer Bank anlegen. Mit den Zinsen kannst Du ein einfaches Leben führen. Das ist am besten. Schließe Dich auch dann einem Ashram mit fortgeschrittenen Seelen und Mahatmas an, oder lebe bei älteren, spirituell gesinnten Damen. Widme Deine Zeit ganz dem Studium der Upanishaden, der Gita und spirituellen Praktiken (Sadhana). Lerne Kirtan- und Bhajansingen. Wenn Du auf dem spirituellen Pfad fortschreitest, kannst Du von Dorf zu Dorf ziehen, die Massen erheben und Bhakti (Hingabe) in ihnen erwecken. Wenn Du das tust, wird die Welt Dich verehren. Wenn das nicht möglich ist, versuche, eine monatliche Zuwendung von Deinem Bruder zu bekommen. Das macht Dich von ihm abhängig und Du wirst eine Geisteshaltung entwickeln, in der Du Dich auf andere verläßt. Du bist jeden Monat auf sein Mitgefühl angewiesen. Das bietet Dir keine Sicherheit.

    Wenn Du unbedingt den Weg der Entsagung einschlagen willst, aber keine Mittel für einen unabhängigen Lebensunterhalt auftreiben kannst, kannst Du ein paar Mädchen Privatunterricht erteilen. Ihre Eltern werden Dich als Gegenleistung dafür unterstützen. Ich meine nicht, daß Du Dich als Lehrerin oder Kindermädchen ausbilden lassen sollst. Das ist weltlich. Das kostet Dich Deine ganze Zeit und Du hast nicht genug Kraft und Energie für vertiefte, regelmäßige spirituelle Praktiken (Sadhana). Die Versuchungen der Welt werden sich auf Dauer auf Dich auswirken. Vairagya ((Leidenschaftslosigkeit) wird langsam schwinden. Luxus und Bequemlichkeit werden sich einschleichen. Du wirst das Ziel verfehlen. Wenn Du ein bequemes Leben führst und uneingeschränkt mit weltlichen Menschen zusammen bist, wirst Du nicht in der Lage sein, Deinen jetzigen Gemütszustand und Deine jetzige Hingabe (Bhav) aufrechtzuerhalten. Bleib fest. Ändere Deine Meinung nie. Vertraue vollkommen auf Gott."

    Dienst an Frauen

    "Dienst an aufrichtigen Frauen liegt mir sehr am Herzen. Ich habe kein Geld. Ich habe kein Geschick, in der Öffentlichkeit, bei Machthabern, Großgrundbesitzern und Geschäftsleuten Geld aufzutreiben. Ich trete nicht an die Öffentlichkeit, um zugunsten des wohltätigen Dienstes Geld zu sammeln. Gelegentlich erhalte ich etwas Geld von Anhängern. Diese freiwilligen Spenden verwende ich für die spirituelle Erhebung jener, die bei mir leben und die von verschiedenen Zentren aus in enger Verbindung mit mir stehen. Meine Bücher werden in vielen Teilen der Welt in großer Zahl verkauft, aber ich verdiene nichts daran. Ich verschenke meine Bücher verschwenderisch. Geschäft kenne ich nicht. Ich habe im Augenblick weder Mittel noch Möglichkeiten, eine Einrichtung speziell für Frauen zu gründen."

    Manche Strenggläubige und Sannyasins behaupten, Frauen seien für den Weg der Entsagung nicht geeignet. Ich sehe das anders. Sie sind ebenso geeignet, den Weg des Yoga und des Verzichts zu gehen. Mehrmals habe ich daran gedacht, mich mehr darauf zu konzentrieren, der Welt durch Gründung eines Ashrams nur für Frauen einen echten Dienst zu erweisen. Das wäre ein Segen für die Welt. Da es jedoch an geeigneter Unterstützung dafür fehlt, habe ich vielen gebildeten Damen gestattet, hier in diesem Ashram zu leben. Ich kümmere mich persönlich um ihre Bedürfnisse und unterweise sie in allen Yogarichtungen, Bhajans und Kirtans. Viele haben Yogaübungen erlernt und unermeßlichen Nutzen daraus gezogen.

    Unter ihnen sind auch viele aus dem Ausland. Ich weihe sie in das Gelübde der Entsagung ein. Nach ihrer Ausbildung im Ashram kehren sie in verschiedene Zentren zurück und führen ihre spirituellen Praktiken (Sadhana) und ihren Dienst für die Welt fort. Die Zweigstellen der Divine Life Society haben überall auf der Welt Frauengruppen, wo sie einen weiten Spielraum nicht nur für ihre eigene Entwicklung sondern auch für den Dienst an der Menschheit finden. Die Bewohnerinnen im Ashram verfügen über alle notwendigen Annehmlichkeiten und Einrichtungen, Freizügigkeit und Freiheit. Da es sonst keinen Ashram nur für Frauen gibt, ist diese Institution zu einem idealen Mittelpunkt für ihre spirituelle Entwicklung geworden. Möge es ihnen allen gut gehen und mögen sie Frieden, Göttliche Herrlichkeit und Glanz genießen.

    An alle, die in Entsagung leben wollen

    Viele ernsthaft nach Wahrheit Suchende aus aller Welt schreiben mir sehr oft mit dem Wunsch, den Weg der Entsagung (Sannyasa) einzuschlagen. Aus Erfahrung weiß ich, daß viele, die aus dem einen oder anderen Grund aus einer momentanen Emotion heraus auf ein weltliches Leben verzichten, es am Ende nicht schaffen, den Geist der Entsagung aufrechtzuerhalten; in der Folge kehren sie zu einem weltlichen Leben zurück oder werden zu einem Schandfleck für den Mönchsstand. Jenen, die echte Leidenschaftslosigkeit (Vairagya) und brennendes Verlangen besitzen, empfehle ich den sofortigen Verzicht auf alle weltlichen Unternehmungen. Anderen rate ich, zuerst Leidenschaftslosigkeit zu entwickeln und sich auf den Weg vorzubereiten:

    "Weltliche Größe ist nichts. Sie ist ein Kinderspiel. Du mußt eine Größe auf spirituellem Gebiet werden. Lebe weiterhin in der Welt, aber nicht mit weltlicher Gesinnung. Bloßes Schulwissen kann Dich nicht bedeutend machen. Bereite Dich gut für den Stand der Entsagung (Sannyasa) vor, während Du noch im normalen Leben bleibst. Du besitzt Wunschlosigkeit (Vairagya), aber keine Erfahrung in dieser Hinsicht. Ich bin jederzeit bereit, Dich in den Sannyasa-Stand einzuweihen. Angenommen, Du lebst als Entsagter (Sannyasi) bei mir, bist Du stark genug, Deiner Mutter, Frau, Schwester und Deinen Brüdern gegenüberzutreten, wenn sie mit gebrochenem Herzen bitterlich vor meiner Hütte weinen? Bedenke und entscheide das wohl. Befreie Dich zuerst von der Täuschung (Moha). Gehe ab und zu weg, halte Dich einen oder zwei Monate an einem abgelegenen Ort ohne Deine Familie auf und beobachte, ob Dein Geist oft zu Deiner Familie, Deinem Besitztum und Deinem Geburtsort abschweift. Prüfe Deine geistige Stärke.

    Gefühl und Begeisterung allein werden Dir auf dem Weg der Entsagung nicht viel nützen. Er ist voller Schwierigkeiten. Aber er ist auch voller Freude und Wonne und eben für jemanden mit standhafter Entschlossenheit, Geduld und innerer Stärke. Das Leben eines Sannyasi ist die beste Art zu leben. Ein echter Sannyasi ist der wirkliche Herrscher der drei Welten. Schon ein Aspirant ist Machthaber der drei Welten. Habe Mut. Sei kühn. Erkenne, daß die Welt eine reine Einbildung ist. Mache Deine wahre Natur von Sein, Wissen und Glückseligkeit (SatchidanandaSwarupa) geltend.

    Setze Dich einen Augenblick allein in ein ruhiges Zimmer. Frage, denke nach, forsche nach. Erkenne die Herrlichkeit, im Atman (Selbst) zu leben. Prüfe Dich innerlich. Versuche, Deine Fehler und Schwächen auszumerzen. Das ist echte spirituelle Praxis (Sadhana).

    Mache am Anfang intensives Sadhana und ein wenig Dienst an großen Meistern (Mahatmas), Kranken und Armen – soviel Du kannst. Denke nicht daran, Yoga zu unterrichten, an großen Versammlungen zu sprechen oder sie zu leiten. Verfalle nicht auf die Idee, eine Vortragsreise um die Welt machen oder ein Weltenlehrer werden zu wollen. Solche Vorstellungen führen zu einem Rückfall. Mache intensive geistige Übungen (Sadhana) und vertiefe Dich in das Studium der Schriften, solange Du jung bist. Vergiß Vergangenheit und Zukunft. Jesus hielt sich jahrelang in der Einsamkeit auf. Er kehrte für einen Zeitraum von drei Jahren zurück, um die Welt mit seiner spirituellen Macht und Erleuchtung zu begeistern und aufzurütteln. Leere Geschoßhülsen in der Luft wirken nicht auf die Vögel. Die Worte eines Menschen ohne sittliche und spirituelle Entwicklung sind wie leere Geschosse. Sie haben keinerlei Einfluß auf weltliche Gemüter. Werde eine dynamische Persönlichkeit. Durch reine Gedankenkraft (Satsankalpa) kannst Du die stoffliche Welt verändern. Laß Dich nicht von Ansehen und Ruhm oder Annehmlichkeiten verführen. Führe ein hartes Leben.

    Dienst und Meditation verbinden

    Allein im Wald oder in einer Höhle zu leben ist schwierig. Als Neuling weiß man nicht, wie man seine Energie ordnen, den Tagesablauf anpassen und die Zeit nutzbringend einsetzen soll. Man weiß nicht, wie man Niedergeschlagenheit überwindet, wenn sie sich einstellt. Anfänger können nicht 24 Stunden lang nur meditieren. Sie müssen am Anfang arbeiten, um auch das Herz zu reinigen. Sie sollten Arbeit und Meditation verbinden. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Leute getroffen, die ständig völlig in Meditation versunken gewesen und mit fliegenden Fahnen daraus hervorgegangen wären. Was ich sagen will ist, daß es Anfängern in der Abgeschiedenheit nicht gut ergehen kann. Sie werden träge (tamasig) und verlieren ihre Begabungen und verborgenen Fähigkeiten nach einem langen Aufenthalt in Zurückgezogenheit.

    Finanzielle Unabhängigkeit

    Ich habe die Lebensgeschichten von Entsagten (Sannyasins) genau studiert und bin zu dem Schluß gekommen, daß ein wenig Geld dem Übenden (Sadhaka) in seiner spirituellen Praxis und Entwicklung hilft. Finanzielle Unabhängigkeit bringt Frieden im Geist und Stärke während des Sadhana. Rückfälle erfolgen nur, wenn man versucht, den Betrag zu vermehren oder einen Überschuß anzuhäufen. Dennoch braucht man sich nicht um Geld zu sorgen, wenn man Ausdauer, Geduld, gute Gesundheit und eine ausgeprägte, dauerhafte Leidenschaftslosigkeit (Vairagya) besitzt und willens ist, selbstlosen Dienst an der Menschheit zu leisten. Man kann der Welt dann sofort, in diesem Augenblick, entsagen. Es ist nicht ratsam, sein kostbares Leben damit zu verbringen, mehr verdienen und sparen zu wollen. Für ernsthafte Sucher (Sadhakas) gibt es überall genug. Kehre dem weltlichen Leben schnell den Rücken. Eile, entfliehe der Gesellschaft weltlich gesinnter Menschen. Halte Dich fern vom geschäftigen Treiben der Städte und der lärmenden Welt. Geh schnell an einsame Orte wie Rishikesh. Dort bist Du außer Gefahr.

    Um gute Mönche kümmert man sich überall. Es sind nur die Bettler im Gewand von Mahatmas, die für die Öffentlichkeit zur Plage werden. Es ist nicht einfach für die Allgemeinheit, auf den ersten Blick wahre Meister (Mahatmas) von Bettlern zu unterscheiden. Aber an der Art ihres Redens und ihres Betragens kann man echte Mahatmas leicht erkennen. Heutzutage fehlt es den Berufsleuten an Shraddha (Glauben). Um Unterbrechungen in ihrer spirituellen Praxis zu vermeiden, fordere ich die Schüler auf, genug Geld für ihre persönlichen Bedürfnisse bei sich zu haben. Verlege Dich nicht aufs Betteln. Wenn möglich, sorge für die nötigsten Bedürfnisse oder schließe Dich einem Ashram oder einer religiösen Einrichtung an.

    Die Bedeutung des Dienens

    Als drastische Maßnahme, die fehlerhafte Natur und weltlichen Eindrücke im Unterbewußtsein (Samskaras) zu überwinden, fordere ich die Schüler auf, sich ein paar Monate oder Jahre in tatkräftigen Dienst zu stürzen. Das ermöglicht ihnen, die Vergangenheit vollständig zu vergessen und ihre ganze Energie und Zeit spirituellem Streben zu widmen. Sie vergessen ihren Körper und ihre Umwelt. Sie erziehen ihren Geist dazu, automatisch das eigentliche Wesen hinter allen Namen und Formen zu erblicken. Sie lernen, unter allen Lebensumständen, im Guten wie im Schlechten, ein ausgeglichenes Gemüt zu bewahren. Die Zeitdauer richtet sich nach dem Entwicklungsgrad der Schüler.

    Bei meinem Ausbildungssystem sollten alle Schüler kochen, waschen, pflegen und Mönchen (Sadhus), Meistern (Mahatmas) und Kranken in jeder möglichen Art dienen lernen. Sie müssen Stunden mit tiefem Studium, Meditation, Mantrawiederholung und Gebeten verbringen. Auch bei der Arbeit sollten sie im Geist Mantras wiederholen (Japa). Sie sollten lernen, sich an unterschiedliche Umstände und Menschen anzupassen. Sie müssen auch alle Schreibmaschineschreiben und Erste Hilfe lernen. Sie sollten Mantras singen können und gute Abhandlungen über Yoga und Vedanta verfassen. Ich gebe ihnen alle wichtigen spirituellen Übungen zur schnellen Entwicklung vor und stelle ihnen die notwendigen Einrichtungen und Möglichkeiten dazu zur Verfügung. Wenn ich Fortschritte feststelle, schicke ich sie an kühle Orte zu vertiefter Meditation.

    Sannyasins und Politik

    Bei der heutzutage herrschenden politischen Agitation bitten Politiker sogar Sannyasins (Entsagte) um deren Unterstützung. Das ist ein trauriger Fehler. Diese politischen Führer haben die Herrlichkeit und Bedeutung eines Lebens wahrer Entsagung (NivrittiMarga) nicht verstanden. Solche wirklichen Sannyasins läutern die Welt durch ihre Gedankenschwingungen, auch wenn sie in den Höhlen des Himalaya bleiben. So helfen sie der Welt mehr. Mein Gebiet ist der spirituelle Weg. Laßt Politiker und Wissenschaftler auf ihren eigenen Gebieten arbeiten. Es mag sein, daß Politik nicht von Religion zu trennen ist. Aber verschiedene Menschen sollten auf verschiedenen Gebieten arbeiten, je nach ihren Fähigkeiten und ihrer Veranlagung. Alle sind in ihrem Bereich wichtig und hervorragend.

    Ist der Guru unentbehrlich?

    Nur ernsthaft suchende spirituelle Anwärter kennen mich.

    Aspiranten brauchen sich vor Fallgruben und Schlingen auf dem Weg nicht zu fürchten. Die ganze geistige Welt steht bereit, aufrichtigen Schülern den Rücken zu stärken, die versuchen, ihr Haupt aus dem Sumpf des Samsara (Kreislauf von Geburt und Tod) zu erheben. Anwärter sollten ihre guten Samskaras (Eindrücke im Unterbewußtsein) durch Japa (Mantrawiederholung) und regelmäßige Meditation verstärken.

    Selbst in diesem materialistischen Zeitalter gibt es in Indien zahlreiche Menschen, die Gott und nur Gott allein suchen, die bereit sind, Wohlstand, Familie und Kinder rückhaltlos aufzugeben um der Gottesverwirklichung willen, die sie als Zweck und Ziel ihrer Existenz ansehen. Dies ist ein Land von Weisen und Heiligen. Weltweit stehen Tausende von Wahrheitssuchenden mit mir in enger Verbindung. Viele Ausländer kommen auf der Suche nach Yogis und Mahatmas nach Indien. Ruhm Indien und allen Verehrern!

    Auf dem spirituellen Pfad gibt es viele Hindernisse. Der Lehrer (Guru), der den Weg schon gegangen ist, führt die Anwärter sicher und räumt alle möglichen Hindernisse und Schwierigkeiten aus. Man braucht daher einen persönlichen Lehrer.

    Es gibt keinen machtvolleren Weg, die fehlerhafte Natur und alte Eindrücke im Geist (Samskaras) zu überwinden als die persönliche Verbindung mit dem Guru und der Dienst für ihn. Die Gnade des Gurus versetzt die Schüler auf geheimnisvolle Weise in die Lage, die innewohnende spirituelle Macht wahrzunehmen, obwohl er ihnen nicht konkret dieses oder jenes als Gott oder Brahman zeigen kann.
     
    Die Einweihung verwandelt das Gemüt

    Einweihung (Diksha) beschränkt sich nicht nur auf einen Wechsel äußerer Formen. Nach der Einweihung durch einen Brahmavidya-Guru (Lehrer der absoluten Wahrheit) erfährt der Aspirant eine echte Veränderung des Geistes, klare Einsicht und Verstehen. Viele Schüler wählen ihre eigene Methode spiritueller Praktiken (Sadhana) nach ihrem Gutdünken, ohne sich über die Folgen im klaren zu sein. Manche Aspiranten haben sich durch mangelhafte Ernährung, falsche spirituelle Praktiken aufgrund fehlender richtiger Führung oder durch harte, törichte Askese bei einem schwachen Körper völlig zugrundegerichtet. Daher braucht man einen persönlichen Lehrer, der einem auf die Jahreszeiten, Umstände und Fortschritte abgestimmte Anleitungen gibt.

    Die Gnade eines Gurus ist notwendig. Das heißt nicht, daß der Schüler untätig herumsitzen sollte. Ein Guru kann Zweifel ausräumen, den spirituellen Weg aufzeigen, der sich für den Schüler am besten eignet und ihn inspirieren. Den Rest muß der Aspirant selbst tun. Es ist töricht, anzunehmen, man könne alle übernatürlichen Kräfte (Siddhis) und Befreiung (Mukti) durch einen Tropfen Wasser von der Bettelschale (Kamandalu) eines Mahatmas oder Yogis bekommen. Es gibt keine Wunderdroge für Samadhi (überbewußter Zustand). Das zu erwarten ist reine Verblendung.

    Erst verdienen, dann verlangen

    Einen Lehrer zu finden, der sich aufrichtig um die Interessen seiner Schüler kümmert, ist ein schwieriges Unterfangen in dieser Welt. Das stimmt. Aber einen Schüler zu finden, der die Anweisungen seines Lehrers ernsthaft befolgt, ist ebenfalls eine sehr, sehr schwierige Aufgabe.

    Da die Schüler heutzutage anmaßend, ungehorsam und eigenwillig sind, will niemand, der auf dem spirituellen Weg fortgeschritten ist, Schüler zur Unterweisung annehmen. Sie bringen dem Lehrer nur Unannehmlichkeiten. Sie wollen die Anweisungen nicht ausführen und werden innerhalb weniger Tage selbst zu Gurus. Dieses Problem von Guru und Schüler ist wirklich unangenehm. Wenn du keinen erstklassigen Lehrer finden kannst, versuche wenigstens, einen zu finden, der den Weg selbst seit einigen Jahren beschreitet, mitfühlend, selbstlos und an deinem Wohlergehen und Fortschritt interessiert ist.

    Verwirklichte Seelen sind nicht selten. Unwissende, weltlich ausgerichtete Menschen erkennen sie aber nicht ohne weiteres. Nur reine, tugendhafte Menschen können verwirklichte Seelen verstehen. Nur sie werden aus ihrer Gesellschaft Nutzen ziehen.

    Es hat keinen Zweck, unentwegt nach selbstverwirklichten Meistern zu suchen. Selbst wenn Krishna persönlich bei Dir wäre, könnte Er nichts für Dich tun, außer Du bist bereit für Ihn.

    Gott und dem Mammon gleichzeitig zu dienen ist unmöglich. Du mußt das eine oder das andere opfern. Du kannst nicht gleichzeitig Licht und Dunkelheit haben. Wenn du spirituelle Wonne genießen willst, mußt du auf sinnliche Vergnügen verzichten.

    Selbst wenn nur einer meiner Schüler seinen Kopf aus dem Sumpf des Kreislaufs von Geburt und Tod (Samsara) erhebt, ist mein Leben gerechtfertigt. Aspiranten zu unterweisen und zu formen ist der größte Dienst, den ich der Menschheit erweisen kann. Jeder geläuterte und erhobene Yogaschüler wird zu einem Mittelpunkt der Spiritualität. Dank seiner magnetischen Ausstrahlung zieht er Tausende unreifer Seelen zur geistigen Verwandlung und Erneuerung an.

    Schüler mit Verpflichtungen im weltlichen Leben brauchen nicht auf einen Guru zu warten. Sie sollten ihren eigenen persönlichen Gott
    (Ishta Devata) oder ein Mantra entsprechend ihren Neigungen wählen und spirituelle Praktiken (Sadhana) und Gebete ausüben. Zur rechten Zeit wird ein Guru für sie in Erscheinung treten. Es ist besser, das Mantra von einem Guru zu bekommen. Ein Mantra, das man von einem Guru bekommen hat, übt einen geheimnisvollen Einfluß aus.


    8. KAPITEL -JNANA YAJNA - (VERBREITUNG VON WISSEN)     Top

    Aus tiefen Erfahrungen entstehen zahlreiche Veröffentlichungen

    Wenn ich die Schriften studiere, kennzeichne ich die wichtigen Stellen. Ich denke ständig darüber nach und überlege. Ich habe wirksame Mittel und Wege gefunden, über Schwierigkeiten und Hindernisse hinwegzukommen. Ich habe meine eigenen Erfahrungen aufgezeichnet. Tausende traten persönlich oder schriftlich an mich heran auf der Suche nach Abhilfe für ihre Probleme. Ich gab ihnen Ratschläge und geeignete Hilfen auf der Grundlage meiner eigenen Erfahrungen. Ich lasse keinen einzigen Gedanken außer acht, weil ich sie alle aufschreibe. Auch den Erfahrungen der Schüler messe ich großen Wert bei. Zum Nutzen anderer Schüler beobachte und notiere ich alles genau. Ich sorge dafür, daß alle Aspiranten auch an entfernten Orten durch meine Briefe, Abhandlungen und Botschaften in allen führenden Zeitungen und Zeitschriften in verschiedenen Sprachen sofort davon Kenntnis erhalten.

    Zur Führung für so viele ringende Seelen habe ich meine Erfahrungen offengelegt, zum Beispiel in "Geheimnisse und Beherrschung des Geistes", "Spirituelle Lehren", "Regeln für die Praxis". Ich ordne die einzelnen Themen und veröffentliche sie als Broschüren oder Bücher. So nehmen meine Veröffentlichungen einen nahezu unbegrenzten Umfang an. Als ich einmal eine Menge Stoff für einen zweiten Band von "Praxis des Yoga" weitergab, schlugen mir die Verleger vor, nur einen Band zu machen. 1933 schrieb ich ihnen:

    "Warum halten Sie meine Arbeit auf? Lassen Sie die ,Praxis des Yoga‘ in mehreren Bänden erscheinen, Band 3, 4, 5 und so weiter, sobald ich neue Ideen und Lektionen zu vermitteln habe. Lassen Sie mich arbeiten, solange meine Augen sehen, solange ich neue Botschaften und Lehren für Wahrheitssuchende habe. Meine Liebe zum Dienst an der Menschheit ist so groß, daß ich mit Hilfe von fähigen Stenografen und Sekretären weitermachen werde, selbst wenn ich mein Augenlicht verliere. Lassen Sie das Göttliche Werk wachsen und der Welt Frieden und Seligkeit bringen."

    Warum es in meinen Büchern Wiederholungen gibt

    Ich glaube an eine einheitliche Entwicklung von Herz, Verstand, Geist und Körper. Eine einseitige Entwicklung ist nicht vorteilhaft. Ich berücksichtige alle Lehren der Weisen und Heiligen verschiedener Religionen und Glaubensrichtungen. Im Sinne eines schnellen spirituellen Fortschritts von Schülern mit unterschiedlichen Neigungen und Veranlagungen gebe ich das Wesentliche aus allen Quellen wieder. Ich nenne das "Ganzheitlichen Yoga" (Yoga der Synthese oder Integralen Yoga). Meine Lehren sind das Ergebnis meiner eigenen Untersuchungen sowie der Erfahrungen Tausender von Anhängern.

    In allen meinen Büchern betone ich die wichtigen praktischen Punkte für eine allseitige Entwicklung. Manche empfinden das als "Wiederholung". Für ernsthafte Schüler ist es aber sehr hilfreich. Sie sind in der Lage, den Wert und die Bedeutung solcher nützlicher Wiederholungen zu begreifen. Sie zielen darauf ab, tiefe, unauslöschliche Eindrücke im Geist der Aspiranten zu schaffen. Wenn ich über ein besonderes Thema schreibe, wiederhole ich zum Nutzen aller Leser gleichzeitig die wichtigsten Punkte, die man im täglichen Leben beachten muß. Diese Wiederholungen erweisen sich als sehr hilfreich. Sie bearbeiten den von materialistischen Eindrücken überschwemmten Geist und helfen, Willenskraft zu entwickeln. Jeder findet darin eine Botschaft zum Trost, für Frieden, Freiheit und Vollkommenheit.

    Manche Anhänger haben eine große Bibliothek mit allen meinen Büchern und bitten mich trotzdem oft um neu gedruckte Bücher. Sie schreiben mir zum Beispiel: "Besonders schön an Ihren Büchern ist, daß sie Lust auf geistigen Fortschritt wecken und dazu verlocken, ihre Lehren auszuprobieren, obwohl ich eigentlich keine natürliche Neigung für den spirituellen Weg habe. Die Lektionen sind wie für mich bestimmt und ich finde sie auch für mein materielles Wohlergehen höchst nützlich. Nach der Lektüre von ein paar Seiten Ihres Buches ,Geheimnisse und Beherrschung des Geistes‘ fühle ich neue Kraft und Hoffnung in mir."

    1935 sandten mir die Herausgeber den Brief eines Lesers, der sich beklagte, meine Bücher enthielten eine Menge Wiederholungen. Ich antwortete ihnen:

    "Jede Wiederholung sollte sorgfältig vermieden werden. Sie werden sich drei, vier Nächte lang mit vollen Teekannen hinsetzen und alle Wiederholungen streichen müssen. Lassen Sie aber aus Furcht vor Wiederholungen nicht die wichtigen Teile weg. Wiederholungen sind dann nötig, wenn der Text darauf abzielt, den weltlich ausgerichteten Geist zu bearbeiten. Die ganze Welt ist voller Wiederholungen. Man kann es nicht jedem rechtmachen. Die Gita, die Upanishaden und andere Schriften sind voller Wiederholungen. Das läßt sich nicht vermeiden. Ohne ständiges Einhämmern verweigert sich die Natur jeglicher Veränderung. Wenn wir in ein paar Jahren neue Auflagen herausbringen, können wir jedes Buch, jeden Abschnitt, jeden Satz gründlich überarbeiten und verbessern. Drucken Sie alles. Lassen Sie nicht ein einziges Komma oder Wort weg."

    Der Briefeschreiber sagt, meine Bücher seien voller Wiederholungen; trotzdem wünscht er eine vollständige Liste meiner neuesten Veröffentlichungen! Am Schluß fügt er hinzu: "Sie sind meine Nahrung und mein Leben."

    Es mag die Welt überraschen, daß ich beliebig vielen Verlegern gestatte, neue Auflagen meiner Bücher herauszubringen. Ein- und dasselbe Buch kommt in verschiedenen Verlagen in Indien, Deutschland, der Schweiz, Indonesien und Amerika heraus. Ich möchte so viel wie möglich in kurzer Zeit erreichen. Die folgenden Briefe aus den Jahren zwischen 1934 und1936 zeigen, wie ich in diesem Bereich die Arbeit vorangetrieben habe:

    "Am liebsten sind mir Produktionen innerhalb von 20 oder 10 Tagen. Können Sie gleichzeitig drei oder vier Bücher herausgeben? So arbeiten wir hier mit einer kleinen Druckerei in Rishikesh. Setzen Sie verschiedene Druckereien ein. Machen Sie sich keine Sorgen über die Bezahlung. Früher oder später werden die Rechnungen irgendwie bezahlt werden."

    "Setzen Sie mehrere Druckereien ein, um bald fertigzuwerden. Verlassen Sie sich nicht nur auf eine Druckerei. Drucker, Goldschmiede und Schneider gehören zur selben Art Leute. Sie machen alles sehr langsam und gemächlich und halten sich nicht an ihre Zusagen." Mein Ziel ist schnelle Arbeit und rasche Verbreitung spirituellen Wissens. Darauf weist mein nächster Brief hin.

    Schnelle Arbeit ist mein Ideal

    Ich schränke meine Publikationen nicht ein. Die Leser sollen sofort an allem teilhaben, zu ihrem umgehenden spirituellen Nutzen. Ich möchte nicht, daß meine Leser warten müssen, bis eine neue Veröffentlichung fertig ist. Wenn daher neue Ideen auftauchen, füge ich sie sofort dem letzten, in Druck befindlichen Werk hinzu, auch wenn sie in keinem direkten Zusammenhang mit dem Hauptthema des Buches stehen. Ich möchte auch nicht, daß wertvolle Zeit verlorengeht, indem jedes Wort sorgfältig abgewogen wird.

    "Machen Sie sich keine Sorgen über Druckfehler. Sie brauchen keine Angst vor Fehlern zu haben. Wenn Sie mir einen Probeabzug schicken, korrigiere ich ihn. Beschränken Sie das Buch nicht auf 125 Seiten. Wenn Sie guten Stoff haben, nehmen Sie ihn auf und verkaufen Sie es etwas teurer. Was schadet es, wenn ein Buch 200 oder 300 Seiten umfaßt? Sie können der Welt helfen, indem Sie bedeutende Werke herausbringen."

    Bei Verdiensten zögere ich nicht, meiner Anerkennung Ausdruck zu verleihen:

    "Das Buch ,Yoga Asanas‘ ist wunderschön. Es hat seinen eigenen Reiz, obwohl es schon viele Bücher auf diesem Gebiet gibt."

    Auf Einzelheiten achten

    Ich bin auch sehr darauf bedacht, genaue Anweisungen zu Einzelheiten zu geben.

    "Du kannst Meditation über das Zeichen von OM einführen. Das kann sowohl Saguna- (mit Eigenschaften) als auch Nirguna-(ohne Eigenschaften) Meditation sein. Drucke schöne Blätter mit dem OM-Zeichen und schreibe als Fußnote ein paar Anleitungen für Konzentration und Meditation darauf. Füge an den Seiten auch die Vier Mahavakyas (die vier bedeutenden vedischen Lehrsätze, in denen verkündet wird, daß Brahman und Atman identisch sind) ein. Ich möchte auch ein Japa-Flugblatt: Drucke 108 Mal OM auf eine Seite. Wer keine Japa Mala (Perlenkette) benutzen möchte, kann diese Seite durchgehen."

    "Anbei ein ausführlicher Artikel über Brahmarandhra (Fontanelle an der Schädeldecke). Das reicht. Eine eingehende Schilderung über Perikarp, Nibodhaka-Feuer, Nirwana Shakti und so weiter hilft dem Schüler nicht viel. Das ist alles unverständlich und geheimnisvoll. Nimm keinen Stoff aus anderen Büchern dazu. Was ich geschrieben habe, genügt völlig. Kopiere nicht Stoff aus anderen Büchern und verdirb die Schönheit damit."

    Ich achte sorgfältig darauf, wie meine Bücher herausgebracht werden. Manchmal wollten die Verleger die Teile weglassen, die sie als nicht angemessen oder als ungeeignet ansahen. Aber ich möchte nicht, daß dabei irgendetwas Wertvolles verlorengeht. Im folgenden Brief verwies ich daher auf deren Bedeutung und bat, sorgfältig darauf zu achten, die Kraft des Geschriebenen zu bewahren, die beim Wechsel der Sprache verlorengehen könnte.

    "Sie können einige Teile weglassen. Aber bedenken Sie, daß nicht die Sprache oder der Stil die Menschen beeinflussen, sondern die Macht hinter dem Gedanken. Beim Versuch, die Sprache und so weiter zu verbessern, muß die ursprüngliche Kraft bewahrt werden. Immer wenn Sie etwas ändern, müssen Sie sich die Absicht des Verfassers überlegen. Rein metaphysische oder blumige Ausschmückungen machen noch keine Verbesserung aus. Die Kraft des Autors darf nicht verlorengehen. Behalten Sie das im Auge, wenn Sie irgendwelche Verbesserungen vornehmen wollen."

    Die folgenden Bemerkungen zeigen, wie ich eine gute Produktion schätze und Streichungen ablehne:

    "Das Buch ist mit der Einleitung sehr schön. Sie erwarten vielleicht, von den Medien ,Kritik‘ zu bekommen. Das ist nur eine falsche Vorstellung. Manche Zeitungen werden den Band loben. Wenn Sie eine ansprechende Anzeige aufgeben, werden die Bücher weggehen wie warme Semmeln. Zusammen mit der ,Praxis des Vedanta‘ gibt das eine gute Kombination für das Studium des Vedanta."
     

    "Zwischen der ersten und zweiten Ausgabe von ,Yoga Asanas‘ besteht ein großer Unterschied. Sie haben alle Sanskritausdrücke wie ,Parichchinna Ananda‘, ,Bimba Ananda‘ und so weiter, weggelassen. Sanskritworte haben eine ganz besondere Macht und Bedeutung. Unter dem Einfluß einer humoristischen Wochenzeitschrift haben Sie sie gestrichen. Bitte lassen Sie in Zukunft nicht eine einzige Silbe weg. Im Sanskrit liegt Kraft, Schönheit und Eleganz. Es beeinträchtigt den Gedankenfluß beim Lesen nicht im geringsten."

    Kein Urheberrecht

    Ich erwarte von den Verlagen keine Ertragsbeteiligung. Um die Arbeit tatkräftig voranzubringen, bitte ich alle Verlage, mehrere Ausgaben meiner Bücher in verschiedenen Sprachen herauszugeben. Ich verlange kein Honorar. Ich gestatte allen Verlagen, meine Bücher zur weiten Verbreitung auf der ganzen Welt zu drucken, ob sie mir nun Prozente weitergeben oder nicht. Üblicherweise erhalte ich pro 1000 gedruckte Exemplare 100 Stück. Diese verkaufe ich nicht und verdiene nichts daran, sondern verteile sie an alle bedeutenden Büchereien, Bildungs- und religiösen Einrichtungen und an Zeitungen zur Rezension. Das erweist sich als wirksamer Werbekanal. Die Auflagen sind schnell vergriffen und die Verlage verdienen dabei. Ich möchte, daß alle Erfolg haben.

    Mein Anliegen ist die Verbreitung von Wissen. Von meiner kleinen Behausung zu Füßen des Himalaya am Ufer des Ganges aus habe ich Hunderte sehr nützlicher Bücher in allen Sprachen zur Auflage auf der ganzen Welt herausgebracht. Das war möglich, weil ich keinerlei gewinnsüchtige Motive damit verband. Meine großzügige Einstellung motivierte viele Verlage in Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Amerika und Indonesien. Manche Herausgeber möchten nichts mit wertvollen Büchern über hohes Vedanta zu tun haben. Sie möchten lieber mit dem schnellen Verkauf von Büchern über Magie, Wunder und Yoga Gewinne erzielen. Bedeutende Werke über Vedanta und Gesundheit verkaufen sich nur allmählich, daher sind die Verlage nicht so sehr daran interessiert. Daher dachte ich über eigene Veröffentlichungsmöglichkeiten nach. Um wertvolle Bücher im Interesse zukünftiger Generationen zu erhalten, habe ich jetzt das Urheberrecht für alle meine Werke der Divine Life Society oder der Yoga Vedanta Forest University übertragen. Trotzdem dürfen auch andere meine Bücher veröffentlichen.

    Wenn ich auch keine Exemplare als Gewinnbeteiligung fordere, so bitte ich die Herausgeber doch höflich, mir einige Ausgaben zur kostenlosen Verteilung zur Verfügung zu stellen. In der Regel geben sie mir großzügig 100 oder 150 Exemplare pro 1000 Stück Auflage. Ich nenne diese "Beteiligungsexemplare" Ganesha Puja (Verehrungsritual für Ganesha), eine Opfergabe an Gott. 1936 schrieb ich die folgenden Zeilen an einen indischen Verleger:

    "Bitte denken Sie an die Ganesha-Puja-Exemplare. Das liegt in Ihrem eigenen Interesse. Die ersten Früchte, die ein Baum trägt, sollten Gott oder Sannyasins dargebracht werden. Das bringt Wohlergehen und Erfolg. Dasselbe gilt für die Ganesha-Puja-Ausgaben. Der Verleger sichert sich damit Wohlstand hier und im künftigen Leben. Ich setze sie auch wunderbar werbewirksam für den Verkauf der Bücher ein."

    Es freut mich sehr, wenn alle Bücher im Universitätsverlag gedruckt werden, da ich dann volle Freiheit habe. Die druckfrischen Ausgaben verteile ich sofort kostenlos an Ashrambewohner, Besucher, Pilger und per Post an alle Anhänger, Zweigstellen der Divine Life Society, religiöse und schulische Einrichtungen. Jeden Tag mache ich das Büro leer und finde doch immer wieder neue Vorräte aus der Druckerei. Jetzt gibt es in ganz Indien und Hongkong zahlreiche Anhänger, die meine Bücher in großen Auflagen drucken und mir zur Verfügung stellen. Ich freue mich sehr, wenn Anhänger Beiträge für diese Veröffentlichungen, den Unterhalt der Schüler im Ashram oder die Kranken im Krankenhaus spenden.

    Einstellung zum Gewinn

    Als es einmal buchhalterische Unstimmigkeiten mit einem Verleger gab, bat ich einen meiner Schüler, sich richtig zu benehmen und einen kühlen Kopf zu bewahren. Nachstehend wiedergegebene Briefe an ihn machen meine Haltung gegenüber Geschäftsleuten deutlich:

    "Sei ruhig und gelassen. Ärgere Dich nie. Sei großzügig und würdevoll. Die ganze Welt ist Dein, ist Dein Körper, Deine Heimat. Benimm Dich wie ein Sakshi (unbeteiligter Zeuge). Sei auf der Hut."

    "Streite nicht. Sei unter allen Umständen höflich, zivilisiert und anständig. Geld ist nichts. Sei immer freundlich zu den Verlegern. Werde furchtlos. Streite nicht bezüglich der Rechnungen. Sei edel. Sei vernünftig. Wenn sie unrecht haben, zeige ihnen den Fehler auf. Wenn sie darauf beharren und an ihren Fehlern festhalten, schweige. Übergehe die ganze Angelegenheit, auch wenn wir einen schweren Verlust erleiden. Gebrauche keine schroffen Worte in Deinem Brief. Jede Zeile muß Höflichkeit und Gefälligkeit ausstrahlen. Regle die Angelegenheit ohne vor Gericht zu gehen. Konsultiere einen Anwalt. Verliere nicht Deinen Gleichmut. Handle wie ein Sannyasi!"


    9. KAPITEL -DAS IDEAL DES LEBEN     Top

    Die Lebensphilosophie

    Das Ziel von Philosophie ist richtiges Leben. Was richtiges Leben bedeutet ist eine Frage der Definition. Es ist ein Leben in Weisheit, frei von der Unvollkommenheit, die ein nicht-philosophisches Leben kennzeichnet. Philosophie ist weder ein intellektueller Zeitvertreib noch elitäre Pedanterie, die die erfahrbaren Tatsachen der Welt übersieht. Philosophie ist kein reines Kunstwerk der Gelehrsamkeit oder das Steckenpferd eines unausgelasteten Geistes, sondern die verstandesmäßige Analyse der Folgerungen aus der Erfahrung und eine aus solch weisen Überlegungen entwickelte Theorie, um die für die verschiedenen Erfahrungen in der Welt verantwortlichen Kräfte zu ordnen. Philosophie ist daher die große Kunst vollkommenen Lebens, einer Art von Leben, die über die gewöhnliche Vorstellung hinausgeht, wo das Höchste Leben, das mit dem Sein selbst identisch ist, verwirklicht wird.

    Die von mir gelehrte Philosophie ist weder eine verträumte, subjektive, weltverneinende illusionistische Lehre noch eine grobe weltbejahende humanistische Theorie. Sie ist die Lehre von der Göttlichkeit des Weltalls, der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, die eins ist mit dem Absoluten Selbst des Universums, da es eine grundlegende Einheit von allem im Universum mit dem höchsten Brahman (Absoluten) gibt, das die einzige Wirklichkeit ist. Der Vedanta (Lehre vom Absoluten) verschließt seine Augen nicht vor der herzzerreißenden, erbärmlichen Lage der Welt, noch übersieht er den Körper und den Geist mit ihrem Abwärtstrend in Richtung auf ein den weltlichen Erfahrungen entsprechendes Leben, obwohl das eigentliche Anliegen des Vedanta über das Weltliche hinausgeht.

    Ganzheitliche Entwicklung

    Das eine Brahman oder das Höchste Selbst manifestiert sich als mannigfaltiges Universum auf allen Erscheinungsebenen und -stufen; daher muß der Aspirant den niederen Manifestationen zuerst huldigen, bevor er sich den höheren zuwendet. Gute Gesundheit, klares Verständnis, tiefes Wissen, machtvoller Wille und sittliche Redlichkeit sind Teile des Wegs zur Verwirklichung des vedantischen Ideals. Ich lege großes Gewicht auf eine allseitige Beherrschung des niederen Selbst. Die Lehren des Vedanta stehen nicht im Gegensatz zu Yoga, Bhakti (Hingabe) oder Karma (Handlung). Sie gehen alle ineinander über als Einzelteile eines Ganzen auf verschiedenen Erfahrungsebenen.

    Zu den Hauptpfeilern meiner Lebensphilosophie gehören: sich einfügen, anpassen, Gutes in allem sehen, und alle natürlichen Anlagen bei der Entwicklung zur Selbstverwirklichung hin durch eine ganzheitliche Entfaltung aller menschlichen Kräfte und Fähigkeiten möglichst wirksam nutzen. Hauptrichtschnur ist, alle zu lieben und Gott in allen zu sehen, allen zu dienen, weil Gott alles ist, Gott als Einheit aller in der Vielfalt und Vollkommenheit zu erkennen. In allen meinen Schriften habe ich Methoden beschrieben, wie man die körperlichen, energetischen, geistigen und verstandesmäßigen Ebenen des Bewußtseins überwinden und beherrschen kann, um den Anwärter in die Lage zu versetzen, ungehindert mit seinen geistigen Übungen in Richtung auf dieses große Ziel, die Verwirklichung des Absoluten, voranzuschreiten. Der Vedanta ist eine Philosophie und ein Lebensweg, der spirituelle Verwirklichung lehrt, die direkte Erfahrung des Unsterblichen, die allgegenwärtige Natur des Selbst, wo das Universum als eins mit dem Selbst erfahren wird, wo es nichts Zweites neben dem Selbst gibt; als Ergebnis dieser erhabenen Erkenntnis wird der verwirklichte Weise zum Retter des Universums, Sarva-bhuta-hite Ratah.

    Mein Glaubensbekenntnis

    Es ist mein Glaubensbekenntnis, den Atman, das Selbst, in jedem Wesen und in jeder Form zu erblicken, absolutes (Brahman) Bewußtsein überall, immer und in allen Situationen des Lebens zu spüren, alles als den Atman (das Selbst) zu sehen, zu hören, zu schmecken, zu riechen und zu fühlen. Es ist mein Glaubensbekenntnis, in Brahman zu leben, mit Brahman zu verschmelzen, in Brahman aufzugehen und mich in ihm aufzulösen. In Einheit mit Brahman ruhend, ist es mein Glaubensbekenntnis, Hände, Geist, Sinne und Körper in den Dienst an der Menschheit zu stellen, den Namen Gottes zu singen, um Bhaktas (Gläubige, Verehrer) zu erheben, aufrichtigen Aspiranten Unterweisung zu geben und Wissen durch Bücher, Broschüren, Merkblätter, Zeitschriften und Vorträge weit und breit zu streuen.

    Es ist mein Glaubensbekenntnis, ein kosmischer Freund und Wohltäter zu sein, ein Freund der Armen, Verlorenen, Hilflosen und Gefallenen. Es ist mein heiliges Glaubensbekenntnis, kranken Menschen zu dienen, sie sorgfältig, mit Zuneigung und Liebe zu pflegen, die Niedergeschlagenen aufzuheitern, allen Kraft und Freude einzuflößen, mich eins mit jedem Geschöpf zu fühlen und alle aus gleicher Sicht zu behandeln. In meinem Glaubensbekenntnis gibt es weder Heilige noch Sünder, weder Bauern noch Könige, weder Bettler noch Kaiser, weder Freunde noch Feinde, weder Männer noch Frauen, weder Gurus noch Chelas. Alles ist Brahman. Alles ist Sat-chid-ananda, Sein, Wissen und Glückseligkeit.

    Das Geheimnis von Energie und kraftvoller Arbeit

    Jetzt, 1958, bin ich 72 Jahre alt. Ich bin dauernd beschäftigt. Ich bin immer voll Freude und Glück. Ich kann noch mehr arbeiten. Ich kümmere mich persönlich um Hunderte von Schülern im Ashram und führe die Geschäfte der Divine Life Society, der Forest University und des Krankenhauses und leite Tausende von entfernt wohnenden Studenten schriftlich an. Ich widme dem Druck und Versand nützlicher Bücher an Schüler, Bibliotheken und religiöse Einrichtungen große Aufmerksamkeit. Ich kann noch mehr tun. Das Geheimnis meiner Energie ist, ständig göttliches Bewußtsein aufrechtzuerhalten.

    Ändere den Blickwinkel und sei immer glücklich und fröhlich. Sieh überall nur Gutes. Tanze vor Freude. Sättige den Geist mit göttlichen Gedanken. Du wirst sofort eine gewaltige innere Kraft und geistige Macht in Dir spüren. Den Frieden, den Du dann genießt, kann man mit Worten nicht beschreiben. Übernimm jedes Verfahren, das deinen Geist nach innen richten, ihn einpünktig und unerschütterlich machen kann. Beherrsche die Sinne. Bewahre einen wachen, achtsamen und starken Glauben. Entwickle Willenskraft. Sonst werden Vikshepa und Alasya (Unruhe, Schwanken und Trägheit) Dich überwältigen.

    Heilen durch Gebete

    Auf der ganzen Welt stellen Ärzte an armen Patienten Versuche mit vielen Medikamenten an. Wie kann man eine dauerhafte, anhaltende Besserung erwarten, wenn die Ärzte aus dem selbstsüchtigen Grund, mehr und mehr Geld zu verdienen, handeln? In der ayurvedischen Heilkunde bereiten Fachleute echte Arzneien aus Pflanzen, Samen und Wurzeln aus dem Himalaya zu. Sie untersuchen den Puls der Patienten, stellen eine zutreffende Diagnose und verschreiben wirksame Mittel zur dauerhaften Heilung. Auch die Patienten sollten sich weitgehend an natürliche Methoden halten, geeignete Nahrungsmittel wählen und die Anordnungen fachkundiger Ärzte befolgen.

    Im Sivananda-Krankenhaus verbinde ich alle Methoden miteinander. Es gibt Fachärzte aller medizinischen Richtungen. Darüberhinaus setze ich großes Vertrauen in die Macht von Mantras und die Gnade Gottes. Aufgrund besonderer Gebete im Vishwanath Mandir (Shivatempel) habe ich Wunderheilungen auch weit entfernter hoffnungsloser Fälle erlebt. Ich habe ungeheueres Vertrauen in die Heilung durch Gebete und Mantrasingen. Die Ergebnisse sind wunderbar. Gottes Name ist so wirkungsvoll. Ich nenne das "Namapathie", Heilung durch den Namen Gottes.


    10. KAPITEL -MEIN VORGEHEN FÜR DEN ENTWICKLUNGSPROZESS     Top

    Verhaftungslos und doch achtsam

    In meinem Kutir stehen große Truhen mit Hunderten wertvoller Bücher, Sachen und Kleider. Ich weiß nicht genau, was sie alles enthalten. Ich schließe sie nicht ab. Ich halte nichts "geheim". Ich esse nichts heimlich. Ich gebe nicht vor, ein Vairagi (Entsagter) mit leeren Händen zu sein und erwarte nicht von anderen, für meinen persönlichen Unterhalt zu sorgen. Wenn ich auf Vortragsreisen unterwegs war, steckte ich immer genügend Geld in zwei, drei Kleidertaschen. Meinen Begleitern gab ich Geldbörsen mit reichlich Geld.

    Sachen wie Füllfederhalter, Brillen, Lehrbücher und Geschenke großer Persönlichkeiten und Anhänger bewahre ich sorgfältig auf. Früher, wenn ich mein Kutir während eines kurzen, raschen Spaziergangs verschloß, befestigte ich den Schlüssel achtsam an meinem Gewand. Ich selbst mag vielleicht einen zerrissenen Mantel mit Flicken tragen, aber den anderen muß ich das Beste zur Verfügung stellen. Ich mache mir keine Sorgen wegen der Schulden. Die notwendige Unterstützung kommt unmittelbar aus Göttlicher Quelle. Ich spüre die Gnade Gottes bei jedem Schritt und fühle Seine Gegenwart hinter allen Namen und Gestalten.

    Sadhana bis zum Lebensende

    Sadhus (Heilige, Weise, Wandermönche) und Yogis praktizieren eine Weile lang Sadhana und Studium der Schriften. Sobald sie ein bißchen berühmt geworden sind, hören sie wieder damit auf. Das ist sehr schade. Das ist der Grund für ihren Fall. Weise und vollkommene Meister sollten mit ihrer spirituellen Praxis bis zum letzten Augenblick ihres Lebens fortfahren. Nur dann ist es möglich, Göttliches Bewußtsein aufrechtzuerhalten. Man gibt damit auch anderen ein gutes Beispiel und ist eine Quelle der Inspiration für sie. Ein Heiliger muß nicht reden und predigen. Sein Leben als solches ist eine Heilige Schrift, die die Welt erleuchtet. Selbst heute noch schreibe ich Om Om Om- und Hari Om Tat Sat-Mantras auf alle meine Briefe. Eine halbe Seite meines Briefes enthält das Mantra oder philosophische Gedanken. Bevor ich anfange, etwas in ein Notizbuch oder Briefe an Schüler zu schreiben, schreibe ich das Mantra.

    Im Lauf von 24 Stunden übe ich fünf bis sechs Arten Sadhana: Japa (Mantrawiederholung), Meditation, Übungen einschließlich Asanas und Pranayama, Verehrung, Studium, schriftliche Arbeiten und Dienst für die Welt, Hilfe für Mahatmas, Kranke und Arme. So lade ich meinen Geist stets mit göttlichem Bewußtsein auf. Ruhe und Entspannung verbinde ich bestens mit tiefen Atemübungen. So habe ich die 35 Jahre meines Lebens in Rishikesh verbracht und wunderbare frische spirituelle Energie und Kraft im Überfluß gewonnen. Ich halte einen guten Gesundheitszustand aufrecht und genieße immer Frieden und Wonne. Morgens verlasse ich mein Kutir für eine Stunde, regle alle Geschäfte des Ashrams, delegiere Arbeit an die Ashrambewohner und kümmere mich um andere, die weit entfernt leben. Und doch habe ich das Gefühl, ich könnte jeden Tag noch zehn Stunden arbeiten. Das Geheimnis ist mein regelmäßiges Sadhana und die Gnade Gottes.

    Warum so viele Fotos

    In vielen Tempeln ist es nicht gestattet, Bilder von den Götteridolen zu machen. In Badri und Kedar darf man keine Fotoapparate mit in die Tempel nehmen. Es ist sonderbar. Manche Heilige und große Persönlichkeiten Indiens haben ernsthaft etwas dagegen einzuwenden, daß man sie fotografiert. Sie glauben, ihre spirituelle Macht nehme dadurch ab. Ich glaube das überhaupt nicht. Ich lasse jeden soviel Bilder machen wie er will, wenn ich sitze, laufe, gehe, spreche, esse, spiele, im Ganges schwimme, meditiere, studiere oder im Tempel bete. Wenn Anhänger ein Bild anschauen, werden sie inspiriert. Bücher und Zeitschriften gewinnen durch nette und lehrreiche Bilder einen besonderen Reiz. Ich mache keinerlei Vorbehalte. Ich entdecke in allem nur Gutes.

    Bedeutende Persönlichkeiten aus allen Ländern kommen in den Ashram. Aufrichtige Anhänger aus aller Welt kommen und bleiben ein paar Monate oder Jahre bei mir. Sie möchten alle ein Bild von mir. Warum sollte ich mich unnötig weigern und sie verletzen? Studentengruppen, die in den Ferien nach Rishikesh kommen, möchten ein Gruppenbild mit mir in der Mitte haben. Ich bin mit großen Persönlichkeiten der Welt, mit Maharadshahs, Weisen und Heiligen, Anhängern, Ashram-Mitarbeitern, den Kranken im Krankenhaus und mit Schulkindern fotografiert worden. Ich bin mit Hut und Anzug, Lendenschurz und Mantel, mit einem Turban wie ein Lehrer, im Auto, im Flugzeug und auf einem Ochsenkarren in Rameshwaram während meiner Indienreise 1950 und 1953 in Rurki in einer Fahrradrikscha aufgenommen worden. Ich mache keinen Unterschied zwischen Aufnahmen mit Herrschern, Anhängern oder Lastenträgern auf dem Bahnsteig, mit großen Meistern des Himalaya oder den Straßenkehrern des Ashrams. Auch die lebhaften Affen, Katzen und Hunde des Ashrams, Fische, Kühe, Elefanten und Jagdleoparden waren schon dabei. Ich glaube nicht, daß meine spirituellen Kräfte durch den bösen Blick verlorengehen oder beeinflußt werden. Ich denke an den wunderbaren Nutzen, den die Welt daraus zieht. Ich freue mich, wenn sich die Menschen um mich herum glücklich und fröhlich fühlen.

    Selbständigkeit

    Aufgaben wie das Zimmer putzen, Trinkwasser vom Ganges holen, Kleider und Geschirr waschen, meine Almosen in der Küche holen, erledigte ich selbst. Ich pflegte meine Abhandlungen und Briefe an Anwärter selbst zu tippen. Ich packte sorgfältig die Pakete und brachte sie zur Post. Ich hing nie von meinen Schülern ab. Ich wollte nicht, daß sie dauernd in mein Kutir kamen und meinen Tagesablauf störten. Wenn ich reise, trage ich mein Gepäck selbst. Wenn Gepäckträger manche der schweren Gepäckstücke mit den zur kostenlosen Verteilung bestimmten Flugblättern und Büchern trugen, bezahlte ich sie freigebig. Mir tun die reichen Leute leid, die sich mit den Gepäckträgern und Kulis auf dem Bahnsteig um die Entlohnung streiten.

    Als die Arbeit im Ashram zunahm, fand ich nicht mehr die Zeit, mich um diese Art Arbeit zu kümmern. Ernsthafte Schüler boten an, sie zu übernehmen. Da selbstloser Dienst Reinigung des Herzens mit sich bringt, gestattete ich ihnen, diese Tätigkeiten auszuführen und anderen Meistern und Kranken zu dienen. Ich kümmerte mich sorgfältig um die Bedürfnisse der Besucher und der Ashrambewohner. Ich sorgte persönlich dafür, daß sie ihre Sturmlaternen (damals gab es keinen elektrischen Strom), Liegen, Betten und Bücher zum Studium in ihren Räumen hatten und rechtzeitig Tee, Milch und Essen bekamen. Jetzt kommen Hunderte von Schülern in den Ashram. Alles läuft in geregelten Bahnen. Ich sitze still da, schaue zu und erfreue mich der Gnade Gottes. Ich überwache jeden Tätigkeitsbereich, gebe allen Mitgliedern Anweisungen und übertrage fähigen Mitarbeitern die Verantwortung für die einzelnen Bereiche. Selbst Menschen ohne besondere Fähigkeit oder Qualifikation eignen sich ihre Arbeit in Kürze an, wenn ich ihnen volle Freiheit und Verantwortung gebe und ihnen Vertrauen entgegenbringe.

    Eine Absicht hinter allem

    Ich bin von Natur aus ernsthaft. Selbst heute nehme ich meine spirituelle Praxis (Sadhana), Studium und selbstlosen Dienst sehr ernst. Nichts kann mich in meiner Konzentration und meinem Frieden stören. Ich kann unter allen Umständen Freude bewahren und meine Arbeit zuverlässig erledigen. Manchmal gebe ich mich humorvoll, um die Betrübten aufzumuntern und die Teilnahmslosen aufzuheitern. Ich scherze und spiele mit meinen Schülern und Besuchern und bringe sie zum Lachen wie Kinder. Aber hinter jedem Scherz und Spaß steht eine Absicht. Jede Handlung und jedes Wort dienen einem bestimmten Zweck in der Entwicklung der Menschen in meiner Umgebung. Durch Spaß und gute Laune, Anbieten von Keksen, Obst und Kleidern finde ich die Vorlieben, Veranlagungen und Schwächen der Schüler heraus und lehre sie einen Weg, ihre Schwierigkeiten und Fehler zu überwinden.

    Ich bin ganz und gar gegen Geschwätz, Gekicher und schallendes Gelächter. Ich fordere meine Schüler auf, müßiges Gerede zu vermeiden und allein, nach innen gekehrt oder in Arbeit versunken zu leben. Wenn sie zum Baden an den Ganges gehen, ihre Mahlzeiten holen oder abends einen Spaziergang machen, sollen sie alleine gehen und dabei Mantras wiederholen.

    Einfaches Leben und Großzügigkeit

    Ich bin sparsam. Ich verbrauche nicht viel für meine persönlichen Bedürfnisse. Ich führte jahrelang ein hartes Leben, als ich vom Essen aus der Armenküche abhing. Ich fühle mich bei einem rauhen, harten Leben sehr wohl. Einfaches Leben hilft, erhaben zu denken und Herrschaft über Geist und Körper zu erlangen. Auch heute noch liebe ich die Almosen, die ich aus der Küche bekomme und trage zerrissene Kleider. Ich hämmere dem Geist ständig ein: "Kaupinavantah khalu bhagyavantah" – "Gesegnet sind die Leidenschaftslosen". Ich lebe in einem gemieteten Gebäude am Ufer des heiligen Ganges, obwohl es im Ashram viele palastartige Gebäude mit allen Annehmlichkeiten und Einrichtungen gibt. Im einfachen Leben liegt eine besondere Freude. Aber ich leide nicht im Namen von Tapas (Askese). Wenn bestimmte Dinge zur Verbesserung des Ashrams oder für die persönliche Entwicklung von jemandem gebraucht werden, bestehe ich darauf, daß das Nötige sofort in die Wege geleitet wird.

    Bei jedem Schritt denke ich an das Wohlergehen der Welt und die Entwicklung der Aspiranten. Wenn Anhänger mir voller Hingabe wertvolle Sachen und Süßigkeiten schenken, nehme ich sie mit großer Liebe und Zuneigung an. Ich benutze sie, um die Spender zu erfreuen oder gebe sie sofort an verdiente Leute weiter. Wenn ich anderen diene und helfe, möchte ich für sie von allem das Beste. Wenn ich einen hochwertigen Füller, Mantel, Schal oder Sessel bekomme, habe ich sofort den Wunsch, allen Mitarbeitern und wichtigen Leuten im Ashram etwas Ähnliches zu geben. Ich warte dann auf eine günstige Gelegenheit, denn in einer wachsenden Institution, in der tatkräftige Arbeit auf der Basis von freiwilligen Spenden geleistet wird, ist es schwierig, sofort die nötigen Mittel zu finden. Ich warte auf Gelegenheiten. Ich kümmere mich um die Bedürfnisse aller Ashrambewohner, eines nach dem anderen. Wenn ich Süßwaren oder Früchte bekomme, esse ich nichts davon heimlich in meinem Kutir. Ich nehme das Paket mit zur Meditationshalle, verteile es und nehme am Schluß ein bißchen davon als Prasad (Opfergabe). Trotz meiner Diabetes esse ich manchmal von den Süßigkeiten, die mir von Verehrern mit so viel Hingabe, Liebe und Zuneigung gebracht werden. Sie schaden mir überhaupt nicht.

    Kein Sklave von Mode und Stil

    Ich kenne weder Mode noch Stil. Sie sind ein Fluch, ein Produkt von Maya, Täuschung, die Art von Egoisten und Unwissenden. Ich lebe nicht für sinnliche Vergnügen. Ich trage immer meinen Dhoti (traditionelles Gewand von Männern) über den Knien. Aus der Art ihrer Kleidung, Bewegung, Sprache und ihres Benehmens kann ich leicht auf das Ego von Menschen schließen und Methoden zu seiner Vernichtung empfehlen. Manchmal trage ich einen Turban und einen langen Spazierstock. Im Swarg Ashram nahm ich meinen langen Spazierstock auf meine Abendspaziergänge mit. Ich benutze ihn als YogaDanda (Stock), um mit dem Atem von einem Nasenloch zum anderen zu wechseln und hielt so meine spirituelle Praxis aufrecht. Früher trug ich nie Schuhe oder einen Schirm. Schuhe, Spazierstock und Schirm verändern die Lebensart vollkommen.

    Entwicklung für alle

    Die spirituellen Praktiken (Sadhana) sind unterschiedlich, je nach Entwicklungsstand, Stärke des Ego, Schwächen und Natur des niederen Selbst. Eine starke, kräftige körperliche Verfassung und gute Gesundheit sind schon an sich gute Voraussetzungen für den Schüler. Alle anderen Fähigkeiten entwickeln sich in einem günstigen Umfeld. Jeder kann auf dem spirituellen Pfad Fortschritte machen und sich entwickeln, wenn er Shraddha (Glauben), Aufrichtigkeit und Vertrauen besitzt. Besondere Begabungen oder Befähigungen sind nicht erforderlich. Man braucht auch nicht jahrelang die Schriften zu studieren oder jahrzehntelang auf einem Bein stehend Mantras zu wiederholen. Was man braucht, ist ein williges, liebevolles Herz. Kehren, Schreibmaschine tippen, schreiben, Wasser tragen, Kranke pflegen, Armen helfen – alle Arten von Dienst können mit der richtigen Geisteshaltung in YOGA umgewandelt werden. Der Schüler muß eine neue Sichtweise entwickeln und versuchen, das Ego bei jedem Schritt durch Disziplin, Urteilskraft und Gelassenheit zu vernichten. Lade den Geist durch ständiges Japa (Mantrawiederholung), Gebete und regelmäßige Meditation mit Göttlichem Bewußtsein auf.

    Persönliche Aufmerksamkeit und liberale Ordnung

    Die Küche ist die Kampfstätte in einem Ashram. Alle Arten Probleme, Mißverständnisse, Haß und Eifersucht unter den Mitarbeitern gehen von der Küche aus. Aus den Geschichten, die ich aus der Küche erfahre, kann ich leicht auf die Neigungen, den Charakter, spirituellen Fortschritt und den Grad der Sinnesbeherrschung der Schüler schließen. Das ist die hauptsächliche Störquelle in einem Ashram. Aber sie ist auch das beste Gebiet für eine schnelle spirituelle Entwicklung der Mitarbeiter und die Ausbildung allumfassender Liebe, Zuneigung, Barmherzigkeit, Geduld und Großmut. Die Menschen lernen hier sehr gut, sich anzupassen.

    Wegen der großen Zahl von Bewohnern und Besuchern gibt es jetzt im Ashram drei bis vier gängige Gerichte, um dem Geschmack der Leute aus verschiedenen Gegenden Indiens und aus anderen Ländern Rechnung zu tragen. In humorvoller Art sage ich den Leuten:

    "Wenn ihr kein Ghee (gereinigte, geschmolzene Butter) bekommt, nehmt Milch. Wenn keine Milch da ist, bittet um Buttermilch. Wenn es auch das nicht gibt, nehmt Gangeswasser." Sie sollten nicht murren. Man muß sich sehr behutsam an unterschiedliche Umstände anpassen, wenn man Frieden genießen will. Ich fordere sie auf, sich nicht viel Gedanken über ihren Körper, ihr Brot oder ihren Bart zu machen. Sie sollten ständig an das alldurchdringende Absolute (Brahman) denken.

    Ich achte besonders darauf, die Mitarbeiter des Ashrams, die verantwortungsvolle Arbeit leisten oder intensive spirituelle Praktiken üben und alle, die mehr Nahrung brauchen, mit energiespendendem Essen zu versorgen. Ich schicke ihnen besondere Früchte, Kekse und Butter zu ihren Hütten. Ich diene ihnen ungebeten. Ihre Gesundheit darf nicht im Namen von Askese (Tapasya) leiden. Auf die gleiche Weise kümmere ich mich um Besucher. Sie können ihre Gewohnheiten nicht an einem Tag im Ashram ändern. Das könnte ihre Gesundheit beeinträchtigen und sie können keine spirituellen Praktiken (Sadhana) ausüben, wenn sie ihre Ernährung, Kleidung und Freizeit plötzlich grundlegend umstellen. Ich bestehe daher nicht auf strengen Ernährungsvorschriften und -einschränkungen für alle.

    Ich lasse es sogar zu, schlechte Gewohnheiten wie Tee- und Kaffeetrinken oder Rauchen eine Weile lang beizubehalten. Mit zunehmender geistiger Reinheit und Willenskraft hören alle schlechten Angewohnheiten von selbst auf. Der geheimnisvolle Einfluß der Ashram-Atmosphäre übt ebenfalls seine Wirkung aus. Diese Art Freiheit macht es auch einem trägen Aspiranten möglich, sich im Ashram heimisch zu fühlen, sich in die Arbeit zu stürzen und seine verborgenen Fähigkeiten zu entwickeln. Besonders bei kranken Menschen bin ich sehr großzügig. Wenn es auf dem hiesigen Markt bestimmte Früchte nicht gibt, schicke ich jemanden sogar bis nach Delhi - was mit großen Ausgaben verbunden ist - , um zum Beispiel für die Patienten im Krankenhaus Orangen zu besorgen. 

    Kein Zwang, sondern volle Freiheit

    Ich lasse den Leuten ihren eigenen Willen, lasse sie eine Weile dort mitarbeiten, wo es ihnen am besten gefällt und wecke in ihnen eine natürliche Neigung zur richtigen Arbeitseinstellung und spirituellen Praxis. Ich zwinge niemanden. Einige meiner Briefe von 1938 an einen Schüler zeigen meine Vorgehensweise und wie ich das Wohlergehen und die anlagebedingten Vorlieben meiner Schüler in Betracht ziehe:

    "Du brauchst viel Ruhe. Du wirst sie haben, sobald die jetzige Arbeit abgeschlossen ist. Du brauchst nicht hart zu arbeiten. Es eilt nicht. Laß Dir Zeit. Mach Dir über nichts unnötig Sorgen. Ich nehme alle Verantwortung und Fehler auf mich. Du brauchst Dich in keinster Weise um die Tätigkeiten der Divine Life Society sorgen. Du kannst in Zukunft jede noch so geringe Hilfe leisten, wenn Du magst. Du hast jetzt genug getan. Sei fröhlich und glücklich. Soll ich Dir noch etwas Geld für Deine Ausgaben schicken?"

    "Nach ein oder zwei Büchern kannst Du nach Rishikesh zurückkehren. Aber ein Vorschlag: Ruhe Dich zwei Wochen lang in einem Dorf aus. Höre ganz mit dem Drucken auf. Dann wende Dich der Arbeit im Ashram zu. Wenn Du einen oder zwei Monate bleibst, kannst Du gute Arbeit leisten. Du kannst zwei Jahre lang ununterbrochen in Rishikesh bleiben. Wenn es Deine Gesundheit erlaubt, überlege es Dir oder komme sofort nach Rishikesh. Ich überlasse Dir die Entscheidung, ganz nach Deinem Belieben."

    "Ich werde Deinen Namen nicht mit der Divine Life Society verbinden. Wenn Du willst, kannst Du mir ohne jegliche Verpflichtung helfen, wann immer Du Zeit findest und Lust hast. Du bist stets frei."

    "Ich stelle fest, Du versklavst mich durch Deine echte Zuneigung. Entwickle keine Bindung (Moha) zu diesem meinem Körper. Werde unabhängig. Ich habe Dich frei gemacht. Ich kann Dir mehr helfen, wenn Du weg bist. Ich möchte nicht, daß jemand über längere Zeit bei mir arbeitet."

    "Hab‘ keine Angst vor Arbeit. Du kannst nächstes Jahr nach Uttarakashi gehen. Du brauchst gar nichts zu arbeiten. Aber bereite fähige Leute vor und bilde sie aus, Deine Arbeit fortzusetzen. Es gibt genug Leute hier, die ganz vom Schreibmaschineschreiben in Anspruch genommen sind. Bitte höre nicht mit der Arbeit an meinen Büchern auf. Laß eine Reihe von Büchern endlos erscheinen. Ich bin sicher, die Leute werden sich wegen der darin enthaltenen praktischen Lehren und Führung darum reißen."

    Die Art, Dinge zu erledigen

    In der Vergangenheit führte ich ein Notizbuch, in das ich die Arbeiten eintrug, mit denen ich verschiedene Mitarbeiter betraut hatte. Ich nannte es "Whip" ("Peitsche"). Auch wenn die Schüler diese Arbeiten aufgrund des großen sonstigen Arbeitsanfalls vergaßen, ließ ich nicht locker, bis sie sie erledigt hatten. Ich pflegte sie oft höflich daran zu erinnern; aber auf eine launige, liebevolle Art und niemand nahm es mir übel, wenn ich dieselbe Arbeit mehrmals anmahnte. An die Trägen (Tamasigen) schrieb ich auch förmliche Briefe, aber am Schluß fügte ich ein paar Ratschläge hinzu, um sie fröhlich und glücklich zu stimmen. Ein paar dieser Briefe sind nachstehend wiedergegeben. Zuerst erkundige ich mich nach ihrer Gesundheit und ihrem spirituellen Fortschritt, dann frage ich nach der ihnen anvertrauten Arbeit:

    "Wie geht es Dir? Hältst Du die Göttliche Flamme am Brennen, auch inmitten verschiedenster Tätigkeiten, indem Du Dich Seines Namens erinnerst, Seine Gegenwart überall fühlst und Ihn in allen Gesichtern siehst? Arbeite hart. Meditiere. Übe Swadhyaya (Selbststudium). Rede nicht viel. Suche nicht die Gesellschaft anderer. Sei nicht neugierig. Mache abends allein einen Spaziergang. Vernachlässige Dein spirituelles Tagebuch nicht. Es ist Dein Guru. Schreibe das ‚Hari Om‘-Mantra zehnmal oben auf deine Briefe. Während intensiver Tätigkeit an Gott zu denken ist eine leichte Übung zur Selbstverwirklichung. Bitte achte gut auf Deine Gesundheit. Sei regelmäßig in Japa (Mantrawiederholung), Meditation und Studium. Ändere Deine Natur und Gewohnheiten allmählich.

    Ich hoffe, Du hältst eine gute Gesundheit aufrecht mit Brahma Chintana (Kontemplation über die Wirklichkeit des Absoluten) und Karma Yoga (selbstloser Dienst). Wie steht es mit dem Buch ,Wissenschaft des Pranayama‘? Ist es fertig? Warum höre ich diesbezüglich nichts von Dir? Bitte schicke mir den endgültigen Probeabzug."

    "Ich hoffe, Dir geht es gut. Erinnere Dich (Smaran) bei der Arbeit an Rama, Krishna oder Shiva. Du wirst ein Yogi und Jnani (Weiser) werden. Das ist inmitten verschiedener Tätigkeiten eine leichte Yogapraxis. Gewinne innere Kraft und Frieden aus stiller Meditation mindestens einige Minuten lang am frühen Morgen. Ich muß immer wieder wiederholen: Die Welt ist ein Traum, Jalam, ein Taschenspielertrick des Geistes, Bhrama (nur äußerer Schein). Du bist Atman (das Selbst), Satchidananda (Sein-Wissen-Glückseligkeit). Mache das geltend. Verleugne den Körper. Unternimm größte Anstrengungen, Dich in diesem Gefühl (Bhav) fest zu verankern. Spüre ‚Ich bin Eins – Ekam, Chidakasha (Bewußtheit des endlosen Raums), Akhanda Brahman (ununterbrochenes Absolutes), das Selbst aller Wesen, ich bin Sakshi (unbeteiligter Beobachter), ich bin Akarta (nicht handelnd).‘ Zertritt die zischenden Indriyas (Sinnes- und Handlungsorgane) und Vasanas (Wünsche). Das ist der Kern der Upanishaden – genug, um Unwissenheit zu zerstören. Bitte schicke mir einen Bericht, wie Du die ,24 Stunden des Tages‘ verbringst."

    Ich vergesse die spirituellen Interessen meiner Schüler nie und erinnere sie ständig an den Zweck des Lebens und die Bedeutung von Sadhana, auch wenn sie sehr viel Arbeit für die göttliche Mission haben. Ein weiterer Brief:

    "Diese Welt ist DirghaSwapna (ein langer Traumzustand). Du bist VyapakaAtma (das allesdurchdringende Selbst). Sei fest begründet in dieser Vorstellung. Ich muß diesen Punkt sehr oft einhämmern. Bitte bestätige, ob Du den Artikel: ,Sat Guru Mani Mala‘ erhalten hast. Wenn nicht, werde ich Dir eine Mahnung nach der anderen schicken, bis ich eine Antwort erhalte. Um diesen Stumpfsinn zu vermeiden, teile mir mit: ,Ja, Sat Guru Mani Mala erhalten‘. Das erspart uns eine Menge Zeit und Energie."

    "Ich habe Dir mehrmals geschrieben, Du sollst alle meine Briefe an Dich in Buchform zusammenstellen. Du brauchst nur ein paar sich wiederholende Abschnitte ein bißchen zurechtzustutzen und die für Aspiranten nützlichen Teile auszusuchen. Ich habe keine Antwort von Dir erhalten. Wenn Du diese Arbeit nicht jetzt machen willst, warte ich. Es wird Dich nicht stark in Anspruch nehmen. Du kannst es geruhsam machen."

    Botschaft der Fröhlichkeit

    Ich schenke Klatsch keinen Glauben. Vergib auch dem übelsten Sünder. Es gibt Hoffnung für jeden, sich zu bessern und auf dem spirituellen Weg voranzuschreiten. Meine Schüler sollen stark, kühn und fröhlich sein. Ich möchte, daß sie die Mission Gottes tatkräftig fortsetzen. Meine Briefe zeugen von dieser Einstellung:

    "Verschwende Deine Energie nicht mit unnötigen Sorgen. Unsere Arbeit wächst sprunghaft. Sollen wir uns um Klatsch und Kritiken kümmern oder mit unseren Yoga-Aktivitäten weitermachen? Vergiß. Vergib. Vergib.

    Selbst wenn man Dich mit einer Frau an Deiner Seite in der Zeitung abbildet, würde ich es nicht glauben. Es ist Unfug von Klatschbasen. Sogar wenn ich Dich auf frischer Tat mit einer Frau ertappen würde, würde ich Dich entschuldigen. Das sind alles nur Fehler auf dem Weg, keine Verbrechen. Ich würde Dir sagen: ,Mache das in Zukunft nicht mehr. Schreite auf dem Weg des Lichts.‘ Du machst Dir unnötig Sorgen. Ich wollte Dir ein Telegramm schicken, um Dich aufzumuntern. Du mußt viele edle Werke vollbringen. Ich bereite den Boden vor, bahne den Weg für Deine zukünftigen spirituellen Tätigkeiten.

    Ich wünschte, es gäbe viele Schüler wie Dich in Indien, um der Welt zu helfen. Sei kühn. Sei immer heiter. Verkünde überall die Wahrheit. Erhebe Dich. Mache Dich reisefertig und predige Vedanta, Yoga und Bhakti überall. Sorge Dich nicht im geringsten. Niemand auf der Welt kann Dich verletzen. Du bist unbesiegbar. Brülle wie ein Löwe auf jedem Podium, gestützt auf die Wahrheit. Deine geringfügigen Fehler werden bald verschwinden. Sorge Dich nicht. Im Atman (Selbst) ist Reinheit. Es ist Niranjan, makellos. Du bist Niranjan. Halte an diesem Gedanken fest. Die Unreinheiten werden vergehen. Das ist eine positive Art und Weise, Fehler auszumerzen und auszurotten. Stärke, Freude, Frieden, Wonne, Unsterblichkeit sind Deine wahre Natur. Setze das durch und verwirkliche es."

    Haltung bei Verunglimpfungen

    Hier ein Brief, den ich 1937 an einen meiner Schüler geschrieben habe, der ein Pamphlet veröffentlicht hatte, in dem er den Gründer eines berühmten Ashrams im Pandschab angegriffen hatte:

    "Ich habe erfahren, daß Du ein kleines Pamphlet veröffentlicht hast, in dem Du indirekt einen Ashram im Pandschab angegriffen hast. Das hättest Du nicht tun sollen. Es ist eine Verunglimpfung. Vergiß die Vergangenheit. Das ist keine edle Handlung für einen Sannyasi (Entsagten). Nur kleinliche Leute im Privat- und Berufsleben benehmen sich so. Der Stand der Entsagung (Sannyasa) bedeutet Großmut. Mach so etwas in Zukunft nicht mehr. Es trifft mich indirekt. Wie geht es Dir gesundheitlich?"

    Ich möchte, daß meine Schüler sich um ihre eigenen Geschäfte kümmern und ihre Energie und Zeit nicht damit verschwenden, an anderen herumzukritisieren. Ich möchte, daß sie eine umfassende Sicht haben, ein ausgeglichenes Gemüt entwickeln und den Geist der Toleranz und Vergebung pflegen. Der Brief fährt fort:

    "Deine Arbeit wird darunter leiden, wenn auch nur ein wenig Agitation dabei ist. Schweige und arbeite mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Verbinde Dich mit niemandem. Bring alles friedlich zu Ende. Vergiß alles. Du bist immer noch sehr schwach. Du läßt Dich von ,Worten‘, die doch nur Trugbilder sind, beeinflussen oder erschüttern. Werde steinhart. Die Einstellung ,wie Du mir so ich Dir‘ entspricht der Natur von Privat- und Berufsleuten, nicht von Sannyasins. Beleidigungen und Unrecht zu ertragen ist die Einstellung (Swabhava) von Sannyasins. Das ist geistige Kraft und Ausgeglichenheit. Es ist nicht weise, sich von Kleinigkeiten berühren zu lassen, sich monatelang Gedanken zu machen und sinnlos Energie zu verschwenden.

    Bleib ruhig. Denke nie an alte Angelegenheiten. Du verschwendest Deine Energie, indem Du Deine Gedanken in die falsche Richtung lenkst. Das beeinträchtigt den glatten Arbeitsfluß. Stelle den Verkauf der verbliebenen Exemplare ein und vernichte sie. Der Gründer des Ashrams ist mein teurer Freund und Bruder. Du darfst nichts tun, was ihn auch nur indirekt im entferntesten treffen könnte. Du bist Dir gewisser nachteiliger Aussagen in der Schrift bewußt. Vergiß alles. Ruhe in innerem Frieden. Bringe keine solchen

    Bücher heraus. Schreibe sachlich über Philosophie, Yoga, Bhakti und Vedanta. Bringe keine Abhandlungen dieser Art heraus. Auch wenn Du im Recht bist, mußt Du Wohlwollen zeigen, wenn die andere Seite sonst gekränkt würde. Bringe solche Schriften selbst dann nicht heraus, wenn Du guten Stoff dafür hast. Sei vorsichtig. Wenn die andere Seite stark betroffen ist, wie kannst Du dann das Feuer ständig schüren und die Angelegenheit immer wieder aufrühren! Das entspricht nicht dem Dharma (rechtes Handeln) eines Sannyasins. Wie lange willst Du damit weitermachen? Bewahre einen kühlen Kopf und richte Deine Aufmerksamkeit auf unsere Veröffentlichungen, die Meditation und andere nutzbringende Arbeit."

    Sich über Kritik erheben

    Ich bin nicht an nutzlosen Erörterungen interessiert, sondern an schnellen Taten und Gehorsam. Ich möchte nicht, daß meine Schüler sich durch Kritik aus der Fassung bringen lassen. Daher meine energische Ermahnung:

    "Diese Angelegenheit ist ernst. Ich möchte, daß Du in Zukunft vollkommenes Schweigen bewahrst. Du mußt sofort handeln. Ich möchte keine Argumente oder Rechtfertigungen hören. Die Sache muß vollständig aufhören. Kann sein, daß ich voreingenommen und ungerecht bin. Du brauchst mir keine Antwort zu schicken. Aber bitte sorge dafür, daß Du meinem Ersuchen unverzüglich und unweigerlich nachkommst. Sannyasa bedeutet friedliche und konstruktive Arbeit. Was soll ich Dir noch mehr schreiben? Bist Du der Atman oder bist Du der Geist und der Körper? Selbst wenn Du alle meine Schriften zum 1001ten Mal liest, identifizierst Du Dich immer noch mit dem Geist und dem Körper. Die Menschen können Deinen Körper und Geist kritisieren. Du selbst magst Deinen Körper und Geist nicht. Wer also Deinen Körper kritisiert, ist Dein wahrer Freund. Also, warum erregst Du Dich darüber? Du bist schwach. Beachte Kritik nicht. Warum brütest Du über der Vergangenheit? Das ist eine schlechte Angewohnheit. So kannst Du keinen Frieden im Geist finden. Erhebe Dich über Kritik und Bemerkungen. Tue dem Menschen Gutes, der Dich vergiften und töten will. Setze das in die Tat um."

    "Du hast viel aus diesem unglücklichen, unerfreulichen Vorfall gelernt, der Dich belastet hat. Er war vom Schicksal geplant, damit Du bestimmte Erfahrungen machen konntest. Aus Schlechtem entsteht Gutes. Er hat Dir Stärke und Weisheit vermittelt. Nun sei friedlich und arbeite wie ein Löwe. Freude, Wonne, Macht, Stärke, Glanz und Herrlichkeit sind Dein Göttliches Erbe. Denke, daß Du der Herrscher der Welt bist. Stelle Dich Schwierigkeiten mutig. Ziehe innere Stärke daraus. Gott hat Dir eine besondere Gunst erwiesen. Er hat

    Dich zum Brahmachari (enthaltsam Lebenden) gemacht, alle Bindungen durchtrennt und Dich vollkommen frei gemacht. Wo also ist Platz für Wehklagen, Verzweiflung, Kummer, Sorgen oder Niedergeschlagenheit? Lächle. Fröhlichkeit, Frieden, göttlicher Dienst, yogische Tätigkeiten und Verbreitung von Wissen sind jetzt ein untrennbarer Bestandteil deiner selbst. Ich stehe Dir immer zur Verfügung, Dir zu dienen. Sei gewiß. Sei gewiß. Sei gewiß. Mache Freudensprünge. Tanze vor Verzückung. Schreite wie ein Löwe. Strahle Freude, Frieden und Stärke an alle um Dich herum aus."

    Beständigkeit und Dankbarkeit

    Nie vergesse ich die Dienste, die meine Schüler der göttlichen Mission erwiesen haben. Selbst wenn sie mich aus dem einen oder anderen Grund verlassen, vergesse ich ihre Arbeit nicht. Sie leben in meinem Herzen weiter. Der Brief geht weiter:

    "Ändere Deine Meinung niemals. Ich bin Dein Diener, Gönner, Freund und Bruder. Selbst wenn Du mich verläßt, kann ich Dich nicht verlassen. Ich werde Dich nicht verlassen. Du wohnst für immer in meinem Herzen. Du bist mir immer teuer. Ich kann gegen niemanden harte Worte gebrauchen. Wenn jemand ein hartes Wort sagt, habe ich Mitleid mit ihm. Ich habe den Wunsch, ihn zu bessern. Du wirst das vielleicht erleben. Du hast es vielleicht erlebt. Ich danke dem Herrn, der mich mit mindestens einem Schimmer dieser Tugend ausgestattet hat. Ich strebe nicht nach höheren Fertigkeiten. Der Herr hat mir diese Eigenschaft verliehen. Es ist Seine Gnade."

    "Jetzt ist die ganze Sache klar. Fühle Seine Gnade und Gunst. Ich gehe selbst zur Post und gebe diesen Brief auf. Es ist sehr schwer, einen Menschen zu verstehen, selbst wenn man jahrelang eng zusammengelebt hat; ja, es ist sogar sehr schwierig, sich selbst zu verstehen. Gott allein kennt den wahren Schuldigen. Du kennst mich durch engen Umgang gut. Es wäre nett gewesen, den Schriftverkehr über den gefälschten Brief ganz zu unterlassen; Du hättest mit mir persönlich darüber reden sollen, wenn Du hierherkommst, auch wenn Du wegen der Unterschrift und des Briefumschlages zu Recht argwöhnisch warst. Das alles ist nur eine unnötige Qual für Dich, für mich und für alle. Weder Du noch ich haben Zeit, die Angelegenheit weiter zu untersuchen und unsere Zeit und Energie so nutzlos zu verschwenden. Wir sollten jede Sekunde unseres Lebens in Seinem Dienst und zur Meditation nutzen."

    "Du hättest festes Vertrauen haben sollen, daß ich niemals einen solchen Brief an Dich schreiben würde. Hierin hast Du versagt. Es macht nichts. Der Mensch lernt und wächst durch Fehler.

    Selbst wenn tausend Leute meine Ohren und meinen Geist vergiften, indem sie schlecht von Dir sprechen, würde ich es nicht hören. Du bist in meinen Augen ein Ruhm für Indien und die Welt."

    Man kann dem Bösen nicht entgehen

    "Diese Welt ist sonderbar. Wir müssen viele Lektionen lernen. Einer der Jünger Jesu verriet ihn. Dem sich entwickelnden Aspiranten stellen sich bei jedem Schritt viele Hindernisse in den Weg. Wir müssen unsere Stärke unter Beweis stellen. Laß Dich nicht von Nichtigkeiten aufregen. Sei fröhlich. Lächle. Schreite kühn voran. Denke und fühle, als habe sich nichts ereignet. Ärgere Dich nicht über Kleinigkeiten. Du mußt noch viele große Taten vollbringen. Prakriti (die Natur, Schöpfung) bereitet Dich auf vielfältige Art und Weise vor. Spüre das. Sei Gott dankbar.

    Diese Dinge sind geschehen, und doch kann ich Dich, Shri ,B‘, Shri ,A‘ oder Shri ,Y‘ nicht verlassen. Alle wachsen durch Fehler und Schnitzer. Du mußt die Vergangenheit völlig vergessen. Wie erwähnt, werde ich dafür sorgen, daß Du im Brahmananda Ashram leben kannst und Dir Dein Essen extra zukommen lassen. Du brauchst nicht mit anderen zusammenzusein. Du kannst etwas Arbeit für den Göttlichen Plan leisten. Es gibt überall auf der Welt schlechte Menschen. Wo Du auch hingehst, Du mußt mitten unter ihnen leben. Aber fühle Dein Selbst (Atma Bhav). Das wird die Lage ändern.

    Du solltest versuchen, alle zu lieben, auch den schlechtesten Menschen, der Dich vernichten will. Das ist Sannyasa (Entsagung). Ein Sannyasin ist einer, der spürt, daß er keinen Körper hat. Man sollte mitten unter Menschen leben, die einen zerstören wollen, in einer ungünstigen Umgebung arbeiten und meditieren. Nur dann kann man wachsen. Nur dann kann man das unerschütterliche Gemüt eines Weisen entwickeln. Dazu braucht man ungeheure innere spirituelle Kraft und Vertrauen durch Sadhana."

    Meine Haltung bei Uneinigkeit unter den Schülern

    Einer meiner Schüler schrieb einen Brief mit meiner gefälschten Unterschrift an einen anderen wichtigen Mitarbeiter in Madras. Das verwirrte diesen und brachte ihn außer Fassung. Der folgende Brief zeigt meine Haltung und Vorgehensweise, um Frieden und rechtes Verständnis wiederherzustellen. Er stammt vom 8. September 1937. Selbst wenn der ganze Ashram in Mitleidenschaft gezogen wird, beharre ich auf diesem meinem Grundsatz:

    "Ich kann niemandes Gefühle verletzen, nicht einmal im Traum. Ich liebe alle, selbst den schlechtesten Menschen, der es auf mein Leben abgesehen hat. Selbst wenn Schüler mich verlassen, kann ich sie nicht verlassen. Ich halte die Mitarbeiter mit meinem spirituellen Leim, dem ,Om Namo Narayana‘-Mantra und Gebeten zusammen."

    Der vollständige Text meines oben erwähnten Briefes lautet:

    "Geliebter Shri Swamiji,

    Pranam (sei gegrüßt). Ich habe keinen solchen Brief an Dich geschrieben.

    Es ist ein gefälschter Brief. Bitte vergleiche die Unterschrift sorgfältig mit anderen, dann wirst Du den Betrug erkennen. Bitte schicke mir den Brief per Einschreiben zur Prüfung. Ich nehme an, es handelt sich um einen getippten Brief. Kannst Du feststellen, ob er auf unserer Schreibmaschine oder irgendwo anders in unserer Gruppe geschrieben wurde?

    Vor einigen Tagen hatten wir Probleme hier. Swami ,B‘ stiftete Unfrieden. Ich bat ihn daher, den Ashram zu verlassen. Seine Freunde Shri Swami ,A‘ und ,R‘ sind ebenfalls weggegangen. Sie leben jetzt in Rishikesh. Sie haben diesen Betrug geplant, um Zwietracht zwischen Dir und mir zu säen und Shri Swami ,Y‘, ihren Feind, zu vertreiben. Das ist, wie ich jetzt annehme, ihr Plan. Shri ,B‘ steht diesem Ashram zutiefst feindlich gegenüber und jemand hat auch das Bett von Swami ,N‘ angezündet.

    Du hättest sofort erkennen sollen: ,Swamiji würde nie einen solch förmlichen Brief schreiben. Wahrscheinlich ist es irgendein Betrug von anderen!‘ Alles ist in Ordnung. Mach Dir keine Gedanken. Wenn Du hierher kommst, kannst Du getrennt im Brahmananda Ashram leben. Du brauchst keine Mahlzeiten in unserer Küche zu holen. Ich werde besondere Anordnungen für Dein Essen treffen. Sobald Deine Arbeit beendet ist, komme sofort hierher. Du brauchst keinen Augenblick zu zögern. Mache Dir keine Sorgen wegen des gefälschten Briefes. Es ist nur Unfug von Klatschbasen. Wer falsch handelt, wird die Früchte ernten. Das Gesetz des Karma ist unerbittlich. Ich wollte Dir ein Telegramm schicken: ,Mache Dir keine Sorgen. Es ist eine Fälschung. Es ist ein Betrug von irgend jemandem. Brief folgt.‘ Dann dachte ich, ein ausführlicher Brief würde die Dinge besser erklären."

    Es löst keine Probleme, eine Angelegenheit aufzubauschen

    Ich gehe in der Regel nicht auf Beschwerden ein. Die Einwände verschiedener Seiten nehmen kein Ende. Ich weiß wohl, daß eine Untersuchung die Sache verschlimmert. Nur um den von der "Verschwörung" Betroffenen Genugtuung zu verschaffen, stellte ich einige Nachforschungen über die Angelegenheit an und gab meine Schlußfolgerungen im nachstehenden Brief weiter. Ich gestattete es der "Zeit", die Lage zu verbessern. Der Brief geht weiter:

    "Heute morgen habe ich alle Ashrambewohner zusammengerufen und die Sache untersucht. Wir sind zu keinem Ergebnis gekommen. Nur Gott kennt die Wahrheit. Ich kann nicht hellsehen und den Schuldigen so herausfinden. Du kannst selbst urteilen, wer es sein mag. Kannst Du ihn durch seinen Briefstil identifizieren? Selbst wenn Du es beweiskräftig feststellst, wird er es nicht zugeben. Empfinde nichts mehr dabei. Sei fröhlich. Alles ist falsch; aus Eifersucht wurde Unheil gestiftet. Es ist schwierig, die Urheber ausfindig zu machen. Wenn Du viel zu tun hast, brauchst Du wegen dieser Angelegenheit nicht extra herzukommen. Bleibe gelassen. Arbeite genügend. Konzentriere alle Strahlen des Geistes und sei ruhig. Vergiß die Vergangenheit. Arbeite so viel wie möglich. Stürze Dich in die Arbeit. Lasse Dich nicht aufregen. Diese geringfügigen Schwierigkeiten und Störungen treten auf, um Dich und mich zu stärken. Wir sollten uns nicht verwirren lassen. All das geschieht nur, um uns stark zu machen. Es dient einzig unserem Wachstum und unserer Verbesserung.

    Etwas habe ich herausgefunden: Du läßt Dich schnell aufregen. Als ich Deinen Brief las, war ich äußerst überrascht. Ich begriff nicht, an wen Du geschrieben hattest, denn ich hatte Dir nie etwas Derartiges mitgeteilt. Selbst wenn es meine Unterschrift gewesen wäre und der Umschlag meine Handschrift getragen hätte, so hättest Du doch denken sollen, daß jemand einen Betrug begangen hat. Selbst angenommen, ich hätte einen solchen Brief geschrieben, dann hätte ich es zu Deinem Besten oder zum Besten von jemand anderem getan. Du hast hoffnungslos versagt. Ich kann niemandes Gefühle verletzen, nicht einmal im Traum, nicht einmal, wenn jemand mich bis zum äußersten beleidigt. Ich pflege diese eine Tugend. Sei Dir dessen immer bewußt, auch wenn in Zukunft solche Sachen passieren."

    Der Weg zum Erfolg

    Wenn ich eine Arbeit übernehme,
    beende ich sie um jeden Preis.
    Wenn ich anfange, ein Buch zu schreiben,
    bringe ich es auf die eine oder andere Art zu Ende.
    Wenn ich mir ein Buch zum Studium vornehme,
    schließe ich es ab, bevor ich ein anderes anfange.
    Ich lasse nichts halb erledigt.
    Ich konzentriere mich auf eine Sache und
    denke intensiv daran, ohne Ablenkung.
    Ich bin standhaft, unerschütterlich und beständig.
    Ich arbeite mit großem Fleiß.
    Ich halte zäh und eindringlich am Ziel fest.

    Die Natur eines Menschen umformen

    Erweise den schlechten Charakteren Ehre. Diene dem Schurken zuerst. Behandle ihn als einen zukünftigen Heiligen, als einen Heiligen, wie einen Heiligen selbst. Das ist eine Art und Weise, dein Herz zu reinigen und ihn ebenfalls zu erheben. Mir macht es große Freude, solchen Leuten aufmerksam zu dienen. Ich habe immer ein paar Leute um mich, die mich mißbrauchen, verunglimpfen, beleidigen oder sogar versuchen, mich zu verletzen. Ich möchte ihnen dienen, sie erziehen, erheben und verwandeln. Ich spreche sie äußerst ehrerbietig an. Nenne den Verbrecher oder Dieb einen Heiligen und ehre ihn öffentlich, so wird er sich schämen, weiterhin schlecht zu handeln. Erzähle einem schlecht gelaunten Menschen ständig: "Du bist ein Santa Murti, ein Mensch des Friedens" und er wird sich schämen, wütend zu werden. Sage einem Faulen: "Du bist ein tatkräftiger Arbeiter" und er wird seine Faulheit ablegen und sich an die Arbeit machen. Das ist meine Vorgehensweise. Das Lob sollte aus deinem tiefsten Herzen kommen. Du mußt deine Seele in jedes Wort legen. Du mußt aufrichtig fühlen, daß hinter der sichtbaren negativen Eigenschaft eine strahlende positive Tugend schlummert. Dann werdet ihr beide Erfolg haben.

    Meine Ansicht über Verbrecher

    Gute Menschen sind schon tugendhaft.
    Ich muß nur Verbrecher bessern und formen.
    Das ist meine besondere Aufgabe.
    Ein Verbrecher ist ein negativ tugendhafter Mensch.
    Er lebt, um die Tugendhaften zu verherrlichen.
    Er ist auch Krishna.
    Lord Krishna sagt in der Gita:
    "Dyutam chhalayatamasmi –
    ich bin das Spiel der Betrüger"
    Rudri sagt: "Taskaranam pataye namah –
    Verehrung dem Gott der Diebe."
    Ich habe im Ashram alle Arten Schüler.
    Die Welt nennt mich einen Guru für Diebe und Spitzbuben.
    Ruhm der Divine Mission.
    Die spirituellen Schwingungen dieses Heiligen Zentrums
    verwandeln sie in Göttliche Wesen, Yogis und Heilige!

    Abhimana (Selbstsucht) zerstören

    Man muß daran denken, daß Sattwa (Reinheit), Rajas (Unruhe) und Tamas (Trägheit) ihre eigenen "Haken" haben, um den Übenden (Sadhaka) festzuhalten und ihn daran zu hindern, sich in das Reich des Überbewußten aufzuschwingen. Der sattwige Haken ist der feinste von allen und daher sehr schwer zu erkennen und zu entlarven. Im Zustand der Entsagung überwiegt die typische Sannyasa-Abhimana. Sie mag dem Schüler etwas größere Freiheit gewähren, sich höher aufzuschwingen als andere, dennoch ist auch er gebunden. Bei Tyaga (selbstlosem Handeln) schleicht sich Tyaga-Abhimana ein; sie ist sehr subtil und gefährlich und fast unmöglich zu überwinden. Ähnlich ist es mit Seva-Abhimana. Selbstsucht nimmt viele Formen an. Sannyasa (Entsagung), Tyaga (Handeln ohne Verhaftung) und selbst Seva (Dienen) werden zu ihrem Deckmantel. Der Übende (Sadhaka), der nach Selbstverwirklichung strebt, tut gut daran, sich in acht zu nehmen und diesen feineren Formen von Selbstsucht keinen Raum zu bieten.

    Der ideale Lehrer

    Ich bin ein ewig dürstender Schüler
    Ich bin kein Lehrer
    Aber Gott hat mich zum Lehrer gemacht
    Die Schüler haben mich zum Lehrer gemacht
    Ich mache aus meinen Schülern bald Lehrer
    Ich bin ein solcher Lehrer.
    Ich gehe höfllich mit ihnen um und rede sie als
    "Maharaj", "Swamiji", "Bhagawan" und "Narayan" an
    Ich behandle sie als ebenbürtig
    Ich weise ihnen gleiche Plätze zu
    Ich bin ein solcher Lehrer.
    Ich erlaube ihnen, aus meinem eigenen Leben zu lernen.
    Ich mache sie zu Mahants (Leitern von Ashrams) und Dienern der Menschheit, zu Vorsitzenden, Referenten, Schriftstellern, Swamis und Yogis,
    zu spirituellen Gründern, Dichtern, Journalisten,
    Werbeleuten, göttlichen Straßenkehrern, zu Pflegern von Gesundheit und Yoga,
    zu Schreibmaschinenschreibern, Yoga-Königen, Atma-Samrats,
    Karma-Yoga-Viras (Helden des Yoga des selbstlosen Handelns), BhaktiBushans (Zierden des Yoga der Hingabe), SadhanaRatnas (Juwelen der spirituellen Praxis)
    Ich bin für alle Wahrheitssuchenden ein solcher Lehrer.

    Kommt, kommt, Freunde
    Mein Ruf ist unwiderstehlich.
    Er hat zahllose Leben verwandelt.
    Vergeudet dieses kostbare Leben nicht
    Mit Kartenspielen und müßigem Geschwätz.
    Gebt hitzige Erörterungen und Streitgespräche auf
    Zerstört alle äußeren Quellen des Vergnügens
    Gebt den Wunsch nach Bequemlichkeit auf
    Steckt den Kraftstoff der Begierde in Brand.
    Zerstört die Festung der Selbstsucht
    Schnell, schnell, Freunde!
    Singt den Namen Gottes Tag und Nacht
    Nehmt jetzt ein Bad im Meer der Wonne
    Und tretet ein in den inneren grenzenlosen Bereich des Atman.
    Kommt, kommt, Freunde, macht den entscheidenden Schritt, seid schnell
    Zögert nicht, säumt nicht – genießt die Wonne der Weisheit.


    11. KAPITEL -Praktische Ratschläge für den spirituellen Weg     Top

    Unterweisung von Schülern per Post

    Ich habe keine vorgefertigten gedruckten Yogalektionen für das schriftliche Training meiner Schüler. Üblicherweise schicke ich ein paar Bücher, die zur Veranlagung des Schülers passen. Die Lektionen gebe ich gut abgestuft in Briefform. Sie berichten mir über ihren Tagesablauf, ihr Wohlergehen und ihren Fortschritt, führen ein spirituelles Tagebuch und befolgen meine "20 wichtigen spirituellen Anweisungen". Ich helfe ihnen mit Ratschlägen und räume Zweifel und Hindernisse aus. Ich schicke ihnen Gedanken des Friedens. Durch diese persönliche Betreuung haben Tausende von Schülern aus allen Ländern wunderbare Fortschritte gemacht. Zu fortgeschrittenen Lehrgängen kommen sie in den Ashram, bleiben ein paar Wochen oder Monate und erhalten die Einweihung.

    Alle schätzen diese Art persönlicher Aufmerksamkeit. Ich erhebe von niemandem Gebühren für die Yoga-Ausbildung und verlange kein Geld für den Unterhalt im Ashram. Unweigerlich bezahlen mich die Schüler freigebig oder tragen freudig freiwillig zum Fortschritt der Einrichtung und zur Verbreitung von Wissen bei. Dadurch erlangen sie Chitta-Shuddhi (Reinheit des Geistes) und spirituellen Fortschritt.

    Auf den folgenden Seiten gebe ich ein paar typische Briefe an Anwärter wieder, um meine Ausbildungsmethode aufzuzeigen. Bei allen hebe ich nachdrücklich die moralischen und ethischen Ideale hervor. Andere ermahne ich, sich anzustrengen - kurz, ich zeige den Weg, ein göttliches Leben zu führen.

    Der Weg zum Frieden

    Swarg Ashram, 16. August 1930

    Verehrter Bruder,

    vielen Dank für Deine freundlichen Zeilen. Stehe um 4 Uhr morgens auf. Sorge für einen abgeschlossenen Meditationsraum. Laß ihn niemanden betreten. Bewahre dort ein Gayatri-Bild, die Gita und so weiter, auf. Meditiere über das Gayatri (heiligster Vers der Veden; auch Name der Göttin, die über das Mantra regiert). Wiederhole das Gayatri-Mantra im Bewußtsein seiner Bedeutung. Konzentriere Dich bei geschlossenen Augen auf Trikuti (Drittes Auge), den Punkt zwischen den Augenbrauen. Setz Dich in Padmasana (Lotus). Versuche, zwei Stunden lang sitzenzubleiben. Studiere die Gita regelmäßig. Sage um jeden Preis die Wahrheit. Beherrsche Ärger. Diene Armen, Kranken und Heiligen. Gib etwas Geld für wohltätige Zwecke. Das wird Dein Herz reinigen. Schließe Dich nicht an weltliche Menschen an. Diene, liebe, achte jeden. Gib Ninda (Kritisieren), Verleumdung, Nörgelei und Klatsch auf. Sei bescheiden. Sei gehorsam. Rede freundlich. Du wirst Frieden finden. Beachte täglich eine Stunde und an Feiertagen drei Stunden Mauna (Schweigen).

    Mit brüderlichen Grüßen

    Swami Sivananda 

    Nach Wissen streben

    Ich rate von Emotionalität und Ungestüm bei der Entscheidung für den Weg der Entsagung ab; stattdessen empfehle ich, noch im weltlichen Leben das Streben nach geistigen Werten zu kultivieren.

    Swarg Ashram, Kutir 22

    29. August 1930

    Om Sat-Chit-Ananda

    Du bist der Atman. Du bist unsterblich. Fürchte Dich nicht. Realisiere die Würde Deines Selbst. Befreie Dich von den Trugbildern des Geistes und weltlicher Gegenstände. Mein lieber Yogi, möge Gott Dich segnen.

    Mit unendlicher Freude habe ich Dein Schreiben vom 21. dieses Monats gelesen. Du bist ein Mann mit spirituellen Samskaras (Eindrücke im Unterbewußtsein). Hege und pflege sie. Verstärke sie.

    Komm nicht zu mir!

    Wenn Du es fertigbringst und sicher bist, daß Du keine Gefahr für die Gesellschaft darstellst und Deine Triebe zügeln kannst, werde ein Naishthika Brahmachari, ein sexuell Enthaltsamer bis zum Ende Deines Lebens. Du bist nicht reich. Wie könntest Du mit einer Familie und Kindern zurechtkommen? Das würde Deinen geistigen Fortschritt verhindern.

    Jugendliche Begeisterung allein reicht nicht. Gefühle allein genügen nicht auf dem spirituellen Weg. Er ist nicht rosig. Er ist voll Dornen, Skorpionen und Schlangen. Der Weg ist uneben, steil und ausgesprochen schwer, aber leicht für einen Menschen mit der festen Entschlossenheit: ,Ich muß verwirklichen – sogar um den Preis meines Lebens.‘ So stark muß der Wunsch nach Wissen sein.

    Entwickle schrittweise reine (sattwige) Tugenden – Geduld, um Ärger entgegenzutreten, Zufriedenheit, um Gier zu zügeln, Dienst (Seva Bhava) um Stolz und Überheblichkeit zu zerstören. Entwickle Demut, Wahrheitsliebe und Titiksha (Duldungskraft, Hitze, Kälte, Schmerz ertragen). Liebe alle. Sei nett zu allen. Laß Dich nie reizen oder aufregen. Führe ein Tagebuch über Deinen spirituellen Fortschritt. Halte alles fest. Lebe unter entwickelten Menschen. Besuche die Ramakrishna-Mission und diene den Meistern (Mahatmas). Diene Älteren mit Begeisterung, Liebe und tiefer Zuneigung. Kläre Deine Zweifel. Ich wünsche Dir Frieden und Glückseligkeit.

    Dein Sivananda

    Hari Om Tat Sat

    Om Shanti!

    Besorge Dir ein Exemplar meines ,Yoga- und Vedanta-Sadhana`.

    In Zukunft schicke mir eine Rückantwortkarte oder einen Rückumschlag für meine Antwort. 

    Verlasse die Welt nicht voreilig

    c/o Vizianagaram House - Camp/Calcutta

    12. Dezember 1930

    Om Sat-Chit-Ananda

    Komme eine Weile lang nach Rishikesh. Zweifellos wirst Du die Einsamkeit und die spirituellen Schwingungen genießen. Berufe Dich auf mich. Man wird Dich unterbringen und Dir helfen. Sieh (Darshan) Shri Swami Advaitanandaji, Shri Swami Tapovanji Maharaj, Shri Swami Purushottamanandaji. Sie sind fortgeschrittene Seelen und stehen in enger Verbindung mit mir.

    Zieh Dich nicht voreilig aus der Welt zurück. Die Welt ist eine Bühne zur Entwicklung verschiedener reiner (sattwiger) Eigenschaften. Sie ist der beste Lehrer für den, der Nutzen aus ihr ziehen will. Warte noch eine Weile. Verdiene und genieße. Vairagya (Leidenschaftslosigkeit) entsteht aus Bhoga (Genuß). Dann wird sie stark, beständig und tief. Heirate nicht. Das ist etwas anderes. Die Welt ist keine Hölle. Sie ist reines Ananda (Wonne), wenn das Ego und Raga-dvesha (Zuneigung und Abneigung gegenüber Objekten) vergehen. Ändere Deine innere Einstellung. Komm und schaue Dir alle diese Orte und Meister (Mahatmas) an. Das wird Dich inspirieren.

    Führe ein göttliches Leben, während Du dort bist. Der spirituelle Weg ist überhaupt nicht rosig. Er ist voller Dornen. Bereite Dich erst darauf vor. Gewinne Reinheit und innere Kraft durch Japa (Mantrawiederholung) und Meditation. Baue Dich auf.

    Ich wünsche Dir Kaivalya Moksha (Befreiung).

    Swami Sivananda

    Hari Om Tat Sat

    Tat Twam Asi 

    Schau hin, bevor du springst

    Die vorstehenden beiden Briefe an einen meiner Schüler zeigen, wie ich Aspiranten vor übereilten Entschlüssen warne. Aber wenn ich merke, daß jemand große Leidenschaftslosigkeit (Vairagya) und unerschütterliche Entschlossenheit besitzt, erfüllt mich das mit unmittelbarer Freude und Entzücken. Damals, als ich allein lebte und keinen eigenen Ashram hatte, sträubte ich mich sehr dagegen, Schüler bei mir aufzunehmen. Ich wollte nicht, daß jemand kam und bei mir blieb. Als jener Anwärter daher ein wirklich starkes Bestreben und einen unerschütterlichen Willen an den Tag legte, hielt ich es für besser für ihn, in einem aktiven Ashram zu leben, um schnellere Fortschritte zu machen. Statt mich selbst der Dienste von Aspiranten zu bedienen, stellte ich meine eigenen Interessen hintan, zu ihrem Wohlergehen und zum Nutzen anderer religiöser Einrichtungen.

    Geliebtes Selbst,

    Deine Hingabe an Gott und die Religion wird Dich zweifellos von Samsara (Kreislauf von Geburt und Tod) erlösen. Möge Gott Dir geistige Stärke und Kraft verleihen, das Ziel des Lebens – Gottesverwirklichung – zu erreichen.

    Bitte schließe Dich dem Shri-Aurobindo-Ashram oder der Ramakrishna-Mission an. Dort wirst Du Dich stark verbessern. Ich verspreche es Dir. Ich versichere es Dir. Bleibe ein paar Jahre im Ashram. Du kannst zu Besuch hierher kommen, aber nicht auf Dauer. Schau hin, bevor Du springst. Denke nach. Überlege gut. Die Welt ist der beste Lehrer. Du mußt viel lernen. Sei nicht voreilig! Laufe nicht weg in die Höhlen des Himalaya! Jugendlicher Elan und Begeisterung werden Dir nicht viel helfen. Es ist eine anstrengende, gewagte Sache. Du wüßtest nicht, wie Du hier Deine Zeit sinnvoll verbringen solltest.

    Ich bin nur ein gewöhnlicher Sadhu (Mönch). Ich könnte Dir nicht viel helfen. Außerdem nehme ich keine Schüler an. Ich kann bis zu meinem Lebensende Dein aufrichtiger Freund sein. Ich möchte niemanden längere Zeit bei mir haben. Ich gebe ein paar Monate lang Unterweisung und bitte die Menschen dann, an einsamen Orten in Kashmir oder Uttarakashi zu meditieren.

    Ich wiederhole: Schließe Dich einem guten Ashram an, wo Du spirituell wachsen kannst. Bleib dort. Ertrage Schwierigkeiten. Am Ende stehen Unsterblichkeit und unendliche Wonne (Ananda).

    Dein Eigenes Selbst

    Swami Sivananda

    Ermuntere Dich. Sei frei, mutig und furchtlos. Du bist ein Kind des himmlischen Nektars. Hari Om Tat Sat. Entwickle Geduld. Sprich die Wahrheit. Beherrsche den Zorn. Entwickle Titiksha (Duldungskraft). Diene. Liebe. Gib. Verzeih anderen. Sprich wenig. Sprich sanft. 

    Tips für die Entwicklung

    Hier ein paar wertvolle Hinweise in komprimierter Form – kurz und bündig, zur sofortigen Umsetzung:

    Swarg Ashram, 3. Oktober 1930

    Fürchte Dich nicht. Mache Dir keine Sorgen.

    Du bist Sat-Chit-Ananda Rupa; Deine Natur ist Sein-Wissen-Wonne, Amrita Atma, das unsterbliche Selbst.

    Du bist nicht dieser begrenzte physische Körper (Jada).

    Möge Gott Dich segnen.

    Bitte arbeite mein Buch ,Geheimnisse und Beherrschung des Geistes‘ durch. Das bringt Dir praktischen Nutzen für den Fortschritt in der Meditation. Spare so viel Geld wie möglich. Heutzutage brauchen selbst Sannyasins Geld, da es an Unterstützung durch Menschen, die im Berufs- und Familienleben stehen, mangelt. Mache Studium und Meditation zur Quelle Deines Vergnügens. Löse Dich von allen äußeren Zerstreuungen.

    Prüfe. Verstehe. Verwirkliche
    Analysiere (Gegenstände). Erkenne (ihre wahre Natur) und gib (sie) auf
    Erkenne Dich selbst und werde frei
    Bleibe immer in Deiner Mitte
    Bete und sei tugendhaft
    Strebe und dränge vorwärts
    Verneine (den Körper) und setze (Brahman) durch
    Tat Twam Asi ("Das bist Du") – vergiß das nie

    Sivananda 

    Das verborgene Göttliche entfalten

    Meinem Rat folgend schloß sich der Aspirant der Ramakrishna-Mission an und blieb trotzdem weiter mit mir in Verbindung. Ich verweigerte ihm meine Obhut und Unterweisung zu seiner Entwicklung nicht, da ich alle Ashrams als meine eigenen ansehe und keine alleinige Verfügungsgewalt über einen Aspiranten anerkenne, der sich mir mit der Bitte um Führung nähert.

    Swarg Ashram, Rishikesh

    Verehrter Bruder,

    Om Namo Narayanaya. Möge Gott Dich segnen.

    Ich bin gerade von einer langen Reise zum Kailash zurückgekehrt. Ich freue mich zu hören, daß Du Dich der Ramakrishna-Mission angeschlossen hast. Ich gratuliere Dir herzlich dazu. Bleibe hartnäckig wie ein Blutegel im Ashram. Es ist Dein Ashram. Fühle das. Du wirst ganz sicher Fortschritte machen. Du bist die Sonne der Sonnen. Du bist die Hoffnung der Welt. Du hast ein verantwortungsvolles Gewand angezogen. Entfalte das Göttliche. Mögen Heiligkeit, Glanz und Herrlichkeit Dich begleiten.

    Du mußt alle irdischen Bindungen durchtrennen. Jetzt kannst Du ungehindert auf Deinem Weg voranschreiten. Bleibe bei der Mission und diene allen Älteren ehrerbietig, aufrichtig und erwartungslos. Sprich um jeden Preis die Wahrheit. Die Wahrheit sagen kann niemandem Leid zufügen. Das gibt Dir innere Kraft. Wahrhaftigkeit kann man nur erreichen, indem man die Wahrheit sagt. Beherrsche Ärger, indem Du Geduld, Kshama (Gleichmut), kosmische Liebe, Dienen und Geben (Daya), Demut, Großmut (Audarya) und Mut entwickelst.

    Du solltest sechs Stunden lang ununterbrochen studieren und sechs Stunden lang meditieren. Das ist meine Methode. Vergiß die Vergangenheit. Lebe in der Gegenwart. Gib jegliche fantastische Erwartung auf. Bleibe ruhig, selbst wenn man Dich verfolgt, haßt oder verspottet. Räche Dich nicht. Lies jeden Tag die ,Bergpredigt‘, bevor Du an die Arbeit gehst. Ich zitiere einen Abschnitt. Wenn Du ihn dir jeden Tag in Erinnerung rufst und danach handelst, wirst Du Weisheit erlangen.

    ,Liebe deine Feinde. Segne jene, die dich verfluchen. Tu Gutes denen, die dich hassen und bete für jene, die dich verachten und verfolgen.‘

    Matthäus.  

    Es ist schwer, das in die Tat umzusetzen, aber man muß und kann es. Mahatma Gandhi handelt danach. Das ist das Geheimnis seines Erfolgs.

    Mit Grüßen und Liebe (Prem)

    Dein demütiger Bruder

    Swami Sivananda

    Erneuerung der niederen Natur

    Als der Aspirant später zu mir kam und mich von seiner Entschlossenheit zur Entsagung und seiner eisernen Willenskraft überzeugte, weihte ich ihn trotz meines anfänglichen Widerstrebens bereitwillig in das Gelübde der Entsagung (Sannyasa) ein. Er stürzte sich in die Arbeit im Dienst Gottes, die damals gerade in ihrem Anfangsstadium war und bald riesige Ausmaße annehmen und die Welt mit einem gewaltigen Sturm geistiger Erneuerung und göttlicher Inspiration bei Millionen von Menschen verblüffen sollte. Dennoch vergesse ich nie das Ziel des Lebens, den Grund, weshalb man sich von der Welt zurückzieht und ermahnte ihn wiederholt, auf spirituelle Praktiken (Sadhana) und Selbstdisziplin zu achten:

    Shivoham Shivah Kevaloham. Möge Gott Dich segnen.

    Ich setze große Hoffnungen in Dich. Du bist ein Ruhm für Indien und die ganze Welt. Mögen das Göttliche Licht, Göttlicher Glanz und Ruhm auf immer in Dir leuchten. Lebe in Wahrheit. Fühle Wahrheit. Verwirkliche Wahrheit. Verbreite Wahrheit. Reguliere Deine Energie. Bewahre sie. Nutze sie, wenn Du sie brauchst. Meditiere. Lebe in einem geschlossenen Raum. Sei nicht viel mit anderen zusammen. Habe nicht viele Freunde. Ein wahrer, aufrichtiger Freund ist genug. Bettle nicht in einer bettelnden Geisteshaltung. Befiehl und Du wirst alles bekommen, was Du brauchst. Die ganze Welt ist Dein Zuhause. Prakriti (die Schöpfung) und neun Riddhis stehen Dir zu Diensten. Beherrsche die Indriyas (Sinnesorgane). Meide weibliche Gesellschaft. Werde nicht nachlässig. Bringe Feuer in jede Zelle, in jedes Wort. Ich weiß, Du wirst in kurzer Zeit Wunder vollbringen. Lies die Upanishaden und die Gita, damit Du sie besser kennst. In dieser Hinsicht bist Du eine Null.

    Du solltest regelmäßige systematische Studien, Meditation und Japa betreiben. Denke nicht: "Ich werde in Uttarakashi studieren, wenn ich allein bin und nicht arbeiten muß." Das ist falsch. Das ist Torheit. Es muß eine tägliche Gewohnheit sein. Jenes ,Morgen‘ wird nie kommen. Trockne das Gras, wenn die Sonne scheint. Ernte das Getreide, wenn der Wind bläst. Konzentriere Dich. Meditiere. Bleibe ein paar Stunden für Dich allein. Sei höflich. Sei niemals überheblich. Sei duldsam und geduldig. Laß diese Tugenden sich beim Sprechen auswirken. Achte auf jeden Gedanken. Das ist kein Spiel. Du hast ein verantwortungsvolles Gewand angezogen. Fühlst Du das? Halte Dich von Frauen fern, scherze und lache nicht mit ihnen. Das sind alles Erscheinungsformen von Lust.

    Bettle nicht. Bitte nicht mit einer bettelnden Geisteshaltung. Befiehl. Alles wird kommen. Die ganze Welt ist dein Zuhause. Spüre das. Fühle es. Zeige mir einen Bericht über Deine regelmäßigen geistigen Übungen (Sadhana). Dein Tagesablauf muß methodisch und diszipliniert sein. Prüfe Deine Beweggründe genau. Zerstöre selbstsüchtige Motive. Vernichte alle Arten von Niedrigkeit. Werde edel bis in jede Einzelheit Deines Handelns. Kämpfe nicht um geringfügige Kleinigkeiten. Gib Verleumdung und Zuträgerei auf. Die niedere Natur muß unbedingt erneuert werden. 

    Der Fluch eines rein sinnesorientierten Lebens

    Ich betone nochmals die Wichtigkeit von Sadhana (spirituellen Praktiken) und die Notwendigkeit, sich vor den negativen Auswirkungen eines rein sinnesorientierten Lebens zu schützen:

    Schaue den Schmutz nicht wieder an. Richte Dich nicht selbst zugrunde. Du kennst die Freude und Wonne des geistigen Weges zur Genüge. Wozu nach weiteren Herrlichkeiten trachten, wenn Du Dich durch Yoga voll entwickelst. Nimm Dich in acht. Hüte Dich. Werde nicht zum Sklaven Deiner Sinne. Verlaß Dein Zimmer nicht. Höre mit allen Tätigkeiten auf. Verbirg Dich in einem Zimmer oder komm sofort zum Ananda Kutir zurück. Geh in Dich und meditiere.

    Wenn Du Moha (Täuschung) nicht widerstehen kannst, verlasse die Stadt lieber sofort. Die Probeabzüge werden von selbst fertig. Ich mache mir nicht das geringste daraus. Wenn Du stark genug bist, kannst Du noch eine Weile dortbleiben und die Arbeit zu Ende führen. Triff aber auf jeden Fall Vorkehrungen, bald nach Rishikesh zu kommen.
    Ein Leben der Sinne wird zur Last ohne gleichzeitiges ideales Leben in der inneren, alldurchdringenden Gegenwart. Es ist gleichbedeutend mit primitivem Leben. Die Welt ist ein Traum. Der innere Kern ist die dauerhafte Wirklichkeit. Vergiß das nie. Du bist Atma (das Selbst), Akarta (der nicht Handelnde), Sakshi (der unbeteiligte Beobachter).  

    Sadhana – eine tägliche Gewohnheit

    Die folgenden wichtigen Hinweise für den Yogaweg stammen aus verschiedenen meiner Briefe an Aspiranten. Sie sind sehr nützlich zum richtigen Verständnis einiger praktischer Seiten des spirituellen Weges.

    Du mußt regelmäßig und systematisch meditieren, Mantras wiederholen (Japa), Schriften studieren und dienen. Denke nicht: "Ich werde studieren und meditieren, wenn ich alles erledigt habe, wenn ich allein in den Höhlen des Himalaya bin." Bleibe ein paar Stunden allein und prüfe den Geist. Bereite dich jetzt langsam für das Leben in Abgeschiedenheit vor.

    Nishkama Seva - selbstloser Dienst

    Dazu braucht man keine großen Geldmittel. Wenn man bereit ist, der Menschheit zu dienen, wird Gott alles einrichten. Besorge dir nützliche Medikamente und verteile sie an Kranke oder pflege sie gut. Erwarte von niemand irgendetwas für deine Dienste. Unterrichte arme Kinder in deinem Dorf. Sorge für deinen Lebensunterhalt durch Almosen aus vier oder fünf Häusern. Lebe zurückgezogen. Praktiziere Sadhana. Höre auf, Luftschlösser bauen. Das ist ein Feind des inneren Friedens. Mache so viel du kannst, entsprechend deinem Können, deiner Leistungskraft und deinen Mitteln, mit der richtigen inneren Einstellung und Haltung.

    Probleme durch Pranayama

    Von vielen Schülern, die versuchen, die Kraft der Kundalini (schöpferische Kraft im Menschen) durch gewaltsame Pranayama-(Atem-) und Kriya-(Reinigungs-) Yogapraktiken zu erwecken, habe ich ähnliche Berichte über Probleme erhalten. Sie tun mir leid wegen ihres Übereifers und ihres unvollständigen Wissens. Weniger oder gar nichts mehr zu essen nützt überhaupt nichts. Das Feld muß durch regelmäßige tägliche Praxis gut vorbereitet werden. In den fortgeschrittenen Phasen braucht man die persönliche Führung und Überwachung durch Ältere, die Meisterschaft und Vollkommenheit auf dem Yogaweg erreicht haben. Reinheit des Herzens, gleichgesinnte Gesellschaft, richtiges Verständnis der Schriften, eine förderliche Atmosphäre und Umgebung voll spiritueller Schwingungen spielen eine wichtige Rolle für einen schnellen Erfolg. Übereile nichts und sei nicht ungeduldig. Einseitige Entwicklung ist nicht hilfreich. Verdirb deine Gesundheit nicht durch zu viel Fasten. Das schwächt dich. Iß viel energiereiche, leicht verdauliche, nahrhafte Lebensmittel sowie Früchte und Milch. Atme ein paar Monate lang sehr, sehr langsam ein und aus. Halte den Atem nicht an (Kumbhaka). Wenn du etwas fortgeschritten bist, ziehe dich im Sommer an einen kühlen Ort zurück und mache drei Pranayama-Sitzungen. Halte das Verhältnis von 1:4:2 ein beim Einatmen, Anhalten und Ausatmen. Der Nutzen ist unermeßlich. Für fortgeschrittene Schüler ist diese Übung harmlos.

    Niedergeschlagenheit und Schwermut überwinden

    Gehe ins Freie. Übe sanftes Pranayama. Singe OM. Singe mit Hingabe. Tanze in Verzückung. Jede Niedergeschlagenheit wird schnell schwinden. Deine eigene Natur ist Wonne (Ananda Swarupa) – wo wäre da Platz für Schwermut und Niedergeschlagenheit? Das sind nur Vorstellungen des Geistes. Schweige. Du gewinnst mehr durch Stille. Weiche über Nacht ein paar Mandeln ein und iß sie am Morgen mit Kandiszucker. Das ist ein sehr wirksames Stärkungsmittel für das Gehirn. Reibe den Kopf mit Amalaka-Öl ein. Nimm auch Huxley-Sirup.

    Wenn man aufgeregt ist

    Lasse Japa (Mantrawiederholung) und Sadhana (spirituelle Praktiken) nicht einmal für einen Tag aus. Passe dich an und füge dich ein. Ertrage Beleidigungen und Unrecht. Lerne, Kleinigkeiten zu vergessen. Gehe feinfühlig mit Menschen um. Bringe allen Bhajans (Lobgesänge) und Kirtan (Mantrasingen) bei. Schaffe spirituelle Schwingungen, wo immer du hingehst. Dann wirst du Frieden finden, Freude, Glück und Wohlergehen. Freude wird auf allen Gesichtern sein. Das ist der Weg zu Harmonie. Wenn du aufgeregt und verwirrt bist, halte dich an Japa (Mantrawiederholung) oder verlasse den Ort für eine Weile. Liebe alle und diene allen.

    Keine Übertreibungen im Yoga

    Mache so viel Yogaübungen wie angenehm. Vermeide Extreme. Stelle keine zu hohen Ansprüche an dich selbst. Für Menschen im Ausland sind Padmasana (Lotussitz) und Shirshasana (Kopfstand) oft schwierig. Zum Beten und Meditieren kannst du irgendeine bequeme Stellung einnehmen. Du mußt eine Haltung wählen, in der du lange Zeit bequem sitzen kannst. Die einzige Bedingung ist, daß Nacken und Wirbelsäule aufgerichtet sein sollten. Schließe die Augen, atme sehr langsam ein und aus, wiederhole geistig das Mantra OM OM OM und denke an die göttlichen Eigenschaften des Herrn. Dann wirst du in stille Meditation hineinkommen. Du wirst großen Frieden genießen und innere Kraft erwerben.

    Was ist echter Yoga

    Yoga besteht nicht darin, sechs Stunden lang mit gekreuzten Beinen dazusitzen, den Herzschlag anzuhalten oder sich eine Woche oder einen Monat lebendig begraben zu lassen. Das sind alles nur körperliche Kunststücke. Yoga ist eine wissenschaftliche Methode, um den persönlichen mit dem kosmischen Willen in Einklang zu bringen. Yoga verwandelt die niedere Natur, erhöht Energie und Lebenskraft und verleiht ein langes Leben und gute Gesundheit. Versuche, deine Konzentrationskraft zu erhöhen. Japa (Mantrawiederholung) verhilft dir zu einem einpünktigen Geist.


    12. KAPITEL -SPIRITUELLE ERFAHRUNGEN     Top

    Anbruch eines neuen Lebens

    Ich war dieses trügerischen Lebens sinnlicher Vergnügen müde
    Dieses Gefängnis meines Körpers widerte mich an.
    Ich suchte die Gesellschaft großer Meister
    Und saugte ihre nektargleichen Unterweisungen in mich auf.
    Ich durchstreifte den grauenvollen Wald von Liebe und Haß.
    Ich wanderte weit jenseits der Welt von Gut und Böse
    Ich kam zum Grenzland erstaunlicher Stille
    Und erhaschte den Glanz der Seele in mir.
    All mein Leid ist jetzt vorbei
    Mein Herz fließt über vor Freude
    Frieden ist in meine Seele eingezogen
    Ich wurde plötzlich herausgehoben
    Ein neues Leben brach an.
    Ich erfuhr die innere Welt der Wirklichkeit
    Das Unsichtbare erfüllte meine Seele und mein Herz.
    Ich badete in einer Flut unaussprechlichen Glanzes
    Und sah Gott hinter allen Namen und Gestalten
    Und erkannte, daß ich das Licht bin. 

    Spirituelle Anfangserfahrungen

    I.
     
    Mehr und mehr Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungskraft
    Mehr und mehr Sehnsucht nach Befreiung,
    Frieden, Heiterkeit, Zufriedenheit,
    Furchtlosigkeit, unerschütterliches Gemüt,
    Glänzende Augen, angenehmer Körpergeruch;
    Schöner Teint, liebliche, kräftige Stimme,
    Wunderbare Gesundheit, Schwung, Lebenskraft und Vitalität,
    Freiheit von Krankheit, Trägheit und Niedergeschlagenheit,
    Leichtigkeit des Körpers, Wachheit des Geistes,
    Kraftvolles Verdauungsfeuer (Jatharagni),
    Eifer, lange sitzend zu meditieren
    Abneigung gegen weltliche Gespräche und die Gesellschaft weltlich gesinnter Menschen
    Fühlen der Gegenwart Gottes überall
    Liebe zu allen Geschöpfen,
    Gefühl, daß alle Gestalten Erscheinungsformen Gottes sind
    Daß die Welt Gott Selbst ist
    Fehlen jeglicher Abneigung (Ghrina) gegenüber irgendeinem Wesen,
    Selbst solchen gegenüber, die schmähen und verletzen
    Kraft des Gemüts, Beleidigungen und Kränkungen zu ertragen,
    Gefahren und Unglück zu begegnen
    Sind einige spirituelle Anfangserfahrungen.
    Sie zeigen an, daß man auf dem
    Spirituellen Weg voranschreitet. 

    II.

    Weiße Lichtkugeln, bunte Lichter
    Sonne, Sterne während der Meditation
    Divya Gandha (Göttlicher Geruch), Göttlicher Geschmack,
    Vision Gottes im Traum
    Außergewöhnliche, übermenschliche Erfahrungen,
    Sicht Gottes in menschlicher Gestalt
    Manchmal in Gestalt eines Brahmanen,
    alten Mannes, Aussätzigen oder zerlumpten Kastenlosen
    Mit Gott reden,
    Sind spirituelle Anfangserfahrungen.
    Dann folgt kosmisches Bewußtsein oder Savikalpa Samadhi
    Das Arjuna erfahren hat.
    Schließlich tritt der Aspirant
    In NirvikalpaSamadhi, den höchsten überbewußten Zustand ohne Dualität, ein
    Wo es weder Sehenden noch Gesehenes gibt
    Wo man nichts sieht und nichts hört.
    Man wird eins mit dem Ewigen.
     
    Ich habe das Spiel des Lebens gewonnen
    Durch die Gnade Gottes und des Sat-Guru
    Bin ich ungebunden und frei.
    Alle Zweifel und Täuschungen sind geschwunden.
    Ich bin frei und glückselig für immer
    Ich bin frei von Furcht,
    Da ich in diesem nicht-dualen Zustand ruhe.
    Furcht entsteht aus Dualität.
    Ich bin berauscht von Brahman.
    Ich habe Vollkommenheit und Freiheit erlangt.
    Ich lebe im reinen Bewußtsein.
    Ich habe das Spiel des Lebens gewonnen.
    Ich habe gewonnen! Ich habe gewonnen!! Ich habe gewonnen!!

    In Ihm finde ich mein Alles

    Endlich ist Seine Gnade auf mich herabgekommen
    Ich schaute und schaute Ihn an
    Ich verlor mich in diesem wundervollen Anblick Gottes.
    Seine Gnade füllte den Becher meines Herzens.
    Ekstatische Schauer überwältigten mich
    In Seinem Willen liegt mein Frieden
    Sein Name ist ein Himmel der Ruhe
    In Ihm finde ich mein Alles.
    Alles Wissen ruht in Seinem Schoß
    Die ganze Schöpfung entsteht und vergeht in Ihm
    Er ist die Höchste Quelle aller Erscheinungen.
    Er ist die Hauptstütze aller Welten.
    Er ist der Eine Heilige, vollkommen in Weisheit,
    Die Ursache dieser Welt, der Retter!
     
    Im Meer der Glückseligkeit
    Oh Mahadeva, Oh Keshava
    Mit dem Schwert Deiner Gnade
    Habe ich alle meine Fesseln durchtrennt
    Ich bin frei, ich bin glückselig
    Alle Wünsche sind vergangen
    Nun strebe ich nach nichts
    Als nach Deinen gesegneten Füßen
    Ich habe alle meine Gedanken verloren
    In Dir, oh Narayana.
    Ich hatte Deine wunderbare Vision
    Ich ging auf in Verzückung
    Ich wurde sofort verwandelt
    Ich ertrank
    Im Göttlichen Bewußtsein
    Im Meer der Glückseligkeit
    Heil, Heil, oh Vishnu, mein Gott.

    Ich bin das Unsterbliche Selbst

    Nur ein ewiges, unendliches Wesen allein existiert
    Jiva (die individuelle Seele) ist eins mit diesem Wesen
    Leid ist unwirklich; es kann nicht bestehen
    Glückseligkeit ist wirklich; sie kann nicht vergehen.
    Der Geist ist unwirklich; er kann nicht leben,
    Die Seele ist wirklich; sie kann nicht sterben.
    Freiheit kommt mit der Kenntnis des Selbst
    Freiheit ist Vollkommenheit, Unsterblichkeit und Glückseligkeit
    Freiheit ist die unmittelbare Verwirklichung des Selbst
    Freiheit ist Erlösung von Geburt und Tod
    Ich bin weder Geist noch Körper
    Die ganze Welt ist mein Körper
    Die ganze Welt ist mein Zuhause
    Nichts ist, nichts gehört mir
    Das Unsterbliche Selbst bin ich.
     
    Jenseits der Sprache

    In der vollkommen namenlosen, gestaltlosen Leere,
    In der grenzenlosen Weite von Wonne
    In der Region gegenstandsloser Freude ohne Gedanken
    Im Reich des zeitlosen, formlosen, gedankenlosen Raums
    In der transzendentalen Wohnstatt süßer Harmonie
    Wurde ich eins mit dem Höchsten Glanz
    Der Gedanke, wir seien ein oder zwei, verschwand
    Ich überquerte den Ozean der Wiedergeburten für immer.
    Das alles dank der Gnade Gottes
    Der in Brindavan unter rhythmischen Klängen tanzte
    Der den Govardhan-Berg zum Schutz der Kuhhirten anhob.
     
    Ich bin Das geworden

    Die von Maya hervorgerufene Welt ist jetzt geschwunden
    Der Geist ist völlig zugrundegegangen
    Das Ego ist zu Staub geworden
    Die uneinnehmbaren Festungen sind niedergerissen worden.
    Namen und Formen sind verschwunden
    Alle Unterscheidungen und Verschiedenheiten sind vergangen
    Die alte individuelle Seele ist ganz dahingeschmolzen
    Der Strom von Wahrheit, Weisheit und Wonne
    Hat alles erobert
    Brahman allein strahlt überall
    Der eine gleiche Geist der Freude durchdringt alles
    Ich bin Das geworden. Ich bin Das geworden.
    Shivoham. Shivoham. Shivoham.
     
    Die große Bhuma-Erfahrung des Unveränderlichen

    Ich ging auf in großer, nicht endender Freude
    Ich schwamm im Ozean unsterblicher Wonne
    Ich trieb im Meer unendlichen Friedens
    Das Ich schmolz, die Gedanken ergaben sich
    Der Verstand stand still
    Die Sinne waren zurückgezogen
    Ich war mir der Welt nicht mehr bewußt
    Ich sah mich selbst überall
    Es war eine einheitliche Erfahrung
    Es gab weder innen noch außen
    Es gab weder "dies" noch "das"
    Es gab weder "er", "du" noch "ich" oder "sie"
    Es gab weder Zeit noch Raum
    Es gab weder Subjekt noch Objekt
    Es gab weder den Wissenden noch das zu Wissende noch Wissen
    Wie kann man diese transzendentale Erfahrung beschreiben?
    Die Sprache ist begrenzt, Worte sind unzureichend;
    Verwirkliche es selbst und sei frei. 

    Mystische Erfahrung

    Brahman oder das Ewige ist weit süßer als Honig,
    Marmelade, Kandiszucker, Rasagulla oder Laddu
    Ich meditierte über Brahman, das Unveränderliche
    Ich erreichte den Zustand jenseits des Endlichen
    Wahres Licht leuchtete in mir
    Avidya, Unwissenheit, schwand dahin
    Die Türen waren ganz verschlossen
    Die Sinne zurückgezogen.
    Atem und Geist vereinigten sich mit ihrem Ursprung
    Ich wurde eins mit dem Höchsten Licht
    Wahrlich eine mystische Erfahrung jenseits der Sprache
    Shivoham, Shivoham, Shivoham, Soham
    Sat-chit-ananda Swarupoham.
    Shivoham – Shivoham – Shivoham

    Ich habe die Einheit

    Von individueller Seele und Höchster Seele verwirklicht
    Sat-chit-ananda ist meine wahre Natur
    Mein Geist ist von allen äußeren Objekten zurückgezogen
    Ich bin tief von Gott durchdrungen.
    Alle Sorgen, Leid und Furcht sind geschwunden
    Ich bin friedvoll und heiter für immer
    Ich bin Wahrheit, Reines Bewußtsein und Glückseligkeit
    Ich erstrahle als Göttliche Flamme.
     
    In allen Lebewesen
    Spüre ich die Seligkeit des Ewigen
    Ich habe das Ziel des Lebens erreicht
    In diesem Brahman bin ich!
    Jenes Satchidananda-Brahman,
    das im Innern wohnt, der Innere Führer,
    Der Schoß der Veden,
    Der Schöpfer dieses Weltalls,
    Die Substanz für alles,
    Das den Verstand erleuchtet,
    In allen Formen verborgen ist,
    Von den Rishis angebetet wird,
    Das die Veden verkünden,
    Das die Yogis herbeisehnen, um Samadhi zu erlangen,
    Der Schrecken Indras und Agnis,
    Das sanft ist zum disziplinierten Yogi,
    Wahrlich, dieses Brahman bin ich.
    Shivoham Shivoham Shivoham!

    Samadhi, der überbewußte Zustand

    Oh welche Freude! Welche Seligkeit!
    Alle Wünsche sind jetzt erfüllt
    Alles ist erreicht
    Ich bin unsterblich, ohne Tod
    Ich bin Ewiges Bewußtsein
    Ich bin das Große und Hohe
    Alles ist reine Befreiung (Moksha)
    Überall ist nur Moksha allein
    Jeder muß dies kennenlernen
    Und erfahren.
    Das Ego ist jetzt geschmolzen
    Die Vasanas (Wünsche) sind verbrannt
    Im Feuer der Weisheit
    Der Geist ist überwunden (Manonasha).
    Alle Unterschiede sind aufgelöst
    Alle Verschiedenheiten sind verschwunden
    Es gibt weder "ich" noch "du"
    Alles ist wirklich Brahman
    Das ist eine allumfassende Seligkeit
    Diese ganzheitliche Erfahrung ist unaussprechlich
    Es gibt keine Worte, diesen Zustand zu beschreiben
    Fühle ihn selbst in Samadhi.
    Durch die Gnade des Gurus. 

    Ich kenne meine wahre Natur

    Ich habe den Gipfel der Vollkommenheit erreicht
    Ich bin der reine unsterbliche Atman.
    Alle meine Wünsche sind erfüllt
    Ich bin Apta Kama, vollkommene Wunscherfüllung
    Ich habe alles erreicht
    Ich habe alles erledigt.
    Ich habe nichts mehr zu lernen
    Die Veden haben mich nichts zu lehren
    Die Smritis haben mir nichts mehr beizubringen
    Die Welt hat nichts, was mich anziehen könnte.
    Maya versteckt sich bescheiden
    Jetzt da ich alle ihre Listen und Wege kenne,
    schämt sie sich, vor mir zu erscheinen.
    Das alles dank der Gnade Gottes
    Und dank der Gnade des Gurus
    Er machte mich wie Sich selbst
    Verehrung dem Guru,
    Huldigung dem Guru.

    Ich bin der ich bin

    Zeitlos und raumlos ist dieses Ziel
    Frei von Leid und Sorge ist dieser Wohnsitz
    Selig und friedlich ist diese Heimstatt
    Unveränderlich und grenzenlos ist dies Dhama (Wunscherfüllung)
    Ich weiß, "Ich bin Er".
    Ich habe weder Körper, Geist noch Sinne
    Ich unterliege weder Veränderung noch Wachstum noch Tod
    Ich bin das Unsterbliche, Allesdurchdringende Brahman.
    Weder Tugend noch Sünde können mich berühren
    Weder Freude noch Leid mich beeinflussen
    Weder Vorlieben noch Abneigungen können mir etwas anhaben
    Ich bin Absolutes Sein, Absolutes Wissen und Absolute Wonne
    Ich habe weder Freunde noch Feinde
    Ich habe weder Eltern noch Verwandte
    Ich habe weder Heimat noch Heimatland.
    Ich bin der ich bin. Ich bin der ich bin.
    Ich wurde nie geboren, ich sterbe nie
    Ich existiere immer, ich bin überall
    Ich kenne weder Furcht vor dem Tod noch vor öffentlicher Kritik
    Ich bin Shiva, voller Seligkeit und Wissen
    Chidananda-rupah Shivoham, Shivoham.


    13. KAPITEL - HUMORVOLLE WEISHEIT     Top

    Die folgenden Auszüge meiner Briefe an einen Aspiranten geben einen guten Eindruck meines Wesens: humorvoll mit philosophischen Geistesblitzen, tolerant gegenüber den Fehlern und Schwächen anderer Menschen, liberal und verständnisvoll gegenüber menschlichen Gewohnheiten und dem Wesen der Dinge.

    Schüler für Vorträge trainieren

    "Du mußt mindestens einen fünfminütigen Vortrag auf Englisch und Hindi halten und auch Mantras (Kirtan) singen, egal ob Dein Körper dazu bereit ist oder sich weigert, sich zu bewegen. Wenn Du Probleme beim Vortragen hast, lerne ein paar Zeilen aus meinen Büchern auswendig. Wenn auch das nicht geht, lies vom Blatt ab. Wenn Du Deinen törichten Eigensinn wie ein Kind zur Schau stellst, gibt es für mich keinen anderen Weg, als Dich auf das Podium zu tragen. Laß es in dieser kalten Jahreszeit nicht soweit kommen!"

    Viele Schüler entwickelten sich nach einem solchen anfänglichen Zwang zu wunderbaren Rednern und Kirtansängern. Ich möchte, daß alle feurige Redner werden. Die Menschen sollten lernen, ihre Gedanken auszudrücken.

    Die Art von Geschäftsleuten

    "Um Samaradhana, ein ausgeglichenes Gemüt zu üben, legt man bei einem ,brahmanischen Essen‘ die Gedecke morgens um zehn auf, das Essen wird aber erst um vier Uhr nachmittags serviert. Dasselbe trifft auf die ,Praxis des Yoga‘ zu. Seit fünf Wochen laufen jetzt die Verkaufsinserate und ich habe noch nicht einmal einen Zipfel davon gesehen! Die erste Frucht eines Baumes wird immer Gott geopfert. Die erste gedruckte Ausgabe sollte mir per Einschreiben zugehen! Aber wenn wichtige Aufträge ausgeführt werden müssen, erhalte ich bestenfalls ein übriggebliebenes Exemplar! So läuft das bei Geschäftsleuten!"

    Eine stabile Verpackung mit starken Nägeln

    "Dein Paket ist gut angekommen. Es war eine Verwirklichung des Absoluten (BrahmaNishta), dank einer absoluten Verpackung mit absoluten Schrauben. Auch durch Hämmern ließ sich der Deckel nicht lösen. Schließlich brach es ganz auseinander. Danke an den brahmanischen Packer. Die Bücher sind in gutem Zustand."

    Wenn Herausgeber wichtige Punkte weglassen

    "Ich habe Dir volle Erlaubnis und Handlungsvollmacht gegeben, alles, was Du für richtig hältst, mit Deinem neuen langen Rasiermesser abzutrennen, um das Buch großartig und aufregend zu machen. Aber bitte, lasse noch ein Büschel übrig – wie in der Narada Parivrajaka Upanishad. Laß nicht ein einziges wichtiges Wort meiner Schriften weg, auch wenn Du es für eine Wiederholung hältst."

    Sich um Manuskripte kümmern

    "Ich nehme an, Du wirst Dich verabschieden, sobald das Buch ,Raja Yoga‘ fertig ist. ,Bhakti Yoga‘ wirst Du nicht machen können. So wie Sankirtan (gemeinsames Mantrasingen) Dir nicht in die Ohren geht, zieht Dich auch ,Bhakti Yoga‘ nicht besonders an. Ich weiß, Du wirst diese Arbeit nicht übernehmen. Bitte bringe die Manuskripte mit, ich werde sie einer Druckerei in Nordindien geben."

    Über ansprechende Werbung

    "Die Werbung auf der letzten Seite im zweiten Band von ,Praxis des Yoga‘ ist nicht gerade aufregend, sondern ziemlich gewöhnlich. Sie gibt keinen umfassenden, gezielten Einblick. Bei ,Yoga Asana‘, ‚Kundalini Yoga‘ und in anderen Büchern war sie gut. Warum dieses Mal nicht? Vielleicht war die Thermoskanne leer..."

    Philosophie über die Verlockung von Kaffee

    "Der Winter in Rishikesh schickt Dir eine Einladung. Du spürst die kalte Brise vielleicht auch. Der Ofen, der bisher geschlafen hat, wendet sich jetzt dem Bahnhof zu, um Dich voll Freude zu begrüßen. Er, der den Winter erhellt, ist das aus sich selbst leuchtende ParaBrahman (das Höchste, Absolute), die langjährige Stütze der Jahreszeiten und aller Namen und Gestalten. Er trinkt und spricht nie. Er ist Asanga (ohne Verhaftung). Er ist immer Sakshi (unbeteiligter Beobachter). Fühle Seine Gegenwart."

    Mahnungen

    "Bitte teile mir kurz mit: ,Ja, ich habe die Bücher für die Bibliotheken verschickt‘ oder schreibe ein Codewort darauf. Das spart viel Zeit und Energie. Es wird Dein tiefes Mauna (Schweigen) nicht beeinträchtigen. Es ist kein KashthaMauna (Schweigen ohne Gesten und Mimik) oder MahaMauna (großes Schweigen), sondern eine Form von ,Hu-Hu‘-Mauna."

    Die Art von Schülern korrigieren

    "Achte besonders auf Poorna. Meine Empfehlung an ihn. Er ist einfach, ruhig und vornehm. Er soll sein saures ,Rizinusöl-Gesicht‘ ablegen."

    Rein formelle Einladung

    "Bitte komme erst hierher, wenn Du dort alles erledigt hast. Die Einladung zum Geburtstag ist nur zur Information gedacht, nicht ,zum Kommen‘."

    Ein beschädigtes Paket mit Cashew-Nüssen

    "Die Kajus (Cashew-Nüsse) sind in einem stark ramponierten Zustand angekommen, aufgrund der Beimischung von Kandiszucker im Hochsommer. Der Zucker ist geschmolzen und hat die Nüsse durchtränkt, zur Freude von Veteran Swami Jnanananda. Meine Zähne sind ziemlich gesund und stark. Schicke bitte in Zukunft keinen Kandiszucker mehr zusammen mit Cashew-Nüssen."

    Reich trotz Schulden

    "Jeden Tag kommen neue spirituelle Anwärter in den Ashram. Hunderte von Schülern aus allen Ländern bitten mich schriftlich um spirituelle Führung und ich gebe eine Menge aus, um alle Briefe umgehend zu beantworten. Einige Häuser befinden sich im Bau. Das Werk schreitet in allen Richtungen voran. Eine Kuh kommt in den Ashram. Sie gibt gute Milch. Wir werden heutzutage reich trotz Schulden."

    Das ideale Stärkungsmittel für Kopfarbeiter

    (Ein Angriff auf die Gewohnheit des Kaffeetrinkens)

    "Nimm Mandeln und Huxley-Sirup. Reibe den Kopf mit Mandel- oder Amalaka-Öl ein. Das ist sehr gut für Kopfarbeiter. Man braucht sich dabei nicht einzuschränken, sondern kann ebenso viel nehmen wie Kaffee oder sogar noch mehr."

    Ehrbare Gäste

    "Ich habe alle Briefe und Kaffeepakete erhalten. Die ersten Gäste zu einer ,Büchse‘ Kaffee waren Shri Swami Omkar, der das Paket von der Bahnstation hergetragen hat und Shri Swami Poorna, der den Kaffee zubereitet hat. Wahrscheinlich wird der Barbier Balla mein nächster Gast sein."

    Ein Angriff auf ‚Geh’schwäche

    "Die Divine Life Society wird Dich vielleicht als Leiter einer Gruppe von Sannyasins und Brahmacharis auf eine Werbe-, Kirtan- und Vortragstour schicken, wenn alles gut geht. Aber dann wirst Du auch jeden Tag zwölf Meilen gehen müssen."

    Die Art von Virakta Mahatmas

    "Dein Freund, dieser Mauni (einer, der das Schweigegelübde hält) und Virakta (einer, der frei ist von Wünschen), der immer nur ein Tuch trug, hat mich gebeten, Dich zu fragen, ob Du ihm ein Pfund Schnupftabak schickst. Das ist auch eine Art von Vairagya (Leidenschaftslosigkeit). Dank des wiederholten Gebrauchs von Schnupftabak funktioniert seine Nase wie ein Maschinengewehr. Er bringt erfinderische Argumente für seinen Gebrauch von Schnupftabak vor. Du kannst ihm eine kleine Büchse schicken – als Deine wohltätige Geste einem ViraktaMahatma gegenüber."

    Philosophie über Schnupftabak

    "Schnupftabak-Paket erhalten und verteilt an

    Shri V, den Mukhya(,vorrangig‘)-Schnupfer

    Shri N, den Adi(,Beginn‘)-Schnupfer

    Shri G, den Sanatan(,uralt‘)-Schnupfer

    Shri Mauni und Tyagi (den Schweiger und Entsagten), den Maha(,groß‘)-Schnupfer

    Du erwirbst Dir damit Punya (Verdienst durch gute Handlung) und gleichzeitig Papa (Sünde; schlechtes Karma durch eine unethische Handlung). Ich ebenfalls; und ein klein bißchen Punya, weil ich ihre Leiden etwas erleichtert habe und Papa, weil ich sie in ihrer Gewohnheit unterstütze. Hätten wir den Schnupftabak nicht besorgt, wäre ihr Laster ausgerottet worden. Aber ‚Aham Brahma Asmi‘-Menschen stehen über Papa und Punya. Daher bist Du jetzt befreit, da Du Deine eigene Natur (Swarupa) kennst."


    Glossar      Top

    Abhimana     Selbstsucht; Stolz; Überheblichkeit; Merkmal des Ego, das sich identifiziert

    Acharya Meister

    Agni Feuer; Feuergott

    Akarta nicht handelnd

    Akasha Äther, Raum

    AkhandaKirtan ununterbrochenes Mantrasingen

    Akhanda ununterbrochen

    Alasya Unruhe, Schwanken

    Amrita Nektar

    Anahata innere Klänge, die in tiefer Meditation oder vollkommener Stille gehört werden können

    Ananda Wonne, Freude

    AppayyaDikshitar tamilischer Gelehrter und Heiliger des 16. Jh.; Vorfahre von Swami Sivananda

    Apta Vakhya Wahrheit

    Arhat, Arhata Meister

    Asana wörtl. "Stellung"; Sitzhaltung für die Meditation; Körperstellung im Hatha Yoga

    Asanga ohne Verhaftung

    Ashram ein Ort, an dem Yoga gelebt und gelehrt wird

    Atma-Bodha "Das Erwachen zum Selbst", Titel eines Werkes von Shankara

    Atman das Selbst

    Avatar Inkarnation, Herabkunft Gottes

    Avidya Unwissenheit

    BhagavadGita wichtigste indische Hl. Schrift

    Bhagavad göttlich

    Bhagavan Göttlicher; Gott

    Bhagavatam wichtigste indische Hl. Schrift zur Verehrung von Vishnu bzw. Krishna

    Bhajan 1. Lied, Gesang;
    2. Lobgesang Gottes

    Bhakti Hingabe

    Bhastrika stark energetisierende Atemübung

    Bhav, Bhava Gefühl, Einstellung

    Bhiksha Bettelgabe

    Bhoga Genuß

    Bhrama äußerer Schein

    Bhuma das Unendliche; das Unveränderliche; das, was von Zeit und Raum unabhängig ist

    Brahma Jnana Erkenntnis des Absoluten

    Brahma Nishta Verwirklichung des Absoluten

    Brahmachari jemand, der Brahmacharya beachtet, das Keuschheitsgelübde abgelegt hat; Schüler

    Brahmacharya wörtl. "Verhalten, das zu Brahman führt"; sexuelle Enthaltsamkeit; Selbstbeherrschung

    Brahmamuhurta "Stunde Brahmans"; die Zeit zwischen 3.30 und 5.30 Uhr,
    die besonders für die Meditation geeignet ist

    Brahman das Absolute

    Brahmana Brahmane, Priester; Angehöriger der obersten Kaste

    Brahmasutras Name einer Sammlung von Aphorismen der Vedanta-Philosophie

    Brahmavidya Kenner Brahmans; jemand, der das Wissen um das Absolute erfahren hat

    Buddha Erleuchteter

    Bushan Juwel

    Chakra Energiezentrum des Körpers

    Chela Schüler

    Chintana Bewußtsein

    Chit absolutes, reines Bewußtsein

    Chitta 1. Unterbewußtsein; 2. Geist, Psyche

    Dama Wunscherfüllung

    Danda Stock

    Darshan, Darshana wörtlich "Sicht" 1. Philosophiesystem; 2. Vision Gottes;
    3. Anblick einer Statue im Tempel oder eines selbstverwirklichten Meisters

    Daya 1. Mitleid, Güte (mit langem zweitem "a") 2. Geschenk, Gabe (mit langem erstem "a")

    Devas 1. Gott, Gottheit; 2. Engelswesen

    Dharma rechtes Handeln; Pflicht; Gesetz; Religion; eine der vier Hauptbestrebungen des Menschen

    Dharmashala wörtl. "Halle", "Gerichtshof"; Pilgerhaus, Wohltätigkeitseinrichtung

    Dhoti traditionelles indisches Untergewand von Männern

    Diksha Einweihung (in ein Mantra, in den Mönchsstand)

    Dirgha lange

    Divya göttlich

    Durga Göttin, welche Mütterlichkeit repräsentiert; kosmische Energie; Gemahlin Shivas; weiblicher Aspekt des Absoluten

    Dwesha Abneigung

    Ekadashi der 11. Tag nachVollmond und nach Neumond; gilt als besonders geeignet zum Fasten

    Ekam eins

    Fakir Sufi-Heiliger

    Gandha Geruch

    Ganesha hinduistischer Gott; Sohn Shivas; steht für die Überwindung aller Hindernisse und die Kraft, anzufangen

    Gatha Gesang, Lied, Vers

    Gayatri 1. Heiligster Vers der Veden; 2. Hinduistische Göttin, Gemahlin Brahmas, des Schöpfers

    Ghat Stufen zum Ganges oder zu anderen Flüssen; befestigtes Ufer zum Baden

    Ghee gereinigte geschmolzene Butter

    Gita s. Bhagavad Gita

    Grihastha Haushalter; jemand, der im Berufs- und Familienleben steht

    Guru Lehrer, spiritueller Führer; wörtlich "Beseitiger der Dunkelheit"

    Gurudev Anrede eines Gurus

    Hari "der zu sich hinzieht"; Beiname Vishnus

    Harijan wörtlich "Kind Gottes"; Bezeichnung für Kastenlose

    Hatha 1. Bemühung; 2. "Ha" = Sonne, "tha" = Mond

    Hatha Yoga Yoga der Körperbeherrschung

    Indra König der Götter; beherrscht das Wetter

    Indriyas Sinnes- und Handlungsorgane

    Ishta Devata Schutzgottheit; persönlicher Gott; persönlicher Zugang zu Gott; persönlicher Aspekt Gottes

    Ishwara persönl. Gott mit Eigenschaften

    Jada physischer Körper; Materie; Dumpfheit; alles durch Zeit und Raum Begrenzte

    Jagannatha 1. Der Herr, Beschützer des Universums; 2. Name für Vishnu bzw. Krishna. In seiner Form als Jagannatha wird er insbesondere in Puri verehrt

    Jala Wasser

    Janaka indischer Heiliger und König; Vater Sitas

    Japa Wiederholung des Mantras

    Jiva die individuelle Seele

    Jnana Yoga der Yoga des Wissens

    Jnani Weiser; einer, der durch Jnana Yoga die Verwirklichung gefunden hat

    Kailash heiliger Berg der Buddhisten, von den Hindus Meru genannt; Heiliger Berg Shivas

    Kaivalya Befreiung

    Kali "die Dunkle", "die Schwarze"; ein Name für Parvati in ihrem zerstörerischen, schreckenerregenden Aspekt; Zerstörerin der Unwissenheit, der Täuschung und des Todes, Gewährerin von Weisheit und Befreiung

    Kama Wunsch, Verlangen

    Kamandalu Bettelschale

    Kapila Name des Begründers der Samkhya-Philosophie

    Karma 1. Handlung; 2. Gesetz von Ursache und Wirkung

    Karma Yoga Yoga des selbstlosen Handelns, Dienens

    Kashtha Mauna vollständiges Schweigen unter Verzicht auf Gestik und Mimik

    Kirtan Mantrasingen

    Krishna Manifestation Gottes; achter Avatar von Vishnu; lebte laut klassischer Chronologie ca. 3000 v.Chr.; verkündete die Bhagavad Gita

    Kshama Gleichmut; Fähigkeit des Ertragenkönnens; Vergebung

    Kshatriya Angehöriger der Kriegerkaste

    Kshetra Speisestätte; Armen-küche; Almosenhaus

    Kumbhaka Luftanhalten

    Kundalini wörtl. "die Aufgerollte"; Bezeichnung für die schöpferische Kraft im Menschen, auch als schlafende Schlangenkraft bezeichnet

    Kutir Hütte, Haus

    Laddu ind. Süßspeise

    Laya Auflösung

    Laya Yoga Teil des Kundalini-Yoga, bei dem alle Manifestationen der Energie in die Urenergie zurückgeführt werden

    Likhita-Japa Mantraschreiben

    Linga, Lingam 1. "subtil"; 2. Phallus; 3. Symbol für Shiva

    Maha groß

    Maha Mauna großes Schweigen, bei dem selbst die Gedanken aufhören

    Maha Mrityunjaya Mantra "großes glückverheißenes Mantra"; das "Om Tryambakam"-Mantra

    Mahan der Große

    Mahand Gründer einer spirituellen Einrichtung; Leiter eines Ashrams

    Maharaj wörtlich "großer König"; respektvolle Anrede eines Yoga-Meisters

    Maharaja, Maharadscha indischer Fürst

    Maharishi großer Rishi (Seher, Heiliger)

    Mahatma wörtl. "große Seele", respektvolle Anrede eines Yoga-Meisters

    Mahavakya "großer Ausspruch"; die vier bedeutenden vedischen Lehrsätze, in denen verkündet wird, daß Brahman und Atman identisch sind

    Mala Gebetskette (mit langem "a")

    Mandaleshwar Herr des Mandalas; Name Gottes

    Mandir Tempel

    Manonasha Auflösen des Geistes; Zustand der Meditation

    Mantra Klangenergie; mystische Formel zur Meditation

    Mauna Stille; Schweigegelübde

    Mauni einer, der das Schweigegelübde einhält

    Maya Täuschung; verhüllende Kraft Brahmans

    Meru der "Weltenberg"; heiliger Berg der Hindus; mystischer Berg in der Mitte der Welt

    Moha Täuschung, Verhaftung

    Moksha Befreiung

    Mudra 1. im Hatha Yoga Körperstellung, verbunden mit bestimmter Atemtechnik, Visualisierung und Mantra; 2. im indischen Tanz und in der indischen Kunst eine Handhaltung

    Mukti Befreiung

    Mumukshutwa der Wunsch nach Befreiung

    Murti Bild, Statue

    Mutt Kloster

    Nagar Kirtan Singen des Namens Gottes in der Öffentlichkeit am frühen Morgen

    Nagar Stadt

    Naishthika immerwährend

    Niranjan makellos

    Nirguna ohne Eigenschaften

    Nirvikalpa Samadhi Samadhi ohne Dualiät; Verwirklichung der Einheit; höchster überbewußter Zustand

    Nirwana, Nirvana wörtl. "nichts"; Zustand der Selbstverwirklichung; durch nichts mehr beschränkt

    Nishkama Kama selbstloser Dienst, ohne eine Belohnung zu erwarten

    Nivritti Marga der Weg der Entsagung

    Pandit Schriftgelehrter

    Papa Sünde; schlechte Tat

    Para das Höchste

    Prabhat Pheri Prozession am frühen Morgen

    Prakriti die Natur, Schöpfung

    Prana Lebensenergie

    Pranayama "Herrschaft über die Lebensenergie"; Atemübung

    PrarabdhaKarma Schicksal; das Karma für dieses Leben, das sich jetzt manifestiert

    Prasad Opfergabe; die Gott geopferten Nahrungsmittel

    Prem, Prema Liebe

    Puja Verehrungsritual

    Punya Verdienst, gute Handlung

    Puri Pilgerort am Golf von Bengalen

    Purusha 1. Seele; 2. Reines Bewußtsein; 3. Mensch, Person

    Raga 1. Wunsch; 2. Melodie; 3. Farbe; 4. Gefühl, Emotion

    Raga-dwesha Mögen und Nichtmögen

    Raja Yoga "königlicher Yoga"; Yoga der Geistesbeherrschung

    Rajas Aktivität, Unruhe; einer der 3 Gunas, der drei Eigenschaften der Natur

    Rama hinduist. Gott; Inkarnation Vishnus

    Ramana Geliebter; bezaubernd, entzückend; Name eines indischen Heiligen (1879-1950)

    Rasagulla ind. Süßspeise

    Ratna Juwel, Edelstein; das Beste von einer Art

    Riddhi übernatürliche Kraft

    Riksha Sänfte, Transportmittel

    Rishi Seher

    Rupa Form, Gestalt, Aussehen; Natur, Wesen; charakteristische Eigenschaft

    Sadhaka Sucher; jemand, der spirituelle Praktiken ausführt; Schüler

    Sadhana spirituelle Praktiken; geistige Übung

    Sadhu Weiser, Heiliger; Wandermönch; Einsiedler

    Saguna mit Eigenschaften

    Sahasrarashirsha tausendköpfig

    Sakshi unbeteiligter Beobachter, Zeuge

    Samadhi überbewußter Zustand

    Samsara der Kreislauf von Geburt und Tod

    Samskaras Eindrücke im Unterbewußtsein

    Sankalpa Gedanke

    Sankirtan gemeinsames Mantrasingen in einer Gruppe

    Sannyasa Gelübde der Entsagung

    Sannyasi, Sannyasin Entsagter; Mönch

    SarvikalpaSamadhi Samadhi mit Dualität; Überbewußtsein ohne volle Verwirklichung

    Sat Bewußtsein, reines Sein; Wahrheit; Wirklichkeit

    Satchitananda absolutes Sein,Wissen und Glückseligkeit; "Eigenschaften" des Selbst

    Satsang wörtl. "Zusammensein mit der Wahrheit"; Gruppenmeditation; Treffen mit einem Weisen

    Satsankalpa Gedankenkraft

    Sattwa Reinheit; einer der 3 Gunas, der drei Eigenschaften der Natur

    Satya Wahrheit

    Seva Dienst

    Sevak Diener

    Shaiva Verehrer Shivas

    Shakti wörtl. "Kraft"; kosmische Energie; Göttin

    Shankara wörtl. "heilbringend"; 1. Beiname Shivas; 2. Name eines der größten Heiligen und Philosophen Indiens, ca. 788-820; der Hauptvertreter des Advaitavedanta

    Shanti Frieden

    Shastra Hl. Schrift

    Shatsampat Sechs edle Tugenden (Sama, Dama, Uparati, Titiksha, Shraddha, Samadhana); eine der vier Voraussetzungen für die Schülerschaft

    Shiva Teil der Hindu-Trinität; Gott der Zerstörung und der Transformation; Ur-Yogi; Kosmisches Bewußtsein

    Shloka Vers

    Shraddha Glauben

    Shravana Hören, Lernen; die erste Stufe des Jnana Yoga

    Shrutis ind. Hl. Schriften, auch "Veden" (wörtl. "die Offenbarten") genannt

    Shuddhi Reinheit

    Shudra Diener; Angehöriger der vierten und niedrigsten Kaste

    Siddha 1. Vollkommener; 2. Meister mit über-natürlichen Fähigkeiten

    Siddhis übernatürliche Kräfte

    Smaran, Smarana das Erinnern an Gott

    Sufi islamischer Mystiker

    Suka = Sukadev mythologischer Yogameister; wörtl. "Engel der Wonne"

    Swadhyaya Selbststudium

    Swami 1. Mönch; 2. Gott; 3. Respektvolle Anrede für einen Yoga-Meister

    Swamiji respektvolle Anrede eines Swamis

    Swapna Traumzustand

    Swarupa die eigene Natur

    Tamas Trägheit; einer der 3 Gunas, der drei Eigenschaften der Natur

    Tantra 1. Indische Schrift; 2. Shiva-Shakti-Philosophie; 3. Praktiken zur Erweckung der inneren Kraft (Shakti) und zu ihrer Vereinigung mit Shiva (absolutes Bewußtsein)

    Tapas 1. Askese, Kasteiung; 2. Feuer; 3. Hatha Yoga Übung

    Tejas 1. Feuer; 2. Glanz; 3. Inneres Feuer

    Titiksha Duldungskraft, Geduld, Gleichmut; durch äußere Einflüsse nicht zu erschütternde Stärke; eine der Shatsampats

    Tratak, Trataka Starren; Augenreinigungsübung; eine der Kriyas; Vorübung der Konzentration

    Trikuti drittes Auge, Punkt zwischen den Augenbrauen

    Tyaga Entsagung; selbstloses Handeln, ohne nach Früchten zu trachten

    Upanishaden ind. Hl.Schriften; letzter und philosophischer Teil der Veden

    Vaikuntha transzendente Wohnstätte Vishnus

    Vairagi Entsagter

    Vairagya Leidenschaftslosigkeit, Verhaftungslosigkeit, Wunschlosigkeit

    Vaishnava Verehrer Vishnus

    Vallabha "ersehnt", "geliebt"; Name eines Vaishnava-Heiligen und Philosophen des 15. Jh. Seine Philosophie, der sogenannte Shuddhadvaitavedanta steht zwischen Shankaras Advaitavedanta und Ramanujas Vishishtadvaitavedanta.

    Vanaprastha "Leben im Wald"; Rentnertum; dritter Lebensabschnitt

    Vasana Wunsch

    Vashishta großer Yogameister, dessen Lehren besonders in der Yoga-Vashishta dargestellt werden

    Veda wörtlich "Wissen"; älteste indische Hl. Schrift

    Vedanta wört. "Ende des Wissens"; Philosophie des Absoluten; eines der sechs ind. Philosophiesysteme

    Vedantin einer, der die Vedanta-Philosophie praktiziert

    Vedas, Veden indische Hl. Schriften; älteste Schriften der Menschheit

    Vidya Wissen

    Vikshepa Unruhe

    Vira Kraft; Held

    ViraktaHoma Opferzeremonie zur Einweihung in Sannyasa, den Stand der Entsagung

    Virakta jemand, der frei ist von Wünschen und Leidenschaften; Entsagter

    Virat Welt

    Virat-Swarupa Gott in seiner Manifestation als Welt; kosmische Gestalt

    Vishnu Teil der hinduistischen Trinität; Erhalter

    Vishvanath 1. der Herr von allem, der Herr des Weltalls; 2. ein Name für Shiva; Shiva als eine der Hauptgottheiten in Kashi (Benares) und der dortige Shiva-Tempel tragen diesen Namen; 3. Name verschiedener Autoren

    VivekaChudamani "Das Kleinod der Unterscheidungskraft", Hauptwerk von Shankaracharya

    Vritti Gedanke

    Yajna Opfer

              Yoga Bhrashta in früheren Leben hochentwickelte, wieder gefallene Yogis

    Yoga wörtl. "Einheit, Vereinigung"; 1. Mystischer Zustand der Einheit mit Gott bzw. dem Kosmischen;
    2. Übungen, welche das Individuum zur Einheit mit dem Kosmos führen;
    3. eines der sechs klassischen Philosophiesysteme

    Yogi 1. einer, der die Einheit mit dem Kosmischen erreicht hat; 2. einer, der Yoga-Übungen praktiziert

    Yogiraj Anrede für einen Yogameister

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