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Sex ist keine Pflicht Startseite

Verzichte, für eine bessere Gesundheit und größeres Glück, auf Sex.

Von Liz Hodgkinson

Inhaltsverzeichnis
0. Einführung
1. Vorwort
2. Gibt es wirklich sexuelle Wünsche?
3. Zölibat und Tradition - Ein kurzer Rückblick
4. Zölibat und Gesundheit
5. Junge Leute und das Zölibat
6. Zölibat und Intimität
7. Zölibat und Ernährung
9. Sexuelle Enthaltsamkeit und berühmte Vorbilder



0. Einführung     Top

Während der sechziger Jahre (des vorigen Jahrhunderts), als die sogenannte sexuelle Revolution auf ihrem Höhepunkt war, glaubte ich, daß die Welt besserer und glücklicher werden könnte, wenn wir in der Lage wären, unsere sexuellen Hemmungen, Unterdrückungen und Blockierungen abzulegen. In jenen Tagen war ich, wie viele andere junge Leute meiner Generation, davon überzeugt, dass wir, wenn wir die beschränkte, intolerante, ängstliche und strenge moralische Haltung der vorherigen Generationen ablegen würden, liebevoller, warmherziger, kreativer, vitaler und zufriedener sein würden. Die meisten Sexratgeber, die während dieser Zeit geschrieben wurden, unterstützten die Idee, dass die Welt durch Sex gerettet werden könnte, ohne allerdings, die schwierigen und unangenehmen Folgen einer unerwünschten Schwangerschaft zu lösen. Viele Therapeuten dieser Zeit, ermutigten ihre Patienten, sich durch positive sexuelle Erfahrungen selbst zu finden und so zu ausgeglichenen Menschen zu werden. Manchmal wurde dafür sogar ein Ersatzpartner empfohlen. Wir glaubten daran, dass viele psychische Krankheiten durch sexuelle Unterdrückung entstehen und das diese durch eine freiere Sexualität beseitigt würden.

Jetzt, zwanzig Jahre später, glaube ich nicht mehr, daß häufigerer Sex die Kraft hat, die Welt zu verbessern. Obwohl ich eine Rückkehr zu den dunklen Tagen des ängstlichen Verhaltens gegenüber dem Sex, das vergangene Generationen kennzeichnete, ablehne, bin ich mir sicher, dass sich menschliche Schwierigkeiten und Probleme nicht durch die Sexualität lösen lassen. Noch glaube ich, dass der Sex Partnerschaften dauerhaft zusammenhält, dass er den Geist aufhellt oder die Kreativität fördert. Ich weiß jetzt, dass der Sex weder zur geistigen noch zur körperlichen Gesundheit beitragen kann. In der Tat ist meine Meinung über den Sex, in vielerlei Hinsicht, genau entgegengesetzt zu der Meinung, die ich noch vor zwei Jahrzehnten hatte. Der Grund liegt darin, dass ich mit zunehmender Reife selbst beobachten konnte, dass häufigerer Sex nicht einen Deut dazu beiträgt, die Welt zu verbessern. Eher trägt er dazu bei, das menschliche Elend noch weiter zu vergrößern.

Wir haben jetzt mehr Scheidungen, als zu jeder anderen Zeit in der Geschichte. Viele junge Menschen versuchen Selbstmord und die Zahl derer, die von Drogen abhängig werden, steigt ständig. Ausserdem ist der Gesundheitszustand der Menschen in allen Ländern der Welt sehr bedenklich. Krebs und Herzerkrankungen nehmen zu, weil mehr und mehr Menschen unter den stressbedingten Lebensverhältnissen leiden. Obwohl wir den Sex nicht für alle Probleme der Welt verantwortlich machen können, so kann doch viel des heutigen Unbehagens direkt oder indirekt auf das sexuelle Verhalten zurückgeführt werden. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir Sex brauchen, dass wir ein gottgegebenes Recht auf sexuelle Befriedigung haben. Dies hat dazu geführt, dass wir den Körper eines anderen Menschen ausnutzen, um uns von unseren eigenen Frustrationen zu befreien. Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch von Kindern sind alltäglich und beunruhigen Männer und Frauen gleichzeitig. Ausserdem macht uns die Suche nach Sex immer rastloser, unruhiger und ängstlicher.

Einst glaubte ich, der Sex sei die Antwort auf viele tiefliegende menschliche Probleme. Heute glaube ich, dass eine positive Hingabe zum Zölibat der sinnvollere Weg ist. Aber das Zölibat, das einst als ein höheres Ideal als die sexuelle Aktivität angesehen wurde, ist in den letzten Jahrzehnten sehr unpopulär geworden. Das Zölibat ist mittlerweile so unpopulär geworden, dass es den katholischen Priestern, die neben den Mönchen, das Zölibat freiwillig auf sich genommen haben, erlaubt, zu heiraten und trotzdem ein Mitglied der Kirche zu bleiben. Das Zölibat wird heute mit großer Abneigung betrachtet, weil wir glauben, dass a) Sex notwendig ist und b) natürlich. In Wirklichkeit ist es das aber nicht. Abgesehen vom Zweck der Fortpflanzung ist der Sex in unserem täglichen Leben ebensowenig erforderlich wie ein Glas Whisky oder ein Sahnetörtchen. Alle zölibatären Menschen, die ich interviewt habe, haben vom Vorteil des zölibatären Lebens gesprochen und haben bestätigt, dass es das Zölibat ist, das den Menschen befreit und ihm Glück verleiht. Das Zölibat, kann nach Ansicht seiner Anhänger, den Menschen stärker, selbstbewusster, kreativer und intelligenter machen. Ausserdem trägt es zur körperlichen Gesundheit bei.

Es scheint mir, dass das Zölibat und nicht der Sex, die Gesundheit und das allgemeine Wohlergehen verbessern. Dies geschieht vor allen Dingen dadurch, dass das Zölibat die Sexualhormone und damit die Stressanfälligkeit reduziert. Starke hormonelle Schwankungen, wie sie für eine rege sexuelle Aktivität kennzeichnend sind, haben den Effekt, dass sie den Widerstand gegen viele Krankheiten und Infektionen verringern. Vor einigen Jahren wurde die Idee des Zölibats unter nicht-religiösen Leuten kaum diskutiert. Inzwischen haben sich die Ansichten gewandelt. Mittlerweile ist es den Menschen bewusst geworden, dass die sexuelle Revolution nicht das Ergebnis lieferte, was sie versprach. Darum sind sie heute verwirrter, verunsicherter und unglücklicher, als zuvor. Ausserdem haben sich sexuelle Erkrankungen in einer beängstigenden Weise zu einer weltweiten Epedemie entwickelt. Insbesondere Aids, eine tödliche Erkrankung, für die es bis heute keine Heilung gibt, hat die Menschen dazu gezwungen, ihre sexuellen Gewohnheiten zu überdenken und die Frage zu stellen, ob es nicht bessere, gesündere und befriedigendere Wege gibt, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten, als durch Sex.

Es muss nicht betont werden, dass Menschen, die enthaltsam leben, keine Befürchtungen haben müssen, sich mit Aids zu infizieren. Ebenso können sie sich keinen Herpes-Virus, eine andere sexuell übertragene und unheilbare Krankheit,  einfangen. Enthaltsam lebende Frauen dagegen, brauchen keine Angst vor einem Gebärmutterhalskrebs zu haben. Zusätzlich sind enthaltsam lebende Menschen besser vor Stress und hohem Blutdruck geschützt. Die Häufigkeit von Herzerkrankungen und Krebs ist bei enthaltsam lebenden Menschen weit geringer. Zölibatäre Menschen leben daher insgesamt wesentlich gesünder als Menschen, die häufig Sex praktizieren. Menschen, die das Zölibat praktizieren, rauchen in der Regel weniger und trinken weniger Alkohol, ernähren sich oft vegetarisch und unterliegen in der Regel erheblich weniger, irgendwelchen Formen der Abhängigkeit. Das größte Plus für zölibatär lebende Menschen besteht darin, dass sich normalerweise die Beziehungen zu anderen Menschen erheblich verbessern. Da sie nicht sexuell sind, neigen sie dazu, andere als individuelle Menschen anzusehen, anstatt sie als attraktive oder nicht attraktive Menschen zu betrachten, die man begehrt oder zurückweist. Gleichzeitig leiden sie nicht in solch einem großen Umfang an negativen Gefühlen, die normalerweise mit einem aktivem Sexualleben verbunden sind, wie Habgier, Eifersucht, Wollust, Besitzgier, Abhängigkeit oder Zorn.

Das Zölibat befreit sowohl den Mann als auch die Frau von ihrer Abhängigkeit und ihrem Misstrauen aufeineinander und ermöglicht es ihnen, Freunde und nicht Feinde zu sein. Der irische Dramatiker, Satiriker und Literatur-Nobelpreisträger George Bernard Shaw sagte vor fast einhundert Jahren, dass das größte Hindernis für die weibliche Emanzipation die Sinneslust ist. Wir aber haben seine Empfehlung nicht beachtet und viele Feministinnen glauben weiterhin, dass mehr und besserer Sex der Weg zur Befreiung ist.

Viele Menschen sind ängstlich, über das Zölibat nachzudenken, weil sie denken, dass solch eine Lebensweise nicht möglich ist. Allerdings sagen die meisten Menschen, die das Zölibat als Teil ihrer religiösen Berufung befolgen, dass das Zölibat die leichteste ihrer Disziplinen ist und die "säkularen Zölibatäre" (säkular = weltlich, also die Menschen, die zölibatär leben, aber keiner Religion angehören) sagen, sie hätten kein Problem damit, auf Sex zu verzichten.*  Leider betrachten wir den wilden, häufigen Sex als die Norm, dabei ist es das Zölibat, das den Körper und Geist befreit.

*Anmerkung Zölibat: Ich habe das Gefühl, dass das Zölibat hier ein wenig verniedlicht wird. Für die meisten Menschen stellt das Zölibat durchaus eine schwere Prüfung dar, der viele Menschen nicht gewachsen sind. Ende Anmerkung.

Sie können sich fragen, was würde aus der Menschheit werden, wenn die ganze Welt enthaltsam leben würde? Meine Antwort darauf ist, dass die Menschheit niemals vollkommen zölibatär leben wird. Darum ist diese Frage eine hypothetische Frage und hat wenig Bedeutung. Würde die Menschheit allerdings für ein Jahr enthaltsam leben, dann wäre das Problem der Überbevölkerung vielleicht gelöst. In derselben Zeit würde die Häufigkeit des Auftretens von Aids, Herpes, Gebärmutterhalskrebs und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten sofort sinken.

Wenn ich von einem positiven Zölibat spreche, dann meine ich nicht, dass die sexuellen Wünsche rigoros unterdrückt und sublimiert werden sollen oder dass es notwendig ist, Zuflucht zu kalten Bädern oder puritanischen Gewohnheiten zu nehmen. Denkt man die ganze Zeit in dieser Weise über den Sex und verleugnet sich selbst, dann hat das Zölibat keinen Sinn. Man kann nur einen Vorteil aus dem Zölibat ziehen, wenn keine sexuellen Wünsche mehr vorhanden sind. Der Wunsch nach Sex verringert sich, wenn man versteht, wie der sexuelle Trieb, die sexuelle Frustration (Enttäuschung)  und die sexuelle Erfüllung entstehen. Ich werde versuchen, dieses in den folgenden Kapiteln zu erklären. Wir haben Angst, den Sex loszulassen, weil wir nicht wirklich verstehen, was der Sex ist. Wenn wir dies verstehen, kann der Einfluss von Sex auf unser Leben reduziert werden.

Der vorherrschende Mythos ist, dass die einzig richtige Art zu leben, durch ein aktives und abwechslungsreiches Sexualleben gekennzeichnet ist. Wir haben nicht verstanden, dass die Alternative, ein zölibatäres Leben, sehr zu empfehlen ist. Aber das Zölibat kann nicht als positiv empfunden werden, wenn man denkt, dass man etwas aufgibt. Es wird sich nur ein Erfolg beim Zölibat einstellen, wenn man erkennt, dass man sich von der sexuellen Verhaftung lösen kann. Ich bin mir sicher, dass das Zölibat, nicht unbedingt als eine lebenslange Verflichtung, sondern als eine Option für eine bestimmte Zeit, weit mehr Vorteile hat, als die verzweifelte Suche nach immer größeren und besseren Orgasmen.



1. Vorwort     Top

Es wird gesagt, dass nichts so kraftvoll ist, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Es scheint, dass jetzt die Zeit gekommen ist, das Zölibat in einem positiven Licht zu betrachten. Wir werden übersättigt mit Sex, der uns aus allen Medien entgegenschreit. Wir sind bereit, über Beziehungen nachzudenken, die nicht sexuell sind. Das Zölibat ist natürlich keine neuartige Idee. Das Zölibat hat eine alte und ehrenhafte Tradition in den meisten Gesellschaften und bis in unsere Gegenwart geniesst es einen höheren Respekt als sexuelle Aktivität. Viele Menschen strebten nach dem Zölibat. Man ging in der Vergangenheit davon aus, dass es seinen Änhängern Energie und Weisheit verleihen würde. Im zwanzigsten Jahrhundert haben wir diese alte Idee so gründlich auf den Kopf gestellt, dass nun behauptet wird, dass es der Sex ist, der Energie, Erfüllung, Glück und spirituellen Fortschritt verleiht.

Wir alle, einschliesslich ich selber, waren von dieser Idee überzeugt. Die von uns, die in der sechsiger Jahren des letzten Jahrhunderts aufwuchsen, glaubten wirklich daran, dass man durch Sex, durch intime Beziehungen, den Frieden und die Harmonie erzielen könnte, der den vohergehenden Generationen versagt blieb, dass wir die Welt dadurch verbessern könnten. Aber wir irrten uns. Die Welt ist heute offenbar kein besserer Platz als sie es vor zwanig Jahren war und die sexuelle Revolution hat nicht zu mehr Glück und Zufriedenheit im Leben der Menschen beigetragen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Scheidungsrate steigt ständig und liefert den dramatischen Beweis, dass die Sexualität nicht als magischer Kleber dient, um eine Ehe zusammenzuhalten. Die Zunahme der Vergewaltigungen und des kindlichen Missbrauchs steigen in einer erschrecklichen Zahl. Die Pornographie blüht und sexuell übertragene Krankheiten haben schneller zugenommen, als wir es uns jemals vorstellen konnten, tödlicher und widerstandsfähiger, als je zuvor.

Sexuelle Krankheiten, wie Herpes, Gebärmutterhalskrebs, Zystitis (Entzündung der unteren Harnwege), Kandidose (infektiöse Pilzerkrankung), unspezifische Urethritis (Harnröhrenentzündung), Chlamydien (Bakterienerkrankung), einige von ihnen waren bis vor wenigen Jahren entweder selten oder vollkommen unbekannt, verlangten immer mehr Opfer. Außerdem wissen wir nun, durch die tödliche Krankheit Aids, dass sexuelle Krankheiten töten können. Wie nichts sonst, hat die Verbreitung sexuell übertragener Krankheiten, die Menschen dazu gezwungen, ihr sexuelles Verhalten zu betrachten und neu zu bewerten. Wenn Sex gut ist, wie die sexuellen Handbücher uns erklären, warum verursachen sie dann solche Krankheiten und Zerstörungen? Ich glaube, dass wir tief in uns selbst wissen, dass die Sexualität nicht die Kraft hat, Menschen glücklich zu machen und die Liebe zusammenzuhalten. Die meisten von uns, die es versucht haben, haben selbst erfahren, dass Sex mehr Probleme bereitet als es löst. Wir wissen, wenn auch unbewusst, dass eine körperliche Tätigkeit, wie glückselig und verzehrend sie auch in dem Moment war, niemals eine emotionale Wunde heilen oder zu mehr Glück und Zufriedenheit beitragen kann. Wir haben den Sex wie eine Droge benutzt und nun zahlt er uns, wie jede andere Droge auch, zurück, dass wir süchtig danach geworden sind.

Wir haben alle, in den letzten zwanzig Jahren, seitdem die sexuelle Revolution begann, einen falschen Gott angebetet und instinktiv wussten wir es. Man hatte meiner Generation beigebracht, zu glauben, dass Sex ein elementares und natürliches Verlangen ist, dass häufig befriedigt werden muss, andernfalls würden entsetzliche körperliche und geistige Konsequenzen folgen. Meine eigene Erfahrung und die meines Ehemannes, haben uns gezeigt, dass dieser Glaube eine Lüge ist. Seitdem wir enthaltsam leben, sind wir vollkommen glücklich und gesund. Wir leiden weder unter Krankheiten, noch an Qualen oder sexuellen Frustrationen. Wir sind sehr erfreut darüber, uns vom steten Drängen des Körpers befreit zu haben. Es ist eine wundervolle Freiheit, eine lebensbereichernde Befreiung.

Als die Ehe geschlossen wurde, haben wir uns zu verstehen gegeben, dass eine Ehe ohne Sex keine Ehe ist. Juristisch gesehen, kann die Ehe annuliert werden, wenn ein Partner dem anderen dauernd den Sex verweigert. Die Idee, dass Sex in der Ehe eine Pflicht ist, wird in der anglikanischen Hochzeitszeremonie mit den Worten „mit meinem Körper bete ich dich an“ verehrt. Tatsächlich wurde bis vor kurzem darauf hingewiesen, dass Sex in der Ehe eine eheliche Pflicht ist. Wir sollten uns selber fragen, was ist die Ehe? Ist sie hauptsächlich eine Vereinigung zwischen zwei Menschen, die eine permanente Bindung eingehen möchten oder ist sie ein bequemes Mittel für das Fortbestehen der menschlichen Rasse? Wir wussten nicht wirklich, was die Ehe für uns bedeutete, ausser dass es ein lebenslanges Abkommen ist, bei dem Sex, der der Entspannung dient, garantiert ist, beinahe eine Pflicht. Es fragt aber niemand, ob die Mehrheit der Ehen glücklich sind. Sie sind es vielfach nicht, selbst die Ehepaare nicht, die momentan nicht an Scheidung denken. Einer der Gründe, warum so viele Ehen unglücklich sind, liegt meiner Meinung nach darin, dass wir vom anderen Partner erwarten, dass er uns sexuell zufrieden stellt. Wenn er nicht imstande ist, dies zu tun, oder wir dieses Verlangen nicht erwidern können, folgen Verletzungen, Zorn und Gefühle der tiefen Ablehnung.

Diese Haltung hat uns in eine Verwirrung gestürzt. Obwohl jedes Paar in der Welt, Ausnahmen bestätigen die Regel, im Laufe der Jahre eine Verminderung der sexuellen Anziehung füreinander erfährt, sind wir nicht mehr bereit, die Wünsche des Partners als normal und natürlich hinzunehmen. Stattdessen betrachten wir den „Mangel an Libido“ als medizinisches Problem, das dringende Aufmerksamkeit erfordert. Wir würden gerne wieder Sex haben, Doktor, sagen die besorgten Patienten, aber im Moment fehlt uns ein wenig die Lust. Stimmt etwas nicht mit uns? Der Arzt könnte dies als sexuelle Funktionsstörung deuten und das Paar in eine Spezialklinik schicken, in der sie auf die beste Weise beraten werden, wie sie sich wieder begehrenswert finden. Heutzutage wird es einfach nicht erlaubt, enthaltsam zu leben. Wenn wir sagen, dass wir nicht mehr so große Lust am Sex haben, werden wir angesehen, als ob etwas nicht in Ordnung mit uns ist. Wir haben womöglich einen unterentwickelten Sexualtrieb oder unterdrücken unseren sexuellen Trieb wegen langanhaltender Hemmungen.

Es wird uns erlaubt, jede andere Tätigkeit im Leben abzulehnen. Niemand würde vorschlagen, dass jeder auf der Welt sich an Fussball, Rum oder Sahnekuchen erfreuen sollte. Aber wenn wir bekennen, dass wir keine größere Begeisterung für den Sex empfinden, meint man, wir müssten ausgetrocknete, verschrumpelte Puritaner oder kaltherzige Menschen sein. Sex, insbesondere Sex in der Ehe, wird als eine Pflicht betrachtet. Es wird uns nicht erlaubt, keinen Sex zu haben. In meinem Buch mache ich keinen Unterschied zwischen Sex in der Ehe und Sex außerhalb der Ehe. Die Tätigkeit ist dieselbe, egal ob du vor den Altar trittst oder nicht. Es ist vielleicht die radikalste Aussage, die ich mache, wenn ich sage, dass jeder Sex schädlich für die Emotionen sein kann. Dies ist der Standpunkt, den die Menschen am wenigsten akzeptieren. Die Leute haben mir vorgeworfen, dass ich mich gegen jeden Sex ausspreche und nicht nur gegen Sex mit häufigem Partnerwechsel. Wie ist es, wenn Sex der Ausdruck einer festen und liebevollen Verbindung ist, frage ich. Ist dann etwas falsch daran? Kann Sex eine Beziehung bereichern, sie intimer und sinnvoller gestalten? Gibt es außerdem nicht einen großen Unterschied, zwischen der körperlichen Liebe und dem blossen Gebumse?

Was ich wirklich sage, ist, daß jedes menschliche Wesen, verheiratet oder nicht, die Wahl haben sollte, ob sie Sexualität praktizieren möchte oder nicht. Wir sollten niemals zur Sexualität gezwungen werden, weder durch Gesetze, noch durch eine andere Person oder durch Gewohnheit, denn sonst fühlt man sich unglücklich, verärgert oder verletzt. Ich glaube, wir alle wissen in unserem Herzen, dass Sex nicht glücklich macht. Wenn Sex das könnte, wären wir alle glücklich, weil die meisten von uns Sex haben. Dennoch haben wir, gegen alle Beweise, eine Gehirnwäsche vorgenommen, und glauben, dass Sex unentbehrlich für die persönliche und eheliche Zufriedenheit ist. In meinem Buch habe ich eine einfache und vernünftige Lösung, für die Probleme, die im nationalen „Eheberatungsgremium“ in einem kürzlich erschienem Beitrag als „Katastrophengebiet der Ehe“ bezeichnet wurde, d.h. den Sex, zur Verfügung gestellt. Ich sage, wenn du den Ursprung des Problems entfernst, wirst du entdecken, dass das Problem selber verschwindet. Wenn dir eine bestimmte Nahrung nicht schmeckt, würdest du aufhören, mehr davon zu essen. Aber diese Aussage wurde als gefährlich häretisch angesehen (Häresie = Irrglauben) und hat den Zorn der „Sexexperten“ auf mich gerichtet. Sie haben mich als frigide, sexuell kalt, als lesbisch beschimpft und bemerkt, dass sie Mitleid mit meinem Ehemann hätten. Die vernünftigere Öffentlichkeit jedoch hat mein Lösungskonzept nicht als so seltsam empfunden.

Ganz das Gegenteil war der Fall. Zeitungen, die Leserbriefe zu dem Thema veröffentlichten, zeigten, dass die Mehrheit der Zuschriften, mit meiner Meinung übereinstimmten. Die Zeitschrift „People“ sagte, dass etwa 70 Prozent ihrer Leser meiner Meinung waren. Der „Daily Express“ schrieb dasselbe. Es gibt vermutlich mehr zölibatäre Ehen, als die Leute sich eingestehen, schrieb ein Korrespondent. Es scheint, dass ich ein Thema ins öffentliche Bewusstsein brachte, das viele Leute betraf, die sich aber nicht dazu bekannten. Wir alle wissen, dass Sex schnell zu einer Pflicht werden kann, die Abneigung, Zorn, Eifersucht, Leid und Schuldgefühle verursachen kann. Es gibt ein großes suchterzeugendes Moment im Sex, das nichts mit Liebe und Hingabe oder irgendeiner biologischen Notwendigkeit zu tun hat. Meistens, wenn Menschen Sex haben, beabsichtigen sie nicht, ein Kind zu zeugen. Tatsächlich tun sie alles, um dies zu verhindern. Viele Männer gehen zu Prostituierten und selbst der Inzest (Inzest = Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten) hat zugenommen. Wo bleibt die Liebe und Hingabe, die erfüllte Intimität bei solcher tristen sexuellen Befriedigung? Wir alle wissen dies und ich habe nichts anderes getan, als den Mythos, dass Sex reines Glück erzeugt, zerbrochen.

Das Lieblingsargument gegen meine Vorschläge war, dass dann, wenn alle zölibatär leben würden, die Menschheit aussterben würde. Dies ist nichts als ein Ablenkungsmanöver. Einerseits wird nicht jeder im Zölibat leben und andererseits spreche ich über Sex, der aus rein sexueller Befriedigung praktiziert wird und nicht über Sex, der der Kinderzeugung dient. Wir, als Menschen, praktizieren viel häufiger Sex, als es zur Arterhaltung der Menschheit notwendig ist. Aber ich empfehle das Zölibat nur als eine Möglichkeit. Es sollte nicht zur Pflicht werden, wie auch der Sex nicht zur Pflicht werden sollte. Alles was ich sage, ist, dass das Zölibat einen großen Nutzen haben kann, den wir in unserer verzweifelten Suche, nach immer exotischeren Sexualpraktiken, vollkommen vermisst oder übersehen haben. Ich habe öffentlich gesagt, dass ich in Bezug auf das Zölibat keine Nachteile fand. Ich habe mehr Energie, mehr Unabhängigkeit, eine bessere Gesundheit, ich bin ruhiger und gelassener, als zu der Zeit, in der ich sexuelle Zufriedenheit suchte, aber niemals fand. Die Sexexperten können dies befremdend finden, aber der Beweis, ob der Pudding gelungen ist, liegt im Probieren des Puddings. Keiner von uns hat, seitdem wir das Zölibat praktizieren, an einen Seitensprung gedacht. Die häufig gestellte Frage, wie wir mit dem sexuellen Drängen umgegangen sind, ist leicht zu beantworten. Es ist einfach verschwunden. Dies mag für die Leute seltsam klingen, die davon überzeugt sind, dass wir den Sex genau so brauchen, wie die Nahrung, den Schutz und die Kleidung. Aber es entspricht nicht der Wahrheit.

Wenn ich die Menschen bitte, die sich sexuell betätigen, die guten Dinge aufzuzählen, die sich seit der sexuellen Revolution entwickelt haben, können sie keine nennen. Einige sagen: „Die Leute sind heute offener gegenüber der Sexualität.“ Dieses ist vermutlich der Fall, aber es ist hart, das Ergebnis dieser Offenheit zu sehen. Es hat die Geschlechter zweifellos nicht zu einer größeren Harmonie verholfen, und auch nicht dazu geführt, dass Männer und Frauen sich heute besser verstehen. Genau das Gegenteil davon ist eingetreten. In den Romanen der Bestsellerautorin Jackie Collins, die das glamoröse Holywoodleben beschreibt, in der die Menschen jederzeit Sex haben, liest man, dass die stärksten Gefühle Hass und Rache sind, aber niemals Liebe. Ich entschied mich, dieses Buch zu schreiben, weil der Beweis, dass Sex die Probleme der Welt vergrößert, anstatt sie zu verkleinern, mir zunehmend ins Auge springt. Wenn ich auch sonst nichts erreicht habe, so kann ich mir sicher sein, dass dieses Buch eine Diskussion über das Tabu des Zölibats ermöglicht und das Zölibat als eine positive Möglichkeit in Betracht zieht. Möge die Diskussion lange anhalten.



2. Gibt es wirklich sexuelle Wünsche?     Top

Die meisten Menschen nehmen an, dass es einen angeborenen sexuellen Trieb gibt. In der Tat werden die Menschen, die nicht diese Eigenschaft besitzen, betrachtet, als besäßen sie eine körperliche Störung. Infolgedessen wird das Zölibat als unnatürlich oder vielleicht sogar als ausgesprochen gefährlich angesehen. In früheren Zeiten wurde gesagt, dass die Sexualität Energie verbraucht, die dann nicht mehr für höhere spirituelle Zwecke zur Verfügung steht. Im zwanzigsten Jahrhundert dagegen, haben wir diese Idee komplett auf den Kopf gestellt und sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Sexualität dazu beiträgt, die körperliche und geistige Energie zu steigern. Die Sexualforscher haben uns gelehrt, zu glauben, dass Sex natürlich, gesund und eine elementare Notwendigkeit ist, die unbedingt für das menschliche Glück und Wohlbefinden erforderlich ist.

Ich habe nicht, wie die Sexualwissenschaftler, Tausende von Leute interviewt, noch habe ich eine komplizierte Computeranalyse vorgenommen, um herauszufinden, um wieviele Millimeter die Klitoris sich bei sexueller Stimmulation vergrößert oder welche elektrischen und chemischen Vorgänge sich genau bei der Errektion des Penis abspielen. Außerdem glaube ich nicht daran, dass diese Art der Forschung notwendig ist, um zu einem Ergebnis über die sexuellen Wünsche zu kommen. Ein paar vernünftige Beobachtungen zeigen uns, das die Sexualität zweifellos ein starker Trieb ist, aber wir als Menschen können ebenso gut ohne Sexualität leben. Wir brauchen natürlich den Sex, um Nachkommen zu zeugen, obgleich durch die modernen in-vitro-Methoden der Zeugung (in vitro = im Reagenzglas = Zeugung ausserhalb des lebenden Organismus), selbst dies nicht mehr unbedingt erforderlich sind, aber zum Überleben der Menschheit brauchen wir den Sex heute nicht mehr.

Mönche und Nonnen in religiösen Gemeinschaften sind im Allgemeinen sehr glücklich und gesund, haben meist ein längeres Leben und erkranken seltener an Krebs und Herzbeschwerden, als die gleichaltrigen Menschen, ausserhalb der Klöster. Es gibt keine Beweise dafür, dass diese Mönche und Nonnen, die sich freiwillig zum Zölibat bekannt haben, unter fortwährender Qual oder sexueller Frustration zu leiden haben oder dass sie sich durch regelmässige Masturbation von sexuellem Druck befreien müssen. Es gibt auch keine Beweise dafür, dass die Homosexualität in Klöstern stärker verbreitet ist, als außerhalb der Klöster. Tatsächlich scheint es so, dass das Zölibat eines der leichtesten Disziplinen religiöser Menschen ist, die sie sich freiwillig auferlegt haben.

Anmerkung Zölibat: Kommt mir bitte nicht mit den alten Geschichten aus dem Mittelalter, die immer wieder gerne erzählen, wie unsittlich es in manchen Klöstern zuging. Sie ändern nichts daran, dass die große Mehrheit der Mönche und Nonnen das Zölibat praktizieren. Aber ich muss gestehen, gerade zu Beginn des Zölibats fällt die Enthaltsamkeit nicht immer leicht. Solange man sich nicht aus den Klauen der Sexualität befreit hat, solange man die sexuelle Verhaftung nicht abgelegt hat, findet eine innere Auseinandersetzung statt. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, dann wird man nicht mehr von der Sexualität bedrängt. Dieses empfindet man besondes dann als eine große Erleichterung, wenn die sexuellen Begierden zuvor sehr stark waren. Im Gegensatz zu der Autorin bin ich aber nicht der Meinung, dass das Zölibat eine der leichteren Disziplinen ist, die religiöse Menschen sich auferlegt haben. Ich glaube sogar, dass sie eine der schwersten Disziplinen ist, die die Mönche und Nonnen sich auferlegen. Nicht umsonst sind in den letzten deißig Jahren weltweit etwa 100.000 Priester wegen der Verletzung des Zölibats aus der katholischen Kirche ausgeschieden. Ende Anmerkung.

Gesundheit, Intelligenz und intellektuelle Fähigkeiten werden durch die Enthaltsamkeit nicht negativ beeinflusst. Tatsäschlich ist genau das Gegenteil der Fall. Sobald eine Person beschliesst, enthaltsam zu leben, verbessert sich seine Gesundheit, seine Intelligenz, seine intellektuellen Leistungen und seine Wachsamkeit. Er schaut nach oben, anstatt nach unten. Er erhöht sich, anstatt sich zu erniedrigen. Es ist vielleicht hilfreich, Sex mit der Abhängigkeit der bewusstseinsverändernden Substanzen Alkohol und Nikokin zu vergleichen. Je mehr man der Gewohnheit frönt, um so größer wird die Toleranz und um so schwieriger wird es, ohne diese Gewohnheiten zu leben. Aber sobald die Ursache dieser Sucht beseitigt ist, vermindert sich mit der Zeit die Gewohnheit und Abhängigkeit. Lebt man enthaltsam, so baut sich keinesfalls eine sexuelle Frustration auf. Im Gegenteil, sie vermindert sich allmählich.

Anmerkung Sexuelle Frustration: Lebt man enthaltsam und wurde auch bereits vorher sehr stark von sexuellen Begierden geplagt, so enden diese natürlich nicht automatisch mit der Enthaltsamkeit. Hinter den sexuellen Begierden verbirgt sich ja nichts anderes als eine physiologische Reaktion. Durch häufige sexuelle Aktivität, genauer genommen, durch häufigen Orgasmus, werden vom Körper Botenstoffe ausgeschüttet, die das Verlangen nach einem neuen Orgasmus wachrufen. Es ist im Prinzip dasselbe wie beim Alkohol und Nikotin. Auch hier werden Transmitter (Botenstoffe) ausgeschüttet, die das Verlangen nach Alkohol und Nikotin verstärken. Sie bewirken im Prinzip ein Suchtverhalten. Genau dasselbe geschieht bei der Sexualität.

Lebt man nun enthaltsam, dann verschwindet damit nicht automatisch die sexuelle Begierde. Schliesslich hat der Körper sich über viele Jahre oder Jahrzehnte an dieses Wechselspiel der Hormone gewöhnt, er ist regelrecht darauf konditioniert worden. Er wird also auch weiterhin Botenstoffe ausschütten, die die sexuelle Begierde erzeugt. Mag sein, dass die sexuelle Begierde vorübergehend sogar zunimmt. Auf alle Fälle wird man mit einer starken sexuellen Begierde konfrontiert, die man bisher dadurch löste, dass man sie auslebte. Hat man sich aber entschlossen, enthaltsam zu leben, so kann es durchaus sein, dass diese sexuelle Begierte, trotz der Enthaltsamkeit, noch monatelang in einem brodelt. Ignoriert man sie, dann zieht sie sich zurück und man hat zumindest für einige Zeit seine Ruhe. Aber sie kehrt zurück und erfordert erneut ihr Recht.

Da man zu Beginn der Enthaltsamkeit immer wieder in die Versuchung kommt, der sexuellen Begierde nachzugeben, wird der innere Konflikt immer wieder neu heraufbeschworen, die Leidenschaften immer wieder neu entfacht. Gibt man diesen Begierden nach, werden wieder verstärkt Transmitter ausgeschüttet und das physiologische Karussell beginnt sich erneut mit höherer Geschwindigkeit zu drehen. Wenn man in der Enthaltsamkeit also erfolgreich seine möchte, dann muss man über eine sehr starke Willenskraft verfügen. Da die meisten Menschen diese Willenskraft aber nicht besitzen, enden die meisten Versuche, Enthaltsamkeit zu praktizieren darin, dass die Menschen die Enthaltsamkeit irgendwann aufgeben und in die alte Gewohnheit der sexuellen Abhängigkeit zurückfallen.

Hat man dagegen die Kraft, der sexuellen Bedrängnis zu widerstehen, so klingt sie im Laufe der Monate oder Jahre allmählich immer stärker ab, bis sie eines Tages vollkommen verschwunden ist. Wurde man in den Jahren zuvor sehr stark von der Sexualität bedrängt, dann empfindet man diesen Zustand als eine große Erleichterung, als eine Befreiung. Gleichzeitig findet eine Zunahme an Lebensfreude, geistiger und spiritueller Energie statt, da die sexuelle Energie nun nicht mehr zur sexuellen Befriedigung vergeudet wird. Ausserdem kann sie nun genutzt werden, um weitere intellektuelle, künstlerische, gesundheitliche,  spirituelle und andere Fortschritte zu erzielen. Ende Anmerkung.

Wir sollten erkennen, dass die Sexualität uns persönliches Glück und Erfüllung schenken kann. Aber genauso wie bei Alkohol und Nikotin, stellt sich schon bald die Gewohnheit ein, dass man davon nicht genug bekommen kann. Man könnte, nach einer Nacht der ungezügelten Leidenschaft, glauben, dass die sexuelle Begierde befriedigt ist. Aber schon nach einigen Stunden kommt sie stärker und fordernder zurück als zuvor, so als ob es die erste Befriedigung gar nicht gegeben hätte. Jeder Geschlechtsverkehr verursacht den Wunsch, mehr davon zu haben. Es gibt keine Möglichkeit, diese Begierde jemals zu befriedigen. In unserer Gesellschaft sind Sex und Liebe fast gleichbedeutend geworden. Dies war nicht in allen Gesellschaften so. Zur antiken, mittelalterlichen oder platonischen Zeit (griechische Kultur), wurde Liebe als ein Ideal betrachtet. Aber heute glaubt man, dass man, wenn man jemanden liebt, auch Sex mit ihm haben müsse. Aber Sex hat nichts mit Liebe zu tun. Tatsächlich ist es so, dass du um so weniger Sex mit jemanden haben möchtest, je mehr du ihn liebst, denn Sex dient im Allgemeinen nur dazu, die egoistischen Wünsche zu befriedigen.

Nur wenige Menschen, die sich in der modernen Bedeutung der Liebe, „verliebt“ haben, haben wirklich ein ehrliches Interesse an der Liebe. Tatsächlich ist es so, dass der Sex, sobald er in die Beziehung einzieht, mehr negative als positive Gefühle in die Beziehung einbringt. Dort wo es Sex gibt, gibt es auch Zorn, Habsucht, Wollust, Eifersucht, Macht und Abhängigkeit. Sex nimmt, anstatt sich positiv in die Beziehung einzubringen, da es die individuellen Wünsche zurückstellt, um die Wünsche des Partners zu befriedigen oder das, was der Partner als Glück empfindet. Verheiratete Männer, oder die, die in einer langfristigen unehelichen Partnerschaft leben, wissen, wie oft sie ihre Partnerin um Sex bitten, ja geradezu darum betteln müssen. Sie wenden moralische und emotionale Erpressung, körperliche Kraft, Drohungen und Bestrafungen an, um die Partnerin zum Sex zu überreden. Sogar in unserer angeblich so sexuell befreiten Zeit, wissen Frauen, dass sie Kopfschmerzen vortäuschen, sich müde oder schlafend stellen müssen, damit ihre Ehemänner, für die sie nicht mehr das geringste empfinden, sie nicht weiter mit dem Wunsch nach Sex belästigen.

Denkt der Mann oder Partner, der sich Sex wünscht, wirklich mit aller Liebe und Aufmerksamkeit an seine Partnerin, wenn er sie beleidigt und bedroht, um Sex von ihr zu fordern? Wo bleibt das Glück, wenn zwei Partner in Konflikt mit ihrem Sexleben sind? Ich glaube nicht daran, dass wir als Menschen natürliche sexuelle Wünsche haben. Was wir haben, ist der Wunsch nach Intimität zu einer anderen Person, um mit ihm Freud und Leid zu teilen. Bei einigen Menschen gibt es auch den Wunsch, den Partner zu beherrschen, und den Körper des anderen, für die eigene sexuelle Befriedigung zu benutzen. Es gibt eine sexuelle Abhängigkeit, die sich langsam zur Gewohnheit entwickelt und schliesslich unersättlich wird. Bei einigen gibt es den Wunsch, den anderen vollkommen zu besitzen, seinen Körper und seine Seele in seiner Macht zu haben. Manche Frauen gewinnen Macht über Männer, indem sie sich aufreizend und sexy gegenüber ihren Männern verhalten. Manche Männer hingegen üben Macht und Kontrolle über ihre Frauen aus, indem sie sie zum Sex zwingen. Sie bezeichnen sie als frigide, werfen ihnen vor, sie hätten keine Libido und vergewaltigen sie.

Ich glaube nicht, dass der sexuelle Wunsch, wie allgemein behauptet, angeboren ist, sondern dass wir uns aus emotionalen Gründen entschieden haben, unsere Wünsche, Erwartungen und Enttäuschungen auf den sexuellen Bereich zu verlagern. Was die Autoren der Erotikliteratur nicht bedenken ist, dass das Erwecken erotischer Gefühle keine gute Sache ist. Sie schreiben Seiten über Seite, häufig mit ausführlichen Bildern und Diagrammen, erzählen uns, wie die Leidenschaft geweckt werden kann, ohne zu bedenken, dass die sexuelle Erregung sexuelles Verlangen erzeugt. Das sexuelle Verlangen, das sich bei der Erwartung von Sex aufbaut, kann zum Teil durch die sexuelle Befriedigung wieder abgebaut werden. Wie bei jeder Sucht, steigt der Appetit, wenn sie gefüttert wird. Keine Beziehung zwischen zwei Menschen ist auf die Dauer durch die Sexualität garantiert. Im Laufe der Zeit, ermüdet meist ein Partner vom anderen, findet sie oder ihn, weniger begehrenswert und begibt sich auf die Suche, nach aufregenderen Eroberungen. In sich besitzt der Sex nicht die Kraft, die Paare zusammenzuschweissen oder sie auseinander zu bringen. Es ist lediglich die Interpretation des Verstandes über den Sex und seinen Stellenwert, der von Bedeutung ist.

Weit davon entfernt, natürlich oder gesund zu sein, ist Sex ein Zustand hoher körperlicher und emotionaler Erregung, der viele Körperfunktionen beeinflusst, die ihm normalerweise schaden. Ist der Körper in erhöhter Erregung, wird das Immunsystem geschwächt und der Widerstand gegen Krankheiten vermindert. Dadurch kann der Sex Formen der Geistesstörungen, wie Selbstsucht, Egoismus und Einbildung hervorbringen. Wenn jemand das Zölibat aus freier Wahl trifft und nicht, weil er keinen Partner findet, stellt sich automatisch eine ruhigere und zufriedenere Lebensweise ein. Der Körper bevorzugt in der Tat ein zölibatäres Leben, gegenüber einem sexuell aktiven Leben, mit seiner ununterbrochenen hormonellen Turbulenz und Fluktuation. Der Körper wurde für eine ruhige und ausgeglichene Lebensweise geschaffen und nicht dazu, um ununterbrochen sexuell erregt zu sein.

Sexbücher verkünden im Allgemeinen, dass die sexuelle Aktivität den Menschen eine zusätzliche Energie verleiht. Wie jeder, der mit dem zweiten Gesetz der Thermodynamik vertraut ist, ist nichts weiter von der Wahrheit entfernt, als diese Behauptung. Dieses Gesetz, das besagt, dass Energie weder erzeugt noch vernichtet werden kann, sondern nur umgewandelt, wird genauso wie die Schwerkraft, als universales Gesetz betrachtet. Wenn wir Energie für eine Tätigkeit verbrauchen, dann steht uns diese Energie nicht mehr für einen anderen Zweck zur Verfügung. Die intelligenteste Vorgehensweise ist es, die Energie nicht zu vergeuden, damit wir sie für wirklich erstrebenswerte Ziele zur Verfügung haben. Diejenigen, die ihre sexuelle Energie in sexuellen Gedanken und Handlungen verschwenden, riskieren, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden dadurch zu schwächen. Die Sexualität, die sich nicht ihrem eigentlichen Zweck, der Zeugung des Nachwuchses, zuwendet, ist eine unproduktive Zeit- und Energieverschwendung. Sie fügt dem menschlichen Glück nichts hinzu, sondern  vermindert das Glück.



3. Zölibat und Tradition - Ein kurzer Rückblick     Top

In fast jedem Zeitalter genoß das Zölibat, als ein erhabenes Ideal gegenüber der Ehe, hohes Ansehen. Wenn der Sex als tierische Leidenschaft beschrieben wird, dann bedeutet dies nicht, dass wir so häufig Sex haben, wie die Tiere, da diese nicht so oft Sex haben. Vielmehr bedeutet es, dass wir anstatt unseren Intellekt zu entwickeln, unsere Sinne befriedigen. Dadurch nehmen wir uns selbst die Möglichkeit, etwas über uns selbst oder die Welt zu erfahren. Sinnliches Vergnügen stumpft den Geist ab, anstatt ihn zu schärfen. Die Menschen des Altertums wussten, je mehr Zeit wir uns für das Studium, die Kontemplation, das Lesen und Lernen nehmen, desto weniger Zeit und Energie haben wir für den Sex.

Heutzutage wird die Idee, dass die Menschen besser und kreativer werden, wenn sie sich von der Sinneslust befreien, belächelt und verspottet. Man wird beschuldigt, unrealistisch zu sein und den Kopf in den Wolken zu tragen. Einer der Gründe dafür, dass dies so ist, da bin ich mir ziemlich sicher, sind die religiösen Ratgeber, Priester, Vikare, Rabbiner, die uns kein gutes Beispiel geben, wie man leben sollte. Die Vikare der Kirche von England haben Geliebte, werden geschieden, verfolgen Chorknaben und führen ein Leben, das weit entfernt vom Zölibat ist. Viele katholische Priester haben ihr Amt verlassen, um zu heiraten oder eine Beziehung mit einer Frau einzugehen, in die sie sich verliebt haben. Wenn die angeblich religiösen Menschen das Zölibat nicht einmal einhalten, besteht dann eine reale Chanche, dass wir es ebenfalls versuchen?

Wenn das Zölibat heutzutage als eine wertvolle Idee angesehen werden soll, muss sie von der Religion getrennt werden. Ich bevorzuge es, das Zölibat unter dem Gesichtspunkt der Selbstverwirklichung, als einen individuellen Weg zu betrachten, um persönliche Macht, nicht Macht über andere Menschen, sondern Macht über sich selbst, zu gewinnen, sich als jemand zu beweisen, der "Herr über seine Leidenschaften" ist, wie eine alte Hymne (Kirchenlied) es beschreibt. Wenn das Zölibat aus den rechten Gründen praktiziert wird, dann überträgt es persönliche Kraft, Anmut, Autonomie und Unabhängigkeit. Wenn es lediglich als eine Übung zur Entsagung und Selbstbeherrschung und als ein Zurückziehen von der menschlichen Gesellschaft angesehen wird, dann kann das ein negativer Zustand sein. Wenn man versucht, die fleischliche Lust zu überwinden, dabei aber Fehler macht, dann sollte man sich nicht selber verachten und als schlecht betrachten. Auch sollte man sich nicht von anderen Menschen vom eigenen Vorhaben abbringen lassen. In den Beschreibungen der Qualen, die die frühen christlichen Heiligen ertragen haben, als sie versuchten, die körperlichen Leidenschaften zu überwinden, finden wir viele Antworten.



4. Zölibat und Gesundheit     Top

Es gibt zunehmend wissenschaftliche Beweise, die zeigen, dass die Enthaltsamkeit einem eine strahlende und dauerhafte Gesundheit verleihen kann. Studien mit Nonnen und Mönchen, der einzigen Gruppe (neben den Yogis und Priestern), die ein lebenslanges Zölibat einhalten, haben gezeigt, dass diese Menschen weit gesünder sind, als die Menschen, die regelmäßig Sex haben. Menschen, die das Zölibat praktizieren, werden häufig gefragt, ob sie den Sex nicht vermissen oder ob sie masturbieren, wenn das Drängen zu stark wird. Wenn sie wahrheitsgemäß antworten, dass sie keinerlei sexuelle Wünsche haben, wird ihnen oft nicht geglaubt.

Es sind neue wissenschaftliche Beweise, hinsichtlich der Wirkung der Sexualhormone auf den Körper, erbracht worden. Sie liefern eine Erklärung, warum der Sex eine Gefahr für die Gesundheit ist. Wenn das sympathische Nervensystem, dass für den Erregungszustand des Körpers verantwortlich ist, vom Gehirn die Meldung bekommt, aktiv zu werden, werden Hormone wie das Adrenalin in größeren Mengen ausgeschüttet. Sobald Adrenalin in den Körper fliesst, ist es schwierig, nicht zu handeln. Der ganze Körper ist darauf vorbereitet, sexuell aktiv zu werden. Die Erwartung einer sexuellen Handlung, kann die Erregung noch weiter steigern. Ist die sexuelle Handlung vollzogen und ein Orgasmus geschehen, findet eine Rückmeldung an das Gehirn statt, die dem Gehirn mitteilt, dass die Handlung vollzogen und die Aufgabe erfüllt ist. Der Verstand interpretiert den Orgasmus als angenehme Erleichterung und die sexuelle Erregung klingt wieder ab. So weit, so gut.

Dies geschieht, wenn der sexuelle Wunsch erfüllt ist. Sobald das parasympatische Nervensystem ins Spiel kommt, beginnt der Körper sich wieder zu entspannen. Aber nach einiger Zeit werden die Sexualhormone erneut aktiv und erzeugen erneut ein Gefühl der sexuellen Lust. Um so mehr Sex man hat, um so häufiger und stärker erzeugen die Sexualhormone das sexuelle Verlangen. Nach einiger Zeit befindet der Körper sich in einem permanent erregten Zustand, obwohl er niemals das Gefühl hat, jemals wirklich befriedigt worden zu sein. Das Problem ist, dass es keinen Weg gibt, die sexuelle Begierde zu befriedigen. Ärzte empfehlen den Personen, die von sexuellen Begierden bedrängt werden, für die sie kein Ventil haben, sich durch Masturbation von der Spannung zu befreien. Dies führt aber nur zu einer kurzfristigen Erleichterung, da es die sexuelle Spannung lebendig erhält. Es ist ein klein wenig so, als ob man den Süßstoff Saccharin nimmt, wenn man versucht, auf Zucker zu verzichten, oder als man den Opiatersatz Methadon nimmt, um die Heroinabhängigkeit zu besiegen. Alles, was man macht ist, weiterhin die Zucker- oder Drogenabhängigkeit weiter am Leben zu erhalten.

Es gibt keine Möglichkeit jemals sexuelle Erfüllung zu finden, da die Sexualhormone, die durch die sexuelle Aktivität ausgeschüttet werden, immer wieder das sexuelle Begehren erwecken. Aber, und das ist der wirklich aufreibende, frustrierende und gesundheitszerstörende Aspekt der Sexualität, es stellt sich niemals Erfüllung ein. Lässt man einmal die Frage der Schwangerschaft beiseite, dann ist die Sexualität eigentlich eine unproduktive Angelegenheit. Nichts geschieht, sobald man Sex hatte. Der Wunsch nach Sex, der durch die Sexualität selbst erzeugt wird, lässt vorübergehend durch den Sex nach und erweckt anschließend den verstärkten Wunsch nach noch mehr Sex. Es ist wie ein Pendel, dass stets von einer Seite auf die andere schwingt. Niemals erreicht man Frieden oder Freiheit vom Sex. Der Sex macht dich niemals glücklicher, stärker, intelligenter oder warmherziger. Wenn es so wäre, dann wären alle Menschen glücklich, stark, intelligent und warmherzig, alle könnten diese Eigenschaften durch Sex erreichen. Weil aber genau das Gegenteil der Fall ist, hat die Sexualität solche negativen Konsequenzen für die Gesundheit.

Während die sexuelle Begierde immer stärker wird, nehmen die Abwehrkräfte des Körpers immer weiter ab und die Fähigkeit, allen Arten von Krankheiten zu begegnen, wird vermindert. Weil der Sex eine im höchsten Maße anregende biochemische Aktivität ist, bringt er auch sehr starke Gefühle an die Oberfläche. Die meisten von ihnen sind negativ und können deshalb zu Gesundheitsproblemen führen. Jeder, der erkennt, dass Sex eine bedeutende Rolle in seinem Leben spielt, sollte auch erkennen, dass Eifersucht, Habgier, Zorn, Sinneslust und Hass, die Folgen eines ausschweifenden Sexuallebens sind. Alle diese Gefühle sind der Beginn ernsthafter Erkrankungen. Angst, Verletzungen, Eifersucht und Hass sind uns sehr vertraut. Wir haben diese Gefühle als normal betrachtet, aber sie haben etwas mit unserer Sexualität zu tun. Der Körper begrüßt diese Gefühle keinesfalls, sondern er sehnt sich nach Liebe, Zufriedenheit, inneren Frieden und nach dem Wunsch zu geben, anstatt zu nehmen.

Es scheint, soweit wir es bis jetzt vom Gebärmutterhalskrebs wissen, dass der Hauptverursacher des Gebärmutterhalskrebses, der männliche Penis ist. Die Ursache des Gebärmutterhalskrebses kann ein Virus sein, der beim Geschlechtsverkehr übertragen wird. Er kann aber auch in den Samenzellen des Mannes enthalten sein. Niemand weiß es wirklich genau, obwohl  neuere Untersuchungen davon ausgehen, dass es die Samenzellen sind, die den krebsauslösenden Virus übertragen. Der Virus besteht aus Protein und wird vom weiblichen Körper als Fremdkörper betrachtet. Die Tatsache, dass der weibliche Körper nicht jederzeit das Sperma annimmt, führt zu einer krebsartigen Veränderung in den unreifen Zellen des Gebärmutterhalses. Es ist bekannt, dass diejenigen, die ein zölibatäres Leben führen, zum Beispiel Nonnen, niemals einen Gebärmutterhalskrebs erleiden, während Prostituierte und Frauen mit häufigem Partnerwechsel ein großes Risiko eingehen. Um so häufiger eine Frau Sex hat und um so häufiger sie ihren Partner wechselt, um so größer ist die Gefahr, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.

Das andere große Gesundheitsproblem für Frauen, das mit der Häufigkeit der Sexualität im Zusammenhang steht, ist Blasenentzündung. Diese unbehagliche und unheilbare, gelegentlich ernsthafte Blasenbeschwerde, ist eine der am häufigsten mit der Sexualität im Zusammenhang stehenden Störungen. Sie entstehen während der Flitterwochen oder zu anderen Zeiten des intensiven Sexualkontakts, wenn die Sexualorgane wenig Zeit haben, sich zu erholen. Die Blasenentzündung wird meistens durch ein Bakterium verursacht, das als Escherichia coli, abgekürzt E. coli bekannt ist. Es scheint, dass das Bakterium während des Geschlechtsverkehrs in die Vagina gelangt, wo es zur Infektion kommt, die große Schmerzen verursachen kann. Das Leiden kann auch durch Quetschungen während des Geschlechtsverkehrs entstehen. Die empfängnisverhütende Pille, das am meisten erforschte Medikament der Geschichte, ist für viele Gesundheitsprobleme, einschliesslich einer verminderten Fruchtbarkeit, Depressionen, Allergien, Thrombosen (Blutgerinsel in einer Ader), Brustkrebs, Mineralstörungen, Migräne und Schlaganfälle verantwortlich, um einige zu nennen.

Die Pille ist eine der wenigen starken Medikamente, die von Frauen eingenommen wird, die nicht krank sind. Anstatt etwas Ungesundes zu heilen, verhütet es die normale weibliche Empfängnis, so dass eine Befruchtung nicht stattfinden kann. Die einzige Funktion der Pille besteht darin, den Menschen Sex zu ermöglichen, ohne das Risiko einer Schwangerschaft eingehen zu müssen. Wir wissen jedoch heute, dass wir dafür einen hohen Preis zahlen. Aber die orale Empfängnisverhütung (Pille) ist nicht die einzige Empfängnisverhütung, die die Gesundheit negativ beeinflussen kann. Auch die Spirale (IntraUterinPessar = IUP), die von einigen Frauen bevorzugt wird, da sie im Allgemeinen die Hormonbilanz nicht beeinflusst, kann viele Gesundheitsprobleme verursachen. Viele Frauen empfinden das Einsetzen der Spirale als sehr schmerzhaft. Ausserdem kommt es immer wieder zu starken Blutungen. Hormonspritzen, die alle drei Monate wiederholt werden müssen, unterdrücken, wie die Pille, den Eisprung, sie verändern die Schleimhaut der Gebärmutter, so dass sie jedes befruchtetet Ei zurückweist. Außerdem können diese Hormonspritzen unregelmäßige Blutungen verursachen.

Die drei häufigsten modernen Empfängnisverhütungsmittel für Frauen wurden unter der Annahme entwickelt, daß eine unerwünschte Schwangerschaft der einzige Nachteil des Geschlechtsverkehrs ist. Nun aber wissen wir, dass diese künstlichen chemischen Präparate, viele nachteilige Reaktionen zeigen, die langfristige Konsequenzen haben können. Es scheint, dass die Biochemie des Körpers, die konstante Versorgung mit künstlichen Hormonen keinesfalls begrüßt, da sie das Gleichgewicht, das durch die Natur vorgegeben ist, stört, noch mag der Körper einen Kupferdraht (Spirale) in der Gebärmutter. Die meisten modernen Empfängnisverhütungsmittel sind für Frauen entwickelt worden, um ihnen zu ermöglichen, sich vom "Fluch der Jahrhunderte" zu befreien und ihnen zu erlauben, Sex zu haben, ohne Kinder zu zeugen. Es ist fraglich, ob der weibliche Körper geschaffen wurde, um die kontinuierlichen Angriffe des häufigen Geschlechtsverkehr zu bewältigen oder für die Zeugung des Nachwuchses. Der alarmierende Anstieg des Gebärmutterhalskrebses und der Blasenentzündungen sollte uns eine Warnung sein. Behandlungen dieser Erkrankungen beinhalten niemals die Empfehlung, auf den Sex zu verzichten. In der Tat sind die heutigen Medikamente so entwickelt, dass es möglich ist, weiter Sex zu haben.

Männer entgehen nicht den gesundheitlichen Folgen uneingeschränkter Sexualität. Obwohl ihr Körper nicht in gleicher Weise leidet wie der weibliche Körper, zahlen sie ebenfalls einen hohen Preis. Herpes, Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten, wie die unspezifische Harnröhrenentzündung, von der hauptsächlich Männer betroffen sind, nehmen stark zu. Sogar die männliche Sterilisation, diese "einfache, kleine Operation", wie sie genannt wird, bei der die Samenleiter durchtrennt werden, kann sehr nachteilige gesundheitliche Folgen haben. Der einzige Grund, warum die Sterilisation durchgeführt wird, liegt darin, dass der Mann ohne Furcht vor einer Schwangerschaft, weiter Sex haben kann. Es gibt einige neuere Berichte, die zeigen, dass die Sterelisation vorzeitiges Altern verursachen und zur Entwicklung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose) beitragen kann.

Eine verhältnismäßig neue Entdeckung ist, dass Männer, die häufig Sex haben, einen Zink-Mangel aufweisen, dass als ein wichtiges Spurenelement angesehen wird. Zink wird besonders für die Bildung aktiver Spermien benötigt. Es wird geschätzt, dass bei einem Samenerguss etwa 1 Milligramm Zink verloren geht. Dies ist ein erheblicher Anteil, die der Mann mit der täglichen Nahrung zu sich nimmt. Die andere Seite ist, dass Zink wichtig für das Gehirn ist. Geht das Zink durch den Penis verloren, so ist es in gleicher Menge für das Gehirn verloren. Durch die Blume gesagt, kann der Zinkverlust den Mann weniger intelligent machen. Zweifellos sollten die, die ihre körperliche oder geistige Stärke vor einem wichtigen Ereignis, wie eine sportliche Herausforderung bewahren wollen, auf Sex verzichten. Von den Weisen der Antike ist bekannt, dass sie enthaltsam lebten. Und von den Athleten ist bekannt, dass sie zwei Wochen vor einem großen Wettkampf auf Sex verzichteten.

Männern, die nicht imstande sind, ein angemessenes Verhältnis zu ihrer Sexualität zu entwicklen, wird oft geraten, zu masturbieren. Moderne medizinische Bücher gießen Hohn auf die alte Idee, die heute als Erzählung alter Frauen angesehen wird, dass die Masturbation blind machen kann. Aber unser heutiges Wissen darüber, wie Zink im Körper arbeitet, erklärt uns, dass diese Idee kein Unsinn ist. Abgesehen von seiner Funktion beim Wachstum, bei der Reife und der Leistungsfähigkeit der Sexualorgane, sind für die Sehkraft große Mengen Zink erforderlich. In der Tat ist die Lichtscheu oder Überempfindlichkeit zum Licht, eine weithin bekannte Nebenwirkung des Zinkmangels. Daher können häufiger Sex und häufige Masturbation, beide vergeuden den Zinkvorrat, das Sehvermögen eines Mannes schwächen. Dies gilt ebenso für seine allgemeine Gesundheit und seine intellektuelle Leistungsfähigkeit. Zink wird ebenso für das korrekte Arbeiten des Immunsystems benötigt. Zink, das also durch Sex verloren geht, kann den Widerstand gegen alle möglichen Infektionen schwächen.

Jetzt kommen wir zu den sexuell übertragbaren Krankheiten. Gonorrhöe (Tripper) und Syphylis können komplett geheilt werden. Sie werden deshalb nicht mehr als so gefährlich angesehen, wie zu früheren Zeiten. Aber andere Geschlechtskrankheiten haben ihren Platz eingenommen. Die häufigste Geschlechtskrankheit unter den Männern ist die unspezifische Harnröhrenentzündung, die auch unter dem Namen unspezifische Urethritis bekannt ist. Sie macht sich durch einen unangenehmen eitrigen Ausfluss aus der Harnröhre und durch Schmerzen im Genitalbereich bemerkbar. Genitaler Herpes, der besonders in den früher Achtzigern des letzten Jahrhunderts zum Problem wurde, wird durch einen Virus ausgelöst, der schmerzlich brennende Bläschen im Genitalbereich verursacht. Männer und Frauen können sich mit diesem Virus, der  im Moment unbehandelbar und unheilbar ist, anstecken.

Hepatitis B, eine Viruserkrankung, die sehr ernste Formen annehmen kann, kann ebenfalls durch den Geschlechtsverkehr übertragen werden. Diese Lebererkrankung wird dadurch erschwert, dass es keine Möglichkeit gibt, den Überträger zu entdecken. Mit etwa 350 Millionen chronisch infizierter Menschen ist die Hepatitis B weltweit die häufigste Virusinfektion. Neben der Hepatitis C ist Hepatitis B die wichtigste Ursache für chronische Lebererkrankungen mit der möglichen Folge einer Leberzirrhose oder eines Leberzellkarzinoms. Alle diese Geschlechtskrankheiten sind zwar sehr problematisch für die Leidenden, sie sind aber bedeutungslos durch das Aufkommen von Aids. Aids (Aids = Acquired immune deficiency syndrome = erworbenes Immundefektsyndrom) ist eine entsetzliche sexuelle Plage der achtziger Jahre, die sich mittlerweile zur weltweiten Epedemie ausgebreitet hat. Das schlimme am Aids ist, dass fast alle, die dieser Krankheit erliegen, ein chaotisches Leben führten.

Sex mit häufigem Partnerwechsel und ein allgemein ungesunder Lebenswandel, mit Rauchen, Trinken und ungesundem Essen sind häufig anzutreffen. Die, die höchst gesund und wohlauf sind und nicht so häufig Sex haben, werden nicht so schnell unter Aids zu leiden haben, selbst wenn sie Träger des Virus sind. Es scheint, dass der Sex den Körper gegen die Krankheit schwächt. Die Patienten, die sich mit Aids ansteckten, litten zuvor häufig mehrmals unter Gonorrhöe (Tripper) und waren fast ohne Ausnahme vom Herpesvirus infiziert. 96 Prozent der Aids-Patienten litten zuvor unter Hepatitis B und etwa 90 Prozent unter Syphylis.

Unter dem Gesichtspunkt der Gesundheit wird dadurch deutlich, dass ein zölibatäres Leben weit gesünder ist, als Sex mit häufig wechselndem Partner. Die Tatsache, dass häufiger Sex so viele Krankheiten verursachen oder verschlimmern kann, muss die Frage aufwerfen, inwieweit Sex als "natürlich" betrachtet werden kann. Offensichtlich kann es nicht natürlich sein, krank zu sein und unter solch einem großen Stress zu leiden, noch erfreut es den Körper, in ununterbrochener sexueller Erregung zu sein, wilde hormonelle Schwankungen zu erfahren oder mit künstlichen empfängnisverhütenden Chemikalien versorgt zu werden. Und nicht zuletzt, heisst sexuell aktiv zu sein, dass der Körper sich selten in einem ruhigen und ausgeglichenem Zustand befindet. Denn der ruhige, friedvolle Zustand, das wissen wir jetzt, ist langfristig für die Gesundheit am förderlichsten.



5. Junge Leute und das Zölibat     Top

Ich glaube, dass eine nicht-sexuelle Periode, zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein, Jungen und Mädchen hilft, selbstständiger und selbstbewusster zu werden. Abgesehen von den Geschlechtskrankheiten, die im vorigen Kapitel besprochen wurden, besteht für junge Frauen, die heranwachsen, die Gefahr, zu früh schwanger zu werden, wenn sie zu früh Sex haben. Viele der heute angeblich erwachsenen jungen Leute, sind in ihrem Herzen Jugendliche geblieben, schüchterne, ängstliche und abhängige junge Menschen, die es niemals gelernt haben, selbständig zu sein. Für viele junge Menschen ist der Sex ein Äquivalent für das Umarmen eines Teddybären oder einer Bettdecke, die Schutz und Geborgenheit bietet. Der Unterschied ist, dass beim Sex, das Leben, die Gefühle und das Wohlergehen eines anderen Menschen unausweichlich daran beteiligt sind. Was ich am meisten in den Sexhandbüchern ablehne, ist, dass Liebe und Sex untrennbar miteinander verbunden sind, und das du, wenn du eine Person liebst, unbedingt Sex mit ihr haben musst. Tatsächlich könnte die Gegenseite argumentieren: wenn du wirklich einen Menschen liebst, dann möchtest du keinen Sex mit ihm haben, da die Beziehung auf emotionaler und nicht auf körperlicher Übereinstimmung besteht.

Die heutigen Sexbücher verbreiten ausserdem die vollständig falsche Vorstellung, Sex mit dem Geliebten, sei eine religiöse Erfahrung, glückselig, ekstatisch und transzendental. Nur wenige Menschen finden diese Vorstellung im wahren Leben, meistens nur in den ersten gemeinsamen Liebesnächten wenn die Beziehung noch neu ist. Sex ist nicht besser oder schlechter, weil du in die andere Person verliebt bist oder glaubst in sie verliebt zu sein. Es ist ein körperlicher Akt, neutral in sich selbst, und wir geben ihm die Bedeutung, die wir zu einer bestimmten Zeit wählen. Wir Menschen haben über die Jahrhunderte glorifizierende Phantasien über den Sex entwickelt und ihm eine mystische Bedeutung gegeben. Da dies so ist, sind wir extrem enttäuscht, wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt werden und tadeln die beteiligte Person, dass sie nicht attraktiv oder anregend genug ist. Sehr viele junge Männer sind von ihrer Freundin enttäuscht, wenn sie zusammen Sex haben. Sie beschuldigen sie, frigid oder unsinnlich zu sein, weil sie sich vollkommen passiv verhält. Wenn man zusammen Sex hat, dann ist das gewöhnlich der Beginn des Verletzens der Gefühle des anderen und sehr häufig führt das zum Ende der Freundschaft.

Sex kann für sehr junge Leute eine etwas anspruchsvollere Form des Nervenkitzels sein, den sie einige Jahre zuvor auf dem Jahrmarkt erfuhren oder wenn sie auf einen Baum kletterten. Der Unterschied ist, dass das kindliche Vergnügen allein genossen wurde, während dies beim Sex, abgesehen von der Ersatzbefriedigung durch Masturbation, nicht möglich ist. Während der Sex immer einen anderen Menschen einschliesst, schliesst es häufig auch Drohungen, Bestechungen, Schmeicheleien, Betteleien, Einschüchterungen und andere negative und würdelose Überzeugungstechniken mit ein. Das Zölibat für junge Menschen galt in früheren Zeiten als Norm. Heute aber erscheint es ausgesprochen unattraktiv und unerwünscht. Das Zölibat wird als Gefühlskälte, Egoismus oder überbewertende Jungfräulichkeit angesehen. Dennoch glaube ich, dass es der einzige Weg ist, erwachsen, unabhängig und reif zu werden. Aber es soll hervorgehoben werden, dass das Zölibat nur dann als sinnvoll angesehen werden kann, wenn es freiwillig gewählt wurde.

Junge Männer sehnen sich ständig nach Sex und fühlen sich schrecklich unglücklich, wenn sie keinen Sex haben. Aber in Wirklichkeit ist ihre reale oder vorgestellte Erfüllung in dieser Hinsicht, eine fortwährende Quelle der Angst. Viele junge Männer machen sich Sorgen, ob ihre Genitalien die richtige Größe oder Form besitzen, ob der Penis in der Lage ist, die Errektion lange genug aufrecht zu erhalten. Gehen sie schliesslich mit einer Frau ins Bett, dann ist das Vergnügen meist schon nach einer halben Minute beendet. Das ist der Grund, warum manche Frauen sie wegen ihrer mangelnden Liebesfähigkeit auslachen und verhöhnen.

Viele junge Männer, besonders die, die zu unreif für eine echte Beziehung sind, würden es lieben, wenn sich die jungen Frauen, wie eine aufblasbare Puppe benehmen würden, immer bereitwillig, immer lächelnd und nie irgendwelche Einwände erhebend. Schaut man sich die Jugendlichen an, so erscheinen mir die am glücklichsten, die enthaltsam leben. Bei denjenigen, die sexuelle Kontakte haben, stellt sich schon bald Unzufriedenheit, sexuelle Abhängigkeit, Klammern an den Partner, Misstrauen und Eifersucht auf den anderen, ein. Man "erstickt" sich gegenseitig und schränkt die Freiheiten des Partners ein. Das Zölibat dagegen öffnet die Möglichkeit, sich von der sexuellen Sklaverei zu befreien.



6. Zölibat und Intimität     Top

Mein eigenes Gefühl ist, je mehr Sex man hat, desto weniger ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Intimität sich entwickeln kann. Sex hindert dich oft daran, den anderen Menschen richtig kennen zu lernen. Die Sexualität hat den Effekt, dass man selbst in einem kindlichen und abhängigen Zustand bleibt und ständig nach Sexualpartnern sucht, die das eigene Begehren erfüllen.Wir fühlen uns tief enttäuscht, betrogen und frustriert, wenn dieser Wunsch verweigert wird. Wirkliche Intimität tritt ein, wenn Menschen sich höchst behaglich in der Gesellschaft anderer Menschen fühlen, frei von Verlegenheit, ohne das Gefühl, sich beherrschen zu müssen. Unter solchen Umständen können die intimsten Gedanken, Gefühle, Hoffnungen und Wünsche, im Wissen, dass die andere Person uns versteht und das Vertrauen nicht gebrochen oder verraten wird, besprochen werden. Diese emotionale Vertrautheit, die kostbar und lebensbereichernd ist, wird sich normalerweise nicht durch die Sexualität einstellen.



7. Zölibat und Ernährung     Top

Sehr viele Jahre lang hat man angenommen, Nahrung sei nur Treibstoff für den Körper, und solange eine ausreichende Zufuhr von Proteinen, Kohlehydraten und Fetten stattfinde, sei es relativ gleichgültig, was man esse. Das wichtigste war, eine ausgewogene Mischung der Nährstoffe zu sich zu nehmen. Heute wissen wir es besser. Der Beitrag der Forschung, der in den letzten Jahren hinsichtlich der Ernährung und ihrer Beziehung zur Gesundheit durchgeführt wurde, hat erbracht, dass die Nahrung, die wir aufnehmen, in direktem Bezug zum Verhalten als auch zur körperlichen Kondition steht. Wir wissen beispielsweise, dass sich der Gesundheitszustand hyperaktive Kinder oft beträchtlich verbessert, wenn ihnen eine natürliche Nahrung verabreicht wird, die frei von künstlichen Aromastoffen und Farbstoffen ist.

Es scheint ebenso wahrscheinlich, dass es gewisse Zusammenhänge zwischen kriminellem Verhalten und der Art der Nahrung gibt, die gegessen wird. Die Hauptarbeit auf diesem Forschungsgebiet wurde von dem amerikanischen Wissenschaftler Prof. Dr. Alexander Schauss durchgeführt, der herausfand, dass ein hoher Anteil an Menschen, die schwere Verbrechen begangen hatten, sich hauptsächlich in Schnellimbissen ernährten. Diese Schnellimbiss-Lebensmittel, so schloss er, haben das Verhalten sehr wahrscheinlich negativ beeinflusst. Schauss entdeckte, dass Zucker der schlimmste Faktor war und das sehr viele Kriminelle geradezu süchtig nach raffiniertem, weißen Zucker waren, den wir, durch die Raffination, aller lebenswichtigen Mineralien und Spurenelemente beraubt, zu uns nehmen. Ein chronischer Mangel dieser Mineralien und Spurenelemente, kann zu Reizbarkeit, Depression und Feindseligkeiten gegen andere führen.

Potentielle Verbrecher, sagt Schauss, sind Menschen, die leicht wütend werden, unangemessen empfindlich auf Kritik reagieren, leicht reizbar, feindselig und aggressiv werden. Zucker und andere stark bearbeitete Nahrungsmittel können ihre Verhaltensprobleme verschlimmern, indem sie schwankende Blutzuckerspiegel verursachen, die in Abständen zu gewaltigen Stimmungsschwankungen führen, Phasen der Übererregbarkeit, gefolgt von Depressionen.

In Großbritannien forschte der Arzt John Lester, nach dem Zusammenhang von Ernährung und Verhalten und ist zu der Überzeugung gelangt, dass wertlose Nährstoffe im Essen schwere Verhaltensprobleme verursachen können. In einem Interview, das ich kürzlich mit ihm führte, sagte er mir: "Zuerst gab es einen enormen Widerstand gegen meine Ideen, aber jetzt begreifen die Leute langsam. Anfangs war es sehr schwierig, irgendjemanden davon zu überzeugen, dass schlechte Ernährung den Organismus in Unordnung bringen könnte, aber die Menschen sind von den Beweisen eines Besseren belehrt worden." In den drei Jahren, die Dr. Lester damit verbrachte, am Basingstoke Hospital mit Kindern zu arbeiten, die schwer verhaltensgestört waren, hat er entdeckt: "Ihr Zustand verbessert sich erheblich mit wertvoller Ernährung. Ich bin heute überzeugt, dass geistige Anomalien durch die Aufnahme falscher Ernährung ausgelöst werden können. Wir sind nun zu einem Punkt gelangt, an dem wir schlechte Gesundheit, gepaart mit Reizbarkeit und Anspannung, tatsächlich für normal halten."

Obwohl großer Widerstand gegen die Vorstellung herrschte, dass Ernährung das Verhalten negativ beeinflussen kann, hat ein Zentrum für junge Straffällige in England sich entschlossen, die Idee aufzugreifen. Siebzig Jungen im Dyson Hall Assessment Center in Fazackerly, Merseyside, nahmen an einem 20.000 Pfund-Experiment teil, um herauszufinden, ob sie weniger aggressiv und weniger antisozial aufgrund einer Befolgung einer gesunden Vollwertkost-Diät würden. Es scheint jetzt beinahe sicher, dass Essgewohnheiten entweder ein positiver oder ein negativer Faktor in vielen Erkrankungen sein können, eingeschlossen Krebs, Herzerkrankungen, Arthritis, prämenstruelle Anspannung, Magersucht, Schizophrenie und viele Arten von Depresionen.

Mehr und mehr Beweise häufen sich, die darauf hinweisen, dass einige Nahrungsmittel hoch erregend auf die Sinne wirken können, wohingegen andere einen beruhigenden Effekt haben. Menschen, die unter schweren Erkrankungen leiden, werden heute in den Behandlungszentren dahingehend beraten, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die leicht und aufbauend sind und die dem Körper helfen, seine Gesundheit wiederzuerlangen. Unter diesen Nahrungsmitteln sind frisches Obst und Gemüse, sowie Weizenkeime. Nahrungsmittel von denen ernsthaft kranken Patienten abgeraten wird, enthalten stimulierende Stoffe, wie Tee, Kaffe und Alkohol, sowie rohes Fleisch (Steak), selbst in geringen Mengen.

Studien über Männer und Frauen, die sich vegetarisch ernähren, zeigen, dass diese weit weniger gewissen Formen des Krebs erliegen und ebenfalls bis zu einem gewissen Grad vor Bluthochdruck, Schlaganfällen und Herzbeschwerden geschützt sind. Der Grund dafür liegt darin, dass vegetarische Nahrung weniger erregend auf die Sinne wirkt als eine fleischreiche Ernährung und daher weit weniger Druck auf den Organismus ausübt. Fleisch und alle reichhaltigen Nahrungsmittel (Fisch, Geflügel, Eier, Weißmehlprdukte wie Kuchen, Weissbrot oder Weissmehlnudeln) können schwer verdaulich sein, was bedeutet, dass viele der Verdauungsorgane noch schwerer zu arbeiten haben.

Befindet sich ein Mensch in einem hochgradigem Erregungszustand, wodurch diese Erregung auch immer ausgelöst worden ist, steigt die Anfälligkeit für alle Arten von Erkrankungen, ob schwer oder leicht. Eine erhöhte Erregung hat den Effekt, das Immunsystem zu schwächen und es weit weniger effektiv im Kampf gegen Krankheiten. Aber was hat das mit Sex und Enthaltsamkeit zu tun? Sex ist, wie wir gesehen haben, in sich eine höchst erregende Tätigkeit, die die Menge von Adrenalin und Sexualhormonen, die im Organismus zirkulieren, steigen lassen. Seitdem der Sex so eine zentrale Rolle in unserem Leben spielt, haben sich viele Menschen Sorgen gemacht, wenn sie nicht erregt waren, und haben vielleicht versucht, bestimmte Substanzen (Aphrodisiaka) zu essen oder zu trinken, um die Erregung und das sexuelle Interesse zu steigern. Was wir jedoch oft nicht bedacht haben, ist, dass diese gesteigerte Erregung bestimmte Erkrankungen auslösen kann, indem sie die natürliche Widerstandskraft des Körpers schwächen. Zusätzliche Erregung kann den Menschen ebenso angespannt und ängstlich machen. Wir interpretieren dieses Gefühl vielleicht als sexuelle Erregung oder als sexuelle Frustration, aber es ist sicher, dass der Körper diesen zusätzlichen Stress nicht begrüßt.

Unzählige Bücher und Artikel sind bezüglich der Aprodisiaka, die die Libido anregen sollen, geschrieben worden, die uns sagen, wie wir uns sexier fühlen sollen. Sie sagen uns, wie wir durch aphrodisierende Speisen und Getränke die Sexualität anregen können. Austern und andere Meerestiere, rohes Steak und Champagner werden als aphrodisierend betrachtet. Manche Menschen nehmen sogar bewusstseinsverändernde Drogen, wie Kokain, um das sexuelle Empfinden zu steigern.

Einige Bücher sind allerdings auch über anti-aphrodisierende Lebensmittel geschrieben worden. Sie beschäftigen sich damit, wie wir gelassener, weniger sexuell erregt, werden und Frieden in uns selber finden. Ausserdem sind die Anti-Aphrodisiakas, die man verzehren sollte, gut für den Körper und den Geist. Menschen sind nicht geschaffen, um sexuell anregende Substanzen zu konsumieren. Die Körpersäfte und Organe sind nicht in der Lage, sie richtig zu verdauen. Aphrodisiakas sind Reizmittel und sie haben den Effekt, starke Gefühle zu erzeugen, die sich je nach der jeweiligen Situation als Leidenschaft, Aufregung, Feindseligkeit oder Wut bemerkbar machen können.

In den letzten Jahren hat sich ein großer Teil der Forschung mit den Auswirkungen der Ernährung auf das Verhalten und den allgemeinen Gesundheitszustand beschäftigt. Dadurch ist man zu der Annahme gekommen, dass dies eine völlig neuartige Wissenschaft sei und das wir deshalb neue Entdeckungen zu erwarten haben. In Wirklichkeit ist die Idee, dass Nahrung sowohl körperliche als auch psychische Sinne beeinflusst, schon sehr alt. Von frühester Zeit an, war es eine bekannte Tatsache, dass gewisse Lebensmittel der Einhaltung der Keuschheit, der Zufridenheit und inneren Ruhe, dienlich sind, während andere Lebens- und Genussmittel die Menschen zu Gewalttätigkeit, antisozialem Verhalten oder zumindest zur Reizbarkeit treiben können.

Entsprechend der alten östlichen Überlieferung gibt es drei verschiedene Kategorien von Nahrungsmitteln. Es gibt sattvische (reine) Nahrungsmittel, rajasische Nahrungsmittel, Nahrungsmittel, die die Aktivität und die Leidenschaften anregen und tamasische Nahrungsmittel, Nahrungsmittel, die die Unwissenheit, Trägheit und Depression fördern. Alle Nahrungsmittel, die wir essen, liegen in der einen oder anderen dieser Qualitäten vor, und alle haben einen direkten Einfluss auf den Verstand und die körperliche Gesundheit.

Eine sattvische (reine) Ernährung hilft uns, Selbsterkenntnis, Frieden und Verständnis zu entwickeln. Sie ernährt den Körper und sorgt für Frieden und Harmonie des Verstandes. Sattvische Nahrungsmittel schließen Getreide, Vollkornbrot, frisches Obst und Gemüse, ungesüßte Fruchtsäfte, Milch, Butter, (vegetarischen) Käse, Nüsse, Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Sojabohnen, Erdnüsse, Lupinen, Ginster, Klee, Wicken), angekeimtes Getreide, Honig und Kräutertees mit ein. Diese Nahrungsmittel sorgen für die Harmonie des Körpers und für einen reinen und ruhigen Verstand. Sie ermöglichen den Körper, sein Potential maximal zu nutzen.

Die zweite Kategorie, die rajasischen Nahrungsmittel, enthält Nahrungsmittel, die traditionell als aphrodisisch (sexuell anregend) betrachtet werden: sehr heiße, bittere, saure, trockene, salzige oder stark gewürzte Nahrungsmittel. Sie beinhalten scharfe Gewürze, starke appetitanregende Genussmittel, wie schwarzen Tee, Kaffee, Alkohol, Eier, Salz* und Schokolade. Rajasische Nahrungsmittel zerstören das Gleichgewicht von Körper und Geist. Sie überreizen den Körper und regen die Leidenschaft an. Obwohl wir in der modernen Zeit, stark gewürzte Nahrungsmittel als aufregend, als eine Geschmackssensation, empfinden, machen sie in Wirklichkeit den Verstand ruhelos und unkontrollierbar.

*Es sollte allerdings darauf hingewiesen werden, dass Vegetarier weniger Salz benötigen, da sie weder Fleisch, Fisch, Geflügel noch Eier essen. Nicht-Vegetarier sollten allerdings nicht auf Salz, am besten unraffiniertes Meersalz oder noch besser unraffiniertes Kristallsalz (Kristallsalz = Steinsalz, z.B. Himalaya Kristallsalz), verzichten, da Salz für unseren Stoffwechsel sehr wichtig ist.

Die dritte Art der Nahrungsmittel, die tamasischen Nahrungsmittel, die die Unwissenheit, Trägheit und Depression fördern, sind die ungesündesten und in vieler Hinsicht schädlich. Sie stumpfen die Sinne ab und hemmen das scharfe und kritische Denken. Nachdem man tamasische Lebensmittel gegessen hat, setzt ein Gefühl der Trägheit und des Unwohlseins ein. Dies liegt daran, dass die tamasischen Lebensmittel den Widerstand gegen alle möglichen Krankheiten vermindern. Tamasische Nahrungsmittel können den Verstand mit dunklen, negativen Gefühlen, wie Zorn, Habgier, Sinneslust und Eifersucht trüben. Zu den tamasischen Nahrungsmitteln zählen: Rind- und Schweinefleisch, Zwiebeln, Knoblauch, Wein, Tabak, gegorene Nahrungsmittel, wie Essig, alle abgestandenen und überreifen Nahrungsmittel, zweimal gekochtes Essen, sowie alle berauschenden Getränke und Drogen. Tamasische Ernährung kann zu Esssucht verleiten und damit zur Korpulenz führen.

Eine sattvische (reine) Ernährung ist vegetarisch und verzichtet auf Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, stark gewürztes Gemüse, auf Zwiebeln und Knoblauch. Noch vor einigen Jahren wurde solch eine Ernährung als verschroben angesehen. Aber wir haben gelernt, dass eine vegetarische Ernährung sehr zu empfehlen ist, da sie für geistiges und körperliches Wohlbefinden sorgt.

Lange Zeit war die Auffassung weit verbreitet, dass Fleisch die Leidenschaften wecke, während eine vegetarische Ernährung sie dämpfe. Aus diesem Grunde wurden Vegetarier in der Vergangenheit als ziemlich blutarm, oder als nicht erfolgreich und zielstrebig angesehen. Im Gegensatz dazu wurde Fleischessen mit positivem Denken, Tatendrang, guter Durchblutung und Energie assoziiert. Heute jedoch unterstützt die Wissenschaft die Vegetarier mit Beweisen, dass die Leidenschaften, die durch das Fleischessen geweckt werden, in Wirklichkeit schädlich sind, sowohl für den Fleischessenden, als auch für die Menschen in seiner Umgebung. Ein Grund, warum Fleisch die Menschen zornig und gewalttätig machen kann, liegt darin, dass ein Tier kurz vor seiner Schlachtung, genau weiß, dass es sterben wird und in seiner Panik Unmengen von Adrenalin produziert. Diese Hormone verbleiben im Kadaver und können einen negativen Effekt auf den Menschen ausüben, der das Fleisch isst. Rotes Fleisch ist in dieser Hinsicht noch weit schädlicher als weißes, da ein Großteil des unerwünschten Adrenalins in den Blutbahnen enthalten ist. Wenn wir rotes Fleisch essen, nehmen wir damit auch eine große Menge tierischen Blutes auf.

Darüber hinaus machen die Methoden der industriellen Tierhaltung, es für die stark überzüchteten Tiere notwendig, ihnen hohe Dosen von Antibiotika, Wachstumshormonen und anderen Chemikalien zu verabreichen, um sicherzustellen, dass sie nicht allzu krankheitsanfällig unter ihren künstlichen Lebensbedingungen werden. Essen wir Fleisch aus industrieller Tierhaltung, so essen wir gleichzeitig auch diese Antibiotika mit, die unsere eigene Widerstandskraft gegen Infektionen schwächen können. Man könnte behaupten, das Essen von rotem Fleisch mache die Menschen sexy. Man könnte aber auch sagen, Fleisch macht Menschen gewalttätiger, erregbarer und reizbarer, alles Empfindungen, die normalerweise mit dem Eigenschaftwort sexy in Verbindung gebracht werden.

Jeder, der ernsthaft willens ist, die positiven Auswirkungen der sexuellen Enthaltsamkeit zu genießen, und es vorzieht, die störenden, spannungserzeugenden Erlebnisse zu vermeiden, die mit erhöhter Erregung jeder Art in Verbindung gebracht werden, sollte in Betracht ziehen, von einer fleischlichen zu einer fleischlosen Ernährung umzusteigen und zur gleichen Zeit so viele künstliche, stark bearbeitete Nahrungsmittel, vor allem raffinierten Zucker, als möglich zu vermeiden. Das ist nicht mehr nur die Ansicht der Vegetarier, sondern dies gilt allgemein. Es wäre auch ratsam, den Konsum von Zigaretten, Alkohol, Kaffee, schwarzem Tee und allen anderen Drogen abzusetzen oder einzuschränken, wenn möglich auch die Einnahme von Medikamenten. Dies alles sind Substanzen, die die Sinne erregen und Spannung im Körper erzeugen. Die meisten Menschen entdecken zu ihrer Freude, dass sie beim Wechsel von einer fleischlichen zu einer vegetarischen Ernährung nicht mehr so sehr von negativen Gefühlen gequält werden. Gleichzeitig werden sie weniger gierig und weniger abhängig von falschen Nahrungsmitteln, und ihre Empfindsamkeit und Empfänglichkeit wird gesteigert. Als Vegetarier ist man feinfühliger für Gerüche und Geschmack von Essen und Getränken. Man wird von der Nahrung nicht mehr so angeregt, dafür aber angenehm befriedigt.

Stellt man sich auf eine vegetarische Ernährungsweise ein, dann wird sie zunehmend ins tägliche Leben integriert. Man wird schon bald feststellen, dass der Grad der Energie steigt und das Depressionen, Gefühle des Unglücklichseins und grundlose Ängste und Befürchtungen allmählich abklingen. Hand in Hand damit werden auch sexuelle Frustrationen und Erregungen abnehmen. Die meisten Menschen, die mit einer vegetarischen Ernährung begonnen haben, stellen fest, dass ihr Verlangen nach Steaks, Whisky und Zigarren abnimmt. Es ist nicht so, dass man eine bewusste Anstrengung unternimmt, um diese Substanzen zu meiden, sondern dass der Wunsch, sie dem Organismus zuzuführen, schwindet. Man fühlt sich ohne sie einfach besser. Klärt sich erst einmal der Geist und wird lebhafter, sensitiver und intelligenter, so ist auch weniger der Wunsch vorhanden, ihn wieder mit Gedanken an Sex zu trüben, die plötzlich unrein und selbstsüchtig erscheinen.

Mahatma Gandhi, der sich mit 36 Jahren zu einer lebenslangen Enthaltsamkeit entschloss, sah ein, dass gewisse Arten von Speisen überrerregend wirken. Er sagte, dass zumindest für einen Mann, sexuelle Enthaltsamkeit nicht möglich sei, wenn der Enthaltsame nicht eine strikte fleischlose Ernährung einhielte. Er behauptete auch, dass ein großer Teil der Nahrungsaufnahme nichts mit dem Stillen des Hungers zu tun habe, sondern vielmehr mit einer Befriedigung des Gaumens. Zucker, Salz und Fleisch zum Beispiel, haben den zusätzlichen Nachteil, abhängig zu machen. Zucker und Salz lassen Mahlzeiten schmackhafter werden, was bedeutet, noch weiter große Mengen zu essen, lange nachdem der Hunger gestillt ist. Gier nach Essen, das wußte Gandhi, führt leicht zur Gier nach Sex. Beide erschöpfen am Ende die Energie. Es sei allerdings angemerkt, dass man nicht vollkommen auf Salz verzichten sollte, denn Salz ist ein wichtiger Lieferant von Mineralien und Spurenelementen und es fördert die Produktion der Magensäure. Auf raffinierten Zucker und Fleisch sollte man dagegen vollkommen verzichten.

Viele Männer meinen, die Aufnahme von gewürzter Nahrung mache sie erregt und könne ohne jede andere Art der Reizung eine Errektion herstellen. Der enthaltsam lebende Brahmachari sollte auch auf Knoblauch und Zwiebeln verzichten, da sie Substanzen enthalten, die die Sinne anregen. In Ländern, wo überaus große Mengen von Knoblauch gegessen werden, wie in Lateinamerika und Spanien, neigen die Menschen zu hoher Erregbarkeit und gesteigerter Leidenschaft, zu Übellaunigkeit und Überanspannung. Die Veden, die heiligen Schriften der Hindus, sagen, dass Zwiebeln und Knoblauch einen stimulierenden Effekt auf die männlichen Geschlechtsorgane haben. Gleichzeitig gehen aber mit dem steigenden sexuellen Interesse, Ruhelosigkeit, Wut und Angst einher. Obwohl es durchaus wissenschaftliche Beweise gibt, die sagen, dass Knoblauch gegen Herzerkrankungen schützen kann, indem es hilft, aufgestaute Fette abzubauen, ist diese schützende Wirkung nur bei Menschen anwendbar, die zuviel Fett mit ihrer Ernährung aufnehmen. Es schützt die Menschen nicht, die bereits eine fettarme, ballaststoffreiche Nahrung zu sich nehmen.

Sexuelle Enthaltsamkeit ist leichter durchzuhalten, wenn man eine vegetarische Vollwertkost befolgt. Der hauptsächliche Nutzen liegt darin, dass sie die Menschen weniger anfällig für Gefühle der Frustration und Anspannung macht, die Begleiterscheinungen einer fleischlichen Ernährung sein können. Einige Leute fürchten, wenn sie Vegetarier werden und Alkohol, Zigaretten und Sex aufgeben, gibt es nichts mehr, was das Leben noch aufregend und lebenswert macht. In Wirklichkeit ist das nicht so. Das Leben als Vegetarier ist genau so interessant, vielleicht sogar noch interessanter, da die Sinne wacher und geschärfter sind. Der beste Aspekt aber ist, dass es plötzlich ein Bewusstsein gibt, selber tätig zu sein, anstatt von Leidenschaften und negativen Empfindungen getrieben zu werden. Allein schon dies fördert das Selbstvertrauen, erhöht die Intelligenz und macht Freundschaften dauerhafter und bedeutungsvoller. Menschen, die sich vegetarisch ernähren, sind viel weniger aggressiv und konfliktträchtig. Eine vegetarische Ernährung macht es möglich, die sexuelle Abhängigkeit abzulegen und sich auf die Bereiche des Lebens zu konzentrieren, die vielleicht wertvoller und lohnender sind.



8. Sexuelle Enthaltsamkeit und berühmte Vorbilder     Top

Sehr oft entscheiden sich Menschen, aus religiösen Gründen, für ein sexuell enthaltsames Leben oder um es einem höheren Ideal zu weihen. Aber man muss nicht religiös sein, um aus freiem Willen ein zölibatäres Leben zu führen. Durch die Jahrhunderte hindurch hatten viele Menschen das Gefühl, dass für sie der körperliche Ausdruck von Liebe und Zuneigung mehr ein Hemmnis als eine Hilfe in ihrem Leben ist. Diese weltlichen Keuschen sind Menschen, die zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben entdeckten, dass sie diese intimen körperlichen Kontakte mit anderen Menschen nicht brauchen oder wollen und tatsächlich alles tun, um sie zu vermeiden. Manchmal beschliessen sie, allein zu bleiben, aber in vielen Fällen teilen sie ihr Leben auf platonische Weise mit einem Freund oder einer Freundin, in einigen Fällen sogar mit einem Ehepartner.

Ein sehr frühes Beispiel dafür findet man in der Beziehung zwischen dem französischen Philosophen Voltaire (1694 - 1778) und seiner "göttlichen Emilie", der Marquise von Chatelet, die selbst Mathematikerin und ein wissenschaftliches Genie war. Ihre höchst vertraute Beziehung, die oft nur daraus bestand, miteinander in den frühen Morgenstunden oder des Nachts allein zu sein, war eine Beziehung, in der körperliche Liebe kaum eine Rolle spielte. Das Fehlen von Sex in ihrer Partnerschaft bedeutete, dass Voltaire in der Lage war, Emilies Geist und Intellekt, der seinem gleichwertig war, zu erkennen und zu respektieren. Emilie und Voltaire hatten beide, zu verschiedenen Zeiten, Affairen mit anderen Menschen und Emilies letzte Liaison hatte ihren Tod im Kindbett zur Folge. Aber ihre beiderseitige Beziehung blieb immer die zentrale Beziehung in ihrem Leben. Emilie, das muss man zugeben, hatte nach den ersten Jahren ihrer Eheschlließung, auch noch eine nichtsexuelle Beziehung mit ihrem Ehemann, dem Marquis von Chatelet.

Eine der berühmtestten nichtsexuellen Ehen dieses Jahrhunderts war die zwischen dem britischen Verleger und Publizisten Loenard und der britischen Schriftstellerin und dem Idol der Frauenbewegung Virginia Woolf (1882 - 1941). Viele Biographen behaupten, dass Virginias Halbbruder George Duckworth Virginia in ihrer Kindheit missbraucht oder zumindest öfters unsittlich berührt habe und damit auch die Hauptschuld an Virginias Desinteresse an heterosexuellem Sex trage. Dennoch konnte und kann im Nachhinein nie ganz geklärt werden, ob George seine Halbschwester wirklich sexuell missbraucht hat, da sowohl in Virginias Tagebüchern, als auch in ihrer Korrespondenz unterschiedliche Versionen existieren, die verschiedene Begebenheiten beschreiben; so karikiert Virginia Georges aufdringliches Wesen, oder erinnert sich an für sie äußerst peinliche Berührungen, sagt einmal, er habe sie vergewaltigt, schwächt dies aber irgendwann auch wieder ab. Letztlich bleibt es unklar, inwieweit George wirklich für Virginias späteres Verhältnis zur Sexualität verantwortlich war.

Die Ehe zwischen Leonard und Virginia Woolf dauerte von 1912 bis 28. März 1941, als Virginia sich selbst im Fluss nahe ihres Hauses in Sussex ertränkte. Es sieht so aus, als wäre ihre Ehe anfangs durchaus sexuell gewesen, aber Virginia begann bald, den geschlechtlichen Verkehr zu verabscheuen. In ihrem Bericht über die gemeinsamen Ehejahre "A marriage of thrue minds", erwähnen George Spater und Ian Parsons, dass es auf Seiten Virginias eine starke Ablehnung des Sexualaktes gab. Die Autoren fügten hinzu, dass ihre sexuelle Beziehung einen weniger energischen Charakter als Leonard Woolf hatte. Obwohl die körperliche Beziehung schon wenige Monate nach der Eheschließung abgebrochen wurde, war ihr Zusammenleben sehr glücklich und befriedigend, und es gibt keinerlei Beweise dafür, dass Leonard andersweitig sexuelle Befriedigung gesucht hätte. Er lebte bis ins hohe Alter, bis über 80 Jahre, und war die meiste Zeit seines Lebens bei guter Gesundheit. Er war ein hervorragendes Beispiel für die Tatsache, dass Männer den Sex nicht brauchen, um überleben zu können, sogar wenn es nicht ihr eigener Entschluss ist, sexuell enthaltsam zu leben.

Die meisten Biographien und Kommentatoren von Virginias Leben und ihrer Arbeit nehmen an, dass irgendetwas nicht in Ordnung gewesen sein müsse, dass möglicherweise ein frühes traumatisches Erlebnis, nämlich als Virginia von ihrem Halbbruder George Duckworth sexuell belästigt wurde, sie für alle Zeit vom Sex abgeschreckt hätte. Aber natürlich wusste Virginia als Künstlerin, wenn auch nur intuitiv, dass ein Mangel an Interesse am Geschlechtsverkehr ihr mehr Energie für ihre schriftstellerische Arbeit, die das wichtigste im Leben für sie war, übriglassen würde. Das fehlende Interesse Virginias an der Sexualität, berührte keinesfalls das Glück in der Ehe. Ende der zwanziger Jahre war sie eine erfolgreiche und in zahlreichen Ländern bekannte Schriftstellerin. Trotzdem hatte sie nach dem Abschluss ihrer jeweiligen Bücher immer wieder Phasen tiefer Depressionen und Selbstzweifel. In ihren letzten Lebensjahren, die bereits vom aufziehenden 2. Weltkrieg überschattet waren, geriet sie erneut in eine tiefe Krise, gegen die sie lange ankämpfte. 1941, nach dem Höhepunkt des Bombenkrieges in England, nahm sie sich das Leben. Virginia hinterließ einen Abschiedsbrief für Leonard, in dem stand: "Ich glaube, zwei Menschen hätten nicht glücklicher sein können, als wir es waren."

Eine der bizarrsten Ehen überhaupt, war die zwischen dem irischen Dramatiker, Satiriker und Träger des Literaturnobelpreises (1925), der auch einer der Urheber des Gründungsprogrammes der britischen Labourpartei war, George Bernard Shaw und Charlotte Payn-Tonshend. Shaw betrachtete sich selbst als Feministen. Er beharrte darauf, dass seine und Charlottes Bankkonten getrennt geführt wurden und willigte auch freudig in die Klausel des Ehevertrages ein, die sexuelle Enthaltsamkeit festlegte. Ihre Ehe, die am 1. Juni 1898 geschlossen wurde, war dauerhaft und glücklich und beide blieben weiterhin eigenständige Individuen. Shaw war zeitlebens Vegetarier und ein eingefleischer Gegner der Vivisektion (Vivisektion = nichttherapeutischer Eingriff am lebenden Mensch oder Tier zur wissenschaftlichen Forschung oder zur Erprobung von Operationsmethoden). Er lehnte den Alkohol ab. Charlotte hingegen war dem Alkohol als auch dem Fleischverzehr zugetan. Sie besaß sogar diverse Pelzmäntel.

Shaws Ansichten über Sex sind interessant. Er hatte eine tiefverwurzelte Abneigung gegen den Geschlechtsakt und sagte dazu: "Die Natur hat in einem Anflug von Wirtschaftlichkeit eine reine Ausscheidungsfunktion mit einer lebenserschaffenden, ejakulatorischen, im gleichen Körperteil gepaart." Er war überzeugt, daß Lust, womit er hauptsächlich männliche Lust meinte, das Haupthindernis für die Emanzipation der Frau sei. Er sah keinen Grund, warum es in einer Ehe Sex geben sollte, abgesehen von dem, die menschliche Rasse weiterbestehen zu lassen. Seine Empfindung war es, daß die Befriedigung amoröser Gefühle, eine rein zufällige Funktion der Ehe sei, deren Hauptvorteil darin liege, dass Kinder in einer stabilen Umgebung aufgezogen werden können.

Viele kreative und außergewöhnliche Menschen haben sich der Enthaltsamkeit zugewandt, um ihr Lebenswerk fortführen zu können. Beatrice Webb (1858 - !943), eine englische Sozialistin und Sozialreformerin. Sie beendete ihr Sexualleben im Alter von 26 Jahren, um sich der Sozialforschung zu widmen. Ihre Überzeugung war es, dass freie Liebe zum Wahnsinn führen würde.

Eine weitere keusche Frau war die englische Krankenschwester und Pionierin der modernen Klankenpflege, Florence Nightingale, die Aufgrund ihrer Abstammung und ihres Ranges in der Gesellschaft für die Ehe mit einem reichen Mann und für ein untätiges Leben bestimmt war. Obgleich sie viele Verehrer hatte, war Florence überzeugt, für höhere Dinge als Ehe und fortwährende Untätigkeit bestimmt zu sein. Wie wir wissen, verschrieb sie sich den Fortschritten im Beruf der Krankenschwester. Wie Gerge Bernard Shaw, der im Alter von 94 Jahren starb, war auch Florence Nightingale eine scheinbar alterslose Persönlichkeit. Man kann natürlich nicht behaupten, dass sexuelle Enthaltsamkeit etwas mit ihrer Langlebigkeit zu tun hatte, aber so ganz ohne Zusammenhang war beides vielleicht doch nicht.

Ein anderer berühmter Enthaltsamer war der russische Romanschriftsteller Leo Tolstoi (1828 - 1910). Tolstoi, der einem alten russischen Adelsgeschlecht entstammte und somit zur aristokratischen Grundbesitzerklasse angehörte, gab später alle seine Besitztümer auf, um vegetarisch und sexuell enthaltsam zu leben.

Die Präsidentin der britischen Astronomischen Gesellschaft, Heather Couper, teilt ein Heim mit Nigel Henbest, einem Kollegen und Koautoren einiger ihrer Bücher. Sie leben bereits seit ihren Universitätszeiten zusammen. Aber die Beziehung, die dauerhaft ist, war immer schon platonisch. Heather Couper sagte: "Wir sind uns die besten Freunde, schlafen aber in getrennten Zimmern. Ich möchte keine Kinder und wollte nie welche. Ich liebe die Sterne und den Nachthimmel."

Sogar in der Welt der Rockmusik, in der wilder Sex oft als Norm betrachtet wird, gibt es Anhänger der sexuellen Enthaltsamkeit. Ein Rockstar, der sich öffentlich zugunsten der Enthaltsamkeit äußerte, ist der ehemalige Sänger Steven Morrissey, der überaus erfolgreichen Band "The Smith", der mittlerweile als Morressey eine ebenso erfolgreiche Solokariere angetreten hat. Wie in einem Interview in der "Mail on Sunday" zu lesen war, ist Morressey ein Asket, der nicht raucht, nicht trinkt, keine Drogen nimmt und kein Fleisch ißt. Er führt ein zurückgezogenes, enthaltsames Leben in einem reizenden kleinen Haus in Manchester. Morressey hat an sein großes Publikum junger Menschen appelliert, sich aller Arten sexueller Beziehung zu enthalten.

Ein weiterer Rockstar, der sich zugunsten der sexuellen Enthaltsamkeit ausgesprochen hat, ist Cliff Richard. Er wurde am 14. Oktober 1940 in Indien als Harry Rodger Webb geboren und ist demzufolge mittlerweile (2007) 67 Jahre alt. Er war nie verheiratet und sagte: "Ich habe keine besonders überwältigenden sexuellen Triebe oder Bedürfnisse. Wir sind alle Menschen, aber ich habe nicht das Gefühl, ich müsste mein Leben für sexuelle Freuden mit irgendjemandem teilen. Aber ist das nicht ein großer Segen für mich? Ich halte Sex für wichtig, aber sie ist keine Kraft, die mich auf irgendeine Art und Weise zerstören könnte. Ich habe sie völlig unter meiner Kontrolle."

Cliff Richard wurde, wie viele enthaltsame Menschen zum Vegetarier und nimmt nur eine Mahlzeit pro Tag zu sich. Es glaubt an einen asketischen, christlich orientierten Lebensstil, der ihn in die Lage versetzt hat, nahezu fünf Jahrzehnte an der Spitze der Rockmusik zu bleiben, während andere, die in den fünfziger Jahren Stars waren, sich längst verausgabt haben.  2001 brachte er die erste Ernte seines Weinguts in Portugal auf den Markt. Der Rotwein heißt Vida Nova und ist mittlerweile auch als Rosé erhältlich. Dieser Wein hat kürzlich die Bronze-Medaille beim "International Wine Challenge" in London bekommen - ausgewählt aus über 9.000 Weinen. Alle Weine wurden von Experten blind getestet. Nebenbei verkauft Cliff Richard sein eigenes Parfum namens "Devil Woman". Während der kalten Jahreszeit verweilt der Sänger gerne in seiner Villa auf der Insel Barbados (nördlich von Venezuela, Südamerika), die er schon dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair im Urlaub zur Verfügung stellte.

Wir kennen die Ansichten, der eben zitierten Menschen, entweder weil sie im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen oder weil sie über ihre sexuellen Neigungen gesprochen oder geschrieben haben. Aber man darf mit Recht annehmen, dass sexuelle Enthaltsamkeit nicht nur einer winzigen Minderheit, berühmter, talentierten und künstlerisch tätiger Menschen vorbehalten ist. Es scheint, als sei die Enthaltsamkeit weit weniger seltsam oder ungewöhnlich, als viele die meiste Zeit geglaubt haben. Die Menschen, die enthaltsam leben, haben nicht im geringsten den Eindruck, irgendetwas zu vermissen. Im Gegenteil, sie empfinden eine Bereicherung, und sie haben die Freiheit, Freundschaften zu kutivieren und zu genießen. Und wenn sie es so haben möchten, bleiben sie dabei unabhängig. Menschen wachsen dadurch, zu gewissen Zeiten alleine zu sein und sexuelle Enthaltsamkeit bietet die Möglichkeit für ein wirkliches Privatleben.

Alle diejenigen, die sich aus freien Stücken für sexuelle Enthaltsamkeit entschieden haben, sprechen nur von deren Vorzügen. In unserer Zeit allerdings, ist dies bei weitem der schwierigere Weg geworden. Die Mehrheit der Menschen im zwanzigsten Jahrhundert, ist zu der Überzeugung gelangt, dass, obwohl die Ehe viel Schmerzen mit sich bringen kann, die Enthaltsamkeit kein Vergnügen ist. Vielleicht ist es nun an der Zeit, diese Vorstellung noch einmal zu überdenken.