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Die Ojas-Kraft von Kirpal Singh Startseite

Param Sant Kirpal Singh (1894-1974) gilt als bedeutender indischer spiritueller Meister des Sant Mat. Sant Mat bedeutet "Weg der Sants (Heiligen)" oder "Pfad der Meister" und ist ein Synonym für den Surat-Shabd-Yoga (Licht-Ton-Yoga). Der Surat-Shabd-Yoga ist eine Meditationsform bei der sich der Praktizierende in seiner Meditation auf ein inneres Licht (Surat) und einen inneren Ton (Shab) konzentriert.

Dadurch erfährt er in der Meditation die Wahrnehmung verschiedener Klänge und Lichter. Zusätzliches Element ist das geistige Rezitieren spezieller, geheimer Mantras, welche Schutz vor negativen Einflüssen bieten und göttliche Energien auf sich lenken sollen. Er wurde unter anderen von den Gurus gelehrt, auf die sich auch der Sikhismus beruft. Die Sikh-Religion ist eine im 15. Jahrhundert entstandene indische Religion, die auf Guru Nanak zurückgeht.
„Ojas“ – die spirituelle Kraft, die die Frucht der Keuschheit ist. Der Meister beantwortete die Fragen seiner Schüler am Abend des 27. Januar 1971 in seinem Haus in Rajpur.
Frage: Gestern fand ich beim Lesen eine kurze Stelle über die Ojas-Kraft, aber es wurde nicht genauer gesagt, was sie ist.

Der Meister: Ojas ist die Kraft, die dabei hilft, euch ins Jenseits zu erheben; dies wird Ojas genannt. So werdet ihr verstehen, wie notwendig ein keusches Leben ist. Je mehr ihr von dieser Kraft in euch habt, desto gesünder seid ihr; selbst wenn sie über das hinausgeht, was der Körper braucht, wird sie euch helfen, ins Jenseits zu gelangen.

Seht, aus der festen und flüssigen Nahrung stellt der Körper ein milchähnliches Element her, den „Chylus“ (Milchsaft); dieser wird dann zu Blut; aus dem Blut bildet sich das Fleisch; aus dem Fleisch entstehen die Knochen und dann das Knochenmark. Aus dem Knochenmark entwickelt sich diese Kraft. Menschen, die nicht keusch sind, sondern sich der Unkeuschheit hingeben, haben keine Hoffnung auf Spiritualität. So ist Ojas die Kraft, die euch hilft, ins Jenseits zu gelangen. Darum ist Enthaltsamkeit Leben und Sexualität der Tod. Wir gebrauchen manchmal Worte, aber kennen nicht die grundlegende Bedeutung, die sie ausdrücken. Alles, was das Maß überschreitet, wird Verderben bringen, versteht ihr? Daher heißt es: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“; diese Kraft ist von Hilfe. Wer sich ihrer beraubt, hat eine schlechte Gesundheit, keine Denkkraft, ist zu keiner schweren Arbeit fähig und zu nichts imstande.

Jene, die nicht verheiratet sind, sollten strenge Enthaltsamkeit beachten. Die Verheirateten sollten sich nach den heiligen Schriften richten. Nach den Schriften bedeutet Heirat, eine Lebensgefährtin zu haben, die während eures irdischen Lebens Freud und Leid mit euch teilt; und beide sollten Gott finden. Sie sollten sich gegenseitig helfen. Eine der Pflichten mag sein, Kinder zu zeugen – eine! Nicht alle! Vielleicht haben wir geglaubt, daß es (die Ehe, der Sex) eine Vergnügungsmaschinerie ist. Das ist falsch.

Ich sage euch, Ojas ist nirgendwo genau erklärt. Von Ojas erhaltet ihr jene Kraft, die euch hilft, ins Jenseits zu gelangen. Wie könnt ihr meditieren, wenn ihr von dieser kostbaren Flüssigkeit keinen Überschuß habt? Jetzt werdet ihr verstehen, wie wichtig Keuschheit ist. Das Wort „Keuschheit“ wird für Leben gebraucht, und das Gegenteil davon ist der Tod, seht ihr? Diese Dinge werden uns bedauerlicherweise nicht erklärt; wir selbst wissen es nicht. Äußeres Gehabe und so tun als ob, ist nutzlos, sage ich euch. Deshalb habe ich diesen Punkt in die Tagebuchblätter aufgenommen, auch in Gedanken und Worten. (Es wird jedem Anhänger des Sant Mat empfohlen, täglich ein Tagebuch zu führen.) Selbst wenn ihr in Gedanken und Worten unkeusch seid, wird es euch beeinträchtigen.

Wenn ihr eine sehr einfache Diät und Keuschheit beachtet, werdet ihr aufblühen. Eure ganzen Stärkungsmittel, eure äußerliche Einweißdiät wird euch nicht helfen. So tun als ob und eine reichhaltige Diät bringt euch nichts ein. Es hat nur eine vorübergehende Wirkung. Ich denke, wenn ihr euch in Positur setzt und etwas vorspielt, macht das den Eindruck, als ob ihr in Ordnung seid, das ist alles.

Im Westen ist es bei den Mädchen üblich, daß sie sich ihren Ehemann selbst suchen, und auch die Männer suchen sich ihren Ehepartner selbst. Es war einmal ein hässliches Mädchen, daß niemand heiraten wollte. Sie war enttäuscht, verließ die Stadt und lebte an einem abgelegenen Ort. Wenn man enttäuscht ist, wendet man sich natürlich Gott zu. Sie verbrachte ihre Tage in liebevoller Erinnerung an Gott. Etwa nach einem Jahr kam jemand zu ihr und sagte: „Ich möchte dich heiraten.“ Was, wovon sprichst du? Ich bin die hässlichste Frau der Welt“ „Nein, nein, nein, du bist nicht hässlich.“ „Nein, nein, höre auf, mit mir zu spaßen!“ Sie betrachtete sich in einem Spiegel. Ihre Gesichtszüge hatten sich verändert. So sind Gedanken sehr mächtig, seht ihr? Reines Denken ist ein Segen. Wie ich euch sagte, ist die Ojas-Kraft das, was euch hilft, ins Jenseits zu gelangen.

Frage: Hängt auch die Denkfähigkeit von Ojas ab? Beruht auch die Keuschheit der Gedanken auf Ojas?

Der Meister: Ihr vergeudet eure Kraft beim Denken. Gedanken werden zu Worten und Taten. Dies beeinträchtigt jene nicht, die keinerlei Ahnung von Gott haben. Wenn ihr die Tagebücher mancher Initiierter anseht, entschuldigt bitte, sie sind voll von Verstößen gegen die Keuschheit. Sie nehmen es wie Nahrung. Das ist verkehrt. Ich muß ihnen sehr höflich die rechte Richtung weisen. „Achtet mehr darauf.“

Frage: Aber hilft Ojas auch, den Verstand zu entwickeln?

Der Meister: Keuschheit hilft bei allem. Wenn das Öl aus einer brennenden Lampe läuft, wie lange wird sie euch dann noch Licht geben? Dies ist das Fundament, auf dem das Gebäude errichtet wird; euer physischer Körper euer Verstand, einfach alles. Swami Ram Tirath war Direktor der Staatlichen Hochschule in Lahore. Er sagte, manchmal kommt es vor, daß die besten Studenten beim Examen versagen. Als man die Sache näher untersuchte, stellte man fest, daß die Studenten die Nacht zuvor Lebensflüßigkeit verloren hatten. Kabir sagt, wenn ein Hund das Maß in dieser Sache überschreitet, ist er einen Monat lang traurig.

Es beeinträchtigt ihn einen Monat. Was soll man von Männern sagen, die sich täglich dem Sex hingeben! Ich brauche über diese Dinge nicht so offen zu sprechen, aber dies schneidet die Lebenswurzel ab. Ich glaube, ihr werdet kaum jemand finden, der auch nur für einen Monat Keuschheit beachtet. Sie denken vielleicht, es sei ein Teil ihrer Nahrung; aber das ist falsch. So ist ein enthaltsames, normales Leben, wie es die Schriften vorschreiben, richtig. Darum sage ich, daß das Eheleben kein Hindernis für die Spiritualität ist, wenn man es gemäß den Schriften führt. Wenn ich etwas schreibe, denke ich mir etwas dabei, versteht ihr? Wir lesen es lediglich, das ist alles.

Ihr habt euer Übersichtsblatt, euren Bereicht der Selbstprüfung, bei euch, seht es euch an. Wenn die Gedanken in Ordnung sind, verliert ihr weniger. Angenommen, ihr verliert ein Gramm durch Gedanken, fünf Gramm durch Worte und ein halbes Pfund durch die Tat? Gedanken sind sehr mächtig, seht ihr? Ihr wollt noch in dieser Geburt nach Hause gehen; nun gut, tut es. Dann werdet ihr sicher gehen. Einerseits versucht ihr es, andererseits beraubt ihr euch dessen wieder, was soll das? Ihr könnt nicht meditieren. Wenn einige sagen: „Wir können nicht sitzen, unser Gemüt erlaubt es nicht“, ist alles dem Versagen zuzuschreiben.

In der großen Legende des „Ramayana“ (das Ramayana ist eine indische Heldensage) wollten Ramas Gegner ihn bekämpfen. Von dieser Seite stellte sich jemand zum Kampf, der zwölf Jahre strenge Enthaltsamkeit, ein keusches Leben, beachtet hatte. Aber von Ramas Seite wurde Laxman, der sein ganzes Leben keusch gewesen war, zum Kampf auserwählt. Ich habe die Lebensbeschreibung Napoleons gelesen. Wenn sein Name fiel, zitterte ganz Europa. Was geschah, als er in der Schlacht von Waterloo gefangen wurde? Es wurde berichtet, daß er wegen dieses Fehlers, den er in der Nacht zuvor begangen hatte, scheiterte.

In eines jeden Leben werdet ihr finden, daß dies ein Hindernis ist, das größte Hindernis bei dere Mehrzahl. Reden ist eine Sache, es zu leben eine andere. Indien wurde von Westen her, von Persien, drei oder vier mal angegriffen Prithvi Raj setzte sich gegen die Angreifer zur Wehr und schlug sie zurück. Aber schließlich wurde er gefangen genommen; es war aus demselben Grund. Am darauf folgenden Tag seid ihr nicht in guter Verfassung, versteht ihr?

Ich glaube nicht, daß euch diese Sache jemals so anschaulich dargelegt wurde. Wenn ihr diese Tatsachen beachtet, werdet ihr aufblühen, eure ganze Kraft wird sich vermehren.

Wenn ihr selbst kein Licht erhalten habt, wie könnt ihr dann verstehen, was das Licht ist? Es sich vorzustellen, hilft nichts. Und es wurden in der Welt Menschen von so vielen, vielen Meistern initiiert. Auch sie ermangeln der Keuschheit, und selbst jene, die an der Spitze stehen. Sie haben keine Kontrolle über diesen Verlust. Und ich habe in meinem Leben nie davon geträumt. Es ist von großem Wert, versteht ihr, wenn ihr einen Vorrat in euch habt.

Die Natur verschont keinen. „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ Dies sind sehr klare Worte. Wenn ihr die Kraft von Ojas nicht habt, wie könnt ihr da Gott schauen? Wie könnt ihr euch erheben? Sie ist dazu da, euch einen Auftrieb zu geben, damit ihr etwas erhaltet; dann müßt ihr es bewahren.

Lebt auf normale Weise, gebt euch nicht allem hin. Der Gott der Nahrung beschwerte sich bei Lord Vishnu: „Die Menschen essen mich zuviel.“ Er erwiderte darauf: „Die mehr essen, als sie wirklich brauchen, iß du sie auf!“ Was immer unverdaut bleibt, erzeugt Krankheiten. Durch zuviel essen seid ihr unfähig, irgend etwas zu verdauen. Jene, die sich allem zu sehr hingeben, sind schließlich unfähig, sich an irgend etwas zu erfreuen. Diese Dinge zehren sie auf. Darum ist, wie ihr wißt, die Selbstprüfung äußerst notwendig, um die wir uns wenig, sehr wenig kümmern. Verschont euch also nicht.

Frage: Wenn jemand zuviel ißt, beeinflußt das keusche Gedanken?

Der Meister: Wenn die Nahrung nicht verdaut ist, seid ihr nicht fähig zu meditieren. Ihr seid schläfrig. Solange es euer Magen verkraften kann, ist es gut, vielleicht für ein oder zwei Monate, ein Jahr oder so. Danach, wenn ihr euch weiterhin überesst, seid ihr nicht fähig, zu verdauen. Es bedeutet, daß Speise und Trank euch aufzehren. Wenn ihr nicht verdauen könnt, verliert ihr Kraft und Stärke. Wie entstehen Krankheiten? Welche Nahrung auch immer unverdaut bleibt, bringt Krankheiten hervor.

Drei Dinge töten einen Menschen: Hetze, Sorge und Nahrung, die nicht verdaut ist. Versteht ihr, wie wichtig das ist? Es ist sehr gut, daß Sie diese Frage über Ojas gestellt haben.

Frage: Ist Samenverlust während der Nacht genau genommen eine Sache der Gedanken, die wir tagsüber haben?

Der Meister: Sicherlich. Wenn ihr in die Augen anderer schaut, beeinflussen euch diese. Die Augen sind die Fenster der Seele. Schaut nicht in die Augen anderer, gleich welchen Geschlechts sie sind. Wenn ihr euch unter Kontrolle habt und ihr andere beeinflussen könnt, ist es etwas anderes.

Während der Zeit der Schülerschaft müssen wir sehr achtsam sein. Wenn ihr herangewachsen seid und einen Notanker habt, können euch andere nichts anhaben; ihr werdet anderen Leben geben. Manchmal sagen wir: „Nun, der Meister spricht zu jedem liebevoll.“ Er spricht liebevoll aus seiner Seele, nicht vom Körper aus, versteht ihr? Andere, die sehr liebevoll sprechen, sprechen von der Ebene des Körpers aus. Liebe, die im Körper entsteht und in ihm endet, ist keine Liebe. Die Liebe aber, die im Körper entsteht und in der Seele endet, das ist Liebe. Alle Liebe, die im Körper endet, wird Lust genannt. Was ist Lust? Lust ist Liebe, eine Liebe, die im Körper entsteht und im Körper endet. Indem ihr hier sitzt, erhaltet ihr durch die Ausstrahlung einen Auftrieb, um ins Jenseits zu gehen. Das ist Liebe. Deshalb wird diese Liebe Nächstenliebe genannt.

Frage: Wie streng sollten wir hinsichtlich unseres Umgangs mit anderen sein? Selbst mit Initiierten? Sollten wir keinen Unterschied machen?

Der Meister: Kommt zusammen, soweit es notwendig ist. Wenn ihr euch beim Satsang (Zusammensein mit Weisen) trefft, solltet ihr alle an niemand anderen als an Gott denken. Satsang ist nur dann Satsang, wenn kein anderer Gedanke, außer der an Gott, in eurem Gemüt aufkommt. Wenn ihr dort seid und auch auf gesellschaftlicher Ebene begegnet, euch küsst, ist das kein Satsang.

Es wurde mir berichtet, daß sie an einem Ort viel Aufhebens mit Kindern machten, sie umarmten und ähnliches. Ich habe ihnen Einhalt geboten. Nun, diese Art von Liebe beeinträchtigt euer Leben, versteht ihr? Wenn man zwei Gläser zusammen verpackt, werden sie gegeneinander schlagen und zerbrechen, ist es nicht so? Wir sind noch nicht Herr unseres Körpers, wißt ihr. Wir werden hin- und her gerissen. So müßt ihr während der Zeit der Schülerschaft sehr vorsichtig sein. Auch danach können die, welche sich selbst nicht völlig unter Kontrolle haben, ebenso fallen. Wir müssen sehr vorsichtig sein. Als ich das Tagebuch vorschrieb, hatte das wirklich etwas zu bedeuten.

Heute haben sich die Zeiten geändert. Niemand kann mehr für lange Zeit bei einem Meister bleiben. Es muß ihnen etwas gegeben werden. Was ihnen gegeben wird, sollte durch Selbstprüfung erhalten werden. Zur Zeit der Initiation wird Licht und Ton gegeben. Das bleibt so für einige Tage; wenn sich aber euer Leben verschlechtert, wird es weggehen.

Gott ist Leben, Liebe und Licht. Ihr bekommt Leben, Keuschheit ist Leben. Wir lesen diese Dinge nur und gehen ihnen nicht auf den Grund. Gott ist Leben, Liebe und Licht. Woher kommt Leben? Von Keuschheit! Diese Dinge werden nicht gepredigt, das ist das Bedauerliche. Sie sagen euch nur, geht und führt diese Tat aus und dann tut jenes. Wenn euer Leben wirklich rein ist, dann wird euch selbst ein einziger Gedanke helfen. Dankt Gott, durch all diese Dinge erhaltet ihr etwas; es ist die Gnade unseres Meisters. Aber wir müssen es bewahren. Ein normales Leben ist in Ordnung.

Frage: Jemand hat einmal über das Denken gesagt: „Ich denke, also bin ich“, aber das ist nicht wirklich wahr, denn selbst wenn ich nicht denke, bin ich. Ist das richtig?

Der Meister: Sie sind ein bewusstes Wesen, und das Denken kommt aus dem Bewußtsein. Wie kann jemand, der nicht bewußt ist, denken? Wenn ihr deshalb sagt: „Ich denke“, bedeutet dies, daß ihr bewußt seid. Wir gebrauchen gewöhnlich Worte und gehen ihrer Bedeutung nicht auf den Grund. Wir sind bewußte Wesen. Und dieses Bewußtsein wirkt mit Hilfe des Gehirns, durch den Verstand. Das Bewußtsein hilft euch zu denken. Deshalb wird gesagt: „Gott ist alle Intelligenz, alle Weisheit, alle Liebe und alles Leben.“

So wirkt Gott. Er ist alles Bewußtsein, und ihr seid ein Tropfen von diesem Meer aller Bewusstheit. Ihr habt dieselbe Kraft erhalten, das gleiche ist in euch: Leben, Licht und Liebe. Als Präsident der Weltgemeinschaft der Religionen hielt ich einmal eine Ansprache über diesen besonderen Punkt: Leben, Licht und Liebe. Die Menschen gebrauchen diese Worte, doch sie überlegen nicht, was sie tatsächlich bedeuten.

„Brahmacharya“ ist das Wort, das für Keuschheit gebraucht wird. Brahmacharya ist die Lebensweise, um Gott zu finden. Brahmacharya bedeutet Selbstprüfung und ist der Weg, der euch befähigt, Gott zu finden. Das andere Wort ist „Sadachar“, ethisches Leben. „Brahmacharya“; „Brahm“ heißt Gott, und „acharya“ bedeutet die Lebensweise. Das heißt nicht nur, den Samen in euch unter Kontrolle zu haben, sondern all eure nach außen gehenden Kräfte. Beherrscht eure Zunge, kontrolliert eure Gedanken, denkt von keinem anderen schlecht. Laßt euch nicht durch das beeinflussen, was ihr von anderen hört. Wenn andere sagen: „Ich habe den und den gesehen, wie er das und das getan hat“, glaubt es nicht.

Frage: Ist somit Keuschheit die wichtigste aller Tugenden?

Der Meister: Sie ist das Fundament des physischen Körpers. Der Körper sollte wie ein Gebäude sein, daß auf einem starken Fundament steht. Selbst die Gedanken beeinflussen schon das Kind im Mutterleib. Manche Kinder sind sehr lebhaft. Das ist auf ihre Eltern zurückzuführen. Während das Kind im Muterleib ist, müssen wir ganz keusch, ruhig und liebevoll sein; dies wird das Kind im Mutterleib beeinflussen. Es wird so geboren. Die Probleme mancher Kinder sind Auswirkungen der Vergangenheit, und einige sind Auswirkungen von Gedanken der Mutter. Das Thema ist sehr weitreichend, wie ihr seht.

Ich will euch noch etwas mehr sagen, das euch von Hilfe sein wird. Es besteht ein großer Unterschied zwischen Tieren und Menschen. Wenn ein Tier trächtig ist, wird es kein männliches Tier berühren. Jedoch die Menschen, wir sind das Höchste der ganzen Schöpfung, was tun wir? Es ist beschämend! Ist es nicht so? Ein Hinweis genügt; ich brauche nicht weiter darauf einzugehen. Wir beachten das nicht. Jedes Thema kann man gründlich erörtern, um die Wahrheit von Grund auf verständlich zu machen, wie ihr seht.

Frage: Ich bin sicher, daß außer mir viele Initiierte an der folgenden Frage interessiert sind: Wenn wir vor der Initiation unkeusch gelebt haben, wie lange dauert es, braucht es eine bestimmte Zeit, bis wir uns angepasst haben?

Der Meister: Wenn ihr Gift nehmt, schadet es euch. Doch nehmt kein Gift mehr. In Sünde zu fallen ist menschlich, doch darin zu verbleiben ist teuflisch. Eine Ehebrecherin wurde zu Christus gebracht. Er sagte, gut, was sagen eure Schriften? Sie schreiben vor, daß so jemand zu Tode gesteinigt werden sollte. Stellt sie dorthin und steinigt sie. Und wer wird sie steinigen? Wer sich im Innersten seines Herzens von dieser Schuld frei weiß. Niemand wagte es. Und er sagte: „Nun gut, gehe hin und sündige hinfort nicht mehr.“ Wenn jemand zur Zeit unseres Meisters Ehebruch beging, erhob er sich vor der ganzen Versammlung und sagte: „Meister, ich habe dies getan.“ Baba Sawan Singh erwiderte dann: „Nun, kann irgend jemand von euch die Last seiner Sünde tragen?“ Wer würde es wagen, das zu sagen? Dann sprach er: „Nun gut, tue es nicht mehr“, genau so. Wir sollten an irgendeinem Punkt damit aufhören. Das aufgenommene Gift kann nicht beseitigt werden. Doch wenn ihr aufhört, Gift zu essen, dann ist es in Ordnung. Somit gibt es für jeden Hoffnung.

Frage: Manchmal habe ich das Gefühl, daß ich die Verbindung mit meinen Wünschen verliere, weil ich alles gewohnheitsmäßig mache, und ich habe herausgefunden, daß es am besten ist, wenn ich jeden Augenblick zu denken versuche: „Was will ich?“ – ich meine – „Was will meine Seele?“ Auf diese Weise frage ich mich selbst, was ich will, und dann tue ich nichts, was mir schaden könnte, wenn ich es aber aus Gewohnheit tue …

Der Meister: Ich denke, daß meine Antwort sehr deutlich war und Sie sie nicht verstanden haben. Die Ansicht, die in Ihrer Überlegung zum Ausdruck kam, ist darauf zurückzuführen. Wenn ihr nicht nach dem leben könnt, was Er sagt, habt ihr keine Macht über euch. Ihr verliert dabei, ihr seid sehr leichtfertig damit. Diese Dinge sollten keinem ins Gesicht gesagt werden. Dies kommt durch die mangelhafte Führung des Tagebuches. Verschont euch nicht gleich einem strengen Zuchtmeister. Er, der in euch ist, verschont nicht einmal mich, sage ich euch. Gott segne euch. Dies bedeutet, daß man sehr wachsam bleiben muß. Wie ich bereits sagte, ein Mensch scheitert, wenn er keinen Auftrieb hat, keinen inneren Notanker.

Ich sage euch etwas sehr Wahres, denke ich, etwas sehr Grundlegendes, dem ihr wenig oder keine Aufmerksamkeit schenkt. Wir haben uns den sinnlichen Wünschen, den Sinnesfreuden, bereits auf die eine oder andere Weise hingegeben. Wie können wir uns darüber erheben, solange wir dort verhaftet sind? Wir sollten eine gewisse Disziplin haben. Wenn ein Arzt zu euch kommt, weil ihr Fieber habt, und er euch anweist, keine feste Nahrung zu euch zu nehmen, habt ihr danach zu leben. Dies ist der Pfad der Schülerschaft, erkläre ich euch. Ihr müßt sehr vorsichtig sein, wenn ihr aber für eine bestimmte Zeit auf genaue Weise danach lebt, wird es euch zur Gewohnheit. Und wenn ihr länger so lebt, wird es dadurch zum Bestandteil eures Wesens. Ihr werdet nicht fähig sein, anders zu handeln. Warum macht ihr also nicht den besten Gebrauch von dieser Gewohnheit des Gemüts?

Tut eine Sache heute, morgen, etwa einen Monat lang, was dann? Dann wird euer Gemüt natürlich in diese Richtung gehen. Macht euer Gemüt zum Freund, versteht ihr? „In Ordnung. laß uns das tun!“ Wenn sich eine Gewohnheit gebildet hat, dann seid ihr gerettet. Das Gemüt hat die Neigung, euch zur Welt zurückzubringen. Das ist alles. Solange unsere Gedanken, unser Denken, unser Bewußtsein an die nach außen gehenden Kräfte gebunden sind, können wir uns nicht erheben. Wenn wir einmal lernen, über sie hinaus zu gelangen, und diese höhere Neigung haben, diese Glückseligkeit jeden Tag erfahren, werden wir natürlich nicht zurückkehren wollen. Das wird durch die Gewohnheit kommen. :Wir haben dafür zu arbeiten. Es wird euch ein Auftrieb oder ein Anfangskapitel gegeben, das ist ein großes Zugeständnis. Aber bewahrt es.
Wenn man einmal mit Erleuchtung begabt wurde, muß man sie von Tag zu Tag weiter entwickeln, um das heilige Licht des Himmels nicht aus reiner Nachlässigkeit in dem gewaltigen Wirrsal der Welt zu verlieren.
Kirpal Singh: Die Ojaskraft

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