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Brahmacharya für Jungen und Mädchen Startseite

»Brahmacharya« ist ein Sanskritwort. Vom Wort »Brahmachari« (enthaltsam Lebender) wurde das Wort Brahmacharya (Enthaltsamkeit) abgeleitet. Ein Brahmachari führt ein Leben des Studiums in strenger Disziplin und Selbstkontrolle, wobei er immer die höchste Wahrheit (Brahman oder Gott) im Auge hat. Das Dharma (die Verhaltensregeln, die täglichen Pflichten und Vorschriften), das ein Brahmachari genau einhalten muß, wird Brahmacharya genannt. Ein Brahmachari hat alle Regeln des Yama und Niyama einzuhalten.

Yama umfaßt Nichtverletzen, Ehrlichkeit, Enthaltsamkeit (Brahmacharya), Nichtstehlen, keine Geschenke annehmen (nicht bestechlich sein). Niyama bedeutet Sauberkeit, Zufriedenheit, Genügsamkeit, Studium und Hingabe an Gott. Um die Höchste Erkenntnis zu erreichen (Nirvikalpa Samadhi oder den transzendentalen Zustand), muß man in den moralischen Verhaltensregeln von Yama und Niyama absolut sicher sein. Was das Fundament für ein Gebäude ist, das sind die Regeln von Yama und Niyama für die Religion. Ohne ihre strenge Beachtung kann niemand geistige Fortschritte machen. Um die Wahrheit zu erreichen und zum letzten Ziel zu gelangen, muß man vollkommen Herr seiner Sinne und seines Geistes sein. Ohne diese umfassende Vollkommenheit kann niemand das Ziel erreichen oder die wahre und letzte Weisheit gewinnen. Tatsächlich stehen alle Religionen der Welt auf dem Felsen von Yama und Niyama.

In einem sehr eingeschränkten Sinne versteht die Allgemeinheit unter Brahmacharya die Kontrolle der sexuellen Instinkte, Wünsche, Gedanken und Handlungen. Selbst wenn man die Bedeutung des Wortes in diesem eingeschränkten Sinne gelten läßt, führt das doch zum Verständnis der dringenden Notwendigkeit, strikte Kontrolle über alle Sinne und den Geist auszuüben, denn ein Brahmachari muß Brahmacharya in Gedanken, Worten und Taten einhalten. Kontrolle über Wünsche, Gedanken, Rede und Handlungen entsteht aus perfekter Geisteskontrolle. Wer keine Kontrolle über seinen Geist und dessen Funktionen hat, kann nie ein vollkommener Brahmachari sein.

Der Geist ist es, der die Sinne belebt und alle Geistesfunktionen trägt. Solange der Geist sich nicht mit den Sinnen verbindet und sie aktiviert, können diese selbst nicht arbeiten. Stellen wir uns z.B. einen schlafenden Menschen vor. Vielleicht reden Leute im selben Raum, oder Autos und Busse fahren vorbei. Der schlafende Mensch merkt von all dem nichts. Warum? Weil im Tiefschlaf der Geist nicht im Gehirn anwesend ist. Ohne den Geist können die Sinne, obwohl sie wie der Körper und das Gehirn usw. vorhanden sind, nicht arbeiten.

Das beweist deutlich, daß die Sinne aus sich selbst ohne den Geist nicht funktionieren können. Daher hat derjenige, der seinen Geist unter perfekter Kontrolle hat, auch vollkommene Kontrolle über seine Sinne. In einem wahreren und tieferen Sinne drückt das Wort »Brahmacharya« nicht diese eingeschränkte Bedeutung aus. Aber sogar jener, der es in diesem engen Sinne auslegt und nach der Beherrschung der sexuellen Instinkte, Wünsche, Gedanken und Taten strebt, muß automatisch auch alle anderen Sinne und seinen Geist kontrollieren und beherrschen. Wenn wir wirklich tief in diesen Gedanken eindringen, finden wir, daß die Sinne nicht isoliert dastehen, sondern miteinander verbunden und aufeinander bezogen sind. Daher muß man, auch wenn man nur einen Sinn besiegen will, gleichzeitig alle anderen beherrschen.

Sexuelle Energie

Im Körper arbeiten fünf grobe und fünf subtile Sinne. Brahmacharya im eingeschränkten Sinn ist verbunden mit dem Tastsinn und dem Vergnügen, das durch die Geschlechtsorgane empfunden wird. Dieser Genuß ist die Ursache der Fortpflanzung. Die Vereinigung männlicher und weiblicher Sexualenergie bringt Nachkommen hervor. Das ist allen Lebensbereichen gemeinsam, ob es sich dabei um Pflanzen, Insekten, Reptilien, Vögel, Säugetiere oder menschliche Wesen handelt. Im menschlichen Körper gibt es Drüsen verschiedener Art, die Schilddrüse, Hypophyse, Zirbeldrüse usw. Diese Drüsen bestehen aus besonderen Zellen, die eine Reihe von Flüssigkeiten produzieren. Sie leben von reinem Blut. 

Wenn ein Körper nicht genug reines Blut besitzt, degenerieren sie, und die Folge ist ein Mangel an verschiedenen Säften, die von Geburt an unerläßlich für Gesundheit und Wachstum von Körper, Gehirn usw. sind. Jeder Defekt in diesen Drüsen und jede Abweichung von ihrer normalen Sekretion verursacht Krankheit, vorzeitigen Verfall und Tod. Anders als die genannten Drüsen nehmen die Sexualdrüsen wie Prostata, Samenbläschen, Cowpersche Drüsen und Hoden ihre Sekretion erst nach der Pubertät auf, wenn sie voll ausgewachsen sind. In heißem Klima und bei Menschen, die zu viel scharfe, saure und hitzeerzeugende Nahrung zu sich nehmen, fangen sie auch schon früher an zu arbeiten.

In heißen Ländern ist das durchschnittliche  Reifealter für Mädchen dreizehn oder vierzehn, für Jungen vierzehn oder fünfzehn, aber in kühlen Klimata erreichen Jungen und Mädchen die Reife nach dem sechzehnten Lebensjahr. Während des Wachstums werden besonders die Schilddrüse und die Hypophyse aktiv und entwickeln bei den Jungen Hoden, Prostata und andere Sexualdrüsen, bei den Mädchen die Eierstöcke, die Brustdrüsen und andere. Das sind die Symptome für die beginnende Geschlechtsreife. Während dieser Periode steigt die Durchblutung des Beckenraums, und sie ist verantwortlich für die sexuelle Erregung. Beim kleinsten sexuellen Wunsch oder Gedanken werden die Geschlechtsdrüsen aktiv, sondern ihre Flüssigkeiten ab und entlassen sie durch die Genitalien.

Jungen und Mädchen haben in der Geschlechtsreife von Natur aus starke sexuelle Instinkte, und wenn sie unachtsam mit Personen des anderen Geschlechts umgehen, erotische Romane lesen, Liebeslieder singen oder Schauspiele und Filme sehen, die einen sexuellen Reiz ausüben, verfallen sie sehr leicht geschlechtlichen Vergnügen in Form von Masturbation oder Homosexualität und anderen Ausschweifungen.

Manche unglückliche Jungen und Mädchen kommen durch Kontakt mit gewissen älteren Freunden oder Verwandten schon mit sechs oder sieben Jahren zur Masturbation. Der eigentliche geschlechtliche Genuß wird Orgasmus genannt. Im frühen Alter von sieben oder acht Jahren gibt es noch keinen Samenerguß bei den Jungen oder ein Freiwerden sexueller Flüssigkeiten bei den Mädchen, aber trotzdem können sie einen Orgasmus haben.
Beim Orgasmus werden »0jas Shakti« (große geistige Energie), Nervenenergie und ein Teil der Kundalini Shakti (der zentralen körperlichen Kraft) durch die männlichen und weiblichen Genitalien aus dem Körper herausgepreßt.


Der Energieverlust, den man schon durch eine einzige sexuelle Ausschweifung erleidet, ist beinahe nicht wieder gutzumachen. Bei einem einzigen Geschlechtsakt verliert man erheblich mehr an geistiger und körperlicher Kraft, als bei jedem anderen Sinnesgenuß. Unter allen Sinnesfreuden sind geschlechtliche Vergnügen die stärksten. Sie laugen den Organismus aus und ruinieren die geistige und körperliche Gesundheit des Menschen. Jungen oder Mädchen, die ihr geschlechtliches Verlangen zügeln, sind je nach dem Grad der ausgeübten Kontrolle der Wahrheit näher.

Sexuelle Energie durchdringt in der einen oder anderen Form den ganzen Lebensbereich und drückt sich in verschiedener Art geistiger und körperlicher Entwicklung aus. Wenn sie richtig überwacht und gezügelt wird, steigert sie nicht nur die Willens- und Geisteskraft, sondern auch die des Körpers. Wenn die Sexualenergie daran gehindert wird, sich in ihrer gröbsten Form (Geschlechtsverkehr) auszudrücken, steigert sie die Vorstellungskraft und die Merkfähigkeit. Ebenso steigert sie die schöpferische Energie und erhöht die Fähigkeit, Schönheit in Kunst, Dichtung, Literatur usw. wahrzunehmen.

Bedauerlicherweise verschwendet jedoch die große Mehrheit der menschlichen Wesen diese große Kraft in ihrer gröbsten Form und findet daher keine Möglichkeit, sie in höheren Formen auszudrücken, denn ein Mensch, der schon in früher Jugend beginnt, seine Sexualkraft zu verlieren, verliert auch den Sinn für die Entwicklung dieser Kraft. Brahmacharya lehrt uns darum, diese große Macht (die Sexualenergie) zurückzuhalten und zu bewahren und damit die eigene schöpferische Kraft zu steigern. Ein Leben in eindeutigem Brahmacharya erhöht die Langlebigkeit sowie die Stärke von Körper und Geist und verschafft uns den Genuß eines Lebens in Frieden und Seligkeit. Wenn die Sexualenergie mißbraucht wird, zerstört das die ganze Persönlichkeit.

Die sexuelle Energie hat zwei Bewegungsrichtungen, nämlich aufwärts und abwärts. Die unendlichen Kräfte des Geistes, alle künftigen Möglichkeiten und all das göttliche und menschliche, spirituelle und materielle Wissen, dessen der Mensch sich rühmen und das er verwirklichen kann, ruhen verborgen in der Kundalini Shakti im Basis-Chakra (Muladhara Chakra), d.h. der Stelle, an der Anus und Harnleiter sich treffen. Wenn diese Shakti in Form von sexuellem Genuß und Geschlechtsverkehr dauernd den Weg nach unten nimmt, wird der betreffende Mensch schwach und stumpfsinnig und ist in bezug auf Gedächtnis, Intellekt und Willenskraft zu nichts zu gebrauchen. Solch ein Mensch ist in keiner Beziehung besser als ein gewöhnliches Tier (Mir gefällt die etwas abwertende Haltung des Autors zum Tier nicht so sehr. Sie taucht an mehreren Stellen des Textes auf. Gemeint ist wohl der zügellose sexuelle Genuss.), denn seine ganze geistige Stärke und körperliche Kraft werden durch diese niedrigen Genüsse verschwendet. Sexuelle Aktivität zerstreut die Geistes und Körperkräfte und verkürzt die Lebensspanne.

Wenn man Brahmacharya einhält und diese heilige sexuelle Energie bewahrt, wird sie leicht in die große geistige Kraft »Ojas Shakti« umgewandelt. Je mehr »Ojas Shakti« in einem Menschen wächst, desto kraftvoller wird er. Bei einem vollkommenen Brahmachari nimmt die Sexualenergie immer den Weg nach oben und verwandelt sich in »Ojas Shakti«, bevor sie die Form körperlicher Flüssigkeitsabsonderung annehmen kann. Bei einem perfekten Brahmachari wird der Intellekt sehr scharf, das Gedächtnis sehr stark und die Willenskraft diamanthart. Man wird ein Mensch mit festem Charakter. Jeder Gedanke, jedes Wort und jede Handlung eines solchen Menschen hat Gewicht. Das sind die wahren Reformer und Weltbeweger. Sie werden überall verehrt und mit Ehrfurcht behandelt. Alles, was sie tun, zeugt von großer Kraft. Ein perfekter Brahmachari hat leicht Erfolg auf allen Lebenswegen und im Lernen. Wo es Größe gibt, wo sich außergewöhnliche Entfaltung des Intellekts zeigt, kann man sicher sein, daß es der Funktion von »Ojas Shakti« zuzuschreiben ist, und einem solchen Menschen ist es weitgehend gelungen, Brahmacharya einzuhalten.

Brahmacharya ist das Hauptinstrument, um Freiheit (Moksha oder Gottverwirklichung) zu erreichen. Brahmacharya ist die Hauptquelle des Erfolgs in jedem Lebensbereich. Aus einem Studenten wird ein viel besserer Student, aus einem Dichter ein viel besserer Dichter, aus einem Künstler ein viel besserer Künstler usw. Der Sinn von Brahmacharya ist also, den Menschen in jeder Beziehung vollkommen zu machen. Erfolg in allen Lebensbereichen ist die Folge der höchsten Geisteskonzentration, und diese Konzentration ist leicht erreichbar durch Brahmacharya. Es besteht nämlich eine sehr enge Verbindung zwischen Geist, Sexualenergie und der Kundalini Shakti. Ohne die Sexualenergie zu kontrollieren, kann man nicht einmal davon träumen, den Geist voll unter Kontrolle zu bekommen, und ohne Geisteskontrolle kann man die Geheimnisse der Kundalini Shakti nicht erkennen und Zugang zu den verborgenen Geisteskräften finden.

Ein Yogi, der seine Sexualenergie zügelt, dadurch seinen Geist kontrolliert und die Kundalini Shakti zu höheren Zentren führt, entfaltet übernatürliche Kräfte (Ich persönlich glaube solange nicht an übernatürlichen Kräfte, bis mir jemand das Gegenteil beweist. Ein Yogi sollte sie auch nicht anstreben. Es lenkt ihn nur von seinem spirituellen Weg ab.). In jedem Mann, jeder Frau, jedem Jungen oder Mädchen liegt diese höchste Kraft verborgen, und um sie zu aktivieren, bedarf es lediglich strikter Einhaltung von Brahmacharya, regelmäßiger Meditation und Geisteskontrolle. Das Geschlechtsleben macht den Menschen schwach an Körper und Geist. Mit schwachem Körper und ungesundem Geist ist der Mensch nicht in der Lage, einen harten und mühsamen Lebenskampf aufzunehmen. Daher muß man, um im Leben Erfolg zu haben, Brahmacharya einhalten.

Jungen oder Mädchen mit schwachem Geist verschwenden ihre Sexualenergie bei geschlechtlicher Zügellosigkeit. Ein wahrer Schüler gebraucht diese Energie jedoch zur Entwicklung seiner körperlichen Gesundheit und seiner geistigen Fähigkeiten. Ein Ringer verwandelt diese Energie in große Körperkraft. Ein Wissenschaftler benutzt sie, um seinen Geist auf Forschungen zu konzentrieren. Ein religiöser Mensch verwendet sie, indem er seine Anstrengungen auf das Erreichen von Samadhi oder Gottverwirklichung richtet.

Ein Schüler, der sein Brahmacharya nicht einhält, kann keinen Erfolg in seinem Beruf haben. Er kann keine Leuchte werden. Sogar ein guter Student, welcher der Lust verfällt, setzt damit seiner erfolgversprechenden Laufbahn ein Ende. Ein Ringer, der kein Brahmacharya einhält, kann seine körperliche Gesundheit und Kraft nicht aufrechterhalten und in der Kunst des Ringens keinen durchschlagenden Erfolg haben. Ein religiöser Mensch ohne Brahmacharya wird sein Leben in Mißerfolg und Scheinheiligkeit enden. Tatsächlich geht jede Inspiration und höhere subtile Entdeckung von der Konzentration des Geistes aus, und diese Konzentration wird durch Brahmacharya erreicht.

Wenn Armut und Brahmacharya-Verlust in einem Land zusammentreffen, wird es mit Sicherheit zugrunde gehen. Nehmen wir zur Veranschaulichung das Beispiel Indiens. Als in der ganzen westlichen Welt noch Barbarei herrschte und die Vorfahren der heutigen zivilisierten Nationen des Westens in Höhlen und Wäldern Seite an Seite mit den wilden Tieren lebten, stand Indien im Zenit seines Glanzes. Das Land war reich und blühend, und die Ashramas (Lebensstadien) und Varnashramas (Kasten) standen in höchstem Ansehen. Die vier Ashramas sind:

Die vier Ashramas (Lebensstadien):

1. Phase: Schüler; vom jungen Menschen wird Enthaltsamkeit erwartet (Brahmacharya)
2. Phase: verheiratet; mäßige Sexualität und Treue empfohlen (Grihastya)
3. Phase: Die Kinder sind erwachsen; Enthaltsamkeit wird empfohlen (Vanaprastha)
4. Phase: Das Leben wird vollkommen Gott geweiht; Mönch und Enthaltsamkeit (Sannyas)


Die vier Varnashramas (Kasten):

1. Brahmanas (Interlektuelle: Priester, Lehrer, Wissenschaftler, Richter - ca. 5 Prozent)
2. Kshatriya (politische und militärische Führer: Krieger, Politiker - ca. 10 Prozent)
3. Vaishya (Geschäftsleute, Bankiers, Bauern, Kaufleute - ca. 20 Prozent)
4. Sudra (Arbeiter, Handwerker, Künstler, Diener, Tagelöhner - ca. 50 Prozent)


Und dann gab es natürlich noch die Unberührbaren, die keiner Kaste angehörten und die die Schmutzarbeit machten (ca. 15 Prozent): Kadaver von der Strasse entfernen, Toiletten reinigen

Jungen und Mädchen der drei höheren Kasten (ca. 35 Prozent) wurden von einem bestimmten Alter an von ihren Gurus (Lehrern) erzogen, mit denen sie zusammenlebten. Dort führten sie ein sehr reines Leben, und man lehrte sie die Ideale einfachen Lebens und hohen Denkens, das sie auch praktizierten. Sie führten ein kraftvolles Leben in Brahmacharya und hatten sich voll in der Hand. Nachdem sie sich körperlich und geistig vervollkommnet hatten, gründeten die Schüler, denen das Leben eines Hausvaters zusagte, eine Familie (Grihasta Ashrama). Diese genaue Einhaltung von Brahmacharya war in alten Zeiten eine der Hauptursachen der Langlebigkeit der Inder und ihrer umfassenden Erfolge.

Das Indien, das wir heute sehen, steht mitten im Kampf gegen schreckliche Armut. Die Armut sitzt diesem Land so in den Knochen, daß sie dem Volk das Mark aussaugt. Die große Mehrheit des Volkes arbeitet von früh bis spät und kann sich trotzdem kaum zweimal am Tag genügend einfache Chapatis (Brot) oder Reis leisten, sogar ohne Dal (Suppe). Zusätzlich zu dieser furchtbaren Armut sind die Ashrama Dharmas (4 Lebensstadien) zerstört worden, und das Land hat den Wert, das Ziel und die Notwendigkeit von Brahmacharya fast vergessen.

Viele wissen nicht einmal, warum sie überhaupt Brahmacharya einhalten sollten, und für viele ist das Wort nur Spott und Hohn. Die Armen, die nie Gelegenheit hatten, eine der höheren Freuden des Lebens zu genießen, werden natürlich schon von früher Jugend an zu dem niederen und ordinären Vergnügen sexuellen Genusses hinabgezogen. Aber wie steht es mit den Reichen und den Gebildeten? Auch sie sind der Lust zum Opfer gefallen. Ihr Luxus und ihre falsche Erziehung drücken sie hinab auf das Niveau von Tieren. Nein! In dieser Hinsicht sind Tiere und sogar die unbedeutendsten Insekten weit vernünftiger als viele von ihnen. Es ist wohlbekannt, daß weibliche Tiere außerhalb der Paarungszeit und während der Tragezeit keine sexuellen Neigungen und Funktionen haben.

Für ein armes Land kann Brahmacharya nur ein Segen und eine große Wohltat sein. Wenn die Reichen auf normale und gut geregelte Weise sexuellen Freuden nachgehen, so wirkt sich das nicht so stark auf ihre geistige und körperliche Gesundheit aus, denn der Verlust wird in der Regel bis zu einem gewissen Grade im Lauf der Zeit wettgemacht, weil sie sich nahrhaft und reichlich ernähren können. Bei armen Menschen jedoch, deren Ernährung schlecht ist, und die schon halb verhungert sind, ist der Verlust bei jedem Geschlechtsverkehr ganz offensichtlich irreparabel.

Solche Männer oder Frauen können diesen großen Verlust nicht wiedergutmachen, was sich dann schwerwiegend auf ihre geistige und körperliche Gesundheit auswirkt. Das Leben solcher Menschen ist in der Regel weit entfernt vom idealem Leben. Sie können dem Bösen nicht widerstehen und keinen rechten Begriff von einem idealen Leben haben. Sie sind schwach, scheu und dumm und führen ein entwürdigendes und heruntergekommenes Leben. Andererseits kann der Staat wenn er sich entsprechend Mühe gibt und für eine ideale und charakterbildende Erziehung der Jungen und Mädchen sorgt, wenn er sie den Wert von Brahmacharya und die Wichtigkeit eines enthaltsamen Lebens verstehen lehrt, und wenn er schließlich die Eltern über den Wert eines wohlregulierten sexuellen Lebens aufklärt, die Nation leicht vor einem großen Zusammenbruch und den Gefahren und dem Elend der Armut bewahren.

Auch im Staatsdienst, bei leitenden Persönlichkeiten usw. spielen Charakter und Enthaltsamkeit (Brahmacharya) eine außerordentlich wichtige Rolle. Ohne vollkommenen Charakter können Männer oder Frauen nicht wirklich zu echten Führungspersönlichkeiten werden. Um ein wahrer Führer und Leiter eines Landes zu sein, muß man erstens einen gediegenen Charakter besitzen. Zweitens muß man Herr seines Geistes und seiner Sinne sein. Drittens muß man frei sein von dem Wunsch nach Ruhm und Ehre. Außerdem muß man völlig selbstlos sein. Wenn jemand auch nur eine dieser Qualitäten nicht besitzt, sollte er oder sie nicht glauben, eine wahre Führungspersönlichkeit zu werden.

Wenn jemand ohne diese Eigenschaften versucht, ein Volk oder eine Nation zu lenken, bringt das nicht nur dem eigenen Volk großen Schaden und große Ungerechtigkeiten, sondern wirkt sich so auch auf die ganze Welt im allgemeinen aus. Wie kann ein Mensch, der seinen eigenen Geist und seine Sinne nicht beherrscht, andere regieren und führen? Wenn solchen unreifen Menschen die Führerschaft anvertraut wird, kann man sich das unbeschreibliche Schicksal dieses Volkes und Landes nur vorstellen. Wenn ein Blinder einen Blinden führt, kommen beide zu Schaden und gehen zugrunde.

Wie unvernünftig ist solch eine Führerschaft! Diese Schwächlinge können dem Land und dem Volk nichts wirklich Gutes tun, im Gegenteil, sie fügen dem Land und seinen Interessen entschieden Schaden zu. Mit ihren ungezählten persönlichen Wünschen, ihrem ungesunden Charakter und unreifen Geist geben sie oft dessen schwachen und bösen Neigungen nach. Sie verfallen der Ehre, sie verfallen dem Ruhm, sie verfallen der Lust usw. Wenn wir also alle Lebenssphären in unsere Betrachtung einbeziehen, müssen wir feststellen, daß Charakter und Brahmacharya überall eine wichtige Rolle spielen. Ohne festen Charakter und Brahmacharya ist noch nie etwas Gutes geschehen und wird auch nie vollbracht werden.

Die gestaltungsfähigste Zeit im Leben eines Menschen sind die Jahre zwischen zehn und dreißig. In dieser Zeit wird die Saat für künftigen Erfolg und Größe oder Mißerfolg und Elend gelegt. Wie auch immer der Geist in dieser Periode geübt wird und welche Gewohnheiten sich in ihr herausbilden, sie werden den Menschen weiter bis zum Lebensende beeinflussen. Und gerade in dieser eindrucksfähigen Zeitspanne ihres Lebens wird die Mehrzahl der Jungen und Mädchen ruiniert, weil sie von Eltern und Lehrern nicht die richtige Erziehung und ein falsches Training bekommen. Wenn ein junger Mensch einmal schlechte Gewohnheiten pflegt, ist ihr Eindruck in seinem Geist so stark, daß er in seinem späteren Leben die größten Schwierigkeiten hat, sie wieder auszulöschen, auch dann, wenn er es wiederholt versucht. Außerdem sind bei einem jungen Menschen die Sinne hellwach, und der Wunsch nach Sinnesfreuden ist sehr stark und blind. So müssen also Eltern und Lehrer sehr sorgsam sein, und sie sollten bei den Jugendlichen besonders auf Einhaltung von Brahmacharya und auf Charakterbildung achten. Tun sie das nicht, so sind sie in hohem Maße verantwortlich, wenn der Lebensweg der Jungen ruiniert wird. Auch die Schüler müssen in dieser Beziehung sehr vorsichtig sein und weise handeln, bevor es zu spät ist. Geistiges Brahmacharya

Nicht an einen Menschen des anderen Geschlechts denken mit der Absicht sexueller Freuden oder mit schlechten Beweggründen, den Geist nicht mit sexuellen Wünschen, Gedanken, Vorstellungen oder Anregungen unterhalten, keinen Menschen des anderen Geschlechts mit schlechten Absichten ansehen, nicht einmal ein Foto oder Bild mit begehrlichem Blick oder Motiv betrachten, nicht insgeheim die Bewegungen des anderen Geschlechts beobachten oder das Liebeswerben von Insekten, Vögeln, Säugetieren und menschlichen Wesen betrachten, und keine Filme oder Schauspiele von erotischer Anziehungskraft besuchen - das alles umfaßt das geistige Brahmacharya. Diese Dinge sind der Ausgangspunkt der Lust, leiten viele unbewußt in die Irre und verursachen einen Rückschlag in der Einhaltung von Brahmacharya. Diese Wünsche und Anblicke führen zunächst zur Störung des geistigen Gleichgewichts oder des geistigen Brahmacharya, und wenn diese lustvollen Wünsche und Gedanken andauern und beständig werden, fangen die Geschlechtsdrüsen an, ihre Sekrete abzusondern, und schließlich verliert man auch sein körperliches Brahmacharya.

Brahmacharya in Worten

Nicht die Schönheit usw. eines Menschen des anderen Geschlechts mit üblen und lustvollen Hintergedanken beschreiben, keine erotischen Romane und Dramen mit sexueller Anziehungskraft lesen oder besprechen, keine ordinären oder beleidigenden Ausdrücke gebrauchen, nicht im Geheimen oder an einsamer Stelle mit Personen des anderen Geschlechts reden oder mit ihnen Späße machen - das alles ist mit Brahmacharya in Rede oder Wort gemeint.

Brahmacharya der Tat


Keinen Geschlechtsverkehr, keine sexuelle Zügellosigkeit oder anderen Mißbrauch treiben, den Körper eines Menschen des anderen Geschlechts nicht berühren, ihn nicht  küssen oder umarmen und dabei unsaubere Nebengedanken haben - das ist gemeint mit Brahmacharya der Tat. Durch sexuelle Wünsche, Gedanken, Worte und Bilder, durch nahen und freizügigen Umgang zwischen Menschen verschiedenen Geschlechts sowie durch das Hören und Besprechen geschlechtlicher Vorgänge treten die verborgenen und unterdrückten sexuellen Wünsche eines Menschen leicht und unbewußt in Aktion, denn der Geist hat die Neigung, einen Wunsch, Gedanken oder eine Handlung zu imitieren und zu wiederholen. Wenn ein guter oder schlechter Wunsch oder Gedanke im Geist aufsteigt, hört er nicht plötzlich auf.

Vielmehr produziert er eine Reihe ähnlicher Wünsche und Gedanken, und wenn man an dem Gegenstand des Wunsches interessiert ist, gewinnt dieser Wunsch an Intensität und wird stark und stärker, bis er einen schließlich zum Handeln zwingt. Auch wenn man etwas tut, möchte man das immer und immer wiederholen. Wir haben schon gesagt, daß Name und subtile Form immer in Verbindung stehen. Der Geist kann an nichts denken, ohne die subtile Form des gedachten Gegenstandes zu projizieren, und so schwelgt man, je nach der Natur des Wunsches oder Gedankens, mit dem subtilen Körper in subtilen Freuden an dem erwünschten und gedachten Gegenstand. Junge und jugendliche Gesellschaft und freier Umgang der Geschlechter miteinander bringen zunächst lustvolle Wünsche hervor, und wenn diese sehr stark werden, ziehen sie einen hinab zu unmoralischen Handlungen.

Außerdem gewinnen durch den ständigen freien Umgang der Geschlechter die sexuellen Instinkte und Wünsche an Kraft, sie reizen die Geschlechtsorgane, und die entsprechenden Drüsen sondern ihre Sekrete ab, die in winzigen Tropfen ausfließen. Oft geht auch sexuelle Kraft verloren durch Naßträume (ungewollte nächtliche Orgasmen im Schlaf, auch Pollutionen genannt), unfreiwilligen Samenerguß zusammen mit dem Urin und im bewußten Orgasmus beim bloßen Anblick einer Person des anderen Geschlechts usw. Ubermäßiger Verlust an sexueller Kraft unterwirft den Menschen einer Reihe von geistigen und körperlichen Krankheiten wie Ausfluß, Schwindsucht, Hämorrhoiden, Gelbsucht, Blutaustritt durch Nase und Mund, Husten, Verdauungsstörungen, Abmagerung, Gedächtnisschwäche, Verlust an Willenskraft und geistiger und körperlicher Kraft, Nervenschwäche, Trägheit, Verdrießlichkeit, Angst, Zerfahrenheit usw. Diese Krankheiten verursachen dann wieder vorzeitigen Verfall und Tod.

Die Notwendigkeit von Brahmacharya


Gesundheit ist Reichtum. Ein gesunder Körper hat ein gesundes Gehirn und schafft sich einen gesunden Verstand. Ohne gute Gesundheit ist sogar märchenhafter Reichtum nutzlos und das Leben elend. Erst kürzlich sagte einer der reichsten Männer der Welt, dessen Einkommen pro Sekunde auf ca. 20 Dollar errechnet wurde: »Mein Schicksal ist schlimmer als das eines gewöhnlichen Kuli.« Obwohl phantastisch reich, litt dieser Mann an Diabetes. Oft mußte er von flüssiger Nahrung leben. Er brauchte jeden Tag Spritzen und hatte keinen gesunden Schlaf. Ein Kuli hat, obwohl ohne Geld, eine gute Verdauung, arbeitet den ganzen Tag hart, erfreut sich einer robusten Gesundheit und eines gesunden Schlafs. Er hat keine Sorgen und keine Ängste.

Dieser zu den Reichsten der Welt gehörende Mann verglich sich mit den mittellosen Kulis und fand, daß es ihm selbst miserabel gehe, weil er nicht gesund war. Wer sich gute Gesundheit und Glück wünscht, muß seinen Körper stark machen. Jungen und Mädchen müssen besonders auf Brahmacharya und auf ausreichende Bewegung (Spiele innerhalb und außerhalb des Hauses) achten. Die Jugend ist die beste Zeit, um die Gesundheit aufzubauen, gleichzeitig aber auch die Lebensperiode, in der man seine Gesundheit und sein Leben dadurch ruinieren kann, daß man der Lust in die Falle geht und sich gehen läßt. Die Sexualenergie ist nämlich die Essenz von Körper, Gehirn und Geist. Wenn diese essentielle Kraft nicht bewahrt wird, können Körper, Gehirn und Geist nicht zur vollen Reife kommen. Dies zeigt, wie unbedingt notwendig es ist, in der Jugend in strengem Brahmacharya zu leben.

Eine Pflanze, die in fünfzig Jahren wächst und reift, lebt bis zu zweihundert Jahren. Ein Mangobaum, der nach zehn Jahren Früchte trägt, wird vierzig oder fünfzig Jahre alt. Eine Schlingpflanze, die in drei oder vier Monaten wächst, Knospen, Blüten und Früchte trägt, lebt und stirbt innerhalb eines Jahres. Wenn ein Stier bis zur Geschlechtsreife gut behütet wird und man auch danach besonders auf Nahrung und Paarung achtet, bleibt er gesund und erreicht seine volle Lebensspanne. Sogar nach der Reife sollte keine ziellose und falsche Paarung stattfinden. Sie verkürzt das Leben der Tiere. Es ist allgemein bekannt, daß ein junger Bulle, den man frei mit den Kühen laufen läßt, und der sie deckt, bevor er voll ausgewachsen ist, sich innerhalb weniger Jahre verausgabt und vorzeitig altert und stirbt. Einzelgängerische Elefanten, Bisons oder sogar Affen, die wenig Gelegenheit zur Paarung haben, bleiben sehr stark, gesund und kräftig und leben ihre volle Zeit.

Nehmen wir eine Lampe und füllen sie mit so viel Petroleum, daß es für eine ganze Nacht reicht. Wenn die Lampe kein Leck hat, brennt sie auch die ganze Nacht. Hat sie jedoch ein Loch, durch das sie Öl verliert, erlischt das Licht in ein paar Stunden. Ein Leben in Brahmacharya bedeutet, daß man das Öl des Lebens, das uns ein ganzes Menschenleben körperliche und geistige Gesundheit schenkt, bewahrt. Ein Verlust an sexueller Kraft ist ein Auslaufen des Lebensöles, was zu vorzeitigem Altem und frühem Tod führt. Jeder Geschlechtsverkehr verursacht einen enormen Verlust geistiger und körperlicher Energie. Je mehr sie vergeudet wird, desto kürzer ist die Lebensdauer von Männern und Frauen, Jungen und Mädchen.

Der menschliche Körper braucht etwa fünfundzwanzig Jahre, bis er voll ausgereift ist. Wenn ein Junge oder Mädchen bis zu diesem Alter perfektes Brahmacharya in Gedanken, Worten und Handlungen einhält, erst dann heiratet und ein gut geregeltes Geschlechtsleben führt, wird ihnen geistige und körperliche Gesundheit und ein langes Leben beschieden sein.

Wenn ein Mann mit sehr dürftigem Einkommen eine große Familie zu ernähren hat, das Geld aber unbedacht und ohne richtige Einteilung ausgibt, muß mit Sicherheit die ganze Familie hungern, leiden und ein elendes Leben führen. Die sexuelle Energie ist die eigentliche Lebenskraft des Körpers und die wesentlichste Energie, die für das Wachstum von Körper und Gehirn und für die Vitalität erforderlich ist. Wenn diese Energie nicht sorgfältig bewahrt und richtig genutzt wird, leidet die ganze Familie (also Körper, Sinne, Drüsen, Gehirn, Geist und Geistesfunktionen) furchtbar. Wenn dieser Schwund oder Abfluß der sexuellen Kraft gezügelt und kontrolliert wird, verwandelt sie sich durch besondere Übungen in eine große geistige Energie, »Ojas Shakti« genannt. Bei jeder geistigen oder körperlichen Tätigkeit, sei es Denken, Sprechen, Lernen, Essen, Trinken, Gehen usw., wird eine gewisse Menge dieser Kraft verbraucht. Jedoch wird unter allen körperlichen und geistigen Tätigkeiten der größte Energieverlust durch einen Geschlechtsakt verursacht. Die Verschwendung von Ojas Shakti verkürzt das Leben, während die Bewahrung dieser Kraft es verlängert.

Für die Erhaltung des Körpers und seiner Funktionen und für das geistige Wachstum ist die Bewahrung der sexuellen Kraft und ihre Umwandlung in Ojas Shakti unbedingt erforderlich. Wenn diese so wesentliche Energie nicht geschützt und bewahrt wird, sondern statt dessen schon im frühen Alter durch geschlechtliche Zügellosigkeit oder auch nach der Reife und der Heirat durch ungeregelten und übermäßigen Geschlechtsverkehr verschwendet wird, verliert man seine geistige Lebendigkeit und moralische Widerstandskraft. Ein solches Leben ist völlig vergeblich, endet im Unglück, und der betreffende Mensch verfehlt den Sinn und Zweck seines Daseins. Daher sollte jeder, der Fortschritt, Frieden, Gedeihen und ein langes Leben wünscht, schon in Kindheit und Jugend in vollkommenem Brahmacharya leben und nach der Heirat ein gut geregeltes Geschlechtsleben führen. Ohne Brahmacharya kann nie und konnte auch niemals etwas Gutes und Großes erreicht werden. Ohne lebenslang perfektes Brahmacharya zu halten, kann niemand Samadhi (Nirvikalpa Samadhi), Freiheit und Seligkeit erreichen.

Sexuelle Zügellosigkeit zerstreut die Kräfte von Körper und Geist. Sie macht den Körper, die Nadis (Nerven) und den Geist unrein. Sie entzieht dem Geist seine Konzentrationsfähigkeit. Um die subtilen Wahrheiten der Religion zu erkennen, zu verstehen und zu erfassen und um neue Entdeckungen auf dem Gebiet der Wissenschaft, Kunst oder anderen geistigen Bereichen zu machen, sind Zielstrebigkeit des Geistes und eine ungeheure Willenskraft unerläßlich. Sexuelle Zügellosigkeit zerstört sie jedoch. Nur durch Brahmacharya können wache Schärfe des Geistes und eiserne Willenskraft erworben und erhalten werden.

Es ist eine Sisyphusarbeit, die tiefgründigen Wahrheiten der Religion zu erfassen und in die Praxis umzusetzen. Man mag ein Leben lang über den Heiligen Schriften brüten und dringt vielleicht trotzdem nicht in ihren wahren Geist ein und begreift die subtilen Wahrheiten nicht. Dieser eigentliche Wahrheitsgehalt ist nur durch Reinheit und Einheit des Geistes erschließbar, und diese völlige Konzentration auf ein Ziel kann man nur durch ein strenges Brahmacharyaleben und durch Selbst-Besinnung erreichen.

Wenn ein Junge oder Mädchen, ein Mann oder eine Frau zwölf Jahre lang ununterbrochen und bewußt Brahmacharya (in Gedanken, Worten und Handlungen) einhält, entwickeln sich subtile, verborgene Geistes- und Sinneskräfte, und die Betreffenden gewinnen leicht die notwendige Reinheit und Konzentration des Geistes. (Nach meinen Erfahrungen, ist dieses auch in wesentlich kürzeren Zeitabständen möglich.) Nur so sind die geheimnisvollsten Wahrheiten der Religion, die sich sonst dem Verständnis entziehen, zu erfassen und zu befolgen. Ein Mensch, der nicht enthaltsam lebt, kann weder Gott im rechten Geist begreifen, noch kann es für ihn eine klare Vorstellung von Religion geben. Ebenso wenig erfährt er die uneingeschränkte Hingabe an Gott, noch hat er die Kraft und den Willen, dem harten Pfad der Religion zu folgen.

Sogar zur Sicherung des eigenen allgemeinen Fortschritts und Erfolgs ist die Beachtung von Brahmacharya von außerordentlicher Wichtigkeit. Jedes Individuum strebt bewußt oder unbewußt nach Kraft, Frieden und Freiheit. Wer wünschte sich wohl sehnlichst Schwäche? Wer wünscht sich Krankheit und Tod? Wer möchte häßlich sein? Wer ein Sklave? So etwas wünscht sich keiner. Im Gegenteil möchte jeder stark sein und Frieden haben, sich guter Gesundheit erfreuen und lange leben. Perfektes Brahmacharya verhilft einem dazu, Kraft zu gewinnen und Jugend und Schönheit zu bewahren. Wer in perfektem Brahmacharya lebt und fest darin steht, wird sich auch leicht seines wahren Selbst gewiß. Solche Menschen leben und handeln im Lichte Gottes. Vergiß nicht, keine weltliche Macht kann mit der Macht des Geistes (Gott) verglichen werden, noch weniger es mit ihr aufnehmen. Ein Land mag sehr arm sein, aber wenn es reich an solchen großen Seelen ist, kann es nicht unter fremder ~Unterdrückung oder Sklaverei leiden. Daher besteht sogar vom Standpunkt des nationalen Aufschwungs, der Freiheit und des kollektiven und individuellen Gedeihens eine große Notwendigkeit der Einhaltung perfekten Brahmacharyas.

Betrachten wir junge Menschen bis zwanzig, die Brahmacharya einhalten. Was für eine bezaubernde Erscheinung sind sie doch mit ihren heiteren, strahlenden Augen und einem göttlichen Glanz auf den Gesichtern! Man kann solche reinen Seelen schon vom bloßen Anblick her erkennen. Selbst mißgestaltete Jungen und Mädchen, die Brahmacharya einhalten, erscheinen in ihrer Gesundheit blühend und charmant. Aber ach! Blasse, verlebte Gesichter und schlaffe Körper sind das Los von denen, die sexuell zügellos sind. Seht doch, was aus verheirateten jungen Menschen wird, die ein zügelloses Geschlechtsleben führen. Diese jungen Männer und Frauen verlieren ihren Charme, ihre Schönheit, Gesundheit, Vitalität und die Freude am Leben und werden sehr unglücklich. Wenn sie sich rückhaltlos den sexuellen Freuden überlassen, fallen sie leicht verschiedenen Krankheiten und Leiden zum Opfer. Daher besteht auch für verheiratete Paare die große Notwendigkeit, ein sorgfältig reguliertes Geschlechtsleben zu führen, während alle Jungen und Mädchen unbedingt in vollkommenem Brahmacharya leben sollten.

Nehmen wir die Ringer. Mit welchem Vergnügen betrachtet man ihr Äußeres! Wer hätte nicht gern einen so starken und gesunden Körper wie sie. Welche Kraft besitzen sie! Diese Körperkraft erwerben sie durch ein konsequentes Brahmacharya-Leben und durch regelmäßige systematische Körperübungen. Durch harte Arbeit und systematisches Üben verwandeln sie ihre Sexualenergie in große körperliche Energie und Kraft. Ein Mann, der kein Brahmachari ist, kann niemals diese große Stärke aufbauen und wird nie ein guter Ringer. Verheiratete Ringer, die sich sexuell unbeherrscht und regellos verhalten, verlieren ihre Kraft und ihre körperliche Ausstrahlung. Auch für den Aufbau körperlicher Kraft ist also die Einhaltung von Brahmacharya unabdingbar.

Lust, Zorn, Furcht, Haß usw. sind die Vorläufer von Krankheit und die Boten des Todes. Diese tückischen geistigen Zustände, explosiven Leidenschaften und heftigen Emotionen verursachen chemische Veränderungen in Körper und Gehirn und vergiften das Leben der Zellen im ganzen Organismus. Von allen emotionalen Empfindungen ist die sexuelle Lust die stärkste, und sie stürzt Körper und Gehirn in ein völliges Chaos. Jede heftige Leidenschaft tötet bei jedem Auftreten viele Millionen rote Blutkörperchen. Wenn das dem Organismus jeden Tag zugemutet wird, endet es in furchtbarer Krankheit, in vorzeitigem Verfall und Tod.

Die Sexualenergie ist die höchste Kraft im menschlichen Körper, die alle anderen Kräfte in sich schließt und alle Formen annimmt. Körper, Gehirn und Geist beziehen ihre Kraft und Vitalität aus dieser Sexualenergie. Statt dieser Energie zu erlauben, die Form grober sexueller Vergnügen anzunehmen, die auf die Dauer zu körperlichem und geistigem Tod führen, sollte sie bewahrt und in einen Vorrat an großer geistiger und körperlicher Vitalität verwandelt werden. Mit dem Erlöschen sexueller Wünsche, Gedanken und Handlungen wird der Geist von dieser stärksten aller Bindungen befreit. Für alle, die sich ein langes Leben in Frieden, Reinheit, Gedeihen und Befreiung wünschen, ist das ein weiterer Grund für die große Notwendigkeit, Brahmacharya einzuhalten.

Stärke ist Leben und Schwäche ist Tod. Schwäche ist die größte Sünde in dieser Welt. Die Schwachen erreichen schon in der Welt wenig, doch im Reich des Geistes ist ihr Gewinn gleich Null. Sie werden überall geplagt und herumgestoßen. Sie können nirgendwo Erfolg haben. Nur die Starken haben Erfolg, gedeihen und freuen sich ihres Lebens. Ein schwacher Körper bringt auch einen schwachen Geist hervor. Jemand mag intelligent genug sein, um eine Sache mit dem Geist zu erfassen; wenn aber sein Körper schwach ist, kann er die Theorie nicht in die Praxis umsetzen oder mit seinen Bemühungen Erfolg haben. Ein derartiges theoretisches Wissen ist unbrauchbar. Ein Gramm Praxis wiegt mehr als Tonnen von Theorien.

Wenn man dagegen einem körperlich starken Menschen einen Gedanken nahelegt und dafür sorgt, daß er ihn richtig begreift, wird er ihn in die Tat umsetzen und bald meistern.  Der geistige Pfad ist sehr lang, beschwerlich und ermü dend; man muß oft ganz allein unbekannte und einsame Wege gehen. Dazu braucht man enorme Kraft, ungebrochenen Mut und unendliche Geduld und Ausdauer. Diese Kraft, dieser Mut, diese Geduld und Zähigkeit können nur aus einem reinen Brahmacharyaleben kommen. Dar aus ergibt sich für alle, die Kraft, Mut und Erfolg im Le ben suchen, die absolute Notwendigkeit, konsequent Brahmacharya einzuhalten.

Der Verlust von Brahmacharya zieht verschiedene Krankheiten nach sich, doch seine  Einhaltung verhindert und beherrscht alle Krankheiten. Erkrankungen, die bei einem normalen Menschen lange Zeit zum Ausheilen brauchen, sind bei einem Brahmachari rasch geheilt. Da her ist sogar für die Aufrechterhaltung einer guten Ge sundheit und Widerstandskraft die Einhaltung von Brah macharya notwendig.

Der Verlust an körperlicher Kraft und geistiger Vitalität, den man bei jedem Geschlechtsakt erleidet, entspricht dem, was man in vierundzwanzig Stunden gründlichen Studiums oder zweiundsiebzig Stunden harter körperlicher Arbeit einsetzen muß. Was für ein riesiger Verlust ist das! Daher besteht vom Standpunkt guter geistiger und körperlicher Gesundheit, ganz abgesehen vom Erreichen von Frieden, Kraft, langem Leben und Weisheit, die unbedingte Notwendigkeit, konsequent in Brahmacharya zu leben. Dieser große Verlust, den das gegenwärtige fehlerhafte Erziehungssystem nach sich zieht, in welchem die Schüler nicht angehalten werden, dem Pfad strengen Brahmacharyas zu folgen, ist eine der Hauptursachen für Schwäche, Verkommenheit, Feigheit, Krankheit und frühzeitigen Verfall und Tod vieler junger Menschen.

Wie hält man Brahmacharya und seine Regeln ein?
1. Fast alle Unpäßlichkeiten, an denen ein Mensch leiden kann, sind einem schlechten Magen zuzuschreiben. Wenn die Nahrung nicht richtig verdaut wird, leidet sowohl die körperliche als auch die geistige Gesundheit. Wenn mit dem Körper etwas nicht in Ordnung ist, wird auch der Geist gestört, und man verfällt schlechten Wünschen und Gedanken, Sinnesreizungen und hat schlechte Träume. Daher sollte man zuallererst auf Essen, Trinken und Verdauung achten. Ohne diese Dinge zu regulieren und ohne sie vollkommen zu kontrollieren, kann man kein Brahmacharya einhalten. 
2. Vermeide zuviel süße, scharfe und saure Dinge. Sie steigern die Leidenschaft und führen zu lüsternen Wünschen und Gedanken und zur Übertretung von Brahmacharya.
3. Vermeide zuviel Pfeffer oder überhaupt Lebensmittel, die unangenehme Gefühle oder Sinnesirritationen hervorrufen oder die den Körper erhitzen. Nahrungsmittel, die zuviel Hitze verursachen, machen Blut und Sexualsekrete dünnflüssig und den Geist ruhelos; damit ist man lasziven Wünschen, Gedanken und Naßträumen und Samenverlusten ausgesetzt.
4. Natürlich kann ein und dieselbe Ernährungsweise nicht für alle richtig sein. Ebenso wenig kann man in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Jahreszeiten von den gleichen Dingen leben. Dieselben Nahrungsmittel, die in einem Land und zu einer Jahreszeit sehr gut und nützlich zur Aufrechterhaltung der Gesundheit sind, können in einem anderen Land und zu einer anderen Jahreszeit sehr schädlich und ungesund sein. Essen und Trinken sollte man daher an Zeit, Klima und die eigene Verträglichkeit anpassen und sie sinnvoll verwenden.
5. Man muß wissen, was und wieviel man verträgt und sich entsprechend einrichten. Diese Anpassung ist unbedingt erforderlich. Sie wirkt sich sehr günstig und hilfreich auf das Einhalten von Brahmacharya und die Erhaltung der geistigen und körperlichen Gesundheit aus.
6. Vermeide unter allen Umständen unreine Nahrung, denn sie macht Körper und Geist unrein, und der unreine Geist erzeugt unreine Wünsche, Gedanken und Handlungen. Unreine Nahrung schadet der geistigen und körperlichen Gesundheit und der Einhaltung von Brahmacharya.
7.
Nachfolgend eine, Zusammenfassung verschiedener unreiner Nahrungsmittel; meide sie:
a. Speisen, die von einem bösen und sündhaften Menschen zubereitet oder angeboten werden, auch wenn er von der Kaste her ein Brahmane (Priester) sein sollte.
b. Nahrung aus den Händen eines unsauberen und verkommenen Menschen.
c. Speisen, die mit Geld gekauft wurden, das mit ungesetzlichen Mitteln erworben oder durch unfaire Methoden erlangt wurde.
d. Nahrungsmittel, die mit Staub, Haaren oder Fliegen in Berührung gekommen sind.
e. Verdorbene Lebensmittel und solche, die im Zusammenhang mit der Sraddha-Zeremonie (die jedes Jahr im Namen eines Verstorbenen für dessen Wohlergehen ausgeführt wird) zubereitet wurden.
8. Schwere, stark gewürzte und schlecht verdauliche Speisen sind zu vermeiden. Sie verderben den Magen und stören die körperliche und geistige Gesundheit.
9. Überlade den Magen nicht. Bei jeder Mahlzeit sollte man ihn nur halb mit fester Nahrung und zu einem Viertel mit Getränk füllen; das letzte Viertel sollte für die Verdauungsbewegungen frei bleiben. So ist es richtig.
10. Die Mahlzeiten sollen zu festgesetzten Zeiten erfolgen, und dazwischen soll nicht gegessen werden. Auch durch ein gutes Gericht darf man sich nie zur Gier verführen lassen oder mehr davon essen als nötig. Beherrsche deinen Appetit, um Fehler zu vermeiden.
11. Iß abends immer etwas Leichtes und nie schwere Speisen. Geh nicht gleich nach dem Essen ins Bett, sondern warte wenigstens eine Stunde danach.
12. Zwischen den Genitalien und dem Gaumen (dem Geschmackssinn) besteht ein sehr enger Zusammenhang. Wer keine perfekte Kontrolle über Essen und Trinken oder mit anderen Worten über seinen Gaumen hat, kann auch niemals Kontrolle über seine Genitalien, sexuellen Instinkte und Wünsche haben. Der Charakter und Wert eines Menschen ist zu erkennen, wenn man ihn essen und trinken sieht. Wer auf leckere Gerichte versessen und beim Essen hastig und unruhig ist, hat Schwierigkeiten mit Brahmacharya. Deswegen muß man besonders aufpassen, was man zu sich nimmt und sich ständig in der Hand haben. Man sollte nie in Eile essen oder trinken. Beim Essen soll man nicht gierig sein wie ein hungriger Straßenköter, sondern immer ruhig und gelassen.
13. Trinke vor dem Schlafengehen am Abend immer ein Glas kaltes Wasser und uriniere. Wasche die Genitalien und den After nach jedem Gang zur Toilette mit kaltem Wasser. Das ist eine gute Gewohnheit, die keine Naßträume aufkommen läßt und beim Einhalten von Brahmacharya hilft.
14. Morgens sollte man Körperübungen und Yoga-Asanas betreiben und abends Spiele im Freien veranstalten oder lange Spaziergänge in der frischen Luft machen.
15. Morgens kann man ein kaltes Bad nehmen. Ein Tauchbad in einem Fluß oder Teich ist sehr gut. Wo es keine Flüsse und Teiche gibt, sollte man ein Halbbad in der Badewanne nehmen. Diese Kaltwasserbäder helfen sehr bei der Einhaltung von Brahmacharya.
16. Sorge für regelmäßigen Stuhlgang. Verstopfung ist oft die Ursache von vulgären Wünschen und Naßträumen.
17. Nütze deine Zeit gut. Beschäftige den Geist ganz mit einem regelmäßigen und systematischen Tagesablauf. Mache dir deinen eigenen Zeitplan und befolge ihn genau. Das hilft dir, Willenskraft und Charakter aufzubauen und Brahmacharya einzuhalten.
18. Wer Erfolg in seinem geistigen Bemühen und der Einhaltung von Brahmacharya haben will, sollte immer maßvoll bei Arbeit, Andacht und Ruhe sein.
19. Lies während der Freizeit gute Bücher und die Heiligen Schriften. Diese Bücher erheben, leiten und führen dich auf den rechten Pfad und bringen Erleuchtung. Der Geist ist etwas sehr Subtiles. Er hat keine eigene Gestalt und Farbe, sondern nimmt die Form und Farbe des Gedankenobjekts an. Wenn man gute Bücher liest und ständig von erhebenden, edlen und hohen Gedanken hört, bereitet man dem Geist gute Nahrung, und dieser wird mit der Zeit wirklich gut, edel und groß. Was man denkt, das wird man. Was man in Form von Wünschen, Gedanken und Taten sät, das erntet man zu seiner Zeit. Wir sind das, was unsere früheren Wünsche, Gedanken und Handlungen aus uns gemacht haben, und unsere Zukunft hängt gänzlich von unseren heutigen Wünschen, Gedanken und Handlungen ab.
20. Suche nie den Umgang mit schlechten Menschen und lies keine erotischen Romane. Das zieht dich mit Sicherheit hinab. Meide üble Gesellschaft wie auch Filme und Theater, in denen sexuell gefärbte oder in anderer Hinsicht anrüchige Aufführungen stattfinden.
21. Rede nicht zuviel. Beim Sprechen verliert man viel Energie. Geschwätz macht den Geist unstet. Außerdem ist es für einen redseligen Menschen schwer, Geist und Sinne zu kontrollieren oder Brahmacharya zu halten. Sei daher stets mäßig im Reden.
22. Vermeide Klatsch unter allen Umständen; er ist ein großes Hindernis für das Einhalten von Brahmacharya. Geschwätz regt unbewußt Wünsche an und macht den Geist fahrig und ruhelos. Klatsch ist nichts anderes als das Gerede der Müßiggänger, und der Geist eines Faulenzers ist des Teufels Werkstatt. Klatsch dreht sich immer um das, was man am liebsten mag oder am meisten haßt. In der Regel geht es um die Fehler und Unzulänglichkeiten anderer Leute. Wenn man sich damit beschäftigt, nimmt man unbewußt teil an den Sünden und Schwächen dieser anderen Menschen und gibt seinem Geist die falschen Eindrücke. Also muß man sich vor Klatsch hüten, um nicht zurückzufallen.
23. Meide vulgäres Gerede und die verderbliche Gesell schaft solcher junger Leute, die nur zu gerne über sexuelle Dinge oder über das andere Geschlecht reden. In dieser Gesellschaft öffnen solche Gespräche unbewußt das Tor zur Unmoral.
24. Suche den Umgang mit Menschen, die hingebungsvoll und erleuchtet sind. Wer die Möglichkeit hat, sollte an Kirtans (gemeinschaftliche Gesänge zum Lobe Gottes) und Bhajans (gemeinsames Singen von Gottes Namen) teilnehmen und religiöse Studiengruppen und erhebende Vorträge besuchen.
25. Halte dich an Japa (Mantrameditation) und Tapa (Yogaübungen) und bete aufrichtig zu Gott. Widme morgens und abends jeweils mindestens eine hal be Stunde der Übung von Japa und Tapa und dem Gebet. Wenn du regelmäßig meditierst, dein Mantra wiederholst und betest, wird der Geist gereinigt, und du wirst in jeder Hinsicht vorankommen und gedeihen.
26. Versuche, den Eltern, alten Menschen, dem Guru (geistiger Lehrer oder Führer), heiligen Menschen, den Armen, Bedürftigen, Kranken, dem Land, der Nation und der Welt im ganzen zu dienen. Hilfe, die ohne irgendwelche Erwartung auf Gegenleistung gegeben wird, reinigt den Geist von allen Sünden und Unreinheiten, sichert rasches geistiges Wachstum, große Kraft und rechte Führung, hilft beim Erreichen von vollkommenem Brahmacharya und führt zum letzten Ziel.
27. Lebe in strenger Disziplin und sei bescheiden. Respektiere und gehorche deinen Eltern, Lehrern, Vorgesetzten und dem Gesetz. Ohne vollkommene Disziplin gibt es keinen Fortschritt. Ein disziplinierter Mensch kann seinen Geist und seine Sinne leicht kontrollieren. Sei wahrhaftig, lüge oder betrüge andere nie. Habe keine Angst, den Eltern und Lehrern deine Fehler und Sünden einzugestehen. Sage ihnen alles, damit du die richtige Führung bekommst. So wirst du von deinen Sünden be freit, doch mußt du aufpassen, daß du sie nicht wissentlich wiederholst.
28. Gib keinen Versuchungen nach. Der Mann oder die Frau, der Junge oder das Mädchen, der oder die zu billi gen und vulgären Versuchungen nicht »Nein« sagen kön nen, fallen um so tiefer, je bereitwilliger sie auf sie eingegangen sind. Ständige Selbstkontrolle ist also gut.
29. Tu nichts lau oder halbherzig. Sei sorgfältig und auf richtig bis ins Allerinnerste, denn Geist und Sinne betrü gen oft auf die verschiedenste Art und gehen nicht von selbst den geraden und rechten Weg. Sie neigen immer dazu, leichtfertig und faul zu sein und finden immer wie der lahme Ausreden und Schlupflöcher, um vom rechten Weg abzugleiten. Es ist sehr dumm von dir, ihren Neigun gen zur Schwäche nachzugeben. Du verzögerst damit dei ne Entwicklung, und das Glück der Wahrheit und des Er folgs wird dir nie lächeln. 
30. Sobald ein vulgärer Wunsch sich in deine Gedanken einschleicht, versuche, ihn durch das Aufrufen des ent sprechenden guten Wunsches zu vertreiben.
31. Wer kleine Dinge vernachlässigt, scheitert auch bei großen. Wer in kleinen Dingen achtlos ist, ist es auch in großen. Schenke also den Mitteln die gleiche Aufmerk samkeit wie dem Ziel, das du im Auge hast. Schlechte Mittel sollten nie für gute Ziele eingesetzt werden.
32. Lasse deinen Emotionen niemals freien Lauf. Wer zu gefühlsbetont ist, hat es mit Brahmacharya schwer. Halte darum deine Emotionen zurück und beherrsche deine Gefühle. Mit jeder erfolgreichen Kontrolle wird die Willenskraft stärker und stärker.
33. Vermeide das Betrachten von Personen des anderen Geschlechts. Das Herz wird unrein durch Gier; die Zunge durch Lügen; die Augen durch den begehrlichen Blick auf den Reichtum eines anderen oder auf die Schönheit seiner Frau und seiner weiblichen Verwandten, und die Ohren durch das Lauschen auf die Verleumdungen an derer. Wer das alles vermeidet, bewahrt sich vor schwer wiegenden Fehlern.
34. Betrachte und behandle jeden Menschen des an deren Geschlechts als Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester. Diese Gewohnheit bewahrt dich vor dem Sta chel der Sinnlichkeit.
35. Unterdrücke nie die Notdurft. Sonst gibt es Störungen.
36. Trage immer ein Lendentuch ( Coupinum); das ist eine große Hilfe zur Einhaltung von Brahmacharya. Ein Lendentuch kann leicht aus zwei einfachen Baumwoll streifen hergestellt werden. Den einen Streifen bindet man als Gürtel um die Taille, den anderen, in den Maßen 15-25 x 100 cm bzw. individuell angepaßt, steckt man vorn und hinten unter den »Gürtel«. Beide Geschlechter können mit großem Nutzen Tag und Nacht ein fest sitzendes Lendentuch tragen.
37. Setze dich nicht zu schlechten und gemeinen Men schen. Sprich nicht mit ihnen. Meide ihre Gesellschaft.
38. Höre keinen Gesprächen über unsittliche Menschen zu, noch sprich selbst über sie oder besuche sie. Gehe ih nen immer aus dem Wege. Wenn du diese Regel mißachtest, bist du in Gefahr, angesteckt zu werden und zu fallen.
39. Betrachte nie den nackten Körper eines Menschen des anderen Geschlechts. Beobachte nicht das Liebesspiel und die Paarung von Vögeln, Haustieren oder Menschen. Ein solcher Anblick aktiviert automatisch die verborgenen und unterdrückten sexuellen Wünsche und Instinkte, und man fordert einen Rückfall geradezu heraus.
40. Versuche, morgens um halb vier Uhr aufzustehen. Wasche dich und übe Yogaübungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayamas).
41. Verzichte auf Rauchen, berauschende Getränke, Sandelpaste, Blumen, Girlanden und Parfüms, Collyrium (für die Augen) und auf Luxus in Kleidung, Schmuck, Kosmetik usw.
42. Schlafe stets auf einem harten Bett und denke gar nicht erst an ein weiches. Sei stark und nicht so empfindlich. Leute mit empfindlichem Körper und zarter Gesundheit leiden später viel, und ihr Leben wird ihnen durch dieses Elend zur Last. Sei darum hart zu dir selbst.
43. Rufe vor dem Schlafengehen hohe und edle Gedanken hervor, denke an Gott, bete zu ihm von Herzen und schlafe ein mit dem Namen Gottes auf den Lippen. Gleich beim Aufwachen soll dein erster Gedanke Gott gelten. Diese gute Gewohnheit macht dich rein, heilig und groß und bewahrt dich vor vielen Fallen und Gefahren.

Wie man sexuelle Entgleisungen und Gefahren meiden kann

1. Wenn du dich irgendwo sexuell stimuliert fühlst, verweile dort keinen Augenblick länger. Verscheuche sofort jeden sexuellen Gedanken. Wenn Menschen mit gutem und edlem Charakter in der Nähe sind, so sprich mit ihnen, um den eigenen Gedanken eine andere Richtung zu geben; andernfalls lies gute Bücher oder die Aussprüche von großen Heiligen.
2. Wenn der Geschlechtstrieb mächtig ist, sieh zu, daß du einen langen Spaziergang in frischer Luft machen kannst. Es können ruhig 2-3 km sein. Bleibe nicht im Zimmer und ziehe dich auch nicht völlig zurück.
3. Wenn der Geschlechtstrieb sich regt, so sprich nicht mit Menschen des anderen Geschlechts, sieh auch keinen solchen an, nicht einmal ein Foto. In solchen Zeiten reagieren Geist und Sinne sehr scharf auf sexuelle Instinkte, und die Unterscheidungsfähigkeit des Geistes ist getrübt und blind, so daß selbst ein häßlicher Mensch des anderen Geschlechts überaus anziehend erscheint. Daher kommt es vor, daß ein schöner Mann (oder eine Frau) der Lust unterliegt und sogar eine häßliche Frau (oder einen Mann) zu lieben beginnt.
4. Wenn man sexuell erregt ist, kann man ein Glas kaltes oder geeistes Wasser oder sonst etwas Kaltes trinken. In solchen Zeiten mildern kalte Getränke das Übel und helfen, Brahmacharya zu bewahren.
5. In Zeiten sexueller Erregung soll man niemals Tee, Kaffee oder ein anderes heißes Getränk oder hitzeerzeugende Nahrung zu sich nehmen. Das steigert die Leidenschaft und führt zu einem Rückfall.
6. Wenn du sexuell erregt bist, kannst du auch ein kal tes Bad nehmen. Ein Tauchbad in einem Fluß oder Teich ist sehr gut. Bleibe zehn bis dreißig Minuten bis zur Hüfte im Wasser.
7. Wenn du sexuell erregt bist, solltest du die Genitalien nicht mit den Händen berühren und sie auch nicht be trachten. Damit machst du das Übel noch schlimmer.
8. Sobald du von sexuellen Wünschen und Gedanken gestört wirst, versuche, den Namen Gottes (Mantra Japa) zu wiederholen und niederzuschreiben. Bitte Gott auf richtig um Hilfe, Führung und Errettung vor allen An fechtungen und Gefahren.
9. Wenn ein sexueller Impuls aufkommt, knie oder set ze dich mit gekreuzten Beinen im Freien hin. Atme lang sam ein, schließe den Anus fest, drücke den Unterbauch gegen das Rückgrat und ziehe die irritierende Kraft sehr langsam und vorsichtig von den Genitalien rückwärts zum After, dann aufwärts zum Kopf und atme schließlich lang sam aus. Dieses Verfahren wiederholt man zehn- bis zwanzigmal, wobei man ständig die Silbe »OM« aus spricht. Beim Einatmen stelle dir fest vor, daß du den gan zen Körper und den Geist mit Reinheit, Kraft, Gesund heit, Brahmacharya und Vollkommenheit füllst. Denke beim Ausatmen, daß alle Unreinheiten, Sünden, Schwä chen, Krankheiten, Lust usw. aus Geist und Körper aus getrieben werden. Diese Übung wird dir sehr helfen.
10. Wenn du an lasziven Wünschen und Gedanken lei dest, solltest du immer daran denken, daß vielleicht auch mit dem Magen etwas nicht in Ordnung sein könnte. Die Ernährung muß entsprechend abgestimmt werden, und wenn nötig, kannst du fasten oder nur leichte Nahrung zu dir nehmen. Sogar eine Milchdiät mit zuviel Butter oder  Ghi (zerlassene Butter) kann bei manchen Menschen ab normale sexuelle Begierden auslösen. Deswegen muß man sich klug verhalten, seinen eigenen Körper gut kennen lernen und Essen und Trinken entsprechend regulie ren.


11. Die folgenden Leitlinien sollten im Gedächtnis be halten oder nachgelesen werden, wenn du von sexuellen Impulsen gestört wirst:

a. Dein Selbst oder Atman ist die wahre Verkörperung der ewigen Wahrheit. Aus der Wahrheit kommst du, in der Wahrheit lebst du, und in die Wahrheit gehst du zurück. Dein Atman oder das Selbst hat kein Geschlecht, ist weder männlich noch weiblich. Der Geist  schafft diese Unterscheidung, indem er sich aus Unwissenheit mit dem vergänglichen Körper und den Sinnen identifiziert. Daher solltest du kein Sklave deines Geistes und deiner Sinne werden und in leidvolle Abhängigkeit geraten, weil du deine wahre Natur, das immer freie Atman, vergißt, und die Hölle erlebst.
b. Brahmacharya ist sowohl Kraft als auch Leben. Wer Brahmacharya einhält, vollbringt ein großes und langan dauerndes Opfer. Allein durch Brahmacharya er reicht man Brahma-Jnana (die Erkenntnis Brahmans oder Gottes oder die wahre Natur des Selbst).
c. Sogar Wahrheitssucher und Gelehrte (Pandits) kön nen, obwohl sie alle guten Eigenschaften besitzen, in al lergrößte Schwierigkeiten geraten, wenn es ihnen miß lingt,  strenges Brahmacharya einzuhalten.
d. Sexuelle Zügellosigkeit schmiedet die Ketten für Herz und Geist eines Menschen. Von ihr kommen alle Täuschungen, die auf dem Ego-Instinkt und auf Begierde beruhen.
e. Niemand auf Erden, weder Vater noch Mutter noch irgendein anderer Wohltäter kann einem solchen Gewinn schenken wie ein reiner Charakter und ein wohlausgerichteter, gut kontrollierter Geist. Bilde darum deinen Charakter durch Selbstbeschränkung und Einhaltung von Brahmacharya.
f. Unter allen Übeln in der Welt ist die sinnliche Begier das schmerzhafteste und schrecklichste. Ein von Wollust gepackter Mensch ist ein völlig hilfloses Geschöpf. Er ist ein ständiges Opfer des Elends und qualvoller Angst. Daher ist es nicht nur eine gute Sitte, die Lust aufzugeben, sondern man muß sie besiegen, um glücklich zu sein.
g. Es gibt keine größere Vision wie die des Selbst, keine bessere Selbstbeschränkung wie Brahmacharya, kein größeres Elend wie die Wollust und kein schöneres Glück wie Selbstbeherrschung, Samadhi und Gottverwirklichung.
h. Reichtümer, die im Spiel oder durch Spekulationen verloren werden, sind unbedeutende Kleinigkeiten, verglichen mit dem Schaden, den man durch wollüstige Wünsche, Gedanken und Taten erleidet.
i. Ein König wird durch schlechte Ratgeber ruiniert, ein Asket verliert die Schau Gottes, wenn er sein Herz an andere Dinge hängt, ein Sohn wird durch Verzärtelung verdorben, ein Brahmane (Priester) wird verachtet, wenn er nicht genügend gelernt hat, eine Familie kommt durch einen unwürdigen Sohn in Schande, den Charakter ver liert man in Gesellschaft gemeiner Menschen, das Schamgefühl wird durch gewohnheitsmäßiges Trinken zerstört, die Ernte wird durch Nachlässigkeit vernichtet, die Bande der Anhänglichkeit werden durch Entfernung gelockert, Freundschaft wird durch Mangel an Liebe aufgelöst, Wohlstand geht zugrunde durch Abweichen vom Pfad der Gerechtigkeit, und Gesundheit, Reichtum und Freiheit gehen verloren durch den Verlust von Brahmacharya.
j. Sinnesfreuden richten die sündhaften Menschen zugrunde. Unkraut ist der Fluch der Felder; das Gleiche bedeuten Leidenschaft, Böswilligkeit und Verblendung für die Menschheit. Daher sollte jeder, der Erfolg und Glück im Leben haben möchte, seine Sinne und seinen Geist stets zügeln und Brahmacharya einhalten.
k. Die Guten und die Selbstbeherrschten leuchten von weitem wie die Gipfel des Himalaya, während die Tugendlosen unbemerkt verschwinden wie Pfeile in dunkler Nacht.
l. Die Gabe des Dharma (Rechtschaffenheit) übertrifft alle anderen Gaben; das Auslöschen der Begierde besiegt alle Leiden; und nur die Wünsche fesseln den Menschen.
m. Wie ein Kalb seine Mutter unter tausend Kühen herausfindet, so wird ein schlechter Mensch unfehlbar durch seine abscheulichen Taten gebrandmarkt und erkennbar. Tu darum nichts Böses und sündige nicht.
n. Kein Feuer wirkt so zerstörend wie das Feuer der Lust. Normalerweise brennt ein Feuer den Menschen nur im Diesseits, aber das Feuer der Lust verbrennt ihn sowohl hier als auch im Jenseits.
o. Gesundheit ist das größte Gut, Zufriedenheit das größte Vermögen, Selbstvertrauen der beste Freund, Brahmacharya die wunderbarste Kraft und Samadhi (Gottverwirklichung oder Selbst-Verwirklichung) die höchste Glückseligkeit.
p. Je weniger selbstsüchtig man sich etwas wünscht, desto größer und wirkungsvoller wird die angesammelte und vervielfältigte Kraft der eigenen Gedanken-Batterie. Nur die selbstsüchtigen Wünsche zerstreuen die Kräfte des Geistes.
q. Beherrsche den Gaumen und den Geschlechtstrieb, und du wirst überall in Sicherheit sein.
r. Lust, Zorn und Gier öffnen die drei Tore zur Hölle. Sicherheit und Erfolg liegen also darin, diese D rei zu besiegen.
s. Sich von seinen Leidenschaften regieren lassen, ist Selbstmord. Leidenschaft ist von Leiden begleitet. Glaube und Aufgabe des Eigenwillens sind die Charakteristika der Heiligen; Geduld ist die Tugend der Engel. Besiege den Geist und die Sinne und du beherrschst die Welt.
t. Gewinne Erkenntnis mit Hilfe von Brahmacharya. Das wird dich befähigen, Recht von Unrecht zu unterscheiden und deinen Weg zum Himmel erleuchten. Sie wird dein Freund in der Verzweiflung, deine Gesellschaft in der Einsamkeit, dein Gefährte in der Verlassenheit, dein Führer im Glück, deine Stütze im Unglück, dein Schmuck unter Freunden und dein Schutz und Schild gegen Feinde und Versuchungen sein.
u. Das Leben ist am fruchtbarsten, wenn du mit denen zusammen bist, die trotz ihrer Kraft und Macht Demut und Freundlichkeit üben. Liebenswürdigkeit und Demut sind der wahre Kern aller Tugenden. Dulde also nichts in dir, was nicht schön und sanft ist, und wie der Tag der Nacht folgt, wird es auch um dich nichts geben, was nicht schön und durch den Zauber deiner Gegenwart besänftigt würde.
v. Wie die goldene Dämmerung den Sonnenaufgang anzeigt, so zeigen Demut, Brahmacharya, Reinheit usw. das Heraufdämmern der Erkenntnis bei einem Menschen an.
w. Körperliche Schönheit und Kraft lassen mit fortschreitendem Alter nach, geistige Schönheit und Kraft dagegen nehmen zu. Friede ist nicht für die Bösen, noch sind Kraft und Glück das Los der Ehebrecher und Ehebrecherinnen.
x. Das Benehmen eines Jugendlichen bestimmt oft sein Glück; sein vollkommener Charakter ist ein sicheres Zeichen dafür, daß er eines Tages das Königreich Gottes gewinnen wird.
y. Ein unreiner Geist ist immer ein Scheinheiliger und Betrüger, während ein wohltrainierter und vollkommen ausgewogener Geist ein aufrichtiger Freund und Retter ist.
z. Tu heute schon, was du morgen erledigen wolltest. Bringe jetzt sofort zu Ende, was du erst im Laufe des Tages tun wolltest. Der Tod wartet nämlich nicht, um nachzusehen, ob du dies oder jenes erledigt hast. Wenn du auf eine bessere Gelegenheit wartest, kommt sie vielleicht überhaupt nicht. »Zwischen Lipp und Kelchesrand schwebt der finstern Mächte Hand«.

Im Allgemeinen


Jeder geschlechtliche Wunsch, Gedanke oder Akt wird, wenn gezügelt und kontrolliert, leicht in die große geistige Energie »Ojas Shakti« umgewandelt. Je mehr diese Shakti sich in einem Menschen ansammelt, desto stärker wird er. Der Mangel oder der Überschuß an dieser Shakti unterscheidet die einzelnen Menschen in Kraft, Vitalität und geistigen Fähigkeiten voneinander. »Oias Shakti« ist eine absolute Notwendigkeit für denjenigen, der sich guter geistiger und körperlicher Gesundheit erfreuen und ein langes Leben gewinnen will. Ihr Verlust ruiniert den Menschen geradezu.

Ohne die Geheimnisse von »Ojas Shakti« zu kennen, haben manche moderne Sexualforscher im Hinblick auf Brahmacharya eine Menge Verwirrung gestiftet und sowohl junge als auch alte Menschen in die Irre geführt, indem sie verkündeten, Masturbation und sexueller Genuß seien ganz natürliche Dinge und daher in keiner Weise schädlich. Das ist ein Fehler erster Güte. Wenn sie sagen, daß der sexuelle Instinkt und der Geschlechtstrieb oder sexuelle Impulse bei jungen Männern oder Frauen zu gewissen Zeiten ihres Lebens natürlich seien, so stimmen wir dem durchaus zu. Aber die Behauptung, daß ein Geschlechtsakt oder sexuelles Sich-gehenlassen in der einen oder anderen Form etwas Natürliches sei, d.h. etwas Wesentliches und für den Menschen so Unerläßliches wie Essen, Trinken und Urinieren, ist eine reine Verdrehung der Wahrheit.

Essen und Trinken sind natürliche Vorgänge wie die Ausscheidung von Urin und Stuhl. Sie beginnen mit der Geburt und setzen sich bis zum Ende des Lebens fort. Der Sexualinstinkt jedoch und die geschlechtlichen Funktionen erwachen erst mit der Entwicklung der Geschlechtsdrüsen und hören mit fortschreitendem Alter auf. Außerdem kann der Mensch sein ganzes Leben lang ein halbes Dutzend Mal am Tag Wasser lassen, ohne dabei irgendetwas ausser Urin zu verlieren, es sei denn, er hat eine Krankheit der Harnwege.

Unter normalen Umständen ist das eine einfache Notwendigkeit. Wäre aber ein Mensch sein Leben lang täglich ein halbes Dutzend Mal sexuell aktiv, so wäre das der sicherste Weg zu frühzeitigem Verfall und Tod. Das zeigt klar, daß sexuelle Zügellosigkeit keineswegs ein natürliches Grundbedürfnis oder -phänomen ist. Genau hierin liegt das Geheimnis von Brahmacharya und seiner Bedeutung. Gerade das Bezwingen des Geschlechtstriebs, sobald er sich bemerkbar macht, sowie das Bezähmen und Kontrollieren des Seximpulses und seine Umlenkung in die richtigen Bahnen ist der Sinn von Brahmacharya und führt schließlich über verschiedene Stufen zur Gottverwirklichung und zu ewiger Seligkeit.

Der Mensch wird als vernünftiges und denkendes Wesen bezeichnet. Nur beim Menschen haben Geist und Intellekt einen hohen Grad an Vollkommenheit erreicht. Wenn der Mensch keine strenge Kontrolle über seinen Geist und seine Sinne ausüben, und sein Leben nicht in Selbstdisziplin führen würde, wäre er in gar keiner Weise besser als wilde Tiere, die ihren sexuellen Instinkten freien Lauf lassen, um sie voll zu genießen. Allein der Mensch kann und sollte sein Unterscheidungsvermögen zu seinem eigenen Besten einsetzen. Wenn das Lebensziel des Menschen allein in sexuellen Freuden bestünde, würde er feststellen, daß die Tiere weitaus besser dastehen als er selbst, denn sie sind in ihrem Handeln frei, und ihren Neigungen werden keine Zügel angelegt. Sie führen ein sorgloses Leben, essen, wenn sie hungrig sind, trinken, wenn sie Durst haben, ruhen, wenn sie müde sind und paaren sich, wenn sie den entsprechenden Drang fühlen.

Der Mensch aber hat nicht alle diese Vorrechte und dazu die absolute Freiheit, zu tun was er mag, und zwar wo und wann immer er will. Tatsächlich ist der Lebenszweck des Menschen ein viel höherer und edlerer, und dieses Ideal sollte nie aus den Augen verloren werden. Bei rechter Anleitung und geeigneten Vorsichtsmaßnahmen kann jeder Junge und jedes Mädchen leicht ein reines und enthaltsames Leben führen, und das nicht nur bis zur Hochzeit, sondern sogar danach, wenn sie das wollen. Das ist einfach eine Frage des richtigen Trainings von Geist und Sinnen.

Ferner attackieren einige beschränkte und falsch informierte Leute unsere Heiligen Schriften als unwissenschaftlich und behaupten, unsere Rishis (Weisen) würden sich irren. Die heutigen Wissenschaftler haben zweifellos wundervolle Entdeckungen und Erfindungen gemacht. Einige sind atemberaubend. Sie befassen sich jedoch nur mit physikalischen Dingen, mit Materie und Energie. Sie haben Materie in Atome und Energie in Elektronen und Protonen zerlegt. Ihr Instrumentarium ist tatsächlich sehr genau, aber schließlich doch Menschenwerk.

Wie genau und leistungsfähig sie auch immer sein mögen, so können sie doch nicht in die Mysterien eindringen und das Wesen und die Funktion solch abstruser und subtiler Dinge entdecken, wie sie Geist, Selbst, Kosmos, Gott usw. darstellen. Ein gründliches Studium zeigt, daß unsere alten Rishis sich nicht allzuviel mit weltlichen Dingen befaßten, daß sie aber tief in das Reich des Geistes eintauchten. Es scheint fast sicher, daß die Rishis ihre Forschungen auf einer Stufe begannen, der sich moderne Wissenschaftler durch ihre Experimente auf dem Gebiet von Materie und Energie umständlich zu nähern beginnen; es scheint tatsächlich so zu sein, daß nur wenige entschlossene Schritte nach vorn ihnen die Schleusentore des Geistes für die Überzeugung öffnen werden, daß Es und nur Es allein die Letzte Wahrheit ist.

Die Rishis reinigten ihren Geist bewußt und mit großem Einsatz, machten ihn durch  Yoga-Ubungen subtil und konzentriert, und so erlebten und entschleierten sie die Geheimnisse von Geist, Kosmos, Selbst, Gott usw. Die großen religiösen Wahrheiten wurden also auf wissenschaftliche Weise durch Experimente und Beobachtung entdeckt, und es wäre unsinnig, sie einfach deswegen beiseite zu schieben, weil wir zu unwissend und materialistisch sind, um sie zu erfassen. Der normale moderne Mensch ist ja nur ein Sklave seines Geistes und seiner Sinne, und als solcher kann er ihre Bedeutung nicht verstehen und noch viel weniger schätzen und bewerten. Unsere alte Kultur und unser altes Erbe beruhen auf einer subtilen und tiefgründigen Geisteswissenschaft, auf die wir mit Recht stolz sein sollten.

Es ist ein Jammer, daß heutzutage der indische Gelehrte kein eigenes Rückgrat zu haben scheint. Er besitzt keine eigene Standfestigkeit, um seine anerkannte Meinung zugunsten seiner alten Kultur abzugeben, die doch das Ergebnis der Anstrengungen der Rishis darstellt. Statt dessen verläßt er sich auf die Ansichten Fremder, um zu überleben. Tatsache ist, daß das indische Volk durch jahrhundertelange Sklaverei seine eigene Kultur vergessen hat, seine eigenen verborgenen Schätze vernachlässigt und jegliches Selbstvertrauen verloren hat. Um unsere Leser vom ewigen Ruhm und dem bestimmenden Einfluß Indiens zu überzeugen, zitieren wir die Meinungen zweier hervorragender westlicher Gelehrter von internationalem Ruf in der Hoffnung, daß sie daraus nicht nur Anregung erhalten, sondern auch stolz sind auf die große Forschungsarbeit der Rishis und ernsthafte Anstrengungen machen, dem aufgestellten Ideal nachzueifern. Ebenso mag die Tatsache erwähnt werden, daß große Gelehrte aus allen Teilen der Welt heute noch Indien besuchen, um die Geheimnisse des höheren Lebens zu lernen und um in Demut, Glauben, Aufrichtigkeit und Verehrung Yoga zu praktizieren.

Schopenhauer (Deutscher Philosoph): »Die Upanishaden sind die belohnendste und erhebendste Lektüre, die auf der Welt möglich ist. Sie ist der Trost meines Lebens gewesen und wird der meines Sterbens sein.«

Dr. Victor Cousin (Französischer Philosoph): »Wenn wir aufmerksam die politischen und philosophischen Überlieferungen aus dem Osten, besonders die Indiens, lesen, die sich allmählich in Europa verbreiten, so entdecken wir darin so viele Wahrheiten, und zwar Wahrheiten, die so tief sind und in so scharfem Gegensatz zu den armseligen Erfolgen stehen, mit denen sich der europäische Genius in letzter Zeit begnügte, daß wir uns genötigt sehen, unsere Knie vor der Philosophie des Ostens zu beugen und dort die Wiege der Menschheit und die wahre Heimat der Philosophie zu erblicken.«

Es gibt eine zentrale körperliche Kraft, die »Kundalini Shakti« genannt wird und die im lebenden Körper ständig aktiv ist. Alle Geisteskräfte sind ein Produkt dieser Shakti. Die menschliche Intelligenz ist mit ihr verbunden. Kundalini Shakti ist die Ursache der Nervenströme. Die medizinische Wissenschaft hat die Existenz, die Bedeutung und die Wirksamkeit der Nervenströme im lebendigen Körper erforscht, aber bisher hat weder sie noch die Sexualwissenschaft herausgefunden, wo der Dynamo der Nervenströme seinen Sitz hat. Die alten Yogis und Rishis kannten jedoch dieses Geheimnis und die wichtige Rolle, welche diese Shakti für die geistige und körperliche Gesundheit und das Wachstum eines Menschen spielt.

Diese Shakti steht in enger Beziehung zum Geist und zu Brahmacharya. Ohne perfektes Brahmacharya ist es einfach unmöglich, die Geheimnisse dieser Shakti zu erkennen. Ebenso muß man in Brahmacharya leben, um volle Geisteskontrolle zu erreichen. Geisteskontrolle, Kontrolle der Sexualkraft und das Hinaufführen der Kundalini Shakti zu Samadhi (Erleuchtung) lassen sich niemals trennen. Sexuelle Wünsche und Gedanken erhitzen die Shakti, und die erhitzte Shakti reizt die männlichen oder weiblichen Genitalien, die ihrerseits die Geschlechtsdrüsen zur Sekretion anregen. Diese Shakti ist die eigentliche Wurzel des sexuellen Genusses.

Die modernen Sexualforscher wissen aber nichts von dieser Shakti. Wenn ein Geschlechtsakt und damit ein Orgasmus stattfindet, verlassen Teile dieser Shakti, Ojas Shakti (geistige Energie), Nervenenergie und die verschiedenen Flüssigkeiten den Körper durch die Genitalien. Mit jedem Orgasmus werden dem System diese verschiedenen Energien und Sekrete entzogen. Yogis und große Heilige haben dadurch, daß sie ihre Sexualenergie kontrollierten und die Kundalini Shakti zu höheren Zentren führten, übernatürliche Kräfte entfaltet. Diese übernatürlichen Kräfte sind im Grunde kein Wunder, sondern sie enthüllen nur die verborgenen Fähigkeiten des Geistes, die in uns allen schlummern. Die überwiegende Mehrheit der Menschen verliert diese Kraft jedoch bei sexuellen Freuden, und daher besteht für sie keine Aussicht, deren höhere Manifestation in sich zu entwickeln.

Moderne Sexualforscher beschreiben einen neuen Weg zum Bewahren des Samens, der für sie vielleicht gleichbedeutend mit Brahmacharya ist. Das Sanskritwort Virya wird nämlich meistens als Samen ins Englische übersetzt. Sie führen zur Geburtenkontrolle an Männern eine Operation durch, die sie Vasektomie nennen. Dabei werden die vasa deferentia oder die Leitungen, durch die der Same austritt, durchgeschnitten und die Offnungen abgebunden, oder sie werden zusammengedreht und abgebunden, so daß kein Erguß oder Abfluß möglich ist. Damit geben sie dem Mann die Möglichkeit sexueller Betätigung ohne die Gefahr des Samenverlustes. Das Schlimmste bei dieser falschen Behauptung ist, daß sie einen solchen Mann im Grunde als Brahmachari betrachten, denn sein Same bleibt ihm ja vollständig erhalten.

Nichts kann mehr Unheil anrichten als diese Behauptung. Der Vergleich ist dumm; er entbehrt wahrlich jeglichen gesunden Menschenverstand. Brahmacharya bedeutet nicht nur Samenkontrolle; sie ist nur ein Teil davon. Ein Brahmachari darf nicht einmal an sexuelle Freuden denken, geschweige denn ihnen frönen. Brahmacharya bedeutet vollkommene Kontrolle aller sexuellen Wünsche, Gedanken und Handlungen. Die Vasektomie mag den Samen zurückhalten, aber der Orgasmus (der sexuelle Genuß) findet trotzdem statt, und wichtige körperliche Energien verschiedener Art («Ojas Shakti«, Nervenkraft, »Kundalini Shakti«) werden sinnlos vergeudet. Darum gelingt es einem Mann, der sich dieser Operation unterzogen hat, nicht, große Kräfte des Körpers, des Geistes und der Religion zu entwickeln, wie sie sich bei einem echten Brahmachari in der Regel in hohem Maße zeigen. Um genau zu sein: Brahmacharya läuft auf Sex-Sublimation hinaus, und das ist eine mühselige Arbeit gegen den Strom, die nur ein wahrer Held vollbringen kann.

Im frühen Stadium ist jemand, der in Brahmacharya lebt, meistens völlig lustlos und alles um ihn herum erscheint ihm trist. Manch einer leidet auch unter Verstopfung und Appetitlosigkeit. Diese Erscheinungen sind jedoch zeitlich begrenzt und können leicht überwunden werden, wenn man Geduld und Ausdauer hat und regelmäßig Mantra- Meditation, Yogaübungen und bestimmte Pranayamas (Atemübungen) ausübt. In Ermangelung rechter Führung und ohne diese Geheimnisse zu kennen, fühlen sich manche Menschen in solchen Zeiten erschreckt und beunruhigt, geben ihre Bemühungen auf, unterliegen Versuchungen und werden eine leichte Beute der Lust. In ihrer Unwissenheit benutzen manche Sexualwissenschaftler solche Fälle, um die Praxis von Brahmacharya in Verruf zu bringen. Also nehmt euch in acht!

Intelligente Jungen und Mädchen verfallen der Lust leicht. Das gleiche gilt für Schwachsinnige, und dafür gibt es Gründe. Wir haben schon gesagt, daß Intelligenz mit der Kundalini Shakti (der zentralen körperlichen Kraft) verbunden ist. Wenn diese Shakti vom untersten Zentrum, d.h. vom Muladhara Chakra (in der Gegend des Afters) aus arbeitet, herrscht Trägheit bei dem betreffenden Menschen vor, und er denkt hauptsächlich an Essen, Schlafen und Sex. Auch bei einem Schwachsinnigen dominiert diese Trägheit, weshalb sein Geist stumpf bleibt und er leicht der Lust verfällt. Wenn die Kundalini Shakti teilweise aufsteigt, beherrscht Neugier das betreffende Wesen, und ein solcher Mensch wird intelligent. Intensives Studium, Pranayama, Meditation, Singen, Tanzen, berauschende Getränke usw. begünstigen ein teilweises Aufsteigen der Kundalini Shakti.

Mit diesem teilweisen Aufstieg wird ein Mensch aktiv und intelligent, aber damit ist auch gleichzeitig eine große Gefahr verbunden, denn er neigt zu abnormalen sexuellen Begierden. Hat er keinen reinen Geist, paßt er nicht auf und übt keine Selbstkontrolle, so verfällt er leicht der Lust. Das ist der Grund, warum dies gerade intelligenten Jungen und Mädchen passiert. Wenn solche hellen Köpfe einmal die Seligkeit der Sexualität kosten, werden sie wie wild darauf, und das bedeutet meist das Ende einer vielversprechenden Laufbahn. Wenn diese Jungen und Mädchen dagegen vorsichtig sind und strenges Brahmacharya einhalten, können sie Wunder wirken und in jeder Beziehung Erfolg haben. Was wir hier behaupten, sind reine Tatsachen, die wir in fünfzigjähriger Erfahrung und durch gründliches Studium des Gegenstandes bestätigt gefunden haben.

Wer Brahmacharya einhält, kann gelegentlich Naßträume haben. Das ist kein Grund zur Besorgnis oder zur Unruhe. Solche Träume werden in der Regel verursacht durch:

1. heftige geistige und körperliche Anstrengung,
2. schlechte und unregelmäßige Ernährung,
3. Verdauungsstörungen oder Verstopfung,
4. Klima- oder Ernährungsumstellung,
5. schlechte Gesellschaft und sexuell aufreizende Kino- oder Theatervorstellungen,
6. Singen oder Anhören von Liebesliedern, Lesen erotischer Romane, vulgäres Geschwätz,
7. freien Umgang mit dem anderen Geschlecht,
8. das Betrachten von Paarungen und von Liebeswerben bei Tieren und Menschen,
9. das Unterdrücken der Notdurft


Der Anblick sexueller Handlungen, das Lesen erotischer Romane, Gespräche über sexuelle Dinge usw.. bringen laszive Wünsche und Gedanken hervor, die ihrerseits die Genitalien reizen und die Sexualdrüsen in Tätigkeit setzen, und deren Absonderungen verliert man in Träumen oder auf andere Weise. Wenn man vorsichtig ist und streng die Brahmacharya-Regeln befolgt, die weiter vorn aufgestellt wurden und wenn man Yoga-Asanas, Pranayamas usw. praktiziert, kann man Naßträume leicht vermeiden.

Manche Leute machen viel Aufhebens um Naßträume und werden nervös; sie halten das für eine Krankheit, grämen sich, regen sich auf und suchen bei Ärzten und Sexualberatungen Hilfe. Viele Ärzte können solchen jungen Menschen nicht die richtige Anleitung geben, womit deren Leben in falsche Bahnen gerät. In diesem Zusammenhang erscheint es angebracht, einen Fall zu erwähnen, den ein Sexologe mit selbstgefälliger Freude berichtet, um zu zeigen, daß das Praktizieren von Brahmacharya unnatürlich sei. Er sagt: ein Student, der an der Spitze der erfolgreichen Examenskandidaten an einer Universität stand und eine Goldmedaille errang, lebte in Brahmacharya.

Dieser junge Mann litt unter gelegentlichen Naßträumen. Dadurch erschrak er und wurde ängstlich und nervös. Sorge und Angst machten ihn krank, und er wurde blaß, schwach und mager. Seine Eltern waren alarmiert. Sie befragten Ärzte, Hakims (Heiler) und Vaidyas (Ayurvedische Mediziner). Trotz medizinischer Behandlung wurde es nicht besser. Schließlich wandte der junge Mann sich an einen Sexologen, der ihm sagte, Naßträume, Masturbation oder Geschlechtsverkehr seien natürliche Dinge, und er solle sich keine Gedanken um Brahmacharya machen. Der Student freute sich, das alles zu hören, denn nun hatte er freie Bahn, sich selbst zu befriedigen, ohne befürchten zu müssen, daß er seine Gesundheit untergraben könnte. Schließlich schrieb er dem Sexologen, mit Hilfe der Masturbation gehe es ihm wieder gut. Hier beendet der Sexologe seine Geschichte. Er berichtet nicht, was diesem hoffnungsvollen jungen Mann schließlich passierte: seine Ausschweifung kostete ihn die Laufbahn.

Dieser Fall spricht für sich. Der Junge hielt kein strenges Brahmacharya ein, d.h. er hatte keine Kontrolle über seine verborgenen Wünsche und Sex-Instinkte. Trotzdem glänzte er in seinen Studien, denn er hielt physisch Brahmacharya ein (Brahmacharya des Handelns). Zum Schluß schätzte er jedoch seine Naßträume falsch ein, da ihm die rechte Führung fehlte, erlag er den falschen Anweisungen des Sexologen und machte seine glänzende Karriere zunichte. Etwas Unglücklicheres hätte dem jungen Mann nicht geschehen können. Dieses Ereignis sollte Jungen und Mädchen ein Warnsignal sein. Sie sollten sich vor solchen Fallen und Gefahren hüten und nichts unversucht lassen, die Geheimnisse der Geisteskontrolle zu erlernen, um Naßträume zu vermeiden.

Wenn man regelmäßig und systematisch Yoga-Asanas, Pranayama, Jap und Tap (Meditation) übt, kann man leicht Brahmacharya einhalten und Naßträume vermeiden. Durch Anwendung höherer Pranayamas kann man sogar den bereits gebildeten Samen wieder zurück verwandeln. Es gibt Yoga-Übungen (die man aber besser unmittelbar von einem Guru lernt), mit deren Hilfe man abgesonderten Samen trocknen und Naßträume kontrollieren kann. Ohne Kenntnis der Geheimnisse von Brahmacharya und ihrer Wichtigkeit für die geistige und körperliche Gesundheit eines Menschen ist es für unseren Freund, den Sexologen, ein unsinniges Unterfangen, etwas gegen diese Übungen zu schreiben.

Es ist wichtig, jungen Mädchen, die ins Pubertätsalter kommen, einen Rat und eine Warnung auf den Weg zu geben. Die Menstruation ist beim weiblichen Geschlecht eine ganz normale physiologische Erscheinung. Das Pubertätsalter ist in verschiedenen Ländern und bei verschiedenen Rassen sehr unterschiedlich. In Indien liegt das durchschnittliche Reifealter bei dreizehn Jahren. Im Leben eines Mädchens entwickeln sich zu dieser Zeit die Eierstöcke, die Brust- und andere Geschlechtsdrüsen. Das sind die Anzeichen, daß das Mädchen zur Frau geworden ist. Der Menstruationszyklus einer gesunden Frau folgt eng dem Mondzyklus, der achtundzwanzig Tage hat. Die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut verursacht die Blutungen der Menstruation. Diese Blutung dauert bei einer gesunden Frau drei bis fünf oder sogar sechs Tage. Bei einem Mädchen, das sie einmal bekommen hat, sollte sie sich etwa alle achtundzwanzig Tage wiederholen.

In einigen Fällen erscheint sie auch ein oder zwei Tage zu früh oder zu spät. Der Beginn der Mensis und die Menopause, d.h. der Eintritt der Regel und ihr Ende in den Wechseljahren (normalerweise ist das nach dem fünfundvierzigsten Lebensjahr) sind zwei sehr kritische Zeiten im Leben einer Frau. Wenn die Periode zum ersten Mal eintritt, muß das Mädchen sehr vorsichtig sein und sich vor allen Extremen schützen. Sie sollte sich vollkommen ausruhen und nahrhafte Speisen und Getränke zu sich nehmen. Auch sollte sie sich keine Sorgen machen. Ist sie in diesen Dingen unachtsam, wird sie leiden. Nachlässigkeit kann schmerzhafte Menstruation und andere Unannehmlichkeiten nach sich ziehen. Manches schüchterne Mädchen verbirgt diese natürliche Erscheinung vor seinen Eltern, erschrickt furchtbar, hält sie für eine Krankheit und ruiniert seine körperliche und geistige Gesundheit. Diese Scheu ist ein aus Unkenntnis entstandener grober Fehler.

Hier sollten Eltern, besonders die Mütter und älteren Schwestern, die Mädchen entsprechend anleiten und sie vor einer Katastrophe bewahren. Das ist unbedingt nötig und die Pflicht der Mutter oder der älteren Schwester. Zu dieser Zeit ist ausreichende Ruhe und gehaltvolle Ernährung absolut erforderlich, um eine durch den Blutverlust hervorgerufene Erschöpfung zu vermeiden. Während der Mensis ist der Körper eines Mädchens oder einer Frau sehr empfindlich, und daher sollten Laufen, Springen, Spiele im Freien, schwere körperliche Arbeit, Angst usw. vermieden werden, wenn man gesund und glücklich sein möchte. Zur Zeit der Menopause wird die emotionale, geistige und körperliche Gesundheit einer Frau wieder stark belastet. Wenn dann irgendetwas schief geht, ist es das Vernünftigste, einen Facharzt aufzusuchen. Auch Yogaübungen, Meditation, bestimmte Atemübungen usw. helfen, diese Störungen zu beseitigen. Sie dienen auch als Vorbeugungsmaßnahme.

Um es zusammenzufassen: jeder ist auf der Suche nach Frieden und Freiheit, aber nur wenige wissen, wie und wodurch man dazu kommen kann. Wahrer Friede und echte Freiheit können nur durch Geisteskontrolle gewonnen werden. Ohne Geisteskontrolle kein Frieden und keine Freiheit, denn noch so viele Sinnesfreuden können den Menschen nicht  wahrhaft glücklich machen. Ebenso wenig können das grenzenloser Reichtum, Ruhm und Ehre und dergleichen. In Wirklichkeit bringen sie es sogar fertig, den Menschen unglücklich zu machen. Das heißt aber nicht, daß man nicht nach materiellem Wohlstand streben und ihn gänzlich außer acht lassen sollte. Wir wollen materiellen und geistigen Fortschritt und Aufschwung. Eine Verbindung von Wissenschaft und Religion, von westlicher und östlicher Kultur erscheint als die richtige Lösung für Frieden und Fortschritt der Welt und aller Völker.

Rein materieller Fortschritt, bei dem die geistige Seite ganz und gar vernachlässigt wird, kann nicht zu wahrem Glück beitragen. Man kann aber auch nicht leben und beides miteinander vereinigen ohne Geld (materiellen Wohlstand). Wir wollen beides. Wissenschaft und Religion sind keineswegs unvereinbar. Sie ergänzen sich gegenseitig und sollten Hand in Hand gehen. Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele? Eine egoistische  Auffassung des Lebens ist die größte Gefahr, vor der wir unsere geistige Befreiung schützen müssen.

Was wir unter Charakter verstehen, ist, wahrhaftig, ehrlich, freundlich, gütig, enthaltsam, selbstlos usw. zu sein. Kurzum, man muß in den moralischen und ethischen Verhaltensregeln völlig gefestigt sein. Nur Männer und Frauen mit Selbstdisziplin und Zurückhaltung können moralisch und ethisch gut sein. Allgemein gesagt, können wir die ganze Menschheit in drei Hauptgruppen einteilen, nämlich den animalischen Menschen, den Menschen und den Übermenschen. Der Unterschied zwischen dem animalischen Menschen und einem Tier, dessen ganzer Lebensinhalt sich in Essen, Trinken, Schlafen und Fortpflanzen erschöpft, ist nicht sehr groß. Er kennt keinerlei Verantwortungsgefühl und 
besitzt keinen Anstand.


In der zweiten Gruppe ist »der Mensch« ein soziales Wesen. Er ist ein denkendes Wesen. Er hat eine Vorstellung von Anstand und Verantwortlichkeit. Daher muß er Selbstkontrolle und Selbstdisziplin üben. Dann gibt es noch den Übermenschen. Um ein Übermensch zu werden, muß man Meister seines Geistes und seiner Sinne sein, um Samadhi zu erreichen. Daher können alle, die am liebsten wie Tiere oder wie ihre Nachbarn nebenan leben, es mit Selbstbeschränkung oder Brahmacharya halten, wie sie wollen. All diejenigen aber, die wahre menschliche Wesen werden wollen, müssen Selbstkontrolle üben, bis zu ihrer Heirat konsequent in Brahmacharya leben und auch danach ein gut geregeltes Geschlechtsleben führen, um zu wahrem Frieden, Wohlstand und langem Leben zu gelangen. Das ist unerläßlich.

All jene, die sich danach sehnen, durch Samadhi oder Gottverwirklichung Übermenschen zu werden, müssen ihr ganzes Leben lang in Enthaltsamkeit (Brahmacharya) leben und Geisteskontrolle und Meditation praktizieren, um die Kundalini Shakti zum höchsten Zentrum aufsteigen zu lassen. Ohne volles Brahmacharya und Meditation ist es unmöglich, Samadhi zu erlangen. Ohne Samadhi zu erreichen, kann niemand zum Übermenschen werden und Intuition und Weisheit viel höherer Art gewinnen. Kurzum, das Einhalten und das Festhalten an Brahmacharya sind die Voraussetzung, für den Erfolg bei der Geisteskontrolle und das Erreichen von Samadhi. Nur durch Samadhi wird man zum Übermenschen und gewinnt die Intuition der höheren Art. Darum, liebe Kinder! überlegt und entscheidet selbst, was ihr im Leben werden wollt - animalische Menschen, Menschen oder Übermenschen. Dann wählt eure Lebensweise und formt euren Charakter entsprechend. Die Lebensspanne zwischen Zehn und Dreißig ist die fruchtbarste Zeit, um seinen Charakter zur Größe auszubauen oder ihn so zu ruinieren, daß man auf Dauer ehrlos versinkt. Gott segne Euch alle!

Om Shanti! Shanti!! Shanti!!! - Swami Narayanananda


http://zinto.freehostyou.com/narayanananda/index.html



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